„Ein Garten voller Blumen – Lilla Tabasso & Crispijn de Passe“ in der Draiflessen Collection

Die Macher der Draiflessen Collection in Mettingen haben die Mailänder Künstlerin Lilla Tabasso (*1973) eingeladen, sich dem bedeutenden botanischen Werk „Hortus Floridus“ des niederländischen Kupferstechers Crispijn de Passe d. J. (*1594− +1670) zu nähern und es in ihre persönliche künstlerische Sprache zu übersetzen. So nimmt sie seine detaillierten und fein ausgearbeiteten Pflanzendarstellungen als Ausgangspunkt und verwandelt die schwarz-weißen Kupferstiche in sinnliche, dreidimensionale und überraschend hyperrealistische Glasskulpturen aus Muranoglas.
Die Kabinett-Ausstellung im Studiensaal, die noch bis zum 2. November zu sehen ist, präsentiert damit einen epochenübergreifenden Dialog zweier künstlerischer Positionen, die jede für sich einen außergewöhnlichen Blick auf die floralen Schönheiten bietet und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.

Zur Draiflessen Collection:

2009 gründete die Unternehmerfamilie Brenninkmeijer in ihrer westfälischen Heimat Mettingen die Draiflessen Collection. Auf dem ehemaligen Produktionsgelände entstand neben dem modernen Konferenzzentrum ein nach höchsten internationalen Standards geplantes Museum, die Draiflessen Collection, mit Präsentationsflächen für hochkarätige Wechselausstellungen sowie modernsten Archiv- und Depoträumen.
Den Besucherinnen und Besuchern bieten sich im Museum drei verschiedene Bereiche:
Die Hauptausstellungsfläche „Main Space“ mit wechselnden Präsentationen künstlerischer Arbeiten und internationaler Leihgaben, der Studiensaal mit der „Liberna Collection“ und wechselnden Ausstellungen aus dem herausragenden Bestand an Buchkunst und Grafik mit Schwerpunkt im 15. und 17. Jahrhundert sowie „DAS Forum“ als Plattform für die Familienunternehmensforschung, das Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit mit Archiv und Sammlung präsentiert.
Bitte beachten: Da die Sammlungen nicht dauerhaft in einer ständigen Ausstellung präsentiert werden können, stellen die Macher der Draiflessen Collection ausgewählte Objekte aus Kunst und Unternehmen online genauer vor und geben so einen Einblick, was sich in unseren Depots befindet.
Von Beginn an ist die Draiflessen Collection als ein Ort der Begegnung gedacht. Es geht darum, Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben, ebenso wie andere Perspektiven kennenzulernen und anzuerkennen. Alle Ausstellungen werden durch ein umfangreiches Programm von Vermittlungsangeboten, Workshops und Exkursionen für Menschen unterschiedlichen Alters sowie körperlicher und geistiger Fähigkeiten begleitet.
Die Vorfahren der Gründerfamilie Brenninkmeijer gehörten den sogenannten Tüötten an, westfälische Wanderhändler, die vor allem im 17. und 18. Jahrhundert durch Deutschland und Nordeuropa zogen, um mit Leinen Handel zu treiben. In der Wahl des Standorts für Draiflessen hat die Unternehmerfamilie bewusst an ihre westfälischen Wurzeln und ihren Heimatort Mettingen angeknüpft. Gleichzeitig war damit die Entscheidung verbunden, mit einem Kunstmuseum abseits der Metropolen das Angebot an kulturellen Einrichtungen in der Region zu erweitern.
Der Name „Draiflessen“ [dʁaːˈflɛsn] ist eine Wortkonstruktion, die aus der alten Geheimsprache der Tüötten abgeleitet wurde. In seinen beiden Wortstämmen „drai“ (Bedeutung: drei, Dreifaltigkeit, drehen, Handel treiben) und „flessen“ (Bedeutung: Flachs, Leinen, Heimat) kommen für die Gründerfamilie bedeutsame Themen zum Ausdruck: ihre enge Verbindung mit ihren westfälischen Ursprüngen, ihr christlicher Glaube und ihr Unternehmertum, das seinerzeit im Textilhandel seinen Anfang genommen hat.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

„Stop_Go – Möglichkeiten und Grenzen von Bewegung“

Unter dem Titel „Stop_Go – Möglichkeiten und Grenzen von Bewegung“ zeigt die Städtische Galerie Nordhorn noch bis zum 16. November eine Gruppenausstellung mit Frida Lisa Carstensen Jersø, Nelly Habelt, Pia Maria Martin und Roxana Rios, vier aktuellen Künstlerinnen, die sich auf verschiedene Weisen mit Formen und Grenzen von Bewegung beschäftigen.

Damit setzt die Galerie auch eine Reihe fort, in der sie verschiedene künstlerische Grundbegriffe neu befragt. Beim klassischen Thema der Darstellung von Bewegung hat sich in jüngerer Zeit der Blick der Kunst verstärkt der Betrachtung von Mensch und Gesellschaft zugewandt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Bewegung führt auch in dieser Ausstellung zu Fragen nach dem gesellschaftlichen Umfeld: Wie gehen wir mit kollektiv vermittelten Idealen von Dynamik, Mobilität und Sportlichkeit um? Wie gehen wir mit den Grenzen der Dynamik in Wirtschaft, Umwelt und Technologie um? Wie betrachten wir den Körper zwischen dem Wunsch nach Fitness und den Grenzen durch Alter, Krankheit oder Behinderung? Welche bildnerischen Möglichkeiten entwickeln und nutzen Künstler:innen heute, und welche Kontexte beziehen sie ein?

Pia Maria Martin arbeitet mit den traditionellen analogen Mitteln des animierten Filmbildes um Phänomene der Gegenwart neu zu deuten.

Frida Lisa Carstensen Jersø thematisiert in fotografischen Selbstbildnissen den Verlust der eigenen körperlichen Mobilität.

Nelly Habelts Video von Performances im öffentlichen Raum ist von Parkours und städtischer Architektur inspiriert.

Roxana Rios erkundet in einer Fotoinstallation die Rolle von Posen und Bewegungen bei der Repräsentation von Identität.

Die Arbeiten der vier Künstlerinnen werden von Werken aus dem Bestand der Städtischen Galerie sowie Museumsleihgaben begleitet. Sie stammen von Trisha Brown, Hamish Fulton, Shahryar Nashat, Royden Rabinowitch und Henk Visch.

Nähere Informationen: Städtische Galerie Nordhorn, Vechteaue 2 (Alte Weberei), 48529 Nordhorn, Telefon: +49 (0) 5921 971-100, E-Mail: kontakt@staedtische-galerie.nordhorn.de. Öffnungszeiten Ausstellungen: Dienstag bis Freitag von14 bis 17 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

„Richard Long – Linien über Zeit“ – Ausstellung im DKM-Museum

Im Rahmen eines Ausstellungsprojekts zum 80. Geburtstag des britischen Künstlers Richard Long (* 2. Juni 1945, Bristol, Großbritannien) und in Kooperation mit zahlreichen Institutionen im Rheinland präsentiert das Duisburger Museum DKM noch bis zum 2. November die Ausstellung „Linien über Zeit“.
Richard Long ist einer der führenden Vertreter der Land Art, die sich ab den 1960er-Jahren entwickelte. Seine Werke sind gekennzeichnet durch eine Schlichtheit und eine poetische Kraft, die in der Interaktion mit der Natur entsteht.

Seit der Eröffnung des Museum DKM im Jahr 2009 nimmt das Werk von Richard Long eine zentrale Position innerhalb der Sammlung Krämer-Maas ein. Ein ihm gewidmeter Künstlerraum ist seither integraler Bestandteil der ständigen Sammlungspräsentation. Bereits in den frühen 1980-er Jahren wurden bedeutende Arbeiten des britischen Künstlers erworben – allen voran der monumentale „Cornish Slate Circle“ (1983), der als permanente Bodenarbeit den Künstlerraum prägt. Die aus 84 unregelmäßig geformten Schiefersteinen aus Cornwall gebildete Kreisformation ist mehr als eine Skulptur: Sie ist Sinnbild einer künstlerischen Haltung, die in der Reduktion das Universelle, im Konkreten das Zeitlose erkennt. Der „Cornish Slate Circle“ bildet das Gravitationszentrum einer Sammlung, die sich programmatisch der stillen Intensität, der formalen Klarheit und dem Geist verpflichtet.

Anlässlich des 80. Geburtstags von Richard Long wird der Künstlerraum durch eine präzise kuratierte Präsentation erweitert. Gezeigt werden ausgewählte Fotografien, Mud Paintings, grafische Arbeiten sowie seltene Künstlerbücher, die unterschiedliche Aspekte seines konzeptuell ausgerichteten Werks beleuchten. Ergänzt wird die Ausstellung durch die frühe Bodenarbeit „Red Stone Line“ (1977), eine aus 65 rötlichen Steinen gelegte, zickzackförmige Formation, in der sich Longs zentrale Themenfelder von Bewegung, Spur und Materialität in eindrücklicher Weise verdichten.

Die tief verwurzelte Verbindung zwischen dem Museum DKM und dem Werk von Richard Long spiegelt sich auch in der Ausstellungshistorie des Hauses: In der Einzelausstellung „Rhine Driftwood Line“ (2013/14) rückte die titelgebende Installation in den Mittelpunkt – eine Arbeit, die aus am letzten deutschen Rheinkilometer gesammeltem Treibholz besteht und Longs ortsspezifischen Ansatz auf eindrucksvolle Weise verdeutlicht. Im Rahmen der überregionalen Kooperation „Kunst & Kohle – Die schwarze Seite“ (2018) positionierte das Museum Longs Arbeiten aus Lärchenrinde, Anthrazit- und Holzkohle innerhalb eines kuratorischen Diskurses über industrielle Erinnerung und landschaftliche Veränderung.

„Richard Long – Linien über Zeit“ ist keine Retrospektive im klassischen Sinne, sondern Ausdruck eines über Jahrzehnte gewachsenen Dialogs zwischen Sammlung, Raum und Werk. Sie würdigt Richard Long als einen der prägenden Künstler der Konzeptkunst und Land Art, dessen Werke neue Wege zwischen Naturerfahrung, Erinnerung und musealem Denken eröffnen. Von Laura Tammen, Kunsthistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des DKM Museums.

Nähere Informationen: Museum DKM, Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg-Dellviertel, Telefon: +49 203 9355547–0, E-Mail: mail@museum-dkm.de

Nachtrag zum DKM Museum

Wie auf dieser Seite in einem vorherigen Artikel zum DKM-Museum in Duisburg schon erwähnt, werden in der dortigen Sammlung fünf Bereiche vereint: zeitgenössische Kunst seit den 1960er Jahren, alte und aktuelle Kunst vom Orient bis Fernost, Kunst aus Alt-Ägypten, Gefäße aus 5.000 Jahren Kulturgeschichte sowie klassische und zeitgenössische Fotografie.

Hier soll etwas näher darauf eingegangen werden.

Neue Kunst:

Das Sammeln aktueller Kunst setzt Mitte der 1960-er Jahre ein und dauert bis heute an. Dabei richtet sich das Interesse zunächst auf konkrete, später auch auf konzeptuelle Kunst. Die Zuneigung zu plastischen Werken und Rauminstallationen übertrifft diejenige zu gemalten Bildern. Farben finden sich eher als annähernd monochrome Farbfeldmalerei denn als malerische Farbtonmodulation. In Graphik und Zeichnung dominieren die Linie oder die klare Farbfläche.

Etwa ein Drittel des Werks von Ernst Hermanns, des einzigen Bildhauers der 1948 in Recklinghausen gegründeten Gruppe „junger Westen“, befindet sich in der Sammlung DKM. Sein künstlerischer Weg vom Informel zur konkreten Kunst ist nachvollziehbar zu sehen. Als ein Hauptwerk wird der «Düsseldorfer Raum» (1994) dargeboten.

Zur konkreten Kunst tragen die Schweizer Gottfried Honegger als Maler und Plastiker, Peter Stein als Maler und Zeichner sowie Hugo Suter als Plastiker ebenso bei wie Erich Reusch mit einer Bodenskulptur aus Stahlblöcken und mit Rußkästen, Ulrich Erben mit Farbfeldbildern und Alf Schuler mit einer Skulptur, die von der Schwerkraft mit geformt wird.

Von Norbert Kricke stammen zwei kleine plastische Arbeiten sowie eine Reihe von Zeichnungen, darunter sechs Blätter wie ein letztes Ausatmen, die kurz vor seinem Tod entstanden sind. Eine Stahlplastik von Otto Boll in Form eines zu den Enden spitz auslaufenden Kreissegments schreibt imaginär einen kompletten Kreis in den Raum.

Tadaaki Kuwayama ist mit monochromen Farbfeldern vertreten, Bernd Minnich hingegen mit einer sehr atmosphärischen Arbeit in Weiß, Gelb und Gold in einem gestreckten Querrechteck. Qiu Shi-Huas große, weiße Leinwand lässt gleichwohl eine Landschaft wie aus Nebeln auftauchen. Auf der Grenze zwischen gegenstandsfreier und abbildlicher Darstellung bewegen sich die aus der Linie lebenden Tiefdrucke von Ben Nicholson (1966/67).

Felsspaltende Kräfte manifestieren die Skulpturen von Ulrich Rückriem, der gleichzeitig den Gegensatz von polierten Flächen und natürlichen Oberflächen ausspielt. Von Rückriem stammt auch eine Reihe von Bildern mit dem Titel «Damenthema». Giuseppe Spagnulos Arbeit veranschaulicht Stahl aufbrechende Kräfte.

Spielarten konzeptueller Kunst bieten die Chinesen Ai Weiwei, Yin Xiuzhen und Song Dong, die Japaner Yuji Takeoka, Hayato Goto und Katsuhito Nishikawa, die Koreaner Jai Young Park und Lee Ufan, die Engländer Hamish Fulton und Richard Long, die Deutschen Christiane Möbus, Dorothee von Windheim, Raimund Kummer, Thomas Virnich und Nikolaus Koliusis.

Acht der 1001 Stühle («fairy-tales»), die Ai Weiwei zusammen mit gleich vielen Chinesen zur 12. Documenta 2007 nach Kassel gebracht hat, sind in die Sammlung gelangt, zudem «coloured vases», 39 neolithische Gefäße (2000/3000 BCE.), die durch Eintauchen in Industriefarbe bunt gefärbt sind, so dass sie nichts von ihrer Jahrtausende alten Geschichte berichten können. Yin Xiuzhens Installation «Peking-Oper» versetzt den Betrachter/Zuhörer in chinesische Alltagsszenen. Song Dongs Installation «Schreibe deine Botschaft mit Wasser» lädt dazu ein, Gedanken mit Pinsel und Wasser einer Steinplatte anzuvertrauen. Yuji Takeoka verwandelt Sockel, Podeste, Vitrinen, Schranken als Elemente musealer Präsentationen in eigenständig wirkende Formen, die die Aufmerksamkeit auf die Leere richten, auf das Abwesende, das als Energie aber spürbar wird. Katsuhito Nishikawas «Physalis» bildet nicht die Frucht nach, sondern überträgt deren Form durch gigantische Vergrößerung in autonome Skulptur.

Hayato Gotos Skulpturen in Form von Booten weisen auf übertragene Inhalte wie etwa jenes mit kunstvoll gefügtem Geäst, das den Titel «people» trägt. Hamish Fulton und Richard Long, Protagonisten der Land Art, lassen den Betrachter an Wanderungen teilnehmen, entweder durch einen poetisch beschreibenden Satz oder durch Serien von Zeichnungen oder Photographien, die auch die zeitliche Dimension veranschaulichen, oder durch Material, das unterwegs gesammelt und zu einem Steinkreis geformt wurde. Christiane Möbus‘ Werke lassen Humor durchblitzen: «Knochenarbeit» reiht Markknochenstücke zu einer Kette oder «Einer von Vieren» zeigt einen ausgestopften Flamingo unter einem Tisch mit vier Feldern dicht über dem Boden und mit einer schräg gestellten, gläsernen Platte. Es fragt sich: sind drei Flamingos entschwunden?

Thomas Virnich vermittelt bei seinem Werk «Von der Schule bis zur Kirche» eine Vorstellung von der Situation von seinem Atelier in einer ehemaligen Schule über mehrere Häuser bis zur Kirche, wobei auch das Innere der Häuser vom Dach bis zum Keller einzusehen ist. Seine Skulptur «Großer Pott» besteht aus zwei Teilen, die sich aufeinander beziehen: aus einem alten, leeren Kupferkessel und aus mehreren Stücken gebrannten Tons, die zu einer plastischen Form entsprechend dem Kesselvolumen zusammengesetzt sind.

In der Neuen Kunst bildet die Fotographie einen eigenen Sammlungsbereich, dessen Radius Reisefotographien des 19. Jahrhunderts aus Ägypten und Japan ebenso einschließt wie die zeitgenössische eines Wolfgang Volz oder Jaroslav Poncar, ferner die klassische Fotographie in großer Breite mit Namen wie Albert Renger-Patzsch, Adolf Lazi, Herbert List bis Bernd und Hilla Becher und Candida Höfer. Aktuelle Positionen vertreten der Koreaner Kyungwoo Chung, die Japaner Ruiji Miyamoto und Kazuo Katase, die Deutschen Robert Voit, Claudia Terstappen und Ulrich Tillmann, dessen Arbeit «Meditationen» zum Logo des Museum DKM avanciert ist.

Die Sammlungsbereiche Neue Kunst und Fotographie, die weit umfänglicher als hier beschrieben und im Museum DKM ausgestellt sind, wachsen kontinuierlich weiter.

Alte Kunst:

Der Bereich Alte Kunst ist in der Sammlung DKM in großer Breite vertreten: von der klassischen, griechisch-römischen Antike, über Kunsthandwerk und Kunst des alten Ägypten, Tiergefäße und Bronzen von Amlash im Nordwesten des heutigen Iran, bis zu Statuen, Statuenfragmenten und Reliefs aus Gandhāra (Pakistan/Afghanistan) sowie einigen Werken aus Indien. Der Radius reicht weiter: die Sammlung umfasst auch Buddha-Köpfe und -Büsten aus Ayutthaya, der alten Hauptstadt von Siam (Thailand), Keramik und Skulpturen der Khmer in Kambodscha, vor allem aber zahlreiche Statuetten, Statuen, Statuenfragmente, Ahnenbilder, Gelehrtensteine, Porzellane aus China, wobei der Schwerpunkt auf Werken der Han-, Wei-, Nördlichen Chi- und Tang-Dynastie (206 vor unserer Zeitrechnung – 968 nach unserer Zeitrechnung) liegt. Japanische Kunst beschränkt sich im Wesentlichen auf das 19. Jahrhundert.

Die klassische Antike ist mit wenigen Werken (Fragmenten von Marmorstatuen und Keramik) in der Sammlung repräsentiert. Stärker ist der Fokus auf alte ägyptische Kunst gerichtet. Der größere Teil des Bestandes ist dem Antikenmuseum und Sammlung Ludwig in Basel/CH als Dauerleihgabe überlassen, darunter das Relieffragment (Kopf) eines Beamten (Altes Reich, 2345 – 2181 vor unserer Zeitrechnung), das Fragment (Beine) einer Statuette des Amenophis’ III. (Neues Reich, 18. Dynastie, 1423 – 1365 vor unserer Zeitrechnung) und ein bronzener Apis-Stier (Spätzeit, 5. bis 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung), während im Museum DKM einige Gefäße aus verschiedenen Steinen (bis zu 3000 vor unserer Zeitrechnung), eine Osiris-Statuette und mehrere Ibis-Sarkophage gezeigt werden, sowie, als Rarität, ein kupferner Sarkophag für eine Spitzmaus (400–300 vor unserer Zeitrechnung). Die Tongefäße in Gestalt von Tieren oder Tierköpfen sowie die Tiergestalten in einer Kupferlegierung aus der Zeit von 1250 bis zum 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, aus dem Bereich der Stadt Amlash (Provinz Gilan), haben sicherlich kultische Aspekte als Voraussetzung für ihre Entstehung.

Die Sammlung umfasst mehrere Statuen und Statuenfragmente des Buddha und des Bodhisattwa, dazu eine Reihe von szenischen Reliefs zum Leben des Buddha, eine kleine, in ihre Teile zerlegte Stupa sowie verschiedene fein gearbeitete Gefäße aus Stein. Der hellenistische Einfluss macht sich im ponderierten Stand von Figuren wie auch in einem harten Schnitt von Nase, Brauen, Augenlidern und auch der Lippen bemerkbar.

Aus Indien stammt ein „linga“ aus dem 11. bis 12. Jahrhundert. Es ist ein Pfeiler, der im unteren Teil quaderförmig, im mittleren oktogonal und im oberen rund ist. Während unteres und mittleres Drittel grob behauen sind, ist das obere Drittel fein poliert und mit den Hochreliefs von vier Köpfen geschmückt. Alle vier Köpfe mit einem dritten Auge auf der Stirn zeigen „Śiva“, der gekrönte Kopf in seinem Furcht erregenden Aspekt als „Aghora“.

Das aufgetürmte Haar der anderen drei Köpfe symbolisiert „Śiva“ als „Mahāyogin“ und als „dhurjattin“ (’der eine Last in den Haaren trägt’). Das „Linga“ kann die Form eines Phallus annehmen, um die lebenserzeugende Kraft Śivas zu veranschaulichen. Überdies gehören zwei Fenstergitter (Jali) aus der Zeit um 1700, der Mogul-Periode, zur Sammlung.

Eine Photographie von Gundlach zeigt den Kopf eines jungen Kambodschaners neben dem Kopf einer alten Khmer-Statue. Es ist überraschend zu sehen, dass der Menschenschlag des historischen Khmer-Reichs vom 9. bis 15. Jahrhundert mit dem Zentrum Angkor Wat sich offenkundig bis heute in der Region gehalten hat: beide Gesichter mit breiter Stirn, schweren Wangenknochen und ausladendem Kiefer stimmen im fast quadratischen Gesichtsumriss überein. Neben zahlreichen Gefäßen und Gefäßfragmenten (Elefantenköpfen) besitzt die Sammlung auch einige Steinskulpturen.

Die Sammlung japanischer Kunst umfasst die Statue eines Shinto-Priesters aus dem 12. Jahrhundert, einen Hausaltar mit dem Bodhisattwa Jizô aus dem 18. Jahrhundert und Keramiken, Rollbilder, Paravents, Kalligraphien aus dem 19. Jahrhundert. Unter den Rollbildern, Keramiken und Kalligraphien finden sich viele von der Hand der Otagaki Rengetsu, einer bemerkenswerten Frau (1791 – 1875), die als Dichterin und Malerin hervorgetreten und mit 40 Jahren Nonne geworden, aber weiterhin als Künstlerin tätig geblieben ist.

In der Sammlung Alter Kunst kommt der chinesischen Kunst die größte Bedeutung zu, aufgrund der Vielzahl der Werke, der unterschiedlichen Gattungen und der Qualität der Objekte. Aus der Zeit der Han-Dynastie (206 vor unserer Zeitrechnung – 220 nach unserer Zeitrechnung) stammen ein Zug mit 15 Reitern sowie eine Reihe von 16 Fußsoldaten. Die Han-Dynastie, die China über 400 Jahre und damit am längsten regierte und dem Land wirtschaftlich und kulturell eine Blütezeit bescherte, hat den großen Reichseiniger und ersten Kaiser Qin Shihuang Di (221 – 210 vor unserer Zeitrechnung) beerbt, dessen Qin-Dynastie bald nach ihm 206 vor Christi erlosch. Die Han-Dynastie übernahm ein geeintes Reich mit einheitlichen Gesetzen, verwaltet von geschulten, gelehrten Beamten, erschlossen durch ein verzweigtes Straßennetz mit genormter Wagenspur, ausgestattet mit einheitlichen Maßen und Gewichten. Die für alle geltende weltanschauliche Basis war der Konfuzianismus, eine Staatsethik der Loyalität und Pietät, der Über- und Unterordnung, die der Oberschicht auch im Jenseits die Weiterführung des Ranges im Leben garantierte. Der Ahnen- und Totenkult war somit ein Privileg der Elite.

Nach der Han-Zeit zerbrach das Reich. Gleichzeitig begann der Buddhismus im 3. Jahrhundert, sich auf sanfte Weise in China zu verbreiten. Seine Klöster bildeten geistige, kulturelle und wirtschaftliche Zentren. Der Buddhismus fand großen Zulauf als individuelle Heilslehre, die den Menschen zur Reinheit des „nirvāna“ läutern wollte. Der Buddhismus blieb etwa ein Jahrtausend in China, wurde während der Tang- und Song-Dynastie (618 – 907, 960 – 1279 nach unserer Zeitrechnung) gewaltsam zurückgedrängt und schließlich ausgelöscht. Seine Blütezeit erreichte der Buddhismus zur Zeit der Nördlichen Qi-Dynastie (550 – 577 nach unserer Zeitrechnung) und der Sui-Dynastie (581 – 618 nach unserer Zeitrechnung), die das chinesische Reich wieder einte.

Buddha-Statuen und –Köpfe aus Kalkstein in großer Zahl und von bezaubernder Schönheit umfasst die Sammlung, darunter einen monumentalen Buddha-Kopf aus weißem Marmor (90 cm Höhe) mit Spuren farbiger Fassung.

Aus der Wei-Dynastie (386 – 550 nach unserer Zeitrechnung), die nur einen Teil des Reiches beherrschte, stammt ein Zug mit 53 Figuren aus einer Grabbeigabe – in der konfuzianischen Tradition der Han-Dynastie –, die in der hohen Beamtenschaft und im Militär überdauerte und zur Tang- und Song-Zeit den Buddhismus bekämpfte. Aus der Tang-Dynastie besitzt die Sammlung hervorragende Werke: die Statue eines Tempelwächters mit furchterregender Mimik und Tierskulpturen aus Ton von großer Realitätsnähe.

Seit der Song-Zeit sind Gelehrtensteine überliefert, Objekte des sinnenden Betrachtens und des Wanderns der Augen in einer Miniaturlandschaft, die auf flachen Holzsockeln lagern. Die Exemplare in der Sammlung datieren aus der Qing-Dynastie (18. bis 19. Jahrhundert). Aus dieser Zeit stammen auch mehrere großformatige Rollbilder mit Ahnenportraits hoch- und höchstgestellter Personen in prachtvollen, zeremoniellen Gewändern. Überdies hat die Sammlung auch einige historische Möbel erworben. Eine Vielzahl von Porzellanen seit der Song-Zeit rundet die Vorstellung von chinesischer Kultur in der Sammlung ab. Diese Porzellane zeichnen sich durch eine hohe Formvollendung aus, die das Design bis in die heutige Zeit in den besten Fällen nachdrücklich beeinflusst.

Nähere Informationen: Museum DKM, Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg-Dellviertel, Telefon: +49 203 9355547–0, E-Mail: mail@museum-dkm.de

„Sex now“ im NRW-Forum Düsseldorf

Sex ist eine komplizierte Angelegenheit, was den Umgang mit ihm angeht. Deswegen beginnt dieser Artikel mit folgendem Warnhinweis der Ausstellungsmacher vom NRW-Forum Düsseldorf: „Die Ausstellung „Sex now“ ist nur für Besucherinnen und Besucher ab 18 Jahren zugänglich. Sie zeigt künstlerische Arbeiten mit expliziten sexuellen Inhalten.“

Zur Ausstellung

Sex kann Menschen verbinden, befreien, verletzen und kontrollieren. Mit der Ausstellung „Sex now” lädt das NRW-Forum Düsseldorf dazu ein, Lust, Körper und Begehren in all ihrer Komplexität zu entdecken. Von Latexmode, Möbeldesign, Fotografie und Medienkunst bis hin zu Puppen und Toys: In zehn thematischen Räumen mit rund 400 Objekten inszeniert die Schau einen intimen Dialog über Sexualität und Gesellschaft. Sie erzählt von erotischen Fantasien, queeren Perspektiven und neuen Realitäten – frei von Tabus und Stigmata.

Ein historischer Einstieg zeigt, wie sich Sexualmoral gewandelt hat: von tradierten Geschlechterrollen über die sexuelle Revolution der 68er bis hin zur heutigen #Sexpositivität. Dabei treffen ein Sexualkunde-Atlas von 1969 oder eine lila Latzhose als Symbol politischer Emanzipation auf Arbeiten wie „Fleshie Fountain” der Künstlerin „Peaches”– eine Installation aus Sextoys, die ursprünglich für männliche Selbstbefriedigung gedacht waren und nun patriarchale Machtverhältnisse unterlaufen.

Wie wird Sexualität in Medien und Gesellschaft dargestellt? Was bedeutet sexuelle Selbstbestimmung heute? Welche Rolle spielen Intimität, Körperbilder oder Konsens – und wie wirken sich digitale Technologien auf unser Begehren aus? Interaktive Stationen laden dazu ein, eigene Erfahrungen, Vorstellungen und Mythen spielerisch zu hinterfragen. Das“Sexoscope” wirft humorvoll einen Blick in die Zukunft, ein Körperwissen-Kollektiv zeigt Genitalmodelle zum Auseinandernehmen, in der queeren “#Fluffy Library” verschlingt ein Plüschwesen feministische Geschichten – und macht daraus neues Wissen.

Die Ausstellung öffnet Räume für persönliche, kulturelle und politische Fragen. Was bedeutet guter Sex? Wie sieht lustvolle Gleichberechtigung aus? Und wie können wir unsere Körper, Wünsche und Grenzen selbstbestimmt erkunden? In einem japanisch inspirierten Klangraum begegnen die Besucherinnen und Besucher ASMR-Sounds, die sich zwischen Alltag und Erotik bewegen. In anderen Kapiteln geht es um Macht, Gewalt und Sichtbarkeit – etwa in Arbeiten zu „#MeToo” oder in feministischer Pornografie, die Stereotype hinterfragt und neue Bilder schafft. Unkonventionelle Vorlieben, Fetische, Sinnesreize – auch „#Kinky” wird in der Ausstellung thematisiert. Kleidungsstücke der Plattform „TastySlips” zeigen, wie stark Begehren an Geruch, Material oder Spuren des Alltags gebunden sein kann.

In „#SexualWellness” geht es um Selbstfürsorge, Selbstliebe und Entspannung – etwa durch Sex Toys, die mehr können als stimulieren: Sie erzählen auch von Technologiegeschichte und kulturellem Wandel. Hörspiele von „femtasy” sorgen hier für akustische Nähe. Virtuelle Beziehungen, Liebessimulatoren, KI-Sexpuppen: Wie verändert sich Sexualität im Zeitalter digitaler Technologien? In „#Futuresex” treffen die Besucher auf genderfluide Avatare im Metaverse, aber auch auf alternative Visionen wie „Pteridophilia”, ein Video über zärtliche Begegnungen zwischen Menschen und Farnen.

“Sex now” präsentiert Künstlerinnen, Designerinnen und Aktivistinnen, die mit ihren Arbeiten zur sexuellen Emanzipation beitragen. Sie verhelfen Minderheiten zu mehr Sichtbarkeit und fungieren als Aufklärerinnen in einem Bereich, der trotz sexueller Revolution und Kommerzialisierung noch immer von Ungleichheit und Scham geprägt ist.

Mit dabei sind Werke von Paul McCarthy, Peaches, Zheng Bo, Tom of Finland, Joëlle Dubois, Poulomi Basu, Miyo van Stenis, Antigoni Tsagkaropoulou, Martin de Crignis, Melody Melamed, Andreas Ullrich & Tatjana Bikic und vielen mehr

Begleitend zur Ausstellung starten die Veranstalter einen eigenen „OnlyFans-Account”, auf dem sie unzensierte Einblicke hinter die Kulissen und ausgewählte Werke zeigen. „OnlyFans” ist das einzige soziale Netzwerk, das die Darstellung von Nacktheit erlaubt. Während der „spicy Content” zur Ausstellung auf Instagram zensiert wird, haben die Veranstalter in „OnlyFans” eine neue Plattform für künstlerischen Ausdruck ohne Zensur gefunden.

Nähere Informationen: NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf, Telefon +49 (0) 211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Lehmbruck-Museum würdigt führenden Bildhauer der Klassischen Moderne

Langsam füllt sich auf meiner Internetseite Herr Meistermann die Sammlung von Informationen über die Kunstmuseen in Duisburg. Und da darf das Lehmbruck-Museum nicht fehlen. Schließlich gilt er heute neben Ernst Barlach (*1870 +1938) als wichtigster deutscher Bildhauer der Klassischen Moderne. In nur zwei Jahrzehnten schuf er ein ungewöhnlich ausdrucksstarkes und umfangreiches Lebenswerk.

Bevor hier aber das Museum in den Fokus gerückt wird, sollen der Künstler, dem es gewidmet ist, und sein Werk, das internationale Beachtung gefunden hat, kurz vorgestellt werden.

Biografisches

Heinrich Wilhelm Lehmbruck wird am 4. Januar 1881 in Meiderich geboren. Schon früh zeigt sich seine künstlerische Begabung. Sein Zeichenlehrer, Gerrit van Driepenbrock, erkennt sein Talent und fördert ihn. Er lernt zunächst an der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf von 1895 bis 1899. 1901 beginnt er ein Bildhauerstudium an der Königlichen Akademie in Düsseldorf. Unter der Leitung des Bildhauers Karl Janssen wird sein handwerkliches Können geschult, vor allem in der Gestaltung naturalistischer und klassizistischer Genreplastik.

Mit 23 Jahren besucht Lehmbruck die Internationale Kunstausstellung in Düsseldorf, die mit renommierten Künstlern aus aller Welt die aktuelle Gegenwartskunst erstmals nach Düsseldorf bringt. Dort begegnet er den Arbeiten Auguste Rodins. Er unternimmt mehrere Studienreisen, die ihn unter anderem nach Italien führen.

Im Mai 1906 präsentiert Lehmbruck seine Plastik „Badende“ in der Deutschen Kunstausstellung in Köln, im selben Jahr beendet er sein Studium. 1907 bezieht er sein erstes Atelier in Düsseldorf und tritt dem Verein der Düsseldorfer Künstler bei. Im selben Jahr werden im Pariser Salon vier seiner Werke ausgestellt und Lehmbruck reist zum ersten Mal nach Paris. Auch in den Folgejahren nimmt er regelmäßig an Pariser Ausstellungen teil.

Er pflegt Kontakte in die Kunst- und Sammlerszene und freundet sich mit Sammlern wie Karl Ernst Osthaus und Carl Nolden an, die in den Folgejahren zu seinen wichtigsten Förderern werden. Im Juni 1908 heiratet Lehmbruck Anita Kaufmann.

Nach mehreren erfolgreichen Ausstellungsbeteiligungen beschließt die Familie Lehmbruck, nach Paris zu ziehen, wo Wilhelm Lehmbruck Auguste Rodin in dessen Atelier in Meudon besucht. Lehmbruck präsentiert seine Werke auf dem Salon der Société nationale des beaux-arts, der Berliner Secession, der Kölner Sonderbund-Ausstellung sowie der Armory Show in den USA. In der Pariser Zeit entstehen einige seiner wichtigsten Werke wie die Stehende weibliche Figur (1910), die Kniende (1911), die Große Sinnende (1913) und der Emporsteigende Jüngling (1913/14). Als der Erste Weltkrieg ausbricht, muss die Familie nach Deutschland zurückkehren.

Lehmbruck bezieht im Dezember sein neues Atelier in Berlin. Zum Kampfeinsatz an die Front muss er nicht, arbeitet aber für kurze Zeit in einem Hilfslazarett in Berlin-Friedenau. Es entstehen die Hauptwerke der Gestürzte (1915/16) und der Sitzende Jüngling (1916/17).

Ende 1916 kann Lehmbruck seine Werke in der Kunsthalle Mannheim in einer umfassenden Einzelausstellung präsentieren. Nach dieser Ausstellung beschließt die Familie, nicht mehr nach Berlin zurückzukehren, sondern südwärts in die Schweiz zu ziehen, um dort auf das Ende des Krieges zu warten.

Lehmbruck freundet sich in Zürich mit dem Schriftsteller Fritz von Unruh und dem Dichter Albert Ehrenstein an. Er lernt die junge Schauspielerin Elisabeth Bergner kennen, die ihm Modell steht. Lehmbruck entwickelt starke Gefühle für sie. Als idealisiertes Bildnis entsteht das außergewöhnliche Porträt Betende (1918). Zu dieser Zeit beginnt sich sein Gemütszustand zu verschlechtern.

Wegen eines Auftrages kehrt Lehmbruck 1919, kurz nach Kriegsende, noch einmal nach Berlin zurück. Er beschäftigt sich mit der Anthroposophie Rudolf Steiners und spielt mit dem Gedanken, nach Indien auszuwandern. 1919 unterzeichnet Wilhelm Lehmbruck einen Aufruf Steiners, der die Grundlage für eine gesellschaftliche Neuordnung nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges schaffen sollte. Am 24. Januar 1919 wird Lehmbruck zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste ernannt, die höchste Anerkennung für einen deutschen Künstler. Die Nachricht dieser Würdigung kann ihn jedoch nicht davon abhalten, sich am 25. März 1919 in Berlin das Leben zu nehmen. Er wird nur 38 Jahre alt.

Zum Werk

Zwischen 1898 und 1906 entsteht Wilhelm Lehmbrucks plastisches Frühwerk. Es spiegelt im Wesentlichen den Stilpluralismus der Gründerzeit wider, den ihm sein Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie, Carl Janssen, während seiner Studienjahre vermittelt hat. Vor allem angeregt durch Auguste Rodins und Aristide Maillols Werk findet Lehmbruck bis zur Übersiedlung nach Paris 1910 zu seinem eigenen plastischen Stil: in sich gekehrte, vergeistigte Figuren, die sich nach strengen Proportionsmaßen tektonisch aufbauen und dennoch anmutige Haltungen einnehmen.

Während seiner Pariser Jahre von 1910 bis 1914 steigert Lehmbruck den Ausdruck seiner idealtypischen Figuren durch Längung und Verräumlichung der Körper. Mit seinen von den Zeitgenossen als „gotisch“ bezeichneten Figuren, die in Gips, Steinguss und Terrakotta – seltener auch in den teureren Materialien Bronze und Marmor – gearbeitet sind, gelingt Lehmbruck der internationale Durchbruch zur Moderne.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 kehrt Lehmbruck nach Berlin zurück. In den folgenden Jahren wandelt sich das Tektonische in seinem Werk ins Expressive, Fragmentarische und Reduzierte. In den Berliner und Zürcher Jahren bis 1918/1919 entstehen die existenziellen Antikriegsplastiken des Gestürzten und des Sitzenden Jünglings, sensible und erschütternde Figuren voller Melancholie und Einsamkeit, die eine tiefe Sehnsucht nach Liebe und Menschlichkeit, innerem Frieden und paradiesischer Welt zum Ausdruck bringen.

Parallel zu seinen Plastiken schafft Lehmbruck in seinen Pariser Jahren ein umfangreiches malerisches Werk mit Bildnissen, Akten und Gruppenkompositionen, welche die gleichermaßen harmonischen wie auch konfliktgeladenen Beziehungen zwischen den Geschlechtern thematisieren. Stilistisch münden diese Gemälde in den bewegten, zeichnerischen Expressionismus der letzten Jahre.

In Paris entsteht außerdem Lehmbrucks druckgrafisches, knapp 5000 Blätter umfassendes Werk, hauptsächlich Radierungen, in denen er eine eigene Ikonografie entwickelt, aber auch Themen seiner Plastiken aufgreift. Energisch und unkonventionell geht er mit dem Grabstichel und den Papieren beim Drucken um und verändert wiederholt die Zustände dieser Blätter.

Bindeglied zwischen allen Kunstgattungen – und doch immer wieder auch autonom – sind Lehmbrucks Zeichnungen, in denen sich die linienreiche Suche nach der Idealform mit der Zartheit des Ausdrucks verbindet. Zusammenfassend hat Lehmbruck mit seinem Werk nach 1910 durch die in ihm entwickelte metaphysische Tektonik und abstrahierte Expressivität einen frühen und wesentlichen Beitrag zum modernen Menschenbild in der Kunst des 20. Jahrhunderts geleistet.

Zur Geschichte des Museums

Mit seiner mehr als 100-jährigen Geschichte kann das Lehmbruck Museum auf eine abwechslungsreiche Entwicklung zurückblicken. Es zählt heute zu den traditionsreichsten Häusern Deutschlands und gehört mit seinen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts zu den bedeutendsten Skulpturensammlungen Europas.

Die Gründung eines Kunstvereins legt 1905 den Grundstein für das spätere Museum. Nur zwei Jahre später übernimmt dieser neben seinen kulturhistorischen Aufgaben auch den Aufbau einer Sammlung zeitgenössischer Kunst. Durch die Fabrikantenfamilie Böninger wird 1912 der erste Ankauf einer Arbeit von Wilhelm Lehmbruck realisiert.

1916 gelingt der nächste wichtige Schritt auf dem Weg hin zum Museum. Die Familie Böninger überlässt der Stadt Duisburg das Grundstück an der Düsseldorfer Straße – der Standort des heutigen Gebäudes – und stellt 30.000 Mark für den Aufbau eines Museums und einer Sammlung zeitgenössischer Skulptur zur Verfügung. 1925 entwickelt Gründungsdirektor August Hoff auf Basis der Lehmbruck-Sammlung das Kunstmuseums.

Eines der dunkelsten Kapitel des Hauses folgt 1937: Im Zuge der AktionEntartete Kunst“ der Nationalsozialisten verliert das Städtische Kunstmuseum rund 100 seiner Werke, darunter auch Arbeiten aus Lehmbrucks wichtigster Schaffensphase (1910–1918).Die Kniende“ wird in der WanderausstellungEntartete Kunst“ gezeigt und später von den Nationalsozialisten verkauft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt das Museum wieder zu wachsen und schon bald wird klar: Die Sammlung braucht einen eigenen Bau. 1964, sechs Jahre nach Baubeginn, wird im Kant Park das von dem Sohn des Künstlers, Manfred Lehmbruck, entworfene Wilhelm Lehmbruck Museum eröffnet. Kurz darauf findet eine der bis heute wichtigsten Gründungen für das Museum statt: 1968 wird Der Förderkreis des Wilhelm Lehmbruck Museums e.V. ins Leben gerufen. Bis heute unterstützt der daraus hervorgegangene Freundeskreis das Museum tatkräftig.

Da die Sammlung wächst, wird bald eine Vergrößerung des Gebäudes notwendig. In den 1980er Jahren entwirft Manfred Lehmbruck gemeinsam mit Klaus Hänsch den Erweiterungsbau, der die Ausstellungsfläche nahezu verdoppelt. Im Jahr der Einweihung wird 1987 auch die überregional beachtete Kunstvermittlung ins Leben gerufen.

Im Jahr 2000 erfolgen zwei weitere historische Schritte in der Museumsgeschichte: Einerseits wird die Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum gegründet, andererseits schließen sich der Museumsverein Duisburg und der Förderkreis des Museums zum Freundeskreis Wilhelm Lehmbruck Museum e.V. zusammen.

Nach mehrjährigen Verhandlungen gelingt es 2008, den Nachlass Wilhelm Lehmbrucks dauerhaft für Duisburg zu sichern. 33 Skulpturen, 18 Gemälde, 11 Pastelle, 819 Zeichnungen und 260 Druckgrafiken bereichern die Sammlung, wodurch das Lehmbruck Museum seinen Status als einzigartiges Künstlermuseum festigt.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Postadresse: Düsseldorfer Straße 51, 47049 Duisburg, Telefon: +49 (0) 203 283-3294. Fax: +49 (0) 203 283-3892, E-Mail info@lehmbruckmuseum.de

Wissenswertes über einen Anschlag auf Buddha und vieles mehr im DKM-Museum

Bei meiner Suche nach interessanten Museen im Umkreis von 100 Kilometern – bei Gelegenheit auch mal etwas weiter weg – rund um meinen Heimatort Nordhorn bin ich vor Kurzem auf das DKM-Museum in Duisburg gestoßen. Der Hinweis erfolgte über eines der bekannten sozialen Medien.

Zur Geschichte des Museums

Als Vertreter einer „freien Bürgergesellschaft, in der einzelne Mitbürger beschließen, ihr privates Vermögen für Aufgaben der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen“, mit dem Ziel, Impulse zu setzen, „die für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Gesellschaft wegweisend sind“, begannen für die Duisburger Bauunternehmer und Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas in den 1990-er Jahren Überlegungen, sich in ihrer Heimatstadt im Bereich Kunst zu engagieren.

In diesem Geist gründeten sie am 7. Februar 1998 die Stiftung DKM mit Sitz in Duisburg am Philosophenweg 17A, gelegen am Innenhafen im „Garten der Erinnerungen“.

Bis Ende 2001 lagen die Hauptinteressen der Stiftungsaktivitäten im wissenschaftlichen Aufbau des Bildhauerarchivs Ernst Hermanns sowie in der Realisierung des Ausstellungsprogramms für die SchauFenster-Galerie des Hauses, begleitet von medienübergreifenden Rahmenveranstaltungen, die überwiegend in Kooperation mit städtischen und überregionalen Kulturpartnern entstanden.

Die jahrzehntelange Betreuung des Münchner Künstlers Ernst Hermanns seit 1972 bis zu seinem Tode in 2001, seine Treuhandverwaltung und der Aufbau des Archivs zeigten den Stiftungsgründern, dass erheblicher Bedarf an professionellem Service für Künstler der älteren Generation besteht: Es galt nicht nur, den privaten Dokumentenbestand des Künstlers zu erhalten, der nicht selten Aufschluss über ungeklärte Forschungsfragen zum Werk gibt – oft nämlich verschwinden solch mediale Zeitzeugen im Umfeld nicht sachkundiger Erben. Es galt auch, schon zu Lebzeiten ein gut verfügbares, digitales Medienarchiv und Werkverzeichnis aufzubauen, welche mehr noch den Kunstvermittlern die ausstellungsorganisatorische Arbeit ebenso wie die wissenschaftliche Aufarbeitung erleichtern.

Weitere Schritte folgten: Der langjährige Kontakt der Sammler und Stiftungsgründer zu Ulrich Rückriem mündete vor diesem Hintergrund in der Neugründung der Ulrich Rückriem-Unterstiftungen: Noch vor seiner Rückkehr aus Irland und der Normandie Ende 2002 unterzeichnete Ulrich Rückriem am 24. Oktober 2001 die Stiftung Ulrich Rückriem 5-Räume, im August und November 2002 folgten die Gründungen der Ulrich Rückriem Museumsstiftung und der Ulrich Rückriem Stiftung Sinsteden. Seit dem 22. Januar 2009 existiert das Museum DKM in der Duisburger Innenstadt an der Güntherstraße 13–15. Schließlich wurde auch die Treuhandverwaltung für Ernst Hermanns in die Rechtsform einer Unterstiftung der Stiftung DKM verwandelt: am 8. Dezember 2002 wurde die Stiftung Ernst-Hermanns-Archiv aus der Taufe gehoben.

Im Jahr 2014 wurde anlässlich des 100. Geburtstags Ernst Hermanns eine vielschichtige, von Prof. Dr. Erich Franz kuratierte, Übersichtsausstellung im Museum DKM präsentiert. Zur Ausstellung erschien ein reich bebildeter Katalog. Die halbjährige Ausstellung „Raum, Statik und Bewegung – Der Plastiker Ernst Hermanns“ bildete den Abschluss der Ausstellungsreihe „Allez les boules“.

Über das Museum und die dort beheimateten Sammlungen

Das Museum DKM liegt im Zentrum der Duisburger Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof.
Die Architektur des Museum dient in nobler Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Drei Baukörper erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein.

Die Sammlung DKM vereint fünf weit auseinander liegende Bereiche: einerseits zeitgenössische Kunst seit den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts, andererseits bis über 2000 Jahre alte sowie aktuelle Kunst aus Südostasien, ferner Kunst aus Alt-Ägypten, wovon allerdings nur wenige Stücke gezeigt werden (der größte Teil befindet sich als Dauerleihgabe im Antikenmuseum Basel), zudem Gefäße aus 5000 Jahren Kulturgeschichte bis in die Gegenwart (W. Wagenfeld) und schließlich klassische sowie zeitgenössische Fotografie.

Räumliche Aufteilung

Das Untergeschoß im Altbau beherbergt Statuen, Büsten und Köpfe aus Stein und Marmor, darunter einen einzigartigen monumentalen Buddha-Kopf, ferner einen Begräbniszug mit 53 Figuren, weitere Reiter- und Kriegergruppen, Tiere und Gefäße aus bemalter Terrakotta aus den chinesischen Dynastien Han, Nördliche Wei, Nördliche Qi, Sui, Tang (206 vor unserer Zeitrechnung bis 907 nach unserer Zeitrechnung). Zudem sind chinesische Ahnenbilder, Gelehrtensteine, Möbel und Porzellan vom 10. bis 19. Jahrhundert zu sehen. Eine Klanginstallation mit Fotografien auf Rollbildern versetzt den Besucher in Straßenszenen einer chinesischen Stadt. Ein Raum ist japanischer Kunst des 12. bis 19. Jahrhunderts gewidmet.

Die sechs Räume im Erdgeschoß des Hoftraktes (Altbau) sind für Wechselausstellungen vorgesehen, während die übrigen Bereiche als Dauerausstellung konzipiert sind.

Die acht Räume im Neubau nehmen unter anderem Werke von Raimund Kummer (DE), Kyungwoo Chun (KR), Song Dong (CN), Bernd Minich (DE), Ulrich Rückriem (DE), Blinky Palermo (DE) und Ernst Hermanns (DE) auf, darunter dessen saalgroßen «Düsseldorfer Raum». In einem der Räume werden Torsi und Buddha-Köpfe des 17. und 18. Jahrhunderts aus Thailand (Ayutthaya) präsentiert. Mehrere dieser Räume bieten inszenierte Ausblicke in fernöstlich anmutende Innenhöfe.

In den Obergeschossen 1 und 2 (Altbau) sind Werke von nicht weniger als 42 zeitgenössischen Künstlern ausgestellt. Charakteristikum der Präsentation ist es, dass einerseits Künstlerräume geschaffen wurden und dass der Besucher andererseits einigen Künstlern mehrfach im Haus begegnet.

Im Obergeschoß 3, erreichbar über das hintere Treppenhaus, finden sich Statuen und Reliefs des 1. bis 4. Jahrhunderts aus Gandhāra (heute Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan), einem Schmelztiegel von hellenistischer und buddhistischer Kultur, an der alten Seidenstraße.

Zum Anschlag auf Buddha

Wie im Titel schon angekündigt, soll es in diesem Artikel auch um einen Anschlag auf Buddha gehen, in den Räumlichkeiten des Museums durch ein Relief dargestellt, das der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts zugerechnet wird.

„Das Relief, das ursprünglich nach rechts fortgesetzt war, ist eingerahmt – oben durch einen Fries aus sich überlappenden, lanzettförmigen Blättern, unten durch eine einfache Leiste und an der linken Seite durch ein Paneel mit einem gandhāra-korinthischen Pfeiler. Auf der Rückseite sind ein Loch zur Befestigung, Spuren von Meißelrillen und oben eine quadratische Klammerfuge zur Einführung eines Bolzens zu sehen. Auf der Rückseite sind ein Loch zur Befestigung, Spuren von Meißelrillen und oben eine quadratische Klammerfuge zur Einführung eines Bolzens zu sehen.
Die zentrale Person der Darstellung ist ein stehender Buddha mit einem kleinem Uṣṇīṣa, einem Gewand, das beide Schultern bedeckt. Er berührt mit seiner rechten Hand einen großen, rechteckigen, pfeilerartigen Stein, während er mit der Linken seine Mönchsrobe an einem Zipfel hochhält. Auf der linken Seite des Buddhas steht ein bärtiger Vajrapāṇi in kurzem Gewand, der seinen Vajra mit beiden Händen umfasst. Auf der anderen Seite des Steines stehen von rechts nach links fünf jugendlich aussehende Personen, von denen vier einen zweiten Stein tragen, der hier schräg aufgerichtet dargestellt ist. Die erste Person steht aufrecht, den Kopf zum Buddha hin gewendet, während die zweite halb kniend zum Pfeiler gewendet ist. Beide tragen ein Laṅghoṭī (Lendentuch), ein Kleidungsstück, das in Gandhāra (antike Region um die Stadt Peschawar, die heute das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan bildet. Ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. war Gandhāra eine der 21 Provinzen des Perserreiches der Achämeniden) typisch für Ringkämpfer und Athleten ist.Von den weiteren drei Personen auf der anderen Seite des schräg aufgerichteten Pfeilers sind zwei bis zur Brusthöhe gezeigt, während von der dritten, oben links, nur der Kopf zu sehen ist.
Die im Relief dargestellte Legende erzählt von den ersten zwei Attacken des bösen Cousins Devadatta auf Siddhārtha. Dieser bemühte sich, nachdem er dem buddhistischen Orden beigetreten war, erfolglos, die Führung der Gemeinde zu übernehmen. Devadatta versuchte den Buddha durch eine Anschlagsserie zu verdrängen, aber ohne Erfolg.

Laut Mūlasarvāstivādin Vinaya ließ Devadatta für seinen ersten Attentatsversuch von einem Ingenieur und 500 Männern eine Maschine anfertigen, mit deren Hilfe der Buddha getötet werden sollte. Devadatta erteilte den Auftrag jedoch erst, nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Männer entschlossen waren, den Buddha umzubringen, wenn diese Vorrichtung nicht funktionieren sollte. Die Mechaniker bereuten jedoch ihre Tat vor der Inbetriebnahme der Maschine, stiegen zum Buddha herab und wurden bekehrt. Devadattas zweiter Versuch bestand darin, dass er einen großen Stein auf den Buddha schleuderte. Vajrapāṇi zersplitterte ihn jedoch und ein Yakṣa (ein männlicher Naturgeist, verbunden mit Vegetation und Wohlstand, weiblich Yakṣī) verlor sein Leben, als er versuchte, ein Bruchstück aufzufangen, das den Fuß Siddhārthas verletzte.
Abschließend ist noch die Ähnlichkeit zwischen der verdrehten Körperstellung der Figur rechts vom Pfeiler und einer Figur an der linken Seite des Devadattas-Reliefs im British Museum erwähnenswert.“ Artikel von Anna-Maria Quagliotti, Professorin für indische Kunst.

Nähere Informationen: Museum DKM, Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg-Dellviertel, Telefon +49 203 9355547–0, E-Mail: mail@museum-dkm.de

100 Jahre Bauhaus in Dessau – eine Programmübersicht

Die Stadt Dessau-Roßlau und die Stiftung Bauhaus Dessau begehen gemeinsam das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses in Dessau. In verschiedenen Veranstaltungsformaten wird in diesem Jahr und im kommenden Jahr 2026 sich der Geschichte des Bauhauses in der Stadt selbst sowie der materiellen Kultur der Moderne und deren Relevanz für die Gegenwart gewidmet. In Ausstellungen, künstlerischen Interventionen, Konferenzen und Festakten wird die Bauhaus-Tradition aus neuen Perspektiven beleuchtet. Die Feierlichkeiten erstrecken sich dabei über die einstigen und neuen Wirkungsstätten der Bauhäusler – vom historischen Werkstattflügel bis zum Bauhaus Museum und zahlreichen weiteren Orten in der Stadt – ein vielschichtiger Dialog zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Das Programm im Überblick

Unsichtbares Bauhaus – die digitalen Führungen

Das Projekt „Unsichtbares Bauhaus Dessau“ eröffnet im Rahmen der Triennale der Moderne neue digitale Führungsangebote. Ein Videowalk führt zu sechs Orten in der Dessauer Innenstadt, an denen sich ab 1925 das Bauhaus etablierte und zugleich auf Widerstände stieß. Über QR-Codes können Besucher Videos abrufen und in die Bauhausgeschichte eintauchen. Ergänzend dazu bietet der Audiowalk „Auf den Spuren von Paul Klee“ einen Rundgang durch den Landschaftspark Georgium. Er zeigt, wie Klees Spaziergänge in der Natur seine Kunst prägten, und bindet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über interaktive Sequenzen aktiv ein.

Das Bauhaus kommt nach Dessau

1925 kam das Bauhaus nach Dessau. Jetzt wird auf dieses Jahr zurückgeschaut – Monat für Monat, anhand der alltäglichen wie der ungewöhnlichen Meldungen aus historischen Tageszeitungen und weiteren Quellen. Dabei werden ästhetische wie politische Strömungen der Zeit in den Blick genommen, das Bauhaus erscheint als utopische Gemeinschaft und als Streitfall. Der Zyklus startete am 28. Januar im Bauhaus Museum Dessau und kehrt immer wieder an diesen zentralen Ort zurück, im Wechsel werden andere Schauplätze der Geschichte als Lese-Orte erschlossen. Flankierend zur Reihe „1925 – Das Bauhaus kommt nach Dessau“ zeigt das Museum für Stadtgeschichte eine Ausstellung mit historischen Fotografien.

Unsichtbares Bauhaus – Rundgang im Stadtraum Dessau

1925 zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau. Doch wo lebten, arbeiteten und feierten Lehrer und Studenten in den ersten Monaten? Welchen Einfluss hatte die Stadt Dessau auf das Bauhaus und sein Wirken? Und wo ging Paul Klee spazieren, um sich für seine Malerei zu inspirieren? Der digitale Rundgang „Unsichtbares Bauhaus Dessau“ erkundet heute überwiegend nicht mehr sichtbare Orte, die eng mit der Ankunftszeit der Bauhäusler 1925/26 in Dessau verbunden sind, als Bauhausgebäude und Meisterhäuser noch nicht existierten. Ein separater Spaziergang durch das Georgium folgt den Spuren von Paul Klee. Nutzer können die Videos an den entsprechenden Orten über QRCodes abrufen und auf ihrem Smartphone ansehen. Auf der Website der Stiftung Bauhaus Dessau und analog weist eine Faltkarte den Weg durch die Stadt zu den einzelnen Orten.

Nitro | Silber | Licht“ – Avantgardefilm im Bauhaus Museum

Nach neusten Forschungen haben 29 Bauhäuslerinnen zirka 150 Filme gedreht. Die noch bis zum 12. November zu sehende Filmreihe „Filmende Bauhäuslerinnen“ zeigt eine Auswahl mit dem Fokus „Does Gender Matter?“ und „Materialien der Moderne im Film“. Im Bauhaus Museum steht am 6. November die experimentelle Filmkunst unter dem Titel „Nitro Silber Licht“ im Mittelpunkt. Wichtig werden projiziertes Licht, Material-Körnigkeit, chemische Entwicklung und Einkratzungen in den Filmträger.

Bakelit | Glasur | Farbe“ – Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau

Im Bauhaus Museum Dessau, inmitten der Sammlungsausstellung, werden vom 4. Dezember bis zum 31. Januar 2026 wichtige Schenkungen aus dem Zeitraum 2019 bis 2025 an das Bauhaus Dessau gezeigt, etwa Werke von Christian Dell (Matthias Mynett), Friedrich Engemann (Christine Engemann) oder Gunta Stölzl (Ariel Aloni). In einer Gesprächsreihe mit den Schenkern häufig Kinder beziehungsweise Enkelkinder der Bauhäusler, werden biografische Hintergründe sichtbar und die Beweggründe erläutert, warum diese Werke an die Stiftung Bauhaus Dessau übergeben wurden.

Diskurs | Risse | Narrativ“ – Internationale Konferenz vom 29. bis 31. Januar 2026

Mit Blick auf die Materialien des Bauhauses will eine internationale digitale Konferenz im Bauhausgebäude einen Beitrag zur Neuperspektivierung der Erzählungen der Architekturmoderne leisten. Die Konferenz schlägt Neubetrachtungen des materialen Artefaktes Bauhaus vor, die nicht nur beispielhafte Lektionen für den zukünftigen Umgang mit diesem Gebäude sein können, sondern auch eine Einladung darstellen, im Dialog mit dem modernen baulichen Erbe des Bauhauses Ansätze für das Baugeschehen der Gegenwart zu verhandeln.

Soda | Linsen | Fluff“ – Ausstellung und Veranstaltungen

In diesem und im kommenden Jahr werden Antje Schiffers und Thomas Sprenger zu ausgewählten Abbauorten von Rohstoffen sowie Produktions- und Verkaufsstätten von Zement, Ziegel, Glas usw. in Sachsen-Anhalt sowie nach Kuba und in die Türkei reisen. Dabei besuchen sie ein weites Spektrum von Orten, Vereinen und Betrieben. Das Ende der Reisen bilden eine Ausstellung, die vom 12. Februar bis zum 12. Juli 2026 im Bauhaus Museum zu sehen ist, und verschiedene Präsentationen sowie Veranstaltungen an den jeweiligen Orten.

Die historischen Produktionsstätten sind dabei Anlass zur heutigen Betrachtung dessen, was übrig ist, was Menschen mit den Überresten machen, in welchen Formen sie sich erinnern, wie heute produziert wird, was an die Stelle des Vergangenen getreten ist. Die Arbeit von Schiffers/Sprenger handelt daher auch ganz wesentlich von strukturellen Transformationen und deren Effekten auf die Menschen vor Ort.

Glas | Beton | Metall“ – Ausstellung im Bauhausgebäude

In nur einem Jahr Planungs- und Bauphase konnte das Bauhausgebäude 1926 errichtet werden. Was heute als UNESCO-Welterbe jährlich hunderttausende Besucherinnen und Besucher nach Dessau lockt, war ein Experimentalbau, der die Zukunft einer von Industrie und Mechanisierung geprägten Gesellschaft vorwegnahm. Die Stoffe und Materialien, aus denen das Bauhaus gemacht ist und mit denen sich die Werkstattarbeit der Schule gestalterisch auseinandersetzte, sind sichtbarer Ausdruck dieses Bekenntnisses. Die aufstrebende Industrie in Mitteldeutschland bot dafür ideale Voraussetzungen.

Die engen Verflechtungen der Bauhausarbeit mit der Industriegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts sind Gegenstand der dreiteiligen Ausstellung „Glas | Beton | Metall“, die vom 28. März 2026 bis zum 10. Januar 2027 im historischen Werkstattflügel zu sehen ist. Hier werden die in der Bauhausgeschichte und Rezeption bisher weniger beachteten materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des ikonischen Baus und seiner Werkstattproduktion erkundet. Die Ausstellung fragt nach den Formatierungen dieser modernen Alltagsästhetik, nach den Herstellungsprozessen, Produktionsorten, Arbeitsbedingungen und der Rohstoffgewinnung, die sich hinter den glatten, sauberen Oberflächen von Stahlrohren oder Glasfassaden verbergen. Sie verfolgt Handelswege, Lieferketten und Ressourcenströme, die in zutiefst ungleiche koloniale und imperiale Wirtschaftsbeziehungen und Geopolitiken eingebunden sind und thematisiert die Irritationen, Verwerfungen, aber auch Aufbrüche, die mit den Materialinnovationen zu Beginn der 1920er Jahre verbunden waren. Zudem zeigt sie die schmutzigen Unterseiten dieser materiellen Höhenflüge. Sie geht ihnen buchstäblich an die Substanz.

Algen | Schutt | CO2“ – Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck

Die Ausstellung „Algen | Schutt | CO2“, die vom 28. März bis zum 27. September 2026 im ehemaligen Kaufhaus Zeeck zu sehen ist, fragt nach den Möglichkeiten von Gestaltung heute und plädiert für eine Zusammenschau von Rohstoffen und Materialien, von Disziplinen, von Praxen und Wissen, von Abbau, Anwendung und Verbrauch, von Nutzen und Nutzern als Akteuren. Gezeigt werden Alternativen im Beton-, Stahl- und Glassektor genauso wie nachwachsende Rohstoffe, Materialien aus anthropogenen Quellen, Konzepte und Praxen des Erhalts und der Pflege.

Die Ausstellung ist Teil des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Programms Zero. Sie soll eine klimaneutrale Ausstellung sein, die jedoch nicht nur von den Alternativen des Bauens heute spricht, sondern dies auch am Beispiel der Ausstellung selbst umsetzt und anschaulich macht. Darüber hinaus werden Projekte auf ihre Übertragbarkeit auf die Stadt Dessau-Roßlau untersucht. Das Gebäude – das ehemalige Kaufhaus Zeeck – stand zwei Jahrzehnte leer. 1908 inmitten der Stadt eröffnet, in den 1920-er Jahren erweitert, wurde es 1945 ein HO-Warenhaus und später zum Magnet-Kaufhaus. Zurzeit wird über eine künftige Neunutzung nachgedacht. Die Eigentümer stehen dazu mit der Stiftung Bauhaus Dessau in engem Austausch.

Ziegel | Shed | Strom“ – Ausstellung im Historischen Arbeitsamt

Ohne Backstein ist die zukunftsweisende Bauhausarchitektur nicht denkbar. Einer der prominentesten Bauhausbauten mit unverputztem Sichtziegel ist das historische Arbeitsamt in Dessau nach einem Entwurf von Walter Gropius. Ebenso wie bei diesen Materialien stellt sich auch beim Backstein die Frage nach seinem künftigen Einsatz. Der Backstein ist, in der uns geläufigen Form, ein energie- und ressourcenaufwändig gefertigtes und die Umwelt nachhaltig veränderndes Massenprodukt des Industriezeitalters.
Rundgänge, Workshops und künstlerisch-kulturelle Interventionen begeben sich im Gebäude, das bis 2027 leer steht, im Rahmen der Ausstellung „Ziegel | Shed | Strom“ auf eine forensische Spurensuche. Die Kopenhagener Künstlergruppe „Superflex“ sucht etwa nach Antworten auf die drastischen Eingriffe, die der Mensch mit dem Industriezeitalter und seinen Infrastrukturen im Ökosystem hinterlassen hat und fortwährend produziert.

Blech | Membran | Bullauge“ – Ausstellung im Stahlhaus

Parallel zum Stahlhaus von Georg Muche und Richard Paulick werden in der Ausstellung „Blech | Membran | Bullauge“, die vom 28. März 2026 bis 28. Februar 2027 zu sehen ist, Hugo Junkers‘ Überlegungen zum Bauen mit Stahlblech vorgestellt. Im Fokus stehen seine zeitgleichen Aktivitäten zur Entwicklung eines standardisierten und modular angelegten Metallhaus-Bausystems. Diese Grundlagenforschung mündete in zahlreiche Entwürfe für Metallhaustypen und Patente wie zum Beispiel für eine Panelbauweise. Umgesetzt wurden allerdings nur wenige Prototypen. Bei ihrer Entwicklung ging es neben Fragen zur seriellen Produktion von Bauelementen vor allem um den Ansatz, die allgemeinen und strukturellen Bedingungen für den Hausbau (Wetterschutz, Wärmeisolierung, Schallsicherheit, Abdichtung, Auswechselbarkeit) integral zu denken. Das Haus wurde als technische Apparatur, als „Wohnmaschine“ verstanden. Einen wichtigen theoretischen Impuls setzte dabei die 1926 veröffentlichte Schrift „Der Raum als Membran“ von Siegfried Ebeling, einem Mitarbeiter der Junkers´schen Hausbauforschung. Hier formuliert er eine Zukunftsvision, in der das Haus wie ein Organismus, unter anderem „als seine eigene Energiequelle“ aufgefasst und angelegt wird. Dies denkt eine autarke Architektur vor.

Lamellen | Pfette | Knoten“ – Ausstellung in der Lamellenhalle

Die bis heute als Hangar für Segelflugzeuge genutzte Stahl-Lamellenhalle wurde 1929 errichtet. Sie ist eine von drei noch in Dessau erhaltenen historischen Hallen nach dem System, das Hugo Junkers 1924 und 1925 patentieren ließ. Ihr gebogenes Stahldach besteht aus einem Baukastensystem, das sich wegen seines hohen Vorfertigungsgrades, seiner Transportfähigkeit, einfachen Montage und Robustheit weltweit vermarkten ließ. Bis zu 40 Meter weit spannende Hallen und Hangars wurden nach dem Junkers-System gebaut.
Die Open Air-Ausstellung „Lamellen | Pfette | Knoten“, die vom 28. März 2026 bis zum 28. Februar 2027 zu sehen ist, beleuchtet die Geschichte des Gebäudes und die Arbeit des Fliegerclubs seit seiner Gründung. Darüber hinaus wird der weltweite Verkaufserfolg der Junkers-Lamellenhalle am Beispiel eines Großauftrags der Firma Junkers präsentiert: 1926 wurde eine komplette Flugzeugfabrik, bestehend aus 13 Lamellenhallen mitsamt Maschinen, Ausstattung und Know-How, von Dessau nach Kayseri in die Zentraltürkei exportiert. Der abenteuerliche Transport der Bauteile per Schiff, Eisenbahn, Wagen und Kamel ins anatolische Hochland wurde fotografisch und in Texten dokumentiert.

Salto | Takt | Form“ – Bauhausfest

Das Bauhausfest am 6. September 2026 stellt die Verbindungen der Bauhäusler zu Zirkus, Tanz, Performance und Bildender Kunst in den Mittelpunkt. Ein großer Umzug durch die Stadt ist in Planung. Zentrale Orte sind das Bauhausgebäude, das Bauhaus Museum Dessau und der Stadtraum.

Gong | Schlag | Pfiff“ – Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau

Zum Bauhausfest 2026 eröffnet die Ausstellung „Gong | Schlag | Pfiff“, die vom 4. September 2026 bis 29. März 2027 im Bauhaus Museum Dessau zu sehen ist, mit einer Rauminszenierung und neuen filmischen Arbeiten des Künstlerinnenduos „Astrup & Bordorff“. Für die Raumbühne des Bauhaus Museums Dessau entwickeln sie eine Arbeit, die die damals revolutionäre Verschränkung verschiedener künstlerischer Disziplinen am historischen Bauhaus feiert und aktualisiert. Sie fordern in ihrer Arbeit sich selbst und das Publikum heraus, neu nachzudenken: über Biografien von Bauhäuslern, über Arbeits-, Rollen und Geschlechtervorstellungen, über die wunderbar mutig-freien Aufführungen der historischen Bauhausbühne und das soziale Darstellen, Miteinandersein und Feiern an diesem besonderen Ort.

Projektionen | Versprechen | Echo“ – Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau

Die Eröffnung des Bauhausgebäudes in Dessau am 4.12.1926 war ein akribisch geplantes mediales Großereignis. Die Verpflichtung gegenüber einer demokratischen Öffentlichkeit, die von Transparenz und Offenheit getragen war – diesen Geist teilte auch die Avantgardeschule. Neue Medien und Informationskanäle spielten eine entscheidende Rolle. Die Eröffnung mit über 1.500 Gästen, einer Festwoche, Ausstellungen, Filmvorführungen und Publikationen war ein Ereignis, das ähnlich der populären Ausstellungskultur der 1920er Jahre didaktisch und unterhaltsam die sozial-, wohn- und bildungspolitischen Errungenschaften in die breite Bevölkerung vermitteln wollte. Das öffentliche Echo war gewaltig.
1976 wurde das Bauhaus wieder sichtbar und das Bauhauserbe erhielt im Kontext der veränderten Wirtschafts-und Sozialpolitik in der DDR neue Relevanz. Thematisiert werden diese Aspekte in der Ausstellung „Projektionen | Versprechen | Echo“, die vom 4. Dezember 2026 bis zum 29. März 2027 im Bauhaus-Museum zu sehen ist.

Nähere Informationen: Stiftung Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau, E-Mail: service@bauhaus-dessau.de, Telefon: + 49 340 6508 – 250, Fax: + 40 340 6508 – 226.

„Welcome to the dreamhouse“ – ein postmodernes Interieur von Marloes und Wikke

„Wandeln Sie durch ein lebensgroßes Traumhaus“ – dazu fordert das Groninger Museum noch bis zum 16. November auf. Alle Räume dieser Installation – vom Wohnzimmer und Schlafzimmer bis hin zum Garten – sind in dieser Ausstellung voller postmodernem Design aus der eigenen Sammlung des Museums.

Eine nahezu filmische Welt erwacht zum Leben, in der Details, Kontraste, Farben und Humor im Mittelpunkt stehen. Von herumliegendem Spielzeug bis zu benutzten Aschenbechern – die Räume atmen das tägliche Leben und spielen mit der Nicht-Perfektion, die echte Interieurs charakterisiert.

Das Groninger Museum verfügt über die größte museale Sammlung postmodernen Designs im Land, aufgebaut seit den 1980-er Jahren unter der Leitung des ehemaligen Direktors Frans Haks.

In „Welcome to the Dreamhouse!“ sind Werke einflussreicher Designer wie Alessandro Mendini, Ettore Sottsass und anderen Mitgliedern der Memphis-Gruppe zu sehen, darunter Michele de Lucchi, Masanori Umeda, George Sowden und Nathalie du Pasquier. Auch gibt es Aufmerksamkeit für Philippe Starck, Designer eines der Pavillons des Museums, und für Designer wie Studio Job, Maarten Baas und Jaime Hayon, die jeweils auf ihre eigene Weise der Postmoderne eine neue Bedeutung geben.

Die Ausstellung wurde von Marloes en Wikke gestaltet, renommierten Szenografen für Theater und Oper, die mit ihrem unkonventionellen Stil für eine spielerische und theatralische Präsentation sorgen.

Das Groninger Museum ist dankbar für die wertvollen Beiträge von Fonds 21, dem Cultuurfonds, der Stichting Gilles Hondius Foundation, der Stichting Defacto Cultuur Fonds, dem De Gijselaar-Hintzenfonds und dem Hendrik Muller Fonds. Diese Partner ermöglichen die Realisierung von „Welcome to the Dreamhouse!“ und der dazugehörigen Publikation.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Ausstellung „Kunstpreis junger westen 2025 – Malerei“ in der Kunsthalle Recklinghausen

Der Kunstpreis „junger westen“, benannt nach der gleichnamigen Künstlergruppe, ist die älteste kommunale Auszeichnung für wegweisende Kunst nach 1945 in Deutschland. 1948 von der Stadt Recklinghausen gestiftet, ist er seit 1956 öffentlich ausgeschrieben und wird alle zwei Jahre in wechselnden Kategorien vergeben, 2025 für Malerei.

Die Jury wählte aus 690 Bewerbungen 22 Künstlerinnen und Künstler für die Ausstellung aus: Annabelle Agbo Godeau, Johanna Ehmke, Nicholas Grafia, Rahel grote Lambers, Monilola Olayemi Ilupeju, Lucas Kaiser, Tobias Kerger, Jody Korbach, Gašper Kunšič, Sojeong Lee, Janis Löhrer, Line Lyhne, Sol Namgung, Minh Phuong Nguyen, Matthias Noggler, Aduni Ogunsan, Jan-Luka Schmitz, Tariano Schneider, Rui Suzuki, Kiriakos Tompolidis, Salwa Wittwer und Seoyoung Yun. Zugleich ernannte sie Jeehye Song zur Trägerin des mit 20.000 Euro dotierten Kunstpreises. Alle Werke in der Ausstellung stehen exemplarisch für das, was Malerei heute ausmacht. Wie bereits in den letzten zwei Ausgaben erhält die Preisträgerin eine gesamte Etage der Kunsthalle. Diesjährig ist Jeehye Song im Mittelgeschoss raumgreifend zu sehen, die Gruppenausstellung der Nominierten in den anderen beiden Etagen. Im Jahr des 75. Jubiläums der Kunsthalle Recklinghausen wird zugleich die 40. Auflage des Preises gefeiert.

„Die Jury hat einstimmig beschlossen die Auszeichnung an die Künstlerin Jeehye Song zu vergeben“, so Museumsdirektor Dr. Nico Anklam. „Ihre Malerei überzeugt nicht nur durch eine außergewöhnliche Bildfindung und formale Präzision, sondern auch durch eine inhaltliche Tiefe, die weit über eine rein visuelle Erfahrung hinausreicht. Songs Werk bewegt sich auf eindrucksvolle Weise zwischen malerischer Tradition, zeitgenössischer Bildsprache und konzeptueller Reflexion – und sie nutzt genau dieses Spannungsfeld, um zentrale Fragen zur Rolle der Künstlerin und zur Funktion des Mediums Malerei in der Gegenwart aufzuwerfen. Dabei bleibt sie, im besten Sinn, tief in den Traditionen der Gattung Malerei verwurzelt.“

In der Jurybegründung heißt es weiter: „In ihren Arbeiten kombiniert Jeehye Song Elemente des Surrealismus mit einem feinen Gespür für Komposition, Farbe und Atmosphäre. Ihre Bildwelten zeigen Realitäten und Imaginationen, figurative Elemente sind gleichsam oft im Prozess der Auflösung. Das Surreale fungiert in ihren Bildern als Denkraum – als ein Ort, an dem das Sichtbare und das Unsichtbare, das Persönliche und das Kollektive, das Konkrete und das Abstrakte miteinander in Dialog treten.

Besonders hervorzuheben ist, wie Song dabei das Medium der Malerei selbst reflektiert und in Frage stellt. Ihre Werke verweisen oft auf ihre eigene Entstehung, auf malerische Entscheidungen, auf Zweifel und Revisionen. In vielen Arbeiten scheint sich das Bild gleichsam vor unseren Augen zu formen oder aufzulösen: ein Prozess, der nicht nur technische Virtuosität belegt, sondern auch die künstlerische Positionierung selbst zum Thema macht. Wer malt hier eigentlich? Was bedeutet es heute, ein Bild zu schaffen? Welche Rolle spielt die Künstlerin im Spannungsfeld von Autorschaft, Narration und Repräsentation?

Jeehye Song beantwortet diese Fragen zwar mit konkreten Bildern, aber zugleich mit einer offenen, assoziativen Bildsprache, die den Betrachtenden Raum lässt. Ihre Malerei ist weder selbstgenügsam noch affirmativ, sondern sucht nach einer Haltung. Die Jury würdigt mit der Verleihung des Kunstpreises junger westen eine Künstlerin, die die Möglichkeiten der Malerei mit großer Klarheit, Experimentierfreude und intellektueller Tiefe auslotet. Jeehye Songs Werk ist ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Kunstszene und ein vielversprechender Ausblick auf das, was Malerei heute und in Zukunft sein kann.“

Jeehye Song schloss 2021 ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschülerin von Prof. Andreas Schulze ab. Sie erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen und Förderungen im In- Ausland. Ebenso konnte sie Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland realisieren, darunter u.a. Deutschland, Dänemark, Finnland, Italien, Südkorea und den USA. Bereits 2019 war sie in der Ausstellung zum Kunstpreis „junger westen“ für Malerei vertreten und 2024 auf der Shortlist für den Paula Modersohn-Becker Kunstpreis.
Der Kunstpreis „junger westen“ ist der erste Förderpreis für Bildende Kunst, den eine deutsche Kommune nach 1945 auslobte. Initiiert 1948, erinnert er an die ein Jahr zuvor in Recklinghausen gegründete Künstlergruppe „junger westen“ um die Maler Gustav Deppe, Thomas Grochowiak, Emil Schumacher, Heinrich Siepmann, Hans Werdehausen und den Bildhauer Ernst Hermanns. Er wird als Förderpreis der Stadt Recklinghausen mit Unterstützung der Kulturstiftung der Stadtsparkasse Recklinghausen vergeben. Durch zusätzliche Förderung des Rotary Club Recklinghausen und der Ulrike und Bernd Tönjes Stiftung, konnte das Preisgeld seit 2023 von 10.000 auf 20.000 Euro erhöht werden. Diese Aufstockung bleibt für die nächsten Wettbewerbe bis 2031 bestehen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 16. November zu sehen. Öffentliche Führungen finden sonntags um 12 Uhr statt. Zum Ende der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Nähere Informationen: Kunsthalle Recklinghausen, Große-Perdekamp-Straße 25-27, 45657 Recklinghausen, Telefon +49(0) 2361-50-1935, E-Mail: info@kunst-re.de