„Sex now“ im NRW-Forum Düsseldorf

Sex ist eine komplizierte Angelegenheit, was den Umgang mit ihm angeht. Deswegen beginnt dieser Artikel mit folgendem Warnhinweis der Ausstellungsmacher vom NRW-Forum Düsseldorf: „Die Ausstellung „Sex now“ ist nur für Besucherinnen und Besucher ab 18 Jahren zugänglich. Sie zeigt künstlerische Arbeiten mit expliziten sexuellen Inhalten.“

Zur Ausstellung

Sex kann Menschen verbinden, befreien, verletzen und kontrollieren. Mit der Ausstellung „Sex now” lädt das NRW-Forum Düsseldorf dazu ein, Lust, Körper und Begehren in all ihrer Komplexität zu entdecken. Von Latexmode, Möbeldesign, Fotografie und Medienkunst bis hin zu Puppen und Toys: In zehn thematischen Räumen mit rund 400 Objekten inszeniert die Schau einen intimen Dialog über Sexualität und Gesellschaft. Sie erzählt von erotischen Fantasien, queeren Perspektiven und neuen Realitäten – frei von Tabus und Stigmata.

Ein historischer Einstieg zeigt, wie sich Sexualmoral gewandelt hat: von tradierten Geschlechterrollen über die sexuelle Revolution der 68er bis hin zur heutigen #Sexpositivität. Dabei treffen ein Sexualkunde-Atlas von 1969 oder eine lila Latzhose als Symbol politischer Emanzipation auf Arbeiten wie „Fleshie Fountain” der Künstlerin „Peaches”– eine Installation aus Sextoys, die ursprünglich für männliche Selbstbefriedigung gedacht waren und nun patriarchale Machtverhältnisse unterlaufen.

Wie wird Sexualität in Medien und Gesellschaft dargestellt? Was bedeutet sexuelle Selbstbestimmung heute? Welche Rolle spielen Intimität, Körperbilder oder Konsens – und wie wirken sich digitale Technologien auf unser Begehren aus? Interaktive Stationen laden dazu ein, eigene Erfahrungen, Vorstellungen und Mythen spielerisch zu hinterfragen. Das“Sexoscope” wirft humorvoll einen Blick in die Zukunft, ein Körperwissen-Kollektiv zeigt Genitalmodelle zum Auseinandernehmen, in der queeren “#Fluffy Library” verschlingt ein Plüschwesen feministische Geschichten – und macht daraus neues Wissen.

Die Ausstellung öffnet Räume für persönliche, kulturelle und politische Fragen. Was bedeutet guter Sex? Wie sieht lustvolle Gleichberechtigung aus? Und wie können wir unsere Körper, Wünsche und Grenzen selbstbestimmt erkunden? In einem japanisch inspirierten Klangraum begegnen die Besucherinnen und Besucher ASMR-Sounds, die sich zwischen Alltag und Erotik bewegen. In anderen Kapiteln geht es um Macht, Gewalt und Sichtbarkeit – etwa in Arbeiten zu „#MeToo” oder in feministischer Pornografie, die Stereotype hinterfragt und neue Bilder schafft. Unkonventionelle Vorlieben, Fetische, Sinnesreize – auch „#Kinky” wird in der Ausstellung thematisiert. Kleidungsstücke der Plattform „TastySlips” zeigen, wie stark Begehren an Geruch, Material oder Spuren des Alltags gebunden sein kann.

In „#SexualWellness” geht es um Selbstfürsorge, Selbstliebe und Entspannung – etwa durch Sex Toys, die mehr können als stimulieren: Sie erzählen auch von Technologiegeschichte und kulturellem Wandel. Hörspiele von „femtasy” sorgen hier für akustische Nähe. Virtuelle Beziehungen, Liebessimulatoren, KI-Sexpuppen: Wie verändert sich Sexualität im Zeitalter digitaler Technologien? In „#Futuresex” treffen die Besucher auf genderfluide Avatare im Metaverse, aber auch auf alternative Visionen wie „Pteridophilia”, ein Video über zärtliche Begegnungen zwischen Menschen und Farnen.

“Sex now” präsentiert Künstlerinnen, Designerinnen und Aktivistinnen, die mit ihren Arbeiten zur sexuellen Emanzipation beitragen. Sie verhelfen Minderheiten zu mehr Sichtbarkeit und fungieren als Aufklärerinnen in einem Bereich, der trotz sexueller Revolution und Kommerzialisierung noch immer von Ungleichheit und Scham geprägt ist.

Mit dabei sind Werke von Paul McCarthy, Peaches, Zheng Bo, Tom of Finland, Joëlle Dubois, Poulomi Basu, Miyo van Stenis, Antigoni Tsagkaropoulou, Martin de Crignis, Melody Melamed, Andreas Ullrich & Tatjana Bikic und vielen mehr

Begleitend zur Ausstellung starten die Veranstalter einen eigenen „OnlyFans-Account”, auf dem sie unzensierte Einblicke hinter die Kulissen und ausgewählte Werke zeigen. „OnlyFans” ist das einzige soziale Netzwerk, das die Darstellung von Nacktheit erlaubt. Während der „spicy Content” zur Ausstellung auf Instagram zensiert wird, haben die Veranstalter in „OnlyFans” eine neue Plattform für künstlerischen Ausdruck ohne Zensur gefunden.

Nähere Informationen: NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf, Telefon +49 (0) 211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

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