Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Klang als Mittel, sichtbar zu werden (von Bas Blaasse, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

“Mach Lärm: Verlangen. Praktikum. Change.“ ist die neunte und letzte Ausgabe von „Positions“, einer Ausstellungsreihe, die aufstrebende Künstler und Kollektive zusammenbringt. Der Titel bezieht sich darauf, eine Position einzunehmen: wie sich Künstler in ihrer Zeit und in sozialen Diskussionen ausdrücken. Das Thema Klang ist daher ein passender Abschluss der Serie. Geräusche zu machen bedeutet hier: sich hörbar zu machen und Aufmerksamkeit zu fordern.

Im ersten zentralen Raum des Abbe Museums in Eindhoven befindet sich eine große Satellitenschüssel. Selma Selman malte darauf auf Englisch: „Gott, mach mich zum berühmtesten, damit ich diesem Ort entkommen kann.“ „Satellite Dish“ (2023) ist Teil einer Serie von Readymades, in denen Selman Alltagsutensilien malt. Der Text und die Satellitenschüssel rufen Assoziationen mit Kontakt aus der Ferne hervor – oder dessen Bruch – und mit der Sehnsucht nach dem, was fern oder unerreichbar erscheint. In der Arbeit von Selman, der in einer Roma-Gemeinde in Bosnien aufwuchs, nimmt dieser Wunsch eine besondere Bedeutung an. Schließlich kann dieses Verlangen zweierlei gehen: Der Wunsch, einer Umgebung mit wenig Perspektive zu entkommen, aber auch die Sehnsucht nach der Gemeinschaft, aus der man stammt.

Geräusche in der Luft

Im nächsten Raum hängen zwei Klavierflügel an den Seiten von der Decke. Die Instrumente werden ausgefaltet und gegeneinander angeordnet, wodurch ihr Inneres freigelegt wird und in der Mitte ein schmaler vertikaler Streifen entsteht. Durch diese Rotation scheinen die Flügel gleichzeitig auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt worden zu sein. In Jack O’Brien’s „Semblance“ (2025) stimmt die Form des Instruments nicht mehr mit seiner Verwendung überein. Das Klavier ist noch da, kann aber nicht mehr gespielt werden; Die Geräusche hängen sozusagen in der Luft. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass die Konstruktion an Lagermodulen und Bühnenelementen aus dem Museum befestigt ist, ergänzt durch Material aus einer früheren Installation von O’Brien. So deutet das Werk sowohl eine Bühne als auch das, was dahinter liegt, nahe.

Im ‚Sound Box‘-Raum hängen einfache illustrierte Anweisungen an der Wand: 19 Schritte aus einem Line Dance, der von Ternate stammt, einer Insel auf den Molukken. “Poco2 – shifting perspective” (2025) von Finn Maätita und Jerrold Saija lädt die Besucher ein, den Bewegungen zu folgen. Etwas unbeholfen versuche ich, die scheinbar einfachen Schritte nachzuahmen. Ich bewege mich. Im selben Raum ist ein Mixtape mit molukkischen Machern experimenteller und verzerrter Klänge zu hören, zusammengestellt von den Künstlern. Die Werke beziehen sich auf die Molukken-Diaspora in den Niederlanden: In diesem Jahr jährt sich der 75. Jahrestag der Ankunft der ersten großen Gruppe von Molukken nach der Dekolonisierung Indonesiens.

Klang ist Berührung aus der Ferne

In einem anderen Raum befindet sich eine Installation von Miloš Trakilović. Schwarze Lautsprecher sind über den Boden verteilt, während einige Mikrofonständer ohne Mikrofon liegen, als ob die Aufnahme gerade beendet ist. Lichtfragmente und abstrakte Bilder sind auf vertikalen Bildschirmen zu sehen. Für „564 Tracks (Not a Love Song Is Usually a Love Song)“ (2024) verwendete Trakilović ein KI-Modell, das Klänge von Krieg und jugoslawischer Popmusik in einer Komposition mit der Struktur eines Liebesliedes zusammenführt. Die Installation zeigt, wie eng Zuneigung und Gewalt sein können – und wirft die Frage auf, wer hier eigentlich spricht: der abwesende Sänger, das Archiv der Kriegsklänge oder der Algorithmus.

Anders als in stillen Museumsräumen sickert der Klang von Raum zu Raum. Das geschieht, ohne dass die Arbeiten sich gegenseitig übertönen. Es scheint ein Ausdruck des Glaubens zu sein, dass man sagen kann, was man will, solange es andere nicht untergräbt. Ein politisch aufgeladenes Thema wie „seine Stimme hörbar machen“ kann in einer Gruppenausstellung schnell illustrativ werden, aber das passiert hier nicht. Der Titel „Make Some Noise: Desire. Praktikum. Veränderung.“ ist eine eindrucksvolle Zusammenfassung der vielen Stimmen, Formen und Gesten, die durch die Ausstellung schwingen. Es erinnert an das Sprichwort: Klang ist Berührung aus der Ferne. Ein passender Abschluss der Serie – und einer mit einem langen Atemzug, denn die Ausstellung ist bis Ende September zu sehen.

Nähere Informationen: Van Abbe Museum, Stratumsedijk 2, Eindhoven, Telefon: +31 402381000, E-Mail: info@abbemuseum.nl

Kostenloser Besuch im Museum mit dem Book Week Gift

Am Sonntag, 22. März, dem letzten Tag der Book Week, erhalten Besucher kostenlosen Eintritt in mehr als 230 Museen in den Niederlanden durch die Präsentation des Book Week-Geschenks.

Das Book Week Gift dient daher an diesem Tag als Eintrittskarte. Die Aktion ist eine Initiative des Museumsvereins und der Stiftung für kollektive Propaganda des niederländischen Buches (CPNB) un d wird zum zweiten Mal organisiert. Mehr als 230 Museen im ganzen Land nehmen teil.

44 niederländische Autoren schrieben kurze Texte zu Objekten aus fünfzehn Museumssammlungen. Mit dabei waren unter anderem Adriaan van Dis, Heleen van Royen, Jan Siebelink, Joost Oomen, Hanna Bervoets und Ted van Lieshout. Diese sogenannten ‚literarischen Museumsplatten‘ bieten verschiedene Lesarten der Werke. Eine Auswahl wurde in einer Mini-Broschüre gebündelt, die am 22. März in den teilnehmenden Museen kostenlos erhältlich sein wird. Die gesamte Serie kann digital über QR-Codes und auf der Internetseite Museum.nl gelesen werden. Besucher sind außerdem eingeladen, ihren eigenen Text für ein Objekt zu schreiben.

Frühneuzeitliche Pop-Ikonen im Limburger Museum (von Ulrike Neyens, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

Hendrick (*1558 – +1617), Jacob (*1574 – +1631) und Hubert Goltzius (+1526 – +1583) waren die Popikonen der Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts: Ihre Drucke hingen sowohl in königlichen Palästen als auch in bürgerlichen Wohnzimmern. Huberts Buch „C. Ivlivs Caesar“ (1563), in dem er die klassische Geschichte anhand von Münzbildern beleuchtete, fand seinen Weg in unzählige Bücherregale. Hendrick wiederum verkaufte eine enorme Anzahl von Ausgaben seines Drucks „Moses mit den Szenen des Gesetzes“ (1583), der in mehreren Sprachen verteilt wurde.

Um diese drei bekannten Künstler stand eine eng verbundene Künstlerfamilie. Die Ausstellung „Familie Goltzius – Meister aus Venlo“ im Limburger Museum vereint erstmals die gesamte Geschichte der Familie. Anhand von Dutzenden von Drucken und einigen wenigen Gemälden zeigt sie, wie die verschiedenen Generationen arbeiteten, wie sich die Familie durch Europa verbreitete und wie die Mitglieder sich gegenseitig beeinflussten. Jacob Goltzius II. zum Beispiel basierte seinen Druck „Unequal Love“ (1584–1600) auf einem Entwurf von Hendrick, in dem er humorvoll eine junge Frau darstellt, die die Annäherungsversuche eines alten Mannes ablehnt. Jacob Matham (*1571 – +1631) verewigt seinen Stiefvater Hendrick in einem stattlichen Porträt als Hommage an seine Kunstfertigkeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Rolle der Frauen bei der Pflege von Netzwerken und dem Aufbau des Familienunternehmens.

Als Besucher muss man wachsam bleiben: Aufgrund des breiten Aufbaus und der großen Anzahl an Drucken kann die Geschichte manchmal etwas verwirrend werden. Dennoch zeigt die Ausstellung überzeugend, wie die Goltziussen gemeinsam ein einflussreiches und kreatives Netzwerk bildeten, das die Druckgrafik dauerhaft prägt.

Nähere Informationen: Limburger Museum, Keulsepoort 5, 5911BX Limburg, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Telefon: +31 773522112.

At the Table and what else is on the table“

Essen und Kunst sind im Museum Staal in Almen auf überraschende Weise miteinander verwoben. Die Ausstellung „At the Table and what else is on the table“ ist eine Reise durch Zeit, Kunst und Tradition. Egal, ob Sie die wunderschön gedeckten Tische, die moderne Kunst oder die Geschichten über Essen im Achterhoek genießen – Sie werden garantiert mit neuen Einsichten nach Hause gehen. Wie ein gutes Essen hinterlässt diese Ausstellung einen bleibenden Eindruck.

Nähere Informationen: Museum Staal, Dorpsstraat 39, Almen, Telefon: +31 575474317, E-Mail: info@museumstaal.nl, Internet: www.museumstaal.nl

Am Tisch mit den Römern

In der Ausstellung „Am Tisch mit den Römern“ im Huygens Museum in Voorburg entdecken Besucher die Essgewohnheiten der Bewohner des Forum Hadriani, der römischen Stadt, die an der Stelle des heutigen Voorburg lag. Die Ankunft und Entwicklung des Römischen Forums Hadriani brachte bedeutende Innovationen in die lokale Esskultur: Die Römer führten neue Zutaten, Utensilien und Rezepte ein. Mit der Entwicklung der Stadt als Leitfaden nimmt die Ausstellung den Besucher mit auf eine kulinarische Reise durch die römische Küche.

Ein Blick hinter die Kulissen

In der Ausstellung erhält man auf Grundlage römischer archäologischer Funde vom Forum Hadriani und Umgebung Einblicke in die Ess- und Kochgewohnheiten der Region. Die Ausstellung zeigt den besonderen ‚Sonntagsgottesdienst‘ der Römer: die sogenannte Terra sigillata, was gestempelte Keramik bedeutet. Diese roten Schalen und Becher waren das Geschirr der wohlhabenden Bürger. Die archäologischen Funde erzählen eine Geschichte und geben Einblicke in das tägliche Leben vor zweitausend Jahren. In der Ausstellung werden Sie als Besucher herausgefordert, über das Objekt hinauszublicken. Ein Krug ist nicht nur ein einfaches Irdengerät, sondern wurde einst verwendet, um Wein, Fischsauce oder Olivenöl zu lagern und zu transportieren – Produkte, die aus dem Mittelmeerraum herangekommen wurden. So entpuppt sich ein Krug als greifbare Spur eines internationalen Handelsnetzwerks.

Nähere Informationen: Huygens Museum, Westeinde 2a, Voorburg, Telefon: +31 703872311, E-Mail: secretaariat@huygensmuseum.nl, Internet: www.huygensmuseum.nl

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