Viel moderne Kunst in einer ehemaligen Mühle

Das Museum Küppersmühle, direkt im lebhaften Duisburger Innenhafen gelegen, ist eines der größten deutschen Privatmuseen und ein abwechslungsreiches Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Dass das ehemalige und abrissgefährdete Speichergebäude für neue Zwecke genutzt werden konnte, war einer Bürgerinitiative zu verdanken, die sich gegen den Abriss wehrte. Als Person hervorzuheben ist der Duisburger Immobilienunternehmer Hans Grothe (*1930 + 2019), dessen Sammlung von 800 Werken von mehr als 40 Künstlern den Grundstock für das neue Museum bildete. Für den Umbau zu einem weiträumigen Kunstmuseum mit 3600 Quadratmetern Fläche wurde das bekannte Schweizer Architekturbüro Herzog & De Meuron engagiert. Feierlich eröffnet wurde das Museum 1999.

Baumängel behoben, Projekt Um- und Erweiterungsbau umgesetzt

2008 traf der Betreiber, die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn, die Entscheidung für einen Um- und Erweiterungsbau, der zunächst nicht unter einem guten Stern stand. Der Umbau basierte auf den Plänen des schon einmal engagierten Architekturbüros Herzog & De Meuron, das ein Konzept ähnlich der von ihnen entworfenen Elbphilharmonie vorschlug. Danach war geplant, auf den Röhren des Stahlsilos einen scheinbar freischwebenden Quader aufzusetzen. Darin sollten zwei Etagen mit rund 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 22 neuen Räume entstehen. Baubeginn war 2009, doch dann passierten ähnliche Dinge wie bei der Elbphilharmonie. Im Juni 2011 wurde ein Baustopp für den Erweiterungsbau verhängt, da das Stahlgerüst des Erweiterungsquaders mit erheblichen Baumängeln hergestellt worden war. Die verantwortlichen Bauunternehmen gingen pleite und die Stahlkonstruktion erwies sich als Totalschaden. Das Projekt drohte zu scheitern. Mit im Boot dabei war inzwischen auch das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher, das mit der Gründung der MKM-Stiftung die notwendigen Voraussetzungen für die Umsetzung des gefährdeten Projekts geschaffen hatte. Trotz der Schwierigkeiten blieb der Auftrag für die architektonische Planung bei Herzog & De Meuron.

Kern der Entwürfe war ein viergeschossiger Anbau, der über die historischen Silos mit dem Stammhaus des MKM verbunden werden sollte. Damit vergrößerte sich die Ausstellungsfläche um rund 2500 Quadratmeter. In den erweiterten Räumlichkeiten wird seit der Eröffnung im September 2021 die Ströher-Sammlung in ihrer ganzen Dimension sichtbar. Sie umfasst rund 1500 Werke deutscher Kunst, ausgehend von den 1950-er Jahren bis in die Gegenwart. Viele der Sammlungskünstler gehören nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu den wichtigsten, darunter Werke von Hanne Darboven, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Jörg Immendorf, Gerhard Richter, Anselm Kiefer, A.R. Penck, Sigmar Polke, Imi Knoebel und Rosemarie Trockel.

Aussichtsplattform 40 Meter über den Silos

2024 eröffnete das Museum Küppersmühle auch eine neue Aussichtsplattform, die einen atemberaubenden Blick über Duisburg und das Ruhrgebiet bietet. 40 Meter über den Silos der alten Getreidemühle im Duisburger Innenhafen setzt die Plattform einen weiteren Akzent im Museum. Unter optimalen Wetterbedingungen bietet sie einen Panoramablick auf zahlreiche bekannte Wahrzeichen von Duisburg, darunter der Landschaftspark Nord, die Halde Rheinpreußen, die Salvatorkirche, das NRW-Landesarchiv, das Rathaus, das Stadttheater und die „Goldene Leiter“. Darüber hinaus sind der Rheinturm und die Skyline von Düsseldorf, der Stadtwald in Mülheim und der Gasometer in Oberhausen sichtbar. Die Eröffnung der Aussichtsplattform unterstreicht das Engagement des Museum Küppersmühle, außergewöhnliche Architektur und Kunst in einem einzigartigen Rahmen zu präsentieren.

Was der Direktor sagt:

Wie MKM-Direktor Walter Smerling sagt, vermittelt die Sammlung „ein wesentliches Stück deutscher Kunstgeschichte der Nachkriegszeit. Das Herz, wenn man so will, sind die informellen und abstrakten Maler, die „Gründerväter“ der deutschen Nachkriegskunst wie Willi Baumeister, K.O. Götz oder Emil Schumacher und ihre europäischen Kollegen Emilio Vedova, Maria Helena Vieira Da Silva oder Wols. Auch die Nachfolgegeneration, die sich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt hat – Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Gerhard Richter und andere – ist mit zentralen Werken vertreten. Die Sammlung ist zugleich sehr persönlich, das macht ihren Charakter und ihre Vitalität aus. Man spürt die Begeisterung für die Abstraktion durch die Jahrzehnte, das zeigen Werke von Walter Stöhrer, Christoph M. Gais oder David Schnell. Und das Anliegen der Sammler, „ihre“ Künstler mit Werkkonvoluten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zu präsentieren, ist ein großes Glück für das Museum. So lässt sich deutsche Kunstgeschichte erleben, die Lehrer- und Schülergeneration vergleichen, die Werk-Entwicklung einzelner Künstlerpersönlichkeiten nachvollziehen. Der Erweiterungsbau und die Neueröffnung mit der sind ein großes Glück für die Kunstlandschaft der Bundesrepublik Deutschland.“

Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen jährlich bis zu vier Wechselausstellungen hinzu: Retrospektiven renommierter Künstler, thematische Gruppenausstellungen, Präsentationen aktueller Entwicklungen einzelner Künstler oder der Kunstszene eines Landes. Die Ausstellungsreihe „Akademos“ stellt das Werk der Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie vor und jährlich findet der bundesweite Förderwettbewerb „Jugend interpretiert Kunst/ Deutsche Bank Stiftung Jugend-Kunst-Preis“ statt.

Wechselausstellungen mit Werken von Immendorf und Krieg

Aktuell sind zwei Wechselausstellungen zu sehen. Unter dem Titel „Zeige, was du hast“ präsentiert das MKM Museum Küppersmühle Werke des renommierten deutschen Künstlers Jörg Immendorff (*1945 +2007) aus der Sammlung Ströher. Immendorff gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. In seinem Werk verband er stets politische Haltung mit künstlerischem Ausdruck. Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in seine Welt zwischen Engagement, Provokation und künstlerischer Selbstreflexion.

Unter dem Titel „Maler, Diebe und Gesindel“ erinnert das Museum an den Maler Dieter Krieg (*1937 +2005), der zu den wichtigsten deutschen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört und als Vertreter der „Neuen Figuration“ Kunstgeschichte schrieb. Die umfassende Übersichtsausstellung im MKM Museum Küppersmühle legt einen besonderen Schwerpunkt auf das Spätwerk des Künstlers mit Werken aus den 80er und 90er Jahren. Sein künstlerischer Rang ist in der Fachwelt nach wie vor unumstritten, auch wenn er heute in der Öffentlichkeit weitgehend vergessen ist. Mit der Ausstellung „Maler, Diebe und Gesindel“ soll dem entgegengewirkt werden. Ein besonderes Erkennungsmerkmal seiner expressiven und kraftvollen Kunst sind die extremen Formate seiner in heftiger Malweise ausgeführten Gemälde. Dieter Krieg nahm den großen Erfolg der „Neuen Wilden“ in den 1980er-Jahren vorweg. Die Auswahl dieser Ausstellung demonstriert dies mit Schriftbildern und monumentalen Darstellungen von banalen Alltagsgegenständen wie Spiegeleiern, Koteletts, Duschvorhängen, Kerzen und anderem. In seiner Malerei wird neben ihrer verführerisch-sinnlichen Qualität die Fragwürdigkeit der Darstellbarkeit von Dingen besonders deutlich. Krieg war ein obsessiver Leser, und seine Malerei ist geprägt durch eine Affinität zur Literatur seiner Zeit von Sartre und Beckett bis zu Peter Handke und den körperlichen Akt des Schreibens, der zu einem weiteren Motiv der Gemälde wird.

Dieter Krieg, der an der Karlsruher Kunstakademie bei HAP Grieshaber studierte, erregte bereits in den 1960er Jahren durch seinen radikalen Malstil Aufsehen. Schon 1966 erhielt er für seine bis zur Unkenntlichkeit verschnürten und bandagierten Körperdarstellungen den deutschen Preis der Jugend in Baden-Baden. 1978 vertrat er Deutschland auf der Biennale in Venedig. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf beeinflusste er eine ganze Generation jüngerer Künstlerinnen und Künstler.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Vom Kloster zum Ort für Kunst und Kultur

Ort für lebendige Geschichte aber auch zeitgenössische Kunst ist das bei Hörstel gelegene Kloster Gravenhorst.

Idyllisch inmitten von Wäldern und Wiesen ist das Kloster Gravenhorst angesiedelt, das im Jahre 1256 von dem Tecklenburger Ritter Konrad von Brochterbeck gemeinsam mit seiner Frau Amalgarde von Budde gegründet wurde. Erste Äbtissin wurde deren gemeinsame Tochter Oda, die es in der Folgezeit verstand, den Klosterbesitz zu mehren und dafür zu sorgen, dass der von ihr ins Leben gerufene Zisterzienser-Orden zwar nicht offiziell anerkannt, aber dennoch geduldet wurde. Trotz der Übergriffsversuche weltlicher Herren und der beständigen Auseinandersetzungen mit dem Generalkapitel der Zisterzienser, dem die große Selbständigkeit der Gravenhorsterinnen sowie deren enger Kontakt mit ihrem weltlichen Umfeld immer missfiel, gelang es der kleinen Gemeinschaft, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Eigenständigkeit zu wahren und ihre Interessen gegen alle Widerstände durchzusetzen. Nach der endgültigen Auflösung des Orden im Jahre 1808 folgten zahlreiche Besitzerwechsel und unterschiedliche Nutzungen der Klostergebäude. Zuletzt war dort eine Champignonzucht untergebracht, ehe der Trägerverein Kloster Gravenhorst die Anlage 1986 kaufte. Ende der 1990-er Jahre übernahm der Kreis Steinfurt das Kloster Gravenhorst als erbbauberechtigter Projektträger und bemühte sich in den Folgejahren um eine neue Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudeensembles. Ein kulturelles Nutzungskonzept wurde im Rahmen des Strukturförderprogramms „Regionale 2004 links und rechts der Ems“ des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt, das die notwendigen Gelder für die Instandsetzung bereitstellte. Im Mai 2004 war es dann so weit, dass das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst seine Pforten öffnen konnte.

Seitdem zieht die fulminante Rekonstruktion der fast vollständig erhaltenen Klosteranlage Gravenhorst das Publikum nicht mehr nur als atmosphärisch dichtes Ausstellungsforum für Zeitgenössische Kunst in seinen Bann. Sie macht auch neugierig, mehr über die Geschichte des Ortes zu wissen, der in seiner architektonischen Gestalt über ferne Zeiten zu berichten scheint. Wie das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst auf seiner Internetseite schreibt, wird mit der Nutzung als Kunstort auf die spirituellen Wurzeln des Ortes zurückverwiesen. Wörtlich heisst es weiter: „… Kunst wie Religion erweitern unsere Wahrnehmung, unser Bewusstsein und unsere Vorstellung von Welt und Wahrhaftigkeit. Damit scheint der Ort heute gewissermaßen an seine ursprüngliche Bestimmung zurückgeführt zu sein. Mit dem DA, Kunsthaus wird im Kloster Gravenhorst ein Kreis geschlossen und der Ort bleibt dennoch lebendig und in ständiger Veränderung.“

Und wofür steht das DA?

Dazu schreiben die Verantwortlichen des Hauses Folgendes: „DA wurde von der konzeptionellen Bezeichnung des ehemaligen Klosters als Denk-Mal-Atelier abgeleitet. Mit dieser Bezeichnung wird zugleich auf die historische und architektonische Bedeutung des Klosterensembles und auf die aktuelle Produktion und Auseinandersetzung mit Kunst hingewiesen. Der Begriff „Atelier“ verweist auf die Produktion von Kunst.
 Auseinander geschrieben verweist der Begriff »Denk-Mal-Atelier« auf wichtige Bestandteile des Programms:
Denk = Vermittlung von Wissen über Kunst, Aufforderung zur kritischen Auseinandersetzung mit Kunst.
Mal = verweist auf »malen«, im übertragene Sinne auf das »Selber tun«, machen = erlebnisorientierte, aktive Auseinandersetzung mit Kunst.
Atelier = Produktion, Werkstattcharakter, Experimentierfeld und Forum für Künstler und Laien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Kürzung der Bezeichnung Denk-Mal-Atelier zum DA war ein gelungener Kunstgriff und eine Marketingstrategie der Firma Total Identity. Mit der von ihr entwickelten Corporate Identity und der Wahl des Wortes DA wurden nicht nur die grafischen Richtlinien für die Werbung des Hauses formuliert, sondern auch eine Kommunikationsstrategie entwickelt, die die ambitionierten Leitideen des Kunsthauses unterstützen. Denn DA steht (als Zeige- und Ausrufewort) auch für zeigen und Richtung weisen. DA heißt suchen und finden und DA steht für Veränderung und Bewegung. In Gravenhorst wird Kunst nicht als schmückendes Beiwerk, als kompensatorische Verschönerung der Gesellschaft, sondern als Forschung, Spiel und kritischer Diskurs im aktuellen gesellschaftlichen Kontext verstanden.“

Kunst auf dem platten Land – zwischen Globalisierung und regionaler Identitätsbildung

So lautet daher der Hintergrundtenor des Nutzungskonzeptes. Denn nur unter diesen beiden Voraussetzungen, nämlich der Anbindung an das aktuelle (auch internationale) Kunstgeschehen, sowie einer Einbindung in das (Kultur-)Leben der Region kann das Kunsthaus erfolgreich sein. »Kunst im Kontext« – das heißt einerseits Bezug und Rücksicht auf die Geschichte, andererseits Reflexion über das aktuelle, gesellschaftliche Geschehen durch die Kunst. Im DA wird Kunst in die Lebenszusammenhänge der Menschen eingebunden und – an die Erfahrungen und die Erlebnisse der Menschen anknüpfend – vermittelt. Kunst ist hier auch im Sinne von Lebens-Kunst zu verstehen, d.h. als Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensentwurf; als Fähigkeit zum Teilhaben an gesellschaftlichen Prozessen und als kreative Schaffung von neuen Lebensperspektiven in einer immer unüberschaubareren Welt.
Dieses Verständnis von der Rolle der Kunst, das als die grundlegende DA-Leitidee gelten kann, findet im Herzstück des Kunsthauses – im Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« – seine deutlichste und konkreteste Umsetzung. Die ersten Kunstprojekte des Stipendiumsprogramms wurden ab Herbst 2005 im DA durchgeführt. Der Fokus der Stipendien liegt in der Förderung kommunikativer Kunstprojekte, die vor Ort durchgeführt werden. Das heißt vor allem gemeinschaftsorientierte öffentliche Kunstprojekte, die nicht ursprünglich und ausschließlich für einen musealen Kunstraum geplant sind. 
Also Kunstprojekte, die sich inhaltlich auf gesellschaftlich-soziale, partizipatorische Aspekte konzentrieren und die nicht vorrangig ergebnis- sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind.
Gemeint sind auch ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des Ortes Kloster Gravenhorst auseinandersetzen. Kunstprojekte und Werke, deren Produktionsprozesse von der Partizipation künstlerischer Laien, auch von Kindern und Jugendlichen geprägt sind, werden ebenfalls gefördert.
Das Kunsthaus Gravenhorst ist also – trotz seiner ländlichen Lage – kein Refugium für Künstler, keine Idylle fernab von der gesellschaftlichen Realität.
Das Spannungsfeld zwischen Globalität und Regionalität, zwischen Geschichte und Aktualität, spiegelt sich auch in den fünf Themenkomplexen wieder, die die Ausstellungs- und Projekttätigkeit des Kunsthauses bestimmen sollen.
Remember History/Think History“ reflektiert unter dem Label »Kunst und Geschichte« die historische Authentizität des Ortes. „Natural Reality“ thematisiert unter der deutschen Subline »Kunst und Ökologie« Fragen der Natur, der Landschaft und des Environments. „Lost Paradise“ (verlorenes Paradies) bezieht sich auf die sakralen Ursprünge des Ortes auch unter dem Aspekt einer spezifisch »weiblichen« Spiritualität, wie sie zur Gründungszeit des Klosters in Europa in großer Blüte stand. Unter dem Begriff „Body Relations“ (Kunst und Körper) sowie „Perception – Observation – Truth“ (Kunst und Wahrnehmung) werden aktuelle und kunstimmanente Themen aufgegriffen.

Das Projektstipendium „KunstKommunikation“

Seit fünfzehn Jahren fördert der Kreis Steinfurt im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit dem Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« gemeinschaftsorientierte Kunstprojekte, die von Handlung und Laienbeteiligung leben und gesellschaftsrelevante Themen mit partizipatorischen Aspekten aufgreifen.

Im Fokus stehen Kunstprojekte auf internationaler Ebene im ländlichen Raum, die sich nicht nur an ein spezifisches Kunstpublikum wenden, sondern auch an eine breite, regionale Öffentlichkeit, die immer Teil der künstlerischen Konzepte und Aktionen ist. Lebensnahe Themen bieten im DA und in der ganzen Region Anlass für künstlerische Projekte, Aktionen und Interventionen, die oft in Kooperation mit Betrieben, Vereinen und Schulen der Region durchgeführt werden. So wurden seit 2006 zahlreiche Kunstprojekte gefördert, die nicht vorrangig ergebnis-, sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind – ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des ländlichen Raums auseinandersetzen.

Askese mit Wildschwein oder analoges Archiv – Führungen und Workshops zur Kunst und Geschichte des DA

»Novizinnen gesucht!« – Wasserbaukunst, einen Mann im Frauenkloster, Mittelalter erleben oder »Die Auflösung des Sehens« – im DA, Kunsthaus gibt es inszenierte Schauspielführungen für Familien, Schulklassen und Besuchergruppen, kreative Workshops mit den Künstlerinnen und Künstlern des Projektstipendium „KunstKommunikation“ und kunstpädagogische Führungen für Kinder… Und natürlich „DA ist Kunst“ – die Führung zu den aktuellen Ausstellungen im DA, Kunsthaus.

Geschichte hinterm Giebel – Historische Präsentationen im DA

Die kleine, aber feine Reihe der historischen Ausstellungen im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst zeigt ungewöhnliche Facetten zur spannenden Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters: Das können Fundstücke aus der Zeit der Ausgrabungen im Zuge des Umbaus zum Kunsthaus sein – anschaulich präsentiert als Vitrinenausstellung im Foyer oder kleinen Saal des DA. Schriftstücke und Dokumente beleuchten die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen durch die Jahrhunderte. Émigrés in Gravenhorst, Flucht übers Nonnenpättken oder Napoleons Machtübernahme in Westfalen: Die historischen Präsentationen erzählen von guten und schlechten Zeiten, von Krieg und Wohlstand, gesellschaftlichen Gepflogenheiten, Wasserbaukunst und Müllerhandwerk – und schlagen immer wieder auch den Bogen in die heutige Zeit.

Von Marktzauber bis openART – Inspirierende Feste rund um die Kunst

Regionale Produkte und viel Selbstgemachtes, das Künstlerdorf mit spannenden Aktionen der jeweiligen Stipendiaten, Kreativangebote für die Jüngsten, ein fröhliches Miteinander, staunen und diskutieren, Künstler kennen lernen, durch aktuelle Ausstellungen zeitgenössischer Kunst schlendern oder die besondere Atmosphäre der historischen Gemäuer atmen – Kunstfeste im DA sind ein Vergnügen für die ganze Familie, für Kunstinteressierte aus nah und fern, Müßiggänger und Genussmenschen. Übers ganze Jahr lässt sich ein attraktives Kunsterlebnis entdecken: »Marktzauber« – der Klostermarkt mit seinen rund 70 Ausstellern im Mai, openART – der inspirierende Sommerabend der offenen Tür im DA, spontane Aktionen wie Osterfest samt Picknick, ein Apfelfest mit Buchsbaumanalye und „Meeting Halfway“ oder der Gravenhorster Adventskranz zeigen, dass im DA ist immer was los ist.

21. September: openART – DA passiert Kunst

openART steht ganz im Zeichen des Projektstipendiums „KunstKommunikation“, das seit 2006 jährlich mit bis zu vier partizipativen, ortsbezogenen Kunstprojekten zum Mitmachen und Mitdenken einlädt. Die »AUSBLICK!«-Ausstellung, die im Rahmen von »openART« ihre feierliche Eröffnung erlebt, versammelt die Entwürfe aus der Ideenwerkstatt. Außerdem werden die ausgewählten Projektideen für das Projektstipendium „KunstKommunikation 26“ erstmals öffentlich bekanntgegeben und vorgestellt. Mit den Kunstaktionen und Präsentationen der Stipendiatinnen und Stipendiaten des aktuellen Projektjahrs wird openART zu einem einmaligen Erlebnis, das Austausch und Inspiration in besonderer, historischer Kulisse verspricht.

5. Juli bis 24. August: „BIOPHILIA. Von Pflanzen und Menschen“

Die Wahrnehmung von Natur ist ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. Je nach kulturellem Verständnis, wissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Perspektiven stellt es sich unterschiedlich dar und befindet sich in einem ständigen Wandel. Wie stehen wir heute zur Natur und wie erleben wir sie?
Ausgehend vom Gedanken der Biophilie widmet sich die Ausstellung dem tiefverankerten Bedürfnis des Menschen nach einer Verbindung mit der Natur und allem Lebendigen an sich. Im Blickpunkt steht der Kosmos der Pflanzen und deren Prozesse von Wachstum, Transformation und Zyklen in wechselseitigem Verhältnis zum Menschen.

In der Ausstellung vertreten sind Werke von Thomas Baumgärtel, Susanne von Bülow & Emmy Bergsma, Maike Denker, Brigitte Hofherr, Marcus Kaiser, Karin Kneffel, Gerlinde Miesenböck, Gabriela Oberkofler, Verena Redmann, Jonas Maria Ried, Jan Philip Scheibe, Nils Völker, Catharina & Dieter Wagner, Astrid Wilk.

Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Führungen, Workshops, Kunst-Natur-Events, Vorträgen und vielem mehr lädt zum Vertiefen, Entdecken und gemeinsamen Austauschen ein.

Neujahrskonzert, Poetry Slam, Schräge Bretter und Septemberklänge – DA live on stage – drinnen und draußen!

Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst wird übers ganze Jahr auch zur Bühne für hochkarätige Konzerte von Jazz bis Klassik. Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung musizieren regelmäßig im Großen Saal gleich zu Beginn des neuen Jahres oder im Familienkonzert »Septemberklänge«, Jazzgrößen wie Christoph Haberer oder Georg Ruby waren bereits zu Gast.

Bereits zwei Mal war das DA „FilmSchauPlatz“ der Film- und Medienstiftung NRW: Mit »Loving Vincent« wurde der erste komplett aus Ölgemälden geschaffene Film über die Welt des Vincent van Gogh im Klosterinnenhof gezeigt. Wortgewaltiges gibt es auch schon mal spontan: bei der Lesung mit Thomas Kienast in der Sommerausstellung von Simone Zaugg oder mit „Slam DA“ – dem Poetry-Festival im Kunsthaus.

Die Jahreszeit im DA: Gravenhorster SAISONALE*

Mit der Umstellung auf die Sommerzeit im März 2019 begann im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst eine neue Zeitrechnung: Fortan wird immer im Sommerhalbjahr die Freifläche rund um das Kloster als Plattform für temporäre Kunstinterventionen genutzt. Natur, Garten und Landschaft sind die Bezugspunkte der ortsspezifischen Kunstprojekte. Die Kunst tritt saisonal in Erscheinung, betritt die grüne Bühne temporär und thematisiert in besonderer Weise ihr eigenes Werden und ihre Vergänglichkeit. So verändert sich die Ansicht des Klosters einmal im Jahr besonders künstlerisch und die zeitgenössische Kunst kreiert eine eigene Gravenhorster Jahreszeit: Die Gravenhorster SAISONALE*!

Kulturpäuschen im „Café Clara“

Wohlfühlen und in einer angenehmen Atmosphäre einen Moment dem Alltag entfliehen – so lautet die Philosophie des Café Clara. Das Team von Peter Holczer lädt zum Verweilen nach einem Besuch des Kunsthauses oder zu einer Rast nach einer Rad- oder Wandertour ein. Platz nehmen kann man im modern ausgestatteten Innenraum Platz oder auf der gemütlichen Sonnenterrasse im idyllischen Klosterinnenhof. Auf der Karte stehen leckere Tee- und Kaffeespezialitäten, ausgesuchte Weine und Spirituosen sowie kleine kalte und warme Gerichte mit Produkten aus der Region. Neben einem kurzen Abstecher zu Kaffee und Kuchen bieten die stilvollen Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters auch den idealen Ort für feierliche Anlässe. Egal, ob privat oder geschäftlich.

Nähere Informationen: DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Klosterstraße 10, 48477 Hörstel, Telefon 02551 694215, E- Mail: da-kunsthaus@kreis-steinfurt.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.14.00 – 18.00

Sammlung de Fundatie: 80 Jahre Freiheit

Noch bis zum 17. August ist im Museum de Fundatie in Zwolle die Ausstellung „Sammlung de Fundatie: 80 Jahr Freiheit“ zu sehen.

In diesem Jahr wird an den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs erinnert. In einer thematischen Präsentation seiner Sammlung zeigt das Museum de Fundatie die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Kunst anhand von zwei Aspekten: der Freiheit der Kunst und der Freiheit der Menschen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zum einen die Kunstpolitik der Nationalsozialisten und zum anderen das Leben des Sammlers und Künstlers Paul Citroën, der sich während des Zweiten Weltkriegs verstecken musste, um der Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.

„Entartete Kunst“

Im nationalsozialistischen Deutschland wurde der Begriff Entartete Kunst verwendet, um sich auf Kunst zu beziehen, die nicht den Kunstvorstellungen der Nationalsozialisten und ihres Anführers Adolf Hitler entsprachen. Das betraf fast alle Kunst, die von einer naturalistischen Darstellung abwich, also die gesamte Avantgarde der damaligen Zeit, wie die der Abstrakten Malerei und und des Expressionismus. 1937 begann in München eine große Wanderausstellung mit 650 Werken, die als Beispiele für entartete Kunst angesehen wurden. Alle Werke wurden austauschbar platziert und für jedes Werk wurde der Kaufpreis angegeben, einschließlich des Museums, das das Werk erworben hatte, und des Kaufjahres. In den Ausstellungsräumen wurden Slogans an den Wänden angebracht, die sich über die ausgestellte Kunst lustig machten. Alles mit dem Ziel, in der Öffentlichkeit eine Abneigung gegen diese Werke und die hohen Summen, die dafür ausgegeben wurden, zu wecken. Zur gleichen Zeit, 1937, wurde in München in der Großen Deutschen Kunstausstellung Kunst gezeigt, die bei den Nationalsozialisten beliebt war.

Nach München wurde die Ausstellung vier Jahre lang in verschiedenen Formen in Deutschland und Österreich gezeigt. Am Ende sahen rund drei Millionen Menschen die Ausstellung. Danach wurden die Werke verkauft, getauscht oder vernichtet. Zu den Künstlern, die als „Entartet“ bezeichnet wurden und deren Werke auf der Ausstellung von 1937 gezeigt wurden, gehörten unter anderem Käthe Kollwitz, Max Pechstein und Otto Dix, deren Werke sich in der Sammlung des Museum de Fundatie befinden. Vorgestellt werden die Werke dieser Maler vor, von denen jeder große und wichtige Veränderungen in der Kunst bewirkt hat.

Zu Paul Citroëns Leben und Werk

Paul Citroën (*1896 +1983) ist einer der wichtigsten Begründer der Sammlung Overijssel, die dem Museum de Fundatie als Dauerleihgabe zur Verfügung steht. Neben den Werken, die Citroën von anderen Künstlern zusammengetragen hat, gibt es auch eine große Anzahl eigener Werke aus seinem Nachlass. Der Zweite Weltkrieg war eine sehr schwierige Zeit im Leben von Paul Citroën, der jüdischer Abstammung war. 1943 tauchte er in Wassenaar unter. Anfang 1944 zog er in ein anderes Versteck in Laren. Dort arbeitete er weiter. Da er viel alleine war, handelte es sich hauptsächlich um Selbstporträts. Nach dem D-Day im Juni 1944 schloss er sich seiner Frau Lien und seiner Tochter Paulien an, die sich im Henri Methorst Verlag in ’s Graveland versteckt hielten.

Die Sammlung der Provinz Overijssel umfasst mehrere Werke, Porträts, Selbstporträts und Landschaften, die Paul Citroën anfertigte, als er sich versteckte.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Jonathan van Doornum – Dunkel da, fröhlich hier

Noch bis zum 17. August ist im Museum de Fundatie in Zwolle die Ausstellung „Dunkel da, fröhlich hier“ mit Werken des niederländischen Künstlers Jonathan van Doornum zu sehen.

In Jonathan van Doornums Skulpturen, Zeichnungen und Performances treffen Technologie, Kommunikation und Magie aufeinander. Seine Werke fertigt er oft aus Aluminium. Kaltes Material, das Van Doornum eine weiche, erzählerische Kraft verleiht, indem er es zum Beispiel in Flammen, Locken oder Schleifen formt. Seine Bildsprache ist sowohl von jahrhundertealten, zeremoniellen Objekten als auch von den modernsten Techniken beeinflusst. Auf diese Weise macht van Doornum eine poetische Welt sichtbar, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren. Wechselnde Beziehungen ziehen sich wie ein roter Faden durch diesen.

Weiter heißt es im Text zur Ausstellung: „Die Art und Weise, wie wir miteinander in Kontakt treten, hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts stark verändert. Spiritualität, Religion und Tradition sind weitgehend aus unserem täglichen Leben verschwunden und hinterlassen Lücken, die durch technische Erfindungen gefüllt werden. Das sorgt automatisch dafür, dass unser Wohnumfeld immer funktionaler wird, entkleidet von dem Glanz, den wir aus Kirchen oder mittelalterlicher Architektur kennen. Statt Treffpunkten werden 5G-Masten errichtet. Van Doornums futuristisch anmutende Skulpturen reflektieren dies; Durch die Kombination von digitaler Ästhetik mit ornamentalen Details scheinen seine Bilder Signale aus verschiedenen Epochen auszustrahlen. Seine Arbeit kann daher als Gegenbewegung zu unserer digitalen Revolution verstanden werden, oder als Aufruf, den Kontakt auf anderen oder neuen Wegen zu suchen.

In seinen jüngsten Arbeiten beschäftigt sich Van Doornum vor allem mit der Beziehung zwischen Stadt und Land. Da er in einer ländlichen Gemeinde geboren ist, weiß Van Doornum, dass städtische Gebiete traditionell oft mit einer Mischung aus Unzufriedenheit und Neid vom Land aus betrachtet werden. Dieser Kontrast zwischen Zentrum und Peripherie ist Jahrhunderte alt, auch wenn die vergangenen Wahlen zeigen, dass sich dieses Verhältnis verschiebt. Van Doornum greift viele der Formen und Motive, die man auf dem Land antrifft, in seine neuesten Arbeiten ein. Dazu verwebt er vertraute ländliche Elemente in seine Skulpturen und gibt ihnen eine andere Bedeutung. So reagiert er zum Beispiel auf das Gefühl des Landes gegenüber der Stadt und umgekehrt. Van Doornum geht es darum, Orte zu verbinden, die emotional meilenweit voneinander entfernt sind. Für Van Doornum ist die Antenne, ein Gerät, das Orte aus der Ferne verbindet, ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Land: Wie können diese beiden Welten einander näher kommen und was können sie dabei voneinander lernen?“

Über Jonathan van Doornum

Jonathan van Doornum (*1987, Mariënberg, NL) lebt und arbeitet in Zwolle. Er erwarb seinen Bachelor of Fine Art an der ArtEZ in Zwolle und nahm anschließend an verschiedenen Residenzen in Europa teil, unter anderem an der Rijksakademie Amsterdam und Wiels in Brüssel. Seine Arbeiten wurden in mehreren Gruppenausstellungen gezeigt, darunter „Roosen & Guests“ (2023) im Kasteel het Nijenhuis. Van Doornum hatte mehrere Einzelausstellungen, unter anderem bei der Kunstvereniging Diepenheim, bei Wiels in Brüssel (BE) und zuletzt bei SecondRoom in Antwerpen (BE). „Dark There, Joyful Here“ ist seine erste Einzelausstellung im Museum im Rahmen der Fundatie Future Factory, dem Laboratorium des Museum de Fundatie. In diesem Rahmen begeben sich multidisziplinäre Künstler auf die Suche nach dem Herzschlag der Zeit und stellen sich die Frage, welche Themen die Zukunft bestimmen.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„Der Held, der Bösewicht und die Wahrheit“

Im Museum de Fundatie in Zwolle ist noch bis zum 15. Juni eine theatrale Ausstellung der Styropor-Skulpturen des Künstlers Folkert de Jong zu sehen.

Martin Luther als Terrorist verkleidet. Jesus und Maria in vertauschten Rollen. Königin Wilhelmina als Zirkusdirektorin. Snoop Dogg als Totempfahl. Mit verzerrten Versionen historischer Figuren zeigt Folkert de Jong, wie Geschichte entsteht, anders hätte ausgehen können und sich immer noch verändert. De Jong spielt mit der Geschichte: Er vertauscht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit auftauchen und historische Ereignisse anders verlaufen, als wir es gewohnt sind.

Die Ausstellung „Der Held, der Bösewicht und die Wahrheit“ reist anderthalb Jahre lang durch die Niederlande (einzigartig für eine Ausstellung visueller Kunst), unter anderem entlang der Kunstlinie Almere, der Chassé Breda, der Rotterdam Art Week und des Museum de Fundatie in Zwolle. Entstanden ist sie auf Initiative des des Kurators und Kulturunternehmers Johan Idema in Zusammenarbeit mit Van der Dijk. Folkert de Jong und den Ausstellungsmachern Brandwacht & Meijer.

Eine theatralische Aufführung mit Licht und Geschichte

De Jongs Skulpturen werden in der Ausstellung inszeniert: Anregende Hörgeschichten und theatrale Beleuchtung verleihen den Skulpturen Bedeutung und Interpretation. Autoren und Theatermacher wie Elfie Tromp, Abdelkader Benali, Roziena Salihu und Maxine Palit de Jongh schrieben die Geschichten. Die theatralische Aufführung ermöglicht es dem Publikum, De Jongs Werk tiefer zu verstehen und zu erleben.

Die Ausstellung präsentiert historische Figuren wie Gouverneur Peter Minuit (während er Manhattan „kauft“), Martin Luther (als Terrorist verkleidet), Jesus und Maria (in vertauschten Rollen), Königin Wilhelmina (als Zirkusdirektor), Snoop Dogg (als Totempfahl) und das Zeeland Girl. Zusammen erzählen die Bilder eine Geschichte über die Geschichte der Niederlande – den niederländischen Geschäftsgeist, die Rolle der Religion, die Stellung der Frau etc. – und wie diese Geschichte immer wieder neu geschrieben wurde. Die Ausstellung ist eine einzigartige, kreative und visuelle Geschichtsstunde, die sich als ebenso heiter wie düster erweist. Der Künstler spielt mit der Geschichte: er vertauscht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit auftauchen und historische Ereignisse anders entfalten, als wir es gewohnt sind.

Aktualität der Ausstellung

Die Ausstellung zeigt, wie Folkert De Jong seine Kunst als Waffe einsetzt, um die Geschichte in Frage zu stellen. „Eine unschuldige Waffe, weil man sie nur ansieht. Aber ich möchte zeigen, dass Geschichte nicht nur statisch, sondern auch formbar ist. Rollen können sich im Laufe der Zeit ändern.“ Die Ausstellung zeigt, wie ein anderer Zeitgeist zu einer anderen Geschichte führt. Das macht De Jongs Werk und diese Ausstellung aktuell und relevant, da gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Geschlechtsidentität und Kolonialismus die gängige Überlieferung von Geschichte völlig in Frage stellen.

Über Folkert De Jong

Folkert de Jong (*1972 in Alkmar) gilt als einer der bedeutendsten lebenden Künstler der Niederlande. Er studierte an der Amsterdam University of the Arts und der Rijksakademie van beeldende kunsten. Seine Arbeit besteht aus lebensgroßen menschlichen Figuren aus Isolationsmaterial: Polyurethanschaum und Styropor. De Jong wurde mit dem Prix de Rome und dem Charlotte-Köhler-Preis ausgezeichnet und hat in den letzten fünfundzwanzig Jahren mit Dutzenden von Einzelausstellungen in Museen weltweit, von Mailand und New York bis Mexiko-Stadt und Hongkong, internationalen Ruhm erlangt. De Jong wird für seine Virtuosität als Bildhauer und seinen brillanten Ausdruck des menschlichen Wahnsinns gelobt.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

PROTO-Kunstfestival in Zwolle

Der Designer Jack Brandsma und die bildende Künstlerin Hester Oerlemans sind in diesem Jahr als Artists in Residence zu Gast bei PROTO.

Jedes Jahr im Juni herrscht in Zwolle reges Treiben dank des PROTO-Festivals. Kunststudenten aus verschiedenen Kursen zeigen ihre Abschlussarbeiten im Bahnbereich und an verschiedenen Orten im Zentrum von Zwolle. Gemeinsam mit dem Museum de Fundatie lädt PROTO zudem jedes Jahr zwei Artists in Residence ein, die gemeinsam mit den Studenten an einer Ausstellung an einem der Museumsstandorte arbeiten.

Gegenseitige Inspiration und das Mischen verschiedener Stile, Methoden und Materialien sind der Ausgangspunkt. In diesem Jahr sind der Designer Jack Brandsma und die bildende Künstlerin Hester Oerlemans zu Gast bei PROTO. Gemeinsam mit den Studenten werden sie bis zum 21. September den Gartensaal des Schlosses Nijenhuis in dem Ort Heino übernehmen.

Die Arbeitsweise von Brandsma und Oerlemans weist eine frappierende Ähnlichkeit auf: Beide verwenden oft bestehende (visuelle) Elemente, um neue Skulpturen zu schaffen. Mit minimalen Eingriffen gelingt es ihnen, Bestehendes in ein völlig neues Bild zu verwandeln, oft mit verfremdenden Elementen. Auf diese Weise bringen sie die Betrachter dazu, vertraute Dinge um einen herum auf eine andere Art und Weise wahrzunehmen. Vor diesem Hintergrund suchen Brandsma und Oerlemans in diesem Projekt gemeinsam mit den Studenten nach bestehenden Objekten, die als Ausgangspunkt für die Schaffung von Neuem dienen können. Anschließend arbeiten die Studenten in multidisziplinären Projektteams, in denen jeweils möglichst viele Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Studiengängen vertreten sind. Gemeinsam untersuchen sie, wie man einem Objekt mit einer kleinen Veränderung eine völlig neue Bedeutung verleihen kann.

Die Ergebnisse werden demnächst im Gartensaal des Schlosses Nijenhuis ausgestellt. Dieser Raum, die ehemalige Orangerie des Schlosses, spielte auch von Anfang an eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit zwischen den Artists in Residence und den Studenten. Schließlich können die Besucher einen Raum als vorhandenes Bild sehen; Welche Interventionen sind notwendig, um die Bedeutung dessen zu ändern? Wie macht man sich einen Raum mit minimalen Eingriffen zu eigen? Auch diese Fragen werden die Studenten unter der Leeitung von Brandsma und Oerlemans bearbeiten.

Zu den Artist in Residence

Der niederländische Innenarchitekt und Produktdesigner Jack Brandsma (1969) studierte am Royal College of Art in London und erwarb 2001 einen Master-Abschluss in Design Products. Bereits 1997 erwarb er einen Bachelor-Abschluss in Innenarchitektur an der Minerva-Akademie in Groningen. Als Designer hat Brandsma begonnen, sich wieder mit der Arbeit mit Kunststoffen zu befassen. In seiner Arbeit erforscht er auch immer mehr Möglichkeiten, mit anderen, natürlicheren Materialien, wie Bio-Kunststoffen, aber auch Hanffasern oder Kartoffelstärke zu arbeiten.

Die Vermischung verschiedener Welten, spielerische Interventionen und Kommentare zur Alltagsrealität ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk der in Berlin lebenden niederländischen Künstlerin Hester Oerlemans (1961). Ihre Arbeit, in der kein Medium ungenutzt bleibt, zeigt stets eine poetische oder kritische Wahrnehmung ihrer Umgebung. In ihren Gemälden, Zeichnungen und Installationen scheint Oerlemans das Objekt ihrer Faszination bis ins Mark zu enträtseln. Ob es um die Kunstwelt, den urbanen Raum oder die persönliche Sphäre geht, Oerlemans legt gnadenlos und nicht ohne Humor den Finger auf den wunden Punkt.

Von der Grafschaft in die Kunstmetropole Frankfurt

Nächster Karriereschritt für den Nordhorner Maler Marvin Lange

Vor vier Jahren war der früher in Veldhausen und jetzt in Nordhorn lebende Marvin Lange noch ein unbekannter Name in der Kunstszene. Das hat sich gewandelt. Im Laufe der vergangenen Jahre erhielt er allmählich einen Bekanntheitsgrad – zunächst durch zwei Zeitungsberichte in den Grafschafter Nachrichten. So wurden Sammler aus der Region auf ihn aufmerksam, später sogar Sammler aus den USA. Werke von ihm hängen dort unter anderem in Naples/Florida.

Größere Aufmerksamkeit vor Ort erlangte er durch eine Ausstellung in der in den Vechte-Arkaden angesiedelten Zukunftswerkstatt der Stadt Nordhorn. Als prominentester Gast konnte bei der gut besuchten Eröffnung der ehemalige Finanzminister des Landes Niedersachsen, Reinhold Hilbers, begrüßt werden. Die Einführungsrede zur Ausstellung wurde von dem kunstinteressierten Bad Bentheimer Arzt Dr. Hermann-Josef Veenker gehalten, selber ein begeisterter Sammler der Werke von Marvin Lange. Und in dieser Woche erfolgt der nächste Schritt.

Durch die Vermittlung seines Managers Aga Sono erhält er die Gelegenheit, am Sonntag, 11. Mai, drei seiner Werke in den Räumlichkeiten des renommierten Frankfurter Kunstvereins Familie Montez präsentieren zu können. Bei der im Rahmen der Reihe „Klassik Krise“ laufenden Veranstaltung handelt es sich um eine Kooperation mit dem von der Presse („Vom Wunderknaben zum Allrounder“ titelte die Frankfurter Allgemeine ihr Porträt über Malvani und lobte ihn in einem weiteren Artikel als „Tausendsassa“, „Eine junge Nachwuchssensation“ nannte ihn der NDR, und „Ein wunderbarer Musiker!“ hieß es bei HR2Kultur, um nur einige Beispiele zu nennen) hochgelobten iranischen Musiker und Komponisten Puschan Mousavi Malvani.

Wie Malvani zu der Veranstaltung am 11. Mai erklärte, soll es zum einen um die Ehrung des Komponisten Johannes Brahms gehen. Was die Zusammenarbeit mit dem Nordhorner Marvin Lange angeht, sagte Malvani im Gespräch wörtlich: „Dazu kommt noch eine Besonderheit. Der Maler Marvin Lange hörte Aufnahmen meiner letztes Jahr uraufgeführten Komposition „3 Bilder“ für Klavier und entschloss sich, diese zu malen. Marvin wird mit seinem Team anwesend sein und seine Gemälde werden um den Flügel herum ausgestellt. Noch haben wir weder miteinander telefoniert noch geschrieben. Es wird an diesem Abend unsere erste, sicherlich spannende Begegnung sein. Zu Brahms drei Intermezzi kommen Bachs Sonate a-Moll Sonate für Solovioline – groß und zerbrechlich zugleich – und als scharfer Kontrast Paganinis a-Moll Capricen op.1 Nr.7 und 24. Um die Gemälde von Marvin auch zum Ende des Konzerts in den Mittelpunkt zu stellen, habe ich drei Capricen für Violine komponiert, die Bezug nehmen auf die Titel der „3 Bilder“. Sie lauten „Krähe“, „Müllmann“ und „Lichthalde“. Während Marvin diese Stücke hörte, entstanden zeitgleich die drei Gemälde.“

Zur künstlerischen Entwicklung von Marvin Lange

Es klingt wie eine Anekdote oder ein fast religiöses Erweckungserlebnis, was Marvin Lange den Weg zur Kunst geebnet hat. Es begab sich an einem ganz normalen Tag, Marvin war gerade fünf Jahre alt, als er seine Mutter dabei zusah, wie sie eine Rose als Dekoration für den Mittagstisch in eine Vase drapierte. Normalerweise erzählte er zu dieser Zeit angeregt von seinen Erlebnissen im Kindergarten, doch dieses Mal war er ganz still. Davon überrascht wendete sie sich um und bemerkte, wie Marvin die Rose ansah und seinen Kopf aufgeregt hin und her wendete. Als sie ihn schon etwas sorgenvoll fragte, was los sei, gab er keine Antwort, sondern begab sich umgehend zum Schreibtisch seines Vaters, griff sich dort einen Stift und einen Notizzettel und kehrte in die Küche zurück. Dort setzte er sich wieder auf den Stuhl, legte den Notizzettel vor sich auf den Tisch und blickte nochmals und wie gebannt auf die Vase mit der Rose. Dann nach ein paar Sekunden begann Marvin, die Rose zu malen. Als die Mutter auf ihn blickte, merkte sie, wie ihr Sohn allmählich wütend wurde. Unvermittelt zerknüddelte Marvin seinen ersten bemalten Notizzettel, schmiss ihn auf den Boden und viele weitere folgten. Plötzlich hielt er inne, blickte zur Decke, schloß seine Augen und öffnete sie wieder. Ruhe kehrte in ihn ein, er legte den Stift zurück und änderte seinen Blickwinkel auf die Rose, indem er aufstand und sich hin und her bewegte. Als er den richtigen Blickwinkel gefunden hatte, begann er wieder mit dem Malen und schon bei den ersten Strichen war klar, dass es ihm gelungen war, das Motiv so malerisch umzusetzen, wie er es im Kopf hatte. In diesem Moment erkannte die Mutter von Marvin beim Blick auf dessen Zeichnung dessen besonderes Talent. Umgehend standen Zeichenblöcke, Pinsel und weitere Malutensilien auf ihrer Einkaufsliste.

Seit dieser Zeit hat er, in frühen Phasen unter anderem beeinflusst von Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Gerhard Richter und Jean-Michel Basquiat, seinen eigenen Stil entwickelt, der sich aus Elementen abstrakter, expressionistischer und surrealistischer Malerei zusammensetzt.

Aktuell gehört Marvin Lange zu einer neuen Generation von Malern, deren Werke sich kompromisslos zwischen biografischer Tiefe, gesellschaftlicher Beobachtung und gestalterischer Kraft bewegen. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine ungefilterte Ehrlichkeit, die sich in malerischer Dichte, roh aufgebrochenen Oberflächen und fein durchdachten Symbolwelten zeigt. Oder um es in seinen eigenen Worten zu sagen: „Ich denke jeden Tag und über eine lange Zeit über viele Dinge nach, ohne sie sofort konkret in Wort oder Bild umsetzen zu können. Aber irgendwann kommt so etwas wie eine Vision und ich beginne mit den ersten Strichen auf der Leinwand. Ich finde mich dann in unterschiedlichen menschlichen Gesichtern wieder, die meine Gedanken, Emotionen, meinen Schmerz, meine Unsicherheit und meine Angst vor dem Tod zu teilen scheinen, wie Vertraute, die mich mein Leben lang begleiten. Alle Einflüsse, die auf mich niederprasseln, verwandeln sich bei mir in Farben. Und bei jedem neuen Werk stelle ich fest, dass sie mit dem Kampf unterschiedlicher und widerstrebender Emotionen verbunden sind. Ich stehe wie vor einer Brücke, die ich überqueren muss oder will, aber ich spüre Widerstände und Blockaden, und mit meinen Bildern starte ich immer wieder den Versuch, diese Brücke zu überqueren. Und das werde ich weiter tun.“

Zum Kunstverein Familie Montez

Der Kunstverein Familie Montez wurde wurde im Jahr 2007 von den Künstlern Mirek Macke und Anja Czioska in den Räumen des traditionsreichen Städelshofes an der Breiten Gasse gegründet. Auf einer Ausstellungsfläche von 1300 Quadratmetern wurden dort neben Ausstellungen (unter anderem mit dem legendären Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch) Vortragsreihen, Filmprogramme, Performances, Musikveranstaltungen, Sommerakademien und Partys angeboten.

Nach einer Nutzungsuntersagung wegen Sicherheitsmängeln durch die Bauaufsicht der Stadt Frankfurt im Jahre 2010 und einem kurzfristigen Neustart erfolgte nach dem Verkauf des Grundstückes an der Breiten Gasse durch den Besitzer Konrad Pohl an die Firma Quissenz GmbH im Jahre 2012 der provisorische Umzug in die beiden denkmalgeschützten Rundbögen der Honsellbrücke. Dafür entwickelte Mirel Macke mit der Städelschul-Absolventin Valentina Stanojev ein Konzept. Die beiden Bögen sollten miteinander verbunden sein und nach den Plänen des Städelschülers und Architekten Bernd Mey zu je einer Kunsthalle und einem Café ausgebaut werden. Im Jahr des provisorischen Umzugs organisierte Mirel Macke am 29. Juli die in vier Etappen stattfindende Ausstellungsreihe „Ein Sonntag im Freien“ vor den im Rohbau befindlichen Rundbِögen, bei der die eingeladenen Künstler ihre Werke an Bauzäunen aufhängten.

Die offizielle Eröffnung der neuen Räumlichkeiten erfolgte 2014 zeitgleich mit der von Mirek Macke kuratierten „luminale“, die als einen Standort auch die Honsellbrücke einbezog. Bis dahin fand eine Wanderausstellung mit dem Titel „Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen“ in Kooperation mit anderen Galerien und Ausstellungsräumen statt, die in den Städten Weimar, Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe, Berlin, Leipzig und Köln präsentiert wurde. Diese Wanderausstellung mit dem Titel „Montez im Exil“, an der sich mehr als 300 Künstler beteiligten, fand ihren Abschluss am 10. Mai zur Nacht der Museen in den neuen Räumen des Kunstvereins. Sie war „in erster Linie ein Bekenntnis der Künstler zur Solidarität untereinander und zur Kunstszene als fruchtbarer Erde für neue Talente und Ideen“, wie auf der Internetseite des Kunstvereins nachzulesen ist.

Das Museum mit dem „Auge“

Spektakulär wirkt der Erweiterungsbau auf dem Dach des Museums „de Fundatie“ in Zwolle. Der ellipsenförmige Aufbau wird auch „Die Wolke“ genannt. Spektakulär ist auch die Kunst.

Auf eine schon etwas längere Geschichte kann das Gebäude zurückblicken, in dem sich das am Übergang zwischen mittelalterlichem Stadtkern und den Ringstraßen des 19. Jahrhunderts angesiedelte Museum „de Fundatie“ befindet – und auch auf unterschiedliche Nutzungen. Die im neoklassizistischen Stil errichteten Räumlichkeiten – entstanden zwischen 1838 und 1841 – dienten zunächst als Justizpalast und später als Reichsplanungsdienst für den niederländischen Staat. Nach einem zweiten Um- und Ausbau im Jahr 1994 beherbergte es bis zum Jahr 2001 zunächst das Museum für Naive Kunst und Art Brut. Von 2004 bis 2005 wurde das Gebäude dann nach Plänen des Architekten Gunnar Daan zum heutigen Museum „de Fundatie“ umgebaut und zwischen 2012 und 2013 durch einen ellipsenförmige Aufbau auf dem Dach erweitert, der Raum für zwei Ausstellungssäle mit einer Gesamtfläche von 1000 Quadratmetern und eine herrliche Aussicht auf die historische Innenstadt bietet.

Keramische Wolke über neoklassizistischem Bau

Gestaltet sind diese Säle in elliptischer Form, die zusätzlich durch eine große, ebenfalls elliptische Glasfront dem Betrachter sofort ins Auge fallen. An der Außenseite ist der Aufbau mit 55.000 blau-weißen Fliesen verkleidet. Er wird durch seine Form optisch emporgehoben und schwebt wie eine keramische Wolke über dem ursprünglich neoklassizistischen Gebäude. Der Aufbau auf dem Dach wird vom Museum de Fundatie selbst als „das Auge“ oder „die Wolke“ bezeichnet, allerdings sind zahlreiche andere Spitznamen im Umlauf: „das Ei“, „das Ufo“, „der Zeppelin“ oder „das Raumschiff“.

Führender Ort der Bildenden Kunst

Mit seiner umfangreichen Sammlung und zahlreichen Sonderausstellungen gehört das Museum „de Fundatie“ ohne Zweifel zu den führenden Orten der Bildenden Kunst in den Niederlanden.

Der Grundstein für die Sammlung des Museum de Fundatie, zu der unter anderem Werke von Piet Mondrian, Jan Fabre, Auguste Rodin, Karel Appel, Vincent van Gogh, Franz Marc, Francis Bacon und Neo Rauch gehören, wurde von Dirk Hannema (*1895 +1984) gelegt, dem ehemaligen Direktor des Museums „Boijmans Van Beuningen“ in Rotterdam. Im Laufe der Zeit fügte er seine Sammlung mit anderen Sammlungen zusammen, unter anderem mit denen des Ehepaars De Graaff-Bachiene, des Künstlers Paul Citroen, des Schauspielers Henk van Ulsen und des Lungenspezialisten Willem Hogervorst. Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung auch durch notwendige Ankäufe ergänzt. Die Sammlung des Museum de Fundatie umfasst inzwischen Kunst und Design vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart sowie Fotografie. Seit 1993 verwaltet das Museum „de Fundatie“ auch die Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst der Provinz Overijssel. Zusammen umfassen die Sammlungen etwa 15.500 Objekte.

Selbstverständnis des Museums

Bei ihren Aktivitäten verfolgen die Verantwortlichen neben der Präsentation von Kunst auch weitergehende Ziele und Visionen, wie auf der Internetseite nachzulesen ist:Das Museum de Fundatie bringt Menschen mit Kunst, Machern und einander in Kontakt. Mit unserer umfangreichen Kunst- und Designsammlung und unserem Programm blicken wir von der Overijssel aus auf die Welt und treten in den Dialog mit unserem Publikum. Die Grundwerte des Museums sind es, offen, dynamisch, verbindend und neugierig zu sein. Das Museum „de Fundatie“ ist ein Ort der Inspiration, des Dialogs, des Staunens und der Diskussion. Als Heimat für Macher aller Disziplinen sind wir ein Impulsgeber für Kunst und Kultur in der Region und darüber hinaus. Was in der Gesellschaft vor sich geht, geht uns etwas an, und wir spielen dabei eine verbindende Rolle durch die Kunst. Wir bemühen uns um maximale Zugänglichkeit, sowohl analog als auch digital, und zwar in Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften in Zwolle und Overijssel und in Interaktion mit der internationalen Gemeinschaft. Wir fördern die Forschung in unserer Sammlung und bieten eine Plattform für Experimente und neue Ideen. Kunst hat viele Perspektiven; wir beziehen diese in unsere Programmgestaltung und Forschung ein. Wir denken in Themen und Programmlinien und unsere Programmgestaltung findet innerhalb und außerhalb der Mauern unserer Häuser statt. Wir arbeiten an einem zukunftsfähigen Sektor mit den Schwerpunkten Bildung, Kooperationen und Nachhaltigkeit als zentrale Säulen. Wir feiern die Künste und alle, die mit ihnen zu tun haben oder sich für sie interessieren.“

Ableger im Kasteel „het Nijenhuis“

Ein Ableger des Museums „de Fundatie“ ist das Kasteel „het Nijenhuis“ in dem beschaulichen Ort Heino, der ungefähr 15 Kilometer von Zwolle entfernt liegt. Es zählt zu den best erhaltenen Rittergütern der Provinz Overijssel und befindet sich inmitten einer herrlichen Landschaft.

Die Geschichte des Kasteel „het Nijenhuis“ reicht bis ins späte Mittelalter zurück. Im Jahr 1382 wird es zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Über mehrere Jahrhunderte wurde es seitdem von verschiedenen Adelsgeschlechtern, unter anderem den Familien van Ittersum, Bentinck und von Knobelsdorff, bewohnt. Nachdem die Familie van Pallandt das Gut 1934 verkauft hatte, wurde das Schloss dem Verfall preisgegeben.

Schließlich gelang es dem schon erwähnten Dirk Hannema, die Regierung der Provinz Overijssel dazu zu überreden, das Kasteel „het Nijenhuis“ vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Auf seine Initiative hin wurde es restauriert und wurden die beiden Nebengebäude nach Plänen und unter Aufsicht eines Architekten zum Museum umgebaut. Ausgangspunkt für den Umbau war Hannemas Sammlung. Der Gründer des Museums „de Fundatie“ wohnte von 1958 bis zu seinem Tod 1984 im Kasteel „het Nijenhuis“. 2003/2004 wurde das Schloss unter Leitung des Architekten Gunnar Daan grundlegend umgebaut und renoviert. Die vorher nur nach Vereinbarung zu besichtigenden Wohnräume wurden im Laufe der Umbau- und Renovierungsmaßnahmen vollständig neu eingerichtet. Seit September 2004 ist das gesamte Schloss für Besucher zugänglich.

Das Museum de Fundatie führt Hannemas Werk fort und präsentiert einen Teil seiner umfangreichen Sammlung im Schloss. Über 90 Skulpturen aus den Sammlungen des Museums „de Fundatie“, des Museum „Beelden aan Zee (Scheveningen) und der Provinz Overijssel werden zusätzlich zur im Schlossinneren gezeigten Sammlung des Museums in dem 4,5 Hektar großen Außenbereich mit seinem Ziergarten, den Rasenflächen und dem Wald präsentiert. Außerdem finden im Kasteel und im Skulpturengarten regelmäßig Wechselausstellungen statt.

Aktuelle Ausstellungen im Museum „de Fundatie“

Wie schon erwähnt, präsentiert das Museum „de Fundatie“ neben seiner ständigen Sammlung auch Sonderausstellungen.

Noch bis zum 17. August ist die Ausstellung „Dark there, joyful there“ mit Werken des Künstlers Jonathan van Doornum zu sehen.

Jonathan van Doornums Skulpturen, Zeichnungen und Performances vereinen Technik, Kommunikation und Magie. Er fertigt seine Werke häufig aus Aluminium. Ein kaltes Material, dem Van Doornum eine weiche, erzählerische Kraft verleiht, indem er es beispielsweise zu Flammen, Locken oder Bögen formt. Seine Bildsprache ist sowohl von antiken, zeremoniellen Objekten als auch von den modernsten Techniken beeinflusst. Auf diese Weise macht Van Doornum eine poetische Welt sichtbar, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren. Wechselnde Beziehungen ziehen sich wie ein roter Faden durch sie hindurch.

In seinem jüngsten Werk beschäftigt sich Van Doornum vor allem mit dem Verhältnis zwischen Stadt und Land. Der aus Zwolle stammende und in einer ländlichen Gemeinde geborene Künstler weiß, dass die städtischen Gebiete vom Land aus traditionell oft mit einer Mischung aus Unmut und Neid betrachtet werden. Dieser Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie ist jahrhundertealt, obwohl die letzten Wahlen zeigen, dass sich dieses Verhältnis verschiebt. Van Doornum greift in seinen neuesten Werken viele der Formen und Motive auf, die man in ländlichen Gebieten findet. Zu diesem Zweck webt er vertraute ländliche Elemente in seine Skulpturen ein und verleiht ihnen gleichzeitig andere Konnotationen. Mit einem Pflug, dessen Hände wie die von Büroangestellten aussehen, antwortet er auf das Gefühl des Landlebens gegenüber der Stadt und umgekehrt. Hier geht es Van Doornum darum, Orte zu verbinden, die instinktiv meilenweit voneinander entfernt sind. Für Van Doornum ist die Antenne, ein Gerät, das Orte aus der Ferne miteinander verbindet, ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Land: Wie können sich diese beiden Welten einander annähern und was können sie dabei voneinander lernen?

Bis 15. Juni wird die Ausstellung „Der Held, der Schurke und die Wahrheit“ mit Werken von Folkert De Jong gezeigt.

Martin Luther als Terrorist verkleidet, Jesus und Maria in umgekehrten Rollen, Königin Wilhelmina als Zirkusdirektorin. und Snoop Dogg als Totempfahl. Mit verdrehten Versionen historischer Figuren zeigt Folkert De Jong, wie Geschichte entstanden ist, anders hätte verlaufen können und sich immer noch verändert. De Jong spielt mit der Geschichte: Er vertauscht die Rollen, lässt aktuelle Probleme in der Vergangenheit erscheinen und historische Ereignisse anders ablaufen, als wir es gewohnt sind. Der Held, der Schurke und die Wahrheit reist eineinhalb Jahre lang durch die Niederlande (einzigartig für eine Ausstellung visueller Kunst), unter anderem zur „Kunstlinie Almere“, zum „Chassé Breda“, zur „Rotterdam Art Week“ und zum Museum „de Fundatie“ in Zwolle.

In der Ausstellung werden die Skulpturen von De Jong inszeniert: Anregende Audiogeschichten und theatralische Beleuchtung geben den Skulpturen Bedeutung und Interpretation. Autoren und Theatermacher wie Elfie Tromp, Abdelkader Benali, Roziena Salihu und Maxine Palit de Jongh haben die Geschichten geschrieben. Die theatralische Aufführung ermöglicht es dem Publikum, De Jongs Werk tiefer zu verstehen und zu erleben.

Zusammen erzählen die Bilder eine Geschichte über die Geschichte des Landes – den Handelsgeist, die Rolle der Religion, die Stellung der Frau – und darüber, wie diese Geschichte geschrieben wurde und neu geschrieben wird. Die Ausstellung ist ein einzigartiger, kreativer und visueller Geschichtsunterricht, der ebenso heiter wie düster daherkommt. Der Künstler spielt mit der Geschichte: Er verdreht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit erscheinen und historische Ereignisse anders ablaufen, als wir es gewohnt sind.

Folkert De Jong setzt bei diesem Projekt seine Kunst als Waffe ein, um die Geschichte zu hinterfragen. Eine unschuldige Waffe, weil man sie nur anschaut. Aber er möchte zeigen, dass Geschichte nicht nur statisch, sondern auch formbar ist. Mit der Zeit können sich die Rollen ändern. Die Ausstellung zeigt, wie ein anderer Zeitgeist zu einer anderen Geschichte führt. Das macht De Jongs Arbeit und diese Ausstellung aktuell und relevant in einer Zeit, in der gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Geschlechteridentität und Kolonialismus viele Fragen über die Überlieferung von Geschichte aufwerfen.

Und mit der bis zum 17. August laufenden Ausstellung „Fundatie Sammlung: 80 Jahre Freiheit“ gedenkt das Museum an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren.

Sie beleuchtet die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Kunst unter zwei Aspekten: die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Menschen. Inhaltlich im Fokus ist zum einen die Kunstpolitik der Nazis und zum anderen das Leben des jüdischen Künstlers und Sammlers Paul Citroen in seinem Versteck während des Zweiten Weltkriegs.

Zur Kunstpolitik der Nazis: Im nationalsozialistischen Deutschland wurde der Begriff Entartete Kunst verwendet, um Kunst zu diffamieren, die nicht den Vorstellungen des Diktators Adolf Hitler und seiner Anhänger von Kunst entsprach. Dazu gehörte vor allem Kunst, die von einer naturalistischen Darstellung abwich, also die der gesamten Avantgarde der Zeit von Dadaismus und Expressionismus über Kubismus bis hin zur abstrakten Malerei. Im Jahr 1937 begann in München eine große Wanderausstellung mit 650 Werken, die als Beispiele für die Entartete Kunst angesehen wurden. Alle Werke waren austauschbar aufgestellt, und zu jedem Werk wurde der Kaufpreis, das Museum, das das Werk erworben hatte, und das Jahr des Erwerbs angegeben. In den Ausstellungsräumen wurden Slogans an die Wände geschrieben, die sich über die ausgestellte Kunst lustig machten. Dies alles mit dem Ziel, die Abscheu der Öffentlichkeit vor diesen Werken und den hohen Summen, die für sie ausgegeben wurden, zu wecken. Zur gleichen Zeit zeigte die „Große deutsche Kunstausstellung“ in München 1937 Kunst, die den Nazis gefiel.

Nach München wanderte die Ausstellung Entartete Kunst vier Jahre lang durch Deutschland und Österreich. Am Ende sahen etwa drei Millionen Menschen die Ausstellung. Danach wurden die Werke verkauft, ausgetauscht oder vernichtet. Zu den als „entartet“ bezeichneten Künstlern, deren Werke in der Ausstellung von 1937 gezeigt wurden, gehörten Käthe Kollwitz, Max Pechstein und Otto Dix, deren Werke sich in der Sammlung des Museum „de Fundatie“ befinden. Das Museum wird das Publikum mit den Werken dieser Schöpfer bekannt machen, von denen jeder einzelne tatsächlich große und wichtige Veränderungen in der Kunst bewirkte.

Der andere Aspekt der Ausstellung beleuchtet das Leben des Künstlers und Sammlers Paul Citroen, der auch von der nationalsozialistischen Herrschaft betroffen war, als die Niederlande vom Deutschen Reich besetzt waren.

Zu Paul Citroen: Paul Citroen ist einer der wichtigsten Künstler in der Overijssel-Sammlung, die als Dauerleihgabe im Museum de Fundatie aufbewahrt wird. Neben den Werken, die Citroen von anderen Künstlern gesammelt hat, enthält sie auch eine große Anzahl eigener Werke aus seinem Nachlass. Für Paul Citroen, der jüdischer Abstammung war, war der Zweite Weltkrieg ein sehr schwieriger Lebensabschnitt. Im Jahr 1943 tauchte er in Wassenaar unter. Anfang 1944 bezog er ein weiteres Versteck in Laren. Er arbeitete jedoch weiter. Da er viel allein war, entstanden hauptsächlich Selbstporträts. Nach dem D-Day im Juni 1944 zog er zu seiner Frau Lien und seiner Tochter Paulien, die sich im Verlag De Driehoek von Henri Methorst in ’s Graveland versteckt hielten. Die Sammlung der Provinz Overijssel enthält mehrere Werke, Porträts, Selbstporträts und Landschaften, die Paul Citroen während seines Versteckens anfertigte.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Ort der Kultur und Geschichte im Zentrum von Borken

Das Forum Altes Rathaus, kurz „FARB“, bietet Kunst, Kultur, Geschichte und Freizeitvergnügen unter einem Dach.

Noch eine junge Geschichte hat das mitten im historischen Zentrums von Borken gelegene „Forum Altes Rathaus“ (FARB). Nach mehrjährigem Umbau wurde das Gebäudeensemble aus altem Rathaus und der gotischen Heilig Geist-Kirche im Sommer 2020 eröffnet.

Seitdem dient es auf mehreren Ebenen als Ort für Kunst und Kultur, für Geschichte und Tourismus sowie Freizeitvergnügen. Eine ständige Sammlung zur Stadtgeschichte, wechselnde Ausstellungen, vielfältige Kulturveranstaltungen sowie die Tourist-Information Borken im Foyer laden zum Entdecken und Erfahren ein – und das in in einem Gebäude mit besonderem Charakter, das eine bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte hatte und früher als Stadtmuseum diente.

Zur Historie

In Borken begannen vor mehr vor inzwischen mehr als 15 Jahren die ersten Überlegungen, das Stadtmuseum zu reformieren. Hervorgegangen aus den Sammlungs-Aktivitäten des Heimatvereins Borken entwickelte sich das Haus in den 1980-er Jahren zum Museum in städtischer Trägerschaft und wandelte sich in den 2000-er Jahren weiter zum „kulturellen Ort“ mit Konzerten und vielem mehr. Rückgrat des Museums waren von Anfang an das Netzwerk mit den ehrenamtlich Beteiligten und die Partnerschaften mit anderen Akteuren; diese enge Zusammenarbeit ist Teil seiner DNA.

Für die Modernisierung und Neuprofilierung des Stadtmuseums zum „FARB“ galt es daher, sowohl seine Geschichte zu berücksichtigen, seine kooperative Identität zu stärken als auch die unterschiedlichen Zielgruppen und Nutzungsbedürfnisse der zukünftigen Besucher im Blick zu behalten.

Wesentlich für die Umsetzung des Projekts war das Strukturförderprogramm „Regionale 2016 ZukunftsLand“ des Landes Nordrhein-Westfalen, aus dem viele Gelder geflossen sind.

Allen Beteiligten war dabei wichtig, das zum einen das „FARB Forum Altes Rathaus Borken“ die Tradition des Stadtmuseums fortsetzt und das kulturelle und historische Erbe Borkens an zukünftige Generationen weitergibt. Zum anderen hat es sich zu einem beachtlichen Forum und Ausstellungsort gewandelt. So sind im Laufe der Bauphase moderne Technik, zeitgemäße Ausstattung und neues Leben eingezogen. So wurden ein für alle zugänglicher, barrierefreier attraktiver Kulturort und ein neuer Raum für die Begegnung mit Kunst, Geschichte und Touristik geschaffen, die in Form von Ausstellungen, Konzerten und Kulturveranstaltungen sowie Workshops und Projekten die Welt nach Borken holen und Borken mit der Welt verknüpfen. Das „FARB“ regt somit „zum lebendigen Austausch über Stadt und Region an, stiftet Identifikation, ist ein Spiegel für das Leben in Borken und darüber hinaus und nicht zuletzt auch ein Ort des Austausches, der Begegnung und der bewussten Perspektivwechsel“, wie es auf der Internetseite nachzulesen ist.

Stadtgeschichte in neuer Präsentation

Im Gebäude wird auf rund 200 Quadratmetern Stadtgeschichte aus drei Perspektiven erlebbar. Das Stadtmodell zeigt interaktiv und animiert die Stadtentwicklung von den Anfängen bis heute. In der Bibliothek der Erinnerungen berichten Menschen aus Borken ganz persönlich. Der „Speicher“ komplettiert den Dreiklang. Hier sind Objekte präsentiert, deren Geschichten sich im digitalen Museums-Guide erfahren lassen.

Das zweite Modul der Ausstellung ist das neu entstandene interaktive 3D-Stadtmodell. Es bildet Borken im verkleinerten Maßstab ab. Auf einem Ring um das Modell herum zeigen siebzehn kurze, unterhaltsame und informative Animationsfilme ungewöhnliche Episoden aus der Stadtgeschichte.

Dauer- und Sonderausstellungen

In einem weiteren Bereich werden Dauer- und Sonderausstellungen präsentiert.

Beispielhaft dafür stehen Werke der in Borken geborenen Malerin Julia Schily-Koppers (*1855 +1944), die zum Sammlungsbestand des „FARB“ gehören.

Zu Julia Schily-Koppers

Ihr kommt eine Pionierrolle in der Geschichte der Kunst von Frauen zu. Ihr Lebensweg spiegelt den Weg jener mutigen und oft vergessenen Frauen im 19. Jahrhundert wider, die Kunst, Liebe und Leben gleichermaßen für sich in Anspruch nahmen und damit auch für spätere Künstlerinnen den Weg in die erst beginnende Emanzipation ebneten.

Beharrlich erkämpft sie sich als junge Frau den Zugang zu ihrem Beruf, obwohl Frauen ein offizielles Studium an den Kunst- wie auch an anderen Akademien erst ab 1919 möglich war. Bereits in den 1880-er Jahren feiert sie erste Erfolge und zeigt ihre Werke auf zahlreichen Ausstellungen. In Düsseldorf führt sie ein Atelier mit eigenen Schülerinnen. Mit 36 Jahren heiratet sie. Nun stellen mehrere durch den Beruf des Ehemannes bedingte Umzüge und drei Kinder sie vor neue Herausforderungen. Und es bleibt der Wunsch, Beruf und Familie zu vereinen. Sie gibt die Malerei nie völlig auf und widmet sich bis ins hohe Alter vor allem der Porträt- und Genremalerei. Skizzen und Studien auf unterschiedlichsten Materialien zeigen, wie sehr Julia Schily-Koppers an ihrer Kunst festhält und zugleich die Umstände und gesellschaftlichen Konventionen ihr Grenzen auferlegen. Sie erreicht das Lebensalter von 89 Jahren, in denen sie zwei Weltkriege erlebt, und bleibt bis ins hohe Alter malerisch aktiv.

Übrigens: Wem der Name Schily etwas sagt, liegt mit einer eventuellen Vermutung richtig. Zu ihren berühmtesten Enkeln gehört Otto Schily. Er ist vielen noch als RAF-Anwalt und späterer Bundesinnenminister der rot-grünen Koalition unter der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder bekannt.

Auch zu sehen: Sommergäste – Die Künstlerkolonie Ahrenshoop

Vom15. Juni bis zum 14. September ist die Sonderausstellung „Sommergäste – Die Künstlerkolonie Ahrenshoop“ zu sehen. Im Fokus steht der von der einzigartige Landschaft von Fischland und Darß geprägte Künstlerort Ahrenshoop, der auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Viele Künstlerinnen und Künstler haben das Dorf und seine Umgebung seither besucht und den Ort durch ihr Wirken verändert. Als Künstlerkolonie war Ahrenshoop um 1890 eine späte Gründung. Auf die Gründergeneration hatte die europäische Freilichtmalerei großen Einfluss. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert hat insbesondere die klassische Moderne auch nach Ahrenshoop ausgestrahlt. Während der NS-Diktatur suchten Künstlerinnen und Künstler hier zeitweise Zuflucht und fanden Freiräume. Neue Malgäste kamen nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Künstlerort schon bald in die engen kulturpolitischen Vorstellungen der DDR-Regierung eingebunden wurde. Am staatlichen Erholungsbetrieb vorbei fanden unangepasste Künstler in Ahrenshoop hier gelegentlich sogar ein Refugium. Junge Malerinnen und Maler aus Halle, Berlin, Leipzig und Dresden zog es hierher. Sie alle nahmen das Flair des Ortes auf, bereicherten es mit ihrer Anwesenheit und trugen es in die Gegenwart weiter. Auch heute noch ist Ahrenshoop ein lebendiger Künstlerort mit Museen, Galerien, Werkstätten, fest ansässigen Künstlerinnen und Künstlern sowie wechselnden jungen Stipendiaten.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop und zeigt zirka 80 Arbeiten (Malerei und Grafik) aus den Anfängen der Künstlerkolonie bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Fokus stehen neben einigen Bildnissen vor allem Landschaften mit Dünen, Wald und der See.

Zum Thema Künstlerkolonie

Künstlerkolonien sind ein bedeutendes kunst- und kulturgeschichtliches Phänomen des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Sie beginnen um 1830 gleichzeitig in Deutschland und Frankreich und erleben ihre Blütezeit zwischen 1870 und 1910.
Sehnsucht nach Abgeschiedenheit gepaart mit romantischen Vorstellungen von ländlicher Idylle und der Suche nach einem naturnahen Leben in „Freiheit“ locken die Künstler von der Stadt auf das Land. Das Leben war hier billiger und der gemeinsame Aufenthalt förderte den künstlerischen Austausch untereinander. Daher sind in den Künstlerkolonien um 1900 auch viele Künstlerinnen zu finden, denen der Zugang zu den Akademien noch bis 1919 verwehrt war. Wenngleich die Käuferschicht für die in den Kolonien entstandenen Werke in den Städten zu finden war, entstand auch vor Ort nach und nach ein Absatzmarkt.

Grafik auch im Fokus

Auch die Grafik gehört zum Profil der Stadt und des FARB. Unter dem Leitbild „Wir l(i)eben Druckgrafik“ pflegen und fördern Stadt und Kreis Borken die druckgraphische Tradition.

Zu einem lebendigen Austausch lädt schon seit 1988 jedes Jahr am ersten Märzwochenende die Deutsch-Niederländische Grafikbörse ein. Sie widmet sich der künstlerischen Druckgrafik, dem druckgrafischen Original und befördert zugleich den gegenseitigen Kulturaustausch zwischen den Nachbarländern Deutschland und Niederlande – und das Deutsch-Niederländische Grafiknetzwerk hat eine Plattform für den Austausch von Grafik-Enthusiasten geschaffen – grenzüberschreitend und auf Augenhöhe.

Das „FARB“ verfügt sogar über eine eigene Druckwerkstatt als lebendiger Ort, in der das alte Handwerk geschätzt und gelebt wird. Umgeben von historischen Pressen widmet sich das ehrenamtliche FARB-Druckteam der »Schwarzen Kunst« des Druckhandwerks. Hier können Neugierige erfahren, wie Lettern von Hand zu Wörtern zusammengesetzt und die Texte mit Farbe auf Druckmaschinen gedruckt werden. Auch die Kunst der Radierung wird aus nächster Nähe erlebbar. Im Rahmen von Workshops oder anderen Formaten können Interessierte (Angebote auf Anfrage) selbst kreativ werden. Zusätzlich öffnet die FARB-Druckwerkstatt in der Regel jeden dritten Sonntag im Monat ihre Türen. Von 12 bis 16 Uhr kann man den Druckern beim Arbeiten an den Pressen über die Schulter schauen und in lockerer Atmosphäre über das Handwerk ins Gespräch kommen.

Eventlocation im früheren Ratssaal

Ein Saal, der früher zur Kirche gehörte und später als Ratssaal genutzt wurde, ist heute ein Ort, der Kultur und Publikum in besonderer Atmosphäre zusammenbringt. Mit Platz für bis zu 120 Personen besticht er als kleinere Eventlocation in Borken vor allem durch sein intimes Ambiente.

Als Veranstalter bieten wir sowohl Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstlern als auch Kleinkunst-Formaten aller Art eine Bühne. Mit einem Weihnachtskonzert „Swinging Christmas“ wird immer im Dezember zu einem besonderem Jahresabschluss eingeladen.

Zusätzlich beleben vielfältige Kooperationen das Veranstaltungsprogramm des Hauses nachhaltig.
So ist das FARB fester Gastspielort für das Münsterland Festival sowie das internationale Holzbläser Festival „summerwinds münsterland“. Auch die gemeinsame Musikschule für Borken, Heiden, Raesfeld, Reken und Velen bietet regelmäßig Konzerte im Saal an.

Nähere Informationen: Forum Altes Rathaus Borken, Am Markt 15, 46325 Borken, Telefon 02861 939-252, E- Mail info@farb.borken.de. Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag von10 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

Mix aus Archäologie, Heimatgeschichte und Kunst

Was mit einer Sammlung begann, die in einen kleinen Schrank passte, ist heute ein Museum mit über 90.000 Objekten aus Archäologie, Kunst und Geschichte. Es befindet sich in Assen.

Auf eine schon etwas längere Geschichte kann das Drents-Museum in Assen zurückblicken. Es wurde 1885 gegründet und befindet sich im ehemaligen Amtshaus der Provinz Drenthe. Aufgrund der immer größer werdenden Sammlung musste dann zu Beginn der 2000-er Jahre ein Erweiterungsbau errichtet werden.

Dabei hatte es zu Beginn ganz klein als Provinzmuseum für regionale Antiquitäten angefangen – mit einer Sammlung, die in einen einzigen Schrank passte. 150 Jahre später besteht die Sammlung aus 90.000 Objekten, deren Bandbreite sich von Geschichte über Archäologie bis hin zur Kunst erstreckt.

Nonnen legen Grundstein

Es waren Nonnen des Zisterzienserordens, die vor fast 1000 Jahren den Grundstein für das Drents- Museum legten. Im Jahr 1259 erhielten sie nämlich die Erlaubnis des Bischofs von Utrecht, Heinrich von Flandern (1254 – 1259), an der gleichen Stelle, wo sich heute das Museum befindet, ein neues Kloster zu errichten.

Der Bau des neuen Gebäudes für die Drenther Provinzverwaltung, in dem sich heute das Museum befindet, erfolgte 1888 unter der Federführung des Reichsbaumeisters Jacobus van Lokhorst.

Im Rahmen der Baumaßnahmen für den neuen Ausstellungstrakt, die sich von 2009 bis 2011 erstreckten, wurde ein Gebäude als Ganzes angehoben und vorübergehend an eine andere Stelle gebracht. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten kam es wieder auf seinen alten Standort zurück. Dabei wurde das Gebäude auf einen 65 Zentimeter hohen Glassockel gesetzt. Dadurch gelangte Tageslicht in den unterirdischen Ausstellungsraum und außerdem wurde so der Blick ins Innere ermöglicht. Eine Besonderheit: Die frei hängenden Treppen im neuen Anbau sind lediglich oben an der Geschossdecke und unten am Fußboden befestigt. Sie wurden in drei Teilen zum Drents Museum transportiert und an Ort und Stelle zusammengeschweißt.

„ … Erweiterung des Drents Museums unterirdisch realisiert.“

Damit das historische Zentrum von Assen für den Museumsbesucher optimal zur Geltung kommt, wurde die Erweiterung des Gebäudes unterirdisch realisiert. Über dem neuen Trakt wurde ein Garten zum Schlendern und Verweilen angelegt.

Moorleichen, Kunst und manches mehr

Das Drents Museum besticht durch seinen besonderen Mix aus Archäologie, Kunst und Heimatgeschichte. So gibt es eine große Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte der Provinz Drenthe. Gezeigt werden unter anderem archäologische Funde aus der Trichterbecherkultur, Moorleichen wie das legendäre Mädchen von Yde und die Männer von Weerdinge sowie mit dem Einbaum von Pesse eines der ältesten Boote der Welt.

Daneben zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen, oft von internationaler Bedeutung wie „Go China! Assen – Groningen Drenthe“mit dem zentralen Exponat einer Terrakotta-Armee, die über 300.000 Besucher anlockte.

In der kunstgeschichtlichen Abteilung befindet sich zum einen eine der bedeutendsten Sammlungen zur Richtung des nordischen Realismus. Gezeigt werden Werke von Henk Helmantel. Matthijs Röling, Sam Drukker, Douwe Elias, Barend Blankert, Alfred Hafkenscheid, Eddy Roos und Berend Green. Eine weitere Sammlung aus den Jahren 1885 bis 1935 umfasst Werke von Chris Lebeau, Vincent van Gogh, Januar Eisenlöffel, Jan Toorop, Jan Sluijters und Ids Wiersma.

Die Vielfalt der zirka 40.000 Objekte umfassenden kunstgeschichtlichen Sammlung ist enorm, beschränkt sich nicht nur auf die Bildende Kunst, sondern beinhaltet auch Keramik, Textilien, Glas, Gegenstände aus Metall und Möbel. Mit dieser Sammlung widmet sich das Museum der europäischen Kunsthandwerksbewegung, die um 1890 entstand. Sie wollte Schönheit in den Alltag möglichst vieler Menschen bringen. In den Niederlanden wurden diese Ideen vor allem durch die englische „Arts & Crafts-Bewegung“ zum Leben erweckt. Um 1900 kamen aus Frankreich und Belgien die Einflüsse des Jugendstils mit seinen anmutigen Linien; und die holländische Variante dieses Werkes, die „New Art“, besticht durch ein schlankes Design, das die Konstruktion anstelle der Verzierung betont. Die Künstler wollten ihre schönen Designs erschwinglich halten, damit jeder sie kaufen konnte. Ebenfalls sind im Museum Objekte aus der Art Deco-Zeit und aus dem nachfolgenden Funktionalismus zu sehen. Gleichfalls vertreten sind künstlerische Materialien, wie Paletten, Malkästen, Holzklötze, Gipsabgüsse und Skizzenbücher, mit denen der Arbeitsprozess des Künstlers nachverfolgt werden kann.

Darüber hinaus: Seit 2009 zeigt und sammelt das Drents Museum auch Werke von Künstlern der Leipziger Schule, einer Bewegung moderner Maler aus Leipzig. Ihre Schüler bildeten später die Neue Leipziger Schule. Hier finden die Besucher unter anderem Arbeiten von Rosa Loy (1958), Matthias Weischer (1973), Tilo Baumgärtel (1972) und Mirjam Völker (1977). Fast alle diese Künstler studierten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. An dieser Akademie, genau wie an der Groninger Akademie Minerva, wird viel Wert auf das Handwerk gelegt. Auch in der DDR-Zeit, die von 1949 bis 1990 dauerte, war der Realismus eine populäre Kunstform. Etwas, das an der Akademie in Leipzig nicht vorübergeht und die Entstehung dieser Künstlergenerationen prägt.

Das Drents Museum konzentriert sich auch auf figurative Kunst von außerhalb der europäischen Grenzen. Der jüngste Erwerb des Werks der südafrikanischen Künstlerin Deborah Poynton (1970) ist ein gutes Beispiel dafür. Die 4500 Objekte der Sammlung des zeitgenössischen Realismus wurden dabei größtenteils durch Schenkungen zusammengetragen. So erwarb das Museum im Jahr 2010 die ING-Sammlung mit 271 Meisterwerken der niederländischen figurativen Kunst. Auch wegen dieser Schenkung ist das Drents Museum der Ort in den Niederlanden für zeitgenössische realistische Kunst. In jüngster Zeit wurden dem Museum auch eine Reihe bedeutender Sammlungen der Werke von Matthijs Röling und anderen Künstlern geschenkt.

Für Künstler gibt es das „Studio DM“

Direkt neben dem Museum befindet sich die Künstlerresidenz „Studio DM“, in dem Künstler wohnen und arbeiten dürfen. Das Museum will damit nicht nur ein Ort für Kunst sein, die bereits gemacht wurde, sondern auch für Kunst, die erst noch gemacht werden muss. Das Museum lädt Künstler ein, sich während ihres Schaffenszeitraums von der Region Drenthe oder von der Sammlung des Drents Museums inspirieren zu lassen. Bewerbungen können beim Museum eingereicht werden.

Ergänzt wird das Museum durch die Präsentation der Wohnkultur einer großbürgerlichen Familie aus dem Gründungsjahr des Museums und durch eine Puppensammlung.

Aktuelle Ausstellungen

Noch bis August präsentiert das Museum die Ausstellung „Gen F – 75 Jahre figurative Kunst“. Rund 140 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von mehr als 75 Künstlern stehen im Fokus. In der Ausstellung werden verschiedene Generationen von Künstlern vorgestellt. In einem speziellen Atelier im „Singelzaal“ werden einige der Künstler während der Ausstellung auch live arbeiten. Noch nie zuvor wurde im Drents Museum eine so umfangreiche Retrospektive der Sammlung figurativer Kunst gezeigt.

Gleichfalls ist die Ausstellung „Reisende in der Drenthe“ zu sehen. In der Ausstellung können die Besucher Reisende aus der Drenthe aus verschiedenen Epochen kennenlernen – vom Hausierer bis zum Saisonarbeiter, aber auch populäre Reisende wie . Die Geschichte der Reisenden ist in drei chronologischen Teile gegliedert: von der Ankunft der ersten Wanderarbeiter, Kipper und Handwerker über die Zeit, in der viel mit der Karawane gereist wurde, bis hin zur Welt der heutigen Reisenden. Auch den Sinti und Roma wird vor allem vor dem Hintergrund ihres tragischen Schicksals während des Zweiten Weltkrieges viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Mit der Ausstellung will das Museum deutlich machen, dass unsere Vorfahren nicht immer so sesshaft waren, wie oft gedacht. Im Gegenteil zogen viele Menschen auf der Suche nach Arbeit oder Handel durch die Drenthe. Die Ausstellung befasst sich daher mit der wichtigen Rolle, die die Arbeit und der Wanderhandel in Drenthe seit dem späten Mittelalter gespielt haben.

Ein weiterer Höhepunkt ist „Labyrinthia“, die neue und interaktiv ausgerichtete Sammlungspräsentation des Drents Museums. Dazu schreibt das Museum auf seiner Internetseite: „Gehen Sie auf Mammutjagd, sehen Sie mit den Augen von Vincent van Gogh oder paddeln Sie mit dem Kanu durch eine prähistorische Landschaft. In „Labyrinthia“ kommen Archäologie, Kunst und Geschichte zusammen und alle Sinne werden angeregt. Schlendern Sie durch unseren historischen Gebäudekomplex und erleben Sie die Museumssammlung auf spektakuläre Weise. Hier werden die ikonischen Geschichten von Drenthe auf einzigartige Weise zum Leben erweckt. In den fünfzehn Zimmern gibt es für alle Altersgruppen viel zu erleben. In „Labyrinthia“ können Sie mit den Händen schauen, die Farbe der nordischen Figurativen riechen und Scherben aus der Zeit der Dolmenbauer fühlen. Lernen Sie die Techniken der Mammutjäger, posieren Sie mit dem Schmuck der Prinzessin von Zweeloo oder tanzen Sie auf einer Bauernhochzeit im 19. Jahrhundert. In jedem Raum betrittst du eine völlig andere Welt und bist mitten in der Geschichte. „Labyrinthia“ ist keine traditionelle Ausstellung. Es ist ein Abenteuer, bei dem alle Sinne angeregt werden. Wir machen ausgiebigen Gebrauch von Audio und Video. Es wurden Tools eingebaut, um einen Besuch für alle zugänglich zu machen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung.“

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der Regelzeit von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet.