Kunsthalle Düsseldorf im März

Für drei Wochen besteht die seltene Möglichkeit, das Gebäude der Kunsthalle Düsseldorf in seiner radikalsten Form zu erleben: leer, roh und unberührt. Mit „Nur der Beton“ lädt die Kunsthalle Düsseldorf noch bis 5. April dazu ein, die spezifische Atmosphäre der Architektur und die brutalistischen Strukturen bewusst wahrzunehmen. Dabei stehen Formate der Ruhe und des Innehaltens ebenso im Fokus wie die Auseinandersetzung mit der brutalistischen Architektur.
Täglich wird eine einstündige Architekturführung angeboten, bei der die Besucher die spannende Geschichte und die markante Betonstruktur des Hauses sowie ausgewählte Kunstwerke, die den umliegenden Außenraum prägen, entdecken können. Diese finden dienstags bis freitags um 17 Uhr sowie samstags und sonntags um 13.30 Uhr statt. Die Architekturführung am Sonntag, 22. März, , erfolgtt mit Verdolmetschung in die Deutsche Gebärdensprache.
Das Programm und der Eintritt in die Kunsthalle sind während der Laufzeit von „Nur der Beton“ frei.
Des Weiteren läuft im Parkhaus der Kunsthalle die Ausstellung „MUR BRUT38: Helene Kuschnarew. 360 Hektar“. In ihrer Arbeit fragt sich Helene Kuschnarew unter anderem was geschieht, wenn ein Ort seine gewohnte Ordnung verliert. Dabei verweist der Titel „360 Hektar“ auf das Dorf Wacken, das durch das jährlich stattfindende Heavy-Metal-Festival „Wacken Open Air“ vorübergehend zur Großstadt wird.

Programm im Überblick

Wenn Leere spricht – Atemsession in der leeren Kunsthalle – Sonntag, 29. März, 9 bis 11 Uhr, und am Donnerstag, 2. April, 19 bis 21 Uhr

Ein entleerter Raum schenkt uns keine Ablenkung, er konfrontiert uns mit uns selbst. Mit dem, was wir in ihn hineintragen. Was bleibt, wenn das Äußere reduziert ist und es nichts gibt, woran wir uns orientieren und festhalten können? Ist ein leerer Raum neutral oder wird er zur Projektionsfläche unseres Inneren und füllt sich mit dem, was wir mitbringen?

Die Leere der Kunsthalle ist eine Einladung unseren Geist zu leeren. Zurück bleibt unser Körper als ein Raum, der vielfältige Möglichkeiten zulässt. Der Atem dient dabei als Vermittler zwischen Materie und Geist. In der Leere wird spürbar, ob er ruhig fließt oder sich zurückhält, ob er Raum einnimmt oder sich anpasst.

Die Kunsthalle lädt dazu ein, zu spüren, dass Leere kein Mangel ist, sondern Möglichkeit. Die Teilnehmer atmen zwischen Innen und Außen – im kontinuierlichen Austausch mit dem Raum.

Alex, Carla, Nadja und Nicole von „InBetween“ öffnen und halten diesen besonderen Raum für die Teilnehmer. Sie alle haben in ihrer Arbeit eigene Schwerpunkte. Was sie vereint, ist die Hinwendung zum Menschen, ein ganzheitlicher Ansatz und die Liebe für den verbundenen, zirkulären Atem, den sie in der Session anleiten. Dein Atem geht voran auf deiner Reise in einen anderen Bewusstseinszustand. Du selbst entscheidest, wie tief diese Reise gehen darf, dein Körper und dein Geist sind deine Wegbegleiter, während dein Verstand sich leert, so wie der Raum um dich herum.

Die Session wird zwei Stunden dauern. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Als Energieausgleich wird um eine Barspende gebeten, die eingesetzt werden soll, um die Gründung von „InBetween“ voranzutreiben.

Ambient Konzert mit „BRUTALISM“ am Freitag, 20. März, 20 bis 22 Uhr

„BRUTALISM“ nutzt moderne Betonarchitekturen als Produktionsstätten und Veranstaltungsorte und untersucht, wie räumliche Gegebenheiten den Klang beeinflussen. Das Label bewegt sich an der Schnittstelle zwischen experimenteller Musik, Clubkultur und ortsspezifischer künstlerischer Forschung, wobei Veröffentlichungen und Performances von bestimmten architektonischen Werken geprägt sind und diesen gewidmet sind.

Brutalism Talks am Dienstag, 24. März, 19 bis 22 Uhr

19 Uhr: Dr. Hannah Schiefer, Kunsthistorikerin, zum Thema: Betonlandschaften: Eine Archäologie der Nachkriegsmoderne

Der Vortrag „Betonlandschaften: Eine Archäologie der Nachkriegsmoderne“ von Dr. Hannah Schiefer, Universität Siegen, widmet sich der Entstehung und Entwicklung des Brutalismus – einer der prägnantesten, aber auch umstrittensten Architekturrichtungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von der Begriffsgeschichte des „New Brutalism“, die in den 1950-er Jahren von Architekten und Architekturtheoretikern geprägt wurde, zeichnet der Vortrag nach, wie sich aus einem zunächst polemischen Schlagwort ein weltweit rezipierter Baustil entwickelte.
Anhand ausgewählter Beispiele aus Düsseldorf und Umgebung werden zentrale Merkmale brutalistischer Architektur vorgestellt: die Sichtbarkeit von Konstruktion, der expressive Einsatz von Materialien wie Sichtbeton sowie eine Architekturauffassung, die sich zwischen sozialem Anspruch, technischer Innovation und skulpturaler Form bewegt. Die vorgestellten Bauten zeigen, dass Brutalismus nicht allein als Stil des „rohen Betons“ verstanden werden kann, sondern als vielschichtige architektonische Haltung, die bis heute Fragen nach Materialehrlichkeit, Dauerhaftigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung des Bauens aufwirft.

19 Uhr: Dr. Sven Kuhrau, Kunsthistoriker, Wissenschaftlicher Referent der Abteilung Inventarisation beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, zum Thema: „Starker Auftritt. Die Kunsthalle Düsseldorf als Baudenkmal“

Die anfänglich ungeliebte Düsseldorfer Kunsthalle erfuhr erst im Zuge der jüngeren Aufarbeitung brutalistischer Architektur eine positive Umdeutung. Zuvor hatten sich Künstlerinnen und Künstler das widerständige Potential der wehrhaften Architektur für ihre eigenen Werke am Ort zunutze gemacht. Seit kurzem steht das Haus samt der künstlerischen Interventionen unter Denkmalschutz. Aber was genau macht den Denkmalwert des Gebäudes aus?

20 Uhr: Dr. Turit Fröbe, Architekturhistorikerin, Urbanistin, Baukulturvermittlerin, zum Thema: „Brutalismus – schön hässlich?“

Turit Fröbe bricht in ihrem Vortrag eine Lanze für originelle, gut gemachte Bausünden. Sie fasst ihre wichtigsten Erkenntnisse, die aus ihrer jahrelangen Auseinandersetzung mit den „hässlichen Entlein“ unserer Städte hervorgegangen sind, zusammen und zeigt, dass „Bausünden“ eine unterschätzte Baugattung darstellen, die durchaus Potenziale für ihr jeweiliges Umfeld haben. In ihrem Vortrag nimmt sie auch den Brutalismus – beziehungsweise das, was gemeinhin als brutalistisch etikettiert wird – in den Blick, erläutert, warum es sich lohnt, sorgfältig zwischen guten und schlechten Bausünden zu unterscheiden, und beschreibt, wie sich selbst die verhasstesten Objekte mithilfe eines „liebevollen Blicks“ innerhalb kürzester Zeit aufwerten lassen.

20.30Uhr: Kaspar Stöbe & Pablo Molestina, Architekten, zum Thema: „Die Sanierung der Kunsthalle Düsseldorf

Offene Probe von KOIR am Sonntag, 29. März, 15 bis 18 Uhr, Eintritt und Programm frei

„KOIR“ ist eine musikalische, körperliche und vokale Praxis an der Kunstakademie Düsseldorf, gegründet von Prof. Ari Benjamin Meyers und seiner Klasse. Wir proben, lernen und bearbeiten musikalische Werke aus einem breiten Spektrum. „KOIR“ probt in einem zweiwöchigen Rhythmus an der Kunstakademie Düsseldorf und ist am 29. März für eine öffentliche Probe in der Kunsthalle Düsseldorf zu Gast.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

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