In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:
Der Mythos von Amerika im Spielzeugformat (Rezension von Jeroen Junte, erschienen in der Museumstijdschrift)
Im H’art Museum in Amsterdam präsentiert der amerikanische Fotograf David Levinthal „American Myth & Memory – David Levinthal Photographs“, seine erste große Retrospektive in Europa. Mit sorgfältig inszenierten Miniaturen untersucht er, wie die visuelle Kultur unsere Darstellung der amerikanischen Geschichte geprägt hat. Die Tatsache, dass Trump derzeit offen die Geschichte hinterfragt, verzerrt und zensiert, macht seine Arbeit ironisch aktuell.
Der schwarze Lincoln Continental, Jackie Kennedys rosa Anzug, sogar die etwas blassen Farben – das muss ein Bild aus dem berühmten Zapruder-Video des Attentats auf Präsident John F. Kennedy sein. Und doch stimmt etwas nicht. Der 8mm-Film von Abraham Zapruder ist das einzige Filmbild des Angriffs, und darauf ist Jackie Kennedy größtenteils hinter ihrem Ehemann verborgen. Hier tritt sie in den Vordergrund. Auch die Flaggen auf dem Wagen fehlt jegliche präsidiale Etikette. Und dieses Bild ist sehr verschwommen.
Der amerikanische Fotograf David Levinthal (*1949) hat dieses Trauma, das sich in das nationale Gedächtnis eingebrannt hat, in einer lebensechten Miniaturwelt rekonstruiert. Nur dass Jackie Kennedy jetzt eine Marionette in einem Spielzeugauto ist. Auch die Perspektive hat sich vom Präsidenten auf sie verschoben.
Fakt und Fiktion
Die Kennedy-Pastiche ist Teil seiner ikonischen History-Serie(2010 – 2018), die zahlreiche mythische Momente der amerikanischen Geschichte darstellt. Fakt und Fiktion verschmelzen nahtlos. Ein Hubschrauber vor dem Hintergrund von Napalmfeuer ruft sofort die Erinnerung an den Vietnamkrieg hervor. Diese wurde hauptsächlich von Hollywood-Filmen wie „Apocalypse Now“ geprägt.
Levinthal zeigt, wie kollektives Gedächtnis immer wieder durch das Kino gefiltert wird. Schauen wir hier auf Kriegsgeschichte oder auf ein filmisches Klischee? Nach Hollywood oder zum Nachrichtenprogramm. Oder an Pentagon-Propaganda, das ist ebenfalls möglich.
Enttarnung
Seit mehr als 40 Jahren hinterfragt Levinthal mit seinen Fotografien die großen historischen Erzählungen, auf denen die amerikanische Identität stützt. Jede amerikanische Obsession geht vorbei – Gewalt, Sport, Rassismus, Geld. Die realistischen Fotos bieten gerade genug Halt, um Wiedererkennung hervorzurufen, aber die strategische Unschärfe und die irreführende Inszenierung untergraben diese Gewissheit.
Die kulturelle Demenz Amerikas, die inzwischen seine eigenen Legenden mit Geschichte verwechselt, wird gnadenlos entlarvt. Levinthal gab 1972 sein Debüt als Künstler mit der Serie „Bad Barbie“, in der er entkleidete Barbie-Puppen in sexuellen Posen fotografierte. Es war eine frühe Enthüllung einer sexuellen Moral, die zwischen pornografisch und puritanisch balanciert. Doch noch nie zuvor war seine Arbeit so dringend wie jetzt, wo ein Präsident offen versucht, die Geschichte neu zu schreiben.
Trump lässt schwarze Soldaten von Kriegsdenkmälern entfernen, Bücher werden aus Bibliotheken entfernt und das Smithsonian Institut wird mit Zensur bedroht. Bezeichnend ist, dass dort zuvor „American Myth & Memory“ gezeigt wurde. Das macht diese Ausstellung nicht nur notwendig, sondern auch bitter aktuell.
Unschuldige Objekte
Die Kraft von Levinthals Fotografie liegt nicht nur in gleichzeitiger Wiedererkennung und Unruhe, sondern auch in ihrer Mehrdeutigkeit. Er arbeitet mit Polaroid: einem Bild, das sich sofort nach dem Druck selbst fixiert und kein reproduzierbares Negativ enthält. 1986 besorgte er die größte kommerziell erhältliche Polaroidkamera, der amerikanische Mythos in seiner besten Form.
Und dann die Spielsachen selbst, versammelt auf Jahrmärkten und Flohmärkten, mit denen er geniale Dioramen baut. Unschuldige Objekte, die gewalttätige Geschichte rekonstruieren. Vielleicht ist keine Fabel so hartnäckig wie die des Wilden Westens: die Eroberung einer angeblich leeren Landschaft, in der der weiße Siedler zum Helden erhoben wird. Ein Stereotyp, das im modernen „Selfmade-Man“ weiterlebt. Für die ursprünglichen Bewohner – Sioux, Navajo und andere Völker – ist dieser amerikanische Traum ein Albtraum. Levinthal ließ absichtlich ihre Gesichter verschwimmen, reduzierte sie auf Statisten in einer Geschichte, die sie strukturell ausschließt. Ein Foto von großer Aussagekraft, und doch verwirrend.
Nähere Informationen: H’ART Museum, Amstel 51, 1018 EJ Amsterdam, Postadresse: Postfach 3438, 1001 AE Amsterdam, Telefon: 020 530 8755, Post: mail@hartmuseum.nl
Dirk Bakker – Bild-Rätsel
Der bildende Künstler Dirk Bakker (*1949 – +2021) malte die wunderbarsten Szenen in relativer Abgeschiedenheit, mit einem feinen Sinn für Farbe, Form und Komposition. Obwohl seine Arbeit stilistische Ähnlichkeiten mit denen der Künstler der Neuen Figuration aufweist, schlägt sie einen völlig anderen Ton an. Bakkers Gemälde fehlen die Ernsthaftigkeit und oft der intellektuelle Ansatz, der die Werke anderer figurativer Werke kennzeichnet, und strahlen vielmehr die entwaffnende Atmosphäre von Kinderbuchillustrationen aus. Doch so verspielt, zugänglich und humorvoll Bakkers Gemälde auch erscheinen mögen, in diesen entfremdenden visuellen Rätseln lauert oft etwas Beunruhigendes – das Verborgene, das die inneren Konflikte eines Künstlers ausdrückt, dem es schwerfiel, sich mit der Außenwelt zu identifizieren.
Als Dirk Bakker und seine Frau wegen Krankheit umziehen mussten, gab es niemanden, der sich um seine Kunst kümmerte. Außerhalb ihrer Kontrolle verschwanden Hunderte von Gemälden in Secondhand-Läden. Kurz darauf starb Dirk Bakker und sein Künstlerfreund Theo de Feyter erfuhr, was mit seinem Werk geschehen war. Mit Mühe gelang es ihm, einen kleinen Teil zu sichern, aus dem das Museum Belvédère dann als Tribut einer besonderen Kunstfertigkeit wählen durfte.
Nähere Informationen: Museum Belvédère, Oranje Nassaulaan 12, Herrenveen, Telefon: +31 513644999, E-Mail: info@museumbelvedere.nl, Internet: www.museumbelvedere.nl
Comedy Wildlife Awards 2025
Eine Vaping-Ente, ein weltberühmter „enthaupteter“ Flamingo und verschiedene Tiere mit guten und schlechten Haartagen: Im Naturmuseum Brabant gibt es was Besonderes zu sehen. Noch bis zum 3. Mai wird dort die achte Ausgabe der „Fotoausstellung Comedy Wildlife Awards“ gezeigt, mit vierzig Fotos von Tieren in unbeabsichtigt komischen Situationen.
Die Ausstellung zeigt, wie überraschend und beeindruckend die Natur ist, und lenkt auf einfühlsame Weise die Aufmerksamkeit auf den Naturschutz. Genau deshalb passt es so gut ins Natuurmuseum Brabant. Vor acht Jahren brachte es die Ausstellung ausschließlich in die Niederlande, genauer gesagt: nach Tilburg. Es war ein großer Erfolg, sowohl im Museum als auch in den sozialen Medien.
KI oder echt?
Es gibt auch das Flamingo-Foto von Miles Astray, das bei einem anderen Fotowettbewerb den Publikumspreis in der KI-Kategorie gewann, obwohl es ein echtes, nahezu unbearbeitetes Foto ist. Mutter Natur ist immer noch kreativer als Maschinen, wollte der Fotograf sagen. Noch mehr Extras in diesem Jahr: Alle technischen Spezifikationen der Fotos sind aufgeführt, ebenso wie die Orte, an denen die Fotos aufgenommen wurden. Es gibt auch noch weitere Fakten, die die Ausstellung zu bieten hat. Und es lohnt sich auf jeden Fall, die Fotos live zu sehen, denn da machen sie sogar mehr Spaß als online.
Nähere Informationen: Naturmuseum Brabant, Spoorlaan 434, Tilburg, Telefon: +31 135353935, E-Mail: info@natuurmuseumbrabant.nl, Internet: www.natuurmuseumbrabant.nl
FALSCH! – Frühe Fotocollagen und Fotomontagen
In einer Zeit, in der KI immer klüger wird, fragen Sie sich vielleicht: Wann ist ein Foto gefälscht oder echt? Aber wussten Sie, dass Bilder von Anfang an überraschend leicht zu manipulieren waren? In der Ausstellung FAKE! sind 50 historische Bilder aus der Sammlung des Rijksmuseums Amsterdam zu sehen, die kreative und irreführende Illusionen darstellen.
Ab 1860 begannen Fotografen, mit Fotocollagen und Fotomontagen zu experimentieren, indem sie Fotos schnitten, einklebten und zeichneten. In der Ausstellung kann man sehen, wie sich diese kreativen Techniken bis 1940 entwickelten. Mit einfachen Materialien wie Schere, Klebstoff, Tinte und Bleistift erschufen sie Bilder, die lustig, seltsam oder völlig unmöglich waren. Digitale Werkzeuge wie Photoshop existierten damals noch nicht, alles wurde von Hand erstellt. Manche Fotomontagen zeigen sofort, dass sie Fantasie sind, aber manchmal entdeckt man erst nach genauem Hinsehen, dass sie ausgeschnitten und eingefügt wurden.
Eine Fotocollage und eine Fotomontage mögen auf den ersten Blick gleich erscheinen, aber wissen Sie, worin der Unterschied besteht? In einer Fotocollage werden die Bilder ausgeschnitten und zu einem Ganzen eingefügt, und eine Fotomontage entsteht, wenn mehrere Fotos zu einem Bild zusammengeführt, dann erneut fotografiert und gedruckt werden.
Nähere Informationen: Rijksmuseum Amsterdam, Museumstraat 1, Amsterdam, Telefon: +31 206747000, E-Mail: info@rijksmuseum.nl, Internet: http://www.rijksmuseum.nl