Wissenswertes über die Andreaskirche in Düsseldorf

Vor kurzem hat mich meine Freundin Kerstin zu einem Stadtrundgang durch Düsseldorf eingeladen. Eines der Ziele war die St. Andreaskirche an der Andreasstraße, die durch ihre beeindruckende Architektur und Geschichte besticht.

Wie einem Flyer zu entnehmen ist, zählt die ehemalige Hof- und Jesuitenkirche Sankt Andreas im Herzen der Düsseldorfer Altstadt – zusammen mit der Hofkirche in Neuburg an der Donau – zu den „interessantesten Bauten der ausgehenden deutschen Renaissance und des beginnenden Barocks“ – nachzulesen im1988 erschienenen und von Sonja Schürmann geschriebenen DuMont Kunst-Reiseführer „Düsseldorf. Eine moderne Landeshauptstadt mit 700-jähriger Geschichte und Kultur“.

Die „stadt- und kunstgeschichtlich bedeutende Andreaskirche entstand auf Anregung der 1619 nach Düsseldorf gerufenen Jesuiten. Unter Herzog Wolfgang Wilhelm aus dem Hause Pfalz-Neuburg konnte die Kirche inmitten des Dreißigjährigen Krieges in recht kurzer Zeit (1622 – 1629) vollendet werden. Erweiterungen und Umbauten folgten in späteren Jahren. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde das sich westlich der Kirche anschließende Jesuitenkolleg errichtet. 1708 erhielt die Andreaskirche den offiziellen Titel „Hofkirche“. Das Mausoleum fand im 19. Jahrhundert seine heutige Form. Im Frühjahr 1991 konnten umfangreiche Restaurierungsarbeiten im Inneren der Kirche abgeschlossen werden.

Beim Betreten der hellen, dreischiffigen Emporenhalle mit ihrem Kreuzrippengewölbe fallen vor allem die Stuckarbeiten in den Deckenpartien ins Auge. Das Bildprogramm der Stuckdekoration ist aller Wahrscheinlichkeit nach in wesentlichen Teilen auf Herzog Wolfgang Wilhelm selbst zurückzuführen.

Formal der klassischen Spätrenaissance entsprechend thematisieren die Stuckarbeiten die Dreifaltigkeit (Apsis), die Engel, Patriarchen, Propheten, Evangelisten und heiligen Monarchen (Mittelschiff), das „Jüngste Gericht“ (hinter dem Orgelprospekt) sowie die Heiligen der Kirche (Seitenschiffe und Emporen.

Das Bildwerk in seiner Gesamtheit stellt nach den Worten des Kunsthistoriker und Verlegers Hugo Schnell die „umfassende Idee der Kirche“ dar. Hingewiesen sei besonders auf die Darstellungen des Heiligen Andreas (linke Empore) und des Heiligen Dominikus. In Ergänzung zu den stuckierten Heiligendarstellungen finden sich an den Außenpfeilern der Seitenschiffe unter anderen lebensgroße Holzstatuen der zwölf Apostel aus dem 17. Jahrhundert; an den Pfeilern des Mittelschiffs präsentieren sich verschiedene Heilige des Jesuitenordens.

Nähere Erläuterungen dazu gibt es in dem von Sonja Schürmann geschriebenen DuMont Kunst-Reiseführer „Düsseldorf. Eine moderne Landeshauptstadt mit 700-jähriger Geschichte und Kultur“. Wie sie darin ausführt, haben „alle diese Heiligendarstellungen … nicht nur eine dekorative Funktion, sie sind darüber hinaus Träger eines bestimmten Programms. Der gläubige Laie ist im ganzen Kirchenraum von Heiligen umgeben. Die Vorstellung des augustinischen Himmelsstaates „civitas dei“ wirkt hier nach.“

Die beiden Seitenaltäre sind Barockschöpfungen aus der Entstehungszeit der Kirche, die jetzigen Altarbilder entstanden im 19. Jahrhundert: auf der linken Seite „Maria als Himmelskönigin mit Kind“ von Ernst Deger und rechts „Christus an der Geisselsäule“ von Julius Hübner, beides Düsseldorfer Maler. Ebenfalls zur ursprünglichen Ausstattung (um 1650) gehört die Kanzel; wie die Seitenaltäre ist sie ein Werk der beiden Jesuitenkünstler J. Wolf und J. Hoen.

Ungewöhnlich im Rahmen der barocken Architektur ist der Hochaltar von Ewald Mataré. 1960 schuf der auch als Künstler tätige Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie diesen Marmoraltar einschließlich der Fenster des Chorraumes und des zentral hängenden Kreuz-Teppichs.

Aus dem im letzten Weltkrieg zerstörten barocken Hochaltar stammt das nun in der sogenannten „Fürstenloge“ zu sehende große Gemälde „Martyrium des Heiligen Andreas“ von Heinrich Lauenstein.

Durch die „Räume des Empfangs“ hindurch ist das Mausoleum zu erreichen. Dieser außen zwölf- und innen sechsseitige Zentralbau beherbergt die Sarkophage von sieben Mitgliedern des herzoglichen Hauses Pfalz-Neuburg, darunter auch den reich geschmückten Zinnsarkophag des 1716 verstorbenen Kurfürsten Johann Wilhelm, besser bekannt als „Jan Wellem“.

Wieder dem Ausgang der Kirche zugewandt fällt der Blick auf den prächtigen Orgelprospekt, entstanden in der Zeit von 1780 bis 1782 und links neben dem Portal auf ein großes Barockkreuz, das vermutlich von Gabriel de Grupello entworfen wurde.

Die Andreaskirche und ihre Schätze

Die Andreaskirche besitzt einen reichen Kirchenschatz. Bemerkenswert sind Silberfiguren aus dem 17. Jahrhundert, darunter eine Madonna von Heinrich Ernst aus dem Jahre 1656, ein kürzlich ergänzter Elfenbein-Kalvarienberg aus der Zeit um 1700 und ein Rokoko-Kelch aus dem Jahre 1760. Unter den Paramenten aus verschiedenen Jahrhunderten sind neben einer um 1650 entstandenen komplett schwarzen Kapelle zum Beispiel eine rote Kasel (1685) und barocke Chormäntel erwähnenswert.

Von den Jesuiten zu den Dominikanern

Bis zur Auflösung des Jesuitenordens 1773 blieb St. Andreas eine Klosterkirche. 1842 bis 2005 war sie Pfarrkirche, seitdem ist sie wieder Klosterkirche – jetzt der Dominikaner, die 1972 ihren Düsseldorfer Konvent von der Herzogstraße in die Altstadt verlegten und seitdem für die Seelsorge an der Kirche verantwortlich sind. 1991 begannen sie mit ihrem Cityseelsorge-Projekt „St. Andreas – Offene Kirche der Dominikaner“. Der Kirchenraum ist an allen Tagen geöffnet und findet durch Predigten, Gottesdienste und Gebet, aber auch durch Konzerte, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen vielfältige Nutzung.

Nähere Informationen:

Telefon: 0211 136340

E-Mail: dominikaner@gmx.de

Internet: http://www.dominikaner-duesseldorf.de

Verwendete Literatur:

Jürgen Wiener, Düsseldorf – St. Andreas, Euro Art Verlag Kurt L. Lehner Kunstführer, Passau, 1997

Sonja Schürmann, Düsseldorf. Eine moderne Landeshauptstadt mit 700-jähriger Geschichte und Kultur, DuMont Kunst-Reiseführer, Köln, 1988

Flyer der St. Andreas – Offene Kirche der Dominikaner