Ausstellung über den Bentheimer Grenzlandausschuss im Stadtmuseum Nordhorn

Als Reparationsforderungen für die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden und Verluste forderten die Niederlande 1946 die Abtretung von Gebieten entlang der westdeutschen Grenze. Betroffen waren 18 Landkreise in einer Linie von Borkum bis nach Aachen. Eines der größten Gebiete stellte dabei die Niedergrafschaft dar. Diese Pläne waren auch der Anschub für den Emslandplan, der am 5. Mai 1950 vom Bundestag beschlossen wurde.

Vor diesem historischen Hintergrund wurde am 12. Februar 1947 der Bentheimer Grenzlandausschuß gegründet, als sich in Bentheim die Regierungspräsidenten und die sechzehn Landräte der von den niederländischen Gebietsansprüchen betroffenen Kreise im deutsch-niederländischen Grenzgebiet versammelten und Protest gegen jegliche Abtretung deutschen Territoriums an die Niederlande erhoben. Den Vorsitz führte der Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim, Dr. Rudolf Beckmann.
Der Ausschuß nahm in Form eines Gutachtens Stellung zu Gebietsansprüchen und zu wirtschaftlichen und wasserwirtschaftlichen Forderungen der Niederlande, unter anderem die Forderung von Kohle-, Kali- und Ölkonzessionen sowie nach Beschränkung der Ein- und Ausfuhr in deutschen Seehäfen. Ein Aufgabenschwerpunkt war die Beratung und rechtliche Vertretung von deutschen Landwirten, deren Grundstücke (sogenannte Traktatgrundstücke) auf niederländischem Territorium aufgrund des Pariser Reparationsabkommens vom 14. Januar 1946 in den Niederlanden beschlagnahmt worden waren. Seit 1952 verhandelten die Bundesrepublik Deutschland und die Niederlande über die Rückgabe der Traktatgebiete. Zu diesem Zweck wurde eine deutsch-niederländische Studienkommission eingesetzt, der auch Vertreter des Bentheimer Grenzlandausschusses angehörten. Die Verhandlungen endeten mit dem deutsch-niederländischen Ausgleichsvertrag vom 8. April 1960, der die Rückgabe der 1949 unter niederländische Verwaltung gestellten Grundstücke an die Bundesrepublik Deutschland und den Verlauf der gemeinsamen Grenze regelte. Die offizielle Auflösung des Bentheimer Grenzlandausschusses erfolgte am 12. Februar 1964.

Die Tätigkeiten, Organisation und Wirkung dieses Gremiums, das sich als „Demokratie von der Basis aus“ verstand, stehen im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum Nordhorn im NINO-Hochbau an der NINO-Allee. Die offizielle Eröffnung erfolgt am Sonntag, 28. September, 11.30 Uhr. Die Begrüßung der Gäste wird von Dr. Werner Rohr, Vorsitzender des Grafschafter Museumsvereins, vorgenommen. Das Grußwort wird von Uwe Fietzek, Landrat der Grafschaft Bentheim, gehalten, die Eröffnungsrede von Nadine Höppner, Museumsleiterin. Die Ausstellung ist bis zum 8. März 2026 zu sehen.

Zum Stadtmuseum Nordhorn

Das Stadtmuseum Nordhorn zeigt im 1. Obergeschoss im NINO-Hochbau auf einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmetern die große Textil- und Modegeschichte Nordhorns. Über 100 Jahre lang galt der Satz „Nordhorn hängt am Baumwollfaden“. Zu Beginn der 1960-er Jahre zählten die großen Textilbetriebe der Stadt – NINO, Povel und Rawe – noch fast 12.000 Mitarbeiter, die Jahr für Jahr Millionen Meter Stoff produzierten. Eine Zeit, in der insbesondere das Unternehmen NINO in die „Champions League“ der europäischen Textilindustrie aufstieg. Wie viele andere in Westeuropa ansässige Textilfabriken mussten auch NINO, Povel und Rawe den Verwerfungen der in den 1970-er Jahren einsetzenden Globalisierung Tribut zollen. Im Sommer 2001 stellte mit Rawe die letzte der einst „Großen Drei“ Nordhorner Textilfabriken die Produktion ein. Die Grafschafter Textil- und Bekleidungsindustrie stellte sich neu auf – von Stoff- und Zutatenhändlern über die Mode- und Arbeitskleidung bis hin zur Qualitätssicherung zeigt das Stadtmuseum auch die Textilwelt in der Grafschaft Bentheim heute.

In der Dauerausstellung im NINO-Hochbau präsentiert das Museum zahlreiche Fotografien, Film- und Fernsehreportagen, Betriebszeitschriften, Gemälde, Arbeitsurkunden und Objekte rund um die Grafschafter Textilindustrie. Die Exponate verbinden sich zu einem umfassenden Einblick in die Arbeitswelt der Industriegeschichte Nordhorns. Einzigartiger Bestandteil der Ausstellung sind dabei die Einblicke in die bundesweit einzigartige Sammlung von Industrie- und Modefotografien, unter anderem mit Aufnahmen der Fotografen Rudolf Bulla, Charles Compére, Otto Steinert, Ferdinand Tesch, Alfred Tritschler oder Dr. Paul Wolff.

Stichwort: Textilkultur


Die Dauerausstellung des Stadtmuseums ist eine Hommage an die Mode- und Werbewelt der Nordhorner Textilindustrie. Eine ständig wechselnde Auswahl aus den mehr als 100.000 Fotografien der Museumssammlung, Modezeitschriften, Original-Kleidungsstücken aus NINO-, Povel- und Rawe-Stoffen, Hunderte von Musterbüchern und Mustercoupons, Kollektionskataloge und Werbeartikeln aus der NINO-, Povel- und Rawe-Historie vereinen sich zu einer Zeitreise durch die von den Nordhorner Textilern inspirierte Modewelt der Nachkriegsjahrzehnte.

Ein großer Teil der ausgestellten Modefotografien entstand im Zuge der zwischen 1950 und 1990 mit Millionenaufwand in Szene gesetzten Markenwerbung für Kleidung aus NINO-Stoffen wie der berühmten „NINO-Flex-Mantel“. Modereportagen illustrierten weltweit in Zeitschriften wie „Vogue“, „Stern“, „Brigitte“, „Petra“, „Film und Frau“ oder auch der 60er-Kultzeitschrift „TWEN“. Zu entdecken gibt es Bilder von Fotografen-Legenden wie Helmut Newton, F.C. Gundlach, Guy Bourdin, Frank Horvat, Hans-Günther Kaufmann, Charlotte March, Christa Peters, Rico Puhlmann oder Regina Relang. Themeninseln erzählen zudem die Geschichte der Zusammenarbeit von NINO mit berühmten Desigern wie Karl Lagerfeld, Daniel Hechter oder Heinz Oestergaard.

Zur Abrundung der Zeitreise durch die Textil- und Modewelt lädt das Stadtmuseum jeden ein, im „Dressing Room“ historische Kleidung selbst auszuprobieren.

Nähere Informationen: Stadtmuseum im NINO-Hochbau, NINO-Allee 11, 1. Obergeschoss links, 48529 Nordhorn, Telefon: 05921 721500, E-Mail: kontakt@stadtmuseum-nordhorn.de, Internet: www.stadtmuseum-nordhorn.de. Das Museum ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 uhr geöffnet.

Quellen: Deutsche Digitale Bibliothek / Bundesarchiv, Internetseite des Stadtmuseums Nordhorn

Ausstellung „Von der neoexpressionistischen Eruption zum Drip Painting“ im Haus Westerhoff

Die „GIGs & Goods Galerie“ lädt noch bis zum 18. Oktober zur spannungsreichen Ausstellung „Von der neoexpressionistischen Eruption zum Drip Painting“ im Haus Westerhoff an der Heerestraße 1 in Bad Bentheim ein.

Diese Ausstellung bietet einen Blick auf die Vielfalt und die kreative Bandbreite der Werke, die von Künstlerinnen und Künstlern der Galerie geschaffen wurden. Mit einer sorgfältig kuratierten Auswahl von Gemälden wird das breite Spektrum an Ausdrucksformen und Techniken gezeigt, dass die Künstler:innen der Galerie repräsentieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der spannende Bogen von den intensiven, leidenschaftlichen Gesten des Neoexpressionismus (Neue Wilde) bis hin zu den fließenden, meditativen Techniken des Drip Paintings, die eine neue Form der Abstraktion in der Kunstgeschichte markieren und insbesondere durch Jackson Pollock bekannt wurde und hier neu interpretiert werden. Die Besucher können in eine Welt eintauchen, die sich sowohl durch emotionale Tiefe als auch durch innovative Kreativität auszeichnet – Werke, die zum Nachdenken anregen und Raum für individuelle Interpretationen lassen.

Ziel dieser Ausstellung ist es nicht nur, die künstlerische Vielfalt der „GIGs & Goods Galerie“ zu zeigen, sondern auch die hohe Leistungsfähigkeit der Artothek und die Inklusionsarbeit, die hinter dieser Plattform für Kunst und Kultur stehen. Die Galerie ist ein inklusives Arbeitsprojekt der Grafschafter Inklusions Gesellschaft (GIG) und vereint ehrenamtliche und kunstinteressierte Kräfte, die in einem kreativen Miteinander Kunst für alle zugänglich machen. Damit wird nicht nur die künstlerische Schaffenskraft der Galerie präsentiert, sondern auch die wertvolle soziale Dimension des Projekts, das sich für die Integration von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten einsetzt.

Mit dieser Ausstellung gibt die „GIGs & Goods Galerie“ einen eindrucksvollen Einblick in die Synergien zwischen Kunst, Inklusion und gesellschaftlicher Verantwortung. Es ist eine Einladung, Kunst in ihrer ganzen Vielfalt und Tiefe zu erleben und dabei auch den Menschen hinter den Werken einen Platz zu geben.

Zu sehen sind Werke von Ilse Kampen, Stephan Hausmeister, Motek (Udo Hammer) und Manfred Flucht.

Die Ausstellung ist Samstag und Sonntag jeweils von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Zum Haus Westerhoff

Kaum ein Ausstellungsort in Bad Bentheim strahlt so viel Charme aus wie das Haus Westerhoff.Das alte Ackerbürgerhaus wurde im Jahre 1656 als Fachwerkbau in traditioneller Ankerbalkenzimmerung mit seinen kleinen Räumen und der großen Diele errichtet. Es ist nach seinem letzten Bewohner, einem Schuhmacher, benannt.

Heute gehört es der Stadt Bad Bentheim und wird seit vielen Jahren für Workshops (Kunsthandwerk) und Wechselausstellungen genutzt. Das ganze Jahr hindurch haben verschiedene Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit, in Einzel- oder Gruppenausstellungen ihre Werke zu präsentieren.

„Nehmen Sie Platz auf Vincents Cafeterrasse!“

Kröller-Müller Museum lädt zu zwei besonderen Aktionen ein


Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist der Vincent van Gogh-Klassiker „Terrace of a Café at Night“ auf Tournee; sie findet in Japan statt, wo es bis September 2026 in Kobe, Fukushima und Tokio ausgestellt wird. Obwohl es in dieser Zeit nicht im Kröller-Müller Museum in Otterlo/NL zu sehen sein wird, kann das Publikum das Gemälde hier auf eine ganz andere Art und Weise erleben. In einem Raum, der speziell für die „Terrasse eines Cafés bei Nacht“ konzipiert wurde, können die Besucherinnen und Besucher auf dem „Place du Forum“ Platz nehmen und sich in Van Goghs Gemälde fotografieren.

Ihre Version der „Terrasse eines Cafés“ im Museum?

Im Rahmen dieser Tournee hat sich das Kröller-Müller Museum noch etwas Besonderes einfallen lassen: „Lassen auch Sie sich von unzähligen kreativen Interpretationen der „Terrasse eines Cafés bei Nacht“ inspirieren: von Gemälden, Stickereien und Kleidung bis hin zu Lego-Modellen. Haben Sie Ihre eigene Version des Gemäldes erstellt? Oder lassen Sie sich von den Fotos und Videos inspirieren, die Sie im Museum sehen? Dann senden Sie uns Ihre Arbeit! Senden Sie Ihre Version von „Terrace of a Café at Night“ per E-Mail an vangogh@krollermuller.nl. Eine Auswahl der Einreichungen werden wir in den Vortrag einfließen lassen. So können Sie Ihre Arbeiten vielleicht sogar im Museum sehen. Neugierig oder auf der Suche nach Inspiration? Sehen Sie sich das Video auf der Internetseite an“, heißt es dazu vonseiten des Museums.

Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet.

Nähere Informationen: erfolgen unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email unter info@kmm.nl

Eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte im Museum Groningen

In der neuen Sammlungspräsentation „It’s About Time“, die noch bis zum 10. Mai 2026 im Museum Groningen zu sehen ist, werden die Grenzen linearer Zeit durchbrochen. Normalerweise stellen wir uns Zeit und Geschichte als gerade Linie vor, aber was passiert, wenn wir kreuz und quer hindurchgehen? Oder in Kreisen? Sieben Säle voller Kunstwerke aus der eigenen Sammlung laden zu einer persönlichen Entdeckungsreise durch die verschiedenen Gesichter der Zeit ein.

Verschiedene Kuratoren des Groninger Museums haben die Freiheit erhalten, als Zeitreisende durch die Sammlung zu wandeln und ihre eigene Geschichte zu erzählen. Jeder Saal beleuchtet so die einzigartige Sammlung aus einer persönlichen Perspektive, wobei Themen wie Natur, Machtlosigkeit und Vergänglichkeit den Ton angeben – sowohl bei jahrhundertealten als auch bei zeitgenössische Kunstwerken.

„It’s About Time“kommt zu einem besonderen Moment: einer Übergangszeit, in der sich das Groninger Museum auf einen neuen künstlerischen Kurs unter der Leitung von Kunstdirektorin Roos Gortzak vorbereitet. Sie hat gemeinsam mit den Kuratoren hier und da Akzente verschoben und einen zusätzlichen Saal mit Werken von David Lamelas (siehe unten) und Bas Jan Ader (siehe anderen Artikel auf dieser Seite) hinzugefügt – Künstler, deren Werk perfekt sowohl zum Zeitkonzept als auch zur Museumssammlung passt.

Zeit gemeinsam erleben

Gemeinsam können die Besucherinnen und Besucher an David Lamelas‘ Performance „Time“ aus dem Jahr 1970 teilnehmen. Anhand der Anweisungen des Künstlers Lamelas erfahren sie, dass Zeit mehr ist als eine Uhr oder ein Kalender: Es ist etwas, was wir gemeinsam erleben, weitergeben und gestalten. „Was auch immer unser kultureller Hintergrund, unsere Hautfarbe, unser Geschlecht, unsere Religion oder andere Merkmale sein mögen, wir teilen die Gegenwart. In Zeiten zunehmender Polarisierung ist eine solche verbindende Erfahrung dringend nötig“, heißt es dazu vonseiten des Museums.

Zu David Lamela

David Lamelas(* 1946 in Buenos Aires, Argentinien) ist ein argentinischer Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf und experimenteller Filmemacher. Er gilt als einer der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre.

Leben und Werk

David Lamelas absolvierte in Argentinien eine Ausbildung als Bildhauer. Im Jahr 1968 erreichte er internationale Bekanntheit, als er Argentinien auf der Biennale von Venedig mit dem Werk „Office of Information about the Vietnam War on Three Levels: The Visual Image, Text and Audio“ vertrat. Über Antwerpen zog es Lamelas nach London. Er studierte dort, mit einem Stipendium für Skulptur ausgestattet, an der St. Martins School of Art. Er begann dort auch mit Fotografien und Textmaterial zu arbeiten, um für sich den Begriff der Skulptur auszuweiten. Gleichzeitig begann er Filme zu drehen. Das Hauptinteresse seines künstlerischen Schaffens wurde die Beschäftigung mit Zeit, Raum und Sprache. In den 1970-er Jahren lebte und arbeitete David Lamelas abwechselnd in Europa und Amerika.

David Lamelas wurde zu einem der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre. Er produzierte ein umfassendes Werk von Filmen und Videos. Er arbeitete häufig ohne Schnitte und Montage, um eine fortlaufende, erzählerische und ungeschnittene Dokumentation im Film zu erzeugen.

Im Jahr 1969 begann er eine experimentelle Filmreihe in Düsseldorf zu drehen. Bei dieser Filmreihe „Time as Acitivity“ filmte er an drei verschiedenen Orten in der Stadt das Alltagsgeschehen mit einer fixierten Kamera. Die Filme überließen gänzlich dem Zuschauer, was dieser mit dem gefilmten assoziierte. Das Filmprojekt führte Lamelas über mehr als vier Jahrzehnte fort, mit weiteren Drehorten neben Düsseldorf in Berlin, Los Angeles, Warschau und New York City.

Im Jahr 1972 war er mit dem 16-mm-Film „Cumulative Script“ Teilnehmer der „documenta 5“ in in Kassel in der Abteilung Individuelle Mythologien: Film.

David Lamelas Kunst beschäftigt sich mit dem Umgang mit Zeit und Raum. In seinen Projekten, die aus Filmen, Fotografien, Installationen und „Interventionen“ bestehen beschäftigt er sich mit der Frage nach den Grenzen der Zeitlichkeit von Kunst und ihren Möglichkeiten zur Erzeugung alternativer Kommunikations- und Erkenntnisprozesse. Er nimmt seit Ende der 1960-er Jahre an bedeutenden Ausstellungen und Projekten als Einzelkünstler oder an Gruppenausstellungen weltweit teil. 2017 nahm er an der „documenta 14“ teil.

Lamelas lebt und arbeitet in Buenos Aires, Paris und New York City.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

„Grand Stairwell Installation“ dauerhaft im Museum Groningen

Die „Grand Stairwell Installation“ des US-amerikanischen Künstlers Dave Chiuly umfasst 70 rote, gelbe und orangefarbene Glasformen, so genannte „Persians“. Sie bedecken die drei zwölf Meter hohen Wände des Treppenhauses im Museum Groningen. Die Installation ist auf allen Etagen und von der Treppe aus zu sehen. Viele Besucherinnen und Besucher wünschten sich schon während der Chihuly-Ausstellung 2018/19, dass das Kunstwerk im Museum bleiben sollte. Das Groninger Museum ist hocherfreut, genügend Unterstützung vonseiten mehrerer Sponsoren gefunden zu haben, um diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

Zur Geschichte der Zusammenarbeit

Im Winter 2018/19 zeigte das Groninger Museum Dale Chihulys bis dato größte Einzelschau in Europa. Von der überregionalen Tageszeitung NRC als „mutig“ betitelt, hatte die Ausstellung ungeahnten Erfolg und zog 156.000 begeisterte Besucher an. Eines der Highlights war die große Installation, die Chihuly für das Treppenhaus entwarf.

Zur Installation von Dale Chiuly im Museum

Chihuly ist sich der Kraft der Architektur bewusst und er weiß, wie jede Linie, jeder Farbton, jede Form und jeder Raum für den Gesamteindruck einer Installation eine Rolle spielt. Niemals zuvor wurde das Treppenhaus des Museums so überzeugend ausgefüllt. Das Groninger Museum nennt viele technisch anspruchsvolle, raumgreifende Werke sein Eigen, in denen Künstler die Grenzen ihres Berufes vollends ausloten. Die „Grand Stairwell Installation“ reiht sich in diese Tradition ein und wird permanent zu sehen sein. Sie fügt sich bestens in die Neon-Installation von François Morellet in der Eingangshalle und die Einrichtungen von Studio Job, Jaime Hayon und Maarten Baas.

Persians

Wie viele seiner Arbeiten sind Chihulys „Persians“ das Ergebnis seiner künstlerischen Erkundung von Form und Farbe. Während das asymmetrische Aussehen der einzelnen Objekte an Urformen erinnert, verschmelzen sie zu einem geheimnisvoll-verzaubernden Ganzen. Man findet die „Persians“ in vielen seiner spektakulären Kompositionen. Zunächst wurden sie auf Sockeln präsentiert, haben sich aber später zu großen Installationen an Decken und Wänden weiterentwickelt und wurden zu „Chandeliers“ und „Towers“ zusammengefügt.

Zu Dave Chiuly

Der US-amerikanische Künstler Dale Chihuly revolutionierte die Studioglaskunst und hob sie auf ein neues Level. Weltweit wird er für seine Installationen gerühmt, die in historischen Stadtensembles, Museen und Gärten zu bewundern sind. Chihuly arbeitet mit unterschiedlichen Materialien, darunter Glas, Farbe, Holzkohle, Neon, Eis und Polyvitro, um seine kreativen Visionen zu verwirklichen. Chihulys Werke befinden sich in über 200 Museumssammlungen weltweit, unter anderem dem Metropolitan Museum of Art, dem Smithsonian American Art Museum und dem Corning Museum of Glass. Zu seinen wegweisenden Ausstellungen gehören „Chihuly Over Venice (1995-96)“ und „Chihuly in the Light of Jerusalem (1999)“. Seine Präsentationen waren unter anderem im de Young Museum in San Francisco (2008), im Museum of Fine Arts, Boston (2011), im Virginia Museum of Fine Arts, Richmond (2012), im Montreal Museum of Fine Arts, (2013), im Royal Ontario Museum, Toronto, (2016), im Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas (2017), im Groninger Museum, (2018), und im Royal Botanic Gardens, Kew in London (2019) zu sehen. Die Dauerschau „Chihuly Garden and Glass“ im Seattle Center wurde 2012 eröffnet.

Dale Chihuly über die „Grand Stairwell Installation“:

„Meine Einzelausstellung im Groninger Museum war eine große Ehre. Es war nicht nur meine bisher größte Ausstellung in einem europäischen Museum, in der ich meine Arbeit einem ganz neuen Publikum vorstellen konnte, auch die Ästhetik des Museums selbst war unheimlich inspirierend. Ich mag seine farbenfrohen, interessanten Räume – das Ergebnis der architektonischen Zusammenarbeit unter der Leitung von Alessandro Mendini – und es freut mich sehr, dass meine Grand Stairwell Installation eine dauerhafte Bleibe in diesem wunderbaren Haus gefunden hat.“

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Mikrokosmos – Die Welt in einer Wunderkammer

Ein ausgestopfter mechanischer Bär, der Tricks ausführt, ein mysteriöser Dodo-Knochen, anatomische Modelle und wunderschöne Nautilus-Tassen – die Ausstellung „Mikrokosmos – Die Welt in einer Wunderkammer“, die noch bis zum 1. März 2026 im Drents Museum in Assen/NL zu sehen ist, versammelt klassische Wunderkammer-Objekte, zeitgenössische Raritäten und Bildende Kunst – ein visuelles Spektakel, in dem die Magie des Sammelns zum Leben erweckt wird. Gleichzeitig ist es auch die Abschiedsausstellung von Generaldirektor Harry Tupan, der für diese große Wunderkammer-Retrospektive alle Register gezogen hat.

An dem Projekt arbeiteten unter anderem der Tätowierer Henk Schiffmacher, der Entdecker Redmond O’Hanlon, der Schriftsteller und Schauspieler Ramsey Nasr und der Biologe Midas Dekkers mit. In Zusammenarbeit mit dem Teylers Museum werden auch Objekte aus der Sammlung des des Fernsehmachers und Bibliophilen Boudewijn Büch (1948 – 2002) präsentiert.

Als Ausstellungsmacher hat Stupan Stadt und Land auf der Suche nach klassischen Wunderkammer-Objekten durchkämmt. Er entführt den Besucher in ein großes Gesamtkunstwerk, in dem die skurrilsten Kuriositäten neben besonderen zeitgenössischen Kunstwerken präsentiert werden – eine Ode an eine Welt, in der Wunder, Schönheit und Neugier im Mittelpunkt standen.

Die Ausstellung beleuchtet aber auch die Schattenseiten des Sammelns. Für die Besitzer war ein Kuriositätenkabinett ein Statussymbol, ein Zeichen der Intelligenz und des Wissens über die Welt. Die Objekte galten als exotisch und wurden nicht immer fair erworben.

In seiner Ausstellung zeigt Tupan Objekte aus der Sammlung des Drents-Museums, Leihgaben aus verschiedenen Museen wie dem Rijksmuseum und dem Naturalienkabinett Waldenburg sowie eine Vielzahl von Objekten aus Privatsammlungen.

Eigens für diese Ausstellung geben namhafte Sammler, mit denen Tupan eine besondere Verbindung hat, einen Einblick in ihre persönliche Wunderkammer-Sammlung.

Zeitgenössische Kunst

21 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler reflektieren das Thema Wunderkammer auf ihre je eigene Weise. In der Ausstellung werden klassische Wunderkammer-Objekte wie Nautilustassen, Stofftiere und anatomische Modelle mit Bildender Kunst kombiniert. Künstler wie Daan Brouwer, Mark Dion und Dana Meyer lassen sich von Wunderkammern aus früheren Jahrhunderten inspirieren; und Carolein Smit bedient sich einer Bildsprache, die an Wunderkammern erinnert.

Jeroen Kuster erschafft nicht existierende biologische Arten und erfundene Sammlungen von Pflanzen und Tieren. Schädeln, Muscheln und Skelette sind im Werk von Clary Mastenbroek zu sehen. Roos Hollemann interessiert sich für Haut, Haare, Fell und Federn.

Somit zeigt die Ausstellung auch das Schaffen von Künstlern, die zum Nachdenken über das Sammeln und die Faszination für besondere Dinge – entweder von der Natur oder aus Menschenhand gemacht – anregen.

Zur Geschichte der Wunderkammern

Eigens angefertigten Kabinette oder Kabinette mit Kunstgegenständen und wundersamen Phänomenen aus dem vierzehnten Jahrhundert können als Vorläufer eines Museums angesehen werden.

In einem Schrank, einem Zimmer oder einer Palasthalle sammelten wohlhabende Menschen sowohl natürliche Gegenstände wie Muscheln, Steine und Stofftiere als auch von Menschenhand geschaffene Dinge. Das gilt auch für die Ausstellung: Gezeigt wird ein Mix aus originalen Wunderkammer-Objekten unterschiedlichster Art, thematisch unterteilt in die Sammlungsbereiche naturalia, artificialia, exotica und scientifica. In der Ausstellung treten die Besucherinnen und Besucher von einer wunderbaren Welt in die andere, jede mit ihrer eigenen erstaunlichen Atmosphäre.

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Präsentation einer neuen Kollektion unter dem Titel „Wir haben MEHR!“

140 schöne, faszinierende oder aufregende Kunstwerke gehören zu einer erneuerten Kollektions-Präsentation des Museums „MORE“ im Ort Gorssel in den benachbarten Niederlanden. Es verfügt über eine eigene Sammlung von rund 900 Werken. In den vergangenen zehn Jahren sind mehr als 300 Werke durch Ankäufe, Schenkungen und langfristige Leihgaben hinzugekommen. Es gibt darunter auch Werke, die noch nicht ausgestellt wurden, weil die Sammlung einfach viel größer ist, als in den Museumsgalerien Platz ist.

In der neuen Präsentation können die Besucherinnen und Besucher eine große Anzahl von Erwerbungen und Werken aus dem Depot kennenlernen, zusätzlich zu den Meisterwerken, die fast ständig ausgestellt sind.

Reise entlang von acht Themen

In der neuen Ausstellung können die Besucherinnen und Besucher entlang von acht Themen kreuz und quer durch die Zeit fahren. Einige Themen ergeben sich aus dem dargestellten Motiv, während andere eher assoziativ oder intuitiv sind. Alle 140 Werke entsprechen den Sammlungs-Kriterien des Museum „MORE“: Sie basieren auf der sichtbaren Realität und stammen von Künstlern, die in der Zeit von 1900 bis heute in den Niederlanden tätig waren oder es noch sind.

Innenwelt

Die menschliche Innenwelt mit all ihren unterschiedlichen Stimmungen ist ein häufiges Thema in der MORE-Kollektion. Mit seinen gigantischen Akt-Selbstporträts, mit Kreide auf Käsetuch, zeigt Lise Lou Sore die Erfahrung extremer Emotionen. Gefühle, die universell erkennbar sind, sich aber oft sehr einsam anfühlen, wenn man sie erlebt. Ein hyperrealistisches Gemälde von Maudy Alferink verführt uns mit den bunten Kleidern des porträtierten Mädchens, aber was verrät uns das Werk über ihr Selbstbild und ihren Gemütszustand?

Abstrakter Realismus

Ist eine realistische Darstellung immer sofort erkennbar? Auf den ersten Blick wirkt Raquel Maulwurfs große Kohlezeichnung wie ein Spiel mit zufälligen Streifen und Flecken. Doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein: Der Titel „Agent Orange“ bezieht sich auf das Entlaubungsmittel, das im Vietnamkrieg (1955-1975) eingesetzt wurde. Das Muster basiert auf Satellitenbildern der sprühenden Flugzeuge, die in Formation fliegen. Theo van Amstel zeigt uns eine leichtere Performance, in einer rhythmischen Komposition aus Türkis und Weiß, Licht und Schatten. David Haines‘ kleine Bleistiftzeichnung ist hyperrealistisch und abstrakt und konzeptuell zugleich: Er arrangierte die Pillen, die seine Mutter am Ende ihres Lebens einnahm, als Gedichtzeilen.

Sie haben es geschafft

Wir zeigen Selbstporträts einer Vielzahl von Künstlern in unserer Sammlung. Sie haben die Werke gemacht, aber haben sie es auch in ihrem Beruf geschafft? Einige Künstler wie Charley Toorop, Carel Willink und zeitgenössische Künstler wie Levi van Veluw und Philip Akkerman sind bekannte Namen und leben oder lebten von ihrer Kunst. Andere haben sich nie wirklich durchgesetzt oder erst vor kurzem (wieder) entdeckt. Sie alle sind für uns als Museum wichtig, denn dank ihnen können wir existieren. Denn ohne Künstler gibt es kein Museum.

(Schnee-)Landschaften und Weiß

Die „Baumreihe“von Jan Mankes und „Beemster, Blühender Baum“von Charley Toorop sind zwei der beliebtesten Gemälde in der Sammlung. Auch Carel Willink und Wim Schuhmacher – von denen das MORE eine außergewöhnliche Anzahl von Werken besitzt – malen regelmäßig (Stadt-)Landschaften. Darüber hinaus enthielt die Sammlung bisher nur wenige Werke mit Landschaften oder Natur. Das hat sich unter anderem durch die Ankäufe von Ruud van Empels Fotocollage mit Kuhpetersilie geändert. Darüber hinaus spielt in einer Reihe der Kunstwerke die „Farbe“ Weiß eine Hauptrolle. Weiß der Blüte, Weiß des Schnees oder Weiß als leuchtender Kontrast dunkler Teile.

Straße und Konsum

Straße, Verpackungsmaterial und Müll, (Über-)Konsum und Lebensmittelindustrie, Reichtum, Armut, soziale Ungleichheit und das Wohnmobil eines Obdachlosen: Einkaufswagen stehen für viel mehr als nur Einkaufen. Das Künstlerduo „J&B“ thematisiert gesellschaftliche Themen mit Materialien „von der Straße“ mit drei Einkaufswagen aus Styropor. Während die Straße der Ort ist, an dem der eine zur Arbeit eilt und der andere auf dem Jahrmarkt Unterhaltung sucht, sucht ein dritter nach Essen oder Geschäften.

Stillleben

Das Stillleben war in den 1920-er und 1940-er Jahren bei realistisch malenden Künstlern sehr beliebt. Die MORE-Kollektion enthält daher eine Vielzahl von Stillleben: mit Gläsern, Gläsern, Pfannen, Blumen, Büchern, Früchten und vielen Eiern, aber auch toten Tieren oder Totenköpfen, oft mit einem kunstvoll drapierten Stück Stoff oder Papierstapel. Ausgewogene Kompositionen, die das Geschick des Künstlers bei der Wiedergabe aller Arten von Materialien zeigen, wie zum Beispiel der glänzenden Oberfläche von Glas. Während es sich bei Stillleben in der Regel um Gemälde handelt, kann man auch zeitgenössische räumliche Stillleben sehen. Manchmal mit dem gleichen symbolischen Wert wie vor 100 Jahren.

Beziehungen

Ob es sich um eine Beziehung zu Familie oder Kindern, einem geliebten Menschen oder (Ehe-)Partner, Freunden oder Kollegen handelt: Beziehungen sind essentiell für unser Dasein. Sie bringen uns Freude, Wärme, Ausgeglichenheit und Geborgenheit. Aber auch Zweifel und Irritation und Trauer, wenn die Beziehung in die Brüche geht oder der Wunsch danach unerfüllt bleibt. Wie stellen Künstler diese Komplexität dar? Mal mit Ironie und mit Distanz, mal süß oder schillernd.

Nackt

Die Kunstgeschichte ist voll von Akten. Lange Zeit handelte es sich dabei vor allem um anmutige weibliche Akte, die in biblische oder mythologische Szenen gehüllt waren. Ab dem späten 19. Jahrhundert gibt es auch Akte (Frauen und Männer) als Badende im oder in der Nähe des Wassers. Unter den modernen Realisten in der MORE-Kollektion sind alle Arten von Aktbildern zu sehen. Doch wann denken wir wirklich über Nacktheit nach und wo verläuft die Grenze zwischen erlaubter oder angenehmer Nacktheit und unangenehmer oder gar anstößiger Nacktheit? Wir betrachten Nacktheit in der Kunst oft anders als Nacktheit in der alltäglichen Realität. Und welchen Einfluss haben Geschlecht, Alter, Pose, Gesichtsausdruck und Kontext auf unsere Wahrnehmung eines nackten Körpers? Zu diesen Fragestellungen und deren Beantwortung möchte das Museum MORE anregen.

Nähere Informationen: Museum MORE, Hooftstrad 28, 7213 CW Gorssel, Telefon +31 575 760 306, Internet www.museummore.nl. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, und Burg Ruurlo, Vordenseweg 2, 7261LZ Ruurlo. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Kirchner. Picasso – zwei Künstler mit überraschenden Parallelen

Vom rauschenden Leben der Großstadt über die Intimität des Ateliers bis hin zur Stille der Berge: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso Zeitzeugen einer neuen Epoche und erzählen in ihren Werken von Aufbruch, Krisen und Leidenschaft.

Die Ausstellung „Kirchner. Picasso“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster widmet sich erstmals umfassend diesen zwei einzigartigen Künstlern und ihren überraschenden Parallelen. Obwohl sie sich nie persönlich begegneten, näherten sie sich in ihren Bildwelten und Stilen an. 100 Werke aus bedeutenden europäischen Museen zeigen Gemeinsamkeiten und Gegensätze von zwei der wichtigsten Künstler der Moderne.

Zwei Künstlerbiografien

Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso wurden im Abstand von nur einem Jahr im deutschen Kaiserreich und in Spanien geboren. Unterschiedliche Wege führten sie an die Kunst heran. Gemein ist ihnen die Freude an Innovation, mit der sie ihren künstlerischen Ausdruck stetig neu erfanden. Die Ausstellung öffnet mit den Biografien Kirchners und Picassos, die das Leben der beiden Künstler nicht nur miteinander, sondern auch mit Geschehnissen der Zeitgeschichte verflechten. Zugleich werden Kirchner und Picasso in den größeren Kontext des deutsch-französischen Künstleraustauschs gestellt.

Das Leben in der Großstadt

Beide Künstler zeigen in ihren Bildern Menschen beim Tanzen, Musizieren oder im Varieté. Es geht um Glanz, Tempo und Ekstase – aber auch um das harte Leben hinter den Kulissen, die Einsamkeit und Armut. Die Ausstellung erzählt von beidem – von der Faszination der Bühne und von dem, was dem Publikum verborgen bleibt.

Porträt & Akt

Zu den bekanntesten Werken der beiden Künstler gehören ihre ausdrucksstarken Porträts. Im Fokus stehen die Bildnisse ihrer jeweiligen Lebenspartnerinnen. Anhand der Porträts lassen sich zudem die Stilentwicklungen Kirchners und Picassos besonders deutlich illustrieren. Auch das Motiv der Badenden, Symbol der Unbeschwertheit und des Lebensgenusses, bildet eine Konstante in den Werken der Künstler. Ob im Atelier oder in der Natur – der Akt durchzieht das Werk sowohl Kirchners als auch Picassos. Der Anblick nackter Frauenkörper im Kontrast zu teils bekleideten Männern wirft Fragen nach dem Verhältnis zwischen Maler und Modell auf. Auch das Atelier selbst spielt eine wichtige Rolle: Es ist mehr als nur ein Arbeitsraum – hier entstanden berühmte Werke, hier wurde nachgedacht, gelebt und manchmal auch einfach gemeinsam Zeit verbracht.

Selbstinszenierung

Nicht zuletzt beleuchtet die Ausstellung die Selbstinszenierung der beiden Künstler. Insbesondere Kirchner verewigte sich regelmäßig in Selbstporträts, die Auskunft über seine Lebenssituation zu verschiedenen Zeitpunkten geben. Das Leben als Künstler, ab er auch sein persönliches Ringen mit der eigenen physischen und psychischen Gesundheit offenbaren sich in diesen Werken. Picasso hingegen nutzte die mythologische Figur des Minotaurus, sich zu inszenieren und verstand es, sich in fotografischen Selbstporträts zu präsentieren.

Die Ausstellung ist vom 26. September bis zum 18. Januar 2026 zu sehen.

Nähere Informationen: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster, Telefon: 0251 5907201, E-Mail: museumkunstkultur@wl.org. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr sowie jeden zweiten Freitag von 10 bis 24 Uhr geöffnet.