Kunstbetrachtungen, Teil 15

Die Künste und ihre Unterteilung

Schon in der letzten Folge der Kunstbetrachtungen wurde anhand des Buches „Kunst – Eine philosophische Einführung“ von Georg W. Bertram das Thema der Begrifflichkeit der Kunst und die unter diesem Oberbegriff zusammengefassten Künste angesprochen – aber auch die damit verbundene Problematik, wie es gelingen kann, trotz der Unterschiedlichkeit der Künste diese unter dem Obergriff Kunst zusammenzufassen.

Bertram vertritt dazu die These, dass die Unterschiedlichkeit ein Charakeristikum der Kunst sei und schreibt: „Die Frage nach der Kunst betrifft die Kunst gerade in der Unterschiedlichkeit der Künste. Kunst leistet Selbstverständigung in der Differenz unterschiedlicher künstlerischer Medien und Verfahrensweisen.“ Erinnert sei dabei an die schon angesprochenen künstlerischen Ausdrucksformen wie Literatur, Malerei oder Skulptur, ihre jeweils unterschiedliche Herstellungsweise und die ebenfalls unterschiedliche Art ihrer äußerlichen Darstellung.

Was die Autoren und ihre Texte angeht, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, stellt Bertram heraus, dass viele davon sich darum kreisen, den Versuch zu unternehmen, die Künste zu gruppieren. Als einfachsten Weg, eine solche Gruppierung vorzunehmen, sieht er es an, „zwei Pole zu formulieren, und die unterschiedlichen Künste dann jeweils einem der beiden Pole zuzuordnen. Die Pole werden dabei so betrachtet, dass sie unterschiedliche Prinzipien von Kunst zum Ausdruck bringen, die ein einheitlicher Begriff der Kunst nicht zu umfassen vermag.“

Was diese Gruppierungen angeht, so stellt Bertram drei unterschiedliche Herangehensweisen bekannter deutscher Geistesgrößen heraus: „Es handelt sich erstens um Lessings prominente Unterscheidung von einerseits Künsten, die sich im Raum, und andererseits Künsten, die sich in der Zeit entwickeln. Zweitens kommt Nietzsches Unterscheidung von Dionysischem und Apollinischen zur Sprache.“ Und Dritter im Bunde ist Walter Benjamin, der zwischen auratischer und nichtauratischer Kunst unterschieden hat. Einschränkend weist der Autor darauf hin, dass es sowohl bei Nietzsche als auch bei Benjamin nicht der Fall sei, dass sie alle Künste jeweils in zwei unterschiedliche Lager verwiesen hätten.

Bedeutung von Raum und Zeit in den Künsten

Der erste der genannten Autoren, dem sich Bertram dann widmet, ist der bekannte Dichter und Vertreter der philosophischen Richtung der Aufklärung, Gotthold Ephraim Lessing, der 1766 die bekannte Schrift „Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“ veröffentlichte. Er trifft darin den Unterschied „zwischen Raumkünsten und Zeitkünsten.“ Zu den Raumkünsten zählt er Architektur, Plastik und Malerei, zu den Zeitkünsten Literatur und Musik – eine Unterscheidung, die rasch nachvollziehbar ist – ihre Charakteristiken ebenfalls.

Bertram definiert die Unterschiede, basierend auf Lessings Ausführungen, wie folgt: „Für Raumkünste ist charakteristisch, dass sie den Raum benötigen, um sich zu entfalten. Kunstwerke dieser Künste konfigurieren unterschiedliche Elemente nebeneinander. Ein solches Nebeneinander kann man nur überblicken, wenn es sich im Raum darbietet. Die unterschiedlichen Elemente einer Architektur, einer Plastik oder einer Malerei werden so im Raum gleichzeitig wahrgenommen. Architektur ist als solche gestalteter Raum. Eine Plastik muss in einem Raum zur Aufstellung kommen. Ihre Elemente stehen im Raum neben. Auch für Bilder – Malerei, Grafik, Fotografie oder anderes – gilt, dass Sie ein Nebeneinander von Elementen realisieren. Das Nebeneinander findet allerdings in diesem Fall – mehr oder weniger – auf einer Fläche statt.

Und was Lessing zum Thema Literatur und ihren Besonderheiten zu sagen hat, folgt bald im Rahmen von Teil 16 der Kunstbetrachtungen – wie immer anhand des Buches „Kunst – Eine philosophische Einführung“ von Georg W. Bertram.

Kunstbetrachtungen, Teil 14

Der Begriff der Kunst und die Unterschiede in den Künsten

Ging es in der letzten Folge der Kunstbetrachtungen noch um die Beziehung zwischen der Kunst und ihrer Rezipienten, den Wert der Kunst und philosophische Betrachtungsweisen, stehen in dieser Folge die Kunst und ihre Unterarten im Fokus – aber auch die Problematik der Begrifflichkeiten.

Sie wird sogleich zu Anfang des Kapitels „Die Kunst und die Künste“ deutlich gemacht: „Der Singular Kunst ist nicht so selbstverständlich, wie andere Singulare es sind. Ich kann zum Beispiel davon sprechen, was der Hund ist. Es ist ein fleischfressendes Haustier, das vier Beine hat und das bellt. Auch wenn Hunde groß werden können wie Kälber oder in ausgewachsenem Zustand kleiner sind als gewöhnliche Katzen, bringt eine solche Bestimmung des Hundes wenig Probleme mit sich. Sie wird allen Hunden gerecht. Mit der Kunst verhält es sich anders.“

Zunächst ausgehend davon, dass Kunst vereinfacht als etwas betrachtet werden kann, das gemacht ist (Herkunft aus dem griechischen Begriff „téchne“ und dem lateinischen Begriff „ars“, die sich mit dem Wort Herstellungskunst übersetzen lassen), definiert Autor Georg W. Bertram, dass in den unter dem Begriff Kunst zusammengefassten Künste mit unterschiedlichen Materialien und auf unterschiedliche Weise gearbeitet wird.

Was die Literatur angeht, schreibt Bertram, arbeitet diese „mit dem Material natürlicher Sprachen und formt daraus Texte unterschiedlicher Länge und Gestalt, die in stiller Lektüre oder stimmhafter und körperlicher Aufführung dargeboten werden.“

Ganz anders bei der Plastik: Bei ihr wird „gewöhnlich kein im Vorhinein strukturiertes Material verwendet. Ihren Ausgangspunkt bilden höchst unterschiedliche Dinge: mehr oder weniger formlose Steine und Hölzer, verflüssigte Metalle oder alle möglichen sonstigen gestalteten oder ungestalteten Gegenstände der alltäglichen und nicht alltäglichen Welt.“

In Bertrams folgenden Ausführungen zum Thema „Kunst – Eine philosophische Betrachtung“ wird er die genannten Materialien als ästhetische Medien (die natürliche Sprache in der Literatur und form- und gestaltbare Materialien unterschiedlichster Art in der Plastik) und die Verarbeitungsformen als ästhetische Verfahrensweisen bezeichnen.

Was Verfahrensweisen bei der Literatur angeht, können Prosa und Lyrik unterschieden werden: „Formt die Prosa aus Ausdrücken der natürlichen Sprache lange Erzählstränge, geht es der Lyrik eher darum, aus solchen Ausdrücken bestimmte Konstellationen herzustellen.“

Was die ästhetische Verfahrensweise der Plastik angeht, ist diese nach Bertram „das Bearbeiten eines oder mehrerer Materialien an ihren Oberflächen und in den Raumkonstellationen, die sie bilden.“

Deutlich wird: Die unter dem Oberbegriff Kunst definierten Künste unterscheiden sich „grundsätzlich und zum Teil tiefgreifend mit Blick auf die ihnen eigenen Medien und Verfahrensweisen.“

Für den Autor stellt sich das Problem, das aufgrund dieser großen Unterschiede zwischen Plastik und Literatur und der jeweils mit ihnen verbundenen Medien und Verfahrensweisen nicht so einfach zu erklären ist, warum sie unter dem Oberbegriff Kunst zusammengefasst werden können. Und ein weiterer Aspekt kommt noch dazu: Die genannten Unterschiede haben „zum Beispiel zur Folge, dass manche Künste sich ausstellen lassen, andere Künste hingegen Darbietungen benötigen.“

Für Bertram ergibt sich daher folgende Aufgabe: „Einen Begriff der Kunst kann man nur dann verständlich machen, wenn eine plausible Antwort auf die Frage gelingt, wie trotz der Unterschiedlichkeit der Künste von Kunst gesprochen werden kann.“

Dazu mehr in der nächsten Folge der Kunstbetrachtungen.

Kunstbetrachtungen, Teil 11

Kunst als Selbstverständigung

In der letzten Folge der Kunstbetrachtungen, basierend auf dem Buch „Kunst – Eine philosophische Einführung“, ging es um Kunst und das Nachdenken über sie.

Autor Georg W. Bertram verbindet im Kapitel „Die Unausweichlichkeit des Nachdenkens über Kunst“ die Selbstverständigung, die beim Betrachter eines Kunstwerks ausgelöst werden kann, mit der vielfach geteilten Beobachtung, „dass Kunst immer und unentwegt umstritten ist“.

Prozess der Selbstverständigung

Betram führt das darauf zurück, dass die Selbstverständigung mit einem Kunstwerk zumeist höchst individuell ist: „Die Betrachterin (beziehungsweise der Betrachter) sieht sich in ihren (seinen) eigenen Verständnissen angesprochen. Das Bild sagt ihr (ihm) etwas mit Blick darauf, was sie über Menschen, Tiere und Welt, über die kleinen und großen Dinge ihres Alltags denkt“.

Der Autor betont dabei, dass der Prozess der Selbstverständigung bei der Begegnung von Betrachter und Kunstwerk immer wieder neu anfängt, dass es aber auch gleichfalls geschehen kann, dass Kunstwerke einen nicht ansprechen, „sie auch stumm bleiben können, dass sie uns nichts über uns sagen“, wie Bertram schreibt.

Im Kapitel „Die Geschichtlichkeit der ästhetischen Erfahrung“ greift Betram die schon einmal angesprochene Geschichte von Kunst und Kunstwerken auf und formuliert entsprechend seiner vorherigen Gedankengänge folgerichtig die

… dass die Geschichte der Kunst als Kunst von ästhetischen Erfahrungen her verstanden werden muss.“

Georg W. Bertram, Philosoph und Autor

These, „dass die Geschichte der Kunst als Kunst von ästhetischen Erfahrungen her verstanden werden muss.“ Der Betrachter eines Werkes und die durch das Werk ausgelösten Gedanken sind von zentraler Bedeutung. Bertram schreibt: „Ein Gegenstand erweist sich erst dadurch als Kunst, dass er in einer bestimmten Weise als geeignet für die Klärung vom jeweiligen Selbstverständnis (einer Person oder mehrerer Personen) erfahren wird.

Ebenfalls folgerichtig ist ein weiterer Gedanke Bertrams: „Versteht man die Geschichte der Kunst auf der Basis ästhetischer Erfahrungen, hat Kunst keinen definitiven Anfang und auch kein definitives Ende. Was zu einer Zeit als ästhetisch wertvoll erfahren wird, kann zu einer anderen Zeit als bloßer Alltagsgegenstand gebraucht werden.“ Kurz gesagt: Er verliert an ästhetischem Wert.

Künstlerisches Erbe Bachs für Nachwelt gesichert

Das Auf und Ab dieser Entwicklung macht er an der Bedeutung von Musikern und ihren Kompositionen fest. Beispielhaft nennt Bertram die lange Zeit vergessene Musik der Renaissance, die eine Wiedererweckung erlebt hatte, und auch die ebenfalls vergessene Musik von Johann-Sebastian Bach, die durch eine Aufführung seiner „Matthäus-Passion“ eine Wiederbelebung erfuhr und Anlass wurde, „das überwältigende künstlerische Erbe Bachs für die Nachwelt zu sichern.“

Bertram verweist auf die Philosophen Hegel und Heidegger, die in ihren kunstphilosophischen Schriften die „spezifische Geschichtlichkeit ästhetischen Erfahrens“ thematisiert haben. Er spricht auch von einem Verstehen, das seinen jeweils eigenen geschichtlichen Horizont habe. So könne eine ästhetische Selbstverständigung ebenso in einer Auseinandersetzung mit einer zeitgenössischen Trance-Musik wie mit einem antiken Kultgegenstand zustande kommen.

Kunstbetrachtungen, Teil 10

Was ist der Wert der Kunst?

In der letzten Folge der Kunstbetrachtungen ging es um die nicht ausreichend geklärte Bestimmung des Wertes der Kunst für den Betrachter.

Wie Georg W. Bertram, Autor des Buches „Kunst – Eine philosophische Betrachtung“, im Kapitel „Noch ein Problem: Was ist der Wert der Kunst?“ deutlich macht, ist der Begriff des Wertes im Zusammenhang mit der Kunst noch nicht ausreichend geklärt.

Annäherungen an Begrifflichkeiten

Nach seiner Auffassung „geht es in erster Linie weder um Besitz noch um Werte individuellen oder gesellschaftlichen Verhaltens.“ Um sich dem Verständnis darüber anzunähern, welcher Prozess zwischen Betrachter und Werk in Gang gesetzt wird, damit daraus eine ästhetische Erfahrung entsteht, bezieht sich Bertram auf die kunstphilosophischen Überlegungen von Martin Heidegger (*1889 +1976) und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (*1770 +1831).

In der Abhandlung „Der Ursprung des Kunstwerks“ nimmt Heidegger eine Analyse eines Bildes von Vincent van Gogh vor, auf dem ausschließlich Schuhe zu sehen sind, „die von Alter und Gebrauch gekennzeichnet sind“. In ihrer Nutzlosigkeit charakterisieren sie für Heidegger nicht nur den Gegenstand, sondern auch das Bild, das sich jedem formalen Zweck entzieht.

Gerade in ihrer Unbrauchbarkeit beginnt Kunst uns etwas zu sagen“

Georg W. Bertram, Philosoph und Autor

Daraus folgert Bertram: „Gerade in ihrer Unbrauchbarkeit beginnt Kunst uns etwas zu sagen. Als solche eignet sie sich in besonderer Weise, uns Dinge unseres Lebens vor Augen zu führen. Sie eröffnet uns Blicke auf Vertrautes und überraschende Perspektiven. Sie sagt, wie wir verstehen können, was uns alltäglich umgibt“. Im Fall der gemalten Schuhe geht es um sie „als Teil einer Welt, in der sie im Zusammenhang mit Arbeitsschritten stehen, in der sie mit Unterwegssein und schweren Füßen verbunden sind“.

Im Bezug auf Hegels Philosophie der Kunst betont Bertram den Begriff der Selbstverständigung. Der Betrachter sieht bei einem Kunstwerk, das es ihm etwas über sich und seine Welt sagt. „Der Wert der Kunst besteht darin, dass sie für uns besondere Aspekte der Welt, in der wir leben, und unserer selbst, verständlich macht“, erläutert Betram und ergänzt: „Es geht (für den Betrachter) darum, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.“

Selbstverständnis des Betrachters

Dabei kann nach Bertrams Meinung beispielsweise ein abstraktes Bild ebenso wie ein figürliches Bild zum Selbstverständnis des Betrachters beitragen. Als Beispiel führt er Barnett Newmans Werk „Who is afraid of red, yellow and blue III“ an, das im Stedelijk Museum Amsterdam hängt. „Obwohl nur Farben auf Flächen zu sehen sind, die in unterschiedlichen Varianten miteinander verbunden wurden“, so erläutert Bertram, „halte die Farblichkeit von Newmans Werk Kontakt zu der Welt alltäglicher Erfahrunge, da die von Newman verwendeten Farben in der Welt und in der Vorstellung eines jeden Menschen – außer er ist farbenblind – vorkämen.

Wie der Autor von „Kunst – Eine philosophische Betrachtung“ noch einmal betont, steht die Kunst nicht für sich in einem abgehobenen Raum, sondern ist unverzichtbar mit dem Nachdenken über sie verbunden. Es geht um einen Gegenstand wie das schon erwähnte Werk von Newman, um eine Erfahrung des Betrachters, die es womöglich auslöst, und um eine klar und deutlich zum Ausdruck gebrachte Selbstverständigung des Betrachters, der sagen kann, welche Aspekte eines Kunstwerkes diese gut getroffen hätten. Bertram nutzt dafür den Begriff der Rechenschaft.

Kunstbetrachtungen, Teil 4: Kunst soll verstanden werden

Auf einen wesentlichen Faktor bei der Betrachtung des Themas Kunst weist der Professor der Philosophie, Georg W. Betram, hin: Den Betrachter, auch Rezipient genannt.

Eine Lektüre-Empfehlung zum Thema Kunst ist das beim Verlag Reclam erschienene Buch „Kunst – Eine philosophische Einführung“ von Georg W. Bertram, Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin.

Offenheit der Sinne, Sich-Zeit-Lassen …

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen bringt er einen wichtigen Punkt in die Diskussion um das Thema Kunst ein: Arbeit. Im Zusammenhang mit der Kunst kann sie philosophisch als Prozess der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung des Menschen angesehen werden. Die geleistete Arbeit ist laut Bertram mit einer gewissen Anstrengung verbunde. Während der Künstler aus unterschiedlichen Motiven Materialien und mit einer Idee vor Augen ein Werk formt, geht es bei dem Betrachter um Aufmerksamkeit, Verständnis, Offenheit der Sinne, Sich-Zeit-Lassen und manchem mehr. „Die Arbeit, die Kunst für diejenigen darstellt, die mit ihr Erfahrungen machen, ist geistiger Natur. Kunst muss in irgendeiner Art verstanden werden“, erklärt der Autor.

Und was bedeutet das? Es geht zunächst um die Fähigkeit, Unterschiede zu erkennen und Strukturen zu erfassen, nicht gleich um ein allumfassendes Verständnis. Bertram sieht Verstehen als einen Prozess an, der sich nicht sofort in Worten ausdrücken lässt. Als Beispiel nennt Bertram das schwarze Kreuz von Kasimir Malewitsch, einem der führenden Vertreter der abstrakten Kunst in den 1920-er Jahren.

Zunächst geht es um die Intensität der sinnlichen Erfahrung, die mit dem … Werk gemacht wird.“

Zunächst geht es um die Intensität der sinnlichen Erfahrung, die mit dem genannten Werk gemacht wird. „Ich muss aber meine Erfahrung als eine erleben, die genau diesen Inhalt – die Erfahrung einer sinnlichen Intensität schwarzer Farbe – hat. In der Erfahrung steckt unter anderem eine Beherrschung des Unterschieds von Schwarz und Grau“, schreibt Bertram. Klingt banal, ist es aber nicht, wenn darüber nachgedacht wird, wie das menschliche Hirn zu unterscheiden lernt.

Wie Bertram weiter ausführt, sind „Kunstwerke nicht nur Gegenstände der Wahrnehmung und der sinnlichen Auseinandersetzung, sondern auch und in erster Linie des Verstehens“. In diesem Zusammenhang kommt natürlich auch die Philosophie ins Spiel, die sich schon immer mit dem Prozess des Verstehens beschäftigt hat und daher auch die Kunst in den Blick genommen hat.

Bertram betont, dass die Philosophie Hilfsmittel und Einsichten für die geistige Auseinandersetzung mit der Kunst entwickelt habe.

Verstehen von Kunst keine leichte Sache

Dass es aber mit dem Verstehen von Kunst keine leichte Sache ist und dass Kunst auf Missvertändniss gestoßen ist und immer noch stößt, ist auch dem Autor von „Kunst – Eine philosophische Auseinandersetzung“ bewusst. Er verweist in diesem Zusammenhang auf zwei Ereignisse aus dem Jahre 1913, die einen Kunst-Skandal sondergleichen auslösten.