Der Maler Ulrich Klimmt – Rückkehr nach Engter

Eine weitere Entdeckung auf der Suche nach Orten der Kultur in der Region ist das „Café im Speicher“ in Bramsche-Engter.

Noch bis zum 2. November ist dort die Ausstellung „Der Maler Ulrich Klimmt – Rückkehr nach Engter“ zu sehen. Initiator ist der jüngere Bruder Reinhard Klimmt, der den meisten eher als Politiker bekannt ist. Er war vom 9. November 1998 bis zum 29. September 1999 Ministerpräsident des Saarlandes und vom 29. September 1999 bis zum 20. November 2000 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Darüber hinaus betätigt er sich als Buchautor, Kolumnist und Kunstsammler.

Zum Maler Ulrich Klimmt

1932 wurde Ulrich Klimmt in Berlin als Sohn von Elisabeth und Felix Klimmt geboren, beide Volksschullehrer. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Weg der Familie über Rügen ins Emsland nach Klein-Berßen und dann nach Bramsche-Engter.

Nach dem Abitur an der Oberschule für Jungen (Jetzt Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium) in Osnabrück besuchte er von 1952 bis 1954 die Werkkunstschule Hannover bei Prof. Erich Rhein und von 1954 bis 1958 die Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Prof. Heinrich Graf Luckner. Von 1960 bis 1994 war er als Kunsterzieher am Gymnasium Ernestinum in Celle tätig.

Erste Ausstellungen seiner Werke erfolgten in der Galerie Dr. Jochem in Celle. Im Rahmen seines künstlerischen Schaffens verarbeitete er seine ganz persönliche Sicht und Deutung seines Lebens und seiner Welt. Deswegen ist die Familie ein durchgehendes Motiv, sein langjähriger Wohnort Celle und die dortige Region, vor allem aber die gemeinsamen Urlaube im Norden und später vor allem in Portugal. 2022 ist Ulrich Klimmt gestorben.

In einem größeren Rahmen wurde das Werk von Ulrich Klimmt im Museum „Sammlung Zimmer“ an der Hollandstraße 10 im saarländischen Merzig-Hilbringen gewürdigt. Schwerpunkt der Sammlung des ehemaligen Arztes und Kunstenthusiasten Martin Zimmer ist die Künstlergruppe „Junge Wilde“, zu der so bekannte Namen wie Jörg Immendorf, Helmut Middendorf, Salomé und vor allem Rainer Fetting gehören.

Begeistert hat ihn auch das Schaffen von Ulrich Klimmt, wie er 2024 zur Eröffnung einer Ausstellung mit dessen Werken sagte: „Als ich zum ersten Mal die Bilder von Ulrich Klimmt sah, war ich tief beeindruckt; Bewunderung kam in mir auf, spontan beschloss ich, ihn hier auszustellen. Das breit angelegte Werk von Ulrich Klimmt spricht die Sprache der Malerei. Die Sprache der Malerei sind die Bilder. Es handelt sich hierbei um eine wortlose Sprache. Die im Entscheidungsbereich der Seele liegende Kunst ist universell. Sie kommuniziert mit uns in einer Art und Weise, die wir Menschen auf der ganzen Welt verstehen, was zeigt, dass wir alle im Grunde gleich sind. Kraft und Ehre Mensch zu sein, sich zu respektieren, sind Werte, die wir leben sollten. Damit so schlimme Dinge wie Kriege nicht mehr stattfinden.“

Bekanntester Gast der Ausstellung war die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), die sich in ihrer Rede den Worten Martin Zimmers anschloss. Sie bezeichnete die Ausstellung als „Begegnung von Künstlern, die die Urelemente der bildenden Kunst: Form und Farbe mit dem Gegenständlichen verbinden. Da alles ein Etikett braucht, zählt man sie zu den Neoexpressionisten, die in Hamburg und in der Berliner Hochschule für Bildende Kunst ihre ersten Impulse erfuhren. Zu den Höhepunkten dieser künstlerischen Bewegung gehören neben Karl Horst Hödicke, A. R. Penck, Jörg Immendorf die „Neuen Wilden“, die Maler vom Berliner Moritzplatz um Rainer Fetting, die in den 8oer Jahren von sich reden machten. Die Skulptur Willi Brandts in der Berliner SPD-Zentrale prägt mein Bild von Willy. Fetting, Penck, Middendorf, Salome – alle sind hier zu finden und geben auch mir Einblicke in das Lebensgefühl der 80er Jahre, als ich noch ein Kind war. Von Martin Zimmer eingeladen, gesellt sich jetzt Ulrich Klimmt zu diesem illustren Kreis. Er studierte ebenfalls an der Berliner HfBK, von 1954 bis 1958. Grass und Baselitz und Schönebeck waren seine Kommilitonen. Der Porträtexperte Graf Luckner war sein Mentor – was in der Ausstellung unschwer zu erkennen ist. Mehr in sich gekehrt, ganz das Gegenteil zu seinem extrovertierten 10 Jahre jüngeren Bruder Reinhard, entschloss er sich Kunsterzieher zu werden, nicht aus Risikoscheu, sondern eher aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit, die ihn von den Zwängen des Kunstmarkts bewahrte. Seine frühen Bilder aus den 50er und 60er Jahren, die den Löwenanteil der hier ausgestellten Bilder darstellen, enthalten bereits viele Elemente der späteren Kollegen. Ort des Geschehens ist die grandiose Sammlung von Gemälden der Neoexpressionisten, die Dr. Martin Zimmer zusammengetragen hat. Es ist sein Lebenswerk, das neben seiner Tätigkeit als Arzt alle Kräfte in Anspruch nahm und nimmt … Um mit ihnen zu leben, hat er sein Haus um großzügige Räume erweitert, die ein veritables Museum haben entstehen lassen und quasi als Außenstelle der Modernen Galerie in Saarbrücken, die vor allem in der klassischen Moderne und dem Informel ihre Glanzpunkte hat, gelten kann … Als Sammler seelenverwandt, haben Zimmer und Klimmt zusammengefunden … So, wie Zimmers Sammlung quasi im Verborgenen geblüht hat, so hat sich Ulrich Klimmt seiner Passion malen, zeichnen und collagieren viele Jahrzehnte gewidmet. Er war ein Maler der auch unterrichtet hat. Abseits vom Kunstbetrieb hat er sein Leben mit Zeichenstift und Farben beschrieben und interpretiert. An erster Stelle die Familie, die Landschaften der Heide um seinen Wohnort Celle und die der Urlaubsländer, literarische Personen, Menschen, Tiere, und später – fasziniert vom Wasser – immer wieder Badeszenen, Wasserwesen, Strandgut, Fische und immer wieder Fische … Wir sind heute bei zwei Sammlern zu Gast, die ihre Schätze bereitwillig teilen.“

Nähere Informationen: Café im Speicher, Engter Bach 12, 49565 Bramsche, Telefon: 05468 939777, E-Mail:wilyholtkamp@osnanet.de und Internet: www.cafe-im-speicher.de

„was vererben wir und was behalten wir für uns“

Was bedeutet es, wenn Herkunft, Sprache und Zugehörigkeit in ihrer Komplexität unsichtbar bleiben? Die Ausstellung „Was vererben wir und was behalten wir für uns“ im Kunstraum hase29 in Osnabrück, die dort noch bis zum 29. November zu sehen ist, präsentiert vier künstlerische Perspektiven, die sich mit russlanddeutscher Herkunft, Erinnerung und Identitätsbildung auseinandersetzen. Gezeigt werden Malerei, Skulptur und installative Arbeiten, die sich im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Loslassen bewegen.

Während rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche in Deutschland leben, ist ihr kollektives Erbe kaum sichtbar. Ihre Geschichten werden selten erzählt, oft missverstanden und medial verzerrt dargestellt. Das Schicksal vieler russlanddeutscher Familien ist geprägt von Vertreibung, dem Verlust von Heimat, Sprache und Anerkennung – Erfahrungen, die bis heute nachwirken und sich auch in den Werken der Ausstellung widerspiegeln.

Der Ausstellungstitel „Was vererben wir und was behalten wir für uns“ ist ein Zitat aus dem Gedichtband „Lustdorf“ von Alisha Gamisch.

Zu den Künstlern:

Alexej Eisner (*1990 Dusty-Kurgan-Tjube/Tadschikistan, lebt und arbeitet in Osnabrück) verbindet in seiner künstlerischen Arbeit nostalgische, (post-)sowjetische Erzählungen mit biografischen Elementen des Alltags. Dabei verweben sich persönliche mit kollektiven Erinnerungen an die Traumata der russlanddeutschen Geschichte. Eisner zeigt figurative Elemente, die mit expressiven Gesten, abgeschabten Oberflächen und ausdrucksstarker Farbgebung innerhalb einer einzigen Komposition zu abwechselnden Momenten der Klarheit, des Verfalls kommen und vermitteln das Gefühl von Authentizität und rohen Emotionen.

Ernstina Eitner (*1992, Rendsburg, lebt und arbeitet in Berlin) ist interdisziplinär arbeitende bildende Künstlerin, die sich in ihrer Praxis kritisch mit gesellschaftlichen und kulturellen Phänomenen auseinandersetzt. Als Tochter schwarzmeerdeutscher Eltern aus Kasachstan spielen ihre Herkunft und (kollektive) Erinnerungen eine zentrale Rolle in ihrer oft recherchebasierten Arbeit, die sich verschiedener Techniken und Materialien bedient und vor allem Objekte, Installationen und Zeichnungen umfasst.

Katharina Reich (*1987 in Tjumen/Russland, lebt und arbeitet in Berlin) formt aus Alltagsgegenständen Skulpturen, die gesellschaftliche Fragen ästhetisch wie auch materiell verhandeln. Als Spätaussiedlerin sind ihre Werke eng mit autobiografischen und politischen Themen verbunden. Herkunft, Migration, kulturelles Gedächtnis sowie das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Marginalisierung prägen ihren konzeptuellen Raum. Das Sammeln und Tauschen von Fundstücken ist Teil ihres künstlerischen Prozesses, der den ephemeren Charakter ihrer Arbeiten bestimmt.

Nicole Widner (*1995 in Melle, lebt und arbeitet in Münster) entwickelt unter anderem aus ihrer russlanddeutschen Familiengeschichte eine künstlerische Sprache, die Fundstücke und räumliche Situationen neu gestaltet. In Ihren Werken wird Ursprüngliches aus dem Bedeutungszusammenhang gelöst und in neue erzählerische Zusammenhänge eingefügt. Auf diese Weise eröffnet sie Räume für Assoziation, Erinnerung und Interpretation – zwischen Vertrautem und Fremdem, Fragment und Ganzem – stille Erzählungen über Identität, Verlust, Wandel und die Magie der Dinge.

Nähere Informationen: Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V. Kunstraum hase29, Hasestraße 29/30, 49074 Osnabrück, Telefon: 0541 – 58051396 und E-Mail: mail@hase29.de

Deutscher Friedenspreis für Fotografie 2025 und Felix Schoeller Photo Award 2025

Im Museumsquartier Osnabrück werden die ausgezeichneten und nominierten Arbeiten des „Deutschen Friedenspreises für Fotografie 2025“ und des „Felix Schoeller Photo Award 2025“ präsentiert. Die Ausstellung dokumentiert die Vielfalt zeitgenössischer Fotografie und wie eindrucksvoll sie gesellschaftliche Entwicklungen, Fragen nach Verantwortung und die Suche nach Frieden sichtbar machen kann.

Der Deutsche Friedenspreis für Fotografie, gemeinsam vergeben von der Stadt Osnabrück und der Felix Schoeller Group, zeichnet künstlerische Positionen aus, die sich in besonderer Weise mit dem Thema Frieden auseinandersetzen. 2025 erhielt Maximilian Mann den Preis für seine Serie „Letzte Rettung Oberhausen“. Die Arbeit porträtiert Menschen, die in einer stillgelegten Zeche Zuflucht gefunden haben, und überzeugte die Jury durch ihren sensiblen, dokumentarischen Blick. Mann setzte sich damit gegen Bewerbungen aus 88 Ländern durch.
Der Felix Schoeller Photo Award wurde in diesem Jahr in zwei Kategorien vergeben. In der Kategorie „Nachhaltigkeit“ ging der Preis an den deutsch-mexikanischen Fotojournalisten Axel Javier Sulzbacher für seine Serie „Green Dystopia“, die sich mit den ökologischen und sozialen Auswirkungen technologischen Fortschritts auseinandersetzt.

In der Kategorie „Nachwuchs“ wurde die in Frankfurt und Berlin lebende Künstlerin Verdiana Albano für ihre Arbeit „I ain’t from no east coast“ ausgezeichnet, in der sie Fragen von Identität, Zugehörigkeit und kulturellem Erbe untersucht.

Die Ausstellung vereint alle prämierten und nominierten Serien beider Wettbewerbe und bietet einen aktuellen Einblick in die internationale Fotografie. Die gezeigten Arbeiten verdeutlichen, wie Fotografie über das Sichtbare hinausweist und neue Perspektiven auf globale Zusammenhänge eröffnet.

Gezeigt werden alle Arbeiten der Fotografinnen und Fotografen – beim persönlichen Besuch entfalten die Originale ihre volle Ausdruckskraft und Wirkung.

Öffentlichen Führungen durch die Ausstellung werden jeweils Sonntags, 26. Oktober, 30. November, 25. Januar 2026 und 22. Februar um 15.30 Uhr angeboten.

Zum Foto „Letzte Rettung Oberhausen“ von Maximilian Mann

Im Ruhrgebiet liegt ein besonderer Ort, an dem die globalen Krisen und Konflikte dieser Welt eine erschreckende Nähe gewinnen: das Friedensdorf Oberhausen. Hier manifestieren sich die Folgen von Krieg und Gewalt in Gesichtern – gezeichnet von Brandnarben, Verletzungen und Schmerz. Es sind die Gesichter von Kindern, die noch keine Jugendlichen sind und doch bereits das Schlimmste durchlebt haben.
Doch dieser Ort ist keiner der Resignation, sondern einer des Neuanfangs. Durch medizinische Versorgung und das Engagement ehrenamtlicher Ärztinnen und Ärzte erhalten die Kinder nicht nur körperliche Heilung, sondern auch eine Perspektive – einen Moment des unbeschwerten Lachens, einen Schritt zurück ins Leben.

Nähere Informationen: Museumsquartier, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237.

Tony Cragg – „Line of Thought“ im Skulpturenpark „Waldfrieden“

Das künstlerische Werk des britischen Bildhauers Tony Craggs entfaltet sich in einem ruhelosen Prozess der Erforschung der Möglichkeiten des Materials und der Umgestaltung der uns umgebenden Welt.

Seine Aussage, dass „es viel mehr Dinge gibt, die nicht existieren, als die existieren“, verweist auf einen Quell von Dingen und Formen, die noch außerhalb unserer Wahrnehmung liegen. Für Cragg ist die Skulptur eine Methode, dieses enorme Potential neuer Formen und der damit verbundenen Bedeutungen, Träume und Sprachen zu erschließen.
In seiner großen, sich über alle drei Ausstellungshallen erstreckenden Ausstellung „Line of Thought“ zeigt Tony Cragg noch bis zum 1. Januar 2026 Arbeiten verschiedener Werkgruppen, auch einige seiner in Murano gefertigten Skulpturen aus Glas sowie eine Reihe von Zeichnungen.

Am 24. Oktober trifft Tony Cragg den Chefreporter Kultur des Deutschlandradios, Stefan Koldehoff, zum Gespräch über seine Ausstellung „Line of Thought“. Treffpunkt ist um 18 Uhr die mittlere Ausstellungshalle. Darüber hinaus werden regelmäßig Führungen angeboten.

Über die Cragg Foundation

Die Gründung und Einrichtung des Skulpturenparks ist der privaten Initiative des in Wuppertal lebenden britischen Bildhauers Tony Cragg zu verdanken. Dreißig Jahre nach Beginn seiner Ausstellungstätigkeit suchte er nach einem dauerhaften Ausstellungsgelände für Skulptur im Freien und entdeckte das verwaiste Anwesen Waldfrieden, das er 2006 erwarb. Noch im selben Jahr begann die Umgestaltung von Parkanlage und Gebäuden, die nach langem Leerstand umfassend saniert und modernisiert werden mussten. In Wertschätzung der historischen Anlage wurden vorhandene Bausubstanz und materieller Bestand möglichst weitgehend erhalten, und trotz Umrüstung von Park und Gebäuden für die neue Nutzung blieb ihre geschichtliche Dimension bewahrt. 2008 wurde der Skulpturenpark in der Trägerschaft einer gemeinnützigen Stiftung der Familie Cragg eröffnet. Er beherbergt eine stetig wachsende Skulpturensammlung, darunter Ausschnitte aus dem umfangreichen Werk Tony Craggs. Begleitend werden in Wechselausstellungen Werke international bedeutender Künstler gezeigt, Vorträge zu kulturwissenschaftlichen Themen angeboten und Konzerte veranstaltet. Darüber hinaus ist die Cragg Foundation auch der Forschung und Publikation zur Bildenden Kunst gewidmet.

Über Tony Cragg

Tony Cragg wurde 1949 in Liverpool geboren. Nach dem Abitur arbeitete er als Labortechniker in der biochemischen Forschung und begann während dieser zweijährigen Praxis mit dem Zeichnen, um 1969 das Gloucestershire College of Art and Design und anschließend die Wimbledon School of Art zu besuchen. 1973 führte ihn sein Kunststudium zum Royal College of Art in London, wo er den Studienschwerpunkt auf Bildhauerei legte.

Anregungen aus Minimalismus und LandArt prägten seine künstlerischen Anfänge, und er begann mit Fundobjekten zu arbeiten, bevor er traditionelle Materialien wie Stein, Eisen und Bronze für sich entdeckte. 1976 führte ihn ein Lehrauftrag an die Ecole des Beaux-Arts in Metz. Im Jahr darauf zog er nach Wuppertal, dem Wohnort seiner ersten Frau, wo er bis heute lebt und arbeitet. 1978 nahm er seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf auf, seit 1988 als Professor, bis er 2001 auf einen Lehrstuhl für Bildhauerei an der Akademie der Künste in Berlin wechselte. 2006 kehrte er als Prorektor an die Kunstakademie Düsseldorf zurück, zu deren Rektor er 2009 ernannt wurde. 2014 schied er aus diesem Amt aus.

In einer nahezu unüberschaubaren Vielzahl von Ausstellungen präsentiert Tony Cragg seit 1977 sein Werk in renommierten Museen weltweit. Mehrmals war er auf der Biennale von Venedig und der documenta in Kassel sowie auf den Biennalen von Sao Paulo und Sydney vertreten. 1988 wurde ihm der Turner Prize verliehen. Zur mehrfachen Ehrendoktorwürde und zahlreichen weiteren angesehenen Auszeichnungen kam 2003 seine Ernennung zum Commander of the British Empire. Zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart zählend, nahm er 2007 den Praemium Imperiale, den Weltkultupreis des japanischen Kaiserhauses, entgegen.

Über die Villa „Waldfrieden“

Ein 1894 errichtetes Haus mit ausgedehntem Anwesen, das der Lackfabrikant Kurt Herberts 1940 erworben hatte, war der Vorgängerbau der Villa Waldfrieden. Bei Luftangriffen auf Barmen wurde es 1943 zerstört. Mit dem Wiederaufbau über dem erhaltenen Souterrain-Geschoss beauftragte Herberts gleich nach Kriegsende den Künstler und Architekten Franz Krause, den er wegen der „Originalität seiner Gedankengänge“ schätzte.

Im Verlauf der Planung ließ sich der Bauherr für das Experiment einer „reziproken“ Architektur und damit für einen Neubau gewinnen und beteiligte sich am unkonventionellen Entwurfsverfahren. Abgesehen von der Vorgabe, das alte Kellergeschoss einzubeziehen, ließ er dem Architekten freie Hand. Die singuläre organische Form des Gebäudes entwickelte Krause in Korrespondenz zu drei dynamischen Faktoren: zu den Bewegungen des menschlichen Körpers, zur Natur des umgebenden Geländes und zum einfallenden Tageslicht.

Das zweigeschossige Wohnhaus und die Gelände- und Gartengestaltung wurden zwischen 1947 und 1950 realisiert. 2006 erwarb Tony Cragg mit dem Anwesen auch die unter Denkmalschutz stehende Villa nach langem Leerstand. Um ihr einen lebendigen Part im Skulpturenpark zuzuweisen, galt es, die Villa nicht nur zu restaurieren, sondern sie auch neu zu interpretieren.

Diese Transformation konnte nirgends besser aufgehoben sein als in den Händen des Bildhauers und seiner Werkstatt.

Bei höchstem Respekt vor dem ursprünglichen Formexperiment des Architekten wurde das abgelebte, ganz auf den Bauherrn und seine Familie zugeschnittene Wohnhaus in ein lebendiges Zentrum des Parks verwandelt. Während die ringsum angesiedelten Skulpturen die Augen öffnen für die plastische Qualität des Baukörpers, entspricht die sparsame Einrichtung der Zimmer ihrer neuen Nutzung. Die Villa beherbergt das Archiv und die Verwaltungsbüros der Cragg Foundation.

Nähere Informationen: Skulpturenweg Waldfrieden, Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal, Telefon +49 (0) 202-47898120, E-Mail: mail@skulpturenpark-waldfrieden.de

„Genossin Sonne“ – essayistische Gruppenausstellung im HMKV

Bevor der Begriff „Revolution“ im 18. Jahrhundert – unter dem Eindruck der Französischen Revolution – einen „gewaltsamen Umsturz der bestehenden politischen oder sozialen Ordnung“ bezeichnete, wurde er in der Astronomie zur Bezeichnung der Umdrehung der Himmelskörper verwendet.

Die essayistische Gruppenausstellung „Genossin Sonne“ des „Hartware MedienKunstVereins“ in Dortmund, die noch bis zum 18. Januar 2026 zu sehen ist, widmet sich künstlerischen Arbeiten und Theorien, die den Kosmos und insbesondere die Sonne, der Energielieferant für Leben auf der Erde, mit sozialen und politischen Bewegungen in Verbindung bringen. Vor dem Hintergrund der Dezentrierung des Menschen als historisches Subjekt fragen wir, inwieweit nicht nur die Umwelt auf der Erde, sondern darüber hinaus auch der Kosmos an historischen Prozessen Anteil hat. Gibt es etwa, wie die sowjetischen Kosmisten behaupteten, einen Zusammenhang zwischen erhöhter solarer Aktivität (einer Zunahme der Sonnenflecken und -winde) und irdischen Revolutionen? Und welche spekulativen, lustvollen Überlegungen finden sich dazu in der zeitgenössischen Kunst und Poesie?

Bei den Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler liegt ein Schwerpunkt auf dem Bewegtbild – auf Kino, Film und Video als Medien des Lichts. Aber auch in anderen Medien strahlen die Arbeiten hypnotische, fiebrige, glühende, drohende Affekte aus. Die Sonne fungiert insgesamt einerseits als Lebens- und Energiespenderin für politische Kämpfe und andererseits als mahnende Figur, deren schiere Masse und Lebensdauer die Kürze menschlichen Lebens auf dem Planeten Erde deutlich macht. Und auch: Was, wenn sie nie unter- oder wieder aufgeht und die Zeit noch stärker aus den Angeln gehoben wird, als dies bereits der Fall ist?

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Die Ausstellung der HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U erfolgt in Kooperation mit der Kunsthalle Wien und den Wiener Festwochen | Freie Republik Wien.

Über den HMKV Hartware MedienKunstVerein

Der HMKV Hartware MedienKunstVerein hat seit seiner Gründung im Jahr 1996 zahlreiche Ausstellungen, Film-, Musik- und Performanceprogramme, Workshops, Vorträge und Konferenzen in diversen Städten im In- und Ausland sowie in Dortmund realisiert.

Er bildet eine Plattform für die Produktion, Präsentation und Vermittlung von zeitgenössischer beziehungsweise experimenteller (Medien-)Kunst. Medienkunst wird dabei nicht als technisch determiniertes Genre verstanden, sondern als zeitgenössische Kunst, die sich inhaltlich und konzeptuell mit unserer in starkem Maße medial und technologisch geprägten Gegenwart auseinandersetzt. Zu den wesentlichen Zielen gehören die Verhandlung von zeitgenössischen Themen und Fragestellungen, die Ansprache einer breiten Öffentlichkeit in der Vermittlungsarbeit sowie ein interdisziplinärer künstlerischer Ansatz.

Zugänge zur aktuellen Kunst werden geschaffen, um zu zeigen, dass Künstlerinnen und Künstler nicht in Elfenbeintürmen sitzen, sondern sich mit Themen beschäftigen, die alle etwas angehen. In seiner Vermittlungsarbeit macht sich der Verein die Werkzeuge des digitalen Zeitalters zunutze, um auf spielerische und partizipative Weise ein neues Verständnis für unsere mediale Welt, ihre Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu schaffen.

Gemeinsames Anliegen der Projekte des HMKV ist der Versuch, mit den Mitteln der Kunst ein Verständnis für vielschichtige gesellschaftliche, politische, ökonomische oder ökologische Zusammenhänge herzustellen. In einer globalisierten und durch Technologie beschleunigten Welt, die auf der Interaktion dieser Systeme basiert, ermöglicht dieser Ansatz einen neuen Blick auf unsere Gegenwart, der die Wahrnehmung jedes Einzelnen bereichert. So wird eine singuläre Position in NRW – und in Deutschland – besetzt . Aus der Vielzahl von Kooperationen ist ein breit gefächertes, internationales Netzwerk entstanden.

Über das Dortmunder U

Das Dortmunder U ist ein Haus der Kunst und Kultur, Bildung, Wissenschaft und künstlerischen Forschung. Wir stellen auf vielfältige Weise ein Verständnis für gesellschaftliche, politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge her. Wir haben eine Kunstsammlung, sind Ausstellungsort und Treffpunkt. Wir verstehen uns als Experimentierraum und Ort des gemeinsamen Lernens, in dem Kunst, Wissenschaft und das eigene kreative Schaffen erlebt, vertieft und erprobt werden können. Hier finden Menschen Inspiration die Vergangenheit und Gegenwart zu befragen und die Zukunft mitzugestalten.

Die Partner im Dortmunder U zeigen Kunst, fördern Kreativität und entwickeln zeitgemäße Formate, um Menschen in Dortmund und der Region zu inspirieren und zu befähigen, unsere Gegenwart mitzugestalten.

Die unterschiedlichen Partnerinstitutionen im Dortmunder U bilden sowohl eine Schnittstelle für Kunst, Bildung, Forschung und Unterhaltung als auch für analoge und digitale Kreativität. Die sieben Etagen bilden einen weitläufigen und für alle offenen Raum zur Verdichtung und Förderung von Ideen sowie der Reflexion von Gegenwartsphänomenen.

Die Besucher*innen sind ausgehend von den Ausstellungen, Projekten, Workshops und Veranstaltungen in und um das Haus auch eingeladen, sich mit eigenen kreativen Aktivitäten einzubringen. Sie reflektieren die gesellschaftliche Realität nicht nur, sondern können sie auch aktiv mitgestalten.

Durch Kooperation der Partner im Haus sowie die Einbindung in ein lokales und internationales Netzwerks entwickelt das Dortmunder U neue Ausstellungs- und Vermittlungsformate. Aus interdisziplinären Kooperationen und der vorhandenen Vielfalt von Ansätzen und Perspektiven entstehen Impulse für Innovation und Kommunikation in Richtung der vielfältigen Stadtgesellschaft.

Das Dortmunder U schafft größtmögliche Teilhabe und Zugänglichkeit unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem oder kulturellem Hintergrund der Besucherinnen und Besucher.

Das Dortmunder U ist ein Ort für die zeitgemäße Beschäftigung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Dazu gehören unter anderem Künstliche Intelligenz, Körper(kult), Klimawandel, Mode, Jugendkultur, Bildsprache, Geschlechterrollen, Musikszenen, Migration und besonders die Aspekte der Digitalisierung.

Nähere Informationen: Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund, Telefon +49 (0) 231 50-24723, E-Mail: info@dortmunder-u.de

Sonderausstellung „Guitars Heros – Iconic Guitars – Amazing Stories“

Die Sonderausstellung „Guitar Heroes“ des Rock- und Pop-Museums in Gronau widmet sich den größten Gitarristinnen und Gitarristen der Musikgeschichte und beleuchtet die Entwicklung des Rock- und Metal-Gitarrenspiels von den Wurzeln im Hard und Blues Rock bis hin zu Thrash und Groove-Metal. Musikliebhaber erwartet eine beeindruckende Sammlung von 150 Objekten auf 220 Quadratmetern, darunter zahlreiche exklusive Gitarren der „Rock Collection“, die bisher nicht öffentlich ausgestellt wurden.

Ein besonderes Highlight ist die thematische Aufteilung der Ausstellung in sechs Bereiche, von „Roots“ über „Blues Rock“ bis zu „Metal Gods“. Besucherinnen und Besucher können ikonische Gitarren wie K.K. Downings rote Hamer von Judas Priest bestaunen und die Geschichten der einflussreichsten Gitarristen entdecken – darunter Größen wie Tony Iommi, Kirk Hammett, Eddie van Halen, Gary Moore, Slash, Yngwie Malmsteen und viele mehr.

Interaktives Erlebnis

Das Rock- und Pop-Museum legt besonderen Wert auf ein immersives Besuchserlebnis. Mit 23 Monitoren, Projektionen und einem innovativen Tracking-Audiosystem (USOMO) wird die Ausstellung lebendig, so wie man es vom rock’n’popmuseum gewohnt ist. Sechs Erklärvideos zu Gitarrentechniken erlauben es den Besucher:innen, noch tiefer in die Welt des Gitarrenspiels einzutauchen.
Zusätzlich bereichern Experten-Interviews mit Persönlichkeiten der Branche, wie Gitarrist Victor Smolski, Starproduzent Dieter Dierks und Metal Queen Doro Pesch, die Ausstellung. Doro Pesch übernimmt außerdem die akustische Führung durch die einzelnen Stationen und bietet spannende Einblicke in die Geschichte der Gitarrenmusik.

Rahmenprogramm

Die Ausstellung „Guitar Heroes“ bietet eine einmalige Gelegenheit, die Entwicklung des Gitarrenspiels von den 1970er bis 1990er Jahren hautnah zu erleben und sich von den Legenden des Rock- und Metal-Universums inspirieren zu lassen. Das Rock- und Pop-Museum begleitet die Sonderausstellung mit einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Die Ausstellung wird bis zum Ende des Jahres zu sehen sein.

Nähere Informationen: Rock- und Pop-Museum, Udo Lindenberg-Platz 1, 48599 Gronau, Telefon 0049 2562 81480, E-Mail: info@rock-popmuseum.de

„Unter der Oberfläche“ – Tafelbilder und ihre Geheimnisse

Jahrhundertealte Gemälde stecken voller Geheimnisse: Die Darstellungen bedienen sich einer Symbolik, die wir heute nicht mehr ohne Weiteres verstehen und erst entschlüsseln müssen. Die Herkunft der Werke und der ursprüngliche Zweck, für den sie geschaffen wurden, geben oft Rätsel auf. Die Materialien und die Maltechnik können uns hingegen viel über die Entstehungszeit und über den Künstler beziehungsweise die Künstlerin verraten. Da diese alten Tafelbilder zumeist restauriert sind, stellt sich außerdem die Frage, welche Malflächen noch original sind oder was womöglich nachträglich hinzukam.
Zusammen mit der Restauratorin Ludmila Henseler gehen die Macher der Draiflessen Collection im Format „Das Forum“ den Geheimnissen zweier Tafelbilder aus der Sammlung auf den Grund: „Madonna mit Kirschen“ aus der Werkstatt Joos van Cleves (um 1530) und „Die heilige Familie mit Engeln“ (ca. 1510) eines bislang unbekannten altniederländischen Meisters.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

„Die Freiheit der Freude – die Freude der Freiheit“ – Herbstausstellung mit Werken außergewöhnlicher Künstler

Die neue Ausstellung im Otto Pankok Museum (OPM) Gildehaus mit dem obigen Titel versammelt ganz unterschiedliche Werke von Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit. Sie alle eint: Das Leben stellt an sie außergewöhnliche Herausforderungen, oftmals verbunden mit engen Grenzen.

Außerhalb des Spektrums, dass im bürgerlichen Leben als selbstverständlich angesehen wird, stellen sie sich diesen Anforderungen des Lebens auch durch die Kunst. Im freien Gestalten von Gefühlen und Gedanken finden sie zu einer zumeist sehr individuellen und fröhlich überraschenden Bildersprache. Und geben Kenntnis von einer alle Menschen verbindenden Grundkonstellation: zwischen Angst und Freude gilt es einen Weg zu finden. Und die Kunst mit der ihr innewohnenden Kraft der Befreiung gibt dazu genug Anlass. Sei es nun für die rund 15 ausstellenden Künstlerinnen und Künstler oder für die Besucherinnen und Besucher des OPM.

Diese faszinierende Anstellung wurde möglich durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen der Grafschaft und des deutschsprachigen Raumes. Und durch die Unterstützung des Landkreises Grafschaft Bentheim, der Hans-Ohlms-Stiftung und der Sammlung Notiae.

Das Titelbild „Große Katze“ wurde mit freundlicher Genehmigung von Jonas Poppele zur Verfügung gestellt.

Nähere Informationen: Otto-Pankok-Museum im Alten Rathaus, Neuer Weg 7, 48455 Bad Bentheim – Gildehaus, Telefon: +49 5924 6128, E-Mail: info@pankokok-museum.de. Öffnungszeiten: Mittwochs, 15 bis 17 Uhr, Samstags und Sonntags von 14 bis 17 Uhr.

„Ein Garten voller Blumen – Lilla Tabasso & Crispijn de Passe“ in der Draiflessen Collection

Die Macher der Draiflessen Collection in Mettingen haben die Mailänder Künstlerin Lilla Tabasso (*1973) eingeladen, sich dem bedeutenden botanischen Werk „Hortus Floridus“ des niederländischen Kupferstechers Crispijn de Passe d. J. (*1594− +1670) zu nähern und es in ihre persönliche künstlerische Sprache zu übersetzen. So nimmt sie seine detaillierten und fein ausgearbeiteten Pflanzendarstellungen als Ausgangspunkt und verwandelt die schwarz-weißen Kupferstiche in sinnliche, dreidimensionale und überraschend hyperrealistische Glasskulpturen aus Muranoglas.
Die Kabinett-Ausstellung im Studiensaal, die noch bis zum 2. November zu sehen ist, präsentiert damit einen epochenübergreifenden Dialog zweier künstlerischer Positionen, die jede für sich einen außergewöhnlichen Blick auf die floralen Schönheiten bietet und eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.

Zur Draiflessen Collection:

2009 gründete die Unternehmerfamilie Brenninkmeijer in ihrer westfälischen Heimat Mettingen die Draiflessen Collection. Auf dem ehemaligen Produktionsgelände entstand neben dem modernen Konferenzzentrum ein nach höchsten internationalen Standards geplantes Museum, die Draiflessen Collection, mit Präsentationsflächen für hochkarätige Wechselausstellungen sowie modernsten Archiv- und Depoträumen.
Den Besucherinnen und Besuchern bieten sich im Museum drei verschiedene Bereiche:
Die Hauptausstellungsfläche „Main Space“ mit wechselnden Präsentationen künstlerischer Arbeiten und internationaler Leihgaben, der Studiensaal mit der „Liberna Collection“ und wechselnden Ausstellungen aus dem herausragenden Bestand an Buchkunst und Grafik mit Schwerpunkt im 15. und 17. Jahrhundert sowie „DAS Forum“ als Plattform für die Familienunternehmensforschung, das Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit mit Archiv und Sammlung präsentiert.
Bitte beachten: Da die Sammlungen nicht dauerhaft in einer ständigen Ausstellung präsentiert werden können, stellen die Macher der Draiflessen Collection ausgewählte Objekte aus Kunst und Unternehmen online genauer vor und geben so einen Einblick, was sich in unseren Depots befindet.
Von Beginn an ist die Draiflessen Collection als ein Ort der Begegnung gedacht. Es geht darum, Erfahrungen auszutauschen und weiterzugeben, ebenso wie andere Perspektiven kennenzulernen und anzuerkennen. Alle Ausstellungen werden durch ein umfangreiches Programm von Vermittlungsangeboten, Workshops und Exkursionen für Menschen unterschiedlichen Alters sowie körperlicher und geistiger Fähigkeiten begleitet.
Die Vorfahren der Gründerfamilie Brenninkmeijer gehörten den sogenannten Tüötten an, westfälische Wanderhändler, die vor allem im 17. und 18. Jahrhundert durch Deutschland und Nordeuropa zogen, um mit Leinen Handel zu treiben. In der Wahl des Standorts für Draiflessen hat die Unternehmerfamilie bewusst an ihre westfälischen Wurzeln und ihren Heimatort Mettingen angeknüpft. Gleichzeitig war damit die Entscheidung verbunden, mit einem Kunstmuseum abseits der Metropolen das Angebot an kulturellen Einrichtungen in der Region zu erweitern.
Der Name „Draiflessen“ [dʁaːˈflɛsn] ist eine Wortkonstruktion, die aus der alten Geheimsprache der Tüötten abgeleitet wurde. In seinen beiden Wortstämmen „drai“ (Bedeutung: drei, Dreifaltigkeit, drehen, Handel treiben) und „flessen“ (Bedeutung: Flachs, Leinen, Heimat) kommen für die Gründerfamilie bedeutsame Themen zum Ausdruck: ihre enge Verbindung mit ihren westfälischen Ursprüngen, ihr christlicher Glaube und ihr Unternehmertum, das seinerzeit im Textilhandel seinen Anfang genommen hat.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

„Stop_Go – Möglichkeiten und Grenzen von Bewegung“

Unter dem Titel „Stop_Go – Möglichkeiten und Grenzen von Bewegung“ zeigt die Städtische Galerie Nordhorn noch bis zum 16. November eine Gruppenausstellung mit Frida Lisa Carstensen Jersø, Nelly Habelt, Pia Maria Martin und Roxana Rios, vier aktuellen Künstlerinnen, die sich auf verschiedene Weisen mit Formen und Grenzen von Bewegung beschäftigen.

Damit setzt die Galerie auch eine Reihe fort, in der sie verschiedene künstlerische Grundbegriffe neu befragt. Beim klassischen Thema der Darstellung von Bewegung hat sich in jüngerer Zeit der Blick der Kunst verstärkt der Betrachtung von Mensch und Gesellschaft zugewandt. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Bewegung führt auch in dieser Ausstellung zu Fragen nach dem gesellschaftlichen Umfeld: Wie gehen wir mit kollektiv vermittelten Idealen von Dynamik, Mobilität und Sportlichkeit um? Wie gehen wir mit den Grenzen der Dynamik in Wirtschaft, Umwelt und Technologie um? Wie betrachten wir den Körper zwischen dem Wunsch nach Fitness und den Grenzen durch Alter, Krankheit oder Behinderung? Welche bildnerischen Möglichkeiten entwickeln und nutzen Künstler:innen heute, und welche Kontexte beziehen sie ein?

Pia Maria Martin arbeitet mit den traditionellen analogen Mitteln des animierten Filmbildes um Phänomene der Gegenwart neu zu deuten.

Frida Lisa Carstensen Jersø thematisiert in fotografischen Selbstbildnissen den Verlust der eigenen körperlichen Mobilität.

Nelly Habelts Video von Performances im öffentlichen Raum ist von Parkours und städtischer Architektur inspiriert.

Roxana Rios erkundet in einer Fotoinstallation die Rolle von Posen und Bewegungen bei der Repräsentation von Identität.

Die Arbeiten der vier Künstlerinnen werden von Werken aus dem Bestand der Städtischen Galerie sowie Museumsleihgaben begleitet. Sie stammen von Trisha Brown, Hamish Fulton, Shahryar Nashat, Royden Rabinowitch und Henk Visch.

Nähere Informationen: Städtische Galerie Nordhorn, Vechteaue 2 (Alte Weberei), 48529 Nordhorn, Telefon: +49 (0) 5921 971-100, E-Mail: kontakt@staedtische-galerie.nordhorn.de. Öffnungszeiten Ausstellungen: Dienstag bis Freitag von14 bis 17 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 18 Uhr.