Von der Grafschaft in die Kunstmetropole Frankfurt

Nächster Karriereschritt für den Nordhorner Maler Marvin Lange

Vor vier Jahren war der früher in Veldhausen und jetzt in Nordhorn lebende Marvin Lange noch ein unbekannter Name in der Kunstszene. Das hat sich gewandelt. Im Laufe der vergangenen Jahre erhielt er allmählich einen Bekanntheitsgrad – zunächst durch zwei Zeitungsberichte in den Grafschafter Nachrichten. So wurden Sammler aus der Region auf ihn aufmerksam, später sogar Sammler aus den USA. Werke von ihm hängen dort unter anderem in Naples/Florida.

Größere Aufmerksamkeit vor Ort erlangte er durch eine Ausstellung in der in den Vechte-Arkaden angesiedelten Zukunftswerkstatt der Stadt Nordhorn. Als prominentester Gast konnte bei der gut besuchten Eröffnung der ehemalige Finanzminister des Landes Niedersachsen, Reinhold Hilbers, begrüßt werden. Die Einführungsrede zur Ausstellung wurde von dem kunstinteressierten Bad Bentheimer Arzt Dr. Hermann-Josef Veenker gehalten, selber ein begeisterter Sammler der Werke von Marvin Lange. Und in dieser Woche erfolgt der nächste Schritt.

Durch die Vermittlung seines Managers Aga Sono erhält er die Gelegenheit, am Sonntag, 11. Mai, drei seiner Werke in den Räumlichkeiten des renommierten Frankfurter Kunstvereins Familie Montez präsentieren zu können. Bei der im Rahmen der Reihe „Klassik Krise“ laufenden Veranstaltung handelt es sich um eine Kooperation mit dem von der Presse („Vom Wunderknaben zum Allrounder“ titelte die Frankfurter Allgemeine ihr Porträt über Malvani und lobte ihn in einem weiteren Artikel als „Tausendsassa“, „Eine junge Nachwuchssensation“ nannte ihn der NDR, und „Ein wunderbarer Musiker!“ hieß es bei HR2Kultur, um nur einige Beispiele zu nennen) hochgelobten iranischen Musiker und Komponisten Puschan Mousavi Malvani.

Wie Malvani zu der Veranstaltung am 11. Mai erklärte, soll es zum einen um die Ehrung des Komponisten Johannes Brahms gehen. Was die Zusammenarbeit mit dem Nordhorner Marvin Lange angeht, sagte Malvani im Gespräch wörtlich: „Dazu kommt noch eine Besonderheit. Der Maler Marvin Lange hörte Aufnahmen meiner letztes Jahr uraufgeführten Komposition „3 Bilder“ für Klavier und entschloss sich, diese zu malen. Marvin wird mit seinem Team anwesend sein und seine Gemälde werden um den Flügel herum ausgestellt. Noch haben wir weder miteinander telefoniert noch geschrieben. Es wird an diesem Abend unsere erste, sicherlich spannende Begegnung sein. Zu Brahms drei Intermezzi kommen Bachs Sonate a-Moll Sonate für Solovioline – groß und zerbrechlich zugleich – und als scharfer Kontrast Paganinis a-Moll Capricen op.1 Nr.7 und 24. Um die Gemälde von Marvin auch zum Ende des Konzerts in den Mittelpunkt zu stellen, habe ich drei Capricen für Violine komponiert, die Bezug nehmen auf die Titel der „3 Bilder“. Sie lauten „Krähe“, „Müllmann“ und „Lichthalde“. Während Marvin diese Stücke hörte, entstanden zeitgleich die drei Gemälde.“

Zur künstlerischen Entwicklung von Marvin Lange

Es klingt wie eine Anekdote oder ein fast religiöses Erweckungserlebnis, was Marvin Lange den Weg zur Kunst geebnet hat. Es begab sich an einem ganz normalen Tag, Marvin war gerade fünf Jahre alt, als er seine Mutter dabei zusah, wie sie eine Rose als Dekoration für den Mittagstisch in eine Vase drapierte. Normalerweise erzählte er zu dieser Zeit angeregt von seinen Erlebnissen im Kindergarten, doch dieses Mal war er ganz still. Davon überrascht wendete sie sich um und bemerkte, wie Marvin die Rose ansah und seinen Kopf aufgeregt hin und her wendete. Als sie ihn schon etwas sorgenvoll fragte, was los sei, gab er keine Antwort, sondern begab sich umgehend zum Schreibtisch seines Vaters, griff sich dort einen Stift und einen Notizzettel und kehrte in die Küche zurück. Dort setzte er sich wieder auf den Stuhl, legte den Notizzettel vor sich auf den Tisch und blickte nochmals und wie gebannt auf die Vase mit der Rose. Dann nach ein paar Sekunden begann Marvin, die Rose zu malen. Als die Mutter auf ihn blickte, merkte sie, wie ihr Sohn allmählich wütend wurde. Unvermittelt zerknüddelte Marvin seinen ersten bemalten Notizzettel, schmiss ihn auf den Boden und viele weitere folgten. Plötzlich hielt er inne, blickte zur Decke, schloß seine Augen und öffnete sie wieder. Ruhe kehrte in ihn ein, er legte den Stift zurück und änderte seinen Blickwinkel auf die Rose, indem er aufstand und sich hin und her bewegte. Als er den richtigen Blickwinkel gefunden hatte, begann er wieder mit dem Malen und schon bei den ersten Strichen war klar, dass es ihm gelungen war, das Motiv so malerisch umzusetzen, wie er es im Kopf hatte. In diesem Moment erkannte die Mutter von Marvin beim Blick auf dessen Zeichnung dessen besonderes Talent. Umgehend standen Zeichenblöcke, Pinsel und weitere Malutensilien auf ihrer Einkaufsliste.

Seit dieser Zeit hat er, in frühen Phasen unter anderem beeinflusst von Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Gerhard Richter und Jean-Michel Basquiat, seinen eigenen Stil entwickelt, der sich aus Elementen abstrakter, expressionistischer und surrealistischer Malerei zusammensetzt.

Aktuell gehört Marvin Lange zu einer neuen Generation von Malern, deren Werke sich kompromisslos zwischen biografischer Tiefe, gesellschaftlicher Beobachtung und gestalterischer Kraft bewegen. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine ungefilterte Ehrlichkeit, die sich in malerischer Dichte, roh aufgebrochenen Oberflächen und fein durchdachten Symbolwelten zeigt. Oder um es in seinen eigenen Worten zu sagen: „Ich denke jeden Tag und über eine lange Zeit über viele Dinge nach, ohne sie sofort konkret in Wort oder Bild umsetzen zu können. Aber irgendwann kommt so etwas wie eine Vision und ich beginne mit den ersten Strichen auf der Leinwand. Ich finde mich dann in unterschiedlichen menschlichen Gesichtern wieder, die meine Gedanken, Emotionen, meinen Schmerz, meine Unsicherheit und meine Angst vor dem Tod zu teilen scheinen, wie Vertraute, die mich mein Leben lang begleiten. Alle Einflüsse, die auf mich niederprasseln, verwandeln sich bei mir in Farben. Und bei jedem neuen Werk stelle ich fest, dass sie mit dem Kampf unterschiedlicher und widerstrebender Emotionen verbunden sind. Ich stehe wie vor einer Brücke, die ich überqueren muss oder will, aber ich spüre Widerstände und Blockaden, und mit meinen Bildern starte ich immer wieder den Versuch, diese Brücke zu überqueren. Und das werde ich weiter tun.“

Zum Kunstverein Familie Montez

Der Kunstverein Familie Montez wurde wurde im Jahr 2007 von den Künstlern Mirek Macke und Anja Czioska in den Räumen des traditionsreichen Städelshofes an der Breiten Gasse gegründet. Auf einer Ausstellungsfläche von 1300 Quadratmetern wurden dort neben Ausstellungen (unter anderem mit dem legendären Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch) Vortragsreihen, Filmprogramme, Performances, Musikveranstaltungen, Sommerakademien und Partys angeboten.

Nach einer Nutzungsuntersagung wegen Sicherheitsmängeln durch die Bauaufsicht der Stadt Frankfurt im Jahre 2010 und einem kurzfristigen Neustart erfolgte nach dem Verkauf des Grundstückes an der Breiten Gasse durch den Besitzer Konrad Pohl an die Firma Quissenz GmbH im Jahre 2012 der provisorische Umzug in die beiden denkmalgeschützten Rundbögen der Honsellbrücke. Dafür entwickelte Mirel Macke mit der Städelschul-Absolventin Valentina Stanojev ein Konzept. Die beiden Bögen sollten miteinander verbunden sein und nach den Plänen des Städelschülers und Architekten Bernd Mey zu je einer Kunsthalle und einem Café ausgebaut werden. Im Jahr des provisorischen Umzugs organisierte Mirel Macke am 29. Juli die in vier Etappen stattfindende Ausstellungsreihe „Ein Sonntag im Freien“ vor den im Rohbau befindlichen Rundbِögen, bei der die eingeladenen Künstler ihre Werke an Bauzäunen aufhängten.

Die offizielle Eröffnung der neuen Räumlichkeiten erfolgte 2014 zeitgleich mit der von Mirek Macke kuratierten „luminale“, die als einen Standort auch die Honsellbrücke einbezog. Bis dahin fand eine Wanderausstellung mit dem Titel „Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen“ in Kooperation mit anderen Galerien und Ausstellungsräumen statt, die in den Städten Weimar, Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe, Berlin, Leipzig und Köln präsentiert wurde. Diese Wanderausstellung mit dem Titel „Montez im Exil“, an der sich mehr als 300 Künstler beteiligten, fand ihren Abschluss am 10. Mai zur Nacht der Museen in den neuen Räumen des Kunstvereins. Sie war „in erster Linie ein Bekenntnis der Künstler zur Solidarität untereinander und zur Kunstszene als fruchtbarer Erde für neue Talente und Ideen“, wie auf der Internetseite des Kunstvereins nachzulesen ist.

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