Vom 21. Januar bis 10. Mai 2026 präsentiert das Museum Singer Laren „Die Welten des Jan Toorop“. Mit mehr als 80 Meisterwerken – Gemälden, Papierarbeiten, Skulpturen und Briefen – und überraschenden Kombinationen mit Werken von Zeitgenossen und Nachfolgern bietet die Ausstellung eine neue Perspektive auf einen der wichtigsten und vielseitigsten Künstler der Niederlande um 1900: Jan Toorop (*1858 +1928). Mit „Die Welten des Jan Toorop“ wird zum ersten Mal gezeigt, wie Toorop während seiner gesamten Karriere explizit und dauerhaft mit seinen javanischen und chinesischen Wurzeln in Verbindung steht.
Ein Weltbürger zwischen verschiedenen Kulturen
Toorop vereint verschiedene kulturelle, soziale und geografische Welten. Geboren auf der indonesischen Insel Java in der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Ostindien, wächst er zu einem grenzenlosen Weltbürger heran, der es schafft, in jeder neuen Umgebung ein Netzwerk von Gleichgesinnten um sich zu sammeln. Seine Kindheit auf Java und Bangka bildet einen wichtigen Nährboden für seine Vorstellungskraft und öffnet ihn schon früh für verschiedene kulturelle Einflüsse. Die Begegnungen mit chinesischen Wanderarbeitern auf Bangka hinterlassen ebenfalls bleibende Spuren in seinem Denken und seiner visuellen Sprache. Er selbst fasst das treffend zusammen: „Die Indies haben mir viel bedeutet. Die Indies kann man von mir nicht ignorieren. Die Grundlage meiner Arbeit ist orientalisch.“
Avantgardist und Innovator
Um 1900 galt Toorop als der avantgardistischste Künstler der Niederlande. Er nahm neue Strömungen der europäischen Kunst auf, wie Pointillismus und Jugendstil, und gab ihnen eine ganz eigene Form. Sein Werk wird in Laren, aber auch in Paris, Wien und Kopenhagen bewundert. Toorop bringt Innovation in die traditionell konservative niederländische Kunstwelt, nicht nur durch seine von internationalen Einflüssen geprägte Arbeit, sondern auch durch die Organisation von Ausstellungen mit Künstlern aus Europa. Kein Wunder, dass er oft im selben Atemzug wie Piet Mondrian und Vincent van Gogh erwähnt wird.
Ein Künstler zwischen zwei Welten
Neben seiner Rolle als europäischer Künstler von Rang wird Toorop auch von seinen ostindischen Wurzeln geprägt. Sein indoeuropäischer Hintergrund und sein Erscheinungsbild sind für Zeitgenossen unverkennbar. Mit wachsendem Erfolg ist die Bewertung seiner Person in der Kunstkritik oft sowohl mit Faszination als auch mit Rassismus verbunden. Im Laufe der Zeit sind Toorops Ursprünge in den Hintergrund getreten: Er wird auf einen ‚weißen‘ niederländischen Künstler reduziert, während gerade seine javanesischen und chinesischen Wurzeln (mütterlicherseits) der Schlüssel zum Verständnis seiner Arbeit sind.
Eine neue Perspektive
Die Ausstellung „Die Welten des Jan Toorop“ gibt Toorop seine wahre Identität zurück. Die Ausstellung zeigt seine Arbeiten neben denen von Künstlern, die ihn inspirieren, wie James McNeill Whistler und Paul Gauguin, sowie Kunstwerke junger Menschen, die wiederum von Toorop inspiriert sind. Dies zeigt, dass Toorop kein schwer fassbares Chamäleon ist, sondern ein Künstler, der eine einzigartige visuelle Sprache entwickelt hat, in der europäische moderne Kunst und javanesische (visuelle) Kultur zusammenkommen.
Die Kreuzwegstationen des heiligen Bernulf
Einzigartig in „Die Welten des Jan Toorop“ ist die Darstellung aller vierzehn Kreuzwegstationen, ausgeliehen von der Kirche St. Bernulphus in Oosterbeek. Toorop fertigte diese Kreidezeichnungen (auf Tafel) in den Jahren 1916 bis 1919 an, in denen seine verfeinerte Detailbehandlung und ausdrucksstarken Linien deutlich sichtbar sind. Sie sind daher ein Höhepunkt seines katholisch geprägten Werks. Zusammen bilden die 14 Stationen eine Andachtsreihe, die Schritt für Schritt die letzte Phase von Christi Leben reflektieren soll. Die Kreuzwegstationen von Toorop wurden erhalten, weil die Werke 1944 während der Schlacht von Arnheim sicher in einem Gewölbe gelagert waren. Zum ersten Mal wird diese komplette Serie außerhalb der Kirche gezeigt.
Die Ausstellung wurde von der Kuratorin des Museums Singer Laren, Suzanne Veldink, zusammengestellt, die zuvor für die erfolgreiche Breitner-Ausstellung zständig war, und wurde in Zusammenarbeit mit dem Museum Sophiahof geschaffen. Die Ausstellung wird von einem reich illustrierten Katalog begleitet, herausgegeben von WBOOKS Publishers (ISBN 9789462587434, 32,50 Euro).
Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, 1251 BS Laren, Telefon: (035) 5393939, E-Mail: museum@singerlaren.nl