Kunsthalle Bielefeld im April

Vor Kurzem hat die Kunsthalle Bielefeld ihr Programm für den Aptil vorgelegt. Anbei ein Überblick über die Aktivitäten und laufenden Ausstellungen.

Frohe Ostern in der Kunsthalle – Öffentliche Führungen für alle am 3., 5. und 6. April ohne Anmeldung. An den Osterfeiertagen heißt die Kunsthalle die Besucherinnen und Besucher herzlich willkommen. Sie haben die Möglichkeit, die neuen Ausstellungen zu entdecken und sich von den Vermittlern mehr über die gezeigten Arbeiten erzählen zu lassen. öffentliche Führungen werden jeweils um 11.30 und 16 Uhr angeboten.

Angebot für die Generation 55+ am 13. April, 12 bis 14 Uhr und 14 bis 16 Uhr: Die Kunsthalle lädt zu einer entspannten Entdeckungstour mit Sitzgelegenheiten ein. Nach der Führung werden ein Mittagsimbiss sowie Getränke oder Kaffee und Kuchen angeboten. Anmeldungen sollten bis spätestens Freitagmittag vor dem jeweiligen Termin erfolgen – per Mail oder an der Museumskasse.

Direktorinnenführung am 16. April, 17 bis 18 Uhr: An diesem Tag erhalten die Besucher exklusive Einblicke hinter die Kulissen mit Kunsthallen-Direktorin Christina Végh. Bei dieser besonderen Führung durch die Ausstellung „Duane Linklater. Mâcistan“ gibt es spannende Hintergrundinformationen zu den Werken, Einblicke in kuratorische Entscheidungen und persönliche Perspektiven der Direktorin. Eine Anmeldung ist erforderlich.

KunstZeit – Slow Art am 17. April, 16.30 bis 17.30 Uhr: An diesem Tag besteht die Gelegenheit, sich und ausgewählten Kunstwerken einmal mehr Zeit zu schenken. In einer kleinen Gruppe stehen ausgewählte Werke im Fokus, die intensiv und ausgiebig betrachtet und besprochen werden. Eindrücke, Stimmungen, Assoziationen kommen ebenso zur Sprache wie Detail-Beobachtungen und natürlich Fragen. Gemeinsam mit den Kunstvermittlern können die Teilnehmer in die Werke und deren Geschichte eintauchen. Eine Anmeldung empfiehlt sich.

Nachtansichten am 25. April, 18 bis 0 Uhr: Die Bielefelder Kulturorte laden am 25. April von 18 bis 0 Uhr zur Spätschicht für Nachteulen und Kunstfans ein. Das Kulturhighlight zeigt spannende Ausstellungen, faszinierende Installationen und überraschende Performances. Im Vortragssaal der Kunsthalle findet eine interdisziplinäre Performance von Veit Mette und Markus Schwartze statt, in der Malstube gibt es eine Kreativaktion. Im Skulpturenpark präsentiert die Musik- und Kunstschule eine Modenshow. Genaue Zeiten sind der Website zu entnehmen.

Zu den Ausstellungen:

Duane Linklater. Mâcistan – noch bis 14. Juni

Wenn im Frühjahr das Eis aufbricht, gerät der Fluss wieder in Bewegung. Schollen lösen sich, treiben auseinander und schaffen Raum für Neues. „mâcistan“ bezeichnet genau diesen Moment des Übergangs – einen Zustand des Wandels und der Neuordnung. Das Wort kommt aus der Sprache der Mushkego Inniniw, einer Indigenen Gemeinschaft im Gebiet des Vertrags Nr. 9 (Nordontario, Kanada). Unter diesem Titel entwickelt der kanadische Künstler Duane Linklater (*1976) seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland in der Kunsthalle Bielefeld.

Sammeln, Fürsorge und Verantwortung

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Konzept des „Cache“, eines Horts. In Indigenen Kulturen Kanadas ist das ein vorläufiger Ort zur Aufbewahrung und Weitergabe von Gegenständen, Wissen und Erinnerungen. Linklater überträgt dieses Prinzip in eine offene Struktur aus Baugerüsten. In diese Cache-Konstruktionen integriert er Gemälde, Skulpturen, gefundene Objekte, Möbelstücke und persönliche Dinge. Die einzelnen Elemente werden in den Caches präsentiert und zugleich gelagert – als warteten sie auf eine zukünftige Bedeutung.So entsteht eine Präsentation, die zugleich Archiv und künstlerische Installation ist. Persönliche und familiäre Objekte treffen auf Materialien, Bilder und Referenzen zur Geschichte und Gegenwart Indigener Kulturen im heutigen Kanada. Dort ringen Indigene Gemeinschaften bis heute um die Bedeutung ihrer Objekte und die Rechte an ihnen. Es geht um Fragen von Besitz, kultureller Zugehörigkeit und Deutungshoheit. Linklater stellt diese Fragen auch uns: Was bewahren wir? Was geben wir weiter? Und wer entscheidet das?

Gemeinsam mit Duane Linklater hat die Kunsthalle Werke aus ihrer Sammlung um die Arbeiten des Künstlers arrangiert. Hierbei wurden Arbeiten ausgewählt, in denen florale Motive mehr sind als dekorative Elemente. Welche Bedeutung tragen sie und worauf verweisen sie? Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Ausstellungsseite „Blumen überall. Blick in die Sammlung #12“.

Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Künstler, der Secession, Wien, und der Galerie Rudolfinum, Prag, konzipiert und für die Kunsthalle Bielefeld in einer eigens entwickelten Form präsentiert.

Blumen überall – Blick in die Sammlung #12 – noch bis 14. Juni

Die Ausstellung „Blumen überall: Blick in die Sammlung #12“ steht in direktem Dialog mit der Ausstellung „mâcistan“ von Duane Linklater. Gemeinsam mit dem Künstler haben die Kuratorinnen Werke aus der Sammlung der Kunsthalle ausgewählt, in denen florale Motive weit mehr sind als dekorative Elemente. Ausgehend von Linklaters künstlerischer Auseinandersetzung mit Geschichte, Sammlung und kolonialen Verflechtungen richtet dieser Sammlungsblick den Fokus auf Blumen als Trägerinnen von Erinnerung, Austausch und Widerstand. Sie verweisen auf Beziehungen zwischen Europa und dem Norden Amerikas, zwischen Museum und Gemeinschaft, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Europäische Expansion: Handel und Macht

Im 18. und 19. Jahrhundert erreichte unter anderem der europäische Pelzhandel das heutige Kanada und die angrenzenden Gebiete. Doch dieser Handel war nicht gleichberechtigt. Er geschah in einer Zeit, in der europäische Mächte ihre Herrschaft ausweiteten und koloniale Strukturen festigten.
Für viele Indigene Gemeinschaften bedeutete das Verlust, Verdrängung und Unterdrückung. Ihnen wurde das Land genommen, auf dem sie lebten und arbeiteten. Sie wurden von europäischen Mächten wirtschaftlich ausgebeutet und politisch entrechtet. Ihre traditionellen Lebensweisen wurden systematisch verdrängt, und über Generationen hinweg überlieferte Praktiken wurden verboten und unter Strafe gestellt. Kinder wurden ihren Familien entrissen. Diese gezielte Zerstörung sozialer Strukturen und die angewendete Gewalt führten in vielen Regionen zu massiven Bevölkerungsverlusten. Diese Entwicklungen gelten heute als Form von Genozid, also als systematische Zerstörung von Gemeinschaften.

Florale Muster als kulturelle Übersetzung

Duane Linklater ist Mitglied der Moose Cree First Nation. Diese Indigene Gemeinschaft hat ihre Heimat hauptsächlich in der südlichen James Bay-Region des heutigen Kanadas. Für die Moose Cree bot eine neue Handelsbeziehung Indigenen Künstlern die Möglichkeit, neue Motive zu entwickeln und mit neuen Materialien zu arbeiten.
Mit dem europäischen Pelzhandel kamen auch neue Waren wie Glasperlen, Stoffe und Blumenmuster – Motive, die in Europa schon lange verbreitet waren.  Moose Cree-Künstler*innen griffen die neuen Materialien auf und machten sie zu etwas Eigenem. Blumenmuster wurden nicht einfach übernommen, sondern weitergeführt und neu gestaltet. In der Perlenstickerei verbanden sich Glasperlen aus Europa mit Indigenem Wissen, mit Erinnerungen, mit Beziehungen zum Land und zu den Vorfahren. Die neuen floralen Motive wurden zu einem starken Zeichen tief verwurzelter kultureller Identität. Sie erzählen von Austausch und Kolonialgeschichte – aber auch von Widerstandskraft, Kreativität und Kontinuität.

Zu sehen sind Werke folgender Künstlerinnen und Künstler: Yto Barrada, Heinrich Campendonk, Albrecht Dürer, Max Ernst, Fischli Weiss, Annette Kelm, Anselm Kiefer, Konrad Lueg, August Macke, Goshka Macuga, Germaine Richier, Christian Rohlfs, Hermann Stenner und einigen mehr.

Yael Bartana. Mir Zaynen Do! – noch bis 14. Juni

Wie entsteht Gemeinschaft? Was verbindet Menschen über Zeit und Orte hinweg? Und wie wird Zugehörigkeit weitergegeben, erinnert und geteilt? Lieder, Tänze, Rituale und Sprache tragen diese Verbindungen: Sie bewahren Erinnerungen, vermitteln Erfahrungen und schaffen Momente des Zusammenkommens.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Yael Bartanas Video- und Klanginstallation „Mir Zaynen Do!“(2024). Der jiddische Titel – „Wir sind da!“ – verweist auf ein Lied des jüdischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs. In Bartanas Arbeit treffen in São Paulo zwei Ensembles mit unterschiedlichen Diaspora-Hintergründen aufeinander – Gemeinschaften, die aus Erfahrungen von Entwurzelung hervorgegangen sind und ihre kulturellen Traditionen fern ihres Ursprungs weitertragen: Coral Tradição, ein jüdisch-brasilianischer Chor, und Ilú Obá De Min, ein afro-brasilianisches Straßenmusik-Ensemble. Dessen Mitglieder sind Nachfahren von Maroons – aus der Sklaverei geflohene Menschen. Ihre Stimmen, Rhythmen und Bewegungen verschränken sich zu einer lebendigen Gemeinschaft: leise und meditativ, laut und kraftvoll.

Geteilte Ansichten. Kunsthalle Bielefeld x Sammlung KiCo – Teil I: Vom Teilen und Geteiltsein – Vom 4. Juli bis 1. November

Was passiert, wenn wir teilen – Ideen, Räume, Verantwortung? Mit „Geteilte Ansichten“ eröffnet die Kunsthalle Bielefeld ein umfassendes, zweiteiliges Ausstellungsprojekt, das das Teilen als ästhetisches, soziales und politisches Prinzip ins Zentrum rückt. Die Schau verbindet Werke aus der Sammlung KiCo mit Positionen aus der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld. Die Sammlung KiCo wurde 2009 von Doris Keller-Riemer und Hans-Gerd Riemer ins Leben gerufen – mit der Zielsetzung, nicht nur in einer privaten Sammlung zu münden, sondern sich in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen zu entwickeln. In engem Dialog mit dem Kunstmuseum Bonn und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, die bei der Auswahl und den Entscheidungen für den Ankauf von Kunstwerken partnerschaftlich mitwirken, fließen Überlegungen zu einer sinnvollen und denkbaren Erweiterung der jeweiligen Kunstsammlungen ein.

Ab diesem Jahr ist die Kunsthalle Bielefeld neues Partnermuseum und freut sich darauf, in zwei Ausstellungstakten das neue Zusammenspiel in unterschiedlichen Zugangsformen vorzustellen. „Vom Teilen und Geteiltsein“ untersucht, wie tief das Teilen in unsere Lebenswirklichkeit eingeschrieben ist: als Gestaltung von Raum, als Trennung und Grenzziehung, als Austausch von Material und Information, als Verteilung, Konfrontation und Kommunikation. Die gezeigten Kunstwerke greifen Spuren, Oberflächen, Bildwelten und persönliche Handschriften auf und verweben sie zu neuen gemeinsamen Erzählungen. Aus Fragmenten entsteht ein größeres Ganzes; aus individuellen Perspektiven ein Resonanzraum kollektiver Erfahrung.

Die Ausstellung stellt damit eine zentrale Frage unseres Zusammenlebens: Wie prägt das Teilen unsere Gesellschaft – und welche Rolle können Museen als öffentliche Orte im Aushandeln dieser geteilten Wirklichkeiten spielen? In diesem Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen entsteht ein offener Raum, in dem Kunst nicht nur betrachtet wird, sondern Verantwortung, Gemeinschaft und Austausch sichtbar macht.

Beteiligte Künstler: Monica Bonvicini, Andrea Büttner, Sandro Chia, George Condo, Thomas Demand, Lucio Fontana, Andreas Gefeller, Isa Genzken, Erik van Lieshout, Daniel Knorr, Michel Majerus, Marcel Odenbach, Ulrich Rückriem, Tomás Saraceno, Corinne Wasmuht, Clemens von Wedemeyer und andere.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Telefon: 0521 32999500, Fax: 0521 329995050, E-Mail: info@kunsthalle-bielefeld.de. Die Kunsthalle ist am Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

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