Programm des Museumsvereins Deutsches Historisches Museum

Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Fantasie der Menschen beflügelt. Seit Jahrhunderten ist es in zahlreichen Kulturen präsent. Seine Spur findet sich in christlicher und außereuropäischer Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin sowie in einer reichen Symbolik. Das Einhorn steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Der Ursprung der Erzählung liegt in Indien, von wo sie über China, Persien und Ägypten nach Europa gelangte.

Die Ausstellung „Einhorn“ im Museum Barberini zeigt das faszinierende Fabelwesen von der Antike bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Werke von Albrecht Dürer, Tizian, René Magritte, Rebecca Horn und vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern. „Lang lebe das Tier, das es nicht gibt“, schrieb eine Frankfurter Tageszeitung – und die Schau macht diesem Satz alle Ehre. Mit kräftigen Farben und einer brillanten Inszenierung präsentiert das Museum Barberini eine prachtvolle Ausstellung, die zum Staunen einlädt. Ideal, um dem Weihnachtstrubel zu entfliehen – am besten in den Randzeiten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Februar 2026.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Humboldtstraße 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam. Reguläre Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 10 bis 19 Uhr, dienstags geschlossen.

Zwischen Bild und Botschaft: Ein Flüchtlingstreck und seine fotografische Inszenierung sind Thema im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945

In der Sonderausstellung „Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945“ im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird zum ersten Mal der vollständige Fotobestand, der die Flucht von 350 Menschen aus dem niederschlesischen Lübchen nach Sachsen dokumentierte und inszenierte, gezeigt. Die Ausstellung erzählt nicht nur vom Treck und der Not der Flüchtenden, sondern auch von der Geschichte hinter den Bildern: von einem Fotografen, der in der NS-Zeit zum Bildlieferanten des Propagandaministeriums wurde, und von einem kleinen Ort, in dem Zwangsarbeit und Krieg zum Alltag gehörten – lange bevor die zivile Bevölkerung durch den Vormarsch der Roten Armee zur Flucht gezwungen wurde.

Sehr zu empfehlen ist eine öffentlichen Führung, denn was die Bilder zeigen, ist genauso wichtig wie das, was sie nicht zeigen. Manche Bilder dürften einem sogar bekannt vorkommen, da Tschiras Fotografien bis heute als Bildikonen in Medien, Büchern und Museen präsent sind. Sie prägen – oft ohne Kontext – die kollektive Vorstellung von Flucht und Vertreibung in Deutschland. Die Ausstellung lädt zur kritischen Betrachtung ein und ergründet, wie historische Fotografien unsere Erinnerungskultur beeinflussen.

Nähere Informationen: Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, 10963 Berlin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Im Ephraim-Palais geht es um einen wohlvertrauten Ort:

Berliner Höfe Zwischen Alltag, Arbeit und Begegnung

Spätestens seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert ist Berlin ein Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und aus anderen Ländern. Stadtgeschichte war also immer auch Migrationsgeschichte.

Durch enormes Bevölkerungswachstum, räumliche Ausdehnung und bauliche Verdichtung ist Berlin wie keine andere Stadt von Hinterhöfen geprägt – ob als Wohnhöfe, Schulhöfe, Gewerbehöfe, Atelierhöfe, Hofgärten oder Hof-Restaurants. Ihre Geschichte ist vielfältig, genauso wie die Menschen, die sie beleben.

Überwiegend nähert sich die Ausstellung „Berliner Höfe“ ihrem Subjekt mittels der Fotografie. Aber nicht nur: Der Eingangsbereich zur Ausstellung im Dachgeschoss des Ephraim-Palais ist etwa wie eine Durchfahrt gestaltet. Links hängen Briefkästen aus Metall, nur der Mülleimer für die ungewünscht Post fehlt. Eine Installation der Stadtforscher Duygu Örs und Sinthujan Varatharajah setzt sich mit Sinneseindrücken in Hinterhöfe auseinander. Gerade der Klang der Höfe wird vielen vertraut vorkommen.

Die Ausstellung endet am 18. Januar 2026.

Nähere Informationen: Museum Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin. Reguläre Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen.

Ab zum Wannsee – ein Winterbesuch in der Liebermann Villa

Vision und Illusion. Architekturfotografien von Hélène Binet

Die Fotografin Hélène Binet bereiste Europa, um bedeutende Landsitze und Villen zu portraitieren – von Großbritannien über die Côte d’Azur, Berlin und Umbrien bis nach Brno. Das Ergebnis ist eine Reise duch die europäische Baugeschichte:

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Europa eine architektonische Rückbesinnung auf das Landhaus. Der Wunsch nach einem privaten Refugium führte zu höchst unterschiedlichen Ausprägungen, die Hélène Binet in ihren Fotografien sichtbar macht: vom gotischen Charme des Anwesens Strawberry Hill in Twickenham über die Neuinterpretation der griechischen antiken Architektur der Villa Kérylos an der Côte d’Azur und der modernen Stilistik der Villa
Tugendhat in Brno.

Gleichzeitig eröffnet Binet neue Perspektiven auf Orte jüdischer Erinnerung: Für viele jüdische Familien jener Zeit waren repräsentative Landhäuser Ausdruck kultureller Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung. Hélène Binets künstlerische Arbeiten zeigen eine detaillierte Auseinandersetzung mit den materiellen, ornamentalen und atmosphärischen Charakteristika jedes Anwesens. Gleichzeitig machen sie sichtbar, wie jüdische Auftraggeber mit ihren architektonischen Visionen die europäische Kultur- und Architekturgeschichte bereicherten.

Wie so oft bietet die Liebermann Villa einen Audioguide an, der die Ausstellung begleitet. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich immer in den Audioguide hineinzuhören, um den Kontext der Arbeiten besser zu verstehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. Januar 2026.

Nähere Informationen: Liebermann Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag, 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Am 15. Januar 2026 bis 20 Uhr.

Ich danke Maríon Bayer vom Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums für diese Tipps.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

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