Auf den Spuren von Uta Danella und Hedwig Courths-Mahler

Zutiefst verunglücktes Roman-Debüt von Judith Hoersch

Mit „Niemands Töchter“ hat die 1981 in Köln geborene Judith Hoersch vor Kurzem ihr Debüt als Romanautorin gegeben. Hört oder liest man ihren Namen wird sie zumeist mit etwas anderem verbunden: mit ihren Auftritten als Schauspielerin in Serien und Spielfilmen.

So verkörpert sie seit acht Jahren die Titelrolle der Hebamme Lena Lorenz in der gleichnamigen Erfolgsreihe im ZDF und ist dadurch einem treuen wie breiten Publikum bekannt. Bereits mit 18 Jahren stand Hoersch erstmals vor der Kamera. Seither wirkte sie in zahlreichen TV- und Film-produktionen mit und etablierte sich sowohl im dramatischen als auch im komödiantischen Fach und ist unter anderem durch ihre Rollen in Fernsehfilmen und Reihen wie „Der Kriminalist“ (ZDF), „Im Spessart sind die Geister los“ (ARD), „Starfighter“ (RTL), „Taunuskrimi“ (ZDF), „Tatort Kiel“ (ARD) und „Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“ (ARD) bekannt.

Auf der Kinoleinwand war sie unter anderem in „Männer wie wir“, „Buddy“, „Die Klasse von ’99“ und „A Cure for Wellness“ zu sehen. Der Kinofilm „Schneeflöckchen“, in dem Hoersch die Titelfigur spielte und zudem den Titelsong beisteuerte, gewann zahlreiche internationale Preise.

Literatur hat aber schon länger ihr Leben begleitet. Von ihrem Vater, einem Journalisten, wurde sie schon früh in die Geheimnisse des Schreibens von Geschichten eingewiesen. Selbst schrieb sie Kurzgeschichten, Songtexte und Gedichte; und schon mit elf verfasste sie eine umfassende Liebesgeschichte. Ebenfalls durch das Elternhaus wurde bei Judith Hoersch die Leidenschaft für die Musik geweckt. Neben der Schauspielerei spielen sowohl die Literatur als auch die Musik bis heute eine große Rolle in ihrem Leben.

In ihrem beim Piper Verlag erschienen Debütroman, der auch als Hörbuch vorliegt, erzählt sie die Geschichte zweier Mädchen, die etwas verbindet. Alma wächst in den 1980er- Jahren in der Eifel auf, fühlt sich aber fremd in ihrer Familie. Denn über ihre Herkunft wird geschwiegen. Viele Jahre später fehlt auch Isabell ihre Mutter schmerzlich. Diese Leerstelle in ihrer Vergangenheit beeinflusst ihre Gegenwart, ihr Fühlen und Denken und ihr eigenes Familienleben.

In einer Kurzbeschreibung von Verlagsseite wird der Roman wie folgt weiter beschrieben: „Als sich Almas und Isabells Wege auf schicksalshafte Weise kreuzen, entfaltet sich zwischen Polaroids und verlorenen Träumen eine Geschichte, die die beiden Frauen über Generationen hinweg verbindet.
Ihr Leben lang waren Niemands Töchter auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, und gemeinsam finden sie ihn, wo sie ihn am wenigsten erwartet haben. Ein berührender Roman über das, was wir verlieren, das, was bleibt – und die Kraft, die man daraus schöpft, das eigene Glück zu suchen.

Judith Hoerschs Debut erforscht zeitlose Fragen, wie Identität, die Suche nach der eigenen Herkunft und den Einfluss von Familienwunden.“

So wie diese tränenreiche, kitschige und nach Uta Danella und Konsorten klingende Kurzbeschreibung nichts Gutes ahnen lässt, so ist leider auch der Roman. Gleich zu Anfang sind folgende Zeilen zu lesen, die einem Leser oder einer Leserin, die sich auf einen anspruchsvollen Roman mit interessanten und vom Verlag versprochenen Themen wie Identität, Herkunft und beschädigten Familienbiografien freuen, die Haare zu Berge stehen: „Mutter und Tochter verließen Arm in Arm den Bahnsteig. Alma sah ihnen hinterher und blieb allein zurück. Eine Sehnsucht füllte ihr Herz. Ein Gefühl, so alt und wund. Für sie würde es ein solches Wiedersehen, eine solche Nähe und Liebe nie wieder geben. Alma ließ sich auf die Bank fallen und vergrub den Kopf zwischen den Händen. Ein tiefer Schluchzer löste sich in ihr. Sie weinte um Oma Hedwig und Opa Jupp. Um Gabriele und auch um sich. Und für einen kaum wahrnehmbaren Moment roch sie Veilchenpastillen und spürte die warmen Hände ihre Mutter in ihrem Haar.“

Es ist verwunderlich, wie eine 1981 geborene Autorin so schreibt, als wäre sie nicht nur eine Epigonin Uta Danellas, sondern als wollte sie auch noch auf den Spuren Hedwig Courths-Mahlers wandeln. Bei allem Verständnis für ein vermeintlich einfühlsames Schreiben, mit dem sich die Autorin der von Trauer besetzten Stimmung ihrer Protagonistin annimmt oder anzunehmen scheint, bleibt hier nur festzuhalten, dass die von ihr gewählte Sprache zutiefst rückständig, oberflächlich und vor Kitsch triefend ist – und ohne jegliche literarische Qualität.

Hinterlasse einen Kommentar