Wissenswertes über einen Anschlag auf Buddha und vieles mehr im DKM-Museum

Bei meiner Suche nach interessanten Museen im Umkreis von 100 Kilometern – bei Gelegenheit auch mal etwas weiter weg – rund um meinen Heimatort Nordhorn bin ich vor Kurzem auf das DKM-Museum in Duisburg gestoßen. Der Hinweis erfolgte über eines der bekannten sozialen Medien.

Zur Geschichte des Museums

Als Vertreter einer „freien Bürgergesellschaft, in der einzelne Mitbürger beschließen, ihr privates Vermögen für Aufgaben der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen“, mit dem Ziel, Impulse zu setzen, „die für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Gesellschaft wegweisend sind“, begannen für die Duisburger Bauunternehmer und Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas in den 1990-er Jahren Überlegungen, sich in ihrer Heimatstadt im Bereich Kunst zu engagieren.

In diesem Geist gründeten sie am 7. Februar 1998 die Stiftung DKM mit Sitz in Duisburg am Philosophenweg 17A, gelegen am Innenhafen im „Garten der Erinnerungen“.

Bis Ende 2001 lagen die Hauptinteressen der Stiftungsaktivitäten im wissenschaftlichen Aufbau des Bildhauerarchivs Ernst Hermanns sowie in der Realisierung des Ausstellungsprogramms für die SchauFenster-Galerie des Hauses, begleitet von medienübergreifenden Rahmenveranstaltungen, die überwiegend in Kooperation mit städtischen und überregionalen Kulturpartnern entstanden.

Die jahrzehntelange Betreuung des Münchner Künstlers Ernst Hermanns seit 1972 bis zu seinem Tode in 2001, seine Treuhandverwaltung und der Aufbau des Archivs zeigten den Stiftungsgründern, dass erheblicher Bedarf an professionellem Service für Künstler der älteren Generation besteht: Es galt nicht nur, den privaten Dokumentenbestand des Künstlers zu erhalten, der nicht selten Aufschluss über ungeklärte Forschungsfragen zum Werk gibt – oft nämlich verschwinden solch mediale Zeitzeugen im Umfeld nicht sachkundiger Erben. Es galt auch, schon zu Lebzeiten ein gut verfügbares, digitales Medienarchiv und Werkverzeichnis aufzubauen, welche mehr noch den Kunstvermittlern die ausstellungsorganisatorische Arbeit ebenso wie die wissenschaftliche Aufarbeitung erleichtern.

Weitere Schritte folgten: Der langjährige Kontakt der Sammler und Stiftungsgründer zu Ulrich Rückriem mündete vor diesem Hintergrund in der Neugründung der Ulrich Rückriem-Unterstiftungen: Noch vor seiner Rückkehr aus Irland und der Normandie Ende 2002 unterzeichnete Ulrich Rückriem am 24. Oktober 2001 die Stiftung Ulrich Rückriem 5-Räume, im August und November 2002 folgten die Gründungen der Ulrich Rückriem Museumsstiftung und der Ulrich Rückriem Stiftung Sinsteden. Seit dem 22. Januar 2009 existiert das Museum DKM in der Duisburger Innenstadt an der Güntherstraße 13–15. Schließlich wurde auch die Treuhandverwaltung für Ernst Hermanns in die Rechtsform einer Unterstiftung der Stiftung DKM verwandelt: am 8. Dezember 2002 wurde die Stiftung Ernst-Hermanns-Archiv aus der Taufe gehoben.

Im Jahr 2014 wurde anlässlich des 100. Geburtstags Ernst Hermanns eine vielschichtige, von Prof. Dr. Erich Franz kuratierte, Übersichtsausstellung im Museum DKM präsentiert. Zur Ausstellung erschien ein reich bebildeter Katalog. Die halbjährige Ausstellung „Raum, Statik und Bewegung – Der Plastiker Ernst Hermanns“ bildete den Abschluss der Ausstellungsreihe „Allez les boules“.

Über das Museum und die dort beheimateten Sammlungen

Das Museum DKM liegt im Zentrum der Duisburger Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof.
Die Architektur des Museum dient in nobler Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Drei Baukörper erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein.

Die Sammlung DKM vereint fünf weit auseinander liegende Bereiche: einerseits zeitgenössische Kunst seit den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts, andererseits bis über 2000 Jahre alte sowie aktuelle Kunst aus Südostasien, ferner Kunst aus Alt-Ägypten, wovon allerdings nur wenige Stücke gezeigt werden (der größte Teil befindet sich als Dauerleihgabe im Antikenmuseum Basel), zudem Gefäße aus 5000 Jahren Kulturgeschichte bis in die Gegenwart (W. Wagenfeld) und schließlich klassische sowie zeitgenössische Fotografie.

Räumliche Aufteilung

Das Untergeschoß im Altbau beherbergt Statuen, Büsten und Köpfe aus Stein und Marmor, darunter einen einzigartigen monumentalen Buddha-Kopf, ferner einen Begräbniszug mit 53 Figuren, weitere Reiter- und Kriegergruppen, Tiere und Gefäße aus bemalter Terrakotta aus den chinesischen Dynastien Han, Nördliche Wei, Nördliche Qi, Sui, Tang (206 vor unserer Zeitrechnung bis 907 nach unserer Zeitrechnung). Zudem sind chinesische Ahnenbilder, Gelehrtensteine, Möbel und Porzellan vom 10. bis 19. Jahrhundert zu sehen. Eine Klanginstallation mit Fotografien auf Rollbildern versetzt den Besucher in Straßenszenen einer chinesischen Stadt. Ein Raum ist japanischer Kunst des 12. bis 19. Jahrhunderts gewidmet.

Die sechs Räume im Erdgeschoß des Hoftraktes (Altbau) sind für Wechselausstellungen vorgesehen, während die übrigen Bereiche als Dauerausstellung konzipiert sind.

Die acht Räume im Neubau nehmen unter anderem Werke von Raimund Kummer (DE), Kyungwoo Chun (KR), Song Dong (CN), Bernd Minich (DE), Ulrich Rückriem (DE), Blinky Palermo (DE) und Ernst Hermanns (DE) auf, darunter dessen saalgroßen «Düsseldorfer Raum». In einem der Räume werden Torsi und Buddha-Köpfe des 17. und 18. Jahrhunderts aus Thailand (Ayutthaya) präsentiert. Mehrere dieser Räume bieten inszenierte Ausblicke in fernöstlich anmutende Innenhöfe.

In den Obergeschossen 1 und 2 (Altbau) sind Werke von nicht weniger als 42 zeitgenössischen Künstlern ausgestellt. Charakteristikum der Präsentation ist es, dass einerseits Künstlerräume geschaffen wurden und dass der Besucher andererseits einigen Künstlern mehrfach im Haus begegnet.

Im Obergeschoß 3, erreichbar über das hintere Treppenhaus, finden sich Statuen und Reliefs des 1. bis 4. Jahrhunderts aus Gandhāra (heute Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan), einem Schmelztiegel von hellenistischer und buddhistischer Kultur, an der alten Seidenstraße.

Zum Anschlag auf Buddha

Wie im Titel schon angekündigt, soll es in diesem Artikel auch um einen Anschlag auf Buddha gehen, in den Räumlichkeiten des Museums durch ein Relief dargestellt, das der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts zugerechnet wird.

„Das Relief, das ursprünglich nach rechts fortgesetzt war, ist eingerahmt – oben durch einen Fries aus sich überlappenden, lanzettförmigen Blättern, unten durch eine einfache Leiste und an der linken Seite durch ein Paneel mit einem gandhāra-korinthischen Pfeiler. Auf der Rückseite sind ein Loch zur Befestigung, Spuren von Meißelrillen und oben eine quadratische Klammerfuge zur Einführung eines Bolzens zu sehen. Auf der Rückseite sind ein Loch zur Befestigung, Spuren von Meißelrillen und oben eine quadratische Klammerfuge zur Einführung eines Bolzens zu sehen.
Die zentrale Person der Darstellung ist ein stehender Buddha mit einem kleinem Uṣṇīṣa, einem Gewand, das beide Schultern bedeckt. Er berührt mit seiner rechten Hand einen großen, rechteckigen, pfeilerartigen Stein, während er mit der Linken seine Mönchsrobe an einem Zipfel hochhält. Auf der linken Seite des Buddhas steht ein bärtiger Vajrapāṇi in kurzem Gewand, der seinen Vajra mit beiden Händen umfasst. Auf der anderen Seite des Steines stehen von rechts nach links fünf jugendlich aussehende Personen, von denen vier einen zweiten Stein tragen, der hier schräg aufgerichtet dargestellt ist. Die erste Person steht aufrecht, den Kopf zum Buddha hin gewendet, während die zweite halb kniend zum Pfeiler gewendet ist. Beide tragen ein Laṅghoṭī (Lendentuch), ein Kleidungsstück, das in Gandhāra (antike Region um die Stadt Peschawar, die heute das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan bildet. Ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. war Gandhāra eine der 21 Provinzen des Perserreiches der Achämeniden) typisch für Ringkämpfer und Athleten ist.Von den weiteren drei Personen auf der anderen Seite des schräg aufgerichteten Pfeilers sind zwei bis zur Brusthöhe gezeigt, während von der dritten, oben links, nur der Kopf zu sehen ist.
Die im Relief dargestellte Legende erzählt von den ersten zwei Attacken des bösen Cousins Devadatta auf Siddhārtha. Dieser bemühte sich, nachdem er dem buddhistischen Orden beigetreten war, erfolglos, die Führung der Gemeinde zu übernehmen. Devadatta versuchte den Buddha durch eine Anschlagsserie zu verdrängen, aber ohne Erfolg.

Laut Mūlasarvāstivādin Vinaya ließ Devadatta für seinen ersten Attentatsversuch von einem Ingenieur und 500 Männern eine Maschine anfertigen, mit deren Hilfe der Buddha getötet werden sollte. Devadatta erteilte den Auftrag jedoch erst, nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Männer entschlossen waren, den Buddha umzubringen, wenn diese Vorrichtung nicht funktionieren sollte. Die Mechaniker bereuten jedoch ihre Tat vor der Inbetriebnahme der Maschine, stiegen zum Buddha herab und wurden bekehrt. Devadattas zweiter Versuch bestand darin, dass er einen großen Stein auf den Buddha schleuderte. Vajrapāṇi zersplitterte ihn jedoch und ein Yakṣa (ein männlicher Naturgeist, verbunden mit Vegetation und Wohlstand, weiblich Yakṣī) verlor sein Leben, als er versuchte, ein Bruchstück aufzufangen, das den Fuß Siddhārthas verletzte.
Abschließend ist noch die Ähnlichkeit zwischen der verdrehten Körperstellung der Figur rechts vom Pfeiler und einer Figur an der linken Seite des Devadattas-Reliefs im British Museum erwähnenswert.“ Artikel von Anna-Maria Quagliotti, Professorin für indische Kunst.

Nähere Informationen: Museum DKM, Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg-Dellviertel, Telefon +49 203 9355547–0, E-Mail: mail@museum-dkm.de

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