Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Das neue Kind in der Stadt – Rembrandts stürmisches Jahr 1632 – Von Erik Spaans

Werden wir jemals aufhören, über Rembrandt zu reden? Wahrscheinlich nicht – ganz sicher nicht, wenn es darum geht, wie er einer der berühmtesten Künstler aller Zeiten werden konnte. In „Rembrandt 1632 – Entstehung einer Marke“ konzentriert sich die Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel auf das Jahr, in dem Rembrandt Leiden gegen Amsterdam eintauschte, seinen Einstieg in die Porträtmalerei machte und sein Name rasch kommerziellen Wert gewann. 1632 war Rembrandts Wirbelwindjahr.

Im Jahr 1632 fiel vieles zusammen. Rembrandt verließ Leiden endgültig, um sich in Amsterdam niederzulassen, ging eine Partnerschaft mit dem Kunsthändler und Unternehmer Hendrick Uylenburgh ein und beherrschte ein neues Fachgebiet: Porträtmalerei. Er knüpfte seine ersten Kontakte zum Hof in Den Haag und begann seine berühmte Leidenschaftsreihe. Seine Amsterdamer Karriere begann ebenfalls mit dem begeisterten Empfang von „The Anatomy Lesson of Dr. Nicolaes Tulp“ – mit diesem beeindruckenden Gruppenporträt setzte sich der ‚Neuling in der Stadt‘ in einem Schlag an die Spitze.

Wahnsinniges Arbeitstempo

Von diesem Moment an galt er als einer der begehrtesten und bestbezahlten Künstler Amsterdams. Eine der produktivsten auch: Eine Übersicht zu Beginn der Ausstellung macht deutlich, dass Rembrandt 1632 mindestens 32 Gemälde und sechs Radierungen schuf. Und das zählt noch nicht einmal seine umfangreiche Zeichnungsproduktion! Rembrandt konnte mit diesem wahnsinnigen Arbeitstempo nicht mithalten: Ende der 1640er Jahre war seine Produktion auf drei oder vier Gemälde pro Jahr gesunken.

Wer davon ausgeht, dass ein bedeutender Teil des 1632 entstandenen Werks in Kassel zu sehen ist, wird enttäuscht. Wir müssen auf seine berühmtesten Porträts aus jenem Jahr verzichten. Gemälde wie „Die Entführung Europas“ und „Der Mann mit dem Turban“ fallen auf, doch das Fehlen der Anatomielektion ist besonders auffällig. Schade. Aber irgendwie auch verständlich. Kassel hat schlicht nicht den Status und die finanzielle Kapazität des Kunsthistorischen Museums in Wien, wo vor anderthalb Jahren das Bonbonglas noch weit geöffnet war.

Ein Vergnügen, selbst ohne Meisterwerke

Aber nun die gute Nachricht: „Rembrandt 1632“ ist eine überraschend schöne Ausstellung. Den Zusammenstellern ist es gelungen, ein wunderschönes Bild des damaligen Amsterdam zu schaffen. Werke von Rembrandt werden von Zeitgenossen gespiegelt – insbesondere von seinem Kollegen Jan Lievens, der mit einer Reihe starker Übernahmen vertreten ist. Das Fehlen von „The Anatomy Lesson“ wird auf spielerische Weise durch eine Videopräsentation ausgeglichen, in der Tulp und seine Kollegen zum Leben erwachen. Selbstporträts zeigen das wachsende Selbstbewusstsein des Malers, der sich immer eleganter kleidet. Kopien aus unserem eigenen Studio laden Sie ein, ein Spiel „Unterschiede erkennen“ zu spielen.

Zu den ausgestellten Gemälden, die Schülern oder Assistenten zugeschrieben werden, gehört hochwertige Arbeiten. Ein Gemälde eines kahlköpfigen alten Mannes zum Beispiel, das als Werkstattkopie an das Depot in Kassel verurteilt wurde. Diese atemberaubend genau bemalte Tronie verdient einen Platz in der Dauerausstellung.

Auch wunderschön: Anhängerporträts, die verloren gegangen waren und vorübergehend wiedervereint wurden. Der Mann, der seinen Stift schneidet, scheint in der Gegenwart seiner Frau, die aus Wien gekommen ist, aufzuhellen. Dies gilt auch für die Porträts der besten Freunde Jacques de Gheyn III und Maurits Huygens. In ihrem Testament ließen die Freunde festhalten, dass ihre Porträts zusammenbleiben müssten. Glücklicherweise ist das jetzt wieder der Fall.

Nähere Informationen: Gemäldegalerie Alte Meister, Hessen Kassel Heritage, Schloss Wilhelmshöhe, Schlosspark 1, 34131 Kassel, Telefon: +49 (0)561 316 80-123, E-Mail:
service@heritage-kassel.de und info@heritage-kassel.de

Otobong Nkanga erhält den Sikkens Prize 2026

Der international renommierte Künstler Otobong Nkanga wird den Sikkens Prize 2026 erhalten, eine internationale Auszeichnung für innovativen Farbeinsatz in Kunst und Design. Der Biennale-Preis wird an einen Künstler oder ein Kollektiv vergeben, das einen wichtigen Beitrag im Bereich der Farbe leistet. Otobong Nkanga (*1974) erhält eine Summe von 75.000 Euro. Die Preisverleihung findet am Montag, 26. Oktober, statt, danach eröffnet ihre Einzelausstellung ‚Humus Blues‘ im Singer Laren.

Laut der Jury zeigt Nkanga, woher Farbe kommt: von der Erde, der Gemeinschaft und dem Leben selbst. In ihren Skulpturen, Teppichen, Zeichnungen und Installationen spielen Pigmente, Mineralien und Rohstoffe eine zentrale Rolle. Sie erscheinen als Träger von Geschichten über Landschaften, Abbau, Wiederaufbau, Macht und Wandel. Ihre Arbeit verbindet Körper und Landschaft, das Lokale und das Globale, das Persönliche und das Politische.

Farbe als fundamentale Kraft

Der Sikkens-Preis wurde erstmals 1959 an den Architekten und Designer Gerrit Rietveld verliehen. Seitdem ging der Preis unter anderem an Donald Judd, Bridget Riley, Hella Jongerius, David Chipperfield, Le Corbusier, Piet Oudolf und Pipilotti Rist. Der Preis beträgt 75.000 Euro, davon sind 50.000 Euro für persönliche Entwicklung und 25.000 Euro für ein spezielles Farbprojekt vorgesehen. Nkanga gibt das Preisgeld für ein Projekt seiner Stiftung, die Carved to Flow Foundation, aus.

Ausstellung im Museum Singer Laren

Zum ersten Mal ehrt die Sikkens Stiftung den Preisträger mit einer Ausstellung. ‚Humus Blues‘ ist vom 27. Oktober 2026 bis zum 28. Februar 2027 im Museum Singer Laren zu sehen. Mit Skulpturen, Textilien, Zeichnungen, Gemälden, Fotografien und Poesie bietet die Ausstellung eine facettenreiche Einführung in Nkangas Werk. In ihren Arbeiten erforscht sie die Verbundenheit von Menschen, Landschaft und Rohstoffen sowie Themen wie Identität, Macht und Veränderung. Darüber hinaus sind monumentale Werke von Nkanga in der Jubiläumsausstellung der AkzoNobel Kunststiftung in Amsterdam zu sehen.

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, 1251 BS Laren, Telefon: (035) 5393939, E-Mail: museum@singerlaren.nl

Protest und Anarchie im Designmuseum Den Bosch

Die Punk-Mentalität des Grafikdesigners Jamie Reid (*1947 – +2023) zeigt sich in seinem gesamten Werk. Themen wie Ökologie, Frieden und Antifaschismus tauchen immer wieder auf. Die Collage „Nature Still Draws a Crowd“ (1974) zeigt ein Stadion voller Menschen, die staunend auf eine kleine Baumgruppe starren: eine dystopische Vision der Zukunft, in der die Natur zur Seltenheit geworden ist. Reid gestaltete das Plakat „Pussy Riot“ (2012) als Protest gegen die Verhaftung und Inhaftierung von Mitgliedern der gleichnamigen russischen Punkband. Sein Einsatz von Cut-and-Paste-Techniken verleiht seiner Arbeit eine rohe, direkte visuelle Sprache, die eng mit der Punk-Ästhetik verbunden ist, die er selbst mitgeprägt hat.

Reid ist vor allem für seine Entwürfe für die Sex Pistols bekannt, die britische Punkband, die sich mit Musik und Stil der etablierten Ordnung widersetzte. Die Band kritisierte die Regierung, die königliche Familie und den Konsumismus. Reids Entwürfe passten nahtlos dazu. „Anarchy in the UK“ (1976) zeigt einen zerrissenen Union Jack, wobei der Titel scheinbar mit Sicherheitsnadeln und Büroklammern an der Flagge befestigt ist. Die Briefe erinnern an einen Lösegeldbrief. Dieser Collage-Stil verleiht dem Werk einen DIY-Charakter, der typisch für die Punk-Szene ist: Kleidung, Accessoires und vorhandene Bilder wurden geschnitten, bearbeitet und wiederverwendet. Auch für Reid war die Erosion der Symbole des Status quo eine Form des Protests.

Nähere Informationen: Designmuseum Den Bosch, De Mortel 4, ´s-Hertogenbusch, Telefon: +31 736273680, E-Mail: info@designmuseum.nl, Internet: http://www.designmuseum.nl

‚Bewegen‘ im Shoe Quarter

Was sagen uns deine Schuhe über dich aus? Und was passiert, wenn du anfängst, damit zu tanzen? In „Bewegung! – Tanz als Akt der Freiheit“ werden Sie entdecken, wie Tanzschuhe nicht nur Bewegung ermöglichen, sondern auch Geschichten über Freiheit, Identität und Stil erzählen. Vom klassischen Ballett über Breakdance und von Swing bis Vogue: Diese Ausstellung zeigt, wie Schuhe die Tanzfläche und die Gesellschaft bewegen.

Tanz ist mehr als nur ein Schritt oder eine Darbietung. Innerhalb verschiedener Gemeinschaften ist Tanz eine Möglichkeit, sich selbst zu zeigen, Raum zu beanspruchen und sich verbunden zu fühlen. „Beweg dich!“ zeigt, wie Schuhe eine stille, aber kraftvolle Rolle dabei spielen. Eine inspirierende, interaktive Familienausstellung für alle Altersgruppen: von jungen Tanzliebhabern bis hin zu Designkennern.

Nähere Informationen: Shoe Quarter, Raadhuisplein 1, 5141 KG Waalwijk, Telefon: +31 (0)416332738, E-Mail: info@schoenenqwartier.nl

Mach Lärm – Verlangen. Praktikum. Veränderung

„Mach Lärm: Verlangen. Praktikum. Veränderung“ ist die letzte Ausgabe der führenden Positions-Reihe des Van Abbemuseums in ihrer heutigen Form. Für diese Ausstellung, die auf die großen Veränderungen im Museum, in Eindhoven und in der Gesellschaft reagiert, vereint die 2024 ernannte leitende Kuratorin Zippora Elder aktuelle künstlerische Praktiken, die sich durch Kühnheit, Antrieb und Exzentrik auszeichnen. Flexibilität, Choreografie und das Theatralische stehen im Mittelpunkt. Darüber hinaus wird daran gearbeitet, den Museumskontext in eine Klangbox zu verwandeln: eine Bühne und einen Museumsclub zum Zuhören und Auftreten mit mehreren Generationen.

Die Ausstellungen der Positions-Reihe begannen vor zehn Jahren und stehen für Raum für Experimente und unabhängig präsentierte Künstlerpositionen. In Zeiten breiter Sorge fördert „Positions #9“ Bewegung, Verbindung und Präsenz mit einer Mischung aus besonderen Solo-Präsentationen, Auftritten und Workshops: „Macht Lärm, öffnet eure Gefühle, stellt euch euren Wunsch vor und macht eine andere Welt wahr“ ist das Motto.

Nähere Informationen: Van Abbemuseum, Bilderdijklaan 10, Eindhoven, Telefon: +31 402381000, E-Mail: info@vanabbemuseum.nl, Internet: www.vanabbemuseum.nl

State of Wander – Kunst und Natur in Bewegung

Wie betrachten wir die Natur? Und wie beeinflusst unsere Vergangenheit diese Sichtweise? Mit „State of Wander“ erleben die Besucher des Het-Loo-Palastes in Apeldoorn zeitgenössische Kunst, die neue Einsichten ermöglicht. Künstler, Designer und Forscher aus den Niederlanden und dem Ausland lassen sich vom Palast Het Loo inspirieren: vom Palast bis zu den barocken Gärten. Ihre Arbeit lädt einen ein, innezuhalten, umherzuwandern und erneut hinzusehen.

Auf dem Bassecour, im Palast, in den Gärten und im Palastpark entdecken Sie Besucher 11 neue Kunstprojekte. Sie zeigen, wie sich die Vorstellungen von Natur und Mensch im Laufe der Jahrhunderte von der Renaissance bis zur Gegenwart verändert haben.

Diese Werke wurden speziell für Den Het Loo-Palast geschaffen und zeigen, wie sich die Vorstellungen von Natur und Menschen im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. State of Wander vermittelt eine neue Perspektive auf Kunst, Kulturerbe und unsere Beziehung zur Natur.

Nähere Informationen: Het-Loo-Palast, Koninklijk Park 16, Apeldoorn, Telefon: +31 55772, E-Mail: info@paleishetloo.nl, Internet: www.paleishetloo.nl

Über das Anderssein

„On Being Elsewhere“ vereint Werke von Tessa Langeveld, Geertje Brandenburg und Rossella Nisio. In dieser Gruppenausstellung blickt das Haus Concordia auf die Schnittstelle von Film und bildender Kunst und zeigt Werke von Künstlern, die mit Film, Video und bewegtem Bild als autonome visuelle Werke experimentieren. Das zentrale Thema der Ausstellung ist die Idee des Zwischenraums, inspiriert vom emotionalen Raum für Bewegung, der in Enschede zu finden ist.

Nähere Informationen: Concordia, Langestraat 56, Enschede, Telefon: +31 5343000999, E-Mail: communicatie@concordia.nl, Internet: www.concordia.nl

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