Shin Hanga: die Wiedergeburt der japanischen Druckgrafik
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schien der Vorhang auf die traditionelle japanische Druckgrafik (ukiyo-e) gefallen zu sein. Fotografie und Lithografie gewannen an Bedeutung, und die klassischen Techniken drohten zu vergessen. Dank der Bemühungen des Verlegers Watanabe Shōzaburō wurde die Druckgrafik jedoch in einer neuen, zeitgenössischen Form wiederbelebt: Shin Hanga – wörtlich ’neue Drucke‘. In dieser Bewegung arbeiteten Künstler, Blockschneider, Drucker und Verlage intensiv zusammen, um Drucke auf hohem Niveau zu schaffen, in denen Tradition und Moderne zusammenkamen.
Meister der Landschaft
Kawase Hasui (*1883 – + 1957) begann seine künstlerische Laufbahn spät. Erst im Alter von 35 Jahren erschienen seine ersten Drucke. Seine Landschaftsdrucke sind das Ergebnis umfangreicher Skizzenreisen durch Japan. Während seine Vorgänger berühmte Orte festhielten, entschied sich Hasui oft für intime, friedliche Szenen. Damit brachte er unbekannte Orte – seiner Meinung nach das echte Japan – ans Licht. Dies erwies sich als Erfolg; seine Drucke wurden sowohl in Japan als auch in Amerika begeistert gesammelt.
Verlorene Kunst
Hasui arbeitete in einer Zeit voller Aufruhr und Veränderungen. Das hatte sicherlich Einfluss auf seine Karriere. Als Tokio am 1. September 1923 von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, wurden die Räumlichkeiten des Verlags Watanabe zerstört, einschließlich aller bis dahin von Hasui produzierten Druckblöcke und Lagerbestände. Hasuis Skizzenbücher gingen ebenfalls verloren. Abdrücke aus der Zeit vor dem Erdbeben sind daher äußerst selten. In der Ausstellung Kawase Hasui. Die Vorstellungskraft Japans -Shin Hanga: die Wiedergeburt der japanischen Druckgrafik, die noch bis zum 15. März im Japan Museum Siebold Huis in Leiden zu sehen ist, erhält das Publikum die einzigartige Gelegenheit, mehr als dreißig Drucke aus Hasuis früher Zeit zu bewundern.
Neustart in Trümmern
Sowohl Hasui als auch Watanabe überlebten die Bombardierung Tokios während des Zweiten Weltkriegs. Diesmal blieben die Vorräte verschont. In den Ruinen einer zerstörten Stadt nahmen sie bald ihre Arbeit wieder auf. Trotz der vorherigen Kriegsjahre blieb die amerikanische Nachfrage nach japanischen Drucken hoch. Dies war den amerikanischen Soldaten der Besatzungsarmee in Japan zu verdanken. Watanabe reagierte geschickt darauf, und bald wurden Werke in großer Zahl exportiert.
Druckgrafik und Illustrationen
Die Ausstellung zeigt nicht nur Hasuis Drucke, sondern hebt auch seine weniger bekannte Seite hervor: Illustrationen für Speisekarten, Zeitschriften, Poster und Postkarten. Diese Werke werfen neues Licht auf Hasuis Vielseitigkeit und zeigen, wie sich sein Stil im Laufe der Jahre entwickelte. Die in dieser Ausstellung gezeigten Drucke stammen von privaten und institutionellen Kreditgebern aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland.
Bildmacher Japans
Hasui gilt im Westen als wichtiger Bildner Japans, mit einem beeindruckenden Werk von mehr als 600 Drucken, die bis heute weltweit bewundert werden. Das Japan Museum Siebold Huis feiert eine Premiere mit der ersten Hasui-Ausstellung in Europa.
Katalog und Aktivitäten
Diese Ausstellung wird von einer umfangreichen Veröffentlichung des Verlags Ludion begleitet, die mehr als 250 Illustrationen und kurze Essays zu verschiedenen Aspekten von Hasuis Leben und Werk enthält.
Es gibt ein vielseitiges Aktivitätsprogramm für Jung und Alt, das eine weitere Vertiefung des ‚Kawase Hasui‘ bietet. Die Vorstellungskraft Japans‘. Für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren gibt es eine kostenlose Schnitzeljagd.
Nähere Informationen: Japan Museum SieboldHuis, Besuchsadresse: Rapenburg 19, 2311 GE Leiden, Telefon: 071-5125539, E-Mail: info@sieboldhuis.org. Eröffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr. Die Öffnungszeiten können bei privaten Veranstaltungen variieren.