Magico! – Italienischer Realismus von 1920 bis 1970

Das Museum „MORE“ in Gorssel/NL hat in Zusammenarbeit mit 24 ORE Cultura eine große Ausstellung organisiert, die 50 Jahren des italienischen Realismus gewidmet ist. Mit einer Auswahl von 70 Werken stellt „Magico! – Italienischer Realismus von 1920 bis 1970“ dem niederländischen Publikum erstmals die Entwicklungen der modernen realistischen Malerei des 20. Jahrhunderts in Italien vor. Die Ausstellung umfasst Meisterwerke von Künstlern wie Edita Broglio, Felice Casorati, Giorgio de Chirico, Cagnaccio di San Pietro, Antonio Donghi, Leonor Fini, Domenico Gnoli, Ubaldo Oppi und Gino Severini. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 7. Juni.

Rätselhaft

Ab den frühen 1920-er Jahren begann eine italienische künstlerische Avantgarde, die Welt um sich herum auf magische, poetische, entfremdete, aber manchmal auch glasklare Weise darzustellen. Außerdem war ihre neue Realitätssicht Teil eines breiten Trends in ganz Europa, wieder realistische Kunst zu schaffen. Dies war jedoch keine reaktionäre Rückkehr zu ‚altmodischen‘ Kunstansichten, sondern ein Bedarf, ein anderes Lebensgefühl und eine neue Weltanschauung auszudrücken. Vor allem nachdem die Abstraktion für einige Künstler die Schrecken des Ersten Weltkriegs nicht darstellen konnte. Sie nahmen eine kritische Distanz ein und verschmolzen das Experiment und die Tradition ihrer Vorgänger zu einer ganz eigenen visuellen Sprache. Dies führte oft zu intensiven, rätselhaften und präzisen, technisch perfekten Gemälden.

In den 1920-er und 1930-er Jahren reisten Künstler nach Deutschland und Frankreich, besonders aber nach Italien, um sich voneinander und von alten italienischen Meistern wie Piero della Francesca und Giotto inspirieren zu lassen. Italien, oft als Wiege der europäischen Kunst angesehen, erwies sich als perfekter Nährboden für das Aufblühen eines magischen Realismus

Ohne von einer Bewegung oder Schule sprechen zu können, wirkt der italienische Realismus aus der Zwischenkriegszeit oft subtil anders als zum Beispiel die deutsche Neue Sachlichkeit. Während einige deutsche Künstler den Betrachter brutal mit einer rohen oder grauen Sicht auf ihre Motive konfrontieren, suchen viele italienische Neorealisten hinter dem Wahrnehmbaren nach einer „mystischen Wahrheit“.

Verzauberter Blick

In konzentrierten Stillleben, verlassenen Landschaften, Stadtansichten und (Gruppen-)Porträts führender Maler wie Felice Casorati, Cagnaccio di San Pietro, Antonio Donghi, Ubaldo Oppi und Gino Severini wird eine verborgene Schönheit zum Ausdruck gebracht. Sie machen das Alltägliche fast ikonisch. Manchmal mit einer überdeutlichen Darstellung zum Beispiel von Arbeitern oder würdevollen Würdenträgern. Oft mit scheinbar ruhigen oder zeitlich eingefrorenen Bildern, die Situationen, Menschen oder regungslose Dinge, an denen man schnell vorbeigehen kann, wie zum Beispiel Laborglas, zusätzliche Intensität verleihen.

Diese italienischen Künstler nehmen die Betrachter mit in ihrem Staunen über die rational wahrnehmbare Welt, über das Hier und Jetzt. Und gleichzeitig bieten sie dem Betrachter ein Geheimnis, das in mathematisch konstruierte Gemälde gehüllt ist. Der magische Realismus ist jedoch alles andere als eine exakte Methode mit künstlerischen Vorgaben. Es ist eher eine emotionale Vision mit einer breiten Bandbreite an Ausdrucksformen, die ihren Anfang in den 1920-er Jahren hatten. Die magischen Realisten jener Zeit teilten hauptsächlich einen „verzauberten Blick“, einen Blick auf die Grenze zwischen Traum und Realität.

Radikal und groß

Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten mehrere italienische Künstler an ihrer eigenen realistischen Bildsprache fest. In einer Zeit, in der abstrakte Kunst in ganz Europa zur Norm wird, , setzen sich diese Künstler dafür ein, die Traditionen der italienischen Malerei fortzuführen und zu erneuern. Gegen die Strömung treten einige einzigartige italienische Künstler hervor, wie Domenico Gnoli, der die figurative Malerei radikal auffrischt. Auch für ihn bilden Handwerk und Handwerk eine technische Grundlage, doch mit seinen Werken dehnt er das Stillleben-Genre bis an die Grenzen. Er sprengt buchstäblich die magische Essenz von ‚dem Ding‘ in die monumentale Darstellung nur eines Details des Wesens. Ein Damenschuh oder ein Teil eines Mantelreverses werden bei Gnoli zu neuen Ikonen in einer neuen Nachkriegswelt. Bildschirmfüller, groß und vergänglich.

Alle in der Ausstellung vertretenen Künstler

Pietro Annigoni, Baccio Maria Bacci, Rino Gaspare Battaini, Edita Broglio, Mario Broglio, Antonio Bueno, Xavier Bueno, Cagnaccio di San Pietro, Massimo Campigli, Felice Casorati, Ugo Celada da Virgilio, Giorgio de Chirico, Stanis Dessy, Antonio Donghi, Leonor Fini, Oscar Ghiglia, Domenico Gnoli, Renato Guttuso, Mario Lannes, Bice Lazzari, Carlo Levi, Nella Marchesini-Malvano, Daphne Maugham-Casorati, Ubaldo Oppi, Mario Reviglione, Carlo Sbisà, Gregorio Sciltian, Alfredo Serri, Gino Severini, Cesare Sofianopulo, Mario Tozzi und Giuseppe Zancolli.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

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