Harry Kramer und seine Zeit

Am 25. Januar 2025 wäre der in Lingen geborene Künstler Harry Kramer (*1925, Lingen +1997, Kassel) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass realisiert die Kunsthalle Lingen unter dem Titel „Harry Kramer und seine Zeit“ eine Gruppenausstellung mit dem Anspruch, Automobile Skulpturen, Schiebeplastiken, Brotköpfe und Schiebebilder von Harry Kramer im Zusammenhang mit weiteren Werken von Künstlerinnen und Künstlern zu präsentieren, die ebenfalls Aspekte wie Bewegung, Relationale Ästhetik, Licht und aktive Teilnahme der Betrachterinnen und Betrachter in ihrer künstlerischen Arbeit mitgedacht haben.

Präsentiert werden zwei und dreidimensionale Kunstwerke der Künstlerinnen Eva Aeppli, Mary Bauermeister, Hanne Darboven, Rebecca Horn und Charlotte Posenenske und der Künstler Konrad Klapheck, Otto Piene, Dieter Roth und Jean Tinguely.

Die Ausstellung wird am Freitag, 13. September, 10 Uhr, eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 11. Januar 2026.

Zu Harry Kramer

„Eine zutiefst moderne, weil vielfach gebrochene und in sich reflektierte Künstlerrolle“ – so bezeichnet Stefan Lüddemann den gebürtigen Lingener Künstler Harry Kramer. Sein Werk ist von mehreren einzelnen Phasen geprägt, in denen sich der Bildhauer, der nie eine künstlerische Ausbildung absolvierte, ganz einer Sache verschrieb.

Wer Harry Kramer im Gedächtnis behalten hat, der kennt vor allem seine Drahtskulpturen. Zwischen 1961 und 1967 entstanden, sorgte er mit diesen „kinetischen Plastiken“ auf der documenta 3 für Furore: Der Korpus aus Drahtgitter, in Form einer Kugel, eines Kubus, später auch einer Hand oder einem Fuß nahekommend, ein kleinteiliger Kosmos aus schwarzen, gitterartigen Streben. Darin ein „System beweglicher Elemente“, über Gummibänder verbunden, die die Kraft eines kleinen Elektromotors übertragen und, wenn er eingeschaltet ist, den ganzen Aufbau stetig in Bewegung halten. Ruckartig, wie aus dem Takt gebracht, schwanken kleine Kugeln, Rädchen drehen sich, winzige Hämmer schlagen an Glöckchen, ein rastloses Wuseln im Drahtgestell. Innerhalb seines Werkes scheinen diese Plastiken aber wie der folgerichtige nächste Schritt: Von seinem mechanischen Theater – einer „unheimlichen Phantasmagorie“, schreibt 1955 ein Journalist der ZEIT über die „13 Szenen“, die in der Berliner Springer Galerie gezeigt werden – zu den automobilen Figuren, schon körperlos, bloße Köpfe auf Rändern, die sich robotergleich auf ihren großen Zahnrädern fortbewegen, und den Kurzfilmen mit ebenjenen Figuren und ihrer „bizarren Komik“ für die Kramer den Bundesfilmpreis und einen „Goldenen Löwen auf der Filmbiennale in Venedig erhält. Von dort ist es nicht weit zu den Drahtskulpturen der 1960er-Jahre.

Sie zitiert er auch in den Möbelskulpturen des späteren Jahrzehnts: Alltagsgegenstände werden kombiniert mit einfachen Möbelstücken, in grellen Farben bemalt und mit vereinzelten Glühbirnen beleuchtet. Diese Objekte ebenso wie die „Schiebeplastiken“, organische Formen mit passgenau zusammengefügten Teilelementen, die gegeneinander verschoben werden können, treffen auf zwiegespaltene Meinungen in der Kunstwelt. Kramer macht „aus dem sperrigen Kunstwerk ein Objekt, das ebenso Handschmeichler wie Augenfreude ist“ und von vielen als Versuch abgetan wird, endlich auch auf dem Kunstmarkt erfolgreich zu sein.

1970 erfolgt dann ein Einschnitt innerhalb seiner Arbeit: Er übernimmt die Professur für Bildhauerei an der Gesamthochschule Kassel: „Kunst nicht vorzuführen, sondern authentisch vorzuleben“ ist seine Maxime. In der flachen Hierarchie seiner Klasse unterstellt er seine eigene Produktion fast gänzlich dem Kollektiv, in dieser Phase entstehen nur wenige Arbeiten. Stattdessen wird er selbst zum Kunstwerk: In der Serie „Künstliche Menschen“ von 1972/73 werden zwei Automaten ausgestellt, die nach seinem Gesicht und Körper abgeformt sind. Wirft man eine Münze ein, bewegt der eine die karobedeckten Gliedmaßen, der andere öffnet eine kleine Flügeltür in seiner Brust und spielt eine Aufnahme von Kramers Stimme an.

Fast 10 Jahre nach seinem Antritt in Kassel begann er wieder mit einem eigenen Projekt, den Schrifttafeln zur Apokalypse: Auf 24 Tafeln befinden sich die Texte der Johannesoffenbarung, übersetzt in einen Code aus vier verschiedenfarbigen Punkten in Acryl. Zum Auftakt der Retrospektive Harry Kramers 1995 in Lingen waren diese Tafeln in eine spektakuläre Performance integriert, bei der der Künstler ebenfalls anwesend war. Auf der die Halle IV der Länge nach durchziehenden Empore wurden sie auf Staffeleien ausgestellt, und mit 20 Scheinwerfern beleuchtet, den einzigen Lichtquellen im Raum. Die Scheinwerfer eines LKW erleuchteten den Besuchern den Weg, die die Halle zum Avantgarde-Jazzrock der Band „Ugly Culture“ aus Köln betraten.

Sein letztes Projekt war die Nekropole in Kassel, ein Künstlerfriedhof für namhafte KünstlerInnen, den er zu großen Teilen aus seinem eigenen Kapital und dem Verkauf des Mechanischen Theaters finanzierte. Harry Kramer wurde selbst anonym auf dem Gelände am Habichtswald bestattet.

Biographisches

Harry Kramer wird am 25. Januar 1925 in Lingen geboren, in einer ärmlichen Umgebung, in der seine Eltern ihm ein Leben als Straßenfeger prophezeien, weil er der deutschen Rechtsschreibung nicht Herr wird. Als er 7 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter an Tuberkulose. Danach zieht sich der schmächtige Junge Harry in sein Innerstes zurück, nennt sich, rückblickend auf diese Zeit, später einen Hochstapler. Nach einer Ausbildung zum Friseur und dem Kriegsdienst arbeitet er vier Jahre lang als Tänzer und Schauspieler, bevor er 1952 mit der Arbeit am „Mechanischen Theater“ beginnt. 1956 zieht er nach Paris, es folgen Aufenthalte in den USA, Ausstellungen und eine Gastdozentur an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg. Von 1970 bis 1992 lehrt er Bildhauerei an der Gesamthochschule Kassel, in seinem letzten Jahr dort eröffnet die Kasseler Nekropole. Am 20. Februar 1997 stirbt Harry Kramer in Kassel.

Zum Kunstverein Lingen

Der Kunstverein Lingen wurde 1983 gegründet und und leistet seitdem durch Vermittlung zeitgenössischer Kunst einen wichtigen Beitrag zu Bildung und Aufklärung. Er ist eine von Mitgliedern getragene gemeinnützige Einrichtung und ist sowohl Träger der Kunstschule Lingen, verortet am Universitätsplatz, als auch der Kunsthalle Lingen, die sich an der Kaiserstraße befindet. Der Gründung voraus ging 1978 als freie Initiative von Künstler:innen und kunstinteressierten Bürger:innen der Stadt Lingen (Ems) die Lingener Mal- und Kreativschule, aus der heraus 1982 der Mal- und Kreativschul-Verein Lingen gegründet wurde.

Um unter seiner Trägerschaft auch Ausstellungen zeitgenössischer Kunst durchführen zu können, wurde dieser am 2. Juni 1983 in Kunstverein Lingen umbenannt. Von 1983 bis 1997 wurden Kunstwerke regional, national und international bekannter Künstler:innen im Foyer des Theaters an der Wilhelmshöhe präsentiert. Die Mal- und Kreativschule zog 1986 in Räume des Professorenhauses am Universitätsplatz, seit 1997 residiert sie als Kunstschule Lingen in der ebenso dort verorteten Alten Lateinschule. Der Kunstverein Lingen war Initiator des 1984 gegründeten niedersächsischen Landesverbandes der Kunstschulen.

Am 12. Oktober 1997 konnte die vom Kunstverein getragene Kunsthalle Lingen in großzügigen Räumen in der Halle IV des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks eröffnet werden und vermittelt dort bis heute künstlerisch formulierte Inhalte zeitgenössischer Themen. Von 1995 bis 2003 war der Kunstverein Lingen Kunsthalle Sitz der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV), in der er bis heute Mitglied ist. Der Kunstverein Lingen e.V. wurde 2021 mit dem Prädikat „Immaterielles Kulturerbe der Deutschen Unesco Kommission“ versehen.
Der Kunstverein Lingen beabsichtigt, einen positiven Beitrag für Gesellschaft, Kultur und Kunst zu leisten. Dies beinhaltet hohe Standards und ethische Ansprüche im Vereinsleben beider von ihm getragenen Institutionen nach innen und außen, den Respekt vor den Menschenrechten, den Respekt vor der Kunstfreiheit und die Unterstützung sozialer Organisationen. Gemeinsam legen die Kunstschule und die Kunsthalle Lingen Wert auf die Vermittlung von Kunst und die Wertschätzung der Kunstfreiheit in der Öffentlichkeit, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen sowie sozial schwächer gestellten Bevölkerungsgruppen und setzen sich gegen jegliche Form von Diskriminierung im Hinblick auf ethnische Herkunft, Nationalität, Hautfarbe, Weltanschauung, Religion, Geschlecht, sexuelle Identität oder Alter ein.

Zur Kunsthalle Lingen

Sehen und Denken – die Kunsthalle Lingen ist das Zentrum für außerschulische Bildung und Aufklärung durch Vermittlung von bildender Kunst der Gegenwart. Es werden Einzel- und Gruppenausstellungen von regional, national und international bekannten Künstler:innen präsentiert, ergänzt durch ein breit gefächertes Programm an unterschiedlichen Formaten der Kunstvermittlung ebenfalls mit jeweils zeitgenössischem Inhalt. Heute gesellschaftlich und politisch relevante Aspekte wie zum Beispiel Ökologie, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz oder Postkolonialismus kommen in den Ausstellungen und den Formaten der Kunstvermittlung der Kunsthalle Lingen zur Sprache. Dies beginnt bereits bei der Präsentation von Kunstwerken unterschiedlicher Medien, gefertigt von Künstler:innen unterschiedlicher Herkunft.
Zum anderen fördert die Einbeziehung von Kulturproduzent:innen aus verschiedenen Bereichen den interdisziplinären Austausch und etabliert die Lingener Kunsthalle als offenes Forum für Kunstvermittlung unterschiedlicher Ansätze. Vorträge zu kunst- und philosophiespezifischen Themen, Gespräche mit Künstler:innen, Konzerte, Kunstreisen, Publikationen, Führungen oder Kochabende und ein breites Angebot an gestalterisch orientierter Kunstvermittlung für Menschen jeden Alters tragen zur Erfüllung des Bildungsauftrags der Kunsthalle Lingen bei.
Die Kunsthalle Lingen betreut und präsentiert in unterschiedlichen Ausschnitten einen Teil des Nachlasses des 1925 in Lingen geborenen Künstlers Harry Kramer, der 1964 an der documenta III in Kassel teilnahm und dort 1997 starb.

Kunstschule Lingen

Bilden mit Kunst: Forschen, Experimentieren, Kunst erleben und gestalten – die Kunstschule Lingen vermittelt Kunst und Kreativität. Die Kunstschule Lingen ist eine außerschulische Bildungseinrichtung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit kunst- und kulturpädagogischen Angeboten der bildenden sowie angewandten Kunst, wie zum Beispiel ästhetische Frühförderung, Malerei, Zeichnen, Druckgrafik, Holz- und Keramikwerkstätten. Sie bietet Wochenend- und fortlaufende Kurse, Ferienwerkstätten, Ausstellungen und Events, Fortbildungen, interdisziplinäre Projekte sowie regionale und überregionale Kooperationen an.

Im niedersächsischen Landesverband ist sie mit rund 40 anderen Kunstschulen vernetzt, die nach dem gemeinsamen Konzept „bilden mit kunst“ arbeiten und kontinuierlich kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe fördern. Neben dem Standort Lingen hat die Kunstschule drei Außenstellen in Baccum, Emsbüren und Spelle.
Die Kunstschule Lingen schafft Räume, in denen eigenständiges Handeln mit Kreativität und Fantasie mittels der Kunst möglich ist. Das Ziel ist die Stärkung der individuellen Fähigkeiten und kreativen Ausdruckskraft jedes Einzelnen. Die mit der ästhetisch-künstlerischen Bildung erworbenen sozialen und künstlerischen Schlüsselkompetenzen öffnen besonders bei Kindern die Sinne für ein neugieriges Lernen und kreatives Gestalten. Für Jugendliche als auch für Erwachsene bietet die Kunstschule eine berufliche Orientierung sowie künstlerische Weiterbildung.

Neben dem eigenständigen Bildungssystem hat die Kunstschule den konzeptionellen Schwerpunkt, innovative Impulse und Vernetzungen für das gesellschaftliche und kulturelle Leben in kommunalen und überregionalen Zusammenhängen zu schaffen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Lingen, Kaiserstraße 10a, 49809 Lingen, Telefon 0591 59995, E-Mail: info@kunsthallelingen.de. Geöffnet ist die Kunsthalle von Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Quellen:

Internetseite der Kunsthalle Lingen

Lüddemann, Stefan: Harry Kramer. Kunst der Gegenwart aus Niedersachsen, Bd. 64. Bonn, 2007.

Die Zeit, 22/1955, 2. Juni, kgl. Online unter : http://www.zeit.de/1955/22/mechanisches-theater.

Wikipedia

Museum A bis Z – Von Anfang bis Zukunft

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal bietet im Rahmen einer Ausstellung noch bis Ende des Jahres vertiefte Einblicke in die Arbeit und die Aufgaben eines Museums; und es stellt sich dem Publikum zur Diskussion.

Was macht ein Museum aus, und wie sollte es in Zukunft sein? Welche Aufgaben hat ein Museum, und welche Wünsche hat das Publikum an das Museum als Institution und an das Von der Heydt-Museum im Speziellen?

Die Ausstellung „Museum A bis Z: Von Anfang bis Zukunft“ ermöglicht einerseits ungewohnte und unbekannte Einblicke in die Geschichte und die Vielfalt der Sammlung und richtet andererseits den Blick in die Zukunft. Neben den klassischen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln prägt die Beschäftigung mit aktuellen Themen wie Diversität, Digitalisierung, Dekolonialisierung und Teilhabe zunehmend die Rolle von Museen.

„Museum A bis Z“ führt von Anfang bis Zukunft: von der Gründungsphase des Museums über Themen wie lokales und globales Sammeln, koloniale Kontexte, Provenienzforschung und Restitutionen bis hin zu möglichen Perspektiven für die weitere Entwicklung. Die Präsentation ergänzt damit die neu konzipierte Dauerausstellung „Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung“ und macht erstmals beispielhaft die überraschende Vielfalt der historisch gewachsenen Bestände des Von der Heydt-Museums sichtbar, einschließlich kaum bekannter Bereiche wie dem Kunstgewerbe und den außereuropäischen Objekten.

Gezeigt werden beispielsweise Textilien aus dem heutigen Indonesien und außereuropäische Plastiken, denen Wuppertaler Ansichten unter anderem von Adolf Erbslöh, Carl Grossberg, Erich Heckel, Oskar Schlemmer oder Marie Luise Oertel gegenübergestellt werden. Die Objektvielfalt wird über eine Ordnungsstruktur vermittelt, die außerhalb rein inhaltlicher Kategorien steht: So zeigen etwa Gemälde von Ottilie W. Roederstein, Emmy Klinker oder Paula Modersohn-Becker die Gattungsvielfalt der Malerei, während kunsthandwerkliche Objekte die Vielfalt von Material und Technik erlebbar machen.

Die Provenienzforschung bildet einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der Ausstellung: Ihre Bedeutung wird mit dem Fokus auf das Gemälde „Bildnis Felix Benjamin“ von Max Liebermann erläutert, das 2023 an die Erben des von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Felix Benjamin restituiert und anschließend zurückerworben wurde.

Ein zentraler Punkt der Ausstellung ist die barriereärmere Vermittlung sowohl im Museum als auch im digitalen Raum: Erstmals wird ein Tastmodell von Max Pechsteins Gemälde „Der Sohn des Künstlers auf dem Sofa“ für blinde und sehbehinderte Menschen den Weg zur Kunst erleichtern und durch ein eigens entwickeltes Führungsprogramm ergänzt.

Begleitet wird „Museum A bis Z“ von einem vielfältigen Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden 125. Geburtstags des Von der Heydt-Museums im Jahr 2027 lädt die Ausstellung dazu ein, über dessen heutige und zukünftige Aufgaben ins Gespräch zu kommen und Wünsche zu formulieren.

Programm zur Ausstellung

Kurator-Führungen am Donnerstag, 25. September, 16.30 Uhr, und am Dienstag, 4. November, jeweils ab 11.30 Uhr

Öffentliche Führungen am ersten Samstag im Monat, 4. Oktober, 1. November, 6. Dezember, jeweils ab 13 Uhr

Veranstaltungen: „Der chinesische Paravent. Wie der Kolonialismus in deutsche Wohnzimmer kam“ am Mittwoch, 12. November, 18 Uhr, und „Isidor. Ein jüdisches Leben“ am Mittwoch, 3. Dezember, 18 Uhr

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Dem Himmel so nah

Wer hat sich nicht schon einmal verträumt im Anblick des Himmels verloren, ein Gesicht in den Wolken entdeckt oder wechselnde Lichtphänomene bestaunt? Wolken faszinieren durch ihre Flüchtigkeit und ihre fragile Anmut. Mal leicht und schwebend, mal schwer und bedrohlich spiegeln sie unsere Stimmungen. Seit Jahrhunderten inspirieren Wolken die Kunst. Sie stehen für Göttliches, erhabene Naturschönheit und Atmosphäre, für Vergänglichkeit und Sehnsucht – und heute auch für Klimawandel, Umweltzerstörung und Krieg.

Die Kunsthalle Emden widmet dem vielschichtigen Thema eine umfangreiche Ausstellung, die auch eine Hommage an den ostfriesischen Himmel ist. Gezeigt werden Werke aus verschiedenen Epochen und Gattungen, von der klassischen Landschaft bis zur zeitgenössischen Installation. Der Himmel lässt sich so in seiner poetischen wie politischen Dimension neu entdecken – aber auch als Spiegel des Inneren und als Zeichen unserer Zeit verstehen.

Künstlerinnen und Künstler

Die Ausstellung präsentiert gut einhundert Werke aus mehr als 150 Jahren von über 30 internationalen Künstlerinnen und Künstlern: Heiner Altmeppen, Jean Arp, Sven Drühl, Berend Goos, Anna Grath, Daniel Hausig, Wenzel Hablik, Erich Heckel, Geoffrey Hendricks, Almut Linde, Hiroyuki Masuyama, Bjørn Mehlus, Nanne Meyer, Lyoudmila Milanova, Gabriele Münter, Emil Nolde, Yoko Ono, Robin Page, Ursula Palla, Richard Prince, Franz Radziwill, Gerhard Richter, Simon Roberts, Alexander Rodtschenko, Yvonne Roeb, Christian Rohlfs, Ugo Rondinone, Valentin Ruths, Michael Sailstorfer, Josef Scharl, David Schnell, Gustav Schönleber, Nedko Solakov, Klaus Staeck, Rolf Staeck, Walter Strich-Chapell, Hans Trimborn, Nasan Tur und Felix Vallotton.

Die Ausstellung ist noch bis zum 2. November zu sehen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden, Telefon: +49 4921 9750-50, E-Mail über die Internetseite. Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zusätzlich ist jeden ersten Dienstag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

Junge Musiker aus aller Welt zu Gast in Nordhorn

48. Auflage der Internationalen Sommerakademie

„Es kommt mir alles tot vor, wo ich nicht Musik höre“ – diesen Satz schrieb der Philosoph und große Musikliebhaber Friedrich Nietzsche, der auch Klavier spielte und komponierte, im Jahre 1863 an seine Mutter Franziska Nietzsche und brachte damit die essenzielle Bedeutung der Musik für den Menschen zum Ausdruck.

Viel Musik ist noch bis zum 22. September im Kloster Frenswegen bei der 48. Auflage der Internationalen Sommerakademie für Kammermusik Niedersachsen zu hören.

In diesem Jahr werden 105 junge musikalische Talente an 60 Kammermusikwerken arbeiten. Über 30 verschiedene Nationalitäten sind bei der 48. Auflage dieses einzigartigen Kammermusikkurses in der Grafschaft Bentheim zu Gast. Unterrichtet werden die hochbegabten Nachwuchsensembles von einem international zusammengesetzten Team von Dozenten, das die Sparten Streicher, Bläser und Klavierkammermusik abdeckt und damit jedem Kammermusikensemble – vom Klaviertrio über Streichquartett bis zur gemischten Besetzung – optimalen Input geben kann.

Highlights im Akademie-Kalender sind zehn Konzerte in der Klosterkapelle mit abwechslungsreichen Programmen. Für sechs Konzerte ist der Eintritt frei, für vier Konzerte hat der Vorverkauf begonnen. Den Auftakt machte das Begrüßungskonzert am 5. September. Hier stimmten ausgewählte Akademie Ensembles auf die Welt der Kammermusik ein, die in den folgenden Wochen das Klostergeschehen zu erleben ist.

Die Kooperation mit den Musikschulen Nordhorn und der Niedergrafschaft ist ein fester Bestandteil der Akademie. Ambitionierte Ensembles der Region gestalten am 9. September ein gemeinsames Konzert mit Ensembles der Akademie. Das Nebeneinander schafft eine Atmosphäre voller Lebendigkeit und Nähe: Die Freude am Musizieren steht ebenso im Mittelpunkt wie die Entdeckung neuer Talente. Nähe und Begegnungen, die nicht nur die Musik, sondern auch die Menschen dahinter erlebbar machen, bieten auch die Werkstattkonzerte, die am 7., 10., 14. und 17. September stattfinden. Hier bekommt das Publikum spannende Einblicke in die aktuelle Musikpädagogik. Was sonst hinter verschlossenen Türen in den Musikhochschulen vermittelt wird, ist in diesen Konzerten live und direkt in der Klosterkapelle zu erleben. In den Festivalkonzerten präsentieren die Sommerakademie-Ensembles ihre musikalischen Ergebnisse. Internationale Preisträgerinnen und Preisträger sind hier ebenso zu hören wie Ensembles, die sich erst im Kloster Frenswegen zusammengefunden haben. Die Programme zeichnen sich aus durch frische Interpretationen großer Meisterwerke, spannende Neuentdeckungen, herausragendes Können und geballte künstlerische Energie.

Das Eröffnungskonzert des Festivals findet am 12. September statt, am 20. September folgt das Festkonzert und der letzte Akademietag wird am 21. September mit einem Matinéekonzert und einem Abschlusskonzert musikalisch gefeiert. Die Vielfalt der Ensembles, die abwechslungsreichen Programme und die Verbundenheit mit der Grafschaft Bentheim machen die Internationale Sommerakademie zu einem unvergesslichen Erlebnis für ein breites Kammermusik-Publikum.

Die Konzerte im Überblick

Alle Konzerte der Internationalen Kammermusikakademie finden in der Kapelle des Klosters Frenswegen an der Klosterstraße 9 in Nordhorn statt.

Werkstattkonzerte bei freiem Eintritt (mit anschließender Möglichkeit im Kloster ein Mittagessen oder Kaffee und Kuchen zu genießen) am Mittwoch, 10. September, 12 Uhr, am Sonntag, 14. September, 15 Uhr, und am Mittwoch, 17. September, 12 Uhr.

Kooperationskonzert der Akademie mit den Musikschulen Nordhorn und der Niedergrafschaft bei freiem Eintritt am Dienstag, 9. September, 19.30 Uhr.

Festivalkonzerte am Freitag, 12. September, 19.30 Uhr (Eröffnungskonzert), am Samstag 20. September, 19 Uhr (Festkonzert), am Sonntag, 21. September, 11.30 Uhr (Matinéekonzert) und am gleichen Tag um 18 Uhr das Abschlusskonzert. Die Eintrittskarten für die Festivalkonzerte kosten 15 Euro und ermäßigt 8 Euro. Alternativ zum Kauf von Einzeltickets gibt es den Festivalpass für alle Konzerte für 40 Euro (ermäßigt 20 Euro) und den Tagespass für die beiden Konzerte am 21. September für 20 Euro (ermäßigt 10 Euro). Der Kartenvorverkauf erfolgt beim Kloster Frenswegen, bei Thalia Nordhorn sowie online auf https://isa-kammermusik.de/konzerte.

Weitere Informationen zur Internationalen Sommerakademie, allen Konzerten und Tickets gibt es auf https://isa-kammermusik.de

„Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig“ für den Grimme Online Award nominiert

Die interaktive Graphic Novel „Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig“, ein Serious Game des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin, ist für den renommierten Grimme Online Award 2025 nominiert worden. Manche kennen das Spiel vielleicht aus der Ausstellung „Roads not taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können“. Die Abstimmung ist noch bis zum 1. Oktober 2025, 23.59 Uhr, über die Internetseite des Museums möglich.

Worum geht es in dem Spiel?

„Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig“ lädt dazu ein, in einer interaktiven Graphic Novel in die Rolle unterschiedlicher Akteure zu schlüpfen und aus deren Perspektive die friedlichen Proteste vom 9. Oktober 1989 in Leipzig zu erleben.

An diesem Tag gingen über 70.000 Menschen auf die Straße, um gegen das DDR-Regime zu protestieren. Viele fürchteten eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste. Jene Ereignisse, welche als Schlüsselmomente der „Friedlichen Revolution“ in die Geschichte eingehen sollten, waren keineswegs absehbar. Sie waren das Ergebnis von konkreten Entscheidungen und Handlungen, teils auch von Zufällen.

In der Graphic Novel können die Spielerinnen und Spieler den Verlauf dieses historisch bedeutsamen Tages – zum Beispiel in der Rolle der Bürgerrechtlerin Sabine T. oder des Bereitschaftspolizisten Thomas Z. – erleben und durch eigene Entscheidungen beeinflussen. Wird es gelingen, den Tag friedlich zu halten?

Über den Museumsverein Deutsches Historisches Museum

Bereits Anfang des Jahrtausends nahm der Gedanke Gestalt an, einen Förderverein für das Deutsche Historische Museum (DHM) zu gründen. Zwar war die finanzielle Ausstattung des Hauses verhältnismäßig gut, dagegen war es „zu wenig in der Öffentlichkeit verankert“, wie sich Felix Pongratz, Gründungsmitglied und Schatzmeister des 2004 gegründeten Museumsvereins erinnert. „Man wollte mehr Rückhalt in der Bevölkerung und auch mehr Prominenz an der Seite“. Ehrenpräsident des jungen Vereins wurde Hans-Dietrich Genscher, langjähriger deutscher Außenminister und selbst eine herausragende Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Erster Vorsitzender war der ehemalige ZDF-Intendant Prof. Dieter Stolte. Immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer kamen hinzu, sodass der Museumsverein aktuell über 800 Mitglieder zählt. Die Mitglieder lernen „ihr“ Museum in einem abwechslungsreichen Mitgliederprogramm kennen, schauen hinter die Kulissen und lauschen bei den Zeughaus-Gesprächen prominenten Gästen in der Diskussion über aktuelle Themen der Geschichte und Gegenwart.

Inzwischen gehört das DHM sicher zu den bekanntesten Museen Deutschlands. Neben dem Begeistern für das DHM und für Geschichte ist die Unterstützung des Museums beim Bewahren nach wie das wichtigste Anliegen des Vereins. „Wir springen ein, wenn das Museum selbst etwas nicht leisten kann“, erklärt Felix Pongratz den Grundgedanken. Der Verein kauft Objekte für die Sammlung des DHM und fördert unterschiedlichste Projekte, seien es Publikationen, Restaurierungen oder Workshops.

Manchmal sind es finanziell kleine Beiträge, wie etwa die Finanzierung der Restaurierung der Standuhr von Johann Pfister, die weniger als 20 Mitgliedsbeiträge gekostet hat, aber für die Präsentation der Uhr in der Dauerausstellung dringend notwendig war. Mal sind es große Vorhaben, die nur mit einer Spendenaktion realisiert werden kann. Hier lässt sich zum Beispiel der mit dem DHM gemeinsam finanzierte Ankauf des Gemäldes „Zerstörung 2″ von Felix Nussbaum aufführen, bei dem der Museumsverein neben gesparten Vermögen aus Mitgliedsbeiträgen auf eine Spendenaktion angewiesen war. 45.000 Euro kamen dabei zusammen. Das Gemälde soll in der neuen Ständigen Ausstellung mit zwei weiteren Gemälden von Felix Nussbaum ausgestellt werden, um eine Opferperspektive auf Verfolgung im Nationalsozialismus zu veranschaulichen.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: dhm-museumsverein.de

Über die Künstlerin Charley Toorop und ihre Liebe zu van Gogh

Noch bis zum 14. September ist im Kröller-Möller Museum in Otterlo die Ausstellung „Charley Toorop. Liebe zu van Gogh“ zu sehen.

Lebenslange Bewunderung

Vincent van Gogh war für Charley Toorop eine bedeutende Inspirationsquelle. Seine Werke beeindruckten die junge Charley so sehr, dass sie sich für eine Laufbahn als Künstlerin entschied. Wie van Gogh reiste sie sowohl ins Borinage als auch in die Provence und teilte seine Vorliebe für die Darstellung echter Menschen und der Natur. Van Goghs Einfluss ist besonders in ihren zwischen 1921 und 1925 entstandenen Werken erkennbar. Erstmals widmet sich nun eine Ausstellung Toorops Bewunderung für van Gogh. Gezeigt werden rund sechzig Werke, darunter einige selten präsentierte Arbeiten.

Auch wenn das Werk von Charley Toorop eine ganz eigene Originalität und Kraft besitzt, bedeutet dies nicht, dass sie sich nicht von anderen Künstlern inspirieren ließ – ganz im Gegenteil. Sie bewunderte die Malerei von Bart van der Leck und Piet Mondrian ebenso wie die ihrer internationalen Zeitgenossen Georges Braque, Pablo Picasso und Fernand Léger. Dennoch war es laut Toorop vor allem Vincent van Gogh – sogar mehr als ihr Vater Jan Toorop –, der den Grundstein für ihre künstlerische Laufbahn legte. Ihre Bewunderung für ihn hielt ein Leben lang an. Sein Werk war für sie „der Durchbruch in eine neue Welt“. So sagte Charley Toorop im Februar 1953: Vincent van Gogh war für mich da, noch bevor ich mit dem Malen begann, eigentlich seitdem ich denken kann. Er war der Grund für den ersten Streit mit meinem Vater, der die Dinge so anders sah. Für mich war es der Durchbruch in eine neue Welt. Seine Werke zu sehen, war immer ein besonderes Erlebnis für mich. Die große Amsterdamer Ausstellung seiner Werke nach der Befreiung war für mich die eigentliche Befreiung. Dass seine Werke dort so wunderbar präsentiert wurden und wir sie endlich wieder erleben durften: die großartigen Zeichnungen der französischen Landschaft, die gemalten Landschaften, die Figuren und die Stillleben.“

Über das Borinage und ihr soziales Engagement

Charley Toorops Bewunderung für Vincent van Gogh wird aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet – darunter ihre Darstellung als Künstlerin und als Mensch, ihre Pilgerreise ins Borinage, ihre Reisen nach Paris und Südfrankreich, ihr soziales Engagement sowie ihre Verbindung zu Mensch und Natur.

Neben Toorops Gemälden und Arbeiten auf Papier aus der Kröller-Müller-Sammlung sind Werke aus den Sammlungen des Kunstmuseum Den Haag, des Stedelijk Museum Amsterdam, des Stedelijk Museum Alkmaar, des Centraal Museum Utrecht, des Museum MORE, des Museum De Wieger sowie aus verschiedenen Privatsammlungen zu sehen. Begleitend zur Ausstellung erscheint in Zusammenarbeit mit Waanders Uitgevers eine Publikation, die sich eingehend mit der Beziehung zwischen Charley Toorop und Vincent van Gogh befasst.

Größte Museumssammlung

Wie Vincent van Gogh nimmt auch Charley Toorop einen besonderen Platz in der Sammlung des Kröller-Müller Museums ein. Helene Kröller-Müller und ihr Kunstberater Henk Bremmer sahen in beiden Künstlern etwas Erhabenes, da sie „unbeeinflusst vom Zeitgeist ihren eigenen Weg gingen“. Dank der Kunstankäufe von Kröller-Müller zwischen 1916 und 1938 sowie späterer Ergänzungen – etwa aus dem Vermächtnis des Den Haager Sammlers C.A. Hoogendijk im Jahr 1977 – beherbergt das Kröller-Müller Museum heute die umfangreichste museale Sammlung von Werken Charley Toorops.

Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo (NL), E-Mail: info@kroller-moller.nl, Telefon: +31(0) 318591241. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr.