Über die Künstlerin Charley Toorop und ihre Liebe zu van Gogh

Noch bis zum 14. September ist im Kröller-Möller Museum in Otterlo die Ausstellung „Charley Toorop. Liebe zu van Gogh“ zu sehen.

Lebenslange Bewunderung

Vincent van Gogh war für Charley Toorop eine bedeutende Inspirationsquelle. Seine Werke beeindruckten die junge Charley so sehr, dass sie sich für eine Laufbahn als Künstlerin entschied. Wie van Gogh reiste sie sowohl ins Borinage als auch in die Provence und teilte seine Vorliebe für die Darstellung echter Menschen und der Natur. Van Goghs Einfluss ist besonders in ihren zwischen 1921 und 1925 entstandenen Werken erkennbar. Erstmals widmet sich nun eine Ausstellung Toorops Bewunderung für van Gogh. Gezeigt werden rund sechzig Werke, darunter einige selten präsentierte Arbeiten.

Auch wenn das Werk von Charley Toorop eine ganz eigene Originalität und Kraft besitzt, bedeutet dies nicht, dass sie sich nicht von anderen Künstlern inspirieren ließ – ganz im Gegenteil. Sie bewunderte die Malerei von Bart van der Leck und Piet Mondrian ebenso wie die ihrer internationalen Zeitgenossen Georges Braque, Pablo Picasso und Fernand Léger. Dennoch war es laut Toorop vor allem Vincent van Gogh – sogar mehr als ihr Vater Jan Toorop –, der den Grundstein für ihre künstlerische Laufbahn legte. Ihre Bewunderung für ihn hielt ein Leben lang an. Sein Werk war für sie „der Durchbruch in eine neue Welt“. So sagte Charley Toorop im Februar 1953: Vincent van Gogh war für mich da, noch bevor ich mit dem Malen begann, eigentlich seitdem ich denken kann. Er war der Grund für den ersten Streit mit meinem Vater, der die Dinge so anders sah. Für mich war es der Durchbruch in eine neue Welt. Seine Werke zu sehen, war immer ein besonderes Erlebnis für mich. Die große Amsterdamer Ausstellung seiner Werke nach der Befreiung war für mich die eigentliche Befreiung. Dass seine Werke dort so wunderbar präsentiert wurden und wir sie endlich wieder erleben durften: die großartigen Zeichnungen der französischen Landschaft, die gemalten Landschaften, die Figuren und die Stillleben.“

Über das Borinage und ihr soziales Engagement

Charley Toorops Bewunderung für Vincent van Gogh wird aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – darunter ihre Darstellung als Künstlerin und als Mensch, ihre Pilgerreise ins Borinage, ihre Reisen nach Paris und Südfrankreich, ihr soziales Engagement sowie ihre Verbindung zu Mensch und Natur.

Neben Toorops Gemälden und Arbeiten auf Papier aus der Kröller-Müller-Sammlung sind Werke aus den Sammlungen des Kunstmuseum Den Haag, des Stedelijk Museum Amsterdam, des Stedelijk Museum Alkmaar, des Centraal Museum Utrecht, des Museum MORE, des Museum De Wieger sowie aus verschiedenen Privatsammlungen zu sehen. Begleitend zur Ausstellung erscheint in Zusammenarbeit mit Waanders Uitgevers eine Publikation, die sich eingehend mit der Beziehung zwischen Charley Toorop und Vincent van Gogh befasst.

Größte Museumssammlung

Wie Vincent van Gogh nimmt auch Charley Toorop einen besonderen Platz in der Sammlung des Kröller-Müller Museums ein. Helene Kröller-Müller und ihr Kunstberater Henk Bremmer sahen in beiden Künstlern etwas Erhabenes, da sie „unbeeinflusst vom Zeitgeist ihren eigenen Weg gingen“. Dank der Kunstankäufe von Kröller-Müller zwischen 1916 und 1938 sowie späterer Ergänzungen – etwa aus dem Vermächtnis des Den Haager Sammlers C.A. Hoogendijk im Jahr 1977 – beherbergt das Kröller-Müller Museum heute die umfangreichste museale Sammlung von Werken Charley Toorops.

Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo (NL), E-Mail: info@kroller-moller.nl, Telefon: +31(0) 318591241. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.

Udo Lindenberg – Kometenhaft panisch – Likörelle, Udogramme, nackte Akte & viel mehr.

Noch bis zum 23. November 2025 ist das ganze „Udoversum“ im Ruhrgebiet zu sehen – genauer gesagt in der Ludwiggalerie in Oberhausen.

Der als Rocksänger mit deutschen Texten ganz eigener Art bekannt gewordene Udo Lindenberg hat seit Mitte der 1990-er Jahre ein umfangreiches malerisches Werk mit großem Wiedererkennungswert geschaffen. Die Menschenfamilie tummelt sich darin lebens- und liebeslustig im friedlichen Miteinander. Astronaut und Vampir wandern ebenso auf die Leinwand wie „Detektiv Coolman“, „Elli Pyrelli“, „Rudi Ratlos“, „Familie Kabeljau“ oder die „Klavierlehrerin“. Und über allem hebt der Komet ab.

Udo Lindenberg, der als Sänger deutsche Musikgeschichte geschrieben und als Maler und Zeichner ein eigenwilliges, buntes, an Comic und Cartoon orientiertes Œuvre geschaffen hat, wird in dieser sehr umfangreichen Ausstellung mit all seinen Facetten vorgestellt. Ernsthafte Themen wie der Zyklus zu Goethes Hauptwerk „Faust“, die Auseinandersetzung mit den biblischen „Geboten“oder seine klare politische Haltung im Kampf gegen rechte Gesinnung – mit den „Pimmelköppen“wurde eine eigene Spezies geschaffen – stehen neben den munteren nackten Akten oder der losschippernden „Andrea Doria“.

Die schwarze Konturlinie definiert seine Figuren und lässt den Meister schon am Strich erkennen. Musen und Göttinnen gehören ebenso zum festen Personal wie der Paniker selbst: Hut und Sonnenbrille als Synonym. Mit den „Likörellen“ hat Lindenberg eine eigene Technik gefunden, dessen Bezeichnung er sich als Patent hat schützen lassen. Dabei erstaunt die breite Farbpalette: Bananenlikör für ein dunkles und Eierlikör für ein helles Gelb, Pfefferminzlikör für Grün, Kirschlikör für Rot oder Blue Curaçao für Blau.

Einzigartig ist, dass die Ausstellung mit ganz frühen, noch nie ausgestellten Zeichnungen und Skizzen die Entwicklung seines unkonventionellen Stils nachvollziehbar werden lässt. Schon auf dem Album „livehaftig“von 1979 zeichnet sich Udo selbst auf das Innencover, dem Album „Götterhämmerung“legt er 1984 ein in reinen Konturlinien gezeichnetes Poster bei. Aus den Udogrammen heraus erwächst ein fantastischer Kosmos mit dem Panikpräsidenten an der Spitze. Ermöglicht hat diese einmalige Kunstausstellung der Werke von Udo Lindenberg die Brost-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Projekte mit Fokus auf das Ruhrgebiet und einer Wirkung auch weit darüber hinaus zu unterstützen. Wie Prof. Bodo Hombach, Vorstandsvorsitzender der Brost-Stiftung, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung ausführte, fördere die Brost-Stiftung Projekte des Multitalentes Udo Lindenberg im und für das Ruhrgebiet, weil die gebeutelte Ruhrregion starke Verbündete brauche. „Lindenbergs Botschaften sind glaubwürdig, weil authentisch. Sie haben Wirkung. Ihre Autorität ist generationsübergreifend“, sagte Hombach weiter.

Lindenberg, dessen Wurzeln in Nordrhein-Westfalen verankert sind, erwiderte nicht ohne Stolz: „Yeah! Das Udoversum knallt kometenartig mitten ins Ruhrgebeat hinein. Udo is coming home nach NRW. Meine Babys, also meine Bilder dürfen ins feine Schloss Oberhausen einziehen, genauso, wie die ganze Panik-History.“

Dank der Brost-Stiftung kann das gesamte Gebäudeensemble der Ludwiggalerie erstmals einem Künstler gewidmet werden: Das „Kleine Schlosspräsentiert dabei exklusiv die Biografie Lindenbergs anhand seiner musikalischen Werke und Shows. Von den Anfängen als Schlagzeuger in Nordrhein-Westfalen bis zum Nr. 1-Hit „Komet“ wird das gesamte Udoversum im Ruhrgebiet sichtbar.

Informationen zu dem die Ausstellung begleitenden museumspädagogischen Angebot und zum Rahmenprogramm gibt es im Internet auf http://www.ludwiggalerie.de

„Susan Hefuna – passage“

Die Ausstellung „Susan Hefuna – passage“, die ab 26. September in den Räumen des Museums Küppersmühle in Duisburg zu sehen ist, umfasst über 400 Werke der Künstlerin. Die Werkgruppen aus verschiedenen Jahrzehnten bilden eine Passage ihres künstlerischen Universums und ihres umfassenden, vielschichtigen Werks.

Das Museum Küppersmühle freut sich, erstmals in Deutschland eine große, umfassende Ausstellung der multidisziplinären und international renommierten Künstlerin Susan Hefuna zu präsentieren. In der vom Schweizer Kurator Stephan Kunz im engen Austausch mit der Künstlerin zusammengestellten Ausstellung sind zahlreiche Werkgruppen von Susan Hefuna aus den letzten 35 Jahren zu sehen.

Die Werkgruppen aus verschiedenen Jahrzehnten bilden eine Passage ihres künstlerischen Universums und ihres umfassenden, vielschichtigen Werks. Hefuna bedient sich in ihren Ausdrucksformen eines breiten Spektrums von Medien, das von der Zeichnung, Skulptur und Installation bis hin zu Video, Fotografie und Performance reicht.

Das umfassende Œuvre Hefunas macht kulturell und gesellschaftlich relevante Themen sichtbar, die zugleich persönlich geprägt sind. Durch ihre ägyptischen und deutschen Wurzeln sowie ihre zahlreichen Reisen und Aufenthalte in vielen Ländern der Welt bereichert und inspiriert sie mit ihren eigenständigen Ausdrucksformen. Hefuna spielt mit den jeweiligen kulturell konditionierten Blicken der Betrachter und den vielschichtigen Bedeutungen von Bild und Text in jeweiligen Kontexten.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

„8 Bauhäusler – Wir studierten am Bauhaus in Dessau“

Noch bis zum 10. Januar 2026 zeigt das Heinrich Neuy Bauhaus Museum in Steinfurt-Borghorst die Ausstellung „Wir studierten am Bauhaus in Dessau“, die an den Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau im Jahr 1925 erinnert. Ein entscheidender Schritt in der Geschichte dieser einflussreichen Schule für Gestaltung.

Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums erinnert das Heinrich Neuy Bauhaus Museum mit ausgewählten Werken an Künstlerinnen und Künstler, die am Bauhaus in Dessau studierten oder wirkten: Heinrich Neuy, Carl Marx, Margaret Leiteritz, Fritz Kuhr, Kurt Kranz, Wilhelm Imkamp, Albert Hennig und Herbert von Arend. Ihre Arbeiten zeigen unterschiedliche Positionen innerhalb des Bauhaus-Kanons und machen zugleich die Vielfalt der Bauhaus-Idee sichtbar.

Zu Heinrich Neuy

Heinrich Neuy (27. Juli 1911 – 24. März 2003) studierte von 1930 bis 1932 am Bauhaus in Dessau. Nach einer Tischler- und Holzbildhauerlehre besuchte er zunächst die Kunstgewerbeschule in Krefeld, lernte hier Gestaltungsregeln und Ordnungsprinzipien kennen, die die Schlichtheit der Form zur Leitlinie erklärten.

1930 entwarf Neuy einen sowohl als Sitzmöbel wie als Spielgerät nutzbaren Kinderstuhl aus Holz und Stahlrohr, der für die industrielle Serienproduktion geeignet war. Inspiriert von der Ausstellung “10 Jahre Bauhaus” im Folkwang Museum in Essen bewarb sich der damals 19-jährige Neuy in Dessau. Den Vorkurs absolvierte er 1930 bei Josef Albers. Es folgten Kurse unter anderem bei Wassily Kandinsky, Joost Schmidt, Fritz Kuhr, Karlfried Graf von Dürkheim und Mies van der Rohe. “Was Mies van der Rohe sagte, war von einer Klarheit, die war zwingend”, erinnerte Neuy.

1932 kehrte er in die Werkstatt seines Vaters zurück und legte die Meisterprüfung im Tischlerhandwerk ab. Er heiratete 1937 und übernahm die Tischlerei und das Geschäft Möbel und Kunsthandwerk seines Schwiegervaters. 1947, nach Militärzeit und Kriegsgefangenschaft, führte er den Betrieb weiter. 1960 begann er wieder mit Ausstellungen seiner künstlerischen Arbeiten.

Als Maler und Zeichner richtete Neuy sein Interesse vor allem darauf, durch Form und Farbe Phänomene wie Charaktereigenschaften, Jahreszeiten und insbesondere musikalische Klänge sichtbar zu machen. Dem Aquarell räumte er in seinem Werke besonderen Raum ein.

Zum Heinrich Neuy Bauhaus Museum

Rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Namensgebers wurde das Heinrich Neuy-Bauhaus Museum in Steinfurt-Borghorst – nach gut einjähriger Planungs- und fünfjähriger Bauzeit – am 1. Juni 2011 eröffnet.

Entstanden ist ein kleines, aber feines Refugium, in dem „alt“ und „neu“ aufeinander trifft und beides sich harmonisch ergänzt. Das 1668 erstmals erwähnte Stiftskurienhaus der Stiftsdame Margareta Cornelia von Merveldt des ehemaligen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst wurde behutsam restauriert und durch einen dreigeschossigen verglasten Anbau zum Garten hin „geöffnet“ und erweitert. Im Erdgeschoß befinden sich ein Museumsshop und ein Cafe und Restaurant.

Im Obergeschoß laden den Betrachter helle, freundliche, großzügige Ausstellungsflächen und die Stiftsbibliothek mit einer historischen Darstellung des ehemaligen Damenstifts Borghorst ein.

Ausgestellt werden vorwiegend Arbeiten von Heinrich Neuy und anderen Bauhausschülern und Bauhauslehrern in Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen. Die Heinrich-Neuy-Stiftung hat sich geöffnet für Sammlungen und Nachlässe anderer „Bauhäusler“, um diese auch weiterhin geschlossen zu erhalten – eine wahre Bereicherung.

Das Museum, das sich inzwischen auch über die Region hinaus etabliert hat, möchte weiter den Betrachter in die Welt des Bauhauses mitnehmen. Hier entstand eine neue Sprache der Gestaltung, die zahllose Klassiker in Architektur, Design und Malerei hervorgebracht hat. Bis heute beeinflusst diese ungewöhnliche Epoche von 14 Jahren nachhaltig viele Bereiche. So kann man, neben den schon erwähnten Ausstellungen Türklinken, Lampen, Lichtschalter, Tapeten, Glas und Keramik und Möbel, insgesamt aus Entwürfen von „Bauhäuslern“ stammend, anschauen. Ergänzend werden Vorträge angeboten und Projekte begleitet und entwickelt.

Der Um- und Erweiterungsbau wurde vorwiegend mit ehrenamtlichem Engagement gestaltet. In der Bauphase konnten erhebliche Eigenleistungen mit Unterstützung des Denkmalpflegewerkhof e.V.. Steinfurt und des terra nova e.V., Ochtrup erbracht werden. Dazu kamen finanzielle Zuwendungen privater wie auch gewerblicher Förderer aus der Region. So konnten rund 50 Prozent der Mittel generiert werden. Gefördert wurde die Maßnahme durch Mittel des Landes Nordrhein-Westfalen, der NRW-Stiftung, des Landschaftsverbandes Westfalen/Lippe und der Stadt Steinfurt.

Das Museum wird überwiegend ehrenamtlich geführt; unterstützt durch Mitarbeiter mit Behinderungen in einem kleinen Integrationsbetrieb. Darüber hinaus können neben dem Heinrich Neuy Bauhaus Museum e.V. immer wieder Förderer aus der Region gewonnen werden.

Nähere Informationen: Heinrich Neuy Bauhaus Museum,
Kirchplatz 5, 48565 Steinfurt-Borghorst, Telefon: +49 (0) 2552 9958309, E-Mail: mail@hnbm.de

Museum de Fundatie für Ausstellungspreis nominiert

Das Museum de Fundatie in Zwolle ist mit der AusstellungMarianne von Werefkin – Pionierin des Expressionismus“ für den Ausstellungspreis der niederländischen Museumszeitschrift „Museumtijdschrift“ nominiert.
Darüber hat sich die Museumsleiterin Beatrice von Bormann sehr gefreut: „Diese Nominierung erfüllt uns mit Stolz. Es ist schon etwas Besonderes, das ausgerechnet diese Ausstellung so viel Anerkennung erhält. Werefkin ist eine Künstlerin, die in den Niederlanden fast völlig unbekannt geblieben ist, obwohl ihr Werk und ihre Ideen von großer Bedeutung sind – damals und heute. Dass diese Ausstellung so viel Anerkennung erhält, zeigt, wie bedeutend ihre Stimme in der Welt der Kunst immer noch ist.”
Eine Fachjury wählte zehn verschiedene Ausstellungen des vergangenen Jahres für den Ausstellungspreis aus. Bis zum 15. September können Freunde der Kunst ihren Favoriten wählen. Diese Wahl erfolgt über die Internetseite der Museumtijdschrift, http://www.museumtijdschrift.nl

Zur Ausstellung, die bis zum März 2025 zu sehen war

Ich schaffe mir ganz bewußt Illusionen und Träume. Darin bin ich Künstler. Ich bin mehr Mann als Frau. Allein das Bedürfnis zu gefallen und das Mitleid machen mich zur Frau. Ich bin nicht Mann, ich bin nicht Frau, ich bin Ich.“ (Marianne von Werefkin, 1905).

Marianne von Werefkin wurde bereits im Alter von zwanzig Jahren der russische Rembrandt genannt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte sie eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Expressionismus in Deutschland. Und sie war Teil des Künstlernetzwerks „Der Blaue Reiter“. Doch Marianne von Werefkin (1860-1938) ist weit weniger bekannt als die Künstler Wassily Kandinsky, Franz Marc und ihr langjähriger Partner Alexej von Jawlensky. Bis März diesen Jahres war das farbenfrohe Werk von Marianne von Werefkin erstmals in den Niederlanden in einer Retrospektive zu sehen, zusammen mit einer Reihe von Werken ihrer Zeitgenossen.

Marianne von Werefkin lud Künstlerinnen und Künstler aus den unterschiedlichsten Sparten zum Austausch in den Rosa Salon in ihr Haus in München ein. Einen Rosa Salon fanden Besucher auch in der Ausstellung „Marianne von Werefkin: Pionierin des Expressionismus“. Das Museum de Fundatie hatte zu diesem Zweck Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen gebeten, in einem digitalen Pink Salon mitzudenken oder über das Werk und Leben von Werefkin und ihren Zeitgenossen nachzudenken.

Über Marianne von Werefkin

Als Spross einer wohlhabenden Familie in Russland erhielt Marianne von Werefkin schon früh alle Möglichkeiten, ihre künstlerischen Talente zu entfalten. Unterrichtete wurde sie zum Beispiel von dem weltberühmten Künstler Ilja Repin. Nachdem sie 1896 mit ihrem Lebensgefährten und Maler Alexej von Jawlensky nach München gezogen war, hörte sie selbst fast zehn Jahre lang mit der Malerei auf, einerseits um ihn zu unterstützen, andererseits auch, um ihre eigene Kunst weiterzuentwickeln. Um nicht im Realismus stecken zu bleiben, musste sie sich neu erfinden.

Marianne von Werefkin war 1907 die erste einer Gruppe befreundeter Künstler, zu der auch Gabriele Münter, Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Franz Marc gehörten, die begannen, expressionistisch zu malen – mit intensiven Farben und abstrahierten, flächigen Formen. Während zweier Sommer 1908/09 brachte sie in Murnau am Staffelsee Jawlensky, Kandinsky und Münter diese neue Art der Malerei näher, in der die Darstellung von Emotionen und Gefühlen im Vordergrund stand. Eine Richtung, die später als Expressionismus Weltruhm erlangte.

Für diese retrospektive Ausstellung erhielt das Museum de Fundatie eine außergewöhnlich große Anzahl von Leihgaben der Fondazione Marianne Werefkin im Museo Comunale d’Arte Moderna in Ascona. Hinzu kamen Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.

Zur Ausstellung „Marianne von Werefkin – Pionierin des Expressionismus“ erschien ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von Beatrice von Bormann, Direktorin des Museum de Fundatie und Kuratorin dieser Ausstellung; von Mara Folini, Direktorin des Museo Comunale d’Arte Moderna di Ascona; von Leiko Ikemura, bildende Künstlerin; und von Roman Zieglgänsberger, Kurator für Kunst der Klassischen Moderne am Museum Wiesbaden.

Grafschafter beim Kunstmarkt in Ootmarsum vertreten

Arnold Voet aus Uelsen zeigt eine Auswahl seiner Werke

„Tierisch schön“ ist das Motto des dreitägigen Kunstmarktes im beschaulichen Ort Ootmarsum, dass sich über die Jahre mit seinen mittelalterliche Gässchen und zahlreichen Galerien zu einem kulturellen Zentrum im Osten der Niederlande entwickelt hat.

Dort präsentieren sich vom 29. bis 31. August jeweils von 11 bis 17 Uhr zahlreiche nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler an unterschiedlichen Orten. Gastland ist dieses Mal Georgien.

Ein weiteres Mal aus der Grafschaft Bentheim, genauer gesagt aus Uelsen, ist Arnold Voet beim Ootmarsumer Kunstmarkt vertreten. Angefangen hat dessen künstlerische Werdegang übrigens ganz bescheiden mit Filzstiften. Zunächst ohne weiteren Ehrgeiz, eigentlich nur aus Spaß am Ausprobieren. Doch als seine Frau Gerda die Zeichnungen zu Gesicht bekam, erkannte sie das Talent ihres Mannes. Darauf hin schenkte sie ihm zu Weihnachten Malutensilien und ein Buch mit dem Titel „Einführung in die Aquarellmalerei“. Und plötzlich war der Ehrgeiz von Arnold Voet geweckt.

Trotz der anstrengenden und verantwortungsvollen Arbeit als Verkaufsleiter bei der früheren Weltfirma NINO belegte er in seiner Freizeit die Kurse Freihandzeichnen und Farblehre bei der Volkshochschule Nordhorn.

Der damals dort tätige Dozent Wolf Wrisch begleitete mit kritischem Blick die künstlerische Entwicklung von Arnold Voet, der sich die Landschaftsmalerei zum Thema gemacht hatte. Einen großen Einfluss übten für ihn die Maler des Impressionismus aus. Doch die Malweise Arnold Voets ist eine andere geworden. Sie orientiert sich mehr am Realismus und ist im Detail äußerst genau.

Bei den Landschaftsbildern des Uelsener Malers, in denen er zumeist regionale Motive auf die Leinwand bannt, sind für ihn zwei Dinge von großer Wichtigkeit: der Bildaufbau und das Einfangen der Lichtstimmung. Prägend für diese Entscheidung war der Kontakt zu dem niederländischen Maler Janhendrik Dolsma, dessen Bilder er zufällig bei einer Ausstellung in Ommen sah. Janhendrik Dolsma ist vom Meer, den Stränden und Dünen fasziniert. Vor allem die Nordseeküste der Niederlande mit ihren breiten Stränden und ihren besonderen silbrigen Lichtern begeistert den niederländischen Künstler immer wieder. Er bewegt sich bei seiner Malerei auf den Spuren der Haager Schule, die von 1870 bis 1920 die niederländische Kunst mitprägte.

Inzwischen sind die Werke von Arnold Voet schon in einigen Ausstellungen zu sehen gewesen, unter anderem in Hulshorst, Lattrop, Nordhorn, Uelsen und Itterbeck. Mit großem Erfolg präsentierte er sich auch beim Kunstmarkt in Ootmarsum, der zu den Größten in der Region gehört. Darüber hinaus hat er sich organisatorisch an einem Jongkind-Malwettbewerb zur Erinnerung an den 200. Geburtstag des niederländischen Impressionisten beteiligt. Darüber hinaus wurde er Sieger eines Malwettbewerbes zum Thema Landschaft in der Twenthe, das vom Rijksmuseum Twenthe in Kooperation mit der Zeitung Tubantia initiiert wurde

Ein Porträt über Arnold Voet ist im Buch „Grafschafter Köpfe“ erschienen.

Rahmenprogramm des Kunstmarktes

Zum Rahmenprogramm gehören am ersten Tag eine Giraffe auf Stelzen, das lebendes Bild einer Bienenkönigin und eine 3D-Straßenbeschilderung. Der musikalische Rahmen wird von Ed ten Hoedt und Inge Frimout gestaltet.

Am zweiten Tag wird die Ecke rund um die römisch-katholische Kirche mit einer zentralen Ausstellung zu einem äußerst lebendigen Platz der Kunst. Auch an diesem Tag wird musikalische Unterhaltung geboten. Der Tag endet mit einer spektakulären Lichtshow in der römisch-katholischen Kirche. Ähnlich gestaltet sich gleichfalls der letzte Tag des Kunstmarktes.

Robert Smithson in Europa

Vom 27. September 2025 bis 22. Februar 2026 stellt das Josef Albers Museum Quadrat Bottrop einen der wichtigsten US-amerikanischen Künstler der 1960er- und 1970er-Jahre im lokalen Kontext des Ruhrgebiets ausführlich vor.

Die Bottroper Ausstellung vereint zum ersten Mal die künstlerische Produktion Robert Smithsons in den Niederlanden, in Italien, Großbritannien sowie Deutschland und legt einen besonderen Fokus auf das Rheinland und das Ruhrgebiet. Robert Smithson in Europapräsentiert signifikante Werke aus internationalen Museen sowie aus der Sammlung der Holt/Smithson Foundation, wie beispielsweise „Heerlen Soil and Mirrors“, „Essen Soil and Mirrors“, „Chalk-Mirror Displacement“ (1969) und Arbeiten im Zusammenhang von „Broken Circle/Spiral Hill“(1971), dem einzigen in Europa realisierten ReclamationProjekt von Smithson (Emmen, NL).

Robert Smithson (1938–1973) hat in den 1970-er Jahren maßgeblich den Begriff der Earth Art geprägt. Seine Skulpturen und Installationen befassen sich ab 1969 mit den geologischen Gegebenheiten eines Ortes, der Entropie und dem Zusammenspiel von Mensch und Natur, Industrie und Umwelt. Weniger bekannt ist, dass Smithson einige seiner bedeutendsten Werke in Europa realisiert hat: So besuchte er 1968/69 gemeinsam mit dem Fotografen Bernd Becher (1931–2007) und dem Galeristen Konrad Fischer (1939–1996) das Gelände der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, um Schlacke für seine Werke zu sammeln. Unweit des historischen Ortes, zwischen Kohle und Sandgruben, bietet Bottrop als Bergbau- und Industriestadt par excellence den idealen Rahmen für die Präsentation und Befragung von Smithsons Werk aus heutiger Perspektive. Neben den Kunstwerken werden Materialien aus dem Archiv des Künstlers zu sehen sein, die die Arbeiten kontextualisieren und tiefe Einblicke in das Leben und das Werk von Robert Smithson erlauben. Fotografien, Schriften, Zeichnungen, Bücher und Filme belegen die Entwicklung konzeptueller und ästhetischer Ideen über mehrere Monate hinweg.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Holt/Smithson Foundation (Santa Fe, NM) und wird kuratiert von Markus Karstieß, Künstler und Professor der Hochschule Koblenz: University of Applied Sciences, Dr. Eva Schmidt, Kunsthistorikerin und ehemalige Direktorin des Museum für Gegenwartskunst Siegen und Monja Droßmann, Kuratorin des Josef Albers Museum Quadrat Bottrop.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache.

Nähere Informationen: Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 372030, Fax: 02041 3720344, E-Mail-Adresse: quadrat@bottrop.de

Friedensreich Hundertwasser – Paradiese kann man nur selber machen

Das Felix Nussbaum-Haus in Osnabrück bietet einen Kosmos von rund 80 Grafiken, Fotografien, Zitaten und Filmmaterial über den Maler, Architekturdoktor, ökologischen Aktivisten und Philosophen.

Der Name Friedensreich Hundertwasser lässt an Bilder in bunter Farbigkeit, mit geschwungenen Linien und märchenhaften Architekturen denken. Seine Traumwelten sind weltbekannt. Berühmt-berüchtigt wird Friedensreich Hundertwasser für die Vision eines Paradieses auf Erden – einem Leben des Menschen in Harmonie mit der Natur, geformt durch individuelle Kreativität. Sein Leben und Schaffen stellt er in den Dienst dieser Vision. In öffentlichen Reden, Briefen, Manifesten oder Demonstrationen vertritt er seine ökologischen und zugleich gesellschaftskritischen Positionen. In Architekturen und gelebtem Umweltschutz lässt er sie real werden. Seine Apelle sind heute noch immer relevant.

Friedensreich Hundertwasser möchte die Menschen öffnen für das Schöne, ihre schöpferischen Fähigkeiten aktivieren und ein Bewusstsein für die Natur und die Notwendigkeit ihres Schutzes anstoßen. Bei dem Aspekt des „Öffnens“ setzt die Ausstellung „Friedensreich Hundertwasser – Paradiese kann man nur selber machen“ an: In einem Kosmos von rund 80 Grafiken, Fotografien, Zitaten und Filmmaterial werden die Besucher des Felix Nussbaum-Hauses im Museumsquartier Osnabrück noch bis zum 31. August für das Wahrnehmen sensibilisiert, mit Fragen zum Reflektieren angestoßen und mit Mitmach-Stationen zum Erschaffen eingeladen. Hundertwassers Werk ist ohne die Unmittelbarkeit eines kindlichen Blicks auf die Welt und die Leichtigkeit von Kinderzeichnungen nicht denkbar. Gemäß seinen Worten: „Warum man die Kinder nicht malen lässt am Trottoir ihre Figuren und an den Wänden und Mauern der Straßen ihre Linien zeichnen? … Lasst die Kinder sprechen…“ möchte die Ausstellung auch das junge Publikum zu Wort und zum Bild kommen lassen und die Erwachsenen einladen, zusammen mit den Kindern durch ihre Augen zu blicken.

Für Jugendliche und Erwachsene, die tiefer in das Thema Friedensreich Hundertwasser einsteigen möchten, bietet die Ausstellung Einführungstexte in die sieben Kapitel der Ausstellung und ausgewählte Hundertwasser-Texte zur Diskussion.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Ernst Barlach Museumsgesellschaft Hamburg entstanden.

Zu Friedensreich Hundertwasser

Das Werk und Wirken von Friedensreich Hundertwasser (geb. als Friedrich Stowasser in Wien) zählt zu den bedeutendsten Beiträgen innerhalb der Kunstgeschichte der Nachkriegsmoderne. Als wichtiges Mitglied der internationalen Avantgarde in den 1950er-Jahren in Paris entwickelte er seine einzigartige Bildsprache. Eines der zentralen Motive seiner farbstarken Bildwelt ist die Spirale.
Wenn Hundertwasser heute als einer der populärsten europäischen Künstler unserer Zeit gilt, so hat sein graphisches Werk einen großen Beitrag dazu geleistet. Sein Ziel in der Kunst der Graphik war es, innerhalb einer Auflage nicht nur Farb-, sondern auch Formvariationen zu schaffen mit dem Ergebnis, dass jedes Blatt einer Auflage farbig und gestalterisch verschieden ist von allen anderen: ein Unikat.
Hundertwassers Einsatz für eine natur- und menschengerechtere Architektur und sein bahnbrechendes ökologisches Engagement entfaltete sich aus seinem Glauben an die Kraft der Natur und die individuelle Kreativität. Seit den 1980er-Jahren realisierte er Architekturprojekte, in denen es das Fensterrecht und die Baummieter gibt, den unebenen Boden, Wälder auf dem Dach und Spontanvegetation. Seine Bauten zeugen von seinem Einsatz für Vielfalt anstelle von Monotonie, für Romantik, für das Organische und für unreglementierte Unregelmäßigkeiten, für die Spontanvegetation und für ein Leben in Harmonie mit der Natur.
Im Zentrum seines ökologischen Handelns standen Baumpflanz- und Begrünungsaktionen, die Wiederherstellung natürlicher Kreisläufe, der Schutz des Wassers und der Kampf für eine abfallfreie Gesellschaft.

Seine gesellschaftskritischen und ökologischen Positionen verbreitete er mit Manifesten, Briefen, Reden und öffentlichen Demonstrationen, in denen er die reine Funktionalität aller Lebensbereiche, die ungehemmte Wachstumsdoktrin sowie die Anpassung an einen gesellschaftlichen Konformismus kritisierte.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Freitag: 11 bis18 Uhr, Samstag und Sonntag:10 bis 18 Uhr.