Verlängerung der Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer Oberhausen

670.000 Gäste in 6,5 Monaten – oder: Noch nie hatte eine Ausstellung im Gasometer so viele Besucherinnen und Besuchern in so kurzer Zeit. Und das will etwas heißen, gehört die Vorgängerschau „Das zerbrechliche Paradies“ doch mit insgesamt mehr als 1,3 Millionen Gästen bis heute zu den erfolgreichsten Ausstellungen Deutschlands.

Aufgrund der fulminanten Nachfrage – und für Gasometer-Fans alles andere als überraschend – wurde „Planet Ozean“ verlängert. Bis zum 30. November taucht die Schau nun also ab in die kaum bekannten Unterwasserwelten und bietet einmalige Einblicke in deren berauschende Vielfalt.

Von den Küsten bis in die Tiefsee

In verschiedenen Ausstellungskapiteln zeigt der Gasometer anhand von teilweise noch nie gesehenen großformatigen Fotografien und Filmen die Ozeane unseres Planeten. Da tanzt dann ein Harlekin-Oktopus munter durch die Lagune von Mayotte, gibt es direkten Blickkontakt mit einem Blauhai oder beobachtet ein niedlicher Seelöwe den kunstvoll getarnten Fetzenfisch. Die Folgen der menschlichen Nutzung der Weltmeere als Energielieferant, Transportstrecke oder Nahrungsquelle dokumentiert dagegen das Bild „Net loss“ von Audun Rikardsen: Ein geplatztes Netz verliert seinen Fang und überschwemmt das Wasser mit toten Fischen.

Folgerichtig beschäftigt sich „Planet Ozean“ auch mit den wichtigen Bereichen Meeresschutz und -forschung. Hierfür steht der neuen Schau mit dem Deutschen Meeresmuseum ein versierter Partner zur Seite, dessen wissenschaftliche Expertisen das inhaltliche Fundament bilden. Dank modernster Technologien ist es heute möglich, die steten Veränderungen unserer Ozeane detailliert zu erfassen. Diese Datenmengen vermittelt der Gasometer Oberhausen mit dem „Ocean Twin“: Beim vom Environmental Systems Research Institute (kurz Esri) entwickelten Zwilling der Weltmeere handelt es sich um einen interaktiven Globus, der als geografisches Informationsnetzwerk aktuellste Erkenntnisse visualisiert.

Eintauchen in Unterwasserwelten

Im eigens für die neue Ausstellung entwickelten Raumobjekt „Klang der Tiefe“, in der Mitte des Erdgeschosses platziert, tauchen die Besucherinnen und Besucher in einzigartige Klangwelten ein. Hier ploppt, knistert, kracht und klopft es, wenn tausende kleinster Krustentiere, lebendige Korallenriffe oder ein Schwarm Kabeljaue belauscht werden können. Die sinnliche Geräuschreise durch die Meere beginnt an der Nordsee und wird vom Spezialisten für Naturklangaufnahmen Chris Watson, gemeinsam mit Soundartist Tony Myatt und der Lichtkünstlerin Theresa Baumgartner, inszeniert.

Dramaturgischer Höhepunkt der neuen Schau „Planet Ozean“ ist die immersive Inszenierung „Die Welle“ von Ars Electronica Solutions. Installiert im Luftraum des Gasometers, dient die 40 Meter hohe und 18 Meter breite Leinwand in L-Form als Projektionsfläche für eine fotorealistisch animierte Meereswelt. Ganz ohne Taucheranzug und Atemmaske können die Besucher hier auf Augenhöhe mit Walen, Fischen oder auch Quallen den Ozean ergründen.

Nähere Informationen: Gasometer Oberhausen, Arenastraße 11, 46047 Oberhausen, Telefon 0208 21295, E-Mail: info@gasometer.de. Die Öffnungszeiten des Gasometer Oberhausen sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. In den NRW-Sommerferien oder an Feiertagen ist der Gasometer durchgehend, also auch am Montag von 10 bis 18 Uhr, geöffnet.

„Kollwitz neu sehen“ – Die Ausstellung zur Wiedereröffnung nach der Generalsanierung

Nach knapp drei Jahren Renovierung öffnet das Käthe Kollwitz-Museum in Köln seine Türen und lädt dazu ein, Käthe Kollwitz (1867–1945) neu zu entdecken. Die Ausstellung zur Wiedereröffnung am 11. Oktober zeigt die wichtigsten Zeichnungen, Druckgrafiken und Plastiken in einer neuen Hängung und bietet neue Einblicke in die Arbeitsweise der Künstlerin. Im Zentrum steht ihre weibliche Perspektive auf die Herausforderungen ihrer Zeit. Kollwitz‘ Botschaft berührt bis heute – ihre Ausdruckskraft wirkt bis in unsere Gegenwart.

Im Gedenkjahr zum 80. Todestag der Kollwitz und zum 40-jährigen Bestehen des Museums rückt die Ausstellung „Kollwitz neu sehen“ die Themen in den Fokus, die sie zeitlebens bewegten: soziale Ungleichheit, politische Umbrüche, Geschlechterrollen und das Leben von Frauen in schwierigen Zeiten. Die Ausstellung hebt bewusst ihre Sicht als Frau und Künstlerin hervor – zu Mutterschaft, Verlust, Trauer, aber auch zu Solidarität und Hoffnung. Darstellungen von Wohnungsnot, schlechten Arbeitsbedingungen oder den Folgen von Krieg und Gewalt unterstreichen die ungebrochene Aktualität ihres Schaffens.

Die neu konzipierte Hängung bringt die Werke – darunter rund 20 Neuerwerbungen und 10 neue Dauerleihgaben – in oft überraschende Dialoge. Thematische, technische und motivische Bezüge eröffnen neue Blickwinkel und Zusammenhänge. „Kollwitz neu sehen“ macht das Ringen der Künstlerin um die passende Technik für ihre Botschaft nachvollziehbar und ermöglicht ein tieferes Verständnis ihres Arbeitsprozesses und Werks.
Ein neuer Multimedia-Guide bietet zusätzliche Informationen in Text, Bild, Audio und Video.

Unter dem Motto »Kollwitz erleben« erweitert das Käthe Kollwitz-Museum seine Vermittlungsangebote. Neue interaktive Module laden ein, ihr Leben, ihr Werk und die Zeitgeschichte eigenständig zu erkunden. Highlights sind ein Virtuelles Atelier, Medienstationen zum Tiefdruck und zur Plakatkunst sowie Informationen zur internationalen Rezeption von Kollwitz’ Werk. Herzstück ist die neu eingerichtete Museumswerkstatt mit einer historischen Lithopresse.

Zu sehen ist die Ausstellung „Kollwitz neu sehen“ bis zum 15. März 2026.

Nähere Informationen: Käthe Kollwitz Museum Köln, Neumarkt 18-24 / Neumarkt Passage,50667 Köln, Telefon: +49 (0)221 2272899, Fax:+49 (0)221 2272602, E-Mail:museum@kollwitz.de

Ausstellung „Figura 4 – Malerei“ im Kunstzentrum Koppelschleuse

Die Ausstellung „Figura 4 – Malerei“, die noch bis zum 2. November im Kunstzentrum Koppelschleuse in Meppen zu sehen ist, vereint die Werke der renommierten Künstler Oleksii Gnievyshev, Lena Krashevka und Maxim Probst, die jeweils auf einzigartige Weise den Zusammenhang zwischen Kunst, Freiheit und Selbstbestimmung reflektieren.

Oleksii Gnievyshev, geboren in der Ukraine, verbindet klassische Maltechniken mit zeitgenössischen Themen und hinterfragt durch seine Werke gesellschaftliche Normen und Zwänge. Lena Krashevka, aus Belarus stammend, nutzt verschiedene Medien, um Themen wie Widerstand, Selbstbestimmung und feministische Perspektiven zu beleuchten. Maxim Probst, wurde 1981 in der ehemaligen UdSSR geboren und studierte an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn, bei Prof. A. Orosz (Master of Fine Arts) und an der AKI/ArtEZ, Enschede/NL.

Die drei Künstler stammen aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und bringen ihre individuellen Erfahrungen mit künstlerischem Ausdruck, politischer Freiheit und gesellschaftlicher Identität in diese Ausstellung ein. Die Ausstellung zeigt, dass die Kunst als verbindendes Element zwischen Künstlern über Grenzen und Herkünfte fungieren kann.

Zum Meppener Kunstkreis

Zum Kunstzentrum Koppelschleuse gehört der Meppener Kunstkreis, der es sich zum Ziel gemacht, mit Ausstellungen, Arbeitsgruppen und Kunstfahrten ein Kunstprogramm zu erstellen.

Im Jahre 1977 gründeten etwa 50 engagierte Bürger der Kreisstadt Meppen den „Meppener Kunstkreis – Verein zur Förderung der bildenden Kunst e.V.“, so dass der Kunstkreis in 2025 auf über 45 erfolgreiche Jahre zurückschauen kann.

Ein erklärtes Ziel des Meppener Kunstkreises (MKK) ist es, durch die Ausstellungeneinheimischer und auswärtiger Künstler die Wahrnehmungsfähigkeit des Kunstbetrachters zu schärfen und das Verständnis zum qualifizierten Dialog mit der Kunst zu wecken.

In unmittelbarer Nähe zur am alten Ems-Hase-Kanal gelegenen Koppelschleuse befindet sich ein repräsentatives Haupthaus mit Nebengebäuden. In dem um 1828 erbauten Gebäudekomplex residierte ehemals der königlich-hannoversche Wasserbauinspektor.
Heute firmieren die in städtischem Besitz befindlichen Räumlichkeiten unter der Bezeichnung „Kunstzentrum Koppelschleuse“ und dienen als Domizil für den Meppener Kunstkreis mit Kunstschule und Graphothek.
In einem abwechslungsreichen Ausstellungsprogramm wird sowohl regionale als auch überregionale zeitgenössische Kunst gezeigt.
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 14.30 bis 17 Uhr, Samstag, 14.30 bis 17.30 Uhr, Sonntag: 11 bis 17 Uhr durchgehend, Gruppen nach Vereinbarung.

Zwei Museen unter einem Dach

Den musealen Kern des „Kulturnetzwerks Koppelschleuse“ in Meppen bilden seit Herbst 2020 die beiden neu eingerichteten Museen „unter einem Dach“ – das „Emsland Archäologie Museum“ und das neue „Stadtmuseum Meppen“.

Auf zwei Ebenen und auf einer Fläche von knapp 800 Quadratmetern laden hier zwei spannende Dauerausstellungen zu einer Zeitreise in die Ur- und Frühgeschichte des Emslands und in die Geschichte der Stadt Meppen ein. Im neuen Stadtmuseum Meppen wird in einer modernen, ansprechenden Präsentation ein frischer Blick auf die lange, wechselvolle Historie der Stadt Meppen geworfen und in acht Themeninseln effektvoll beleuchtet. Eindrucksvolle Inszenierungen, interaktive Elemente, Spiele und Mitmach-Stationen laden Groß und Klein zu einem unterhaltenden und lehrreichen Rundgang durch die Meppener Stadtgeschichte ein.

Emsland Archäologiemuseum

Archäologie im Emsland: spannend wie ein Krimi! Wie Detektive gehen Archäologen vor, wenn sie die Ur- und Frühgeschichte des Emslandes erforschen. Ihre Ergebnisse werden anhand von effektvoll präsentierten Originalfunden, beeindruckenden Inszenierungen und Modellen im Archäologiemuseum in Szene gesetzt und ermöglichen eine spannende Zeitreise in die emsländische Geschichte. Anfassen, ausprobieren und mitmachen ist gefragt. Dies gilt ganz besonders für die Workshops, die sehr anschaulich Aspekte aus mehr als 40.000 Jahren Geschichte vertiefen. Veranstaltungen und wechselnde Sonderausstellungen lassen den Besuch des Archäologiemuseums immer wieder zu einem besonderen Erlebnis werden.

Stadtmuseum Meppen

Im Stadtmuseum Meppen wird mit eineransprechenden Präsentation ein frischer Blick auf die lange, wechselvolle Historie der Stadt Meppen geworfen und in acht Themeninseln effektvoll beleuchtet. Eindrucksvolle Inszenierungen, interaktive Elemente, Spiele und Mitmach-Stationen laden Groß und Klein zu einem unterhaltenden und lehrreichen Rundgang durch die Meppener Stadtgeschichte ein und lassen die Orts- und Regionalgeschichte lebendig werden.

Wechselnde Sonderausstellungen und ein umfangreiches museumspädagogisches Programm runden das Angebot ab.

Nähere Informationen: Kunstzentrum Koppelschleuse, An der Koppelschleuse 19, 49716
Meppen, Telefon:
05931 7575, E-Mail: info@koppelschleuse-meppen.de, Internet: http://www.koppelschleuse-meppen.de, Kulturnetzwerk Koppelschleuse Meppen, Helter Damm 1, 49716 Meppen

Ausstellung „William Kentridge – Listen to the Echo“ im Museum Folkwang

William Kentridge (*1955 in Johannesburg) gehört weltweit zu den renommiertesten zeitgenössischen Künstlern. International bekannt wurde er Ende der 1980er Jahre durch seine animierten Kurzfilme, in denen Kentridge sich kritisch, zugleich aber auch sehr poetisch mit der Vergangenheit und Gegenwart Südafrikas auseinandersetzt. Diese Filme, die auf großformatigen Kohlezeichnungen basieren, bilden den Ausgangspunkt für ein umfangreiches Œuvre, das Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Tapisserie ebenso umfasst wie Operninszenierungen und multimediale Bühnenstücke. In seinen inhaltlich miteinander verwobenen Werken thematisiert Kentridge immer wieder die Frage nach Gerechtigkeit, aber auch das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft.

Zum 70. Geburtstag des Künstlers präsentiert das Museum Folkwang in Essen noch bis zum 18. Januar 2026 eine große Retrospektive, die mit Exponaten aus über vier Jahrzehnten die gesamte Laufbahn William Kentridges umspannt. Einen Schwerpunkt bilden die Filme der Reihe „Drawings for Projection“, in denen Aufstieg und Niedergang von Johannesburg ebenso zur Sprache kommen wie das schwierige Erbe der Apartheid. Auch Kentridges Beschäftigung mit dem Kolonialismus europäischer Mächte in Afrika spielt in der Ausstellung eine wichtige Rolle, insbesondere in der Zeichnungsserie „Colonial Landscapes“, den „Porter-Tapisserien“ oder der mechanischen Miniaturbühne „Black Box/Chambre Noire“.

William Kentridge konzipiert seit vielen Jahren eigene Stücke für das Musiktheater, die er zu multimedialen Werken weiterentwickelt, darunter „To Cross One More Sea“, eine Dreikanal-Filminstallation über die Flucht von Künstlern und Intellektuellen per Schiff vor dem Naziregime. Kentridge tritt auch selbst in seinen Filmen in Erscheinung. Die Filmserie „Self-Portrait as a Coffee-Pot“ von 2024 gibt auf amüsante Weise tiefe Einblicke in sein Denken und in sein Studio als Ort kreativer künstlerischer Praxis.

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen Kentridges Werk seit dem 6. September gleich an drei Orten. Im Mittelpunkt steht dabei die wiederkehrende Beschäftigung des Künstlers mit dem Thema der Prozession als Metapher für das Streben menschlicher Veränderung.
Weitere Informationen zu den Ausstellungsorten, Terminen und thematischen Schwerpunkten in Dresden erfolgen im Internet auf www.skd.museum

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Einiges zum Museum und Park Kalkriese

Mehr als 2000 Jahre nach der Schlacht zwischen Römern und Germanen ist Kalkriese auch heute noch ein besonderer Ort. Seit über 30 Jahren finden hier wissenschaftliche Untersuchungen zur Varusschlacht statt, und Jahr für Jahr bietet die archäologische Forschung neue Einblicke in das tragische Kriegsgeschehen.

Kalkriese ist allerdings nicht nur ein spektakulärer Fundort, sondern zugleich ein Bodendenkmal, dessen Charakter und Ausdehnung Forschung und Denkmalpflege vor bisher ungekannte Herausforderungen stellt. Viele Universitäten und Forschungsinstitute unterschiedlicher Disziplinen sind aus diesem Grund in die Untersuchungen eingebunden.

Doch die Forschung allein steht hier nicht im Mittelpunkt, hinzu kommt als zentrale Aufgabe die Vermittlung an eine breite Öffentlichkeit.

Das Museum am Schauplatz des Geschehens versteht sich als Schaufenster aktueller Wissenschaft. Ausstellungen präsentieren neueste Ergebnisse, Führungen und Vorträge liefern Einblicke in die laufende Forschung und unsere Veranstaltungen finden immer neue Wege, die Geschichte in Worte, Bilder und Töne zu fassen.

Seit der Eröffnung im Jahr 2002 wurde das Museum mehrfach ausgezeichnet, darunter 2004 als erste archäologische Einrichtung in Deutschland mit dem Europa Nostra Award als europäisches Kulturerbe.

Archäologische Forschungen zur Varusschlacht

Die Wahrheit liegt im Boden. Mit archäologischen Methoden wird die Vergangenheit ans Tageslicht geholt und zum Sprechen gebracht.

Die Suche nach dem Ort der Varusschlacht drehte sich 500 Jahre lang im Kreis. Anhand der wenigen römischen Schriftquellen versuchte man das historische Ereignis zu lokalisieren. Doch was Heinrich Schliemann mit der Ilias in der Hand bei der Auffindung von Troja gelang, blieb bei der Suche nach dem Ort der Varusschlacht ohne Erfolg. Die Texte führten bislang an keinen Ort – oder an zu viele. Jeder Vorschlag blieb nur Mutmaßung. Helfen kann hier einzig die Archäologie, die anhand von Ausgrabungen zu dem Schlachtort führt. Auch Kalkriese wurde schon im 19. Jahrhundert von keinem geringeren als dem damals schon renommierten Historiker Theodor Mommsen vorgeschlagen. Seine These konnte jedoch erst über 100 Jahre später bestätigt werden.

Seit 1989 wird die Region Kalkriese systematisch archäologisch erforscht; seit 1998 erfolgt die Forschung in Kooperation mit der Universität Osnabrück. Auf 50 km² geht das Kalkrieser Archäologie-Team auf Spurensuche. Tausende von römischen Funden sprechen eine klare Sprache: Hier sind römische Truppen vernichtend geschlagen worden. Vieles spricht dafür, dass dies in der Varusschlacht geschah.

Nun gibt es erstmals einen konkreten Ort, an dem sich über die Varusschlacht diskutieren lässt. Die Situation ist für die Forschung einmalig. Wie passen moderne Archäologie und die Schriften antiker Autoren zusammen? Die Archäologie erlaubt Einblicke in die Geschehnisse vor Ort, zu denen sich die Texte ausschweigen. Es gibt kein ähnlich gut untersuchtes antikes oder historisches Schlachtfeld. Wie an keinem anderen Platz lassen sich hier vor allem die Geschehnisse untersuchen, die nach Ende der eigentlichen Kämpfe einsetzten: die Plünderungen und Siegesrituale. Das, was wahrscheinlich auf jedem Schlachtfeld der Welt passierte – und noch passiert –, kann hier mitunter detailliert in den Blick genommen werden. Und wir erhalten Einblicke in die Ausstattung eines römischen Expeditionsheers, die kaum ein anderer Fundplatz bieten kann. Hier sehen wir eine Truppe auf dem Marsch, mit ihrem Gepäck und persönlichen Habseligkeiten. Das meiste haben die Plünderer zwar mitgenommen, doch es blieb genug für die heutige Forschung zurück. Und jede weitere Ausgrabung kann neue Überraschungen bieten, wie der 2018 entdeckte römische Schienenpanzer eindrücklich belegt. Bislang wurde eine solche Körperrüstung noch nie vollständig gefunden.

Park und Architektur

Auf dem sogenannten Oberesch konnten seit 1990 die meisten Hinweise auf das Kampfgeschehen zwischen Römern und Germanen entdeckt werden. Im Jahr 2000 wurde hier der Park des Museums eröffnet. Er erstreckt sich über eine Fläche von über 10 Hektar. Architektur und Landschaftsgestaltung wurden von Mike Guyer und Annette Gigon zusammen mit dem Büro Zulauf Seippel Schweingruber, alle aus der Schweiz, entwickelt.

Der hier realisierte Ansatz erwies sich für viele Folgeprojekte im In- und Ausland als wegweisend. So wurde weder Ort noch Ereignis rekonstruiert und stattdessen inmitten der Landschaft am Kalkrieser Berg ein einzigartiger Reflexionsraum geschaffen. So bietet der Park dem Besucher eine spannende Kulisse für eigene Überlegungen zur Varusschlacht und ermuntert zu Erkundung durch Gehölz und Gestrüpp.

Kinder können mit dem Rätselspiel »Der Spurensucher« den Ort auf eigene Faust erkunden. Doch der Park hat noch mehr zu bieten: kleine Bäche, schmale Brücken, den Kletterwald oder den Themenrundgang »Undercover«, an dem sie Mister Reagan Wurmsky empfängt, um sie in die »Unterwelt« zu begleiten.

Auch eine Fülle von Veranstaltungen findet alljährlich im Park statt. Zu den bekanntesten gehören die Römer- und Germanentage und das Forum Kalkriese und überdies sorgt auch die Natur im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter für Abwechslung.

Schienenpanzer

Der Kalkrieser Schienenpanzer ist der älteste bekannte Schienenpanzer der römischen Welt. Er ist nahezu vollständig und außergewöhnlich gut erhalten. Diese aus mehreren Metallplatten zusammengesetzte Rüstung schützte über Jahrhunderte die Oberkörper der römischen Legionäre. Obwohl der Schienenpanzer zur festen Ausstattung der römischen Armee gehörte und in römischer Zeit vielfach abgebildet wurde, gibt es kaum Funde, die uns über das reale Erscheinungsbild und die technischen Details dieser Schutzrüstung in Kenntnis setzen.

Nach einer Stippvisite im Britischen Museum in London ist der Schienenpanzer ab dem 5. April 2025 wieder in Kalkriese zu sehen. Als einer der Highlightfunde der Sammlung erweitert der Schienenpanzer die Dauerausstellung zur Varusschlacht und ermöglicht den Besucherinnen und Besucher einzigartige Einblicke. Im Jahr 2018 bei Ausgrabungen im Museumspark entdeckt, hat dieser Fund nicht nur in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt.

Zeichen des Friedens – Schulprojekt zum Thema 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa durch die vollständige Kapitulation der deutschen Wehrmacht. 2025 jährt sich dieser Tag, der wie kein anderer für die doppelte Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus und einen Neuanfang steht, zum 80sten Male.

Das Museum und Park Kalkriese nimmt dieses wichtige Datum zum Anlass, um den Blick auf 54 aktuelle, internationale Konflikte in der Welt zu richten und zu verdeutlichen, dass Kriege keine abstrakte Vergangenheit, sondern bittere Realität sind.

Dazu präsentieren Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11 der Schulen in Stadt und Landkreis Osnabrück das Projekt „Zeichen des Friedens“. Die Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit den Konflikten auseinandergesetzt, ihre Ursachen, Auswirkungen und mögliche Lösungsansätze untersucht und aufgezeigt, wie diese Konflikte das Leben der betroffenen Menschen prägen.

Das Projekt „Zeichen des Friedens“ geht über eine rein theoretische Auseinandersetzung mit Geschichte und Politik hinaus – es ist ein kreatives Statement. Im Kunstunterricht sind eindrucksvolle Friedenszeichen entstanden, die mit kraftvollen Botschaften an das Publikum appellieren.

Noch bis zum 2. November werden die im Rahmen des Projektes gestalteten Friedenszeichen im Museumspark ausgestellt. Im Ausstellungszeitraum erhalten Besucher freien Eintritt zum Museumspark.

Nähere Informationen: Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese, Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer, Venner Straße 69, D – 49565 Bramsche-Kalkriese, Telefon: 0049 (0)54689204-0, Fax 0049 (0)54689204-45, E-Mail kontakt@kalkriese-varusschlacht.de

Ausstellung „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“ im Museum Ludwig in Köln

Die Ausstellung „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“, die ab dem 3. Oktober im Museum Ludwig in Köln zu sehen ist, erzählt die Geschichte eines einflussreichen, aber oft übersehenen Netzwerks von fünf erfolgreichen und bekannten Künstlern. Während die Künstler einzeln große Anerkennung erfahren haben, sind ihre starken gegenseitigen Einflüsse, ihre freundschaftlichen, künstlerischen und romantischen Beziehungen, bisher weitgehend übersehen und unerforscht geblieben.

Sowohl individuell als auch gemeinsam haben die Künstler wichtige Rollen in der Nachkriegskunst gespielt und mit ihrer interdisziplinären Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur Geschichte der Kunst, der Musik und des Tanzes geleistet. Bis heute prägen sie Generationen von Künstlerinnen und Künstlern. Mit ihrem Fokus auf die Interaktion zwischen den fünf Künstlern reflektiert die Ausstellung auch darüber, was es in den 1950er Jahren bedeutete, ein schwuler Künstler zu sein, und wirft ein neues Licht auf die Dynamik der Nachkriegskunst in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus.

Der theoretische Einfluss von John Cage auf Rauschenberg und Twombly, die Bühnenbilder von Rauschenberg und Johns für die „Merce Cunningham Dance Company“ oder die formalen und inhaltlichen Dialoge zwischen Twombly, Rauschenberg und Johns werden nun erstmals Gegenstand einer groß angelegten Ausstellung. Die performative und kollaborative Dimension ihrer Praktiken zeugt von ihren gemeinsamen kulturellen Vorstellungen einer nicht-hierarchischen, multipolaren und antiimperialistischen Gesellschaft.

Es werden nicht nur die intellektuellen und politischen Affinitäten der fünf Künstler aufgezeigt, sondern auch die erstaunlich starken formalen und materiellen Ähnlichkeiten zwischen Partituren, Zeichnungen, Gemälden, Choreographien und (bewegten) Skulpturen. Kunstwerke, die in denselben Ateliers entstanden sind, treten zum ersten Mal im musealen Raum in Dialog. So wird der Austausch zwischen den Künstlern greifbar. In Kooperation mit Musik- und Tanzensembles werden Werke von Cage und Cunningham in der Ausstellung neu inszeniert und in der Gegenwart verankert.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 11. Januar 2026.

Publikation

Zur Ausstellung ist der Katalog „Fünf Freunde. John Cage, Merce Cunningham, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Cy Twombly“erschienen, herausgegeben von Yilmaz Dziewior und Achim Hochdörfer mit Arthur Fink; mit Textbeiträgen von Ilka Becker, Daniel M. Callahan, Yilmaz Dziewior, Trajal Harrell, Achim Hochdörfer, Helen Hsu, Anna Huber, Alex Kitnick, Laura Kuhn, Nick Mauss, Carrie Jaurès Noland, Kerstin Renerig, Kenneth E. Silver, Deborah Solomon, Leonore Spemann; deutsche Ausgabe, 332 Seiten, 23 × 29 cm, 415 Farbabbildungen, Schirmer/Mosel Verlag, ISBN 978-3-8296-1044-5, 38 Euro, (Museumsausgabe, Softcover) / ISBN 978-3-8296-1042-1, 58 Euro (Buchhandelsausgabe, Hardcover).

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Ausstellung „Gejagt – Geliebt – Gefürchtet – Von Menschen & Tieren“ im Schloss Clemenswerth

Schloss Clemenswerth ist bevölkert von einer kaum zählbaren Schar von Tieren. Die dort noch bis zum 14. Dezember zu sehende Ausstellung „Gejagt – Geliebt – Gefürchtet – Von Menschen & Tieren“ nimmt die Bestimmung des Ortes als Jagdschloss und das Clemenswerther-Bildprogramm zum Anlass, um das Mensch–Tier–Verhältnis und den Wandel seit dem 18. Jahrhundert sichtbar zu machen.

Was zeigen die Skulpturen, Stuckarbeiten und Gemälde, wer und was steht dahinter? Erstmals stellt eine Ausstellung die Künstler des 18. Jahrhunderts in den Fokus, die den zentralen Pavillon zu einer „Eremitage der Jagd“ gemacht haben. Konkret geht es um Johann Christoph Manskirch, einer der besten kurkölnischen Hofbildhauer, über die der Bauherr Clemens August verfügte. Die Tessiner Stuckateure Carlo Antonio und Domenico Castelli fertigten zusammen mit dem Hofbildhauer Carlo Pietro Morsegno den Wandschmuck der Innenräume. Im Treppenhaus zeigen Wandmalereien des Münsteraners Johann Anton Kappers den Verlauf der fürstlichen Parforcejagd.

Das Thema der Jagd steht im Mittelpunkt der Kunst am und im Gebäude. Besonders der Kurfürst steht im Fokus, der nicht nur der kühnste Jäger, sondern im übergeordneten Sinne, der Herr über das Schicksal der Tierwelt ist. Die Göttin Diana ist im Vestibül als seine wohlwollende Begleiterin dargestellt, was einmal mehr das absolutistische Selbstbild des „Herren über fünf Kirchen“ unterstreicht.

Zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler haben einen anderen Blick auf unser natürliches Gegenüber. Hellen van Meene und Charlotte Dumas betonen eine Art inneres Gleichgewicht zwischen Mensch und Tier, welches im krassen Gegensatz zu den Vorstellungen des 18. Jahrhunderts steht.

Eine Art Umkehrung dieses Verständnisses zeigt die Arbeit „In Ictu Oculi“der spanischen Künstlerin Greta Alfaro oder das Video „Little Red Riding Hood“von Julia Charlotte RichterSie spielen mit der tradierten Angst vor der Wildheit der Natur. Dagegen erlaubt Johannes Gramm durch seine „Tarzan-Skulptur“, die formal ein Megafon ist, selbst die Stimme für oder in der Natur zu erheben.

Darüber hinaus zeigt die Ausstellung, welche Tradition sich fortgeschrieben hat, und stellt die Schleppjagd als lebendiges Relikt des 18. Jahrhunderts vor. Wie das aussieht, zeigen die Fotografien von Anika Börries und was das heißt wird im Interview mit Markus Lager vom Reit und Fahrverein Sögel und Irmgard Sievers vom Verein der Cappenberger Meute vorgestellt.

John Berger argumentierte in seinem Essay „Warum sehen wir Tiere an?“, dass der Blick auf Tiere zum Spiegel menschlicher Selbstvergewisserung wird. So ist die aktuelle Ausstellung auch keine Tierausstellung, sondern eine die den Menschen ins Visier nimmt, der sich ein Bild vom Tier macht.

Nähere Informationen: Emslandmuseum Schloss Clemenswerth, Schloss Clemenswerth 2
49751 Sögel, Telefon +49 5952 9323-25. Geöffnet ist die Ausstellung bis 2. November von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr und vom 4. November von Freitag bis Sonntag ebenfalls jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Blick in das Werk des Fotografen Albrecht Fuchs

Noch bis zum 26. Oktober ist in der Kunsthalle Bielefeld die Ausstellung „Nähe in der Distanz – Albrecht Fuchs: Porträts“ zu sehen.

Der 1964 in Bielefeld geborene und in Köln lebende Fotograf Albrecht Fuchs porträtiert Künstlerinnen und Künstler, von Ennio Morricone über Martin Kippenberger und Isabelle Huppert bis hin zu John Baldessari, Nicole Eisenman oder Kasper König. Nach dreißig Jahren Tätigkeit eröffnen seine Bildreihen, die teilweise als Auftragsarbeiten für Zeitungen oder Zeitschriften entstehen, Einblick in Künstlerkreise weltweit.

Seine Aufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass er die Nähe in der Distanz der Kamera sucht. Die Persönlichkeiten zeigt er stets in ihrem Umfeld, ein Augenmerk liegt immer auch auf der Verbindung zwischen Person und Raum. Auf diese Weise gelingt es Fuchs, die Porträtierten mit großer Natürlichkeit oder gar leisen Intimität abzulichten. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und sind in renommierten Sammlungen vertreten. Magazine wie art, Monopol sowie die Süddeutsche Zeitung und FAZ publizieren regelmäßig seine Porträts.

Biografische Daten über Albrecht Fuchs

1964 geboren in Bielefeld, lebt und arbeitet in Köln

1986-1993 Studium an der Gesamthochschule Essen, Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie

1989 Aufenthalt in New York, Beginn der Beschäftigung mit dem Portrait als Thema

1995 Portraits Martin von Kippenberger und Dokumentaiton seines Projekts „Metro Net“

2004-2005 Lehrauftrag an der Hochschule für bildende Künste Hamburg

2005 Aufenthalt in Kuala Lumpur, Projekt „artconneXions“, Goethe Institut /IFA

2006-2008 Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf

2008 Workshop am Goethe Institut in Lagos/Nigeria

2009 Aufenthalt und Workshop am Goethe Institut in Wellington/NZ

Einzelausstellungen (Auswahl)

2024 Here, Galerie Van Horn, Düsseldorf

2021 Album. Portraits1989-2020, Kunsthaus Nürnberg

Album. Portraits 1989-2020, Leopold Hoesch Museum Düren

Ⓐ, Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Innsbruck

2020 Zwei, Nagel Draxler Kabinett, Berlin

Album. Portraits 1989-2020, Museum für Photographie Braunschweig, Braunschweig

2018 31 Portraits, Kölnischer Kunstverein, Köln

2016 Die Anderen, Galerie Christian Nagel Projects, Köln

2012 Im letzten Licht, Temporary Gallery, Köln Album. Portraits 1989-2020, Museum für Photographie Braunschweig, Braunschweig

Galerie für Moderne Fotografie, Berlin

2008 Galerie Stephane Simoens, Knokke/Belgien

Galerie Mireille Mosler, New York

2007 Galerie Lena Brüning, Berlin

2005 Galerie Frehrking Wiesehöfer, Köln

2003 Reger Forum für Zeitgenössische Fotografie, München

2002 Galerie Frehrking Wiesehöfer, Köln, Statements Paris Photo, Paris

Annet Gelink Gallery, Amsterdam

2001 Galerie Frehrking Wiesehöfer, Köln

2000 Galerie Katja Rid, München

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2024 Erinnerungsbilder / Memory Pictures, Museum für Photographie, Braunschweig
Blick in die Zeit – Alter und Altern im Photographischem Portrait, Die Photographische Sammlung SK Kultur, Cologne

2023 Blick in die Zeit – Alter und Altern im Photographischem Portrait, Schloss Neuhardenberg

2020 Portrait II, Schloss Neuhardenberg
Great Small Works, Stephane Simoens, Knokke/Belgium

2018/2019 SPECIAL ART SHOP, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Vienna

2018 Portrait II, Kunstraum Düsseldorf

2017 Portrait II, Kunstverein Oldenburg
curated_by Johannes Wohnseifer, Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Vienna
FaceTunes, Bielefelder Kunstverein, Bielefeld

2016 Untitled #2 (Portrait), Galerie Warhus Rittershaus, Cologne
Mit anderen Augen / With different Eyes, Kunstmuseum Bonn (Katalog)
Mit anderen Augen / With different Eyes, Kunsthalle Nürnberg (Katalog)

2014 Through My Eye, Annet Gelink, Amsterdam Through My Eye

2013 Lead Awards, Hamburg

2012 I surrender, Dan Devening Projects, Chicago

2011 Pour Arno, Van Moerkerke Collection, Oostende

KidsContemporary Fine Arts, Berlin

2010 ÜBERMODELS, Programm, Berlin

Goethe Institut Brüssel „Albrecht Fuchs / Jens Ulrich“

2008 Albrecht Fuchs / Johannes WohnseiferSpichernhöfe Köln

ab 2007 Darstellung/Vorstellung, Weltweite Wanderausstellung der IFA, Berlin

What does the Jellyfish want?Museum Ludwig, Köln

2006 Portrait und Menschenbild, SK Stiftung Köln

2005 Born in the 60s, C/o Berlin, Berlin

2003 Galerie Gaby Kraushaar, Düsseldorf

2002 Galerie Mai 36, Zürich

2001 Galerie Nikolas Krupp, Basel

2000 Kölnischer Kunstverein Jahresgaben

1997 Wirklich – 7 Positionen zeitgenössischer Fotografie, Stadtmuseum München (Katalog)

Contemporary German Photography Galerie Reckermann, Köln, Galerie Wittenbrink, München, Galerie neugerriemschneider, Berlin (Katalog)

Publikationen (Auswahl)

2023 Donat, Simonett & Baer, Basel

2022 Basel Family Album by Simonett & Baer, Simonett & Baer, Basel

2020 Album. Portraits 1989-2020,Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König

Fifty Three Portraits and a Haystack, Simonett & Baer ,Basel

2018 31 Portraits, Koenig Books, London

2008 MK 95, Snoeck Verlag

2007 Portraits, Snoeck Verlag

2001 Portraits,Tropen Verlag

Zur Kunsthalle – Thema Architektur

Die Kunsthalle Bielefeld wurde im Jahr 1968 nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Philip Johnson (1906-2005) erbaut. Sie ist sein einziger Museumsbau in Europa und ein architekturhistorisches Denkmal. Das ikonische Bauwerk markiert einen ersten frühen Wendepunkt Johnsons hin zur postmodernen Formensprache.

Die weit ausladenden Fensterfronten und der offene Grundriss mit eingelassenen Wandscheiben spiegeln noch die Grundsätze der Moderne und des „International Style“ der 1920er und 30er Jahre. Diesen Begriff hat Johnson als Theoretiker gemeinsam mit dem Architekturhistoriker Henry-Russell Hitchcock geprägt.

Der kubische Museumsbau aus rotem Mainsandstein ist voller Spannungen: Kompakte Formen wechseln sich mit offenen Durchblicken ab. Der massive obere Gebäudeteil ruht auf einer Struktur von halbrund abgeschlossenen Wandscheiben und asymmetrisch angeordneten Halbsäulen. Mithilfe dieser Elemente hielt Johnson zwar noch an dem für die Moderne typischen quaderförmigen Bau mit glatten Oberflächen fest, führte jedoch zeitgleich mehr plastische Baukörperlichkeit ein.

Vom offenen Grundriss zur Demokratisierung der Kunst

Der offene Grundriss mit ineinanderfließenden Räumen lässt vielfältige, stets wechselnde Sichtachsen entstehen. Prinzipien wie Durchlässigkeit, Verbindung und Dialog werden dadurch betont. Auch der starke Bezug nach Außen durch zahlreiche große Fensterfronten hin zur Stadt und zum öffentlichen Skulpturenpark vermittelt Offenheit und Transparenz. Er ermöglicht außerdem stetige Bewegung.
Das Gebäude umfasst mit einer etwa 1.200 qm großen Ausstellungsfläche drei oberirdische und zwei unterirdische Etagen. Die Eingangshalle mit Café und angrenzendem Raum für die Kunstvermittlung sowie die erste und zweite Ausstellungsetage liegen über der Erde. In den unteren Geschossen befinden sich ein Film- und Vortragssaal, eine öffentlich zugängliche Bibliothek und die Verwaltung, die durch ein Foyer erschlossen werden.

Mit dem Entwurf von Philip Johnson gehörte die Kunsthalle Bielefeld zu einem der ersten Museumsneubauten der damals noch jungen Bundesrepublik. Ermöglicht wurde der Neubau maßgeblich durch eine großzügige Spende seitens der Familie von Rudolf-August Oetker, der gemeinsam mit dem damaligen Direktor Joachim Wolfgang von Moltke Johnson für das Projekt gewinnen konnte.
Mit der offenen Raumorganisation der Ausstellungsflächen, die dem Besucher beim Rundgang keine klare Abfolge vorgeben, und der damals in Deutschland revolutionären Einführung eines Raums für Pädagogik steht das Haus für die damalige Vorstellung einer „Demokratisierung der Kunst“ ein.

Der Architekt

Philip Johnson (1906-2005) war ein US-amerikanischer Architekt, Architekturkritiker und Mitbegründer der Abteilung für Architektur und Design am Museum of Modern Art (MoMA), New York. Er war von 1932–1988 in unterschiedlichen Funktionen am MoMA tätig: als Direktor der Abteilung (zwischen 1932-34 und 1949-1954) und als Kurator. In der Funktion des Trustee und des Mäzenen ermöglichte er dem MoMA zeitlebens zahlreiche Ankäufe und schenkte dem Museum wichtige Werke aus seiner eigenen Sammlung. Seine gemeinsam mit Henry-Russell Hitchcock verfasste Publikation „The International Style: Architecture Since 1922“ (1932) war begriffsbildend.

Als Architekt hat Johnson wie wenige andere mehrere epochale Wechsel nicht nur mitgemacht, sondern maßgeblich mitbestimmt und nahm sowohl im Diskurs der Moderne und Spätmoderne wie auch in der Postmoderne eine maßgebende Rolle ein. Mit seinem Glass House (1947-49) in New Canaan gelang ihm ein erster internationaler Durchbruch, 1953 war er für den Sculpture Garden des MoMA verantwortlich, mit dem „AT&T Building“, New York (1980-84) oder dem „Lipstick Building“, New York (1986), hat er ikonische Werke der Postmoderne geschaffen.

Kontroverse um Philip Johnson

Beeindruckt vom nationalsozialistischen Regime Deutschlands, welches er auf mehreren Reisen durch Europa in Form von Paraden und Aufmärschen miterlebt hatte, kündigte Johnson 1934 seine Anstellung im MoMA mit der Vision, selbst Kultusminister in einer von US-amerikanischen Rechtspopulisten angeführten Regierung unter Huey Long zu werden. Johnson war durch die Publikationen von Aufsätzen daran beteiligt, in den USA faschistische Entwicklungen voranzutreiben. Auch lieferte er noch 1938 dem Deutschen Reich während einer Polenreise Informationen über den Zustand der polnischen Armee. Sein Wechsel von der Kunst zur Politik wurde öffentlich bemerkt, 1940 wurde seine Präsenz im Umfeld US-amerikanischer Faschisten in einem langen Artikel in Harper´s Magazine illustriert, im 1941 erschienenen Bestseller „Berlin Diary“ (William Shirer) wurde er als „American fascist“ und Kollaborateur beschrieben. Er wurde vom FBI überwacht und befragt, im Gegensatz zu damaligen Weggefährten wurde Johnson jedoch nie festgenommen oder angeklagt.

In der Folge wechselte Johnson abrupt seinen Kurs und widmete sich dem vertieften Studium der Architektur an der Graduate School of Design, Harvard University. 1947 kehrte er an die Architekturabteilung am MoMA zurück. Seine politische Vergangenheit hat ihn zeitlebens verfolgt, in den 1990er Jahren gestand er sie in einem Radiointerview als einen „unverzeihlichen persönlichen Fehltritt“ ein.
Nach der neuerlichen Aufarbeitung von Johnsons politischer Vergangenheit durch Marc Wortman (2016) formierte sich im Umfeld von „Black Lives Matter“ die „Johnson Study Group“, ein Zusammenschluss von Architekten und Kulturschaffenden, die das MoMA aufforderten, die 1984 eingeführte Benennung einiger Galerien nach Philip Johnson aufzugeben. Seither wird über den richtigen Umgang mit dem Vermächtnis von Philip Johnson diskutiert. Die Harvard University hat das „Philip Johnson Thesis House“, ein von Johnson während seines Studiums errichtetes Gebäude, zu „9 Ash Street“ unbenannt.

In Bielefeld steht seit 2018 die Skulptur “Bus Shelter XII. Shattered Glass / The Confessions of Philip Johnson” von Dennis Adams vor der Kunsthalle. Adams setzt sich darin kritisch mit der ambivalenten Persönlichkeit Johnsons auseinander. Rund 500 „Bekenntnisse“ (Confessions) hat Dennis Adams dem Architekten in den Mund gelegt, die auf zwei Bildschirmen abgespielt werden.

Zudem war die kritische Auseinandersetzung mit dem Architekten der Kunsthalle Teil des Architektursymposiums 2023.

Kontroverse um die Namensgebung der Kunsthalle

Zu ihrer Eröffnung im Jahr 1968 hieß das Museum „Richard-Kaselowsky-Haus. Kunsthalle Bielefeld“. Mit dieser Namensgebung ehrte Rudolf-August Oetker, der Stifter der Kunsthalle, seinen Stiefvater Richard Kaselowsky. Dieser hatte sich zeitlebens für die Kultur in der Stadt Bielefeld eingesetzt. Kaselowsky war jedoch auch Mitglied der NSDAP und Mitglied sowie Spender im „Freundeskreis Heinrich Himmler“, einem strategischen Netzwerk zwischen Wirtschaft und Regime.
Vor diesem Hintergrund führte die Namensgebung bereits vor der Eröffnung zu Protesten und zur Absage der feierlichen Einweihung am 27. September 1968.

Die Debatte um die Namensgebung der Kunsthalle Bielefeld ist in den Jahren danach immer wieder neu entflammt, begleitet von zivilgesellschaftlichen Protesten, Aktionen, künstlerischen Interventionen und politischen Veranstaltungen von Studenten, Künstlern, Wissenschaftlern und engagierten Bürgern der Stadtgesellschaft. 1985 wurde eine Umbenennung der Kunsthalle in „Käthe-Kollwitz-Haus“ gefordert. Nach fast 30 Jahren beschloss der Rat der Stadt Bielefeld 1998 die Streichung des kontroversen Namens. Die Widmungstafel im Eingangsbereich der Kunsthalle aus dem Jahr 1968 wurde aufgrund eines weiteren Ratsbeschlusses im August 2017 durch einen Text ersetzt, in dem Richard Kaselowsky nicht mehr namentlich erwähnt wird.

Selbstverständnis der Museumsmacher – Mission: Mit der Kunst die Welt befragen.

In stetigem Wandel: Bewahren durch Bewegung – Unsere Sammlung spiegelt verbindende und trennende Weltansichten, Debatten oder Werte unserer Gesellschaft. Sie bildet somit einen wichtigen Teil unseres kulturellen bildnerischen Gedächtnisses. Das gilt es zu bewahren. Gleichzeitig befindet sich unsere Gesellschaft im stetigen Wandel. Das betrifft auch ihre Werte und ihren Blick auf das eigene Erbe. Die Fragen nach Identität respektive Integration spielen dabei eine entscheidende Rolle. Unser dialogisches Ausstellungskonzept setzt Werke der Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert miteinander in immer wechselnde Beziehung und Bewegung. Wir begreifen und vermitteln sowohl Kunstwerke als auch das Museum selbst als lebendige und stets in Veränderung befindliche Verhandlungsräume.

Unsere wissenschaftliche Arbeit ist von Neugierde und lustvoll gestellten Fragen bestimmt, die unterschiedliche Antworten erlauben. Sowohl die kritische Reflexion des historischen Kanons der Kunstgeschichte als auch die Provenienzforschung sind uns ein Anliegen. Insofern ist es uns wichtig, auch die Prozesse der Institution sichtbar zu machen. Auf diese Weise wird die Institution Museum zu einem dynamischen Laboratorium, das Fragen aufwirft, Thesen und gängige Erzählungen prüft und das Wertegefüge unserer Gesellschaft, aber auch sich selbst als Ergebnis von Prozessen sichtbar macht.

Im Dialog: Geschichte, Gegenwart, Zukunft – In der Kunsthalle Bielefeld stehen Geschichte und Gegenwart in Dialog miteinander. In Wechselausstellungen stellen wir nicht nur exemplarische künstlerische Positionen und damit stets wechselnde aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen vor, sondern die darin verhandelten Ideen und Fragen inspirieren, die eigene Sammlung mit einem neuen Blick zu sehen und in einer jeweils neuen Zusammenstellung Raum zu geben. Wir machen Zusammenhänge zwischen Werken von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart sichtbar und zeigen Kunst als Ort der kritischen Infragestellung von Weltansichten. Das ist der Kompass für unser eigenes Handeln, mit dessen Hilfe wir die kritischen, innovativen oder experimentellen Ansätze, die in der Kunst angelegt sind, in die Gesellschaft hineintragen und auch Blicke in die Zukunft werfen.

Museum als Laboratorium – Wie Kunst wahrgenommen wird, ist Teil eines Prozesses. Werke und Ausstellungen fassen wir als Versuchsanordnungen auf, die weniger Wahrheiten konstatieren als Möglichkeitsräume eröffnen. Durch Neuzugänge mit einem Schwerpunkt auf bislang unterrepräsentierte Positionen, insbesondere weibliche, verändert sich unsere Sammlung, das ermöglicht es, unsere Geschichte und unsere Werte vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen neu zu sichten und zu diskutieren. Über Dialoge in der Kunst möchten wir in einen Dialog mit Menschen treten, durch den sowohl sie als auch das Museum sich fortlaufend weiterentwickeln. Nicht zuletzt, um unseren Teil dazu beizutragen, im Sinne nachfolgender Generationen nachhaltig zu handeln.

Unsere Gesellschaft wird vielfältiger. Museen müssen daher zu Orten werden, die für möglichst viele Menschen Relevanz behalten oder neu bekommen. Wir möchten zu einem „Dritten Ort“ werden, einem Raum, der selbstbestimmte, unverbindliche und niedrigschwellige Begegnung mit Kunst anbietet. Die Ausgestaltung des Museums als „Dritten Ort“ realisieren wir in partizipatorischen Prozessen. Neben traditionell der Kunsthalle verbundenen Menschen werden dabei auch bislang wenig erreichte Gruppen der Stadtbevölkerung beteiligt.

Ankerpunkt für Viele – Die Welt verändert sich. Themen wie Nachhaltigkeit, religiöse und kulturelle Vielfalt, Teilhabe, Antidiskriminierung und Geschlechtergerechtigkeit fordern unser Engagement. Denn Museen sind Teil dieser Veränderungen und gestalten sie aktiv mit. Als Ort zwischenmenschlicher Begegnungen und kultureller Bildung tragen sie zu lokalen und globalen Gemeinschaften bei. Wir sehen es als unsere Aufgabe, unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen und dadurch einen wichtigen Beitrag zu den gesellschaftlichen Debatten zu leisten, die die Zivilgesellschaft und demokratische Kräfte fördern. Unser Ziel ist die Stärkung einer engagierten Stadtgesellschaft und einer offenen Gesellschaft.

Um diesen Aufgaben zu begegnen, fassen wir Bildung und Vermittlung als grundlegend für unsere Arbeit auf. Wir suchen mit möglichst vielen und diversen Menschen aller Alters- und Bildungsgruppen den Dialog auf Augenhöhe und sind regional, national und international ausgerichtet. In der Kunsthalle Bielefeld sprechen viele Stimmen, sowohl im Team als auch in den präsentierten künstlerischen Positionen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Vielstimmigkeit, die auch Widersprüche zutage fördert und Debatte und Diskussion anregt, demokratische Prozesse und die Zivilgesellschaft stärken.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Telefon: 0521 32999500, Fax: 0521 329995050, E-Mail: info@kunsthalle-bielefeld.de. Die Kunsthalle ist am Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

Besondere Präsentation von Joseph Beuys-Werken im Kröller-Müller Museum

In einem der Räume des Van-de-Velde-Flügels stehen noch bis zum 11. Januar 2026 zwei Werke von Joseph Beuys (1921–1986) aus der Sammlung des Kröller-Müller Museums in Otterlo im Mittelpunkt. Beuys gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten und politisch engagiertesten Künstlern der deutschen Nachkriegszeit.

Jeder Mensch ist ein Künstler“

Für Joseph Beuys waren Kunst und Leben untrennbar miteinander verbunden. Sein Werk ist voll von persönlicher Symbolik, die sich auf wichtige Lebensereignisse bezieht, die er manchmal auch erfunden hatte. Er nutzte diesen persönlichen Aspekt, um Kunst mit einem sozialen Zweck zu schaffen: dem Streben nach einer Gesellschaft, in der es Raum für Wärme, Zärtlichkeit und Irrationalität gibt, in der jeder Mensch ein Künstler ist.

Gedächtnis

„Die Straßenbahnhaltestelle“ (1976) erinnert an eine Begebenheit aus Beuys‘ Kindheit in Kleve. Die Installation setzt sich aus einer Straßenbahnschiene und Abgüssen des „Eisernen Mannes“ (1653) zusammen. Es handelt sich dabei um ein Denkmal zum Gedenken an den 80-jährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden, das 1794 von Napoleons Truppen zerstört wurde. Wenn Beuys nach der Schule neben diesen Überresten saß und auf die Straßenbahn wartete, erlebte er deren geistige Durchschlagskraft. Er erkannte, dass „die ganze Welt von der Konstellation einiger weniger Klumpen Materie abhängt“. Dieser Gedanke legte den Grundstein für seine Auffassung, dass eine Skulptur ein sich ständig verändernder und sozialer Prozess ist.

Beuys schuf diese Installation für den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Die Überreste der Installation sind im Kröller-Müller-Museum „abgelegt“: wie begraben.

Isolation

„Filzanzug“ (1970) bezieht sich auf ein weiteres für Beuys lebensveränderndes Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg, das allerdings teilweise von ihm erfunden wurde. Nach dem Absturz seines Kampfflugzeugs auf der Krim im Jahr 1944 verdankte er angeblich sein Leben den Tataren, die ihn in Fett und Filz einwickelten, um seine Körperwärme wiederherzustellen. Mit dieser selbsterfundenen Legende erklärte er die häufige Verwendung von Materialien mit „warmen“ Eigenschaften wie Fett, Filz und Kupfer (Flexibilität, Isolierung, Leitung) in seiner Kunst. Der Filzanzug, der seinem eigenen Kostüm nachempfunden ist, bezieht sich auf die Isolierung oder den Schutz vor dem, was um uns herum passiert.

Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo/Niederlande, E-Mail: info@krollermuller.nl und Telefon: +31(0)318591241. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Ausstellung über erste Dokumentationen von NS-Verbrechen im Deutschen Historischen Museum

Auf welche Weise verarbeiteten die Nachkriegsgesellschaften die Erfahrung von Gewalt und Vernichtung, die der Zweite Weltkrieg und die gewaltsame Besetzung weiter Teile Europas durch das nationalsozialistische Deutschland verursacht hatte? Eine bisher übersehene, aber historisch prägende Form der Auseinandersetzung bildeten Ausstellungen, die unmittelbar nach Kriegsende von 1945 bis 1948 in vielen europäischen Ländern von Institutionen, Gruppierungen und Akteuren ganz unterschiedlicher Herkunft organisiert wurden. In Zeiten sozialer Not, politischer Unsicherheit, anhaltender Gewalt und unklarer Zukunftsperspektiven zielten die Ausstellungen darauf ab, die Auswirkungen des Holocaust und der nationalsozialistischen Verbrechen zu dokumentieren und zu visualisieren.

Das Deutsche Historische Museum zeigt noch bis zum 23. November unter dem Titel „Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa 1945 – 1948“ die Geschichte dieses gesamteuropäischen Phänomens anhand früher Ausstellungen in London, Paris, Warschau, Liberec und Bergen-Belsen. Der Fokus richtet sich auf die unterschiedlichen Formen und Inhalte, mit denen die damaligen Ausstellungsmacherinnen und -macher – darunter meist NS-Verfolgte und Holocaust-Überlebende – die Gewaltereignisse, den Widerstand, die Täter und den Verlust des kulturellen Erbes thematisierten. Sichtbar werden zudem die unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen, die sich in diesen Ausstellungen niederschlugen.

Ghetto-Glück“: Ein Kilim aus dem Ghetto Łódź – von Dr. Zofia Trębacz

Die Ausstellung enthält viele ungewöhnliche Exponate. Eine ganz besondere Stellung nimmt ein Kilim – eine dekorative, flachgewebte Teppichart – aus dem Ghetto Łódź ein, wie Dr. Zofia Trębacz vom Emanuel-Ringelblum Jüdisches Historisches Institut in Warschau in ihrem Beitrag schildert. In der Ausstellung wird das Objekt dem breiten Publikum zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten zugänglich gemacht.

Wie der Kilim in die Sammlungen des nach Emanuel Ringelblum benannten Jüdischen Historischen Instituts in Warschau gelangt ist, wo er sich heute befindet, weiß man nicht. Die erste erhaltene Information stammt von der Eröffnung des vom Jüdischen Historischen Institut in Warschau gegründeten Museums des Martyriums und Kampfes vom 18. April 1948, als der Kilim in der Begleitausstellung „Martirologye un Kamf / Martyrologia i walka“ (Martyrium und Kampf) gezeigt wurde.

Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass der Kilim aus den Sammlungen der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission stammte, die beim Zentralkomitee der Juden in Polen angesiedelt war. Die Historische Kommission entstand im August 1944 in Lublin und wurde im Herbst in die Zentrale Jüdische Historische Kommission umgewandelt[1]. Seit März 1945 befand sich ihr Sitz in Łódź. Wichtigste Aufgabe dieser Institution war die Dokumentation der Verbrechen gegen das jüdische Volk. Sie lieferte auch Material für die Kriegsverbrecherprozesse in Polen und in Nürnberg. Ihre Mitglieder betrieben außerdem wissenschaftliche Forschungen und publizierten u.a. Quellenstudien. Sie sammelten zudem Archivmaterial aus unterschiedlichen Ghettos und Lagern, Akten der Judenräte, der Besatzungsbehörden, Institutionen und Privatpersonen sowie Urkunden ehemaliger jüdischer Gemeinden. Die Kommission besaß Zweigstellen in mehreren Städten. 1947 beschloss das Präsidium des Zentralkomitees der Juden in Polen, die Kommission in das Jüdische Historische Institut mit Sitz an der Tłomackie-Straße 5 in Warschau umzuwandeln, in dem wieder aufgebauten Gebäude des Vorkriegs-Instituts für Judaistik und die Judaistische Hauptbibliothek. Seit 2009 trägt das Institut den Namen von Emanuel Ringelblum – dem Historiker, Aktivisten und Gründer des Geheimen Archivs des Warschauer Ghettos, des sogenannten Ringelblum-Archivs. Er wurde im März 1944 von den Deutschen ermordet[2].

Die Interessen der Mitarbeiter der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission waren derart breit gefächert, dass ihre Sammlungen sowohl Dokumente als auch von Juden während des Kriegs angefertigte Objekte unterschiedlicher Art umfassten. Ein bedeutender Teil davon war die Sammlung von Gegenständen, die im ehemaligen Ghetto von Łódź gefunden wurden waren – Gemälde, Skulpturen, aber auch Objekte, die für den zivilen und militärischen Bedarf der Wirtschaft des NS-Staates produziert worden waren. Dazu zählte vermutlich auch der erwähnte Kilim.

Er ist in der Teppichweberei („Teppich-Ressort“) im Ghetto Łódź hergestellt worden. Er hat die Maße 110 cm x 160 cm. Im zentralen Teil zeigt er eine Szene nach einem Motiv entworfen von Józef Kowner: die Gestalten von vier Juden – höchstwahrscheinlich drei Frauen mit Kopftüchern und ein Mann mit Hut – bei der Arbeit, die auf der gepflasterten Straße im Kreis sitzen oder hocken. Der Kilim ist mit Textilstreifen und Stoffresten auf Kettenfäden aus grauen Schnüren gewebt. Das vielfarbige Mittelfeld wird von einem schwarzen, schmalen Rahmen sowie einer breiten grauen Bordüre eingefasst. Die Fransen bestehen aus angeknüpften Schnüren in zwei Farben: Grau und Weiß. Im unteren Teil des Kilims steht die in arabischen und hebräischen Ziffern gewebte Jahreszahl: 1942. Im oberen Teil hingegen findet sich in jiddischer Sprache die ironische Aufschrift: Geto-glikn, „Ghetto-Glück“.

Trotz der extrem schwierigen Lebensbedingungen im Ghetto blieb der Humor oft erhalten. Man mag darin einen Versuch sehen, sich an die widrige Wirklichkeit anzupassen, sich mit ihr zu arrangieren. Dennoch waren die humorvollen Sprüche und Scherze, die man häufig nur versteht, wenn man auch den Kontext ihrer Verwendung kennt, auch für die Chronisten des Ghettolebens etwas Überraschendes und Notierenswertes. In diesem konkreten Fall sind die Worte „Ghetto-Glück“ über einer Illustration, die Juden bei der Arbeit für die deutsche Wirtschaft zeigt, ein ironischer Kommentar zum Schicksal der dargestellten Personen. War doch die Zwangsarbeit für den Feind zugleich die einzige Möglichkeit der Errettung. In der Realität des Ghettos Łódź war die Beschäftigung in einer Fabrik oder Werkstatt das Kriterium, das am ehesten vor dem Transport ins Vernichtungslager bewahren konnte.

Im Ghetto Łódź existierten viele verschiedene Abteilungen und Ressorts, d.h. Fabriken und Werkstätten, die für den Bedarf der deutschen Wirtschaft produzierten. Während des gesamten Bestehens des Ghettos waren dort zwischen 27 und 32 sogenannte Agenden tätig, in denen 13.000–14.000 Arbeiter beschäftigt waren[3]. Mit der Zeit verwandelte sich das Ghetto Łódź in eine Art Arbeitslager. Das kam in der Maxime des Leiters der Jüdischen Verwaltung, Mordechaj Chaim Rumkowski, zum Ausdruck: „Unser einziger Weg ist die Arbeit“. Die bereits 1940 begonnene Strategie wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Die im Ghetto Łódź funktionierenden Ressorts setzten in der Praxis die Idee des Überlebens durch Arbeit um – indem sie für die deutsche Wirtschaft produzierten, sollten sie die Nützlichkeit der Jüdinnen und Juden unter Beweis stellen. Beschäftigung fanden darin auch Künstler*innen die Jubiläums-Alben herstellten, die die Arbeit der Ressorts propagandaartig im besten Licht präsentierten. Eines von ihnen war das Gedenkalbum des Teppichressorts, das von Szyja (Jehoszua) Klugmann geleitet wurde. Das Objekt hat den Krieg überdauert und ist Teil der Sammlungen des Jüdischen Historischen Instituts. Es stellt die Entstehungsgeschichte und die Arbeit des Instituts von Juni 1941 bis Oktober 1943 dar und zeigt Muster von Wandteppichen, die auf der vom Ressort im Ghetto Łódź organisierten Ausstellung am 26. Dezember 1942 gezeigt worden waren.

Einer der in der Werkstatt beschäftigten Künstler war Józef Kowner (1895–1967), der schon in der Vorkriegszeit als Maler bekannt gewesen war. Im Ghetto Łódź galt er als „reifer Künstler mit individuellem Stil[4]. Seine Wohnung war Treffpunkt von Maler*innen, Schriftsteller*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen. Kowners Gemälde aus jener Zeit zeichnen sich durch eine ungewöhnlich lebhafte Farbgebung aus. Auf verblüffend farbige Weise stellt er Szenen aus dem Leben des geschlossenen Viertels dar – vor allem die Ghettostraße und die Arbeit. Ein großer Teil seiner Werke hat den Krieg überdauert, einige davon haben den Weg in die Sammlungen des Jüdischen Historischen Instituts gefunden.

Die wachsende Zahl der Bestellungen und die minimalen Arbeitskosten waren für die Deutschen eine Zeit lang Grund genug, das Ghetto Łódź bestehen zu lassen. Dennoch erwies sich die Vorstellung, durch Arbeit überleben zu können, angesichts der Vernichtungspläne als Illusion.

Der Beschluss zur endgültigen Liquidierung des Ghettos Łódź fiel im Frühjahr 1944. Zu der Zeit hielten sich in ihm fast 77.000 Juden auf. Im August 1944 setzten die Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ein. Mit einem der letzten Transporte verließen Rumkowski und seine engsten Familienangehörigen das Ghetto Łódź.

Vom Ghetto Łódź sind ungewöhnlich vielfältige Dokumente erhalten. Sie stammen vor allem aus der jüdischen und der deutschen Verwaltung und beinhalten zudem zahlreiche persönliche Papiere und Fotografien. Erhalten ist auch eine reiche Kollektion von Bildern und Objekten des Kunsthandwerks, die in die Sammlungen des Jüdischen Historischen Instituts aufgenommen wurde. Hierzu gehört auch der hier thematisierte Kilim.

In den Sammlungen dieser Institution befinden sich auch zwei andere Objekte von ähnlichem Charakter. Das eine ist ein ebenfalls in der Teppich-Ressort hergestellter Kilim für Aron Jakubowicz, den Leiter des Zentralbüros der Ressorts. Auf grauem Hintergrund steht in rosa-schwarzer Schrift auf Jiddisch: „An das Zentralbüro der Arbeitsressorts. Herrn Aron Jakubowicz. Wir melden, dass wir im Zeitraum 1.07[.]–31.12.1941 11.138 m² Teppiche hergestellt und 49.920 kg Abfälle verarbeitet haben. Der Leiter des Teppich-Ressorts Jehoszua Klugman.“Die blaue Bordüre weist einen schmalen rosafarben en Innenstreifen auf. Die untere Seite wurde mit Fransen versehen.

Bei dem anderen Objekt handelt es sich um einen Wandbehang, der am selben Ort produziert wurde. Der obere Rand ist mit einem Streifen aus rotem Stoff benäht, der untere mit grau-roten Fransen abgeschlossen. Mit roter Strickwolle ist auf grauem Grund die jiddische Aufschrift gestickt: „Der Vorsitzende M. Ch. Rumkowski ist ein Symbol für jüdischen Geist und Schaffenskraft“.

Der heutige Blick auf den in Frage stehenden Kilim aus dem Ghetto Łódź unterscheidet sich erheblich von dem, was vermutlich den Ausstellungsmachern von 1948 vorschwebte. Damals wurde er als Ausdruck der Repressionen und der Leiden der Juden unter deutscher Besatzung präsentiert. Heute haben wir auch einen Blick für seinen künstlerischen Wert. Wir sehen ihn unter anderem als Beispiel dafür, wie die jüdische Verwaltung sich bemühte, die Schaffenden zu unterstützen, weil sie in ihnen wichtige Vertreter der Gesamtgesellschaft sah. Zugleich erzählt das vom Urheber gewählte Sujet des Kilims in seiner Art auch von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Ghetto Łódź. Es ermöglicht uns so einen nuancierteren Blick, vertieft unser Wissen, unsere Empfindsamkeit, und zwingt zur Reflexion.

Literatur:

[1] Näheres vgl. Agnieszka Haska, „‚Festhalten und verewigen‘: Die Tätigkeit der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission“, in: Raphael Gross und Agata Pietrasik (Hrsg.), Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945–1948, Berlin 2025, S. 162–171.

[2] Näheres vgl. Samuel D. Kassow, Ringelblums Vermächtnis. Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos, Reinbek 2010.

[3] Julian Baranowski, Łódzkie getto 1940–1944/The Łódź Ghetto 1940–1944: Vademecum, Łódź 2009, S. 43.

[4] Jakub Bendkowski, „Józef Kowner. Malarz getta łódzkiego“ in: Jakub Bendkowski und Zofia Trębacz (Hrsg.), Uchwycić getto. Codzienność getta łódzkiego oczami artystów, Warschau 2025, S. 151.

Nähere Informationen: Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: info@dhm.de. Das Museum ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.