Sámal Joensen-Mikines – Immer das Meer

Das Museum Belvédère mit Sitz in Herrenveen in den Niederlanden präsentiert noch bis zum 8. Februar 2026 die erste Einzelausstellung mit Werken des Malers Sámal Joensen-Mikines (*1906 – +1979). der auf den Färöern geboren wurde.

Der Künstler arbeitete hauptsächlich auf der Insel Mykines – nach der er benannt wurde – und ließ sich von seiner unmittelbaren Umgebung inspirieren: dem Meer, den zerklüfteten Hügeln, den kargen Hängen und den kleinen Fischerdörfern. Seine Arbeit liegt zwischen Impressionismus und Expressionismus und konzentriert sich vor allem auf Licht und Raum.

Während seines Lebens teilte Mikines seine Zeit zwischen den Färöer-Inseln im Atlantik und Dänemark auf, wo er als einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation galt.

Die Ausstellung im Museum Belvédère zeigt hauptsächlich Landschaften und Meereslandschaften, die Verwandtschaften mit den Werken der nordniederländischen Landschaftsmaler zeigen, die in der Sammlung des Museums vertreten sind. Eine Monographie wird begleitend zur Ausstellung erscheinen.

Werke von Sámal Joensen-Mikines befinden sich in der Nationalgalerie Dänemarks (SMK) in Kopenhagen und in allen anderen großen Museen Dänemarks. Die größte Museumssammlung von Mikines‘ Werken befindet sich in der Nationalgalerie der Färöer-Inseln (Listasavn Føroya) in Tórshavn.

Direktor Han Steenbruggen reiste zu den Färöer-Inseln

Vom 7. bis 10. Mai besuchte eine Delegation von etwa zwanzig friesischen Vertretern die Färöer. Unter der Leitung des königlichen Kommissars Arno Brok konzentrierte sich die Reise auf das Studium der erfolgreichen Sprach- und Kulturpolitik des Archipels, wo etwa 60.000 Menschen die färöische Sprache sprechen. Zur Delegation gehörten Stadträte und Vertreter des friesischen Kultursektors, darunter die Fryske Akademy und die Afûk-Stiftung.

Direktor Han Steenbruggen vertrat das Museum Belvédère während der Reise und berichtet: „Je weiter wir nach Norden gingen, desto mehr wurde alles um uns herum atomisiert, und Formen wurden zu vagen Ebenen und Farbschleiern reduziert. Weiter entfernt durchbrach eine blasse Sonne plötzlich den Himmel und warf einen Lichtstrahl über das Meer auf die Insel auf der anderen Seite. Abgeschirmte Grüntöne, Blau und Ocker. Mikines‘ Gemälde sind in jeder Ansicht hier versteckt.“

Nähere Informationen: Museum Belvédére, Oranja Nassaulaan, Herrenveen, Telefon +31513644999, E-Mail: info@museumbelvedere.nl, Internet: http://www.museumbelvedere.nl

Hip Hop Is – Museum würdigt nicht nur einen Musikstil

Das Groninger Museum präsentiert unter dem Titel „Hip Hop Is“ vom 20. Dezember bis zum 10. Mai 2026 eine Ausstellung über die grenzenlose Kreativität des Hip-Hop, der als kulturelle Bewegung eine Vielzahl von Bereichen umfasst: von Kunst, Mode, Design und Sprache bis hin zu Musik, Tanz und Graffiti. Gastkuratorin Rieke Vos zeigt in Zusammenarbeit mit Dennis Kok und Sherlock Telgt anhand ausgewählter Werke nationaler und internationaler Künstlerinnen und Künstler den Einfluss der Hip-Hop-Kultur auf die Bildende Kunst der letzten vier Jahrzehnte. Bekannte und neue Werke von Martha Cooper, Arthur Jafa, Iris Kensmil, Mick La Rock, Dana Lixenberg, Rammellzee und vielen anderen werden zu sehen sein.

Hip-Hop ist vielseitig, grenzüberschreitend, ständig im Wandel und zählt zweifellos zu den einflussreichsten kulturellen Bewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts. Hip-Hop ist laut, derb und bezieht Stellung. Zugleich ist er eine Quelle kultureller Vielfalt und kreativen Widerstands, entstanden aus dem Bedürfnis, einen eigenen Raum einzunehmen, Ungleichheit zu bekämpfen und Unrecht anzuprangern, also: der Macht die Wahrheit zu sagen.

Hip-Hop wird zwar vornehmlich mit Musik und Mode assoziiert, aber „Hip Hop Is“ nimmt die Bildende Kunst als Ausgangspunkt. Die Arbeiten in dieser Ausstellung – variierend von Fotografie, Malerei und Skulptur bis hin zu Graffiti – zeigen, wie Hip-Hop die Bildende Kunst beeinflusst und bereichert hat, von der Straße bis in den musealen Raum.

Groningen – Niederlande – Welt

Groningen nimmt in der niederländischen Hip-Hop-Geschichte eine besondere Stellung ein, nicht zuletzt, weil Museumsdirektor Frans Haks bereits Anfang der 1980er-Jahre Interesse für das Genre zeigte. Das Groninger Museum organisierte mehrere Ausstellungen und Events zum Thema Graffitikunst, häufig begleitet von Rap- und Breakdance-Performances. In der Folge entstand eine lebendige in der Stadt Graffiti-Szene. Ende der 1980-er Jahre erregte Groningen auch musikalisch Aufmerksamkeit durch die Hip-Hop-Formation „Zombi Squad“, die schon früh durch ganz Europa tourte. Die Kuratoren Sherlock Telgt und Dennis Kok nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Höhepunkte der Groninger Hip-Hop-Geschichte und setzen sie in Beziehung zu wichtigen internationalen Ereignissen. Dabei konnten sie aus dem Fundus der einzigartigen Sammlung des Dutch Hip Hop Archive schöpfen, das nahezu alle in den Niederlanden veröffentlichten Hip-Hop-Alben und -Singles bewahrt.

Leihgaben und mehr von „Rammellzee“

Ein Ausstellungsraum ist ausschließlich „Rammellzee“ gewidmet, der den Hip-Hop als bildender Künstler zur Avantgarde machte. Der Künstler mit internationalem Ruf hatte gerade in diesem Jahr eine große Retrospektive in Paris, aber schon 1987 eine Ausstellung im Groninger Museum. In „Hip Hop Is“ steht er erneut im musealen Fokus: Gezeigt werden besondere Leihgaben, spektakuläre Kostüme und Filmaufnahmen aus den 1980ern.

Neue Werke für die Ausstellung

Für „Hip Hop Is“ haben mehrere Künstlerinnen und Künstler eigens neue Werke geschaffen. Iris Kensmil hat eine Installation mit Porträts von Rapperinnen gestaltet. Boris Tellegen (Delta) entwickelte ein neues Mural rund um eine 30 Jahre alte Wandskulptur. Und Niels Meulman (Shoe) lässt das Publikum seine unvergleichliche Caligraffiti-Technik erleben – in einem Wandgemälde von über dreizehn Metern Länge.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Wi Sranan. Surinamesische Kunst in Bewegung – Eine Ode an 50 Jahre Unabhängigkeit Surinams

Am 25. November 2025 sind es 50 Jahre her, dass Suriname unabhängig wurde. Das Museum Cobra in Amstelveen feiert diesen historischen Moment mit einer groß angelegten Ausstellung: „Wi Sranan. Surinamische Kunst in Bewegung“.

Noch bis 1. März 2026 werden 24 Künstler und ein Künstlerkollektiv den Kampf, die Transformation und die Zukunft der Freiheit mit bestehenden und neuen Werken darstellen. Mode, Fotografie, Gemälde, Installationen, Film und Performances zeigen, wie Geschichten aus der Vergangenheit in der Vorstellung der Gegenwart weiterleben – und wie Künstler die Bedeutung von Freiheit immer wieder neu definieren, mit Blick auf die Zukunft.

„Die Künstler in Wi Sranan machen greifbar, wie Traditionen sich verändern können, wie Identität ständig neu geformt wird und wie Kunst Raum für Dialog und Vorstellungskraft schafft. Es ist eine Hommage an Suriname und eine Einladung an uns alle, über Gemeinschaft und die Zukunft nachzudenken“, sagt Direktorin Suzanne Wallinga.

„Wi Sranan. Surinamese Art in Motion“ wird vom Gastkurator Noukhey Forster kuratiert, der für seine Arbeit zu Inklusion und neuen Erzählungen in Kunst und Mode bekannt ist. Die Ausstellung umfasst Werke von Totomboti, Neil Fortune, Guillaume Lo A-Njoe, Sheila Janet Pinas, jahi quasim reeberg, Tessa Leuwsha, Marga Weimans, Angel-Rose Oedit Doebé, Meredith Joeroeja, Soeki Irodikromo, Dhiradj Ramsamoedj, Isan Corinde, Kenneth Flijders, Kurt Nahar, Maikel Deekman, Patricia kaersenhout, Reilly do Rosario, Rinaldo Klas, Remy Jungerman, Sara Blokland, Sarojini Lewis, Sri Irodikromo, Xavier Robles de Medina. Marcel Pinas und Iris Kensmil.

Freiheit in Bewegung

Das Thema Freiheit ist der rote Faden der Ausstellung. Es passt nahtlos zum Geist von Cobra, das einst mit akademischen Regeln brach und die Kraft von Vorstellungskraft und Zusammenarbeit umarmte. In einer Zeit, in der Debatten über Meinungsfreiheit und die soziale Rolle der Kunst aktueller denn je sind, stellen die Künstler von Wi Sranan dringende Fragen in ein neues, vielstimmiges Licht. Wallinga: „Mit Wi Sranan, was grob ‚Unser Surinam‘ bedeutet, bieten wir unseren Besuchern die einzigartige Gelegenheit, Cobra- und surinamische Kunst in einem neuen Licht zu entdecken.“

Die Ausstellung „Wi Sranan“ steht im Einklang mit dem historischen Austausch zwischen Cobra und Suriname. Cobra-Künstler wie Corneille (1922–2010) ließen sich vom surinamischen Tembe und der Maroon-Kultur inspirieren, während surinamesische Künstler wie Erwin de Vries (1929–2018), Soeki Irodikromo (1945–2020) und der Zeitgenoss Guillaume Lo A-Njoe (1937) den experimentellen Geist von Cobra übernahmen. Während diese Generation damals einen Dialog mit Cobra führte, setzen zeitgenössische Künstler diese Tradition der Vorstellungskraft fort, jeder aus seiner eigenen Perspektive.

Vielfalt als Quelle der Vorstellungskraft

Suriname hat eine reiche, vielschichtige Geschichte und eine Gesellschaft mit beispielloser kultureller Vielfalt. Diese Vielfalt hallt in der Kunst wider: in Bezug auf Erbe und Traditionen, aber auch in futuristischen Perspektiven und radikaler Vorstellungskraft. In der Ausstellung verleihen die Künstler der Geschichte Surinames jeweils ihre eigene Stimme: von Erinnerung und Ritual bis hin zu Experimenten und Avantgarde.

Tembe-Kunst und indigene Stimmen

Ein wichtiger Teil der Ausstellung ist der Maroon-Kunst gewidmet, mit besonderem Augenmerk auf Tembe-Kunst, eine Kunstform der Maroon-Kultur, die sich sowohl in farbenfroher Malerei als auch in raffinierter Holzschnitzerei ausdrückt. Dabei kommen Kampf, Schönheit und kulturelle Freiheit zusammen. Auch die surinamische indigene Kunst erhält einen prominenten Platz: Die Werke der ersten Bewohner Surinames, die selten als vollwertige Kunstform anerkannt werden, werden hier von jungen Künstlern stolz in ihren Arbeiten verwendet. Indem Museum Cobra diese Kunstformen sichtbar macht, möchte es nicht nur Tribut zollen, sondern auch einen breiteren Dialog über Erbe, Identität und Zukunft anregen.

Komposition und neue Aufträge

Dank intensiver Zusammenarbeit mit Künstlern, Verleihern und Institutionen aus Suriname und den Niederlanden kann das Museum Cobra eine vielseitige Auswahl zeitgenössischer surinamischer Kunst zeigen. Neben bestehenden Werken sind auch neue Auftragsarbeiten zu sehen, bei denen die Zusammenarbeit mit lokalen indigenen Machern eine wichtige Rolle spielt. (Text aus Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Museum Cobra, Sandbergplein 1, 1181 ZX Amstelveen, Telefon +31 (0)20 5475050, E-Mail: info@cobra-museum.nl.

Fehlend als runde Form

Jeder Mensch muss früher oder später mit Verlust umgehen. Ob es nun der Verlust eines geliebten Menschen, eines Haustiers oder einer Heimat ist. Wie gehen Sie mit dem Verlust um und wie halten Sie Ihre Liebsten nah bei sich? In der Ausstellung „Masses as a Round Shape“, inspiriert vom von der Kritik gefeierten Buch gleichen Namens der Schriftstellerin und Kuratorin Hanne Hagenaars, präsentiert das Stedelijk Museum Schiedam noch bis zum 1. März 2026 eine Sonderauswahl von Kunstwerken von mehr als dreißig (inter)nationalen Künstlern, die sich mit Verlust und Weiterleben beschäftigen, aber auch mit Festhalten und Lebenskraft. Auf inspirierende Weise werden die Besucher von tiefgründigen Werken und Geschichten von Aysen Kaptanoglu, Minne Kersten, Kevin Simón Mancera, Keetje Mans, Job Koelewijn, Berend Strik, Aline Thomassen, Efrat Zehavi und vielen anderen mitgenommen. Künstler, jeder mit seiner eigenen Geschichte und persönlichen Erfahrungen, und dennoch für alle erkennbar. Die Ausstellung hebt die Kraft von Kunst und Vorstellungskraft hervor, um mit Verlust umzugehen.

Missing as a round shape

Im Buch „Missing as a round shape“ (2023) erläutert Hanne Hagenaars, wie man Kunstwerke nutzen kann, um sicherzustellen, dass man jemanden nicht völlig verliert, und wie man ihn oder sie – oder sich selbst – am Leben erhalten kann. Während des Schreibens entdeckte sie, dass der Verlust eines geliebten Menschen leichter zu ertragen sein kann, wenn man das Gefühl hat, Teil eines größeren Ganzen zu sein, wenn man an mehr als ’nichts‘ glaubt – zum Beispiel an ein Leben nach dem Tod, eine Seele, einen Gott oder ein gesellschaftliches Ideal, für das man kämpfen kann. Spiritualität spannte sich durch das Buch als zusätzliche Schicht. Sie war auch berührt davon, wie mit dem Tod in verschiedenen Kulturen umgegangen wird.

Hanne hat eine Faszination für verlorene Erinnerungen, ausgelöst durch den frühen Tod ihrer Mutter. Sie war achtzehn Jahre alt, hatte gerade die High School abgeschlossen und war bereit, das Leben anzunehmen. Die darauf folgende erdrückende Stille, weil in der Familie kaum über ihre Mutter gesprochen wurde, führte viele Jahre später zu „Messen als Rundform“. Hanne sagt: „Jetzt, wo ich viel älter bin als meine Mutter es je war, bleibt noch Zeit, die fehlende Stille auszugleichen. Hier, bitte, ein Buch.“

Kunst als etwas, an dem man festhalten kann.

Die Ausstellung „Massen als runde Form“ ist eine Fortsetzung des Buches, keine wörtliche Übersetzung. Es ist auch keine düstere Ausstellung; Trauer und Schmerz werden nicht ignoriert, aber die Lebenskraft, um mit Verlust umzugehen, spielt eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit dem Museum bringt Hanne Künstler zusammen, die jeweils ihre eigene Geschichte haben und Kunst als Sprache nutzen, um Erfahrungen oder Erinnerungen darzustellen.

Zum Beispiel geht die Künstlerin Marenne Welten (*1959) seit zwanzig Jahren in Gedanken durch die Zimmer ihres Elternhauses. Genauer gesagt das Wohnzimmer, in dem ihre Mutter ihr erzählte, dass ihr Vater gestorben sei. Seit zwanzig Jahren hält sie die Erinnerungen dieses Ortes in ihren Gemälden fest. Sie malt den Raum nicht buchstäblich, sondern das Gefühl, im Raum zu sein. Dieses Wohnzimmer wird somit zu einem mentalen Raum, in den sie zurückkehrt.

Job Koelewijn (*1962) hielt seine Erinnerungen an seinen Vater in steifen alten Männerunterhosen fest. Eine sehr häusliche und alltägliche Sache, die mit etwas Großem zu tun hat. Es sind die Unterhosen, die Koelewijns Vater auf dem Sterbebett trug. Ein Stück Stoff, das um seinen toten Körper gelegt wurde und nun als Kunst präsentiert wird. Das macht es mehr als nur Unterhosen. Es ist ein intimes und lebendiges Bild, das heute nur noch als Fotografie existiert.

In ihrem Film „Tela Bordada Sao Paulo“ nimmt die Brasilianerin Teresa Margolles (*1963) den Mord an mindestens 125 trans Frauen im Jahr 2018 als Ausgangspunkt. Mit Hilfe von Freunden eines der Opfer zieht die Künstlerin ein Stück Stoff auf den Boden, an dem ihre Leiche gefunden wurde. Dann machen Verwandte und Mitglieder der trans Community eine Stickerei darauf. Die Muster beziehen sich auf Trauer und Hoffnung. Stickerei ist somit eine Verarbeitung des Dramas sowie ein Akt des Widerstands und der Bedeutung.

In ihrem Werk spielt die in der Mongolei geborene Künstlerin Odonchimeg Davaadorj (*1990) auf eine Welt nach dem Tod an, in der Natur, unsichtbare ökologische Systeme und Lebewesen wieder harmonisch zusammenkommen. Zum Beispiel stellt sie einen Menschen und einen Vogel in einer symbiotischen Beziehung dar, basierend auf der Frage, ob es nach dem Tod noch eine Unterscheidung in der Beziehung lebender Wesen zueinander gibt.

Im Werk des Künstlers Aysen Kaptanoglu (*1985) fliegen Vögel in einer weiten und farbenfrohen Landschaft. Sie zeigen den Tod ihres Vaters und seinen Übergang zum übernatürlichen Leben.

In den Gemälden von Keetje Mans (*1979) sind Himmel und Erde durch Kerzenlicht verbunden. Das Ritual, eine Kerze anzuzünden, findet in allen Kulturen statt. Eine Kerze anzuzünden ist ein Akt, Kontakt mit etwas so Unsicherem, Unklarem und Flüchtigem wie dem Tod aufzunehmen. Eine flackernde Flamme scheint eine treffende Metapher für die Seele zu sein. Der Mensch spricht von einer anderen Welt, davon, sich mit etwas Höherem zu verbinden. „Ich möchte, dass die Arbeit auf einer dünnen Linie läuft, was sowohl gut als auch schlecht ist, es ist ein bisschen eine Grauzone, wie ein Mensch es sein könnte.“ Kunst als eine Linie zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen, genau auf jener Linie, an der sich der Verlust zeigt.

Verlust als universelles Thema

Die persönlichen „in memoriams“ der verschiedenen Künstler, in unterschiedlichen Techniken, Materialien und Formen tragen zur heilenden Wirkung des Verlusts bei – für sich selbst, aber auch für alle, die sich damit verbinden können. Sowohl das Anfertigen als auch das Betrachten eines Kunstwerks können Orientierung bieten. Noch mehr als im Buch ist die zentrale Frage, wie man nach Verlust, Schmerz und Trauer weiterlebt, egal ob etwas ‚Größeres‘ hilft oder nicht. Das Fehlen fühlt sich also nicht mehr wie eine Linie mit Anfang und Ende an, steigend oder fallend, sondern wie eine runde Form.

Die Ausstellung „Messen als Rundform“ umfasst einen gesamten Flügel des Stedelijk Museum Schiedam, die Werke sind lose um mehrere Themen gruppiert.

Anne de Haij, Direktorin des Stedelijk Museum Schiedam, erläutert: „Als Hanne ihr Buch „Messen als runde Form“ veröffentlichte, waren wir sofort berührt. Das Thema trifft einen besonderen Nerv. Verlust und der Umgang damit sind ein universelles menschliches Thema, das in einer unsicheren Zeit wie der Gegenwart wichtiger erscheint als je zuvor. Wir sahen eine wunderbare Gelegenheit, diese Unsicherheit durch Kunst auszugleichen. Und ermutige zu einem offenen Gespräch darüber, wie man nach einem Verlust bei so vielen Menschen wie möglich weitermachen kann. Wir hoffen, eine größere Gruppe von Menschen ein wenig näher an sich selbst, einander und an die Kunst zu bringen.“

Ko-Entstehung mit Schiedammern

Natürlich beziehen wir als Stedelijk Museum Schiedam auch Schiedammer und städtische Partner für diese Ausstellung ein. Diese Zusammenarbeit nimmt Gestalt in der Ausstellung „The Love Behind Missing“ an, in der neun Schiedammer ihre persönlichen Geschichten teilen. Ob es nun um das Vermissen eines geliebten Menschen, dessen Heimatland, Gesundheit oder Haustier geht. Die Gruppe ist vielfältig hinsichtlich Alter (zwischen 10 und 63), kulturellem und religiösem Hintergrund und zeigt jeweils eine andere Art, mit Verlust umzugehen. Die Teilnehmer werden von der Stadtprogrammiererin Dorien Theuns und der Trauerberaterin Jessie Pley geleitet. Außerdem hat eine der Teilnehmerinnen eine Doppelrolle: Indra Diallo hat viel Unterstützung durch das Harfenspiel erhalten, um ihren eigenen Verlust zu erleben. Nach ihrer Ausbildung in Musiktherapie begleitet sie nun auch andere durch Heilharfen-Sitzungen. Auf diese Weise hat sie die anderen Teilnehmer mit ihrer Harfenmusik auch näher an ihre Gefühle herangeführt. Der Rotterdamer Künstler Efrat Zehavi arbeitet mit allen Beteiligten an einem künstlerischen, intimen Gedenken für ihren Verlust. Ihre keramische Arbeit wird zu einem ’spirituellen Geschenk‘ für jeden Teilnehmer.

Die rote Linie in der Ausstellung ist, dass das Fehlen das Gegenteil von Liebe ist. Es wird daher ein warmer Ort sein, in dem Sie als Besucher auch dem geliebten Menschen, den Sie vermissen, mit einem kleinen Ritual Aufmerksamkeit schenken können. Darüber hinaus organisiert das Museum eine Reihe verwandter Aktivitäten mit und für Schiedammer, wie eine Dia de Muertos-Feier und einen Wunschbaum, um an die Liebsten zu erinnern. Sobald die Daten bekannt sind, finden Sie sie hier auf der Website.

Über Hanne Hagenaars

Gastkuratorin Hanne Hagenaars (*1960) ist Kuratorin, Schriftstellerin und Lehrerin. Sie gründete mehrere Kunstzeitschriften, darunter „Mister Motley“, mit denen sie Kunst und Leben zusammenbrachte und es einem breiten Publikum zugänglich machte. Hagenaars schreibt Essays, hält Ausstellungen und unterrichtet an verschiedenen Kunstakademien. Sie sucht stets nach erfinderischen Wegen, zeitgenössische Kunst einem vielfältigen Publikum zugänglich zu machen, basierend auf einem festen Glauben an die Kraft der Kunst. 2023 wurde ihr Buch „Missing as a round shape“ veröffentlicht, das von der Kritik hochgelobt wurde. Derzeit arbeitet sie an einer Fortsetzung, die teilweise von der Forschung für diese Ausstellung inspiriert ist. Für die Gestaltung dieser Ausstellung arbeitete sie eng mit Zoë Hollander zusammen.

Teilnehmende Künstler sind: A young Yu (in Zusammenarbeit mit Nicholas Oh), Agnes Waruguru, Aida Kasaei, Aimée Zito Lema, Aline Thomassen, Arnoud Holleman, Ayşen Kaptanoğlu, Berend Strik, Bertien van Manen, Daan van Golden, Dirk Braeckman, Doina Kraal, Efrat Zehavi, Eva Spierenburg, Fatima Barznge, Fatima Hassouna, G, Hanne Hagenaars / Paul Kooiker, Sylvie Zijlmans & Hewald Jongenelis, Isabel Cavenecia, Jennifer Tee, Job Koelewijn, Kees de Goede, Keetje Mans, Kevin Simón Mancera, Mai van Oers, Marenne Welten, Marie-Claire Messouma Manlanbien, Mariëlle Videler, Marike Hoekstra, Marisca Voskamp, Minne Kersten, Mounir Eddib, Nazif Lopulissa, Odonchimeg Davaadorj, Oscar Abraham Pabón, Reinoud van Vught, Samboleap Tol, Shani Leseman, Simone Hoàng, Susanne Khalil Yusef, Teresa Margolles und Tiemar Tegene.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Schiedam, Hoogstraat 112, 3111 HL Schiedam, Telefon +31 (0)10 246 3666, E-Mail: info@stedelijkmuseumschiedam.nl

Kampf um Anerkennung – Die Frauen der Amsterdamer Schule

Im Museum „Het Schip“ in Amsterdam glänzen noch bis zum 28. Juni 2026 die Werke der weiblichen Macherinnen der Amsterdamer Schule – von Hausplänen bis zu Skulpturen. Die Ausstellung trägt den Titel „Beispielloses Talent – Die Frauen der Amsterdamer Schule“.

Ein Brief an die Designerin Margaret Kropholler (1891–1966) beginnt mit dem Gruß „Dear Gentleman“. So war es damals: Ihr männlicher Kunde konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine Frau seine Lampen entworfen hatte. Sie ist beispielhaft für den Widerstand, mit dem die Frauen der Amsterdamer Schule zu kämpfen hatten.

Die Amsterdamer Schule war zwischen 1910 und 1930 eine expressive Architektur- und Designbewegung, in der Ästhetik ebenso wichtig war wie Funktionalität. Die Ausstellung zeigt dies deutlich: wellenförmige Fassaden, braune Ziegel, reich dekorierte Innenräume und ausdrucksstarke geometrische Formen in Druckerzeugnissen und Typografie. In diesem Zusammenhang war es für Frauen nicht einfach, eine Karriere zu machen. Vor allem in der Architektur, wo Männer Anerkennung und Kunden forderten. Die Ausstellung zeigt überzeugend, wie groß der Beitrag der Frauen war, auch wenn ihre Namen nicht genannt wurden. Ein blinder Fleck, der hier korrigiert wird. Und das zu Recht, denn was für ein beispielloses Talent.

Bild der Welt hinter den Entwürfen

Das Museum „Het Schip“, selbst im Stil der Amsterdamer Schule erbaut, erweckt die Arbeiten der Künstlerinnen und Designerinnen in farbenfrohen Räumen voller Textilien, Druckerzeugnisse, Fotografien und Skulpturen zum Leben. Bilder von Workshops und Schulungen vermitteln ein lebendiges Bild der Welt hinter den Entwürfen. Die vielen Galerietexte bieten viel Tiefe, vielleicht nur ein wenig zu viel. Zu Beginn der Ausstellung können die Besucherinnen und Besucher in die Rolle einer Frau von 1920 mit einem Karrierespiel schlüpfen. Die erste Frage: „Sie sind als Grafikdesigner angestellt und möchten heiraten. Dein Arbeitgeber hält sich an das Gesetz und entlässt dich. Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihre Karriere als verheiratete Frau fortsetzen können.“ Schon beim ersten Würfeln muss ich fünf Schritte zurückgehen. Noch bevor ich anfangen kann, bin ich fertig.

Appell für das Frauenwahlrecht

Dennoch erzielten die Frauen der Amsterdamer Schule Erfolge. So wird beispielsweise „Die Frau 1813–1913“ (1913) beleuchtet, eine von führenden Feministinnen, Künstlerinnen und Schriftstellerinnen organisierte Ausstellung, Aufmerksamkeit geschenkt. Die Ausstellung hob den Erfolg der Frauen in den letzten hundert Jahren hervor und war ein wichtiger Appell für das Frauenwahlrecht, für das sie ebenfalls kämpften. In dieser Zeit machten die Frauen der Amsterdamer Schule ihre ersten Schritte in diesem Beruf. Wilhelmina Drupsteen fertigte das Gewinnerplakat an: eine dreifarbige Lithografie. Sie zeigt eine Frau mit ausgestreckten Armen über zwei Handwerkerinnen vor einer Stadtsilhouette, die die neuen Möglichkeiten für die moderne Arbeiterin symbolisiert.

Aufbauend auf der Amsterdamer Schule

Heute kämpfen Frauen immer noch für Gleichbehandlung und Chancen. Deshalb zeigt die Ausstellung auch fünf Videoporträts von Frauen, die heute in Architektur, Kunst und Feminismus aktiv sind. Eine von ihnen ist Talisa Harjono, Künstlerin und Inhaberin des queeren Cafés Saarein im Jordaan. Sie erklärt die Bedeutung des intersektionalen Feminismus, der untersucht, wie verschiedene Formen von Ungleichheit – wie Geschlecht, Rasse und Klasse – gemeinsam bestimmen, wie jemand Diskriminierung erlebt. Eine Perspektive, die zur Zeit der ersten feministischen Welle noch fehlte.

Die aktuelle Perspektive zeigt, dass die heutigen Frauen auf dem aufbauen, was die Frauen der Amsterdamer Schule begonnen haben. Vom hart erkämpften Frauenwahlrecht in der ersten feministischen Welle bis hin zur Rekordzahl von Frauen im aktuellen niederländischen Abgeordnetenhaus. Die Ausstellung macht deutlich, wie reich und vielseitig die Arbeit der Frauen innerhalb dieser Bewegung war und wie sie es schafften, ihre Spuren in der Geschichte zu hinterlassen. (Text Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Museum Het Schip, Oostzaanstraat 45, 1013 WG Amsterdam, Telefon +31 20 6868595, E-Mail: info@hetschip.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

The Blue Guitar – David Hockney trifft Pablo Picasso

Parallel zu der großen Sonderausstellung „Barabara Hepworth – Art & Life“ präsentiert das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster die Studioausstellung „The Blue Guitar – David Hockney trifft Pablo Picasso“. In drei Ausstellungsräumen mit mehr als 50 Exponaten treffen Lithografien, Radierungen, Linolschnitte und Malerbücher aus den Museumsbeständen auf hochkarätige Leihgaben aus musealen und privaten Sammlungen.

Neben Henry Moore und Francis Bacon zählt David Hockney zu den bedeutendsten britischen Künstlern des 20./21. Jahrhunderts, die Inspiration aus dem künstlerischen Schaffen Pablo Picassos schöpften. David Hockney (*1937) war schon in seiner Jugend begeisterter Anhänger des spanischen Künstlers. Nach eigener Aussage besuchte er als Student am Royal Collage of Art in London acht Mal hintereinander die große Picasso-Retrospektive, die 1960 in der Tate Gallery stattfand. Für Hockney stellte sich schon früh die Frage nach einer angemessenen Auseinandersetzung mit dem Werk des spanischen Jahrhundertkünstlers wie er gesprächsweise erklärte: „Ich hatte schon immer großes Interesse an Picasso gehabt, wusste jedoch nicht, wie ich damit umgehen sollte. Das geht wohl den meisten Künstlern so. Er erschien mir übermächtig, und seine Formen waren zu eigenwillig. Wie lernt man? Wie gebraucht man Sie?“

Drei Jahre nach dem Tod Picassos schuf Hockney zwischen 1976 und 1977 die 20-teilige Radierfolge „The Blue Guitar“, die einen Höhepunkt seiner Picasso-Rezeption bildet. In Form zahlreicher Zitate und Paraphrasen aus unterschiedlichen Stilphasen Picassos – von der Blauen Periode, über Kubismus und Surrealismus bis in das Spätwerk hinein – kreierte Hockney eine einzigartige Hommage an sein Vorbild. Neben Picasso fand Hockney Inspiration in dem Langgedicht „The Man with the Blue Guitar (dt.Der Mann mit der blauen Gitarre) des US-amerikanischen Lyrikers Wallace Stevens aus dem viele der poetischen Bildtitel der einzelnen Blätter entstammen.

Die Ausstellung stellt Hockneys berühmte Serie in Dialog mit Meisterwerken des druckgrafischen Schaffens Picassos aus nahezu sechs Jahrzehnten sowie weiteren Highlights aus Hockneys grafischem Werk. Hockney setzte sich nach Picassos Tod in öffentlichen Debatten in den 1970er- und 1980er- Jahren vehement für ein besseres Verständnis für Picassos Spätwerk ein, das zum damaligen Zeitpunkt von vielen Kunstkritikern als irrelevant eingestuft wurde.

„Die Besucherinnen und Besucher erhalten einen einzigartigen Einblick in David Hockneys spektakuläre künstlerische Auseinandersetzung mit seinem spanischen Idol, das er – trotz guter Kontakte zum britischen Picasso-Intimus Douglas Cooper – nie persönlich kennenlernte. Die Ausstellung zeigt, wie einer der bedeutendsten britischen Künstler der Gegenwart Ideen aus dem Werk Picassos schöpft und diese kongenial interpretiert“, erklären Viktoria Kapteina und Alexander Gaude, das Kuratorenteam der Ausstellung.

Öffnungszeiten:
Bis 8. März 2026, Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr
24. Dezember, 25. Dezember, 31. Dezember & Neujahr geschlossen

Öffentliche Führungen:
Mittwoch: 15 Uhr, Samstag: 15 Uhr und 16.30 Uhr, Sonntag: 11 Uhr und 15 Uhr

Kuratorinnenführung:
Co-Kuratorin Viktoria Kapteina führt durch „The Blue Guitar – David Hockney trifft Pablo Picasso“: Mittwoch, 28. Januar 2026, 15 Uhr

Tickets:
Tickets für Eintritt, Führungen und Veranstaltungen sind über den Onlineticketshop auf der Museumswebseite erhältlich: http://www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Barbara Hepworth – Art & Life

Barbara Hepworth (*1903 +1975) ist eine der einflussreichsten britischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Bildhauerin stand an der Spitze der internationalen Avantgarde und engagierte sich leidenschaftlich für politische und technologische Veränderungen.

Das Picasso-Museum in Münster widmet ihr noch bis 8. März 2026 die große Einzelausstellung „Barbara Hepworth – Art & Life“ mit rund 90 ihrer Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen, Drucke und Entwürfe aus über fünf Jahrzehnten Schaffenszeit. Die Werke stammen aus namhaften privaten und öffentlichen Sammlungen Großbritanniens, darunter The Hepworth Wakefield, TATE, der Courtauld Galery und den Erben der Künstlerin.

„Mit der Barbara Hepworth-Ausstellung würdigen wir die „grande dame“ der britischen Moderne“, erläutert Museumsleiter Prof. Dr. Markus Müller. „Die Strahlkraft ihres Werks entwickelt sich im Kontakt mit der Pariser Avantgarde. So traf sie 1933 Pablo Picasso, Constantin Brancusi und Hans Arp. Schon allein dieser Umstand rechtfertigt die monografische Schau einer britischen Lady zu Gast bei dem seit 25 Jahren in Westfalen ansässigen Spanier Picasso.“

Barbara Hepworths Bedeutung liegt in ihrer Fähigkeit, intuitive, naturverbundene Formen mit strenger, abstrakter Komposition zu vereinen. Sie war nicht nur eine herausragende Bildhauerin, sondern auch eine Frau, die die Grenzen gesellschaftlicher Rollenbilder sprengte. Ihr Werk ist ein kraftvolles Zeugnis für die Verbindung von Kunst, Leben und Menschlichkeit. Hepworth war Mutter von vier Kindern, darunter Drillinge. Sie musste ihren künstlerischen Anspruch mit familiären Verpflichtungen vereinen – eine Herausforderung, die für Frauen ihrer Zeit außergewöhnlich war.

„Barbara Hepworth hat eine einzigartige künstlerische Vision, die eine eingehende Betrachtung erfordert“, ergänzt Eleanor Clayton, Head of Collection and Exhibitions, The Hepworth Wakefield. „Diese Ausstellung beleuchtet ihre weitreichenden Interessen und wie diese in ihre künstlerische Praxis einflossen. Als zutiefst spirituelle Künstlerin, die sich leidenschaftlich mit den politischen, sozialen und technologischen Debatten des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte, war Hepworth davon besessen, wie die physische Begegnung mit der Skulptur den Betrachter beeinflussen und seine Wahrnehmung der Welt verändern konnte.“

Gefördert wird die Ausstellung vom Freundeskreis des Picasso-Museums und vom Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. „Mit der Unterstützung dieser Ausstellung würdigen wir das langjährige Engagement der Sparkassen-Institutionen in Westfalen-Lippe und die kontinuierlich exzellente kuratorische Arbeit des Picasso-Museums“, betont Dr. Heike Kramer, Direktorin des Gesellschaftlichen Engagements und Leiterin des Sparkassen-Kulturfonds im Deutschen Sparkassen- und Giroverband. „Hepworths Werk ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Kunst Orientierung geben und Menschen über Generationen hinweg verbinden kann. Diese Ausstellung macht sichtbar, welche Kraft kulturelle Impulse für unser gesellschaftliches Zusammenleben entfalten können“, so Kramer weiter.

Ausgehend von ihren Wurzeln in Yorkshire, lädt die Ausstellung „Barbara Hepworth: Art & Life“ den Besucher ein auf eine Reise von den modernistischen Skulpturen, die Hepworths Karriere in den 1920er- und 1930er-Jahren begründeten, über die ikonischen „String Pieces“ der 1940er- und 1950er-Jahre bis hin zu ihren späteren großformatigen Auftragsarbeiten. Die Ausstellung zeigt, wie sie Musik, Tanz, Wissenschaft, Weltraumforschung, Politik und Religion sowie Ereignisse aus ihrem persönlichen Leben in ihr Werk integrierte und so eine einzigartige Vision von Kunst und Leben schuf.

Die Ausstellung wird vom The Hepworth Wakefield in Zusammenarbeit mit der Fondation Maeght und dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster organisiert.

Öffnungszeiten:
22. November bis 8. März 2026, Dienstag bis Sonntag: 10 bis 18 Uhr, 24. Dezember, 25. Dezember, 31. Dezember & Neujahr geschlossen

Öffentliche Führungen:
Mittwoch: 15 Uhr, Samstag: 15 Uhr und 16.30 Uhr, Sonntag: 11 Uhr und 15 Uhr

Kuratorinnenführungen:
Kuratorin Ann-Katrin Hahn führt durch „Barbara Hepworth – Art & Life“: Donnerstag, 27. November 2025 und 5. März 2026, 15 Uhr
Tickets:
Tickets für Eintritt, Führungen und Veranstaltungen sind über den Onlineticketshop auf der Museumswebseite erhältlich: http://www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

Sammlung Ströher im Museum Küppersmühle

Auf gut 5000 Quadratmetern sind im Erweiterungsbau des Museum Küppersmühle (MKM) Highlights aus der Sammlung Ströher zu sehen, einer der wichtigsten und umfangreichsten Sammlungen deutscher Kunst nach 1945. Der Fokus liegt auf der Malerei. Die Sammlung umfasst zentrale Positionen der Kunstentwicklung in Deutschland von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Im Inneren lässt eine Abfolge von 36 hellen, klar strukturierten Sammlungsräumen der Kunst viel Raum zum Wirken.

Ermöglicht wurde das Vorhaben durch das Engagement der privaten MKM-Stiftung, die von den Sammlern Sylvia und Ulrich Ströher gegründet wurde. Die Sammler haben maßgeblich an der Auftakt-Planung der Ausstellungsräume mitgewirkt. Im Neubau liegt der Schwerpunkt auf Informel und Abstraktion deutscher Künstler, ergänzt durch einige Positionen europäischer Nachkriegskunst. Die Sammlung Ströher präsentiert eine große Bandbreite von Werken folgender Künstlerinnen und Künstler: Afro, Josef Albers, Jean Arp, Willi Baumeister, Peter Brüning, Alberto Burri, Rafael Canogar, Michael Croissant, Karl Fred Dahmen, Jean Dubuffet, Adolf Richard Fleischmann, Rupprecht Geiger, Karl Otto Götz, Otto Herbert Hajek, Hans Hartung, Bernhard Heiliger, Gerhard Hoehme, Anselm Kiefer, Norbert Kricke, André Masson, Georges Mathieu, Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff, Manolo Millares, Ernst Wilhelm Nay, Jean-Paul Riopelle, Otto Ritschl, Giuseppe Santomaso, Antonio Saura, Bernard Schultze, Emil Schumacher, Jaroslav Serpan, K.R.H. Sonderborg, Pierre Soulages, Antoni Tàpies, Fred Thieler, Hann Trier, Hans Uhlmann, Emilio Vedova, Maria Helena Vieira Da Silva, Fritz Winter und Wols.

Die Räume im Bestandsbau des MKM sind ebenfalls mehrheitlich neu eingerichtet, schwerpunktmäßig mit Werken der späteren deutschen Nachkriegskunst von Georg Baselitz, Jürgen Brodwolf, Abraham David Christian, Günther Förg, Christoph M. Gais, Winfred Gaul, Gotthard Graubner, Ernst Hermanns, Anselm Kiefer, Imi Knoebel, Thomas Lehnerer, Markus Lüpertz, A.R. Penck, Gerhard Richter, Reiner Ruthenbeck, Michael Schoenholtz, Heinrich Siepmann, Walter Stöhrer und Rudolf Wachter.

Die wiederkehrende Neuhängung von Räumen und Neuvorstellung weiterer Werke aus der Sammlung ist Teil des Präsentationskonzepts. In Wechselausstellungen im Erdgeschoss, sowie im großen Saal des 3. Obergeschoss werden Sammlungspositionen vertiefend präsentiert und internationale Künstler:innen außerhalb der Sammlung vorgestellt.

„Die Sammlung vermittelt ein wesentliches Stück deutscher Kunstgeschichte der Nachkriegszeit“, sagt MKM-Direktor Walter Smerling. „Das Herz, wenn man so will, sind die informellen und abstrakten Maler, die „Gründerväter“ der deutschen Nachkriegskunst wie Willi Baumeister, K.O. Götz oder Emil Schumacher und ihre europäischen Kollegen Emilio Vedova, Maria Helena Vieira Da Silva oder Wols. Auch die Nachfolgegeneration, die sich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt hat wie Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Gerhard Richter und andere ist mit zentralen Werken vertreten. Die Sammlung ist zugleich sehr persönlich, das macht ihren Charakterund ihre Vitalität aus. Man spürt die Begeisterung für die Abstraktion durch die Jahrzehnte, das zeigen Werke von Walter Stöhrer, Christoph M. Gais oder David Schnell. Und das Anliegen der Sammler, „ihre“ Künstlerinnen und Künstler mit Werkkonvoluten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zu präsentieren, ist ein großes Glück für das Museum. So lässt sich deutsche Kunstgeschichte erleben, die Lehrer- und Schülergeneration vergleichen, die Werk-Entwicklung einzelner Künstlerpersönlichkeiten nachvollziehen. Der Erweiterungsbau, die Neueröffnung mit der erstmaligen Präsentation Sammlung in diesem Umfang ist ein großes Glück für die Kunstlandschaft der Bundesrepublik Deutschland.“

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Lichtkunstausstellung von Tatjana Busch im DA, Kunsthaus

In dieser Wintersaison bespielt die renommierte Künstlerin Tatjana Busch vom 13. Dezember bis zum 22. Februar 2026 unter dem Titel „Wonderwalk“ die besonderen Ausstellungsräume des DA, Kunsthaus, auf dem Gelände des Klosters Gravenhorst.

In immersiven Licht-Sound-Installationen erforscht Busch die Synthese von Form, Farbe, Bewegung, Klang und Licht. Im Zusammenspiel von Material, Raum und Lichtinszenierung entstehen vielschichtige Resonanzräume. Skulpturale Objekte aus farbigem Acrylglas werden mittels Lichtprojektionen und Spots aktiviert und wechseln von durchscheinend zu opak, von massiv zu filigran. Lichtreflexionen an Wand, Boden und Decke setzen den Raum und seine Grenzen in Bewegung und schaffen eine fließende Dynamik von Werden und Vergehen. Beim Durchgehen der multisensorischen Inszenierung tauchen die Besuchenden in den Rhythmus des Wandels, der Vielfalt an Erscheinungen und neuen Wahrnehmungen ein.

Zur Künstlerin:

Tatjana Busch beschäftigt sich mit der intuitiven Form von Objekten und lotet deren Potenzial mit verschiedenen Medien aus. Sie hat Visuelle Kommunikation an der freien Hochschule für Grafik Design und Bildende Kunst in Freiburg studiert. Von 2003 bis 2005 besuchte sie die Klasse von Jean Scully an der Akademie der Bildenden Künste in München sowie den Kurs „Experimentelles Arbeiten mit Papier“ bei Andreas von Weizsäcker. 2007 „Haus der Kunstpreis“ von Chris Dercon. 2010 ein Stipendium im ISCP, dem International Studio and Curatorial Program in New York. Einzel- und Gruppenausstellungen, Messen und Lichtkunstfestivals (Auswahl): 2017 im Palazzo Bembo im Rahmen der Biennale von Venedig; 2022 auf der Ars Electronica mit dem künstlerischen Forschungsprojekt „BRAINPALACE“, das durch das Netzwerk der Fraunhofergesellschaft für Wissenschaft, Kunst und Design realisiert wurde. 2021 gewann Tatjana Busch das „Kunst am Bau“-Projekt „Social Sculpture“ in München in Zusammenarbeit mit KUNST RAUM Konzepte. Ihr Konzept „anotherNOW“ wurde 2022 zur Realisierung des Kunst am Bau-Projekts „AM TACHELES“ in Berlin ausgewählt. Sie ist unter anderem in den Sammlungen von Sal. Oppenheim/Deutsche Bank und der Collection J.H. Simons Fondation in New York vertreten.

Führung im Rahmen des „Gravenhorster Advents“

Gemeinsam mit dem Café Clara lädt das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst an den Adventssonntagen erneut zu einem stimmungsvollen Programm voller Kunst, Literatur, Musik und Theater. Zum 3. Advent am 14. Dezember haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, an der ersten Führung durch die neue Winterlicht-Ausstellung »Wonderwalk« von Tatjana Busch teilzunehmen. In immersiven Licht-Sound-Installationen erforscht die Künstlerin die Synthese von Form, Farbe, Bewegung, Klang und Licht. Gästeführerin Annette Hinricher lädt das Publikum ein, in den Rhythmus des Wandels, der Vielfalt an Erscheinungen und neuen Wahrnehmungen einzutauchen.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung unter der Telefonnummer 02551 6942-15 wird gebeten.

Nähere Informationen: DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Klosterstraße 10, 48477 Hörstel, Telefon 02551 694215, E-Mail: da-kunsthaus@kreis-steinfurt.de. Das DA, Kunsthaus ist von Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie am Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

„Das ist ja überhaupt alles sehr beweglich.“ – Joseph Beuys & Fluxus

Konzept, Aktion, Musik, Poesie, Sprache und wissenschaftsbasierte Ansätze anstelle von traditionellem Tafelbild und Skulptur: Der erweiterte Kunstbegriff der intermedialen Fluxus-Bewegung bildet die Basis des erweiterten Kunstbegriffs von Joseph Beuys. Das Fluxus-Kollektiv hatte als supranationales Netzwerk ab 1962 jede herkömmliche Form akademischer und institutioneller Verfestigung verflüssigt und die Rezipienten als freie, selbst bestimmte, schöpferische Individuen ins Zentrum gesetzt. Für Beuys bedeutete der frühe Kontakt zu der unorthodoxen intellektuellen Gruppe Befreiung aus der „ästhetischen Zwangsjacke“, interdisziplinäre Kommunikation sowie den Eintritt in den öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Raum.

Beuys wurde zu Beuys erst durch Fluxus. In den Jahren 1962–1964 ereignete sich der entscheidende Umschlag im Werk des Künstlers, der bis dahin als Bildhauer und Zeichner gearbeitet hatte: In Bezug auf die Wahl seiner Medien (Aktionen, später Multiples), Materialien und Methoden, zu denen auch sein offensiver Umgang mit den Medien zählte. Im Umgang mit Fluxus-Inhalten entwickelte Beuys eine ganz eigene Strategie: Begreifen, Aneignen, Kooperieren und Transformieren.

Die Ausstellung, die vom 23. November bis 15. Februar 2026 im Museum Schloss Moyland zu sehen ist, betrachtet den Künstler nicht, wie so häufig, als solitäre Erscheinung, sondern setzt ihn in einen offenen kollaborativen Kontext. Darin spielen Künstlerfreunde und -kollegen wie Fluxus-Initiator George Maciunas, Nam June Paik und die dänische Fluxus-Connection (Arthur Køpcke, Henning Christiansen) eine besondere Rolle.

Innerhalb einer chronologischen Struktur werden Schlaglichter gesetzt: Auf die frühen formativen Fluxus-Jahre (1962–1964), auf Beuys‘ Aktionen mit Paik und Christiansen (bis 1985) und auf die Zeit der Studentenbewegung, als sich im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie der anti-autoritäre emanzipatorische Fluxus-Impuls durch Künstler wie Robert Filliou, Daniel Spoerri und Dieter Roth reaktivierte (1967–1974).

Das Projekt, das Archivalien und Werke, Konzepte und Fotografien, Audios und Videos versammelt, verbindet das Dokumentarische mit dem Ereignishaften und Experimentellen.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft, das von der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post gefördert wurde.

Die Ausstellungsarchitektur lag in den Händen von Dagmar von der Ahe, Frieda Hünsch und Luisa Mowitz (Baukunst, Kunstakademie Düsseldorf) und erfolgte in Zusammenarbeit mit Susanne Rennert

Die Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 23. November, wird von der Performance „Missing Questions“ der Klasse Danica Dakić (Film und Video, Kunstakademie Düsseldorf) begleitet und ist von Robert Filliou: „Ample Food For Stupid Thought“ (1965) inspiriert.

Kuratiert wird die Ausstellung von Susanne Rennert.

Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.