Über das Gefühl des Unverstandenseins, Tattoos, Depressionen und Musik berichtet die 18-jährige Sanja Wolters in einem Beitrag über das Thema „Jugendkultur“.
„I ´ve always told them I ´m okay / But I don´t / I ´m full of pain / of tears / of loneliness / But I always laught for them / And said the right answers / So they wouldn´t be worried / Or because I ´m afraid they wouldn´t listen / because they are not interested in it“ – so lautet der Text eines Gedichts der 18-jährigen Nordhornerin Sanja Wolters, die ein Unwohlgefühl von Jugendlichen gegenüber der Gesellschaft zum Ausdruck bringt, die nach ihrer Meinung oft von Oberflächlichkeit, schönem Schein und der Verdrängung von Problemen geprägt ist.

„Manchmal scheint uns keiner zu verstehen“, sagt sie im Gespräch mit einer gewissen Wut. „Was habt Ihr denn, Euch geht es doch gut, Ihr habt doch alles, was Ihr braucht“, schallt es ihr oft entgegen. Aber Sanja geht es nicht um die materiellen Dinge. Es geht um Offenheit, Zuhören und den Kampf gegen Vorurteile.Poetry Slam und der Malerei zugewandt. Aber wie es etwas genauer in ihrer Welt aussieht, sagt sie im Gespräch: „Manchmal ist alles zuviel: Der Meinungs- und Informationsschwall durch Social Medi, der große Einfluss durch gleichaltrige Jugendliche und Peer-Groups, der einen schon verunsichern kann, wenn es beispielsweise um Aussehen und Mode geht. Damit nicht genug, gibt es auch enormen Druck vonseiten der Familie, von der Schule und durch die Berufsaussbildung. Die ganzen Erwartungen, die auf einem lasten, prägen uns. Und dann gibt es in großen Teilen unserer Gesellschaft leider auch viele Vorurteile, mit denen wir klar kommen müssen.
Es geht um Offenheit, Zuhören und den Kampf gegen Vorurteile.
Ein gutes Beispiel dafür sind Vorurteile gegenüber Erkrankungen wie Depressionen. Da dürfen sich viele Betroffene so böse Sätze anhören wie „Das ist doch keine richtige Krankheit, „Das bildest Du dir nur ein“, oder „Ja, weil es jeder hat, musst Du das jetzt auch haben.“
Oft ist es auch der Fall, dass sich viele von einem zurückziehen, der an Depressionen erkrankt ist. Als sei man ansteckend. Dabei ist es doch das Wichtige, dass genau dann die Leute aus dem engeren Umfeld wie Familie und Freunde bei einem sind und ihn stärken. Viele werden jetzt wahrscheinlich denken, so kann das doch gar nicht stimmen, wir sind doch in unserer heutigen Zeit bei diesem Thema weit gekommen, was die Heilung angeht. Ich finde aber, dass dies so nicht gan stimmt. Was das Medizinische und Psychologische angeht, sind wir sehr viel weiter gekommen, das ist richtig. Doch in unserer Gesellschaft ist das Sprechen über Depressionen oft noch immer ein Tabu. Vor allem wird es runtergespielt, verdrängt, und diese Verhaltensmuster bringen viele dazu, sich keine Hilfe zu suchen und weiter unter diesem Druck zu leiden. Hinzu kommt jetzt noch die aktuelle Situation mit Corona. Allein seit Beginn der Pandemie sind zusätzlich 477.000 Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren mit Symptomen von Depressionen betroffen, wie ich online auf www.tagesschau.de nachgelesen habe. Die Aussage basiert auf einer Studie von Martin Bujard.
Schlimm ist es auch, mit Vorurteilen betrachtet zu werden, wie es mir schon passiert ist. Wenn jemand Tattoos hat wie ich, ist er gleich abgestempelt als Rocker oder Asi und überhaupt als unanständig. Mit unanständig ist bei der Bewertung nicht unbedingt gemeint etwas gemeint, was beleidigend ist oder einen nackten Körper darstellt. Selbst einfache Blumenmuster werden als unanständig bezeichnet, einfach nur, weil es Tattoos sind. Dies sind zumindest die Vorurteile von vielen Erwachsenen mir gegenüber.“
„Mit Tattoos können wir das verewigen, was uns ausmacht oder was wir mit uns verbinden.“
Doch in den Kreisen von mir Gleichaltrigenbedeuten Tattoos etwas ganz anderes. Ich selbst habe nur ein Tattoo, will aber noch mehr haben. Glücklicherweise habe ich viele Freunde, die alle verschiedene und auch sehr viele Tattoos haben. Und Sie haben sich ebenso was dabei gedacht wie ich auch, und deshalb verstehen wir uns. Mit Tattoos können wir das verewigen, was uns ausmacht oder was wir mit uns verbinden. Wir können die schönsten Momente verewigen und wir können auf verschiedene Weisen auch die schlechten Momente verewigen, um uns zu stärken, zu erinnern und um uns aufrecht zu halten. Viele verbinden mit ihren Tattoos eine Geschichte aus ihrem Leben, selbst wenn es nur ein Tattoo ist, welches beim Trinken entstanden ist. Auch da steckt eine Geschichte drin, über die man weinen, lachen und sich an alte Zeiten erinnern kann. Viele identifizieren sich über ihre Tattoos.
Eine weitere Leidenschaft ist für mich wie für meine Freunde die Musik. Ich selbst bin gerne in der Rock- und Metalszene unterwegs. Allerdings höre ich ab und zu auch etwas Klassisches von Komponisten wie Fritz Kreisler und Frederic Chopin.
Was Filme angeht, bin ich ein riesiger Tim Burton-Fan, aber nicht nur. Bei dem, was ich mag, lasse ich mir keinen Stempel aufdrücken, der besagt, zu welcher Gruppe man gehört.
Für die verschiedensten Situationen und für die verschiedensten Gefühle gibt es bei mir und meinen Freunden verschiedene Musikrichtungen. Wenn ich gute Laune habe und Spaß, und vielleicht mal ein bisschen feiern möchte, dann bin ich bei Pop, Rock und Metal. Wenn ich lerne und mich konzentriere, höre ich klassische Musik, und wenn ich zeichne, male oder traurig bin, höre ich oft Birdy und ähnliche Musiker. Die Musik hat für mich die verschiedensten Formen, Gefühle rüberzubringen und einen zu erreichen. Man kann sich in die Musik flüchten und sich mit ihr retten. Die Musik ist für mich vielfältig und so sind die Menschen auch, oder sollten es sein. Ich mag diese Vielfalt einfach und kann nicht verstehen, warum es Menschen gibt, die einem bloß anhand der Musikrichtung einen negativen Stempel aufdrücken wollen, oder anhand der Tatsache, dass jemand Tattoos mag.“