Ausstellungs-Tipps und Neuigkeiten aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

Zwischen Alt und Gegenwart“ in der Stevenskerk Nijmegen (von Ulrike Neyens, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

Mit der Ausstellung „Far and near“, die noch bis zum 6. April in der Stevenskerk in Nijmegen zu sehen ist, wird das Van-Lymborch-Jahr über die drei mittelalterlichen Künstlerbrüder ein zeitgenössisches Finale haben. Kirchengesang erfüllt das Kirchengebäude, während sanftes Sonnenlicht durch die großen Fenster fällt und zeitgenössischer Kunst ein fast spirituelles Erlebnis verleiht.

Die farbenfrohen Illuminationen aus dem Stundenbuch der „Brüder, Très Riches Heures du duc de Berry“(zirka 1410) werden neben zeitgenössischer Kunst gezeigt. So platziert die Ausstellung beispielsweise das charakteristische Lapislazuli-Blau der Brüder Van Lymborch mit dem tiefen Blau im Relief „Perception“(2024) von Levi van Veluw (1985). Diese Farbe verleiht diesem zeitgenössischen Werk zudem eine religiöse Bedeutung. Iris van Herpen (1984) hingegen verwendet dunkelblaue Details in ihrem futuristischen Kleidungsstück „Architectonics look 4“ (2023) und ist von naturbetontem Stadtdesign inspiriert.

Der Abschnitt über Kolonialismus behandelt ebenfalls wichtige soziale Themen. Der Vergleich zwischen der umfassenden Darstellung der schwarzen „Königin von Seba“ aus dem Stundenbuch und demDämmerungsporträt 2“(2009) von Erwin Olaf (*1959 – +2023) legt hartnäckige Vorurteile offen.Die Dialoge schaffen eine wertvolle Nuance: Was alt ist, wird neu und das, was zeitgemäß ist, wirkt zeitlos.

Nähere Informationen: St. Stevenskerkhof 62, 6511 VZ Nijmegen, Telefon 024 – 3604710, E-Mail: info@stevenskerk.nl

Restauriertes Werk von Van Gogh wurde nach drei Jahren in Rotterdam erneut ausgestellt

Nach einer intensiven dreijährigen materialtechnischen Forschung ist Vincent van Goghs „Die Pappelallee in Nuenen (1885) erneut im Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam ausgestellt. Das Gemälde scheint in drei Phasen entstanden zu sein und stellt einen Wendepunkt in Van Goghs Werk dar.

Mikroskopische Untersuchungen sowie UV- und Röntgenscans zeigen, dass das Gemälde aus drei Phasen besteht. 1884 malte Van Gogh die erste Landschaftsszene von Nuenen. 1885 übermalte er es dann mit der heutigen Szene. Anschließend brachte er das dunkle Gemälde – offenbar eher nachlässig – nach Antwerpen und Paris. Van Gogh erhielt damals wenig Anerkennung, und seine Gemälde waren noch nicht viel wert. Schließlich, inspiriert vom französischen Impressionismus, fügte er 1886 in der französischen Hauptstadt einige Farbakzente hinzu, wie die leuchtend blauen Streifen am Himmel und die gelben Lichtakzente in den Bäumen.

Die Restaurierung fand im Restaurierungsstudio des Depots statt. Für die Restauratorin Erika Smeenk-Metz war es keine leichte Aufgabe: Das Gemälde hatte durch Transporte und frühere Restaurierungen viel durchgehalten. Die Farbe blätterte ab und die alte Lackschicht war vergilbt und rissig. Die größte Herausforderung bestand darin, die Lackschicht wiederherzustellen, ohne die zwischenliegende Proteinschicht zwischen der ersten und zweiten Farbschicht zu beeinträchtigen.

Wendepunkt

Bei dieser Forschung war es das erste Mal, dass Van Goghs spätere Ergänzungen kartiert wurden. Das Gemälde ist daher ein Übergangswerk zwischen seinen dunklen, typisch niederländischen Darstellungen und seinen späteren impressionistischen Arbeiten. Die Präsentation „Forschung an den Schienen – Van-Goghs Pappelallee“ führt die Besucherinnen und Besucher durch den gesamten Restaurierungsprozess und ist gegenüber dem Restaurierungsstudio im Depot zu sehen.

Nähere Informationen: Postadresse Museum Boijmans Van Beuningen, Postfach 2277, NL-3000 CG Rotterdam, Niederlande, Besuchsadresse Depot Boijmans Van Beuningen, Museumpark 24, 3015 CX Rotterdam, Telefon: +31(0)10-4419400, E-Mail: info@boijmans.nl

Das Nederlands Fotomuseum im monumentalen Lagerhaus Santos wiedereröffnet

Das Nederlands Fotomuseum hat sein neues Zuhause, das monumentale Santos-Lagerhaus in Rotterdam, eröffnet. Das Museum verwaltet eine der größten Museumsfotosammlungen der Welt. Darüber hinaus gibt es Temporär- und Dauerausstellungen.

Mit einer umfassenden Renovierung wurde das ehemalige Kaffeelager, ein Nationaldenkmal aus dem Jahr 1902, geeignet für die nationale Sammlung gemacht, mit mehr als 6,5 Millionen fotografischen Objekten und persönlichen Archiven von 175 niederländischen Fotografen. In einer der Vitrinen steht auch eine altmodische Keksdose mit Dellen und einer leicht verblassten Farbe. Der Fotograf Johan van der Keuken (1938–2001) bewahrte seine Negativtaschen mit kritzeligen Inschriften auf. Mit anderen Worten: Dieses Museum nimmt seine Aufgabe als nationaler Schatz der Fotografie sehr ernst.

Hall of Fame

Ein Museumsbesuch beginnt im ersten Stock mit der „Galerie der Ehre der niederländischen Fotografie“, die bereits am alten Standort am Kop van Zuid in Rotterdam ausgestellt war. In 99 Fotografien zeigt diese Dauerausstellung die wichtigsten Entwicklungen der Fotografie, von der Erfindung des Mediums um 1839 bis zum heutigen digitalen Zeitalter. Besondere Aufmerksamkeit gilt großen Namen wie Anton Corbijn, Ed van der Elsken, Rineke Dijkstra und Erwin Olaf.

Darauf folgen zwei Stockwerke mit Depoträumen und Restaurierungsstudios. Besucher können durch Glaswände das Museumspersonal betrachten, das die Sammlungsstücke dokumentiert, restauriert und digitalisiert. Kameras, Spezialnegative, Keksdosen und andere Artefakte werden in Vitrinen ausgestellt. Das Gebäude beherbergt außerdem eine Bibliothek mit Europas größter Sammlung von Fotobüchern im Erdgeschoss und Unterrichtsräumen im Keller. Schulen können hier das ganze Jahr über Workshops und Führungen buchen.

Zwei Etagen sind für die temporären Ausstellungen reserviert. Nun ist die multidisziplinäre Präsentation „Awakening in blue“ zu sehen, mit der das Museum zeigt, dass es die Grenzen der Fotografie erweitern will; Ausgestellt sind zeitgenössische Vasen, historische Naturfotografien und Leinwände, auf denen Fotografien mit Cyanotypie, der Baupläne des 19. Jahrhunderts, gedruckt sind.

Eine Stufe nach oben: „Rotterdam im Fokus“ bietet ein durchdringendes Bild einer sich ständig verändernden Stadt mit mehr als dreihundert historischen Fotos. Dies mag NederlandsFotomuseum heißen, aber dieses Gebäude im Hafenbereich ist auch ein Geschenk an die Stadt, so scheint die Botschaft. In diesem narrativen Bruch scheint das Museum vergessen zu haben, die Dauerausstellung interaktiv zugänglich zu machen. Wie schön wäre es gewesen, wenn Besucher nach Region, Geburtsjahr oder einem anderen Thema ihrer Wahl stöbern könnten. Fotografie ist einfach ein Medium, das sich nah anfühlt. Schließlich wurden wir mit dem Smartphone in der Tasche alle Fotografen.

Renovierung durch großzügige Spende gefördert

Die Renovierung des Santos-Lagers wurde durch eine Spende von 38 Millionen Euro von Droom en Daad ermöglicht, die als Eigentümer das Gebäude dem Museum auf der Basis eines unbefristeten Pachtvertrag zur Verfügung stellt. Diese philanthropische Institution aus Rotterdam finanzierte auch das Migrationsmuseum Fenix, das etwas weiter entfernt liegt.

Bemerkenswert ist, dass viele Elemente der historischen Architektur während der Renovierung von Santos sichtbar blieben. Der Beton ist ausgefranst und die Eisensäulen mit den charakteristischen Nieten haben nur einen kleinen Anstrich bekommen. Ein Quadrat wurde aus allen Stockwerken im Herzen des Gebäudes sorgfältig gesägt. Die stumpfen Strahlen sind weiterhin vollständig sichtbar. Indem in der Mitte eine tiefe Leere entsteht, breitet sich gedämpftes Tageslicht durch ein riesiges Oberlicht aus. Es ist, als ob die robuste Architektur einen physischen Gegenpol zum flüchtigen Medium der Fotografie bietet, das zunehmend digital wird.

Ein zeitgenössischer Akzent ist die Krönung des perforierten Aluminiumlagerhauses; nicht so sensationell wie die wirbelnde Säule des Nachbarn Fenix, aber dennoch ein glitzernder Blickfang. Verborgen unter dieser Fassade befindet sich ein Restaurant mit einem überraschenden Panorama der Skyline von Rotterdam.

Thema Luftfeuchtigkeit

Ein Meisterwerk war es, in diesem 124 Jahre alten Backsteinlagerhaus die höchsten Museumsstandards für Klima- und Lichtkontrolle zu erreichen. Einige Depoträume werden auf vier Grad Celsius abgekühlt; Die Luftfeuchtigkeit wird zudem auf den nächstgelegenen Prozentpunkt geregelt, um empfindliches fotografisches Material langfristig zu erhalten. Besucher bemerken all das nicht: Die Technologie ist genial in Böden und hinter Wänden versteckt.

Mit dem neuen Gebäude beendet das Nederlands Fotomuseum eine Zeit, in der es hauptsächlich negativ in den Nachrichten war. Die ehemalige Direktorin Birgit Donker wurde im Juli letzten Jahres nach einer internen Untersuchung vom Aufsichtsrat entlassen. Laut dem Rat hätte sie Informationen zurückgehalten oder falsch präsentiert, was zu einem Vertrauensbruch führte. Donker bestreitet die Vorwürfe. Im Mai wird die Klage eingereicht, in der sie ihre Entlassung anfechtet.

Neue Leitung

Das Blatt scheint sich nun gewendet zu haben. Kurz vor der Wiedereröffnung wurde der neue Direktor vorgestellt: Zippora Elders Tahalele. Der 39-jährige Elders war zuvor leitender Kurator am Van Abbemuseum in Eindhoven und leitete die Kuratorenabteilung am Gropius Bau in Berlin. Mit ihrer Ernennung scheint das 2003 gegründete Museum administrativ ruhiger geworden zu sein. Aber besonders mit diesem atmosphärischen Lagerhaus für Fotografie kann der Blick wieder in die Zukunft gerichtet werden. Der Fotoschatz ist wieder offen – prunkvoller, vollständiger, moderner und stilvoller als je zuvor.

Nähere Informationen: Nederlands Fotomuseum, Brede Hilledijk 95, 3072 KD Rotterdam, Niederlande, Telefon +31 (0)10 2030405, E-Mail: info@nederlandsfotomuseum.nl

Marta & Slava – Verborgene Botschaften“ im Landgut Kasteel Wijlre

Im Rahmen ihrer Ausstellung Hidden Messages – noch bis 1. März zu sehen – haben Marta & Slava (Marta Volkova & Slava Shevelenko) die subtile, oft unsichtbare Interaktion zwischen Mensch und Natur erforscht. Besonders für das Landgut Kasteel Wijlre schaffen sie neue Werke – von Vasen und Zeichnungen bis hin zu Skulpturen und maßstabsgetreuen Modellen – inspiriert von der verborgenen Sprache von Pflanzen und Blumen.

Das Künstlerduo, das in Maastricht lebt, verbindet mythische und wissenschaftliche Themen mit philosophischer und politischer Reflexion, manchmal spielerisch und ironisch im Ton. In dieser Ausstellung lassen sie sich von aktuellen Erkenntnissen der Pflanzenbiologie leiten: Blumen enthalten UV-Muster, die bestäubende Insekten zeigen. Was können wir aus dieser natürlichen Kommunikation lernen?

In einer Zeit ökologischer, geopolitischer und kultureller Krisen und Bedrohungen bietet „Hidden Messages“ einen poetischen Blick darauf, wie Natur und Kultur sich gegenseitig verstärken können. Die Ausstellung ist Teil des jährlichen Programms, in dem das Landgut die Beziehung zwischen Menschen und der metaphysischen Welt erforscht.

Nähere Informationen: Kasteel Wijlre, Kerkpad 1, 6321 PX Wiljre, Niederlande, Telefon: +31 434502616, E-Mail: info@kasteelwiljre.nl

Poldering – Forme das Land nach deinem Willen

Seit Jahrhunderten leben Menschen in einem Gebiet, in dem man eigentlich nicht leben kann: dem Polder. Eine Landschaft, die einst Sumpf war und später ständig von der wilden Zuiderzee bedroht wurde. Doch die Bewohner blieben und lebten auf Land, das knapp an Wasser liegt.Die Ausstellung „Polderen. Das Land zu deinem eigenen zu machen“, die noch bis zum 3. Mai im Zaans Museum in Zaandam zu sehen ist, führt die Besucherinnen und Besucher durch 1000 Jahre Kampf gegen das Wasser. „Entdecken Sie die Geschichten der Pioniere, klugen Köpfe und Macher, die es möglich gemacht haben, im Zaan-Polder zu leben. Von Landwirten über Künstler und von Naturschützern bis hin zu Deichgräbern. Stellen Sie sich der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des (Zaanse) Polders gegenüber, einer Landschaft, in der Mensch und Natur sich immer wieder wiederfinden müssen“, schreibt das Museum in einer Pressemitteilung.

Aktivitätsprogramm

In der Ausstellung gibt es interaktive Aktivitätsbereiche, in denen Jung und Alt puzzeln, messen, gestalten und gemeinsam entdecken können, wie vielseitig der Polder ist. Das Programm wird durch Führungen, Vorträge und Aktivitäten in der Landschaft ergänzt.

Nähere Informationen: Zaans Museum, Schansend 7, Zaandam, Telefon: +31 756810000, E-Mail: info@zaansmuseum.nl, Internet: www.zaansmuseum.nl

Topophilie – Landschaften der Zugehörigkeit

In der noch bis zum 5. April im Castellum Hoge Woerd zu sehenden Ausstellung untersucht Cath Duncan, wie unsere Liebe zu einem Ort unsere Erinnerungen, Identitäten und unser Zugehörigkeitsgefühl prägt. Der Begriff „Topophilie“ beschreibt die emotionale Bindung zwischen Menschen und den Landschaften, in denen sie leben. Der Begriff wurde erstmals vom Dichter W. H. Auden (1947) verwendet und später vom Geographen Yi-Fu Tuan (1974) populär gemacht.

Wie der kreative Prozess des Künstlers bietet auch die Ausstellung einen Dialog zwischen Poesie und bildender Kunst. Gedichte und Titel werden auf Englisch präsentiert, um ihre ursprüngliche Stimme zu ehren. Eine auffällige Farbe in der Sammlung ist Terrakotta, die sich auf Erde, Vorfahren und Erde bezieht: die Orte und Geschichten, die uns tragen. Blautöne rufen Luft und Wasser hervor, die Luft, die wir alle atmen, und ein Gefühl von Weite. Gemeinsam drücken sie die Spannung und Harmonie zwischen Verwurzelung und Offenheit aus.

Während die Besucherinnen und Besucher sich durch die Ausstellung bewegen, werden sie eingeladen, darüber nachzudenken, wie die Natur uns lehrt, in Vielfalt zu gedeihen, und wie wir Grenzen überwinden und heilen können.

Über die Schöpferin:

Cath Duncan hat in Südafrika, den Niederlanden und Großbritannien ausgestellt, und ihre Werke befinden sich in Privatsammlungen auf der ganzen Welt. Aus ihrem Atelier in Utrecht schöpft sie aus ihrem Hintergrund in Trauerbegleitung sowie auf persönliche Erfahrungen mit Migration, Behinderung, transrassischer Adoption und Organtransplantation. Sie beschreibt ihre Kunst als „eine Erkundung davon, wie wir inmitten von Traurigkeit und Angst mit Spaß, Spiel und Hoffnung verbunden bleiben.“

Nähere Informationen: Castellum Hoge Woerd, Hoge Woerdplein, Utrecht, Telefon +31 302860084, E-Mail: info@castellumhogewoerd.nl, Internet: http://www.castellumhogewoerd.nl

(Alle Beiträge aus der Museumstijdschrift)

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