Kunst drinnen und draußen

Als ein immer noch junger, aufstrebender Kunstverein bezeichnet sich die 2016 gegründete Hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück.

Angesiedelt ist die hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück in einem ehemaligen Ladenlokal an der Hasestraße 29/30 im Stadtzentrum Osnabrücks. Gegründet wurde die Initiative von zirka 40 aktiven Kunstschaffenden und Kunstinteressierten aus der Region. Seit der Gründung vor fast zehn Jahren zeigt der Verein in seinem Ausstellungsraum „hase29“ sowie im öffentlichen Stadtraum regelmäßig Ausstellungen und Projekte zur Gegenwartskunst.

Auseinandersetzung mit aktuellen Themen

Ziel der Initiatoren ist es, zeitgenössische Kunst einem breiten Publikum zugänglich zu machen und das Potenzial künstlerischer Forschung für die Auseinandersetzung mit der Gegenwart durch Ausstellungen zu vermitteln und durch ausstellungsbegleitende Veranstaltungen und Vermittlungsformate zugänglich zu machen.

Leitgedanke bei allen Aktivitäten der hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück ist ausführlicher auf der Internetseite formuliert der Folgende; „Das Publikum steht im Mittelpunkt sowohl der Kunstprojekte als auch unserer inklusiven und integrativen Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zielgruppenorientierte Vermittlungsformate stellen die Arbeiten vor und ermöglichen so die Teilnahme an Diskussionen und kreativen Prozessen. Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Fähigkeiten können zeitgenössische künstlerische Techniken in ihrem eigenen kreativen Schaffen erleben.

hase29 bietet Raum für junge Talente und herausragende Künstlerpersönlichkeiten, die sowohl durch Einladung als auch durch öffentliche Ausschreibungen angesprochen werden. Künstlerinnen und Künstler schätzen hase29 als Ausstellungsort mit hohem künstlerischem Anspruch; Das Publikum versteht den Kunstraum als Treffpunkt für Menschen, die nach Ideen für den Umgang mit künstlerischen Themen und innovativen gesellschaftlichen Fragestellungen suchen.

Die hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst schließt somit eine Lücke im Osnabrücker Kulturleben. Schließlich hat sich der Verein sowohl im Stadtteil als auch innerhalb der sich wandelnden Kulturlandschaft Osnabrücks nach kurzer Zeit einen Namen als kreativer Akteur gemacht. Der Verein lebt vom bürgerschaftlichen Engagement vieler und der ehrenamtlichen Arbeit einzelner Menschen. Mit seinen Sponsoren und Partnern aus Wirtschaft und Politik entwickelt der Verein bürgerschaftliches Engagement. Der Verein ist offen für alle, die sich für Vielfalt und künstlerisch-kreativen Austausch einsetzen.“

Kunst entdecken und kreatives Schaffen für Menschen ab 3 Jahre

Die Angebote des Vereins richten sich an unterschiedliche Gruppen und Altersstufen. Kitas, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe sowie Erwachsene können auf vielfältige Weise Kunst erleben und selbst aktiv werden. In geführten Rundgängen durch die Ausstellungen wird der Austausch über unterschiedliche Sichtweisen auf die Werke gepflegt. Im Atelier regen Künstlerinnen und Künstler anschließend zu ungewohnten Experimenten an und  fördern individuelle Zugänge zu der eigenen Kreativität. Im Mittelpunkt stehen eigene Erfahrungen mit künstlerischem Material und unterschiedlichen Techniken, die Überraschendes hervorbringen. Ob mit oder ohne Praxiserfahrung, das künstlerische Team vom Kunstraum hase29 begleitet Menschen, die Lust am Austausch und kreativen Schaffen haben.

Aktuelle Ausstellungsaktivitäten

Um einen konkreten Eindruck von den Aktivitäten zu erhalten, empfiehlt es sich beispielsweise, die noch bis zum 10. April in Kooperation mit der OsnabrückHalle laufende Ausstellung „MAKRO MAGGIORE Vol. 2“ zu besuchen. Veranstaltungsort ist das Foyer der OsnabrückHalle.

Gezeigt werden Kunstwerke von insgesamt 18 jungen Künstler:innen, die während einer gemeinsamen Exkursion in Formine am Lago Maggiore entstanden sind. Die eindrucksvolle Kulisse regte die Künstler zu diversen Arbeiten an, die ein weites Repertoire von Fotografie über Cyanotypie bis hin zu Zeichnung und Malerei abdecken.

Vertreten sind Werke von Clea Appel, Vivian Blum, Nina Borkowski, Pia Forstner, Deborah Fründ, Maximilian Gerber, Eva Grüter, Kai Kaaden, Hannah Langen, Alexandra Malobrodski, Martje Petruck, Viviane Reschke, Emily Sass, Konstantin Sauer, Charlotte Schmitz, Elisa Sommer, Daniela Witowski und Katharina Wulf.

Das Projekt „Hase29 in der Halle“, das mit dieser Ausstellung bereits zum zehnten Mal stattfindet, ist eine Kooperation zwischen dem Kunstraum hase29 und der OsnabrückHalle/Marketing Osnabrück GmbH. Die Ausstellungsreihe präsentiert regelmäßig Arbeiten von Osnabrücker Künstlerinnen und Künstlern im Foyer der OsnabrückHalle.

Noch bis zum 27. April läuft das Projekt Festivalsektion Campus im Rahmen des alljährlich in Osnabrück stattfindenden European Media Art Festivals „EMAF“ mit Beteiligung der hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst.

Die Festivalsektion „EMAF Campus“ bietet Klassen und Fächergruppen europäischer Akademien und Hochschulen eine Plattform. Mit spannenden Filmprogrammen und vielseitigen Ausstellungen präsentieren die Studenten ihre Arbeiten. Nicht nur im Kunstraum hase29, sondern auch in den Festivalkinos und an verschiedenen Orten der Osnabrücker Innenstadt sind die Beiträge der Studenten zu entdecken.

Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von Studenten der Freien Kunst und der Kunstpädagogik, die in den letzten beiden Jahren in der Grundklasse Film/Video der HBK Braunschweig entstanden sind. Filme, Videos, Skulpturen, Performances und Installationen erörtern die Verbindungen zwischen individuellen Erfahrungen und gesellschaftlichen sowie politischen Zusammenhängen. Dabei geht es um verschiedene Perspektiven auf den diesjährigen Themenschwerpunkt der Zeugenschaft.

Die Grenzen des Bezeugbaren und die Unverlässlichkeit von Erinnerung stehen im Zentrum der Praxis von Medea Feidieker, die sich darüber hinaus mit Archivierung auseinandersetzt. Kurdische Identität und Kultur, sowie deren Unterdrückung, sind in der Arbeit von Merivan Kılıç thematisch eng verflochten mit persönlichen Auseinandersetzungen mit Zugehörigkeit. Almina Icingil verbindet Fragen zu Klasse, Migration, Dankbarkeit und Fürsorge mit solidarischen Gesten gegenüber den Opfern von Kriegsverbrechen. Nici Götz zeigt, wie sich Ideologien der Zweigeschlechtlichkeit in institutioneller Architektur verankern, und übt den performativen Widerstand. Embryonale Ultraschallporträts, die für gewöhnlich geschlechtliche Gewissheit liefern sollen, werden von Mika Malon Rüffert radikal gegengelesen, in dem er Geschlecht als Potential und nicht als Urteil verhandelt. Lucian Loebner gibt Einblick in die morgendliche Schwere eines depressiven Selbst, das sich in den sozialen Medien nur schwer verwerten ließe. In den komplexen Narrativen von suKim (Jisu Kim) faltet sich die Vergangenheit auf überraschende Weise mit der Gegenwart zusammen. Mit zarten Mitteln entwirft Tom Brück einen Ort, an dem traumatisierende Erlebnisse innerhalb der Schwulenszene verhandelbar werden. Ama (Emilia Ama Thoms) erschafft ein Monument für Schwarze Menschen, die in Deutschland durch Polizeigewalt getötet wurden, und verhandelt Zeugenschaft dabei als widerständige Praxis gegen fortwährendes Unrecht.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Donnerstag von 16 bis 20 Uhr und Samstag von 11 bis 15 Uhr. Montags, sonntags und an Feiertagen ist geschlossen.

Nähere Informationen: Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück, KUNSTRAUM hase29, Hasestraße 29/30, 49074 Osnabrück, Telefon: 0541 58051396,E-Mail: mail@hase29.de, Internet: http://www.hase29.de

Viel Kunst in einem Turm

Der 1988 gegründete Kunstverein Greven hat es sich zur Aufgabe gemacht, zeitgenössische Kunst zu fördern und versteht sich als Vermittler zwischen Künstler und Publikum.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung junger Künstler aus der Region an der Schwelle zwischen professioneller Ausbildung und überregionaler Anerkennung. In regelmäßig wechselnden Ausstellungen werden deren Arbeiten – häufig erstmals – einem größeren Publikum vorgestellt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Ausstellung „Zwischenräume“ des Kunstleistungskurses des Gymnasium Augustinianum. Zu sehen waren Werke, die sich mit den unterschiedlichsten Themen und Epochen auseinandersetzen. Inspiriert von bekannten Künstlern wie Pieter Bruegel, Edvard Munch und Rebecca Horn traf Malerei auf Plastik, Konzeptkunst nahm Gestalt an, und es entstanden Installationen. Doch es ging um mehr als „nur“ um Kunst. Feminismus, Klassenkampf, künstliche Intelligenz, Identität: all das sind große Fragen der Zeit, welche in der Ausstellung im Kunstverein Greven künstlerisch reflektiert und in individuellen Projekten umgesetzt und diskutiert wurden. Die Werke sind vielschichtig, herausfordernd, inspirierend und zeigen, wie weit Kunst wirklich gehen kann. Zusätzlich bereicherten Stop-Motion-Filme zum Thema „Kampf gegen Windmühlen/Gegenwind“ der Kunst-Grundkurse die Ausstellung. Als „Special Guests“ brachten sie weitere spannende Perspektiven ein und öffnen neue Interpretationsspielräume für Möglichkeiten des Umgangs mit Gegenwind.

Besonderes Interesse findet das jährlich stattfindende Sommeratelier. Hier wird das Ausstellungsgebäude – der „Kunstturm“ – Künstlern mehrere Wochen für ihre Tätigkeit zur Verfügung gestellt. Anschließend werden die Arbeitsergebnisse in Rahmen einer Ausstellung präsentiert und lösen häufig intensive und anregende Diskussionen aus.

„Kunstturm“ im Schatten des Kirchturms

Das über drei Etagen reichende Ausstellungsgebäude des Kunstvereins Greven, der schon erwähnte „Kunstturm“, liegt im Schatten des zentralen Kirchturms der katholischen St. Martinus-Gemeinde mitten im fußläufigen Ortszentrum. Es ist vom Verein gemietet und kann mittels eines jährlichen Zuschusses der Stadt Greven und mit der Hilfe von Mitgliedern und privater Sponsoren unterhalten werden.

Kunst am „Kunstturm“

Von den Aktivitäten des Vereins kann man sich aber auch außerhalb der Ausstellungsräumlichkeiten ein Bild machen. Das hat mit dem vom Kunstverein initiierten Projekt „Stadtbesetzung“ zu tun. In Verbindung damit hat die Münsteraner Künstlerin Silke Rehberg zunächst zwei Pferdeskulpturen am „Kunstturm“ installiert.

Es folgten skulpturale Porträts von Menschen in der Innenstadt von Greven. An Fassaden und Häuserecken, die deutlich Sichtachsen betonen, sind fünf Skulpturenpaare montiert – heraus aus dem „Elfenbeinturm der Kunst“, hinein in den Alltag der zufälligen Begegnung. Es sind dabei nur scheinbar beliebige oder zufällige Schöpfungen in Form menschlicher Wesen. Silke Rehberg gestaltet die Porträts von bestimmten Personen nach der unmittelbaren Anschauung oder aus der Erinnerung an eine tatsächliche Begegnung. Das Gleiche gilt für die Pferdeskulpturen am „Kunstturm“. Es handelt sich dabei um zwei Variationen eines Porträts des berühmten Dressur- und Zuchthengstes „Damon Hill“.

Die Gesamtinstallation nennt sich „Egowandel“ und soll den Betrachter dazu herausfordern, die Individualität des einzelnen Lebewesens auf Augenhöhe in den Blick zu nehmen. Die Gleichzeitigkeit von Mensch- und Tierdarstellung lädt dazu ein, sich die zentralen Fragen nach dem Miteinander in dieser einen Welt zu stellen.

Öffnungszeiten: samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Nähere Informationen: Kunstverein Greven, Kirchstraße 1a, 48268 Greven, Telefon 02571 98081/98082, E-Mail info@kunstverein-greven.de, Internet http://www.kunstverein-greven.de

Chagall-Ausstellung im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Marc Chagall (1887 – 1985) ist einer der faszinierendsten Künstler der Moderne. Die noch bis zum 10. August geöffnete Ausstellung im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die in Kooperation mit der Albertina in Wien entsteht, befasst sich in einer monografischen Ausstellung mit dem Werk des russisch-französischen Malers.

Aufgewachsen in der Kleinstadt Witebsk (im heutigen Belarus) als ältestes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie, reflektierte Chagall zeitlebens seine Herkunft. Seine Bilder erzählen vom Alltag und Gebräuchen, aber auch von Ausgrenzung und Pogromen. Sie handeln vom Trauma der Verfolgung, aber auch vom Traum eines besseren Lebens.

Seine fantastisch-poetischen Bildwelten sind von leuchtend intensiver Farbigkeit, seine Motive bis heute rätselhaft. Die Ausstellung im 40. Todesjahr des russisch-französischen Malers umfasst rund 120 Werke aus allen Schaffensphasen. Ein Schwerpunkt liegt auf den frühen Arbeiten, die zwischen 1910 und 1923 entstanden sind. Als junger Künstler in Paris experimentierte Chagall mit Fauvismus und Kubismus und verband die neuen stilistischen Tendenzen mit jüdischen Motiven und russischer Folklore. Das war einzigartig in seiner Zeit und machte ihn zum „Wunderkind der Moderne“. In der Ausstellung werden nicht nur die malerischen Einflüsse auf das Frühwerk Chagalls nachvollziehbar. Zu entdecken ist ebenso die weniger bekannte dunkle und gesellschaftskritische Seite des Künstlers, die bis heute ihre Relevanz nicht verloren hat.

Mit Schauspieler Aaron Altaras durch die große Chagall-Ausstellung

Der preisgekrönte Schauspieler, bekannt für seine gesellschaftskritischen und vielschichtigen Rollen, hat den Audioguide zur Ausstellung eingesprochen. Zuletzt begeisterte Altaras in der Hauptrolle der ARD-Serie „Die Zweiflers“ und wurde dafür 2024 mit dem Deutschen Fernsehpreis als Bester Schauspieler ausgezeichnet. In rund 30 Minuten bietet der kostenfreie Audioguide eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Werke Marc Chagalls – von seinen frühen Arbeiten bis zu seinem Spätwerk. Der Audioguide ist in deutscher, englischer und einfacher Sprache (D) verfügbar und lässt sich bequem über einen QR-Code mit dem eigenen Smartphone abrufen. Die Mitnahme von Kopfhörern wird empfohlen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der ALBERTINA, Wien, und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, Telefon 0211 8381-204, E-Mail service@kunstsammlung.de

Viel Kultur im ehemaligen Kornspeicher

1908 wurde der ehemalige Kornspeicher am Hafen in Ibbenbüren-Dörenthe erbaut. Seit der Gründung eines Fördervereins im Jahre 1998 wird das Gebäude für vielfältige kulturelle Zwecke genutzt.

Es war am 28. Mai 1998, als im Ibbenbürener Anzeiger folgende Zeilen erschienen: „90 Jahre hat er auf dem Buckel, seit 30 Jahren wurde er mehr oder weniger als „Rumpelkammer“ genutzt: Der Kornspeicher im Dörenther Hafen. Jetzt kommt Leben in die Bude: Der alte Bau soll als Kulturspeicher jeglichen kulturellen oder künstlerisch Interessierten als Probe- und Aufführungsstätte zur Verfügung stehen.“

Anlass für den Artikel war die Eröffnung des „Kulturspeichers Dörenthe“, einem neuen Kulturzentrum, das Platz für Kunstausstellungen, Theateraufführungen, Musik und manchem mehr bieten sollte. Unterschiedliche Veranstaltungen wie eine Foto-Ausstellung, ein Konzert und eine Theateraufführung wurden im Jahr der Eröffnung von den Vereinsmitgliedern und befreundeten Künstlerinnen und Künstlern auf den Weg gebracht, um zunächst einmal zu testen, ob das sanierungsbedürftige Gebäude für eine neue Nutzung überhaupt geeignet ist. Mit Erfolg – aber trotzdem war klar, dass auch weiterhin viel Arbeit nötig sein würde, um das Gebäude soweit herzurichten, dass es dem neuen Zweck dienlich sein konnte.

Kunst statt Boule

Es hätte aber auch ganz anders kommen können, wie in dem Artikel im Ibbenbürener Anzeiger nachzulesen ist: „Auf der Suche nach einer Spielmöglichkeit im Winter für seinen Boule-Verein inspizierte Walter Bergschneider das ehrwürdige Gebäude, das sich in seinem Besitzt befindet. Doch sein Vereinskollege Robert Rickert hatte eine bessere Idee, als dort Sand für das französische Kugelspiel hinzuschütten: „Dies ist ein absolut idealer Ort für kulturelle Veranstaltungen.“ Auch Bergschneiders Lebensgefährtin Monika Haselon hatte schon mit diesem Gedanken gespielt. Sie plante spontan eine Foto-Ausstellung in dem alten Speicher. Rickert, Mitglied des VHS- und Quasi So-Theaters, sprach mit seinen Theaterfreunden. Gemeinsam mit weiteren Ibbenbürener Künstlern wurde ein mögliches „Eröffnungsprogramm“ entwickelt. Sogar das Fernsehen wurde auf diese Planungen aufmerksam: Der WDR brachte einen Bericht über die bis dahin nur theoretischen Planungen. Dies war der Auslöser, auch endlich mit der praktischen Arbeit zu beginnen … Zuerst wurde der Bau Anfang März komplett geräumt, wobei auch Walter Bergschneider hilfreich zur Seite stand. Dabei mussten unter anderem vier monströse Elevatóren (Schüttschächte mit Fördereinrichtung für Getreide), bestehend aus Holz und Stahl, ausmontiert werden … Da das Gebäude seit drei Jahrzehnten nicht von Menschen genutzt wurde, hatten andere Lebewesen Einzug gehalten. Allein zwölf Säcke Taubenmist schleppten die fleißigen Helfer aus dem Speicher. Anschließend erforderte es einige Detektivarbeit, bis die letzten Schlupflöcher für jegliches Getier gestopft werden konnten. Noch jetzt sitzen Tauben auf den Fensterbänken und suchen nach einem Einlass. Eine Woche dauerte es, das Gebäude mit einem Hochdruckreiniger und Kanalwasser komplett auszuspritzen. Mittlerweile wurde schon eine Etage komplett gestrichen.“

Als dann die Idee aufkam, in den Räumen auch Kindertheater zu spielen, war der Grundstein für die Umgestaltung gelegt; ein mühevoller Weg der Sanierung, der im August 2006 abgeschlossen wurde, begann. Zwar war aus finanziellen Sanierung, wie sie auf der Regionale 2004 angeregt wurde, nicht möglich, doch die Idee, die sich mit dieser Initiative verband trotzdem umgesetzt. Möglich machte dies das Förderprogramm „Initiative ergreifen“ des Landes Nordrhein-Westfalen, das 80 Prozent der anfallenden Kosten übernahm. So war das Land letztlich mit 200.000 Euro am Gesamtumbauvolumen beteiligt, die Kulturstiftung des Kreises Steinfurt steuerte weitere 25.000 Euro durch Spenden ein, und der Förderverein insgesamt 1500 Stunden an Eigenleistung. Neue Fenster und Türen sowie eine Heizungsanlage konnten angeschafft werden und sorgten für eine Nutzbarkeit des Gebäudes im Winter, moderne Sanitäranlagen lösten das alte Not-WC ab, und eine gut begehbare Treppe erschloss das Obergeschoss. Außerdem mussten der Fußboden des alten Speichererdgeschosses erneuert und die Mauern im oberen Turmbereich neu verfugt werden.

Seit der Eröffnung hat sich der Kulturspeicher Dörenthe zu einem wichtigen regionalen Akteur für die Bereiche Kunst, Theater und Musik entwickelt. Dort vertreten sind verschiedene Initiativen und Gruppen. Dazu gehört unter anderem der „Speicher Malkreis“. Der trifft sich seit April 2006 regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat im Kulturspeicher Dörenthe. So unterschiedlich die Mitglieder sind, verbindet sie trotzdem das gemeinsame Interesse an der Kunst und an jeglicher Art künstlerischer Gestaltung. Im Vordergrund steht die „Freude am Tun“. Inzwischen kann der „Speicher Malkreis“ auf viele erfolgreiche Ausstellungen zurückblicken, auch auf gemeinschaftliche Projekte, unter anderem mit der „Kunstfabriek Nijverdal“, einer Künstlergruppe aus der niederländischen Stadt Hellendoorn.

Seine Heimat im Kulturspeicher Dörenthe hat auch das 2019 gegründete Querbeet-Theater. Bereits mit Ihrem ersten Stück „Die Speicherahnen“ und der Aufführung von „Miss Sophies Erbe“ hatte das Ensemble einen grandiosen Erfolg feiern können. Ein weiteres neues Stück ist in Bearbeitung, Premierentermin ist der Oktober.

Zur Geschichte des Gebäudes

Der weithin sichtbare und rot geklinkerte „Turm“ des Kulturspeichers, der sich über fünf Etagen erstreckt, wurde vor rund 100 Jahren als Zwischenspeicher für die Getreidelagerung errichtet. Dicke Eisenträger leiten über massive Eisensäulen sowie die dicken Außenmauern die Kräfte nach unten, so dass die auf dicken Holzbalken liegenden Zwischendecken mit Getreide hoch belastet werden konnten. Ein Becherwerk hat das Korn über eine Verladerampe vom Kanal aus direkt in die verschiedenen Gebäudeebenen transportiert. Wegen des Aufkommens der Motorschifffahrt und des damit verbundenen erhöhten Verkehrs bestand Anfang des 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit, ein Zwischenlager für die höhere Getreidemenge, die nun auf dem Kanal transportiert wurde, zu bauen.

In den 1950-er Jahren verlor der Getreidespeicher langsam seine ursprüngliche Bedeutung, doch da der Hafen einen wichtigen Knotenpunkt darstellt – hier treffen ein Gleis der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE), der Dortmund-Ems-Kanal und die Bundesstraße 219 zusammen – wurde er zu Beginn der 1960-er Jahre umgebaut und umgenutzt. An die Nordwestseite wurde nun eine zweigeschossige Rampenanlage aus Stahlbeton angebaut. Doch dieser Umbau verhinderte nicht, dass die Anlage nicht mehr genutzt wurde und zunehmend verfiel, bis …

Skulpturenpfad und „Funny Red Line“

Im Rahmen der Kooperation des Kulturspeichers Dörenthe mit zwei befreundeten Vereinen, dem Kunstverein Ibbenbüren und dem Förderverein Mettinger Schultenhof, wurde im April 2019 die „SKULPTOUR“, ein Skulpturenpfad entlang einer Route zwischen den drei Kulturinitiativen, eröffnet. Die „SKULPTOUR“ rückt 56 Kunstwerke wieder in den Blickpunkt, die im Alltag teilweise kaum noch wahrgenommen werden. Alle Kunstobjekte befinden sich zwischen Mettingen und Ibbenbüren/Dörenthe und sind zu Fuß, aber auch mit dem Fahrrad zu erschließen.

Ausgangspunkt der Skulpturenroute ist die „Funny Red Line“ der litauischen Künstlerin Dovilė Martinaitytė aus dem Jahre 2004. Ausgehend vom Kunstspeicher Mettingen zieht sie sich über den Schultenhof, verschwindet dann in der Erde, tritt aber mehrfach wieder in Erscheinung (Kreisel Schwarze Straße – Kreuzung Mettinger Grenze) und verläuft schließlich bis zur Honigfabrik und endet dann am Speicher in Dörenthe. Die Betonskulptur fällt ins Auge, erregt Aufmerksamkeit, regt Vorbeigehende zum Verweilen an (Was sagen die Formen, die Gestaltung, die Farbe aus?), fordert zum Sitzen, Spielen oder Liegen auf. Sie will Fröhlichkeit verbreiten. Das kräftige Rot verweist auf die Symbolik von Blut, Feuer und Liebe. Sie steigert das bewusste Erleben und das Fühlen von Kraft und Schönheit und steht für Willenskraft und Emotionen, ihre Wirkung ist zugleich wärmend und wohltuend. Nähere Informationen erfolgen im Internet auf http://www.funnyredline.de

Programm für das Jahr 2025

Auch in diesem Jahr bietet der Kulturspeicher wieder ein umfangreiches Programm. Zu den Klassikern dieses Programms gehören am 1. Mai ein Jazzfrühschoppen mit Matthias Beckmann & Band, am 24. August das Hafenfest mit Musik und Aktion für die ganze Familie direkt am Kanal, am 4. Oktober ein neues Premieren-Stück des Querbeet-Theaters mit dem Titel „Alte Eisen rosten nicht“, sowie am 8. November der traditionelle Kunsthandwerkermarkt „Novemberleuchten“ im und am Kulturspeicher. Ergänzt wird das Programm mit Kunstausstellungen, Seminaren und Workshops.

Nähere Informationen: Kulturspeicher Dörenthe, Hafenstraße 14, 49479 Ibbenbüren, Telefon 05455 960094, E-Mail info@kulturspeicher-doerenthe.de, Internet http://www.kulturspeicher-doerenthe.de

Kunstverein in Coesfeld vielfältig aufgestellt

Bandbreite der Aktivitäten des Kunstvereins Münsterland erstreckt sich von Ausstellungen über die Kunstvermittlung bis hin zu Malkursen.

„Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden“ (Paul Auster, amerikanischer Schriftsteller, *1947 +2024) – sehr ähnlich ist auch das Kunstverständnis des Unternehmerehepaares Kurt und Lilly Ernsting, die 1995 aus dem tief greifenden Wunsch heraus, Kultur erlebbar zu machen und Orte des Diskurses für kunstinteressierte Menschen zu schaffen, die Stiftung „Alter Hof Herding“ gründeten.

Aus Stiftung „Alter Hof Herding“ hervorgegangen

Mit der Stiftung wurde eine gemeinnützige, fortdauernde Einrichtung geschaffen, die sich der Kunst- und Kulturförderung verschrieben hatte und an gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen mitwirken wollte. Die Idee, Menschen und Kunst zusammenzubringen, war geboren. Die Überlegungen, ein Gebilde zu formen, das auch nachhaltig die Gegenwartskunst im Bewusstsein der Menschen verankert, wollte dagegen erst wachsen und reifen.

Benannt wurde die Stiftung nach dem ehemaligen Schulzenhof „Alter Hof Herding“ in Coesfeld-Lette, in dem sich unter anderem das Glasmuseum und das Glasdepot befinden. Ergänzt wurde der Ort durch einen Glasgarten, eine weitere Heimatadresse für Glaskunst, die darüber hinaus durch alten und neuen Baumbestand sowie gepflegte Rasenflächen – umsäumt von geschwungenen Wegen, ausgewählten Blumen und Pflanzenbüschen – besticht und den Besucher zum Verweilen und Betrachten einlädt.

Ausstellungsfläche am Jakobiwall 1

Zu der Stiftung gehört auch der 1998 gegründete Kunstverein Münsterland, der in einem Neubau mit über 230 Quadratmetern Ausstellungsfläche am Jakobiwall 1 beheimatet ist, an geschichtsträchtiger Stelle, dem einstigen Standortes des Letter Tores, dem ehemaligen Verlauf der Umflut und dem alten Jakobifriedhof. Dort befindet sich auch das Mahnmal für die Opfer von Krieg und Holocaust. Der Westfälische Jakobsweg führt übrigens ebenfalls den Jakobiwall entlang.

Eingeweiht wurden die neuen Räume des Kunstvereins Münsterland am 24. September 1999 mit der Ausstellung „Gotthard Graubner – Radierungen“, eingeweiht. Diese Ausstellung markierte den Beginn des weiteren Auftritts des Kunstvereins in Coesfeld und Umgebung.

Seit der Gründung werden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins von ihrer Begeisterung für die zeitgenössische Kunst getragen. Die Aufgabenpalette, die sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, ist vielfältig. So fördert der Verein mit vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr insbesondere freischaffende zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, deren Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen oder thematischen Präsentationen gezeigt werden. Das Spektrum reicht von Malerei und Fotografie über Plastik, Videoarbeiten bis hin zu Raum- und Lichtinstallationen. Eingeladen werden Künstlerinnen und Künstler aus dem Bundesgebiet und auch aus Europa. Kooperationen mit regional und überregional renommierten Häusern binden den Kunstverein Münsterland in ein Netzwerk von Kulturschaffenden und unterschiedlichen Kunstszenen ein.

Neben den Ausstellungen bilden die Publikationen des Kunstvereins Münsterland einen beachtenswerten Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst.

Kunstvermittlung kontinuierlich ausgebaut

Der Bereich der Kunstvermittlung wurde in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Das Programm richtet sich an interessierte Gelegenheitsbesucherinnen und Besucher ebenso wie an ein Fachpublikum. Führungen, Vorträge, Diskussionsforen, Artist Talks, Museums- und Atelierbesuche sowie Kunstreisen begleiten die Ausstellungen mit dem Ziel, einer breiten Öffentlichkeit ein Forum zum Verständnis zeitgenössischer künstlerischer Fragestellungen und zur Auseinandersetzung mit kunstgeschichtlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Themen zu bieten. Besondere Musikveranstaltungen, Lesungen, Vorträge und Beiträge zur regionalen Kulturförderung runden das jährliche Veranstaltungsprogramm ab.

Kinder- und Jugendprogramm

Seit Januar 2002 hat der Kunstverein Münsterland ein eigenes Kinder- und Jugendprogramm. Es ermöglicht eine nachhaltige Bindung des jungen Kulturpublikums bereits ab dem Vorschulalter. Neben einem vielfältigen Kursangebot werden Kindern und Jugendlichen mitten in den aktuellen Ausstellungen sowie im hauseigenen Atelier Freiräume geboten, das Gesehene und Erlebte kreativ umzusetzen. Der Kunstverein Münsterland pflegt ebenso rege Kontakte zu Schulen und anderen Bildungseinrichtungen und unterstützt junge Erwachsene in speziellen Mappenkursen prüfungsvorbereitend für alle Kunst- und Designstudiengänge.

Abgerundet wird das äußerst umfangreiche Angebot des Kunstvereins durch Malkurse für Erwachsene und einen alle vier Jahre ausgeschriebenen Kunstpreis im Wert von 10.000 Euro.

Nähere Information: Kunstverein Münsterland, Jakobiwall 1, 48653 Coesfeld, Telefon: 02541 880711, E-Mail: info@kunstverein-muensterland.de. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Eine Galerie in der Fabrik

Auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik B. W. Stroetmann in Emsdetten befindet sich ein interessanter Standort für die Kunst.

Es war im Jahr 1990, als die Stadt Emsdetten auf die Initiative und Idee des damaligen Stadtdirektors Dr. Hanspeter Knirsch einging und ein Umnutzungs-Konzept für das 1922 errichtete und seit 1985 leerstehende Maschinen- und Kesselhaus der ehemaligen Textilfabrik B.W. Stroetmann auf den Weg brachte. Mit dabei waren auch der im Dezember 1991 gegründete Verein Galerie Münsterland, dem die Stadt Emsdetten im März 1993 die Trägerschaft über das Gebäude zusprach, und der Kunstverein Emsdetten.

1992 wurde mit dem Umbau nach den Plänen des Emsdettener Architekten Hermann Josef Farwick begonnen; und bereits ein Jahr später konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Geschaffen wurde ein weiteres Ausstellungsforum für zeitgenössische Bildende Kunst außerhalb der Metropolen.

Schwerpunkte der Arbeit des Vereins Galerie Münsterland sind die Kooperation mit anderen kulturellen Einrichtungen der Region und die Förderung junger, herausragender Künstlerinnen und Künstler. Außergewöhnliche Ausstellungen sowie internationale und interkulturelle Projekte haben immer wieder überregionale Aufmerksamkeit erlangt. Zu nennen in diesem Zusammenhang sind das Projekt „Genesis“, bei dem Künstler aus Zimbabwe zu Gast waren, oder das Projekt „Kimchi und Sauerkraut, bei dem Künstler aus Deutschland und Südkorea in einen kreativen Dialog traten. Bekannt geworden sind auch verschiedene kunstpädagogische Aktivitäten, die die Galerie organisiert hat, wie „Wege übers Blau“ im Rahmen des Städtebau-Projekts „Regionale 2004“.

Unterstützung erhält die Galerie bei ihrer Arbeit auch über die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen und die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes.

Geleitet wird die Galerie von Niina Valavuo. Sie hat Kunstgeschichte, Skandinavistik und Komparatistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn studiert. Später absolvierte sie an der Fernuniversität Hagen ein Aufbaustudium in Kulturmanagement. Zudem ist sie zertifizierte PR-Referentin. Seit mehr als 20 Jahren ist Niina Valavuo als Kulturmanagerin unterwegs: vor allem im Bereich zeitgenössische bildende Kunst, aber auch für spartenübergreifende Projekte – Literatur, Musik, Tanz, Theater, Film. Sie hat zahlreiche Kulturprojekte entwickelt, kuratiert und durchgeführt: mit den Schwerpunkten Kunst im öffentlichen Raum sowie partizipative und inklusive Kunstprojekte. Die Konzeption und Realisation interdisziplinärer Rahmen- und Sonderveranstaltungen runden ihr Profil ab. Seit Juni 2024 ist Niina Valavuo Mitglied im Kulturrat Münsterland.

Mit dabei: Der Kunstverein Emsdetten

In dem Gebäude ist auch der Kunstverein Emsdetten ansässig. Dreimal im Jahr stellt der Verein neben arrivierten Künstlerinnen und Künstlern auch junge und jüngste Nachwuchstalente aus. Der Emsdettener Kunstverein wurde 1983 auf Anregung ortsansässiger Künstler und Kunstinteressierter gegründet. Das Interesse war so groß, dass sich schon am Abend der Gründung zirka 60 Personen als potentielle Mitglieder eintrugen. Heute hat der Emsdettener Kunstverein rund 110 Mitglieder; und seit der Gründung können die Verantwortlichen auf mehr als 100 Ausstellungen mit namhaften Künstlern wie K.O. Götz, Fred Thieler, Christo & Jeanne-Claude, Ralph Fleck, Helle Jetzig, Daniel Tschannen und Michael Schönholtz zurückblicken.

Zuletzt war die die Ausstellung „OST/WEST“ mit Werken der Berliner Künstlerin Bettina Scholz zu sehen. Sie hat Malerei/Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weissensee und am Chelsea College of Art in London studiert und 2012 als Meisterschülerin in der Klasse von Prof. Antje Majewski abgeschlossen. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der Kunsthalle Rotterdam, den Deichtorhallen Hamburg, der Kunsthalle Exnergasse in Wien und dem Künstlerhaus Bethanien Berlin gezeigt. 2016 gewann sie (zusammen mit Lola Göller) den Open Call für Ausstellungsprojekte der Kunsthalle Exnergasse in Wien für das Konzept „Antenna Futura“. Sie wurde 2014 für den Hans-Purrmann-Preis nominiert, 2020 für den Preis der Kunsthalle Lingen und 2022 für den Konrad-von-Soest Preis des LWL- Museum für Kunst und Kultur, Münster. Seit November 2021 ist sie Professorin für Malerei an der Alanus Hochschule, Mannheim/Alfter bei Bonn.

Nähe zur Innenstadt

Die Galerie Münsterland liegt gemeinsam mit dem sozio-kulturellen Zentrum „Stroetmanns Fabrik“ und der „Ems-Halle“ (Sport- und Konzerthalle für bis zu 3000 Besucher) auf dem Gelände der ehemaligen Textilfabrik in der Parkanlage Hof Deitmar. Ein „Säulengarten“ sowie großzügig gestaltete Außenanlagen verbinden die Gebäude miteinander. Die Anlage befindet sich in direkter Nachbarschaft zur Innenstadt und bildet auch dadurch ein einzigartiges Veranstaltungszentrum im Münsterland. Die Räume der Galerie Münsterland haben durch zurückhaltende architektonische Eingriffe den unverwechselbaren Charakter der alten Industrieanlage bewahrt.

Geöffnet sind die Räumlichkeiten am Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr, am Samstag von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Bauhauskunst in Bottrop

Dem bedeutenden Bauhauskünstler und gebürtigen Bottroper Josef Albers (*1888 +1976) hat die Stadt im Ruhrpott ein Museum gewidmet, das mehr als einen Besuch lohnt.

Biografisches zu Josef Albers

Der im Jahre 1888 geborene Josef Albers, Maler, Kunsttheoretiker, Kunstpädagoge und eine der führenden Figuren am Bauhaus, wuchs als Sohn des Malermeisters Lorenz Albers und seiner Frau Magdalena im Ruhrpott in Bottrop auf.

Bevor allerdings seine künstlerische Laufbahn begann, ging sein beruflicher Weg von 1902 bis 1905 zunächst zur Präparandenschule Langenhorst, der unteren Stufe der Volksschullehrerausbildung. Danach besuchte er von 1905 bis 1908 das Lehrerseminar in Büren und unterrichtete bis 1913 als Volksschullehrer in Bottrop.

Eine seiner ersten intensiveren Begegnungen mit der Kunst hatte Albers im Jahre 1908, als er zum ersten Mal Werke von Paul Cézanne und Henri Matisse im Folkwang Museum in Hagen sah. Eine weitere künstlerische Prägung erfolgte durch die Begegnung mit dem Werk des niederländischen Künstlers Piet Mondrian. Von ihm inspiriert, malte er 1913 sein erstes abstraktes Bild. Nach dem Studium an der Königlichen Kunstschule in Berlin von 1913 bis 1915 sowie an der Kunstgewerbeschule in Essen von 1916 bis 1919 setzte er von 1919 bis 1920 seine Studien an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin und bei dem berühmten Künstler und Kunstprofessor Franz von Stuck an der Kunstakademie in München fort.

Von dort aus wechselte er an das Bauhaus in Weimar. Albers belegte den Vorkurs bei Johannes Itten und besuchte die Glasmalereiwerkstatt. 1923 berief ihn Walter Gropius in das Kollegium des Bauhauses. Hier vertrat er die klassische Bauhausauffassung, nach der die Gesetze jeglicher künstlerischer Tätigkeit gleichermaßen aus der Funktion des Werkstücks wie aus den Gegebenheiten des Materials entwickelt werden müssen. Er erhielt einen Lehrauftrag für den Vorkurs und wurde noch als Geselle Werkmeister in der Glasmalereiwerkstatt. Walter Gropius berief ihn 1925 zum Jungmeister.

Von 1925 bis 1928 leitete er am Bauhaus Dessau gemeinsam mit László Moholy-Nagy den Vorkurs. Nach dessen Weggang 1928 war Albers alleiniger Leiter des Vorkurses und bis 1929 Leiter der Tischlerei-Werkstatt. Am Berliner Bauhaus war Albers von 1932 bis 1933 bis zur Auflösung des Bauhauses Leiter des Vorkurses und Lehrer für Zeichnen und Schrift.
Nach der von der totalitären Nazi-Regierung beschlossenen Schließung des Bauhauses emigrierten Albers und seine Frau, die Bauhaus-Studentin Anneliese Fleischmann, in die Vereinigten Staaten. Hier wurden sie auf Empfehlung des Museum of Modern Art an das Black Mountain College in Ashville, North Carolina, berufen. Albers unterrichtete dort bis 1949 Kunst. Sein Unterricht zog junge Künstler nach Ashville. Zu ihnen zählten beispielsweise so bekannte Namen wie Willem de Kooning, Robert Motherwell und Robert Rauschenberg. Seit 1936 erhielt Albers weltweit zahlreiche Gastprofessuren, unter anderem an der Graduate School of Design an der Harvard University, an der Cincinnati Art Academy in Ohio, an der Yale University in New Haven, an der Architekturschule der Universidad Católica in Santiago de Chile und an der Hochschule für Gestaltung in Ulm (HfG).

Sein künstlerisches Schaffen, das in der Serie „Hommage to the Square“ gipfelte, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Albers erhielt unter anderem 1958 den Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, 1964 die Medaille des Jahres vom American Institute of Graphic Arts, New York, und 1968 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1973 wurde er Fellow der American Academy of Art and Sciences, Boston; und insgesamt 14-mal wurde ihm in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Europa die Ehrendoktorwürde verliehen. Darüber hinaus war er 1955 auf der ersten documenta in Kassel vertreten. Eine weitere Ehrung wurde Josef Albers im Metropolitan Museum of Art in New York zuteil, wo für ihn als erstem lebenden Künstler eine Retrospektive ausgerichtet wurde. 1976 starb Josef Albers in Orange, Connecticut.

Zum Werk von Josef Albers

„Ich möchte Augen öffnen“, sagte Josef Albers über das Ziel, das er mit seiner Kunst und seiner Lehre verfolgte. Der Satz war so etwas wie das Motto des Künstlers und späteren Bauhaus-Meisters. Sein künstlerisches Schaffen war trotz seiner Tätigkeit als Werkmeister der Werkstatt für Glasmalerei jedoch nicht nur auf die Glasmalerei beschränkt, sondern umfasste unter anderem auch die Malerei, Graphik und Fotografie, Typographie, das Design und den Möbelbau. Seine Satztische gelten als stilprägende Klassiker der Moderne und sind bis heute nachgefragt. Lehre und künstlerisches Arbeiten waren für Josef Albers untrennbar miteinander verbunden. Er lehrte seine Studenten, Farbe neu zu sehen und diskutierte mit ihnen über das sich immer wieder verändernde Gesicht der Farbe und den Verlust aller Gewissheit: „Nur der Schein trügt nicht“, schrieb er in einer seiner vielen Veröffentlichungen. Farben seien keine absoluten Werte, erklärte er, ihre Wirkung hänge in erster Linie davon ab, in welchen Formen und Formkombinationen sie auftreten.

Was Josef Albers damit meinte, wird vor allem in den Werken deutlich, die er in der Nachkriegszeit geschaffen hat. Aus der systematischen Beschäftigung mit Linie, Raum, Fläche und Farbe begann er nach der Emigration 1933 in die USA mit seiner Serie quadratischer Farbräume, die er „Homage to the Square“, „Hommage an das Quadrat“, nannte. Heute wird man kaum eine Ausstellung zur Abstraktion der Nachkriegszeit finden, in der Albers bahnbrechende Serie nicht präsent wäre. Albers Werk zeichnet sich vor allem durch seine intensive Beschäftigung mit Farbe aus. Ausgehend von der Farbtheorie des Bauhauses erforschte er systematisch die Wechselwirkungen zwischen Farbflächen und deren Wahrnehmung durch den Betrachter. Sein Hauptwerk „Interaction of Color“ von 1963 gilt bis heute als Meilenstein der modernen Farbenlehre.

In der schon angesprochenen Serie „Hommage an das Quadrat“ setzte Albers diese Erkenntnisse in eindrucksvoller Weise um. Die Bilder bestehen aus mehreren, ineinander geschachtelten Farbquadraten, deren Zusammenspiel die visuelle Wahrnehmung des Betrachters herausfordert. Durch den Einsatz ungemischter, scharfkantiger Farben erzeugte Albers subtile Effekte der Farbmodulation und -irritation. Neben dieser Farbforschung zeichnete sich Albers Werk auch durch eine klare, geometrische Formensprache aus. Seine Glasfenster-Entwürfe für das Bauhaus sowie seine Möbelentwürfe zeugen von einer ausgeprägten Affinität zu reduzierter Ästhetik und funktionaler Formgebung.

Museumszentrum „Quadrat“

Am 4. September 1976 wurde in Bottrop am Rande des Stadtgartens das Museumszentrum „Quadrat“ eröffnet. Der Name nimmt Bezug auf das Werk von Josef Albers, der 1970 die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt erhielt. Josef Albers schenkte der Stadt Bottrop im Rahmen dieser Ehrung sechs Bilder und einige Grafiken. Diese Schenkung war dann für die Stadt Bottrop zunächst der Anstoß für die Planung eines Erweiterungsbaus an das schon bestehende Heimatmuseum durch den Stadtarchitekten Bernhard Küppers.

Nach dem Tod von Josef Albers vermachte seine Witwe Anni Albers der Stadt im Rahmen einer großzügigen Schenkung weitere Kunstwerke ihres Mannes, verbunden mit dem Wunsch, sein Schaffen in Bottrop permanent sichtbar zu machen. Daraufhin wurde ein weiterer Gebäudeteil geplant und 1983 eröffnet. Auch dieser griff in seiner baulichen Form das Quadrat als wesentliches Element der Gestaltung auf. Der Grundriss der Ausstellungsfläche ist aus einem Quadrat von 28 x 28 Meter Seitenlänge entwickelt worden, in den ein kleineres Quadrat mit den Maßen 14 x 14 Meter eingestellt ist. Vier lichte Bauten aus Glas und Stahl fügen sich zu einer Einheit, die klare, sachliche Form des Gebäudeensembles bildet in der naturnahen Parklandschaft einen faszinierenden Blickfang.

Am 19. Oktober 2022 wurde aufgrund der großen Publikumsresonanz ein Erweiterungsbau für Wechselausstellungen eröffnet. Das Schweizer Architekturbüro Gigon/Guyer hat dafür einen zweigeschossigen Neubau konzipiert, der neben 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche zwei großzügige Werkräume für die Programme der Bildung und Vermittlung beinhaltet. Das gesamte Ensemble fügt sich auch nach der Erweiterung harmonisch in den Park mit beeindruckend altem Baumbestand und signifikanten Skulpturen internationaler Künstler ein.

Das gezeigte Werk von Josef Albers ist sehr vielfältig. Nach einigen weiteren Ankäufen und Schenkungen in den vergangenen Jahrzehnten umfasst die Bottroper Albers-Sammlung heute rund 350 Werke und ist damit die weltweit größte öffentliche Sammlung von Werken des Künstlers. Von Gemälden, Glasarbeiten, Fotomontagen, Resopalgravuren hin zu Druckgrafiken und Zeichnungen ist das künstlerische Lebenswerk von Albers umfassend erfahrbar. Im Bestand sind frühe Arbeiten, darunter Selbstporträts, Ansichten Bottrops und des Münsterlands. Aus seiner Zeit am Bauhaus zeigt das Museum unter anderem Glasarbeiten und Fotomontagen. In den USA, wo Anni und Josef Albers nach der Flucht vor der Nazi-Diktatur seit 1933 lebten, entstand seine umfangreichste künstlerische Arbeit. Aus dieser Zeit sind in Bottrop herausragende Werke zu sehen, wie etwa die „Variants“, als deren Vorbilder mexikanische Lehmziegelhäuser gelten dürfen. Einen Höhepunkt in Josef Albers künstlerischer Entwicklung stellt seine schon angesprochene Werkreihe „Homage to the Square“ dar. Von diesem Typus quadratischer Bilder hat er bis zu seinem Tod weit über 2000 Gemälde erschaffen, von denen eine große Anzahl in Bottrop ausgestellt ist.

Kurzum: Das Josef Albers-Museum bewahrt die weltweit umfangreichste öffentliche Josef Albers-Sammlung und erforscht, dokumentiert, kontextualisiert und vermittelt in Ausstellungen und Publikationen dessen Oeuvre. Neben diesem Schwerpunkt zeigt das Museum in Einzel- und Gruppenausstellungen Werke internationaler Künstlerinnen und Künstler und beherbergt eine Sammlung mit Arbeiten von unter anderem Ulrich Erben, Günter Fruhtrunk, Bernhard Fuchs, Sabine Funke, Raimund Girke, Hubert Kiecol, Aurélie Nemours, Simone Nieweg, Bridget Riley und Rosemarie Trockel.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 372030, Fax: 02041 3720344, E-Mail-Adresse: quadrat@bottrop.de

Bauhaus-Kunst in Borghorst

„Maßstab ist die Natur – Unzulänglich werden wir Menschen ins Leben gestellt. Unzulänglich ist auf Vollkommenheit bezogen. Das sollten wir sehr ernst sehen. Trägheit ist gegeben, damit wir in ihrer Überwindung zu Charakter kommen.“ (Heinrich Neuy)

Im nahen Münsterland ist ein Museum beheimatet, das dem Leben und Werk des 2009 verstorbenen Bauhaus-Künstlers Hermann Neuy gewidmet ist.

Zur Person:

Der am 27. Juli 1911 im Wallfahrtsort Kevelaer am Niederrhein geborene Hermann Neuy gehörte zu den jüngsten Künstlern des Bauhauses, der dort sein Studium im Jahre 1930 begann, es aber aufgrund der zugespitzten politischen Ereignisse vor dem Hintergrund der sich ankündigenden Herrschaft des Nationalsozialismus nicht beendete. Schon im März 1932 ließ er sich für ein praktisches Seminar beurlauben und kehrte nicht wieder ans Bauhaus zurück. Erst mehr als 50 Jahre später sollte er das Bauhaus wieder besuchen.

Sein Interesse für die Kunst entwickelte sich aber schon eine Zeit vorher mit einem prägenden Erlebnis. Am Weihnachtsabend 1925 bekam Heinrich Neuy seinen ersten Malkasten und begann, ermuntert durch den Landschaftsmaler Josef Pauels, mit Landschafts- und Porträt-Studien. Im gleichen Jahr nahm er auch eine Lehre im Tischlerhandwerk auf. Nach dem Abschluss der Tischlerlehre besuchte Neuy die Kunstgewerbeschule in Krefeld. Seine dort entstandenen Möbel- und Einrichtungsentwürfe zeichneten sich durch klare Funktionalität und Strenge aus, wie es auch dem Bauhaus-Stil entsprach. Von 1930 bis 1932 besuchte er diese in Dessau und wurde in seinem künstlerischen und handwerklichen Schaffen von so bedeutenden Lehrern wie Wassily Kandinsky, Josef Albers und Ludwig Mies van der Rohe geprägt.

Um nach seinem abgebrochenen Studium für seinen Lebensunterhalt und den seiner Frau zu sorgen, übernahm er die Tischlerei seines Schwiegervaters in Steinfurt-Borghorst. Ein weiteres Mal bestimmten die politischen Ereignisse das Leben von Heinrich Neuy im Jahre 1940. Infolge des von den Nationalsozialisten begonnenen Zweiten Weltkrieges wurde er Soldat in der Luftwaffe. 1944 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und später in englische Kriegsgefangenschaft. Seine Zeit dort verbrachte er mit dem Malen von Porträts seiner Mitgefangenen, die er Jahrzehnte später einmal zu einer Bilderserie mit Köpfen aus geometrischen Mustern verarbeitete. In englischer Kriegsgefangenschaft hatte er dann das Glück, einem älteren schottischen Militärarzt zu begegnen, der ihm die Möglichkeit und das entsprechende Material verschaffte, seine abstrakte Malerei fortzusetzen. Es entstanden fünf „Gewitter“-Bilder sowie umfangreiche Zyklen zu den Themen „Lyrik“ und „Freude“. Im Oktober 1947 endete die Kriegsgefangenschaft und Heinrich Neuy kehrte nach Steinfurt-Borghorst zurück, wo er seinen Tischlereibetrieb und das Geschäft für Möbel und Kunsthandwerk weiterbetrieb. Er begann erneut mit der Lehrlingsausbildung. Dabei engagierte er sich in einem pädagogisch ganzheitlichen Sinne, nahm auch zahlreiche Mädchen zur Tischler-Ausbildung an und sah eine besondere Herausforderung darin, sozial auffälligen Jugendlichen neue Orientierungen zu bieten.

1960 begann er wieder mit Ausstellungen seiner künstlerischen Werke. Als Maler und Zeichner richtete Neuy sein Interesse vor allem darauf, durch Form und Farbe Phänomene wie Charaktereigenschaften, Jahreszeiten und insbesondere musikalische Klänge sichtbar zu machen. In diesem Zusammenhang arbeitete er auch mit dem in Borghorst lebenden Komponisten Buster Flood zusammen, der Heinrich Neuys Bilder vertonte, während sich dieser von den Musikstücken zu bildhaften Kompositionen inspirieren ließ. Dem Aquarell räumte er in seinem Werke besonderen Raum ein.

Weitere Stationen im Kurzüberblick

1970 trat Heinrich Neuy dem Welbergener Kreis bei, 1971 begann er mit der Aquarellserie „Architektura“, 1987 mit dem Zyklus „Klassische Charakterbilder“, 1989 eröffnete er eine eigene Galerie, 1991 erhielt er den Kulturpreises der Stadt Steinfurt, 1994 kehrte er nach 62 Jahren mit einer eigenen Bilderausstellung an das Bauhaus Dessau zurück, und 1996 wurde anlässlich seines 85. Geburtstages das von ihm geschaffene Kunstobjekt „Energie, Rechtschaffenheit, Aktivität“ feierlich enthüllt. Nach einem langen und erfüllten Leben verstarb Heinrich Neuy im Jahre 2003.

Ein Museum zu Ehren von Heinrich Neuy

Kurz nach seinem Tod wurde die Heinrich Neuy-Stiftung ins Leben gerufen, um das Leben und Werk von Heinrich Neuy für die Nachwelt zu erhalten. 2011 konnte nach der mehrjährigen Restaurierung und Erweiterung des aus dem Jahre 1668 stammenden Stiftskurienhauses in Steinfurt-Borghorst das Heinrich Neuy Bauhaus Museum am Standort Kirchplatz eröffnet werden.

Entstanden ist ein kleines, aber feines Refugium, in dem „Alt“ und „Neu“ aufeinander treffen und beide sich harmonisch ergänzen.

Das 1668 erstmals erwähnte Stiftskurienhaus der Stiftsdame Margareta Cornelia von Merveldt des ehemaligen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst wurde behutsam restauriert und durch einen dreigeschossigen verglasten Anbau zum Garten hin „geöffnet“ und erweitert. Im Erdgeschoss befinden sich ein Museumsshop, ein Café und ein Restaurant.

Im Obergeschoss trifft der Besucher auf helle, freundlich und großzügig gestaltete Ausstellungsflächen und die Stiftsbibliothek mit einer historischen Darstellung des ehemaligen Damenstifts Borghorst.

Ausgestellt werden vorwiegend Arbeiten von Heinrich Neuy, anderen Bauhaus-Schülern und Bauhaus-Lehrern in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen. Geöffnet hat sich die Heinrich Neuy-Stiftung auch für die Sammlungen und Nachlässe anderer „Bauhäusler“, um diese auch dauerhaft komplett erhalten zu können – eine wahre Bereicherung.

Das Museum, das sich auch über die Region hinaus einen guten Namen gemacht hat, möchte darüber hinaus die Besucherinnen und Besucher in die Gedankenwelt des Bauhauses einführen. Mit den Initiatoren des Bauhauses sowie den zahlreichen Lehrern und Studenten entstand vor allem in den 1920-er Jahren eine neue Sprache der Gestaltung, die zahllose Klassiker in Architektur, Design und Malerei hervorgebracht hat. Bis heute beeinflusst diese ungewöhnliche sowie äußerst kreative Epoche nachhaltig viele Bereiche des Wohnens.

Zu diesem Zweck sind im Heinrich Neuy Bauhaus Museum neben den schon erwähnten Ausstellungen auch Türklinken, Lampen, Lichtschalter, Tapeten, Glas, Keramik und Möbel – allesamt aus Entwürfen von Bauhaus-Künstlern stammend – zu sehen. Ergänzend werden Vorträge angeboten und Projekte begleitet und entwickelt.

Der Um- und Erweiterungsbau für das Museum wurde vorwiegend mit ehrenamtlichem Engagement gestaltet. In der Bauphase konnten erhebliche Eigenleistungen mit Unterstützung des Denkmalpflegewerkhof e.V. Steinfurt und des terra nova e.V., Ochtrup, erbracht werden. Dazu kamen finanzielle Zuwendungen privater wie auch gewerblicher Förderer aus der Region. So konnten rund 50 Prozent der Mittel generiert werden. Gefördert wurde die Maßnahme auch durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen, der NRW-Stiftung, des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe und der Stadt Steinfurt.

Auch das Museum wird überwiegend ehrenamtlich geführt; unterstützt durch Mitarbeiter mit Behinderungen in einem kleinen Integrationsbetrieb. Darüber hinaus können immer wieder Förderer aus der Region gewonnen werden.




Kunstbetrachtungen, Teil 17

Werkstatus in den unterschiedlichen Künsten

Der aufmerksame Leser dieser Reihe wird es noch im Kopf haben, worum es in der letzten Folge ging: um die Unterscheidung der Künste aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften und Besonderheiten.

Zuletzt griff Georg W. Bertram, Autor des Buches „Kunst – Eine philosophische Einführung“, an dem sich die Kunstbetrachtungen orientieren, einen Aspekt auf, mit dem sich der amerikanische Philosoph Nelson Goodman beschäftigt hatte: der Unterscheidung zwischen allographischen und autographischen Künsten. Zu den allographischen Künsten zählt Goodman Musik und Literatur, zu den autographischen Künsten Architektur, Plastik und Malerei. Thematisiert wird der Unterschied zwischen einem einmaligen Original und der Vervielfältigung eines künstlerischen Werkes wie einem Roman, einer Komposition oder einem Gedicht.

Einen weiteren Aspekt greift Bertram selbst auf: „den Werkstatus in den unterschiedlichen Künsten.“ Der betrifft die Materialität, wie der Autor ausführt: „Es gibt Künste ( Architektur, Plastik und Malerei), in denen man die Werke davontragen kann. In anderen Künsten (Literatur und Musik) hingegen lassen sich nur Notationen (Aufzeichnungen) von Werken von Ort zu Ort bewegen. Werke gibt es bei diesem zweiten Typ von Künsten erst dann, wenn es zu einer Darbietung kommt.“

Bei dem zweiten Typ von Künsten spricht der Autor diesen eine gewisse Immaterialität zu, die aber nicht absolut sei. Der Philosoph Hans-Georg Gadamer unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen statuarischen und transitorischen Künsten.

Georg W. Bertram ist sich bei der von ihm und anderen Autoren unternommenen Abgrenzung der verschiedenen Künste aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften aber auch bewusst, dass nicht jede Unterscheidung 100-prozentig ist. Als Beispiel nennt er den Tanz und die Musik, die sowohl eine zeitliche als auch eine räumliche Dimension haben, und stellt die Frage: „Gehen hier nicht Räumlichkeit und Zeitlichkeit, körperliche Materialität und Immaterialität der Choreographie ineinander über? Und wie steht es mit der Musik? Ist Musik nicht auch an eine Form der Räumlichkeit gebunden? Bedarf die Immaterialität der melodischen und harmonischen Kombinationen nicht zutiefst einer materiellen Realisierung?“

Diese Fragestellungen sieht er auch bei der von Lessing vorgenommenen Aufteilung zwischen Raum- und Zeitkünsten und schreibt: „Wer eine Skulptur einfach nur einen Augenblick betrachtet, wird sie nicht gut als Skulptur erfahren können. Das Nebeneinander der Plastik bedarf des Nacheinanders, um sich zu entfalten. Aber auch ein … Bild wird nicht mit einem Schlag erfasst. Es will vielmehr „gelesen“ werden. Unterschiedliche Zusammenhänge und Abgrenzungen auf dem Bild müssen in einer solchen Lektüre erprobt werden. Ein Bild hat so gerade als Kunstwerk, also als Gegenstand eines Selbstverständigungsgeschehens, eine zeitliche Dimension.“

Nietzsches Unterscheidung der Künste

Mit der von dem Altphilolologen und Philosophen Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) im Jahre 1872 verfassten Schrift „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ erweitert Bertram seine Betrachtungen in Bezug auf die Unterscheidung der Künste. Wie er ausführt, spricht Nietzsche nicht von Grenzen oder Unterscheidungen, „sondern von zwei unterschiedlichen ästhetischen Prinzipien.“ Dabei greift dieser auf Götter der Antike zurück, die für unterschiedliche Prinzipien oder Lebensweisen stehen: Dionysos und Apoll.

Bertram schreibt: „Auf der einen Seite steht Dionysos, der Gott des Rausches und der Ekstase. Ihm gegenüber profiliert Nietzsche auf der anderen Seite Apollo, den Gott des Traumes und des schönen, harmonischen Scheins. Nietzsche sieht in diesen beiden Götterfiguren zwei Prinzipien verkörpert, die er als äußerst bedeutsam für die antike Kultur begreift.

Mehr zu den dionysischen und apollinischen Künsten folgt in Teil 18 der Kunstbetrachtungen.

Kunstbetrachtungen, Teil 16

Möglichkeit ästhetischer Erfahrung mit Prosa

Wie sich der geneigte Leser vielleicht noch erinnern mag, ging es in der letzten Folge der Kunstbetrachtungen um die Unterscheidung zwischen Raum- und Zeitkünsten, ausgehend von Gotthold Ephraim Lessings Schrift „Laokoon oder über die Grenzen der Malerei und Poesie“.

Ebenfalls erklärt wurde die Kunst, die des Raumes bedarf.

Im Gegensatz dazu steht die Literatur, die den Zeitkünsten zugerechnet wird. Autor Georg W. Bertram erläutert: „Wird mir ein Gedicht oder eine Prosa vorgetragen, kann ich die Augen schließen. Ich kann in einem kleinen Raum, im Freien oder in einem Fahrzeug unterwegs sein: Dieser Unterschied betrifft die Möglichkeiten ästhetischer Erfahrungen mit dem jeweiligen Text nicht wesentlich. Was ich hingegen benötige, um den Text ästhetisch erfahren zu können, ist Zeit. Der hat eine bestimmte Dauer, innerhalb deren er sich entfaltet. Seine ästhetischen Elemente stehen nicht nebeneinander, sondern nacheinander.“

Gleiches gilt nach Lessing für die Musik: „Unter die Zeitkünste ist nach Lessing auch die Musik zu rechnen. Auch für die Musik gilt, dass sie Zeit benötigt, um stattfinden zu können. Ich kann schon ein einfaches musikalisches Thema nicht erfassen, wenn ich es nach zwei Sekunden abbreche. Mehr noch als die Literatur hat die Musik eine Dauer, die ihr gesetzt ist … Die Musik kann zudem – mehr als Lessing sich vielleicht vorstellen konnte – unabhängig von einem bestimmten Raum ästhetisch erfahren werden. Ob mein Konzertsaal die Berliner Philharmonie ist, eine Terrasse, das Auto oder bloß ein kleiner Kopfhörer beim Spaziergang: In jedem Fall lässt die Musik sich ästhetisch erfahren“, führt Bertram weiter aus.

Was aber unterscheidet die angesprochenen Künste noch? Für Bertram ist zu trennen zwischen Künsten, die aufgeführt werden müssen, „und solchen für die das nicht zutrifft.“ Weiter schreibt Bertram: „Musik und Literatur sind Aufführungskünste … Bei ihnen kommt es zu einem Unterschied zwischen Vorlage und Realisierung. Ein gedrucktes Exemplar … steht als solches jenseits der Frage, ob es als Kunst bestehen kann oder nicht. Erst in meiner Lektüre rückt es in die Dimension ästhetischer Wahrhaftigkeit. Ein solcher Unterschied spielt hingegen bei Raumkünsten nicht in gleicher Weise eine Rolle. Zwar gibt es auch bei der Architektur Vorlagen; diese sind aber nicht das Werk … Im Fall der Architektur ist das Werk letztlich auf den realisierten Bau beschränkt. Genauso ist es im Falle von Plastiken und Bildern. Auch in ihrem Fall zählt die faktische Realisierung als das Werk. Erst wenn eine solche Realisierung ausgestellt wird, ist das Werk für einen Rezipienten zugänglich … Zeitkünste sind Aufführungskünste; Raumkünste hingegen Ausstellungskünste.“

Allographische und autographische Künste

In diesem Zusammenhang kommt Bertram auf den US-amerikanischen Philosophen Nelson Goodman zu sprechen, der in seiner Schrift „Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie“ von allographischen und autographischen Künsten spricht und nach Bertram eine noch andere Unterscheidung zwischen Zeit- und Raumkünsten vornimmt.

Allographisch sind Künste in Goodmans Lesart diejenigen, bei denen die „Unterscheidung zwischen einem Original und einer Fälschung keinen Sinn gibt.“ So kann ein Buch mehrere Male gedruckt werden, ohne dass eine Fälschung vorliegt.

Anders ist es in der Kunst. Bertram macht dies beispielhaft klar: „Ein zweites Exemplar von Caspar David Friedrichs „Mönch am Meer“ stellt … mindestens eine Kopie, wenn nicht gar eine Fälschung dar. All die Künste – wie die Literatur, die Musik, aber auch der Tanz … sind allographisch. Bei Architektur, Plastik und Malerei ist das nicht so … Jede Realisierung stellt so ein Original, einen Autographen dar.“