Vom Kloster zum Ort für Kunst und Kultur

Ort für lebendige Geschichte aber auch zeitgenössische Kunst ist das bei Hörstel gelegene Kloster Gravenhorst.

Idyllisch inmitten von Wäldern und Wiesen ist das Kloster Gravenhorst angesiedelt, das im Jahre 1256 von dem Tecklenburger Ritter Konrad von Brochterbeck gemeinsam mit seiner Frau Amalgarde von Budde gegründet wurde. Erste Äbtissin wurde deren gemeinsame Tochter Oda, die es in der Folgezeit verstand, den Klosterbesitz zu mehren und dafür zu sorgen, dass der von ihr ins Leben gerufene Zisterzienser-Orden zwar nicht offiziell anerkannt, aber dennoch geduldet wurde. Trotz der Übergriffsversuche weltlicher Herren und der beständigen Auseinandersetzungen mit dem Generalkapitel der Zisterzienser, dem die große Selbständigkeit der Gravenhorsterinnen sowie deren enger Kontakt mit ihrem weltlichen Umfeld immer missfiel, gelang es der kleinen Gemeinschaft, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Eigenständigkeit zu wahren und ihre Interessen gegen alle Widerstände durchzusetzen. Nach der endgültigen Auflösung des Orden im Jahre 1808 folgten zahlreiche Besitzerwechsel und unterschiedliche Nutzungen der Klostergebäude. Zuletzt war dort eine Champignonzucht untergebracht, ehe der Trägerverein Kloster Gravenhorst die Anlage 1986 kaufte. Ende der 1990-er Jahre übernahm der Kreis Steinfurt das Kloster Gravenhorst als erbbauberechtigter Projektträger und bemühte sich in den Folgejahren um eine neue Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudeensembles. Ein kulturelles Nutzungskonzept wurde im Rahmen des Strukturförderprogramms „Regionale 2004 links und rechts der Ems“ des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt, das die notwendigen Gelder für die Instandsetzung bereitstellte. Im Mai 2004 war es dann so weit, dass das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst seine Pforten öffnen konnte.

Seitdem zieht die fulminante Rekonstruktion der fast vollständig erhaltenen Klosteranlage Gravenhorst das Publikum nicht mehr nur als atmosphärisch dichtes Ausstellungsforum für Zeitgenössische Kunst in seinen Bann. Sie macht auch neugierig, mehr über die Geschichte des Ortes zu wissen, der in seiner architektonischen Gestalt über ferne Zeiten zu berichten scheint. Wie das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst auf seiner Internetseite schreibt, wird mit der Nutzung als Kunstort auf die spirituellen Wurzeln des Ortes zurückverwiesen. Wörtlich heisst es weiter: „… Kunst wie Religion erweitern unsere Wahrnehmung, unser Bewusstsein und unsere Vorstellung von Welt und Wahrhaftigkeit. Damit scheint der Ort heute gewissermaßen an seine ursprüngliche Bestimmung zurückgeführt zu sein. Mit dem DA, Kunsthaus wird im Kloster Gravenhorst ein Kreis geschlossen und der Ort bleibt dennoch lebendig und in ständiger Veränderung.“

Und wofür steht das DA?

Dazu schreiben die Verantwortlichen des Hauses Folgendes: „DA wurde von der konzeptionellen Bezeichnung des ehemaligen Klosters als Denk-Mal-Atelier abgeleitet. Mit dieser Bezeichnung wird zugleich auf die historische und architektonische Bedeutung des Klosterensembles und auf die aktuelle Produktion und Auseinandersetzung mit Kunst hingewiesen. Der Begriff „Atelier“ verweist auf die Produktion von Kunst.
 Auseinander geschrieben verweist der Begriff »Denk-Mal-Atelier« auf wichtige Bestandteile des Programms:
Denk = Vermittlung von Wissen über Kunst, Aufforderung zur kritischen Auseinandersetzung mit Kunst.
Mal = verweist auf »malen«, im übertragene Sinne auf das »Selber tun«, machen = erlebnisorientierte, aktive Auseinandersetzung mit Kunst.
Atelier = Produktion, Werkstattcharakter, Experimentierfeld und Forum für Künstler und Laien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Kürzung der Bezeichnung Denk-Mal-Atelier zum DA war ein gelungener Kunstgriff und eine Marketingstrategie der Firma Total Identity. Mit der von ihr entwickelten Corporate Identity und der Wahl des Wortes DA wurden nicht nur die grafischen Richtlinien für die Werbung des Hauses formuliert, sondern auch eine Kommunikationsstrategie entwickelt, die die ambitionierten Leitideen des Kunsthauses unterstützen. Denn DA steht (als Zeige- und Ausrufewort) auch für zeigen und Richtung weisen. DA heißt suchen und finden und DA steht für Veränderung und Bewegung. In Gravenhorst wird Kunst nicht als schmückendes Beiwerk, als kompensatorische Verschönerung der Gesellschaft, sondern als Forschung, Spiel und kritischer Diskurs im aktuellen gesellschaftlichen Kontext verstanden.“

Kunst auf dem platten Land – zwischen Globalisierung und regionaler Identitätsbildung

So lautet daher der Hintergrundtenor des Nutzungskonzeptes. Denn nur unter diesen beiden Voraussetzungen, nämlich der Anbindung an das aktuelle (auch internationale) Kunstgeschehen, sowie einer Einbindung in das (Kultur-)Leben der Region kann das Kunsthaus erfolgreich sein. »Kunst im Kontext« – das heißt einerseits Bezug und Rücksicht auf die Geschichte, andererseits Reflexion über das aktuelle, gesellschaftliche Geschehen durch die Kunst. Im DA wird Kunst in die Lebenszusammenhänge der Menschen eingebunden und – an die Erfahrungen und die Erlebnisse der Menschen anknüpfend – vermittelt. Kunst ist hier auch im Sinne von Lebens-Kunst zu verstehen, d.h. als Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensentwurf; als Fähigkeit zum Teilhaben an gesellschaftlichen Prozessen und als kreative Schaffung von neuen Lebensperspektiven in einer immer unüberschaubareren Welt.
Dieses Verständnis von der Rolle der Kunst, das als die grundlegende DA-Leitidee gelten kann, findet im Herzstück des Kunsthauses – im Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« – seine deutlichste und konkreteste Umsetzung. Die ersten Kunstprojekte des Stipendiumsprogramms wurden ab Herbst 2005 im DA durchgeführt. Der Fokus der Stipendien liegt in der Förderung kommunikativer Kunstprojekte, die vor Ort durchgeführt werden. Das heißt vor allem gemeinschaftsorientierte öffentliche Kunstprojekte, die nicht ursprünglich und ausschließlich für einen musealen Kunstraum geplant sind. 
Also Kunstprojekte, die sich inhaltlich auf gesellschaftlich-soziale, partizipatorische Aspekte konzentrieren und die nicht vorrangig ergebnis- sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind.
Gemeint sind auch ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des Ortes Kloster Gravenhorst auseinandersetzen. Kunstprojekte und Werke, deren Produktionsprozesse von der Partizipation künstlerischer Laien, auch von Kindern und Jugendlichen geprägt sind, werden ebenfalls gefördert.
Das Kunsthaus Gravenhorst ist also – trotz seiner ländlichen Lage – kein Refugium für Künstler, keine Idylle fernab von der gesellschaftlichen Realität.
Das Spannungsfeld zwischen Globalität und Regionalität, zwischen Geschichte und Aktualität, spiegelt sich auch in den fünf Themenkomplexen wieder, die die Ausstellungs- und Projekttätigkeit des Kunsthauses bestimmen sollen.
Remember History/Think History“ reflektiert unter dem Label »Kunst und Geschichte« die historische Authentizität des Ortes. „Natural Reality“ thematisiert unter der deutschen Subline »Kunst und Ökologie« Fragen der Natur, der Landschaft und des Environments. „Lost Paradise“ (verlorenes Paradies) bezieht sich auf die sakralen Ursprünge des Ortes auch unter dem Aspekt einer spezifisch »weiblichen« Spiritualität, wie sie zur Gründungszeit des Klosters in Europa in großer Blüte stand. Unter dem Begriff „Body Relations“ (Kunst und Körper) sowie „Perception – Observation – Truth“ (Kunst und Wahrnehmung) werden aktuelle und kunstimmanente Themen aufgegriffen.

Das Projektstipendium „KunstKommunikation“

Seit fünfzehn Jahren fördert der Kreis Steinfurt im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit dem Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« gemeinschaftsorientierte Kunstprojekte, die von Handlung und Laienbeteiligung leben und gesellschaftsrelevante Themen mit partizipatorischen Aspekten aufgreifen.

Im Fokus stehen Kunstprojekte auf internationaler Ebene im ländlichen Raum, die sich nicht nur an ein spezifisches Kunstpublikum wenden, sondern auch an eine breite, regionale Öffentlichkeit, die immer Teil der künstlerischen Konzepte und Aktionen ist. Lebensnahe Themen bieten im DA und in der ganzen Region Anlass für künstlerische Projekte, Aktionen und Interventionen, die oft in Kooperation mit Betrieben, Vereinen und Schulen der Region durchgeführt werden. So wurden seit 2006 zahlreiche Kunstprojekte gefördert, die nicht vorrangig ergebnis-, sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind – ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des ländlichen Raums auseinandersetzen.

Askese mit Wildschwein oder analoges Archiv – Führungen und Workshops zur Kunst und Geschichte des DA

»Novizinnen gesucht!« – Wasserbaukunst, einen Mann im Frauenkloster, Mittelalter erleben oder »Die Auflösung des Sehens« – im DA, Kunsthaus gibt es inszenierte Schauspielführungen für Familien, Schulklassen und Besuchergruppen, kreative Workshops mit den Künstlerinnen und Künstlern des Projektstipendium „KunstKommunikation“ und kunstpädagogische Führungen für Kinder… Und natürlich „DA ist Kunst“ – die Führung zu den aktuellen Ausstellungen im DA, Kunsthaus.

Geschichte hinterm Giebel – Historische Präsentationen im DA

Die kleine, aber feine Reihe der historischen Ausstellungen im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst zeigt ungewöhnliche Facetten zur spannenden Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters: Das können Fundstücke aus der Zeit der Ausgrabungen im Zuge des Umbaus zum Kunsthaus sein – anschaulich präsentiert als Vitrinenausstellung im Foyer oder kleinen Saal des DA. Schriftstücke und Dokumente beleuchten die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen durch die Jahrhunderte. Émigrés in Gravenhorst, Flucht übers Nonnenpättken oder Napoleons Machtübernahme in Westfalen: Die historischen Präsentationen erzählen von guten und schlechten Zeiten, von Krieg und Wohlstand, gesellschaftlichen Gepflogenheiten, Wasserbaukunst und Müllerhandwerk – und schlagen immer wieder auch den Bogen in die heutige Zeit.

Von Marktzauber bis openART – Inspirierende Feste rund um die Kunst

Regionale Produkte und viel Selbstgemachtes, das Künstlerdorf mit spannenden Aktionen der jeweiligen Stipendiaten, Kreativangebote für die Jüngsten, ein fröhliches Miteinander, staunen und diskutieren, Künstler kennen lernen, durch aktuelle Ausstellungen zeitgenössischer Kunst schlendern oder die besondere Atmosphäre der historischen Gemäuer atmen – Kunstfeste im DA sind ein Vergnügen für die ganze Familie, für Kunstinteressierte aus nah und fern, Müßiggänger und Genussmenschen. Übers ganze Jahr lässt sich ein attraktives Kunsterlebnis entdecken: »Marktzauber« – der Klostermarkt mit seinen rund 70 Ausstellern im Mai, openART – der inspirierende Sommerabend der offenen Tür im DA, spontane Aktionen wie Osterfest samt Picknick, ein Apfelfest mit Buchsbaumanalye und „Meeting Halfway“ oder der Gravenhorster Adventskranz zeigen, dass im DA ist immer was los ist.

21. September: openART – DA passiert Kunst

openART steht ganz im Zeichen des Projektstipendiums „KunstKommunikation“, das seit 2006 jährlich mit bis zu vier partizipativen, ortsbezogenen Kunstprojekten zum Mitmachen und Mitdenken einlädt. Die »AUSBLICK!«-Ausstellung, die im Rahmen von »openART« ihre feierliche Eröffnung erlebt, versammelt die Entwürfe aus der Ideenwerkstatt. Außerdem werden die ausgewählten Projektideen für das Projektstipendium „KunstKommunikation 26“ erstmals öffentlich bekanntgegeben und vorgestellt. Mit den Kunstaktionen und Präsentationen der Stipendiatinnen und Stipendiaten des aktuellen Projektjahrs wird openART zu einem einmaligen Erlebnis, das Austausch und Inspiration in besonderer, historischer Kulisse verspricht.

5. Juli bis 24. August: „BIOPHILIA. Von Pflanzen und Menschen“

Die Wahrnehmung von Natur ist ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. Je nach kulturellem Verständnis, wissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Perspektiven stellt es sich unterschiedlich dar und befindet sich in einem ständigen Wandel. Wie stehen wir heute zur Natur und wie erleben wir sie?
Ausgehend vom Gedanken der Biophilie widmet sich die Ausstellung dem tiefverankerten Bedürfnis des Menschen nach einer Verbindung mit der Natur und allem Lebendigen an sich. Im Blickpunkt steht der Kosmos der Pflanzen und deren Prozesse von Wachstum, Transformation und Zyklen in wechselseitigem Verhältnis zum Menschen.

In der Ausstellung vertreten sind Werke von Thomas Baumgärtel, Susanne von Bülow & Emmy Bergsma, Maike Denker, Brigitte Hofherr, Marcus Kaiser, Karin Kneffel, Gerlinde Miesenböck, Gabriela Oberkofler, Verena Redmann, Jonas Maria Ried, Jan Philip Scheibe, Nils Völker, Catharina & Dieter Wagner, Astrid Wilk.

Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Führungen, Workshops, Kunst-Natur-Events, Vorträgen und vielem mehr lädt zum Vertiefen, Entdecken und gemeinsamen Austauschen ein.

Neujahrskonzert, Poetry Slam, Schräge Bretter und Septemberklänge – DA live on stage – drinnen und draußen!

Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst wird übers ganze Jahr auch zur Bühne für hochkarätige Konzerte von Jazz bis Klassik. Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung musizieren regelmäßig im Großen Saal gleich zu Beginn des neuen Jahres oder im Familienkonzert »Septemberklänge«, Jazzgrößen wie Christoph Haberer oder Georg Ruby waren bereits zu Gast.

Bereits zwei Mal war das DA „FilmSchauPlatz“ der Film- und Medienstiftung NRW: Mit »Loving Vincent« wurde der erste komplett aus Ölgemälden geschaffene Film über die Welt des Vincent van Gogh im Klosterinnenhof gezeigt. Wortgewaltiges gibt es auch schon mal spontan: bei der Lesung mit Thomas Kienast in der Sommerausstellung von Simone Zaugg oder mit „Slam DA“ – dem Poetry-Festival im Kunsthaus.

Die Jahreszeit im DA: Gravenhorster SAISONALE*

Mit der Umstellung auf die Sommerzeit im März 2019 begann im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst eine neue Zeitrechnung: Fortan wird immer im Sommerhalbjahr die Freifläche rund um das Kloster als Plattform für temporäre Kunstinterventionen genutzt. Natur, Garten und Landschaft sind die Bezugspunkte der ortsspezifischen Kunstprojekte. Die Kunst tritt saisonal in Erscheinung, betritt die grüne Bühne temporär und thematisiert in besonderer Weise ihr eigenes Werden und ihre Vergänglichkeit. So verändert sich die Ansicht des Klosters einmal im Jahr besonders künstlerisch und die zeitgenössische Kunst kreiert eine eigene Gravenhorster Jahreszeit: Die Gravenhorster SAISONALE*!

Kulturpäuschen im „Café Clara“

Wohlfühlen und in einer angenehmen Atmosphäre einen Moment dem Alltag entfliehen – so lautet die Philosophie des Café Clara. Das Team von Peter Holczer lädt zum Verweilen nach einem Besuch des Kunsthauses oder zu einer Rast nach einer Rad- oder Wandertour ein. Platz nehmen kann man im modern ausgestatteten Innenraum Platz oder auf der gemütlichen Sonnenterrasse im idyllischen Klosterinnenhof. Auf der Karte stehen leckere Tee- und Kaffeespezialitäten, ausgesuchte Weine und Spirituosen sowie kleine kalte und warme Gerichte mit Produkten aus der Region. Neben einem kurzen Abstecher zu Kaffee und Kuchen bieten die stilvollen Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters auch den idealen Ort für feierliche Anlässe. Egal, ob privat oder geschäftlich.

Nähere Informationen: DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Klosterstraße 10, 48477 Hörstel, Telefon 02551 694215, E- Mail: da-kunsthaus@kreis-steinfurt.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.14.00 – 18.00

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