Nachtrag zum DKM Museum

Wie auf dieser Seite in einem vorherigen Artikel zum DKM-Museum in Duisburg schon erwähnt, werden in der dortigen Sammlung fünf Bereiche vereint: zeitgenössische Kunst seit den 1960er Jahren, alte und aktuelle Kunst vom Orient bis Fernost, Kunst aus Alt-Ägypten, Gefäße aus 5.000 Jahren Kulturgeschichte sowie klassische und zeitgenössische Fotografie.

Hier soll etwas näher darauf eingegangen werden.

Neue Kunst:

Das Sammeln aktueller Kunst setzt Mitte der 1960-er Jahre ein und dauert bis heute an. Dabei richtet sich das Interesse zunächst auf konkrete, später auch auf konzeptuelle Kunst. Die Zuneigung zu plastischen Werken und Rauminstallationen übertrifft diejenige zu gemalten Bildern. Farben finden sich eher als annähernd monochrome Farbfeldmalerei denn als malerische Farbtonmodulation. In Graphik und Zeichnung dominieren die Linie oder die klare Farbfläche.

Etwa ein Drittel des Werks von Ernst Hermanns, des einzigen Bildhauers der 1948 in Recklinghausen gegründeten Gruppe „junger Westen“, befindet sich in der Sammlung DKM. Sein künstlerischer Weg vom Informel zur konkreten Kunst ist nachvollziehbar zu sehen. Als ein Hauptwerk wird der «Düsseldorfer Raum» (1994) dargeboten.

Zur konkreten Kunst tragen die Schweizer Gottfried Honegger als Maler und Plastiker, Peter Stein als Maler und Zeichner sowie Hugo Suter als Plastiker ebenso bei wie Erich Reusch mit einer Bodenskulptur aus Stahlblöcken und mit Rußkästen, Ulrich Erben mit Farbfeldbildern und Alf Schuler mit einer Skulptur, die von der Schwerkraft mit geformt wird.

Von Norbert Kricke stammen zwei kleine plastische Arbeiten sowie eine Reihe von Zeichnungen, darunter sechs Blätter wie ein letztes Ausatmen, die kurz vor seinem Tod entstanden sind. Eine Stahlplastik von Otto Boll in Form eines zu den Enden spitz auslaufenden Kreissegments schreibt imaginär einen kompletten Kreis in den Raum.

Tadaaki Kuwayama ist mit monochromen Farbfeldern vertreten, Bernd Minnich hingegen mit einer sehr atmosphärischen Arbeit in Weiß, Gelb und Gold in einem gestreckten Querrechteck. Qiu Shi-Huas große, weiße Leinwand lässt gleichwohl eine Landschaft wie aus Nebeln auftauchen. Auf der Grenze zwischen gegenstandsfreier und abbildlicher Darstellung bewegen sich die aus der Linie lebenden Tiefdrucke von Ben Nicholson (1966/67).

Felsspaltende Kräfte manifestieren die Skulpturen von Ulrich Rückriem, der gleichzeitig den Gegensatz von polierten Flächen und natürlichen Oberflächen ausspielt. Von Rückriem stammt auch eine Reihe von Bildern mit dem Titel «Damenthema». Giuseppe Spagnulos Arbeit veranschaulicht Stahl aufbrechende Kräfte.

Spielarten konzeptueller Kunst bieten die Chinesen Ai Weiwei, Yin Xiuzhen und Song Dong, die Japaner Yuji Takeoka, Hayato Goto und Katsuhito Nishikawa, die Koreaner Jai Young Park und Lee Ufan, die Engländer Hamish Fulton und Richard Long, die Deutschen Christiane Möbus, Dorothee von Windheim, Raimund Kummer, Thomas Virnich und Nikolaus Koliusis.

Acht der 1001 Stühle («fairy-tales»), die Ai Weiwei zusammen mit gleich vielen Chinesen zur 12. Documenta 2007 nach Kassel gebracht hat, sind in die Sammlung gelangt, zudem «coloured vases», 39 neolithische Gefäße (2000/3000 BCE.), die durch Eintauchen in Industriefarbe bunt gefärbt sind, so dass sie nichts von ihrer Jahrtausende alten Geschichte berichten können. Yin Xiuzhens Installation «Peking-Oper» versetzt den Betrachter/Zuhörer in chinesische Alltagsszenen. Song Dongs Installation «Schreibe deine Botschaft mit Wasser» lädt dazu ein, Gedanken mit Pinsel und Wasser einer Steinplatte anzuvertrauen. Yuji Takeoka verwandelt Sockel, Podeste, Vitrinen, Schranken als Elemente musealer Präsentationen in eigenständig wirkende Formen, die die Aufmerksamkeit auf die Leere richten, auf das Abwesende, das als Energie aber spürbar wird. Katsuhito Nishikawas «Physalis» bildet nicht die Frucht nach, sondern überträgt deren Form durch gigantische Vergrößerung in autonome Skulptur.

Hayato Gotos Skulpturen in Form von Booten weisen auf übertragene Inhalte wie etwa jenes mit kunstvoll gefügtem Geäst, das den Titel «people» trägt. Hamish Fulton und Richard Long, Protagonisten der Land Art, lassen den Betrachter an Wanderungen teilnehmen, entweder durch einen poetisch beschreibenden Satz oder durch Serien von Zeichnungen oder Photographien, die auch die zeitliche Dimension veranschaulichen, oder durch Material, das unterwegs gesammelt und zu einem Steinkreis geformt wurde. Christiane Möbus‘ Werke lassen Humor durchblitzen: «Knochenarbeit» reiht Markknochenstücke zu einer Kette oder «Einer von Vieren» zeigt einen ausgestopften Flamingo unter einem Tisch mit vier Feldern dicht über dem Boden und mit einer schräg gestellten, gläsernen Platte. Es fragt sich: sind drei Flamingos entschwunden?

Thomas Virnich vermittelt bei seinem Werk «Von der Schule bis zur Kirche» eine Vorstellung von der Situation von seinem Atelier in einer ehemaligen Schule über mehrere Häuser bis zur Kirche, wobei auch das Innere der Häuser vom Dach bis zum Keller einzusehen ist. Seine Skulptur «Großer Pott» besteht aus zwei Teilen, die sich aufeinander beziehen: aus einem alten, leeren Kupferkessel und aus mehreren Stücken gebrannten Tons, die zu einer plastischen Form entsprechend dem Kesselvolumen zusammengesetzt sind.

In der Neuen Kunst bildet die Fotographie einen eigenen Sammlungsbereich, dessen Radius Reisefotographien des 19. Jahrhunderts aus Ägypten und Japan ebenso einschließt wie die zeitgenössische eines Wolfgang Volz oder Jaroslav Poncar, ferner die klassische Fotographie in großer Breite mit Namen wie Albert Renger-Patzsch, Adolf Lazi, Herbert List bis Bernd und Hilla Becher und Candida Höfer. Aktuelle Positionen vertreten der Koreaner Kyungwoo Chung, die Japaner Ruiji Miyamoto und Kazuo Katase, die Deutschen Robert Voit, Claudia Terstappen und Ulrich Tillmann, dessen Arbeit «Meditationen» zum Logo des Museum DKM avanciert ist.

Die Sammlungsbereiche Neue Kunst und Fotographie, die weit umfänglicher als hier beschrieben und im Museum DKM ausgestellt sind, wachsen kontinuierlich weiter.

Alte Kunst:

Der Bereich Alte Kunst ist in der Sammlung DKM in großer Breite vertreten: von der klassischen, griechisch-römischen Antike, über Kunsthandwerk und Kunst des alten Ägypten, Tiergefäße und Bronzen von Amlash im Nordwesten des heutigen Iran, bis zu Statuen, Statuenfragmenten und Reliefs aus Gandhāra (Pakistan/Afghanistan) sowie einigen Werken aus Indien. Der Radius reicht weiter: die Sammlung umfasst auch Buddha-Köpfe und -Büsten aus Ayutthaya, der alten Hauptstadt von Siam (Thailand), Keramik und Skulpturen der Khmer in Kambodscha, vor allem aber zahlreiche Statuetten, Statuen, Statuenfragmente, Ahnenbilder, Gelehrtensteine, Porzellane aus China, wobei der Schwerpunkt auf Werken der Han-, Wei-, Nördlichen Chi- und Tang-Dynastie (206 vor unserer Zeitrechnung – 968 nach unserer Zeitrechnung) liegt. Japanische Kunst beschränkt sich im Wesentlichen auf das 19. Jahrhundert.

Die klassische Antike ist mit wenigen Werken (Fragmenten von Marmorstatuen und Keramik) in der Sammlung repräsentiert. Stärker ist der Fokus auf alte ägyptische Kunst gerichtet. Der größere Teil des Bestandes ist dem Antikenmuseum und Sammlung Ludwig in Basel/CH als Dauerleihgabe überlassen, darunter das Relieffragment (Kopf) eines Beamten (Altes Reich, 2345 – 2181 vor unserer Zeitrechnung), das Fragment (Beine) einer Statuette des Amenophis’ III. (Neues Reich, 18. Dynastie, 1423 – 1365 vor unserer Zeitrechnung) und ein bronzener Apis-Stier (Spätzeit, 5. bis 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung), während im Museum DKM einige Gefäße aus verschiedenen Steinen (bis zu 3000 vor unserer Zeitrechnung), eine Osiris-Statuette und mehrere Ibis-Sarkophage gezeigt werden, sowie, als Rarität, ein kupferner Sarkophag für eine Spitzmaus (400–300 vor unserer Zeitrechnung). Die Tongefäße in Gestalt von Tieren oder Tierköpfen sowie die Tiergestalten in einer Kupferlegierung aus der Zeit von 1250 bis zum 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, aus dem Bereich der Stadt Amlash (Provinz Gilan), haben sicherlich kultische Aspekte als Voraussetzung für ihre Entstehung.

Die Sammlung umfasst mehrere Statuen und Statuenfragmente des Buddha und des Bodhisattwa, dazu eine Reihe von szenischen Reliefs zum Leben des Buddha, eine kleine, in ihre Teile zerlegte Stupa sowie verschiedene fein gearbeitete Gefäße aus Stein. Der hellenistische Einfluss macht sich im ponderierten Stand von Figuren wie auch in einem harten Schnitt von Nase, Brauen, Augenlidern und auch der Lippen bemerkbar.

Aus Indien stammt ein „linga“ aus dem 11. bis 12. Jahrhundert. Es ist ein Pfeiler, der im unteren Teil quaderförmig, im mittleren oktogonal und im oberen rund ist. Während unteres und mittleres Drittel grob behauen sind, ist das obere Drittel fein poliert und mit den Hochreliefs von vier Köpfen geschmückt. Alle vier Köpfe mit einem dritten Auge auf der Stirn zeigen „Śiva“, der gekrönte Kopf in seinem Furcht erregenden Aspekt als „Aghora“.

Das aufgetürmte Haar der anderen drei Köpfe symbolisiert „Śiva“ als „Mahāyogin“ und als „dhurjattin“ (’der eine Last in den Haaren trägt’). Das „Linga“ kann die Form eines Phallus annehmen, um die lebenserzeugende Kraft Śivas zu veranschaulichen. Überdies gehören zwei Fenstergitter (Jali) aus der Zeit um 1700, der Mogul-Periode, zur Sammlung.

Eine Photographie von Gundlach zeigt den Kopf eines jungen Kambodschaners neben dem Kopf einer alten Khmer-Statue. Es ist überraschend zu sehen, dass der Menschenschlag des historischen Khmer-Reichs vom 9. bis 15. Jahrhundert mit dem Zentrum Angkor Wat sich offenkundig bis heute in der Region gehalten hat: beide Gesichter mit breiter Stirn, schweren Wangenknochen und ausladendem Kiefer stimmen im fast quadratischen Gesichtsumriss überein. Neben zahlreichen Gefäßen und Gefäßfragmenten (Elefantenköpfen) besitzt die Sammlung auch einige Steinskulpturen.

Die Sammlung japanischer Kunst umfasst die Statue eines Shinto-Priesters aus dem 12. Jahrhundert, einen Hausaltar mit dem Bodhisattwa Jizô aus dem 18. Jahrhundert und Keramiken, Rollbilder, Paravents, Kalligraphien aus dem 19. Jahrhundert. Unter den Rollbildern, Keramiken und Kalligraphien finden sich viele von der Hand der Otagaki Rengetsu, einer bemerkenswerten Frau (1791 – 1875), die als Dichterin und Malerin hervorgetreten und mit 40 Jahren Nonne geworden, aber weiterhin als Künstlerin tätig geblieben ist.

In der Sammlung Alter Kunst kommt der chinesischen Kunst die größte Bedeutung zu, aufgrund der Vielzahl der Werke, der unterschiedlichen Gattungen und der Qualität der Objekte. Aus der Zeit der Han-Dynastie (206 vor unserer Zeitrechnung – 220 nach unserer Zeitrechnung) stammen ein Zug mit 15 Reitern sowie eine Reihe von 16 Fußsoldaten. Die Han-Dynastie, die China über 400 Jahre und damit am längsten regierte und dem Land wirtschaftlich und kulturell eine Blütezeit bescherte, hat den großen Reichseiniger und ersten Kaiser Qin Shihuang Di (221 – 210 vor unserer Zeitrechnung) beerbt, dessen Qin-Dynastie bald nach ihm 206 vor Christi erlosch. Die Han-Dynastie übernahm ein geeintes Reich mit einheitlichen Gesetzen, verwaltet von geschulten, gelehrten Beamten, erschlossen durch ein verzweigtes Straßennetz mit genormter Wagenspur, ausgestattet mit einheitlichen Maßen und Gewichten. Die für alle geltende weltanschauliche Basis war der Konfuzianismus, eine Staatsethik der Loyalität und Pietät, der Über- und Unterordnung, die der Oberschicht auch im Jenseits die Weiterführung des Ranges im Leben garantierte. Der Ahnen- und Totenkult war somit ein Privileg der Elite.

Nach der Han-Zeit zerbrach das Reich. Gleichzeitig begann der Buddhismus im 3. Jahrhundert, sich auf sanfte Weise in China zu verbreiten. Seine Klöster bildeten geistige, kulturelle und wirtschaftliche Zentren. Der Buddhismus fand großen Zulauf als individuelle Heilslehre, die den Menschen zur Reinheit des „nirvāna“ läutern wollte. Der Buddhismus blieb etwa ein Jahrtausend in China, wurde während der Tang- und Song-Dynastie (618 – 907, 960 – 1279 nach unserer Zeitrechnung) gewaltsam zurückgedrängt und schließlich ausgelöscht. Seine Blütezeit erreichte der Buddhismus zur Zeit der Nördlichen Qi-Dynastie (550 – 577 nach unserer Zeitrechnung) und der Sui-Dynastie (581 – 618 nach unserer Zeitrechnung), die das chinesische Reich wieder einte.

Buddha-Statuen und –Köpfe aus Kalkstein in großer Zahl und von bezaubernder Schönheit umfasst die Sammlung, darunter einen monumentalen Buddha-Kopf aus weißem Marmor (90 cm Höhe) mit Spuren farbiger Fassung.

Aus der Wei-Dynastie (386 – 550 nach unserer Zeitrechnung), die nur einen Teil des Reiches beherrschte, stammt ein Zug mit 53 Figuren aus einer Grabbeigabe – in der konfuzianischen Tradition der Han-Dynastie –, die in der hohen Beamtenschaft und im Militär überdauerte und zur Tang- und Song-Zeit den Buddhismus bekämpfte. Aus der Tang-Dynastie besitzt die Sammlung hervorragende Werke: die Statue eines Tempelwächters mit furchterregender Mimik und Tierskulpturen aus Ton von großer Realitätsnähe.

Seit der Song-Zeit sind Gelehrtensteine überliefert, Objekte des sinnenden Betrachtens und des Wanderns der Augen in einer Miniaturlandschaft, die auf flachen Holzsockeln lagern. Die Exemplare in der Sammlung datieren aus der Qing-Dynastie (18. bis 19. Jahrhundert). Aus dieser Zeit stammen auch mehrere großformatige Rollbilder mit Ahnenportraits hoch- und höchstgestellter Personen in prachtvollen, zeremoniellen Gewändern. Überdies hat die Sammlung auch einige historische Möbel erworben. Eine Vielzahl von Porzellanen seit der Song-Zeit rundet die Vorstellung von chinesischer Kultur in der Sammlung ab. Diese Porzellane zeichnen sich durch eine hohe Formvollendung aus, die das Design bis in die heutige Zeit in den besten Fällen nachdrücklich beeinflusst.

Nähere Informationen: Museum DKM, Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg-Dellviertel, Telefon: +49 203 9355547–0, E-Mail: mail@museum-dkm.de

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