Doppelausstellung „Anselm Kiefer“ gewinnt Ausstellungspreis des Museumsmagazins 2025

„Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“, die Doppelausstellung des Stedelijk Museum Amsterdam und des Van Gogh Museums, wurde vom Publikum zum Gewinner des Museum Magazine Exhibition Prize 2025 gewählt. Der Preis wurde am 15. Oktober in der Kunsthal Rotterdam von Cathelijne Broers, Vorsitzende der Jury und Direktorin des Kulturfonds, überreicht. Die Gewinner-Museen erhalten einen Gesamtbetrag von 10.000 Euro.

Über den Gewinner

Mehr als 17.000 Museumsbesucher gaben ihre Stimme ab. Mit überzeugender Mehrheit wurde „Anselm Kiefer – Sag mir, wo die Blumen sindzur Lieblingsausstellung der vergangenen Saison gekürt. Die Doppelausstellung rückte Kiefer ins Rampenlicht, unterstrich seine Bewunderung für Vincent van Gogh und zeigte erstmals alle Werke aus der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam neben neuen und bisher nicht ausgestellten Werken. Die Ausstellung war vom 7. März bis zum 9. Juni 2025 zu sehen.

Über die Ausstellung sagten die Besucher unter anderem: „Die Pracht der Leinwände, die Emotion und Leidenschaft in der Arbeit und die Art und Weise, wie sie präsentiert wurde, sind enorm!“ / „Überwältigend! Die zeitlose Tiefe und raue Schönheit haben mich tief berührt. Der Vergleich mit Van Gogh war wunderschön und das Diptychon-Design einzigartig.“ / „Die beste Kiefer-Ausstellung, die ich seit Jahren gesehen habe.“

  • Top drei

Die Publikumsabstimmung ergab folgende Top Drei: „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ (Stedelijk Museum Amsterdam und Van Gogh Museum, Amsterdam), gefolgt von „Bronze Age. Feuer des Wandels“ (Nationalmuseum für Altertümer, Leiden) und „Wu Zetian: der einzige weibliche Kaiser Chinas“ (Princessehof Museum of Ceramics, Leeuwarden).

Über den Preis

Der Museum Magazine Exhibition Prize ist eine jährliche öffentliche Auszeichnung für Sonderausstellungen in niederländischen Museen. Im Jahr 2025 wurde der Preis zum siebten Mal verliehen. Mit dem jährlich vergebenen Publikumspreis macht das Museum Magazin auf die hohe Qualität und Vielseitigkeit von Ausstellungen aufmerksam – von Kunst und Geschichte über Design und Archäologie bis hin zu Mode. Im Jahr 2024 ging die Ehre an „Ai Weiwei – Auf der Suche nach der Menschlichkeitin der Kunsthal Rotterdam.Die Fachjury besteht aus Cathelijne Broers, Direktorin des Kulturfonds (Juryvorsitzende), Peter van Duinen, Direktor der Vrije Academie und Jeroen Junte, Chefredakteur des Museumsmagazins.

Über die beiden Museen

Das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt auf dem Museumplein in Amsterdam. Doch die Museen unterscheiden sich stark voneinander. Das Stedelijk präsentiert jedes Jahr ein Dutzend Wechselausstellungen und deckt fast alle Kunstdisziplinen des 20. und 21. Jahrhunderts ab. Das Van Gogh Museum konzentriert sich auf die Gemälde von Van Gogh und seinen Zeitgenossen – eine Dauerausstellung, die jedes Jahr Millionen von Besuchern anzieht.

Aus dem Interview mit den Vertretern der Sieger-Museen

Die Museumsdirektoren Rein Wolfs (Stedelijk Museum) und Emilie Gordenker (Van Gogh Museum) blicken auf diese einzigartige Koproduktion zurück. „Dass zwei Museen bei einer so großen Ausstellung auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ist ein starkes Signal in einer Zeit, in der Kooperationen immer notwendiger werden.“

Dass das Publikum Kiefers Ausstellung zu seiner Lieblingsausstellung gewählt hat, ist für Stedelijk-Direktor Rein Wolfs etwas ganz Besonderes. „Die Besucher sind unser Daseinsrecht. Dies gilt insbesondere für diese Ausstellung, die darauf abzielt, einem großen und breiten Publikum einen international angesehenen Künstler vorzustellen. Dass dieser Aufwand dann auch noch von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, ist ein großer Ansporn.“

Emilie Gordenker, Direktorin des Van Gogh Museums, ergänzt: „Eine Ausstellung ist so viel mehr als das, was letztlich gezeigt wird. „Sag mir, wo die Blumen sind“ enthält fünf Jahre Vorbereitungsarbeit. In einer Ausstellung kommt viel Expertise zusammen – von den Kuratoren bis zum Marketing. Dann ist es natürlich wunderbar, wenn der Einsatz all der unterschiedlichen Mitarbeiter gesehen und belohnt wird.“

Die Fachjury wählte die zehn nominierten Ausstellungen anhand von Kriterien wie einem durchdachten Konzept, einem überraschenden Ansatz, neuen Erkenntnissen und einer ansprechenden Präsentation aus.
Was glaubst du, hat das Publikum dazu bewegt, massenhaft für deine Ausstellung zu stimmen?
Gordenker:
„Ich glaube, weil die Ausstellung neue Einblicke bot. Das wollten wir erreichen, indem wir unsere Werke von Van Gogh in Anlehnung an Kiefer in den Vordergrund stellten. Eine gelungene Ausstellung bietet die Möglichkeit, Querverbindungen zu anderen Künstlern oder Kunstrichtungen auszuloten – allein durch das Zeigen von Leihgaben.“

Wolfs: „Wenn ich mich mit diesen neuen Erkenntnissen verbinden darf: ‚Sag mir, wo die Blumen sind‘ bot Kiefer die einmalige Gelegenheit, sein neues Werk mit seinem Frühwerk zu vergleichen. Schließlich haben wir ihm schon in den Achtzigerjahren Arbeiten abgekauft.“

Das Stedelijk Museum und das Van Gogh Museum bauen beide auf einer starken historischen Sammlung auf. Welchen Stellenwert haben temporäre Ausstellungen für Sie?
Wolfs: „Wir leben für Ausstellungen, das ist auch das, was vom Stedelijk erwartet wird: als Museum für moderne und zeitgenössische Kunst neue Kunst und Künstler zu präsentieren. Wir müssen uns also mit jeder Ausstellung aufs Neue beweisen. Gleichzeitig ist die ständige Sammlung permanent präsent – das bleibt unsere Basis. Ausstellungen sind eine Möglichkeit, diese Sammlung zu aktualisieren und zu bereichern…“

Gordenker ergänzt: „Und um auf die ständige Sammlung aufmerksam zu machen. Obwohl es sich um einen Ausstellungspreis handelt, möchte ich alle, die abgestimmt haben, aufrufen: Kommen Sie und sehen Sie sich unsere Dauerausstellung an. Darin steckt auch viel Wissen und Aufmerksamkeit. Eine Sonderausstellung lockt dann zum Wiederkommen – in unserem Fall vor allem holländische Besucher, die wir gerne öfter begrüßen würden. Erfreulicherweise haben wir mit der Ausstellung über Anselm Kiefer viele Landsleute wiedergesehen.“

Das Van Gogh Museum und das Stedelijk Museum liegen nur einen Steinwurf voneinander entfernt auf dem Museumplein in Amsterdam. Doch die Museen unterscheiden sich stark voneinander. Das Stedelijk präsentiert jedes Jahr ein Dutzend Wechselausstellungen und deckt fast alle Kunstdisziplinen des 20. und 21. Jahrhunderts ab. Das Van Gogh Museum konzentriert sich auf die Gemälde von Van Gogh und seinen Zeitgenossen – eine Dauerausstellung, die jedes Jahr Millionen von Besuchern anzieht.

Wie haben sich die beiden Museen in der Doppelausstellung zu Anselm Kiefer gefunden?Gordenker: „Bei Gemeinschaftsausstellungen werden oft einige Leihgaben ausgetauscht, aber hier haben wir wirklich ein gemeinsames Konzept entwickelt. Das konnte nur mit einem Titel, einem Katalog, einer Eintrittskarte und so weiter gelingen.“

Wolfs: „Vergessen wir nicht, dass es sich um eine Ausstellung mit einem lebenden Künstler handelt, der seinen eigenen Beitrag geleistet hat. Kiefer hat sich aktiv an den Themen, dem Titel und auch dem Kampagnenbild beteiligt. Gleichzeitig wollten wir als Museum unsere eigene Identität bewahren, indem wir den thematischen Blickwinkel und die Raumgestaltung etwas anders in den Vordergrund stellten. Das ist es, was es zu einer so reichhaltigen, vielschichtigen Ausstellung macht.“

Wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit?
Gordenker: „Die Initiative ging von uns aus, im Van Gogh Museum. Kiefer hat oft gesagt, wie wichtig Van Gogh für seine Entwicklung als Künstler war. Die Frage war also nicht, ob wir etwas damit machen wollen, sondern wie. Man könnte ein Buch darüber machen, aber wir wollten Kiefers Erfahrungen an der Seite von Van Gogh erlebbar machen. Aber Kiefers Arbeit ist so monumental – wie passt das in unser Gebäude? Also dachte ich: Rufen wir die Nachbarn an. Es hat sofort Klick gemacht.“

Wolfs: „Dann wurde Kiefer sondiert, und er hat sich sofort aufgewärmt. Für ihn war es ein Déjà-vu, in die Hallen zurückzukehren, in denen er bereits in den Achtzigerjahren ausgestellt hatte. Im Van Gogh blickte er auf Van Gogh selbst zurück, in Belgien auf sein eigenes Werk. Das hat sich wunderbar ergänzt.“

Wie haben Sie verhindert, dass es zwei getrennte Ausstellungen werden?
Wolfs: „Der Mehrwert lag in der Synergie zwischen den beiden Museen, wobei jedes seine eigene Vision und Expertise einbringt. So entstand eine mäandernde, aber kohärente Geschichte. Ich würde also sagen: Eins plus eins ist mehr als zwei.“

Gordenker: „Das war auch logistisch ein ziemliches Rätsel. Anfangs war die Idee, dass man in beiden Museen anfangen könnte, aber aus praktischen Gründen – wie zum Beispiel dem Ticketing – stellte sich heraus, dass es besser war, bei uns anzufangen. Schließlich hingen hier Kiefers allererste Zeichnungen, die er als Teenager anfertigte, inspiriert von Van Gogh. Chronologisch war es also auch korrekt.“

Was bedeutet diese Ausstellung für das internationale Profil der niederländischen Museumswelt?
Wolfs: „Dass zwei Museen bei einer so großen Ausstellung auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ist ein starkes Signal in einer Zeit, in der Kooperationen immer notwendiger werden. Zum einen wegen der Verknappung der Ressourcen, zum anderen wegen der Erkenntnis, dass Museen sich gegenseitig verstärken können.“

Gordenker: „Es ist unglaublich lehrreich, die eigene Sammlung mit den Augen von Kolleginnen und Kollegen zu betrachten. Das wünsche ich jedem Museum. Wir haben viel von dem Stedelijk gelernt – vor allem über die Arbeit mit einem lebenden Künstler. Schließlich arbeiten wir in der Regel mit fertigen Werken verstorbener Künstler.“

Und schließlich, was ist der Mehrwert einer Zusammenarbeit zwischen zwei Museen für die Öffentlichkeit?
Wolfs: „Zunächst einmal ein noch spezielleres Erlebnis. Aber auch langfristig ist es wichtig, dass öffentliche Institutionen wie das Stedelijk und das Van Gogh ihre Kräfte bündeln. Gemeinsam sind wir stärker.“

Gordenker: „Aber Zusammenarbeit um der Zusammenarbeit willen macht wenig Sinn. Es muss einen substanziellen Grund geben – eine Logik.“

Wolfs: „Anselm Kiefer ist ein internationaler Publikumsmagnet, vor allem wenn zwei große Museen gemeinsam ans Steuer gehen. Aber es wäre schade, wenn solche Blockbuster die kleineren, spezialisierten Ausstellungen verdrängen würden. Sie haben es schwer genug, ein Publikum zu gewinnen, während sie gleichzeitig neue und überraschende Einblicke bieten. Kiefer war auch einmal nicht berühmt.“

Aus der Region waren folgende Museen nominiert: Marianne von Werefkin – Pionierin des Expressionismus – Museum de Fundatie, Zwolle, Sehen & glauben. Sinneserlebnis im Spätmittelalter – Rijksmuseum Twenthe, Enschede,

Nähere Informationen: Museumszeitschrift, Postfach 16849, 1001 RH Amsterdam, E-Mail: contact@museumtijdschrift.nl

„Magische Frauen“ in Mettingen

Magie durchdringt Sprache und Alltag: Wir sprechen von der Magie bestimmter Augenblicke oder davon, dass Dingen etwas Magisches innewohnt. Auch im popkulturellen Mainstream feiern okkulte Motive, Astrologie oder esoterische Praktiken wie das Legen von Tarotkarten ein Comeback. Doch was zum Beispiel auf Social Media scheinbar neu auflebt, hat eine lange Tradition: Obwohl lange Zeit als Aberglaube und mit wissenschaftlichen Werten der Moderne unvereinbar heruntergespielt, gar als Störung etablierter Ordnungen sanktioniert, haben mystische, spirituelle sowie esoterische Aspekte und Interessen auch in der Kunst und Kultur eine lange Tradition. Mit zunehmender introspektiver und spiritueller Sensibilität sowie der Diversifizierung und Globalisierung der (Kunst-)Welt der vergangenen Dekaden, verbinden sich insbesondere aktivistische und feministische Anliegen vermehrt mit spirituellen, magischen und okkulten Perspektiven. Was als irrational, abergläubisch oder folkloristisch abgetan wurde, gewinnt nun zunehmend an kultureller und politischer Bedeutung und dient vor allem Künstlerinnen nicht nur als ästhetische Strategie, sondern auch als Form der Selbstermächtigung und Emanzipation gegenüber kapitalistischer und patriarchaler Strukturen.
Die Ausstellung im „Main space“ der Draiflessen Collection in Mettingen, die ab dem 26. Oktober zu sehen ist, widmet sich künstlerischen Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen – oft aus einer feministischen Perspektive. Dies liegt unter anderem daran, dass das Bild des Weiblichen in der Vorstellung von Magie und Okkultem eine zentrale Rolle einnimmt: Die Faszination für Figuren wie Hexen, Seherinnen oder Hohepriesterinnen findet sich in verschiedensten Kulturkreisen, prägt Vorstellungen bereits seit Jahrtausenden und weckt gleichzeitig sowohl positive als auch negative Assoziationen – von der Hexenverfolgung über die Spiritualismus-Bewegung des 19. Jahrhunderts bis hin zu aktuellen Tendenzen, die sich auf Naturmythologien oder Okkultismus rückbesinnen. Gerade diese Frauenbilder dienen als Projektionsflächen misogyner Dämonisierung, die patriarchale Gesellschaftsnormen und -strukturen etablieren und stabilisieren.
Die Künstlerinnen nehmen die ambivalenten Bilder des Magischen und Weiblichen auf, verschieben Bedeutungen und fordern Deutungshoheit zurück. Ihre Werke machen deutlich, dass soziale Ordnungen, Regeln und Normen durchaus instabil sind, indem sie Fragen nach Identität(en) provozieren, etablierte Bewertungsmuster unterlaufen und Alternativen eröffnen. Dabei werden Themen wie Körper- und Geschlechterpolitiken, die Zuschreibung von Charaktereigenschaften, weibliche Sexualität und Identifikationsmomente angesprochen.
Das vorurteilsbehaftete Feld des Magischen bietet dabei einen spannenden Spielplatz, um in der Kunst Narrative und Grenzen aufzulösen und Fragen zu stellen: Welche Geschichten werden verhandelt und wie erfahren sie durch den weiblichen Blick eine Reinterpretation? Wie nutzen Künstlerinnen ihre multiperspektivischen und intersektionalen Biografien sowie die Vermischung von Glaubenssystemen, um Gesellschaften und ihre Machtverhältnisse zu hinterfragen?
Die Werke folgender Künstlerinnen sind bis zum 22. Februar 2026 zu sehen: Myrlande Constant, Cordula Ditz, Mary Beth Edelson, Bev Grant / W.I.T.C.H., Vivian Greven, Rebecca Horn, Ana Mendieta, Zanele Muholi, Wangechi Mutu, Rosana Paulino, Paloma Proudfoot, Gillian Wearing und Portia Zvavahera.
Begleitend zur Ausstellung erscheint eine vertiefende Publikation in deutscher, englischer und niederländischer Sprache.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

Christian von Grumbkow – „Farbwelten im Wandel / mit Skulpturen von Kubach & Kropp“

Verborgen hinter hohen Lindenbäumen liegt ein besonderes Kleinod barocker Architektur und Landschaftsgestaltung in Papenburg-Aschendorf: Gut Altenkamp und sein Garten. Das Herrenhaus wurde im 18. Jahrhundert als Residenz des emsländischen Drosten im Stil des niederländisch-norddeutschen Barock mit einem imposanten Lustgarten errichtet. Eibenhecken, Spalierlinden und die den Garten umgebende Gräfte sind als wesentliche Elemente des alten Barockgartens erhalten geblieben und warten darauf, entdeckt zu werden.

Heute finden auf Gut Altenkamp regelmäßig Kunstausstellungen statt. Aktuell ist es die Ausstellung „Christian von Grumbkow – Farbwelten im Wandel / mit Skulpturen von Kubach & Kropp“, die noch bis zum 26. Oktober zu sehen ist.

Seit über vier Jahrzehnten widmet sich Christian von Grumbkow (* 1946) der Malerei – und vor allem dem Wesen der Farbe. Seine Werke entstehen aus der Farbe selbst, aus ihrer materiellen Substanz, aus ihrer Leuchtkraft, auch aus ihrer Atmosphäre. Mal deckend und dicht, mal hauchzart und fast immateriell: Farbe ist ihm nicht bloß Mittel, sondern Inhalt, Stimmung und Energie. Seine großformatigen Arbeiten auf Leinwand, Holz oder Papier schaffen Bildräume, die den Blick darauf schweifen lassen und stets eine besondere, fast meditative Wirkung entfalten.

Christian von Grumbkow versteht Malerei als Möglichkeit, sein inneres Erleben sichtbar zu machen. Seine Werke spiegeln dabei eigene Erfahrungen ebenso wie gesellschaftliche Themen: Seine Serie „Schwarzmalerei“ reflektiert digitale Verlockungen, während die Reihe „Invasion“ aus Erschütterungen der Gegenwart heraus entstand. Spirituelle Themen, wie auf dem das großformatige Diptychon „Ostern“ dargestellt, lässt Christian von Grumbkow uns allein über Farbe und Form erleben.

Die einzigartige Werkschau im Haus Altenkamp bietet einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Künstlers, welches sich durch technische Raffinesse, formale Freiheit und emotionale Tiefe auszeichnet.

Ein besonderes Merkmal seiner Arbeitsweise ist die stetige Offenheit für kreative Zusammenarbeit: Immer wieder sucht von Grumbkow den Austausch mit anderen Kunstschaffenden in gemeinsamen Projekten oder im Dialog verschiedener Medien.

Die klingenden Skulpturen des Künstlerpaars Livia Kubach und Michael Kropp ergänzen die Retrospektive des Malers Christian von Grumbkow. Für Kubach & Kropp ist Stein mehr als nur Material: eine lebendige Materie, die sie mit Respekt und Einfühlungsvermögen bearbeiten.

Ihre Werke sind oft beweglich, „bespielbar“ und erklingen, wenn sie berührt werden. So entsteht eine faszinierende zarte „Steinmusik“, die man dem harten Stein entlocken kann und die ihr Kunstwerk als klangvolles, sinnliches Element erfahrbar macht.

Nähere Informationen: Ausstellungszentrum Gut Altenkamp, Am Altenkamp 1, 26871 Papenburg-Aschendorf, Telefon: +49 4961 82-5315, E-Mail: info@papenburg.de, Internet: http://www.gut-altenkamp.de. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

„hier und anderswo“ – Malerei

Noch bis zum 8. November ist in den Räumlichkeiten des Bundes Bildender Künstlerinnen und Künstler, Bezirksgruppe Osnabrück im Landesverband Niedersachsen (BBK Osnabrück), die Ausstellung „hier und anderswo“ mit Werken der Malerin Mechthild Wendt zu sehen.

Mechthild Wendt untersucht den Prozess der Veränderung. Alles ändert sich. Irgendetwas ist immer die Reflexion von etwas anderem. Zu Fuß oder mit dem Rad erschließt sie sich den Stadtraum, stößt dabei zufällig oder dank äußerer Hinweise und Anregungen auf urbane Zwischenräume, innerstädtische Grenzgebiete, die mit dem werbewirksam nach außen zur Schau gestellten Image der jeweiligen Stadt wenig gemein haben.

Brachland, verwaiste Bauruinen, im Verfall oder Umbau befindliche Stadtarchitektur, aber auch einer improvisierten Zwischennutzung überlassene Gebiete geraten dabei in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit. Sie skizziert ihre Eindrücke per Foto oder Zeichnung. Gleichzeitig verinnerlicht sie den gegenwärtigen Charme und die Atmosphäre dieses oft in einer langsamen Transformation inbegriffenen Ortes.

Immer nimmt sich Mechthild Wendt nur einen Ausschnitt des gefundenen Ortes vor. Das können die offengelegten Fundamente des Berliner Palastes der Republik sein oder auch die Wasseransammlung in einer Osnabrücker Baugrube.

Die architektonischen Konstruktionen (Strukturen), die sie übernimmt, werden im Bild gebrochen und partiell aufgelöst. Der Vorgang des Werdens, Veränderns, Deformierens ist Arbeitsmethode, soll aber auch als Ergebnis im fertigen Werk sichtbar werden. Übermalungen, Farbschüttungen, grafische Elemente, Schabungen leisten das. Die Auflösung erfolgt vom Fundament her und ist häufig im unteren Bereich der Bilder ablesbar, der Einsicht folgend, dass für Veränderung vor allem das Fundament einer Sache angegriffen werden muss.

Mechthild Wendt konzentriert sich auf Raumausschnitte und Details und zielt nicht auf eine Wiedererkennbarkeit architektonischer Situationen ab. In der Regel lässt sie die Betrachterinnen und Betrachter ihrer Bilder bewusst im Unklaren, was die Raumorientierung anbetrifft. So erzielt sie irritierende Effekte, wenn sich in ihren Darstellungen von Spiegelungen ausschließlich solche Elemente abzeichnen, die außerhalb des Bildraums zu verorten sind. Spiegelungen werden auch eingesetzt, um die Größe und Massivität architektonischer Elemente aufzuheben.

Über den BBK Osnabrück

Der Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) – Bezirksgruppe Osnabrück – besteht aus 57 Mitgliedern (Stand März 2025). Er ist dem Landesverband Niedersachsen unterstellt. Der BBK Osnabrück betreibt einen Ausstellungsraum mit dem Namen „KunstQuartier“. Dort finden in regelmäßigen Abständen Kunstausstellungen, Installationen, Lesungen und weitere Aktionen statt.

Die Aufnahme in den BBK erfolgt aufgrund eines Studiums in einem bildnerischen Fach oder aufgrund einer kontinuierlichen Ausstellungspraxis. Interessierte bewerben sich bitte bei der 1. Vorsitzenden mit einem Portfolio von 5 bis 10 Arbeiten, einer künstlerischen Vita und dem Aufnahmeantrag in einem PDF (insgesamt nicht größer als 5 MB). Absolventinnen und Absolventen einer Universität oder Hochschule sind als Vollmitglied zwei Jahre beitragsfrei. Die Bewerberinnen und Bewerber werden zu einem Aufnahmegespräch eingeladen und erhalten die Gelegenheit der Aufnahmekommission ihre Werke vorzustellen und über ihre künstlerischen Arbeitsweisen zu sprechen. Die Aufnahme findet halbjährlich oder jährlich statt. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 120 Euro.

Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) ist die Berufsvertretung der freischaffenden bildenden Künstlerinnen und Künstler in Deutschland. Über 10.000 Künstler sind in Europas größtem Bundesverband für bildende Künstler (Sitz in Berlin) www.bbk-bundesverband.de organisiert. Er vertritt fünfzehn Landesverbände mit ihren Bezirksgruppen.

Der Landesverband Niedersachsen (Sitz in Hannover) www.bbkniedersachsen.de mit 750 Mitgliedern gliedert sich in dreizehn Bezirksgruppen. Eine dieser Gruppen ist die Bezirksgruppe BBK-Osnabrück. 1945 wurde der BBK Osnabrück unter der Bauhaus-Künstlerin Maria Rasch (1897-1959) und dem Osnabrücker Bildhauer Fritz Szalinski (1905-1978) als „Vereinigung bildender Künstler“ gegründet.

Nähere Informationen: KunstQuartier des BBK, Bierstraße 33, 49074 Osnabrück, E-Mail: info@bbk-osnabrueck.de, Telefon: 0541 5809727, Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 14 bis18 Uhr, Samstag von 11 bis 16 Uhr. Führungen erfolgen nach Vereinbarung. Sonderöffnungszeit: Am 26. Oktober von 11 bis 17 Uhr. Die Künstlerin ist anwesend. Der Eintritt ist frei.

Der Maler Ulrich Klimmt – Rückkehr nach Engter

Eine weitere Entdeckung auf der Suche nach Orten der Kultur in der Region ist das „Café im Speicher“ in Bramsche-Engter.

Noch bis zum 2. November ist dort die Ausstellung „Der Maler Ulrich Klimmt – Rückkehr nach Engter“ zu sehen. Initiator ist der jüngere Bruder Reinhard Klimmt, der den meisten eher als Politiker bekannt ist. Er war vom 9. November 1998 bis zum 29. September 1999 Ministerpräsident des Saarlandes und vom 29. September 1999 bis zum 20. November 2000 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Darüber hinaus betätigt er sich als Buchautor, Kolumnist und Kunstsammler.

Zum Maler Ulrich Klimmt

1932 wurde Ulrich Klimmt in Berlin als Sohn von Elisabeth und Felix Klimmt geboren, beide Volksschullehrer. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Weg der Familie über Rügen ins Emsland nach Klein-Berßen und dann nach Bramsche-Engter.

Nach dem Abitur an der Oberschule für Jungen (Jetzt Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium) in Osnabrück besuchte er von 1952 bis 1954 die Werkkunstschule Hannover bei Prof. Erich Rhein und von 1954 bis 1958 die Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Prof. Heinrich Graf Luckner. Von 1960 bis 1994 war er als Kunsterzieher am Gymnasium Ernestinum in Celle tätig.

Erste Ausstellungen seiner Werke erfolgten in der Galerie Dr. Jochem in Celle. Im Rahmen seines künstlerischen Schaffens verarbeitete er seine ganz persönliche Sicht und Deutung seines Lebens und seiner Welt. Deswegen ist die Familie ein durchgehendes Motiv, sein langjähriger Wohnort Celle und die dortige Region, vor allem aber die gemeinsamen Urlaube im Norden und später vor allem in Portugal. 2022 ist Ulrich Klimmt gestorben.

In einem größeren Rahmen wurde das Werk von Ulrich Klimmt im Museum „Sammlung Zimmer“ an der Hollandstraße 10 im saarländischen Merzig-Hilbringen gewürdigt. Schwerpunkt der Sammlung des ehemaligen Arztes und Kunstenthusiasten Martin Zimmer ist die Künstlergruppe „Junge Wilde“, zu der so bekannte Namen wie Jörg Immendorf, Helmut Middendorf, Salomé und vor allem Rainer Fetting gehören.

Begeistert hat ihn auch das Schaffen von Ulrich Klimmt, wie er 2024 zur Eröffnung einer Ausstellung mit dessen Werken sagte: „Als ich zum ersten Mal die Bilder von Ulrich Klimmt sah, war ich tief beeindruckt; Bewunderung kam in mir auf, spontan beschloss ich, ihn hier auszustellen. Das breit angelegte Werk von Ulrich Klimmt spricht die Sprache der Malerei. Die Sprache der Malerei sind die Bilder. Es handelt sich hierbei um eine wortlose Sprache. Die im Entscheidungsbereich der Seele liegende Kunst ist universell. Sie kommuniziert mit uns in einer Art und Weise, die wir Menschen auf der ganzen Welt verstehen, was zeigt, dass wir alle im Grunde gleich sind. Kraft und Ehre Mensch zu sein, sich zu respektieren, sind Werte, die wir leben sollten. Damit so schlimme Dinge wie Kriege nicht mehr stattfinden.“

Bekanntester Gast der Ausstellung war die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), die sich in ihrer Rede den Worten Martin Zimmers anschloss. Sie bezeichnete die Ausstellung als „Begegnung von Künstlern, die die Urelemente der bildenden Kunst: Form und Farbe mit dem Gegenständlichen verbinden. Da alles ein Etikett braucht, zählt man sie zu den Neoexpressionisten, die in Hamburg und in der Berliner Hochschule für Bildende Kunst ihre ersten Impulse erfuhren. Zu den Höhepunkten dieser künstlerischen Bewegung gehören neben Karl Horst Hödicke, A. R. Penck, Jörg Immendorf die „Neuen Wilden“, die Maler vom Berliner Moritzplatz um Rainer Fetting, die in den 8oer Jahren von sich reden machten. Die Skulptur Willi Brandts in der Berliner SPD-Zentrale prägt mein Bild von Willy. Fetting, Penck, Middendorf, Salome – alle sind hier zu finden und geben auch mir Einblicke in das Lebensgefühl der 80er Jahre, als ich noch ein Kind war. Von Martin Zimmer eingeladen, gesellt sich jetzt Ulrich Klimmt zu diesem illustren Kreis. Er studierte ebenfalls an der Berliner HfBK, von 1954 bis 1958. Grass und Baselitz und Schönebeck waren seine Kommilitonen. Der Porträtexperte Graf Luckner war sein Mentor – was in der Ausstellung unschwer zu erkennen ist. Mehr in sich gekehrt, ganz das Gegenteil zu seinem extrovertierten 10 Jahre jüngeren Bruder Reinhard, entschloss er sich Kunsterzieher zu werden, nicht aus Risikoscheu, sondern eher aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit, die ihn von den Zwängen des Kunstmarkts bewahrte. Seine frühen Bilder aus den 50er und 60er Jahren, die den Löwenanteil der hier ausgestellten Bilder darstellen, enthalten bereits viele Elemente der späteren Kollegen. Ort des Geschehens ist die grandiose Sammlung von Gemälden der Neoexpressionisten, die Dr. Martin Zimmer zusammengetragen hat. Es ist sein Lebenswerk, das neben seiner Tätigkeit als Arzt alle Kräfte in Anspruch nahm und nimmt … Um mit ihnen zu leben, hat er sein Haus um großzügige Räume erweitert, die ein veritables Museum haben entstehen lassen und quasi als Außenstelle der Modernen Galerie in Saarbrücken, die vor allem in der klassischen Moderne und dem Informel ihre Glanzpunkte hat, gelten kann … Als Sammler seelenverwandt, haben Zimmer und Klimmt zusammengefunden … So, wie Zimmers Sammlung quasi im Verborgenen geblüht hat, so hat sich Ulrich Klimmt seiner Passion malen, zeichnen und collagieren viele Jahrzehnte gewidmet. Er war ein Maler der auch unterrichtet hat. Abseits vom Kunstbetrieb hat er sein Leben mit Zeichenstift und Farben beschrieben und interpretiert. An erster Stelle die Familie, die Landschaften der Heide um seinen Wohnort Celle und die der Urlaubsländer, literarische Personen, Menschen, Tiere, und später – fasziniert vom Wasser – immer wieder Badeszenen, Wasserwesen, Strandgut, Fische und immer wieder Fische … Wir sind heute bei zwei Sammlern zu Gast, die ihre Schätze bereitwillig teilen.“

Nähere Informationen: Café im Speicher, Engter Bach 12, 49565 Bramsche, Telefon: 05468 939777, E-Mail:wilyholtkamp@osnanet.de und Internet: www.cafe-im-speicher.de

„was vererben wir und was behalten wir für uns“

Was bedeutet es, wenn Herkunft, Sprache und Zugehörigkeit in ihrer Komplexität unsichtbar bleiben? Die Ausstellung „Was vererben wir und was behalten wir für uns“ im Kunstraum hase29 in Osnabrück, die dort noch bis zum 29. November zu sehen ist, präsentiert vier künstlerische Perspektiven, die sich mit russlanddeutscher Herkunft, Erinnerung und Identitätsbildung auseinandersetzen. Gezeigt werden Malerei, Skulptur und installative Arbeiten, die sich im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Loslassen bewegen.

Während rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche in Deutschland leben, ist ihr kollektives Erbe kaum sichtbar. Ihre Geschichten werden selten erzählt, oft missverstanden und medial verzerrt dargestellt. Das Schicksal vieler russlanddeutscher Familien ist geprägt von Vertreibung, dem Verlust von Heimat, Sprache und Anerkennung – Erfahrungen, die bis heute nachwirken und sich auch in den Werken der Ausstellung widerspiegeln.

Der Ausstellungstitel „Was vererben wir und was behalten wir für uns“ ist ein Zitat aus dem Gedichtband „Lustdorf“ von Alisha Gamisch.

Zu den Künstlern:

Alexej Eisner (*1990 Dusty-Kurgan-Tjube/Tadschikistan, lebt und arbeitet in Osnabrück) verbindet in seiner künstlerischen Arbeit nostalgische, (post-)sowjetische Erzählungen mit biografischen Elementen des Alltags. Dabei verweben sich persönliche mit kollektiven Erinnerungen an die Traumata der russlanddeutschen Geschichte. Eisner zeigt figurative Elemente, die mit expressiven Gesten, abgeschabten Oberflächen und ausdrucksstarker Farbgebung innerhalb einer einzigen Komposition zu abwechselnden Momenten der Klarheit, des Verfalls kommen und vermitteln das Gefühl von Authentizität und rohen Emotionen.

Ernstina Eitner (*1992, Rendsburg, lebt und arbeitet in Berlin) ist interdisziplinär arbeitende bildende Künstlerin, die sich in ihrer Praxis kritisch mit gesellschaftlichen und kulturellen Phänomenen auseinandersetzt. Als Tochter schwarzmeerdeutscher Eltern aus Kasachstan spielen ihre Herkunft und (kollektive) Erinnerungen eine zentrale Rolle in ihrer oft recherchebasierten Arbeit, die sich verschiedener Techniken und Materialien bedient und vor allem Objekte, Installationen und Zeichnungen umfasst.

Katharina Reich (*1987 in Tjumen/Russland, lebt und arbeitet in Berlin) formt aus Alltagsgegenständen Skulpturen, die gesellschaftliche Fragen ästhetisch wie auch materiell verhandeln. Als Spätaussiedlerin sind ihre Werke eng mit autobiografischen und politischen Themen verbunden. Herkunft, Migration, kulturelles Gedächtnis sowie das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Marginalisierung prägen ihren konzeptuellen Raum. Das Sammeln und Tauschen von Fundstücken ist Teil ihres künstlerischen Prozesses, der den ephemeren Charakter ihrer Arbeiten bestimmt.

Nicole Widner (*1995 in Melle, lebt und arbeitet in Münster) entwickelt unter anderem aus ihrer russlanddeutschen Familiengeschichte eine künstlerische Sprache, die Fundstücke und räumliche Situationen neu gestaltet. In Ihren Werken wird Ursprüngliches aus dem Bedeutungszusammenhang gelöst und in neue erzählerische Zusammenhänge eingefügt. Auf diese Weise eröffnet sie Räume für Assoziation, Erinnerung und Interpretation – zwischen Vertrautem und Fremdem, Fragment und Ganzem – stille Erzählungen über Identität, Verlust, Wandel und die Magie der Dinge.

Nähere Informationen: Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V. Kunstraum hase29, Hasestraße 29/30, 49074 Osnabrück, Telefon: 0541 – 58051396 und E-Mail: mail@hase29.de

Tony Cragg – „Line of Thought“ im Skulpturenpark „Waldfrieden“

Das künstlerische Werk des britischen Bildhauers Tony Craggs entfaltet sich in einem ruhelosen Prozess der Erforschung der Möglichkeiten des Materials und der Umgestaltung der uns umgebenden Welt.

Seine Aussage, dass „es viel mehr Dinge gibt, die nicht existieren, als die existieren“, verweist auf einen Quell von Dingen und Formen, die noch außerhalb unserer Wahrnehmung liegen. Für Cragg ist die Skulptur eine Methode, dieses enorme Potential neuer Formen und der damit verbundenen Bedeutungen, Träume und Sprachen zu erschließen.
In seiner großen, sich über alle drei Ausstellungshallen erstreckenden Ausstellung „Line of Thought“ zeigt Tony Cragg noch bis zum 1. Januar 2026 Arbeiten verschiedener Werkgruppen, auch einige seiner in Murano gefertigten Skulpturen aus Glas sowie eine Reihe von Zeichnungen.

Am 24. Oktober trifft Tony Cragg den Chefreporter Kultur des Deutschlandradios, Stefan Koldehoff, zum Gespräch über seine Ausstellung „Line of Thought“. Treffpunkt ist um 18 Uhr die mittlere Ausstellungshalle. Darüber hinaus werden regelmäßig Führungen angeboten.

Über die Cragg Foundation

Die Gründung und Einrichtung des Skulpturenparks ist der privaten Initiative des in Wuppertal lebenden britischen Bildhauers Tony Cragg zu verdanken. Dreißig Jahre nach Beginn seiner Ausstellungstätigkeit suchte er nach einem dauerhaften Ausstellungsgelände für Skulptur im Freien und entdeckte das verwaiste Anwesen Waldfrieden, das er 2006 erwarb. Noch im selben Jahr begann die Umgestaltung von Parkanlage und Gebäuden, die nach langem Leerstand umfassend saniert und modernisiert werden mussten. In Wertschätzung der historischen Anlage wurden vorhandene Bausubstanz und materieller Bestand möglichst weitgehend erhalten, und trotz Umrüstung von Park und Gebäuden für die neue Nutzung blieb ihre geschichtliche Dimension bewahrt. 2008 wurde der Skulpturenpark in der Trägerschaft einer gemeinnützigen Stiftung der Familie Cragg eröffnet. Er beherbergt eine stetig wachsende Skulpturensammlung, darunter Ausschnitte aus dem umfangreichen Werk Tony Craggs. Begleitend werden in Wechselausstellungen Werke international bedeutender Künstler gezeigt, Vorträge zu kulturwissenschaftlichen Themen angeboten und Konzerte veranstaltet. Darüber hinaus ist die Cragg Foundation auch der Forschung und Publikation zur Bildenden Kunst gewidmet.

Über Tony Cragg

Tony Cragg wurde 1949 in Liverpool geboren. Nach dem Abitur arbeitete er als Labortechniker in der biochemischen Forschung und begann während dieser zweijährigen Praxis mit dem Zeichnen, um 1969 das Gloucestershire College of Art and Design und anschließend die Wimbledon School of Art zu besuchen. 1973 führte ihn sein Kunststudium zum Royal College of Art in London, wo er den Studienschwerpunkt auf Bildhauerei legte.

Anregungen aus Minimalismus und LandArt prägten seine künstlerischen Anfänge, und er begann mit Fundobjekten zu arbeiten, bevor er traditionelle Materialien wie Stein, Eisen und Bronze für sich entdeckte. 1976 führte ihn ein Lehrauftrag an die Ecole des Beaux-Arts in Metz. Im Jahr darauf zog er nach Wuppertal, dem Wohnort seiner ersten Frau, wo er bis heute lebt und arbeitet. 1978 nahm er seine Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Düsseldorf auf, seit 1988 als Professor, bis er 2001 auf einen Lehrstuhl für Bildhauerei an der Akademie der Künste in Berlin wechselte. 2006 kehrte er als Prorektor an die Kunstakademie Düsseldorf zurück, zu deren Rektor er 2009 ernannt wurde. 2014 schied er aus diesem Amt aus.

In einer nahezu unüberschaubaren Vielzahl von Ausstellungen präsentiert Tony Cragg seit 1977 sein Werk in renommierten Museen weltweit. Mehrmals war er auf der Biennale von Venedig und der documenta in Kassel sowie auf den Biennalen von Sao Paulo und Sydney vertreten. 1988 wurde ihm der Turner Prize verliehen. Zur mehrfachen Ehrendoktorwürde und zahlreichen weiteren angesehenen Auszeichnungen kam 2003 seine Ernennung zum Commander of the British Empire. Zu den bedeutendsten Bildhauern der Gegenwart zählend, nahm er 2007 den Praemium Imperiale, den Weltkultupreis des japanischen Kaiserhauses, entgegen.

Über die Villa „Waldfrieden“

Ein 1894 errichtetes Haus mit ausgedehntem Anwesen, das der Lackfabrikant Kurt Herberts 1940 erworben hatte, war der Vorgängerbau der Villa Waldfrieden. Bei Luftangriffen auf Barmen wurde es 1943 zerstört. Mit dem Wiederaufbau über dem erhaltenen Souterrain-Geschoss beauftragte Herberts gleich nach Kriegsende den Künstler und Architekten Franz Krause, den er wegen der „Originalität seiner Gedankengänge“ schätzte.

Im Verlauf der Planung ließ sich der Bauherr für das Experiment einer „reziproken“ Architektur und damit für einen Neubau gewinnen und beteiligte sich am unkonventionellen Entwurfsverfahren. Abgesehen von der Vorgabe, das alte Kellergeschoss einzubeziehen, ließ er dem Architekten freie Hand. Die singuläre organische Form des Gebäudes entwickelte Krause in Korrespondenz zu drei dynamischen Faktoren: zu den Bewegungen des menschlichen Körpers, zur Natur des umgebenden Geländes und zum einfallenden Tageslicht.

Das zweigeschossige Wohnhaus und die Gelände- und Gartengestaltung wurden zwischen 1947 und 1950 realisiert. 2006 erwarb Tony Cragg mit dem Anwesen auch die unter Denkmalschutz stehende Villa nach langem Leerstand. Um ihr einen lebendigen Part im Skulpturenpark zuzuweisen, galt es, die Villa nicht nur zu restaurieren, sondern sie auch neu zu interpretieren.

Diese Transformation konnte nirgends besser aufgehoben sein als in den Händen des Bildhauers und seiner Werkstatt.

Bei höchstem Respekt vor dem ursprünglichen Formexperiment des Architekten wurde das abgelebte, ganz auf den Bauherrn und seine Familie zugeschnittene Wohnhaus in ein lebendiges Zentrum des Parks verwandelt. Während die ringsum angesiedelten Skulpturen die Augen öffnen für die plastische Qualität des Baukörpers, entspricht die sparsame Einrichtung der Zimmer ihrer neuen Nutzung. Die Villa beherbergt das Archiv und die Verwaltungsbüros der Cragg Foundation.

Nähere Informationen: Skulpturenweg Waldfrieden, Hirschstraße 12, 42285 Wuppertal, Telefon +49 (0) 202-47898120, E-Mail: mail@skulpturenpark-waldfrieden.de

„Genossin Sonne“ – essayistische Gruppenausstellung im HMKV

Bevor der Begriff „Revolution“ im 18. Jahrhundert – unter dem Eindruck der Französischen Revolution – einen „gewaltsamen Umsturz der bestehenden politischen oder sozialen Ordnung“ bezeichnete, wurde er in der Astronomie zur Bezeichnung der Umdrehung der Himmelskörper verwendet.

Die essayistische Gruppenausstellung „Genossin Sonne“ des „Hartware MedienKunstVereins“ in Dortmund, die noch bis zum 18. Januar 2026 zu sehen ist, widmet sich künstlerischen Arbeiten und Theorien, die den Kosmos und insbesondere die Sonne, der Energielieferant für Leben auf der Erde, mit sozialen und politischen Bewegungen in Verbindung bringen. Vor dem Hintergrund der Dezentrierung des Menschen als historisches Subjekt fragen wir, inwieweit nicht nur die Umwelt auf der Erde, sondern darüber hinaus auch der Kosmos an historischen Prozessen Anteil hat. Gibt es etwa, wie die sowjetischen Kosmisten behaupteten, einen Zusammenhang zwischen erhöhter solarer Aktivität (einer Zunahme der Sonnenflecken und -winde) und irdischen Revolutionen? Und welche spekulativen, lustvollen Überlegungen finden sich dazu in der zeitgenössischen Kunst und Poesie?

Bei den Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler liegt ein Schwerpunkt auf dem Bewegtbild – auf Kino, Film und Video als Medien des Lichts. Aber auch in anderen Medien strahlen die Arbeiten hypnotische, fiebrige, glühende, drohende Affekte aus. Die Sonne fungiert insgesamt einerseits als Lebens- und Energiespenderin für politische Kämpfe und andererseits als mahnende Figur, deren schiere Masse und Lebensdauer die Kürze menschlichen Lebens auf dem Planeten Erde deutlich macht. Und auch: Was, wenn sie nie unter- oder wieder aufgeht und die Zeit noch stärker aus den Angeln gehoben wird, als dies bereits der Fall ist?

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Die Ausstellung der HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U erfolgt in Kooperation mit der Kunsthalle Wien und den Wiener Festwochen | Freie Republik Wien.

Über den HMKV Hartware MedienKunstVerein

Der HMKV Hartware MedienKunstVerein hat seit seiner Gründung im Jahr 1996 zahlreiche Ausstellungen, Film-, Musik- und Performanceprogramme, Workshops, Vorträge und Konferenzen in diversen Städten im In- und Ausland sowie in Dortmund realisiert.

Er bildet eine Plattform für die Produktion, Präsentation und Vermittlung von zeitgenössischer beziehungsweise experimenteller (Medien-)Kunst. Medienkunst wird dabei nicht als technisch determiniertes Genre verstanden, sondern als zeitgenössische Kunst, die sich inhaltlich und konzeptuell mit unserer in starkem Maße medial und technologisch geprägten Gegenwart auseinandersetzt. Zu den wesentlichen Zielen gehören die Verhandlung von zeitgenössischen Themen und Fragestellungen, die Ansprache einer breiten Öffentlichkeit in der Vermittlungsarbeit sowie ein interdisziplinärer künstlerischer Ansatz.

Zugänge zur aktuellen Kunst werden geschaffen, um zu zeigen, dass Künstlerinnen und Künstler nicht in Elfenbeintürmen sitzen, sondern sich mit Themen beschäftigen, die alle etwas angehen. In seiner Vermittlungsarbeit macht sich der Verein die Werkzeuge des digitalen Zeitalters zunutze, um auf spielerische und partizipative Weise ein neues Verständnis für unsere mediale Welt, ihre Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu schaffen.

Gemeinsames Anliegen der Projekte des HMKV ist der Versuch, mit den Mitteln der Kunst ein Verständnis für vielschichtige gesellschaftliche, politische, ökonomische oder ökologische Zusammenhänge herzustellen. In einer globalisierten und durch Technologie beschleunigten Welt, die auf der Interaktion dieser Systeme basiert, ermöglicht dieser Ansatz einen neuen Blick auf unsere Gegenwart, der die Wahrnehmung jedes Einzelnen bereichert. So wird eine singuläre Position in NRW – und in Deutschland – besetzt . Aus der Vielzahl von Kooperationen ist ein breit gefächertes, internationales Netzwerk entstanden.

Über das Dortmunder U

Das Dortmunder U ist ein Haus der Kunst und Kultur, Bildung, Wissenschaft und künstlerischen Forschung. Wir stellen auf vielfältige Weise ein Verständnis für gesellschaftliche, politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge her. Wir haben eine Kunstsammlung, sind Ausstellungsort und Treffpunkt. Wir verstehen uns als Experimentierraum und Ort des gemeinsamen Lernens, in dem Kunst, Wissenschaft und das eigene kreative Schaffen erlebt, vertieft und erprobt werden können. Hier finden Menschen Inspiration die Vergangenheit und Gegenwart zu befragen und die Zukunft mitzugestalten.

Die Partner im Dortmunder U zeigen Kunst, fördern Kreativität und entwickeln zeitgemäße Formate, um Menschen in Dortmund und der Region zu inspirieren und zu befähigen, unsere Gegenwart mitzugestalten.

Die unterschiedlichen Partnerinstitutionen im Dortmunder U bilden sowohl eine Schnittstelle für Kunst, Bildung, Forschung und Unterhaltung als auch für analoge und digitale Kreativität. Die sieben Etagen bilden einen weitläufigen und für alle offenen Raum zur Verdichtung und Förderung von Ideen sowie der Reflexion von Gegenwartsphänomenen.

Die Besucher*innen sind ausgehend von den Ausstellungen, Projekten, Workshops und Veranstaltungen in und um das Haus auch eingeladen, sich mit eigenen kreativen Aktivitäten einzubringen. Sie reflektieren die gesellschaftliche Realität nicht nur, sondern können sie auch aktiv mitgestalten.

Durch Kooperation der Partner im Haus sowie die Einbindung in ein lokales und internationales Netzwerks entwickelt das Dortmunder U neue Ausstellungs- und Vermittlungsformate. Aus interdisziplinären Kooperationen und der vorhandenen Vielfalt von Ansätzen und Perspektiven entstehen Impulse für Innovation und Kommunikation in Richtung der vielfältigen Stadtgesellschaft.

Das Dortmunder U schafft größtmögliche Teilhabe und Zugänglichkeit unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem oder kulturellem Hintergrund der Besucherinnen und Besucher.

Das Dortmunder U ist ein Ort für die zeitgemäße Beschäftigung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Dazu gehören unter anderem Künstliche Intelligenz, Körper(kult), Klimawandel, Mode, Jugendkultur, Bildsprache, Geschlechterrollen, Musikszenen, Migration und besonders die Aspekte der Digitalisierung.

Nähere Informationen: Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund, Telefon +49 (0) 231 50-24723, E-Mail: info@dortmunder-u.de

„Unter der Oberfläche“ – Tafelbilder und ihre Geheimnisse

Jahrhundertealte Gemälde stecken voller Geheimnisse: Die Darstellungen bedienen sich einer Symbolik, die wir heute nicht mehr ohne Weiteres verstehen und erst entschlüsseln müssen. Die Herkunft der Werke und der ursprüngliche Zweck, für den sie geschaffen wurden, geben oft Rätsel auf. Die Materialien und die Maltechnik können uns hingegen viel über die Entstehungszeit und über den Künstler beziehungsweise die Künstlerin verraten. Da diese alten Tafelbilder zumeist restauriert sind, stellt sich außerdem die Frage, welche Malflächen noch original sind oder was womöglich nachträglich hinzukam.
Zusammen mit der Restauratorin Ludmila Henseler gehen die Macher der Draiflessen Collection im Format „Das Forum“ den Geheimnissen zweier Tafelbilder aus der Sammlung auf den Grund: „Madonna mit Kirschen“ aus der Werkstatt Joos van Cleves (um 1530) und „Die heilige Familie mit Engeln“ (ca. 1510) eines bislang unbekannten altniederländischen Meisters.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

„Die Freiheit der Freude – die Freude der Freiheit“ – Herbstausstellung mit Werken außergewöhnlicher Künstler

Die neue Ausstellung im Otto Pankok Museum (OPM) Gildehaus mit dem obigen Titel versammelt ganz unterschiedliche Werke von Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit. Sie alle eint: Das Leben stellt an sie außergewöhnliche Herausforderungen, oftmals verbunden mit engen Grenzen.

Außerhalb des Spektrums, dass im bürgerlichen Leben als selbstverständlich angesehen wird, stellen sie sich diesen Anforderungen des Lebens auch durch die Kunst. Im freien Gestalten von Gefühlen und Gedanken finden sie zu einer zumeist sehr individuellen und fröhlich überraschenden Bildersprache. Und geben Kenntnis von einer alle Menschen verbindenden Grundkonstellation: zwischen Angst und Freude gilt es einen Weg zu finden. Und die Kunst mit der ihr innewohnenden Kraft der Befreiung gibt dazu genug Anlass. Sei es nun für die rund 15 ausstellenden Künstlerinnen und Künstler oder für die Besucherinnen und Besucher des OPM.

Diese faszinierende Anstellung wurde möglich durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Wohlfahrtsorganisationen der Grafschaft und des deutschsprachigen Raumes. Und durch die Unterstützung des Landkreises Grafschaft Bentheim, der Hans-Ohlms-Stiftung und der Sammlung Notiae.

Das Titelbild „Große Katze“ wurde mit freundlicher Genehmigung von Jonas Poppele zur Verfügung gestellt.

Nähere Informationen: Otto-Pankok-Museum im Alten Rathaus, Neuer Weg 7, 48455 Bad Bentheim – Gildehaus, Telefon: +49 5924 6128, E-Mail: info@pankokok-museum.de. Öffnungszeiten: Mittwochs, 15 bis 17 Uhr, Samstags und Sonntags von 14 bis 17 Uhr.