Piet Mondrian und Michel Seuphor – Eine Freundschaft in Linie und Farbe

Die Begegnung zwischen Piet Mondrian und dem Schriftsteller und Künstler Michel Seuphor ist das Thema einer Ausstellung in der Villa Mondrian in Winterswijk.

Im geschäftigen Paris des frühen 20. Jahrhunderts besucht der junge Schriftsteller und Künstler Michel Seuphor (*1901 +1999) das Atelier von Piet Mondrian. Das Gebäude macht auf Seuphor zunächst wenig Eindruck. Er schreibt: „Der Innenhof, wo sich der Eingang zu Mondrians Atelier befand, war sehr miserabel. Im Treppenhaus hat es ein bisschen gerochen.“

Im Inneren erlebt Seuphor aber etwas Besonderes: „Schönheit, Frieden, Ruhe und Ausgeglichenheit“. Im Atelier werden Mondrians Vision und Präzision erlebbar. Es ist ein Ort, an dem Kunst und Philosophie zusammenkommen. Dieses Treffen markiert den Beginn einer langjährigen Freundschaft zwischen den beiden Künstlern, die sich gegenseitig inspirieren. Gemeinsam bilden sie ein „Tableau-Poème“, in dem Malerei und Poesie aufeinandertreffen.

Seuphor schrieb auch die erste Monografie über Mondrian, in der er sein Leben und Werk beleuchtet. Seuphor war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Künstler mit einer eigenen Bildsprache. Seine Kunst zeichnet sich durch eine klare Fokussierung auf Linien, Geometrie und Rhythmus aus, die in Zeichnungen und großen Wandteppichen ausgearbeitet werden. Seuphors künstlerische Entwicklung – von frühen Experimenten bis hin zu späteren Werken mit sichtbaren Einflüssen östlicher Philosophien – wird in der Ausstellung „Piet Mondrian und Michel Seuphor – Eine Freundschaft in Linie und Farbe“ beleuchtet, die noch bis zum 2. November in der Villa Mondrian zu sehen ist.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Auf den Spuren von Piet Mondrian

Ein Museum in Winterswijk zeigt die Anfänge eines Klassikers der Moderne.

Was die meisten von dem niederländischen Künstler Piet Mondrian kennen, sind vor allem seine streng geometrischen Gemälde, bestehend in einer charakteristische Struktur aus einem schwarzen Raster und mit rechteckigen Flächen in den Grundfarben, die noch bis heute in Kunst, Architektur, Mode, Werbung und Populärkultur widergespiegelt werden.

Wie sich Mondrian von einem traditionellen und konventionellen Maler zu einem Künstler entwickelte, der mit Farbe und Form experimentierte, dokumentiert das Museum „Villa Mondriaan“ in der niederländischen, im Achterhoek gelegenen Gemeinde Winterswijk, die zur Provinz Gelderland gehört – nicht weit auf deutscher Seite von Stadtlohn und Gescher entfernt.

Anmerkungen zum frühen Piet Mondrian

Piet Mondrian gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er schuf die Stilrichtung des Neoplastizismus und war einer der wichtigsten Vertreter des niederländischen Konstruktivismus sowie der konkreten Kunst; und mit seinem Spätwerk gehört er zu den Begründern der abstrakten Malerei.

Doch wie fing das alles an? Piet Mondrian wurde am 7. März 1872 als zweites von fünf Kindern in Amersfoort an der Kortegracht 11 als Sohn von Pieter Cornelis Mondriaan (1839–1915) und dessen Frau Johanna Christina Mondriaan (geb. Kok, 1839–1909) geboren. 1880 übersiedelte die Familie nach Winterswijk, wo Pieter Cornelius Mondriaan als Lehrer und Schuldirektor tätig war.

Bereits mit 14 Jahren erfolgte eine intensivere Beschäftigung Piet Mondrians mit der Kunst. Er nahm Zeichenunterricht bei seinem Vater und seinem Onkel Frits, der ein geschätzter Landschafts- und Interieurmaler war.

Nach dem Willen des streng calvinistischen Vaters sollte Piet aber Lehrer werden und so begann der zunächst die Laufbahn eines Zeichenlehrers. Hierfür erwarb er 1889 die Lehrbefähigung für Volksschulen und 1892 die Lehrbefähigung als Zeichenlehrer für höhere Schulen. Da Mondrian sich jedoch nicht zum Lehrer berufen fühlte, entschied er sich, noch im November 1892 an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam ein Studium der Kunst zu beginnen, das er bis 1894, mit anschließenden Abendkursen bis 1897, fortführte.

Stark geprägt von dem strengen Calvinismus seines Vaters, interessierte er sich für die Theosophie, eine philosophisch-esoterische Bewegung mit mystisch-religiösen und spekulativ-naturphilosophischen Denkansätzen, die im 19. Jahrhundert entstand, sich mit der Suche nach der „göttlichen Weisheit“ beschäftigte, die Welt als einen Ausdruck Gottes verstand, alles Wissen auf Gott bezog und in dieser Verbindung Gott oder das Göttliche auf einem Weg intuitiver Schauung unmittelbar zu erfahren trachtete. Diese Denkrichtung beeinflusste in unterschiedlichster Weise das Schaffen vieler Künstler aus der Generation Mondrians.

Nun aber weiter zu Mondrians künstlerischer Frühphase: In den Jahren 1898 und 1901 bewarb er sich um den niederländischen „Prix de Rome“, den angesehensten Kunstpreis der Niederlande, und wurde beide Male abgelehnt. Nachdem Piet Mondrian zwei Stillleben verkauft und einen Porträtauftrag ausgeführt hatte, reiste er 1901 mit einem befreundeten Maler nach Spanien. Da er sich dort nicht behaglich fühlte, kehrte er schnell in seine Heimat zurück. Er konnte in Spanien nichts malen – zu verschieden war das Licht im Vergleich zu seiner Heimat. 1904 lebte er zurückgezogen in Uden, wo er sich vermehrt mit der schon angesprochenen Denkrichtung der Theosophie auseinandersetzte, ein Prozess, der bis an sein Lebensende dauern sollte. Im Jahr 1905 bezog Mondrian sein erstes Atelier in Amsterdam, wo er bis 1908 hauptsächlich naturalistische Arbeiten sowie wissenschaftliche Zeichnungen für die Universität Leiden anfertigte. Ein weiterer wesentlicher Schritt in dieser künstlerischen Frühphase war die Berufung in den Vorstand der 1910 gegründeten Künstlergruppe „Moderne Kunstkring“ (Anm.: bekanntestes Mitglied war neben Mondrian Jan Toorop, dessen Werke in vielen niederländischen Museen zu sehen sind) berufen, die bis 1916 bestand. Bereits ein Jahr nach der Gründung fand die erste Ausstellung dieser Künstlergruppe im Stedelik Museum in Amsterdam mit insgesamt 166 Exponaten statt – unter anderem von Paul Cézanne, Pablo Picasso und George Braque. Mondrian zeigte sechs Werke, darunter „Evolution“ und „Die rote Mühle“. Mit dieser Ausstellung und dem Umzug nach Paris endet die künstlerische Frühphase Mondrians.

Mondrians Frühphase und deren Widerspiegelung im Museum „Villa Mondrian“

Ausführlich wird diese künstlerische Frühphase im Museum „Villa Mondrian“ in Winterswijk dokumentiert – ein biographisch bedeutender Ort im Leben des Künstlers, an dem seine Entwicklung zum Maler beginnt.

Die Geschichte der Villa Mondrian beginnt im Jahr 1880, als die Familie Mondrian nach Winterswijk zieht. Einige Tage später, nachdem sie sich dort eingerichtet haben, erteilt Vater Mondrian, ein strenger Calvinist, in der nahegelegenen Schule den ersten Zeichenunterricht. Auch der junge Piet wird früh im Zeichnen unterrichtet, aber Vater Mondrian ist nicht an dessen Ausbildung zum Künstler interessiert. Er sieht für seinen Sohn die Laufbahn zum Lehrer vor.

Dennoch arbeitet Piet an der Entwicklung seiner eigenen künstlerischen Handschrift. Gemeinsam mit seinem Onkel Frits übt er sich an Motiven in der regionaltypischen Landschaft des Achterhoek. Der Tradition folgend, fängt er dort unter anderem einen laubbedeckten Wald mit dunklen Brauntönen malerisch ein. Seine Gemälde und Studien sind den Werken von Frits sehr ähnlich.

Mit großer Beharrlichkeit und Unternehmungslust bewirbt sich Piet um ein Stipendium. Dieses Stipendium ermöglicht es ihm, 1892 seinen ersten Zeichenunterricht an der Reichsakademie Amsterdam zu nehmen. Wie jeder Heranwachsende versucht der junge Piet, seiner künstlerischen Identität und einem eigenen, authentischen Stil Gestalt zu geben. In diesen ersten Schritten seiner Entwicklung werden die Konturen seines späteren Stils sichtbar.

Zunächst prägend ist der Impressionismus, der nach der frühen Ablehnung in Frankreich allmählich internationale Anerkennung erfährt. So malt Mondrian impressionistisch beeinflusste Landschaften seiner niederländischen Heimat wie die „Bäuerliche Szenerie mit St.-Jacobskirche“ und folgt damit dem Stil der bekannten „Haager Schule“. Ein weiteres Beispiel: Das Gemälde „Mühle im Sonnenlicht: Die Winkeler Mühle“aus dem Jahr 1908 zeigt beispielsweise Mondrians Auseinandersetzung mit einem traditionellen holländischen Motiv. Das Bild ist vom Fauvismus beeinflusst und orientiert sich an Vincent van Gogh. Die Mühle, im Gegenlicht vor gelbblauem Hintergrund präsentiert, ist mit roten und blauen Strichen gemalt, wobei die roten die blauen Striche zum Teil überdecken. Die Anwendung pointillistischer Maltechnik wird als Mittel eingesetzt, um die Form zu entmaterialisieren, und die Bezugnahme auf den Fauvismus in der Farbgebung dient dazu, die Wirklichkeit noch mehr zu abstrahieren.

Von der früheren Heimstatt zum heutigen Museum

Mehr als ein Jahrhundert, nachdem die Familie Mondrian ihre ersten Spuren in Winterswijk hinterlassen hatte, zieht das Museum in die Villa ein. Ein wichtiger Teil von Mondrians Frühwerk wird in den beiden neu errichteten Ausstellungsräumen gezeigt. Die ausgestellten Werke belegen, wie sich Piet Mondrian von einem konventionellen Zeichner und Maler allmählich zu einem Künstler entwickelt, der später mit Farbe und Form experimentieren wird. Anfänge des Stils, mit dem er später in der ganzen Welt berühmt werden sollte, sind bei genauerer Betrachtung schon früher zu erkennen.

Das ehemalige Wohnhaus vermittelt einen Eindruck vom Leben der Familie Mondriaan in Winterswijk. Zu sehen sind auch Werke von Piet Mondriaans drei Lehrern aus seiner Winterswijker Zeit: seinem Vater Piet Cornelis Mondriaan sr., seinem Onkel Frits Mondriaan und dem Maler Jan Braet von Überfelt. Hier wird die Beziehung zwischen Piet Mondriaans Frühwerk und dem Umfeld, in dem es entstand, sichtbar. Im Obergeschoss der Villa vermitteln Fotografien aus der persönlichen Sammlung des Fotopioniers Ger Fiolet ein Bild von Mondriaans späterem Leben.

Darüber hinaus wird hier und im neu errichteten Arco-Pavillon im Erdgeschoss zeitgenössische Kunst ausgestellt. Im angrenzenden Garten werden Gemüse und Obst angebaut, wie damals, als die Familie Mondriaan hier lebte.

Obwohl das Museum erst vor 12 Jahren eröffnet wurde, ist die Villa in Winterswijk schon ein Begriff in der Kunstszene. Diese Präsenz war aber trotz der weltweiten Berühmtheit Mondrians lange nicht gegeben. Im Jahr 1982 war das damals stark vernachlässigte Gebäude sogar vom Abriss bedroht. Dem kunstinteressierten Ehepaar Jan und Elizabeth Nijhuis gelang es jedoch, mit der Unterstützung mehrerer Winterswijker Bürger dies zu verhindern.

Dank der Bemühungen des Ehepaares Nijhuis und ihrer Unterstützer sowie mit Unterstützung der Gemeinde und der Provinz konnte dann nicht nur der Abriss verhindert, sondern auch die Idee für ein Piet Mondrian-Museum, die heutige Villa Mondriaan, im Jahr 2013 umgesetzt werden. Am 21. Mai 2013 wurde es von der früheren niederländischen Königin Beatrix eröffnet.

Kooperation mit dem Kunstmuseum Den Haag

Das Museum Villa Mondrian unterhält eine langfristige Partnerschaft mit dem Kunstmuseum Den Haag. Dank dieser einzigartigen Zusammenarbeit kann die Villa Mondriaan jedes Jahr auf eine große Anzahl von Leihgaben aus der größten und wichtigsten Mondriaan-Sammlung der Welt zurückgreifen. Viele der frühen Werke Mondriaans, die noch nie ausgestellt worden sind, wurden und werden in Winterswijk gezeigt. Jedes Jahr wird das Ausstellungskonzept geändert und die Gemälde werden durch neue Leihgaben ausgetauscht.

Café lädt zum Verweilen ein

Zum zehnjährigen Bestehens des Museums Villa Mondriaan wurde ein neues Café im Museum eröffnet. Dort kann unter anderem ein spezielles Mondriaan-Gebäck, eine köstliche Tasse Kaffee oder Piet’s Bier von der Brouwerij Wentersch genossen werden – natürlich mit Boogie Woogie-Musik im Hintergrund. Zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten des Museums ist das „Café Mondriaan“ den ganzen Mai über auch am Freitagabend geöffnet.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

„Joana Schneider – Otherworldly“

If you know who she is its time for Botox, 2023, Foto: Pim Top

In der neuen Ausstellung „Otherworldly“ entführt das Groninger Museum seine Gäste an einen Ort, an dem Realität und Fantasie miteinander verschmelzen.

Joana Schneiders außergewöhnliche Textilskulpturen regen zum Nachdenken über unsere sich fortwährend wandelnde Welt an. Schneider kombiniert alte Handwerkstechniken und hinterfragt Themen wie Veränderung, Identität und Schönheit. „Joana Schneider – Otherworldly“ ist noch bis 12. Oktober im Groninger Museum zu sehen.

„Otherworldly“ fordert Besucherinnen und Besucher auf, über die transformative Kraft der Natur und die schier unendlichen Möglichkeiten der menschlichen Vorstellungskraft nachzudenken. Darin vermischen sich das Alltägliche mit der Imagination. Die Installation erkundet die Schnittfläche zwischen der vertrauten Welt und ihrem geheimnisumwobenen Gegenpart.

Inspiration

Inspirationsquelle für Joana Schneider (München, 1990) sind unter anderem Mythen, deren Protagonisten oft von Macht, Liebe und Rache besessen sind, was sie zu vielschichtigen Figuren macht. Auch die Spätrenaissance bietet der Künstlerin reichlich Anregung, war es doch eine Epoche, in der Menschen, Tiere und die Natur verschwenderisch abgebildet wurden. Zugleich durchleuchten ihre Skulpturen die Rolle von Schönheitsidealen, den Wunsch nach Veränderung und die ständige Suche nach der eigenen Identität. Der Aspekt der Metamorphose, ein Thema, das sowohl der Natur als auch den Menschen eigen ist, bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung.

Arbeitsmethode

Schneider ist eine Pionierin, die innovative Textilkunst mit teils vergessenen Handwerkstechniken kombiniert. Sie setzt auf alte Techniken, wie Stickerei, Teppichweberei und Fischerknoten, und arbeitet mit recycelten Materialien, darunter Angelschnüre und Garn, die sie selbst färbt. Ihr unvergleichlicher Materialgebrauch brachte Schneider weltweite Anerkennung als Wegbereiterin im wiedererwachten Interesse der Kunstwelt an Textilien ein. In ihren Installationen gelingt es ihr, Natur, Fiktion und menschliche Erfahrung miteinander zu verknüpfen und ein sinnliches Erlebnis hervorzurufen, das das Publikum einlädt, weit über das Sichtbare hinauszuschauen.

Forever Young“ Neuerwerb des Museums

2023 erwarb das Groninger Museum Joana Schneiders Arbeit „Forever Young“ sowie vier weitere Skulpturen aus dieser Serie. Der aus recycelten Angelschnüren und PET-Garn bestehende Wandteppich zeigt eine karikierte Mädchenfigur mit runden Formen, rosa Haaren und einem dreidimensionalen Kleid. Die Figur referiert an das ikonische Spielzeug der Polly-Pocket-Serie aus den 1990ern und untersucht ihren Einfluss auf die Millennials und deren Wunsch, jung zu bleiben. Die schichtweise aufgebauten Arbeiten in dieser Serie verweisen auch auf die ästhetische Erfahrung zwischen der digitalen und der Offline-Lebenswelt. „Forever Young“ ist erstmals seit seinem Erwerb im Groninger Museum zu sehen. Der farbenfrohe Wandteppich ist ein Augenzwinkern auf die Welt der plastischen Chirurgie und wird zusammen mit anderen Werken aus der Serie gezeigt.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumseiland 1, 9711ME Groningen, Niederlande. Postanschrift Postbus 90, 9700 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 50 3 666 555, E- Mail info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Henk Heideveld – 50 Jahre Kunst

Ein Rückblick auf 50 Jahre Karriere des postmodernen bildenden Künstlers Henk Heideveld aus Zwolle zeigt das dortige Museum de Fundatie.

Viele Einwohner von Zwolle kennen Heideveld als den Mann, der über den Bogen der IJssel-Brücke ging, sich mit einem Koffer voller Geld auf den Weg machte, um kostenlose Banknoten zu verteilen, oder als den Mann, der in einer seiner vielen Performances die Bahnstrecke nach Deutschland übertünchte, um auf den Holocaust aufmerksam zu machen. Weniger bekannt ist sein Leben als visueller Mystiker und postmoderner Frommer, wie er sich selbst nennt.

Die Ausstellung „Henk Heideveld – 50 Jahre Kunst“, die noch bis zum 17. August im Museum de Fundatie in Zwolle zu sehen ist, zeigt die Vielseitigkeit von Heidevelds Werk: von Video und Performances bis hin zu Zeichnungen, Gemälden, Installationen, Texten und Fotografien, die sich über fünf Jahrzehnte erstrecken.

Beginnend mit seinen Anfängen als Konzeptkünstler im Jahr 1975 bis heute zeigt die Auswahl seine tiefgreifende und obsessive Suche nach dem Verständnis der Welt – und der Rolle des Menschen bei der Gestaltung oder dem Verlust dieser Welt. Er erforscht das Verhältnis von Kunst und Gott, in dem Geschichte und Zeit eine wichtige Rolle spielen. Er tat dies, indem er jahrelang über den Holocaust recherchierte, den er für das dunkelste Kapitel der europäischen Geschichte hält – verwurzelt sowohl in modernen sozialen Strukturen als auch in zweitausend Jahren christlicher Intoleranz.

Über Henk Heideveld

Henk Heideveld (geb. 1950, Winterswijk, Niederlande) ist ein Künstler, Performer und Autor, der in Zwolle, Niederlande, lebt und arbeitet. Seine Arbeit kombiniert Video, Performance, Fotomontage, Zeichnungen und Malerei.Seit Mitte der 1970er Jahre beschäftigt sich Heideveld mit philosophischen und historischen Themen, insbesondere mit dem Begriff „Gott“, wie ihn Spinoza in Deus sive Natura (Gott oder Natur) beschreibt. Seit 2010 konzentriert sich sein künstlerisches und schriftliches Werk zunehmend auf die Quantenmechanik und bezieht wissenschaftliche Theorien in seinen Schaffensprozess ein.

Heideveld hatte Einzel- und Gruppenausstellungen im Stedelijk Museum Zwolle, Niederlande (2015); Museum für falsche Kunst, Vledder, Niederlande (2017); Öffentlicher Raum Kreis-Lippe, Lünen, Deutschland (2021); und „Siamsa Tíre“ Cultural Centre, Tralee, Irland (2021). Seine Arbeiten wurden auch in Gruppenausstellungen in der Galerie Monte Video, Amsterdam (1980) gezeigt; Städtische Galerie Lenbachhaus, München (1982); Niederländisches Festival, Athen (1983); Stedelijk Museum Schiedam, Niederlande (1985); und Rijksmuseum Twenthe, Enschede (1989).

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Ein Schloss für Joseph Beuys und manches mehr

Wer sich für das Werk des Künstlers Joseph Beuys interessiert, kommt um einen Ort nicht herum: das Schloss Moyland in Bedburg-Hau am Niederrhein. Auch ansonsten lohnt sich ein Besuch – insbesondere wegen der Park- und Gartenanlagen.

Vorbemerkungen

Wenn es um den Namen Joseph Beuys geht, haben wohl viele Aktionen wie „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ in einer Galerie in Düsseldorf, den alten VW-Bus mit 24 Schlittenobjekten, der 1969 beim Kölner Kunstmarkt den damals sensationellen Preis von 110000 Euro erzielte, die Kleidung, bestehend aus Jeans, weißem Hemd mit Anglerweste und Filzhut, die zum Markenzeichen wurde, die „Fettecke“ in der Düsseldorfer Kunstakademie, die von einem Hausmeister entfernt wurde, weil er es nicht als Kunstobjekt wahrnahm, die mit Mullbinden und Heftpflastern versehene Badewanne, die nach einer Komplettreinigung von einem SPD-Ortsverein für die Kühlung von Bier genutzt wurde, oder das von ihm mehr schlecht als recht gesungene Lied „Sonne statt Reagan“ im Kopf – und natürlich die erregte Diskussion in vielen Medien darüber, ob das von Beuys geschaffene Werk Kunst sei oder weg könne.

Wer aber bereit ist, sich mit der Person Beuys und seinem Werk ohne Vorurteile zu nähern und sich näher damit zu beschäftigen, dem sei der Besuch des Schlosses Moyland empfohlen.

Zur Geschichte der Burg beziehungsweise des Schlosses

Bevor aber auf Beuys und sein Werk sowie die Umnutzung des Schlosses als Kunstmuseum näher eingegangen wird, soll die lange Geschichte des Schlosses kurz beleuchtet werden.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde es im Jahre 1307. Die erste „Burg“ Moyland war eine vierseitige von Wasser und Wehrmauern umgebene Befestigung mit drei hufeisenförmigen Ecktürmen und einem wehrhaften und bewohnbaren Bergfried. Nach weiteren Umbauten im Mittelalter und im Barock geht die heutige Schloss- und Gartenanlage auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gestaltete ab 1854 das Äußere des Schlosses im neugotischen Stil um. Bis 1945 diente es der äußerst wohlhabenden Familie Steengracht als ständiger Wohnsitz und war ein beliebtes Ziel für Reisende am Niederrhein. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg drohte das Schloss zu verfallen. Es wurde von alliierten Soldaten und der Zivilbevölkerung geplündert, so das Interieur, die Kunst- und Porzellansammlung und die Bibliothek verloren gingen. Erste Sicherungsmaßnahmen für die Schlossruine wurden 1956 durch einen Großbrand zunichte gemacht.

Trotzdem reiften Pläne für einen Wiederaufbau. Es galt, eine neue Nutzung zu finden. Bereits 1964 entstanden erste Pläne für den Umbau zu einem Museum, in der die Sammlung van der Grinten eine neue Heimat finden sollte. Der Kunstsammler, Museumsdirektor, Schriftsteller und bildende Künstler Hans van der Grinten hatte gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kunsthistoriker, Sammler, Künstler und Kunsterzieher Franz Joseph van der Grinten, eine umfangreiche Kunstkollektion mit mehr als 60.000 Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert und eine um die 100.000 Exemplare zählende, „treuhänderisch“ übergebene Sammlung an Archivalien von und über Joseph Beuys aufgebaut.

Aber erst nach über 20 Jahren konnten unter anderem mit der Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen die Pläne für einen Umbau in die Tat umgesetzt werden. Unter der Leitung des Kranenburger Architekten Karl Ebbers wurde 1987 mit der Entschuttung begonnen. Danach wurde das Äußere gemäß den Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner wieder aufgebaut. Für die Nutzung als Museum wurde es im Inneren in Galerien, Kabinetten und Sälen aufgeteilt, die sich an die historische Raumaufteilung anlehnt; und die Unterteilung des hohen Dachstuhls ermöglichte ein neues Geschoss.

Eingebettet in die niederrheinische Landschaft bietet das neugotische Wasserschloss Moyland mit seiner historischen Gartenanlage aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert ein Ensemble von hohem kunst- und kulturgeschichtlichem Rang. Barocke Elemente wie das Alleen- und Grabensystem bestimmen noch heute die Grundstruktur des Gartens. Zeitgleich mit der neugotischen Umgestaltung des Schlosses wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Garten im gemischten Stil angelegt. In ihm verbinden sich Partien im Stil des „Englischen Gartens“ mit Strukturen des „Architektonischen Gartens“ zu einer situationsreichen Park- und Gartenlandschaft. Sie wurde parallel zum Wiederaufbau des Schlosses ebenfalls nach ihrem letzten historisch überlieferten Zustand wiederhergestellt.

Neueröffnung im Jahr 1997

Die Neueröffnung erfolgte im Jahre 1997. Kernbereich des Museums ist seitdem das künstlerische Schaffen von Joseph Beuys. Mit ihm waren die Brüder van der Grinten bereits seit den 1950-er Jahren eng befreundet; und sie waren die Ersten, die Arbeiten von ihm erwarben. Nahezu 6000 Arbeiten von Joseph Beuys – Zeichnungen, Wasserfarbenblätter, Ölgemälde, plastische Bilder und plastische Arbeiten – befinden sich in der Sammlung des Museums Schloss Moyland. Darüber hinaus erhielten die Sammler von Beuys auch zahlreiche Archivalien zu dessen Leben, Werk und Wirken, die den Grundstock des Joseph Beuys Archiv innerhalb der Stiftung Museum Schloss Moyland bilden.

Architektonischer Nachtrag: Nordturmhelm

Was bei der Neueröffnung noch fehlte, war der sogenannte Nordturmhelm, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Nordturmhelm geht auf die schon erwähnte Umgestaltung durch den damaligen Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner zurück. Mit dem hohen Turmaufbau bezweckte Zwirner ohne Zweifel die Betonung der historischen Funktion des Bergfrieds, die Bedeutung dieses einst als letzte Zuflucht bei kriegerischer Bedrohung entstandenen Bauteils. Gleichzeitig schuf er damit auch die charakteristische, abwechslungsreiche, asymmetrische Silhouette des Schlosses. Zwirner gab seinerzeit dem noch mittelalterlichen Schloss das Erscheinungsbild, an dem sich der Wiederaufbau in den 1980-er und 1990-er Jahren orientierte.

Erst 2008 konnte diese Lücke geschlossen werden. Seitdem ist der fast 30 Meter hohe neugotische Helm auf dem Nordturm des Schlosses wieder das Wahrzeichen Moylands.

Forschungseinrichtung zu Joseph Beuys

Das Joseph Beuys Archiv ist als internationale Forschungseinrichtung Teil der Stiftung Museum Schloss Moyland und zugleich ein Institut der Kunstakademie Düsseldorf. Die Kombination aus umfangreichen Werk- und Archivbeständen von und zu Joseph Beuys unter einem Dach ist weltweit einzigartig.

Dazu gehört erstens die umfangreichste Bibliothek zu Joseph Beuys und beinhaltet Publikationen ab den 1950-er Jahren bis heute, dazu „graue“ (nicht im Buchhandel erhältliche Publikationen) Literatur und Zeitschriften. Der komplette Bestand ist über den Online-Katalog der Museumsbibliothek recherchierbar.

Zweitens alle Presseartikel von 1947 bis hin zu aktuellen Veröffentlichungen, drittens Fotografien ab Anfang der 1950-er Jahre bis 1986 zur Person, zum Werk und zum Wirken, viertens Dokumente, Briefe und Schreiben an Joseph Beuys von zirka 1950 bis 1986 – unter anderem Drucksachen, Flugblätter, Manuskripte und Notizen, fünftens Drucksachen zu Beuys-Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen von 1960 bis heute, sechstens audio-visuelle Medien zur internen Nutzung, siebtens ein Spezialarchiv in Kooperation mit dem ZJM Karlsruhe und achtens ein Spezialarchiv mit dem gesamten künstlerischen Nachlass von Ute Klophaus, zu dem das fotografische Werk mit 15.000 Schwarzweiß-Abzügen, 52.000 Negative und unterschiedliche archivarische Materialien gehören.

Der Skulpturengarten

Kunst wird im Schloss nicht nur indoor, sondern auch outdoor geboten. Im 1997 eingerichteten Skulpturenpark befinden sich zirka 70 Kunstwerke aus der Museumssammlung, darunter Arbeiten von Erwin Heerichs, Eduardo Chillada, James Lee Byars, Gerhard Marcks und vielen anderen. Die Skulpturen, die im ausgehenden 20. Jahrhundert entstanden, fügen sich harmonisch in die historische Gartenanlage ein. Plastische Arbeiten, von kleinformatigen bis zu monumentalen Skulpturen, werden in die abwechslungsreichen Gartenpartien passend eingebunden. Dieses Miteinander von zeitgenössischen Kunstwerken und historischer Gartenkunst eröffnet vielseitige Bezüge zwischen Kunst und Natur, hebt die Kunst aus ihrem musealen Kontext und stellt sie in einen Dialog mit gestalteter Natur.

Für Blumen- und Kräuterfreunde

Wer es nicht so mit der Kunst hat, wird beim Schloss Moyland auch fündig. So ist der Kräutergarten des Museums Schloss Moyland einer der größten und attraktivsten in der Region. Er wurde 1999 nach dem Vorbild des Anholter-Moyländer Kräuterbuches von 1470 angelegt, das sich heute in der Fürstlich Salm-Salmschen Bibliothek der Wasserburg Anholt befindet. In sechzehn Einzelbeeten befinden sich über 300 heimische und ausländische Kräuter, darunter Kräuter des Anholter-Moyländer Kräuterbuchs, Giftpflanzen, exotische Kräuter, ein Beet mit Kräutern, die aus der Antike bekannt sind, außerdem Arzneipflanzen und Kräuter, die in der Pflanzenheilkunde der Hildegard von Bingen eine Rolle spielen, sowie Küchenkräuter.

Damit noch nicht genug verfügt das Schloss Moyland auch über eine umfangreiche Hortensiensammlung. Insgesamt mehr als 2500 Pflanzen aus über 530 unterschiedlichen Hortensiensorten, darunter die prämierte Sorte Schloss Moyland, sind in der historischen Gartenanlage beheimatet und bilden somit die größte Hortensiensammlung in Deutschland.

Jährlich findet auch ein Hortensienfest statt – in diesem Jahr vom 28. bis 29. Juni. Nach dem Festwochenende beginnt dann der zweiwöchige Hortensiensommer. Wenn die Hortensien in voller Blüte stehen und ihre schönste Pracht entfalten, ist das der ideale Zeitpunkt für einen Besuch des Schlossparks Moyland. Während des Hortensiensommers finden vermehrt Hortensienführungen statt und im Moylandshop wird eine Auswahl an Hortensien zum Verkauf angeboten.

Gemütliche Einkehr

Das „Rocco’s“ bietet Kaffeespezialitäten sowie eine hochwertige Auswahl an Kuchen und Torten an. Darüber hinaus können Sie Ihren Besuch mit herzhaften kulinarischen Spezialitäten (täglich wechselnde Auswahl), einem Glas Wein oder einem Aperitif abrunden. Es eignet sich auch für eine mediterrane Mittagspause oder ein Geschäftsessen in gemütlicher Atmosphäre.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon 02824 951060, E- Mail info@moyland.de. Öffnungszeiten sind im Sommer (1. April – 31. Oktober) Montag 11–17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag–Freitag 11–18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10–18 Uhr, im Winter (1. November – 31. März) Montag 11–17 Uhr (nur Parkanlage) und Dienstag–Sonntag 11–17 Uhr.

Ausstellung über den niederländischen Impressionismus

Ab dem 27. Juni ist im Museum de Fundatie in Zwolle die Ausstellung „Der niederländische Impressionismus – Von Israels bis Ansingh“ zu sehen. Sie endet am 17. August.

Anfänge in Frankreich

In den 1870er Jahren begann eine Gruppe junger Maler in Frankreich, sich auf das Festhalten der Flüchtigkeit des Augenblicks zu konzentrieren. Wechselndes Licht und Farbe spielen dabei die Hauptrolle. Dabei ignorieren sie die akademische Tradition der Malerei. Anstatt die Realität möglichst genau nachzubilden, suchen sie nach Möglichkeiten, eine Atmosphäre, einen „Eindruck“ einzufangen. Dazu verwenden sie lockere Pinselstriche und unvermischte Farben. Von den Kritikern werden sie schnell als „Impressionisten“ bezeichnet. Zu ihnen gehören Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Edgar Degas. Die Erfindung der Farbe in der Tube ermöglicht es den Impressionisten, im Freien zu malen. So können sie noch besser einen unmittelbaren Eindruck von ihrer Umgebung wiedergeben. Der Impressionismus wird zu einem wichtigen Nährboden für die Entwicklung der modernen Malerei.

Einfluss auf niederländische Künstler

Im gleichen Zeitraum treten die niederländischen Künstler zunehmend in Kontakt mit ihren Kollegen aus Frankreich. Ab den späten 1880er Jahren beginnt der Impressionismus auch in den Niederlanden, mit George Hendrik Breitner, Isaac Israels, Willem de Zwart und Jan Toorop als Hauptakteuren. Sogar Piet Mondrian, der eher als Mitbegründer der abstrakten Malerei bekannt ist, malt zu Beginn seines künstlerischen Schaffens impressionistisch. Auch die „Joffers“, eine Gruppe niederländischer Künstlerinnen, zu denen unter anderem Lizzy Ansingh, Thérése Schwartze und Coba Ritsema gehören, arbeiten in einem impressionistischen Stil. Wie ihre französischen Kollegen beschäftigen sie sich mit alltäglichen, scheinbar zufälligen Momenten. Sie arbeiten oft in der Stadt und halten ihre Eindrücke auf der Leinwand fest. Weitere thematische Schwerpunkte sind Interieurs, Stillleben und Porträts.

Zu den „Amsterdamse Joffers“

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts fand sich in Amsterdam eine Gruppe von jungen Frauen zusammen mit dem Ziel, der Malerei als Form der Kunst nachzugehen. Sie entstammten wohlhabenden Familien und waren daher nicht gezwungen, um ihren Lebensunterhalt zu kämpfen. Diese Gruppe fand sich zu einem Zirkel zusammen, der sich meistens wöchentlich bei der Malerin Thérèse Schwartze traf. Anlass der Treffen war der Austausch von Erfahrungen bei der Arbeit als Künstlerin. Im Jahre 1912 erhielt diese Bewegung durch den Kunstkritiker Albert Plasschaet den Namen „Amsterdamse Joffers“, der erstmals in einem Zeitungsartikel gefallen war. Viele Werke dieser Künstlerinnen hängen in äußerst renommierten Museen wie dem Rijksmuseum Amsterdam,

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„There is a ghost in the room. For sure!“

Künstler, Lehrer und Studenten der Kunstakademie Düsseldorf haben für eine Ausstellung eine Installation im Schloss Moyland erstellt.

Noch bis zum 25. Januar 2026 ist im Schloss Moyland die Ausstellung „There is a ghost in the room. For sure“ zu sehen. Sie besteht aus einer Installation mit Licht und Klängen sowie skulpturalen Elementen im Raum. Außerdem werden Werke der Fotografie und der Druckgrafik sowie ein Film präsentiert. Zwei Klanginstallationen wurden für den Park des Museums geschaffen. Sie befinden sich im Kräutergarten.

Was der Besucher erlebt

Unser Spiegelbild löst sich in nichts auf. Musikinstrumente spielen wie von Geisterhand. Schnelle Kameraschnitte und beunruhigende Klänge ziehen uns in den Bann des schwindelerregenden Alptraumes einer jungen Frau. Während Bilder aus der Märchenwelt der Brüder Grimm uns in ein verwunschenes Schloss entführen, hören wir aus der Ferne ein merkwürdiges Geräusch. Wir folgen ihm und sehen einen menschlichen Schatten an der Wand: Ist es unser eigener oder sind wir nicht alleine? Nachts im Dunkeln schärfen wir unsere Sinne. Unauffällige Geräusche – wie das Knarren des Holzbodens oder das Knarzen der Tür – werden auf einmal unüberhörbar und zu möglichen Anzeichen drohender Gefahr. Die grauschwarze Projektionsfläche der Nacht gibt Raum für das Geheimnisvolle und Schaurige. Hellwach versuchen wir, die Reize, die im Halbdunkel auf uns einwirken, einzuordnen und zu interpretieren. Ein Gespenst ist im Raum. Mit Sicherheit!

An der Ausstellung sind folgende Künstler beteiligt: Anri Sala, Ari Benjamin Meyers, Dominique Gonzalez-Foerster, Francesca Woodman, Fynn Bierik, Heidundgriess, lsabell Kamp, Maya Deren und Alexander Hammid, Michael Aerts, Swinda Oelke. Mit dabei sind auch Studenten der Kunstakademie Düsseldorf. Inspirationsquellen für die Ausstellung waren das Schloss und Werke aus der Sammlung van der Grinten – unter anderem von David Hockney, James Lee Byars und Jo Gijsen.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist im Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, im Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum

Eine Ausstellung im Schloss Moyland beschäftigt sich mit dem Künstler Joseph Beuys und seiner Beziehung zum Nationalsozialismus.

Im Rahmen des seit April 2023 laufenden Forschungsvolontariats des vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Programms „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ im Museum Schloss Moyland wurde das Forschungsprojekt „Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – ein Laborraum“ entwickelt.

Es befasst sich mit der kritischen Aufarbeitung der Geschichte des Künstlers Joseph Beuys (*1921 +1986) in der Zeit des Nationalsozialismus sowie seiner späteren Positionierung hierzu.

Das Museum Schloss Moyland bietet zu diesem Zweck die besten Bedingungen, da es nicht nur über den umfangreichsten Bestand an Werken des Künstlers verfügt, sondern auch über ein einzigartiges Archiv von und zu Beuys.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden seit dem 30. März in einem partizipativ angelegten Labor- beziehungsweise Ausstellungsraum innerhalb der Dauerpräsentation zu Joseph Beuys im ersten Obergeschoss des Schlosses präsentiert. Im Laborraum sind multimedial aufbereitete Informationen über die Jugend von Joseph Beuys, seine Zeit als Soldat und seine Beteiligung am 1957 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Mahnmal im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Zu diesem Angebot gehören auch Interviews mit Forschern zu Joseph Beuys sowie mit Schülern und Studenten. Das interdisziplinäre Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität und der Hochschule Rhein-Waal realisiert.

Auschwitz und der Zweite Weltkrieg im Werk von Joseph Beuys

Eine weitere Ausstellung im Schloss Moyland versammelt Werke von Joseph Beuys mit Bezug zum Zweiten Weltkrieg und zu Auschwitz. Ausgehend von Schulungsunterlagen aus seiner Zeit als Wehrmachtssoldat und Informationsmaterial, das Beuys 1957 bei seiner Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb für ein Mahnmal in Auschwitz-Birkenau erhalten und 1963 künstlerisch bearbeitet hat, gehen die Ausstellungsmacher der Frage nach, mit welchen ästhetischen Strategien Beuys auf die Ungeheuerlichkeit der systematischen Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens, von Sinti und Roma, Kommunisten und anderen im nationalsozialistischen Deutschland verfolgten Gruppen reagiert hat.

Diese Ausstellung zeigt, dass sich Beuys während seiner gesamten Laufbahn von den 1940-er bis in die 1980-er Jahre immer wieder auf höchst unterschiedliche Weise mit dem Zweiten Weltkrieg und Auschwitz künstlerisch auseinandergesetzt hat.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

20. Inselfestival mit narrativer Musik

Vom 6. bis 9. Juni werden auf der Raketenstation Hombroich tönende Erzählungen aus fünf Jahrhunderten geboten.

Das 20. Inselfestival des Vereins zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich findet dieses Jahr wieder zu Pfingsten auf der Raketenstation und im Museum Insel Hombroich statt. Vom heutigen Freitag, 6. Juni, bis Sonntag, 9. Juni, erwartet die Besucher ein hochkarätiges Konzertprogramm.

Musik erzählt Geschichten von Liebe, Tod und Leidenschaft, singt Lieder ohne Worte und drückt im Klang aus, was Sprache nicht zu sagen vermag: Zum Thema „Narrative Musik“ präsentiert das 20. Inselfestival tönende Erzählungen aus fünf Jahrhunderten. Das alle zwei Jahre stattfindende Festival verdankt sich der Initiative von Karl-Heinrich Müller, der zu Pfingsten 1986 das erste Inselfestival Hombroich veranstaltete.

Von der Renaissance bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen, der auf vielfältige Weise die existentiellen Erfahrungen von der Wiege bis zum Grabe reflektiert. Asya Fateyeva, Evelina Petrova, Magdalena Cerezo Falces, Julian Prégardien, Matan Porat, Roi Shiloah und Joseph Moog sowie The Gesualdo Six, das Simply Quartet und das Cuarteto Casals freuen sich darauf, dem Publikum ihre Beiträge zum Jubiläum vorstellen zu dürfen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auf der Raketenstation ist der Eintritt zu den Konzerten frei. Bei Konzerten auf der Raketenstation Hombroich wird eine dementsprechende Spende erwartet. Eine Spendenbox steht vor Ort jeweils bereit. Bei der Klangwanderung im Museum sowie dem Konzertabend in der Scheune ist der Museumseintritt zu entrichten.

Seit 1992 ist der Förderverein der Insel Veranstalter des Inselfestivals und begleitet darüber hinaus die vielfältigen Aktivitäten der heutigen Stiftung Insel Hombroich wie das Raketenfestival, das Literatur- und Philosophie Festival, diverse Ausstellungen und vieles mehr. Die Programmplanung des 20. Inselfestivals liegt in den Händen von Dr. Rainer Wiertz.

Burg Vischering und die Kolvenburg stehen für Museum, Kunst und Kultur

Ein breitgefächertes Angebot für Jung und Alt, bei dem auch Mitmachen und Ausprobieren groß geschrieben wird, haben sich die Freunde und Förderer der Kulturzentren Burg Vischering und Kolvenburg auf die Fahnen geschrieben. Mit seinen Aktivitäten richtet sich der Verein an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Hauptanliegen ist die Unterstützung des kulturellen Lebens rund um die Burg Vischering in Lüdinghausen, der Kolvenburg in Billerbeck und im ganzen Gebiet des Kreis Coesfelds.

Zur Geschichte der Burg Vischering

Die Burg Vischering, gleich auf zwei Inseln in den Stauteichen der Stever am Nordwestrand der Stadt Lüdinghausen gelegen, ist ein Paradebeispiel für das ehemalige Leben der Adelskultur im Münsterland. Mit ihrer runden Hauptburg inmitten des Hausteichs ist sie ein Baudenkmal von malerischer Geschlossenheit, das als Ausflugsziel und Fotomotiv weithin beliebt ist. 1271 erstmals urkundlich erwähnt, dient die Wasserburg seit 1972 als Museum, Ausstellungs- und Veranstaltungsort des Kreises Coesfeld. „Museum. Kunst. Kultur.“ Unter diesem Motto erwartet Besucher des altehrwürden Gemäuers ein breitgefächertes Programm für Jung und Alt. Mitmachen und Ausprobieren werden bei einem Besuch der Burg großgeschrieben. Geschichte Der Bischof von Münster, Gerhard von der Mark, vertraute die Burg Vischering im 13. Jahrhundert dem Ritter Albert von Wulfheim an, der sie mit einer kleinen Mannschaft gegen Angriffe verteidigen und für den bischöflichen Zugriff offenhalten sollte. Die Maßnahmen richteten sich gegen die in den benachbarten Burgen Lüdinghausen und Wolfsberg sitzenden Brüder Hermann und Bernhard von Lüdinghausen. Sie waren Lehnsleute der in der Gegend stark begüterten Reichsabtei Werden, strebten aber vor allem selbst nach Herrschaft. Ihren Charakter als reine Wehrburg veränderte die Burg Vischering im 16. Jahrhundert mit dem Einbau großer Fenster und eines zweistöckigen Anbaus im Stil der Renaissance. Ein großer Brand im Jahr 1921 zwang zu Wiederaufbaumaßnahmen und bot damit weitere auch Möglichkeiten zur Erneuerung – neben höheren Wohntrakten entstand der Treppenturm. Durch Bomben erlitten die Gebäude im Zeiten Weltkrieg großen Schaden. Mit dem Wiederaufbau wurde unmittelbar nach Kriegsende begonnen.

Von der Burg zum preisgekrönten Museum

Das preisgekrönte Museum in der Hauptburg nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise: Es gewährt Einblick in die Lebensweise längst vergangener Jahrhunderte und stellt die Bedeutung der Schlösser und Burgen im Münsterland heraus. Mit Hilfe multimediale Techniken, interaktiver Medienstationen und vielfältigen Exponaten und Darstellungen spüren Besucherinnen und Besucher dem Aufstieg der Familie Droste zu Vischering vom einfachen Rittergeschlecht zu einer der bedeutendsten landadligen Familien des Münsterlandes nach. Höhepunkt der Ausstellung ist der Rittersaal, der auf zauberhafte Weise erwacht, wenn die künstlerische Videoinstallation die Welt des Adels um 1770 zu neuem Leben erweckt. Bei Kindern erfreuen sich die Spielmöglichkeiten im Untergeschoss und die Tablet-Guides mit Spielen und Rätseln rund ums Thema Ritterburg besonderer Beliebtheit.

Kunst und Kulturveranstaltungen

Wechselnde kulturhistorische Präsentationen und hochkarätige Kunstausstellungen lassen die Herzen von Kunstliebhabern höherschlagen. Musikfans kommen bei einer großen Bandbreite von Konzerten, darunter die renommierte Reihe „BurgJazz“ mit internationalen Jazz-Größen, auf ihre Kosten. Mit Lesungen, dem Open Air-Kunstmarkt „Kunst im Park“, dem „Annotopia“-Fantasy-Festival, Theater- und Kabarett-Aufführungen bedient das Kulturprogramm vielfältigste Interessen.

Workshops und Erlebnisse zum Mitmachen

Wer sich aktiv einbringen möchte, wird bei den Workshop-Angeboten fündig – von Bierbrauen und Kochen in der Burgküche, über Zeichen- und Radierworkshops bis hin zu Kalligraphie-Kursen. Für Kinder, Jugendliche und Familien gibt es diverse Feste und Mitmach-Aktionen, wie das jährlich stattfindende Ritterlager, Kindertheater, historische Kinderspiele, Märchenlesungen, Bastelnachmittage, MINT-Angebote, das Abenteuer „Burgdetektive“, Kinderführungen und vieles mehr. Ritterliche Kindergeburtstage können gebucht werden. Pädagogische Museumsprogramme für Schulklassen und Kindergärten, abgestimmt auf Altersstufe und Lehrplan, runden das Angebot der Burg ab.

Portal zur Schlösser- und Burgenregion Münsterland

Die Burg Vischering, selbst am Südkurs der 100-Schlösser-Fahrradroute gelegen, fungiert offiziell als Portal zur über 100 Adelshäuser zählenden Burgen- und Schlösserlandschaft Münsterland. Im Untergeschoss des Museums und im Torhaus der Burg finden Gäste Informationen zur gesamten Burgen- und Schlösserregion. Gastronomie und weitere Angebote Ein gastronomisches Angebot mit dem Café Reitstall, Picknickplätze, Leihfahrräder und E-Bike Ladestation sowie ein in Kürze fertig gestellter Kinderspielplatz und ausgedehnte Spaziermöglichkeiten im Grünen runden das Angebot der Burg Vischering ab.

German Design Award Special 2021 und Travellers‘ Choice Auszeichnung

Für die 2018 feierlich eröffnete Neukonzeption des Museums der Burg Vischering erhält das Architekturbüro Duncan McCauley GmbH und Co KG in diesem Februar die Auszeichnung „Special Mention“ und gehört damit zu den Preisträgern des German Design Awards 2021. Dass das neu konzipierte Museum auch bei Besuchern von nah und fern bestens ankommt, beweisen die seither rasant gestiegenen Besucherzahlen ebenso wie die 2020 von Tripadvisor an die Burg Vischering vergebene Auszeichnung Travellers‘ Choice.

Nähere Informationen: Burg Vischering, Berenbrock 1, 59348 Lüdinghausen, Telefon 02591 7990-0, Fax: 02591 7990-28, und E-Mail: kultur@kreis-coesfeld.de. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

In der Sanierungsphase: die Kolvenburg in Billerbeck

Mit zur Burg Vischering gehört die Kolvenburg. Die Kolvenburg im Erholungsort Billerbeck, der Perle der Baumberge, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude des Kreises Coesfeld und ein beliebter touristischer Anziehungspunkt. Seit dem 1. Juli ersetzen Sanierungsarbeiten das sonstige Tagesgeschäft aus Veranstaltungsplanungen, Dachbodenführungen oder Ausstellungsangeboten. Die Arbeiten drehen sich rund um die Themen Barrierefreiheit, Haustechnik, sowie Arbeiten am Dachstuhl und an der Fassade.

Für den Besucherverkehr bleibt die Burg somit vorerst geschlossen. Lesungen, Konzerte und Veranstaltungen im Außenbereich der Kolvenburg sind aber schon in Planung.