Wissenswertes über die Kunsthal Rotterdam

Die Kunsthal in Rotterdam ist eine der Ikonen der modernen Architektur und wird jedes Jahr von zahlreichen Architekturliebhabern aus aller Welt besucht.


Der weltberühmte Architekt Rem Koolhaas entwarf die Kunsthal von 1988 bis 1989 gemeinsam mit dem Projektarchitekten Fuminori Hoshino vom Rotterdamer Architekturbüro OMA (Office for Metropolitan Architecture). Das Werk erregte sofort breite internationale Aufmerksamkeit wegen Merkmalen wie dem innovativen Materialeinsatz, der Lage des Eingangs und der steilen Rampen. Das Kunsthal wurde am 1. November 1992 offiziell eröffnet. Das wuchtige Gebäude beherbergt sieben Ausstellungsräume, ein charakteristisches Auditorium und ein Café mit besonderer Atmosphäre.

Zur Geschichte

Das Blockbuster-Phänomen tauchte in den 1980-er Jahren auf: große Ausstellungen, um Menschenmengen und ein neues Publikum anzuziehen. Bestehende Museen waren weniger auf die zunehmende Menschenmassen vorbereitet und mussten über ihre Dauerausstellung nachdenken. Joop Linthorst, der damals Stadtrat für Finanzen und Kunst in Rotterdam war, hatte die Idee, einen Ausstellungsraum speziell für diese temporären Blockbuster-Ausstellungen zu entwickeln.

Der Architekt Rem Koolhaas wurde beauftragt, einen Entwurf für den heutigen Standort am Westzeedijk zu entwerfen. Sein erster Entwurf, Kunsthal Hoboken Entwurf (27. April 1988), zeigte ein Kunsthal, das größtenteils über dem Boden schwebte und auf sechs breiten Säulen ruhte, mit einem Eingang am Westzeedijk. Sein ehrgeiziger Plan basierte auf einem Museum ohne Wände, einem einzigen, weitläufigen Raum mit völliger Flexibilität, inspiriert vom modernistischen Ideal von Ludwig Mies van der Rohe.

Kunsthal II

Wim van Krimpen wurde als Architekt und erster Direktor der Kunsthal eingeladen. Als er seine Stelle antrat, lehnte er Koolhaas‘ ersten Entwurf aus verschiedenen Gründen ab. Zum Beispiel wollte er mehr Quadratmeter Ausstellungsfläche und mehr Wände, um Kunstwerke aufzuhängen. Koolhaas begann mit dem Entwurf der Kunsthal II auf der Grundlage eines neuen Anforderungsprogramms. Dank des großen Engagements aller Beteiligten wurde das Kunsthal schließlich 1991 mit einem Eingang auf halber Höhe der Rampe fertiggestellt.

Als die Kunsthal 1992 eröffnet wurde, war die Ära der Blockbuster bereits vorbei, ebenso wie die der großen Subventionen. Das Kunsthal organisierte eigene Ausstellungen und legte die Grundlage für seine Mission: Kunst einem breiten Publikum zu präsentieren.

Wim van Krimpen war von 1992 bis 2002 Direktor des Kunsthal. Ihm folgte Wim Pijbes, der bereits von 2000 bis 2008 als Kurator für die Kunsthal gearbeitet hatte. Gefolgt von Emily Ansenk von 2008 bis 2019. Nathanja van Dijk ist seit September 2019 Direktorin. Seit dem 14. Februar 2022 ist Marianne Splint Direktorin der Kunsthal Rotterdam.

Lage

Das Kunsthal liegt am Rand des attraktiven Museumsparks und des Westzeedijks. Die Rampe, die direkt durch das Gebäude führt, überbrückt den Höhenunterschied von sechs Metern und verbindet den Museumspark mit dem Westzeedijk, dem Hoboken-Gebiet und dem Park. Neben seiner Funktion als Ausstellungsort ist die Kunsthal als Eingang und Tor zum Museumspark auch ein Verkehrsknotenpunkt und Treffpunkt für verschiedene öffentliche Verkehrsströme. Der ‚Showcase‘, der die Rampe flankiert, kann von Passanten außerhalb des Gebäudes als Ausstellungsraum betrachtet werden und ist tagsüber Teil der öffentlichen Straße.

Museumspark

Der Museumspark befindet sich auf dem ehemaligen Anwesen der Familie Hoboken, die in der Villa lebte, in der sich heute das Naturhistorische Museum Rotterdam befindet. Der charakteristische Park ist in bescheidenem Maßstab (100 x 400 Meter) und verbindet alle Gebäude rund um den Museumspark miteinander.

Der Teil des Museumsparks zwischen dem Erasmus University Medical Centre und dem Rosengarten wurde von Rem Koolhaas/OMA in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Landschaftsarchitekten Yves Brunier (*1962 – +1991) und der Designerin Petra Blaisse entworfen. Der Park hat ein sehr innovatives Design: vier Kammern, jede mit eigenem Layout, Nutzung und Stimmung. Der Platz vor dem Kunsthal blickt auf eine romantische Naturzone mit Bäumen, Wasser, gewundenen Wegen und einer Brücke mit funkelnden Steinen. Die Brücke selbst bietet einen wunderbaren Blick auf die Kunsthal. Im Park befinden sich verschiedene Kunstwerke, sodass der Museumspark auch als Freilichtmuseum dient.

Innovative Materialverwendung

Koolhaas verwendete für das Kunsthal nicht nur teure, klassische Materialien wie Marmor und Parkett, sondern auch billige, „übliche“ Materialien wie Wellblech, blanken Beton, verzinkte Stahlroste und grobe Baumstämme. Jeder Ausstellungsraum hat seinen eigenen Charakter und seine eigene Atmosphäre, Materialverwendung und Format. Tageslicht wird durch verschiedene Schichten gefiltert; der Wechsel von Fenster- und Mattglas bietet überraschende Ausblicke und macht die Kunsthal sehr geeignet für alle Arten von Ausstellungen.

Architektur mit vielen Gesichtern

Das Kunsthal-Gebäude hat viele Gesichter. Insgesamt wirkt es einfach: eine große, flache, quadratische Box mit einem schmalen, hohen Turm als vertikalem Akzent. Dieser Dachturm trägt das charakteristische schwarz-weiße Logo der Kunsthal und bietet zudem Kühlung und Belüftung. Da jede Fassade anders ist und es keine klare Vorder- oder Rückseite gibt, wirkt die Kunsthal manchmal transparent und offen, zu anderen Zeiten introvertiert und geschlossen. Sein Erscheinungsbild ist auf der einen Seite ruhig und klar, während es auf der anderen Seite fragmentiert ist wie eine Collage separater Elemente.

Die verschiedenen Teile des Gebäudes scheinen leicht übereinander gestapelt zu sein, und mehrere Rampen durchqueren die Struktur, sodass eine spiralförmige Route durch das Gebäude entsteht. Die durchgehende Rampe schlängelt sich nach oben und verbindet die verschiedenen Ausstellungsräume.

Charakteristik

Das Gebäude von Koolhaas ist funktional, aber gleichzeitig ein zeitgenössisches Kunstwerk voller Themen, Anspielungen und Spezialeffekte. Daher ist die Bodenplatte unter dem Hauptausstellungsraum auf dem Deich etwas höher als auf Straßenniveau, sodass dieser Teil des Gebäudes zu schweben scheint. Auf dem Dach befindet sich ein leuchtend orangefarbener Stahlträger, der für anderthalb Meter über den Rand des Deckes ragt – als hätte ihn jemand versehentlich dort liegen lassen.

Renovierte Kunsthal

Nach einer intensiven Siebenmonatigen Renovierung wurde die Kunsthal am 1. Februar 2014 wiedereröffnet. Das Ergebnis der von OMA überwachten Renovierung ist ein nachhaltiges Gebäude, das leichter zugänglich und betreibend ist. Der Haupteingang wurde in den Museumspark verlegt. Der einladende Eingangsbereich umfasst das Kunsthalcafé, den Laden und den Schalter für die Eintrittskarten. Das prächtige Auditorium mit mehr als 300 Sitzplätzen wird von der Kunsthal zur Programmgestaltung genutzt, kann aber nun auch separat als Veranstaltungsort gemietet werden. Die Themen der Aktivitäten variieren je nach Ausstellung. Der ehemalige Laden beherbergt nun einen dauerhaften Bildungsbereich, das KunsthalLAB, in dem Schulklassen, Familien und Kinder täglich praktische Aktivitäten ausüben können.

Nähere Informationen: Kunsthal Rotterdam, Museumpark, Westzeedijk 341, 3015 AA Rotterdam, Niederlande, Telefon +31 (0)10 – 4400301, E-Mail: communicatie@kunsthal.nl

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