Seit September 2020 dauerhaft im Museum Barberini
Das Museum Barberini in Potsdam zeigt seit September 2020 dauerhaft die umfang reiche Sammlung impressionistischer und postimpressionistischer Gemälde des Museumsgründers Hasso Plattner: Mit 113 Meisterwerken von 23 Künstlerinnen und Künstlern wie Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Berthe Morisot, Alfred Sisley, Camille Pissarro, Henri-Edmond Cross und Paul Signac stellt die Sammlung die französische Landschaftsmalerei einzigartig schlüssig und umfangreich dar. Mit 39 Gemälden Monets beherbergt das Museum den größten Werkkomplex dieses Malers in Europa außerhalb Frankreichs sowie einzigartige Bestände an Gemälden von Caillebotte, Pissarro, Signac, Sisley und Maurice de Vlaminck.
Potsdam ist damit eines der weltweit wichtigsten Zentren impressionistischer Landschaftsmalerei. In den 1860er Jahren fanden sich in Paris junge Maler zusammen: Claude Monet, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley. Sie befreiten sich von den traditionellen Bildthemen ihrer Zeit und revolutionierten die Kunst mit lichtdurchfluteten Landschaften. 1874 wurden sie als „Impressionisten“ bekannt, die mit Vorliebe in freier Natur malten und flüchtige Sinneseindrücke unmittelbar auf die Leinwand bannten. Später schlossen sich Berthe Morisot, Paul Cézanne und Gustave Caillebotte dieser neuen Kunstrichtung an. In den 1890-er Jahren entwickelten Paul Signac und Henri- Edmond Cross diese Malerei im Pointillismus weiter. Anfang des 20. Jahrhunderts lösten sich die Fauvisten wie Maurice de Vlaminck und André Derain vom impressionistischen und pointillistischen Stil und entwickelten eine flächige, farbstarke Malerei. Impressionisten, Neoimpressionisten und Fauvisten folgten dem gleichen Ideal: Natur mit Licht und Farbe sinnlich erfahrbar zu machen.
Der Sammlungsschwerpunkt des Museumsgründers Hasso Plattner ist seit dem Jahr 2000 der Impressionismus: „Die Gemälde beziehen uns als Betrachter unmittelbar mit ein. Wir spüren den Wind auf der Haut und die Temperatur des Wassers, wenn wir Monets Segelbooten auf der Seine zusehen. Das schafft keine andere Kunst. Die Impressionisten sind Kommunikationsgenies“, erklärt Hasso Plattner. Im Herbst 2020, rund drei Jahre nach Eröffnung des Museums Barberini 2017, übergab Hasso Plattner 103 Werke seines Privatbestandes wie auch seiner Stiftung, der Hasso Plattner Foundation, als Dauerleihgabe an das Museum. Die Sammlung konnte 2022 und 2023 durch ins gesamt zehn Neuerwerbungen erweitert werden, darunter ein Gemälde aus Claude Monets berühmter Serie der britischen Parlamentsgebäude.
Inzwischen umfasst die Sammlung 113 Meisterwerke des Impressionismus und Postimpressionismus von 23 Künstlerinnen und Künstlern. Mit 39 Gemälden von Claude Monet beherbergt das Museum den größten Werkkomplex dieses Malers in Europa außerhalb Frankreichs Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner sowie einzigartige Bestände an Gemälden von Caillebotte, Pissarro, Signac, Sisley und Vlaminck. Zu den bekanntesten Werken der Sammlung gehören Caillebottes „Die Brücke von Argenteuil“ und die Seine (um 1883), Signacs „Der Hafen bei Sonnenuntergang“, Opus 236 (Saint-Tropez) (1892) sowie Monets Gemälde „Getreideschober“ (1890), „Der Palazzo Contarini (1908) und Seerosen (1914–1917).
Die Sammlungspräsentation im Museum Barberini spannt den Bogen von den 1850-er Jahren bis ins frühe 20. Jahrhundert und versammelt Werke aus drei Generationen an Künstlerinnen und Künstlern, die oft zusammenarbeiteten, für ihre Gemälde an die gleichen Orte reisten und einander inspirierten. Anhand von neun Themenräumen bietet die Schau die Möglichkeit, die Entwicklung der französischen Landschaftsmalerei in den Stilrichtungen des Impressionismus, Neoimpressionismus und Fauvismus nachzuvollziehen.
Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, erläutert: „Es gibt keine vergleichbare Sammlung, die die Landschaftsmalerei der französischen Impressionisten so umfangreich und die Entwicklung wie auch die Ikonographie so schlüssig zeigen könnte. Besucher innen und Besucher können aber nicht nur die Geschichte dieser faszinierenden Kunstrichtung, sondern auch die Weiterentwicklung der Landschaftsmalerei durch die Neoimpressionisten und die Fauvisten anhand unserer Werke kennenlernen.“
Seit der Eröffnungsausstellung des Museums Barberini Impressionismus. Die Kunst der Landschaft (2017) bieten jährlich bis zu drei Wechselausstellungen die Möglichkeit, den Impressionismus sowie andere Kunstrichtungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu entdecken. Begleitend zur Sammlungspräsentation ist der Katalog Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner (Prestel, 2023) von Ortrud Westheider erhältlich. Auf der Website des Museums wird die Sammlung mit Texten von Daniel Zamani, Sammlungskurator am Museum Barberini, und Ergebnissen der Provenienzforschung von Linda Hacka, wissenschaftliche Mitarbeiterin, umfassend vorgestellt. Impressionismus.
Rundgang durch die Sammlung – Reflexionen im Fluss
In den Landschaften entlang der Seine entwickelten die Impressionisten ihr Motivrepertoire. Hier arbeiteten sie unter freiem Himmel, konzentrierten sich auf das Hier und Jetzt und verzichteten auf das Anekdotische früherer Landschaftsmalerei. Sie schärften ihre Beobachtungsgabe an den spiegelnden Oberflächen der Seine. Zu den ständigen Veränderungen von Licht und Wolken am Himmel kamen mit den Reflexionen und dem Fließen weitere dynamische Momente. Schon 1865 brachen Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley von Paris zu einem Malausflug entlang der Seine auf, der sie bis zur Mündung in Le Havre führte. Viele Künstler der Sammlung werden bis heute mit Seine-Orten wie Argenteuil, Giverny und Moret verbunden: Eugène Boudin, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Paul Signac und Alfred Sisley.
Die Industrialisierung und Effizienzsteigerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägte auch die Seine. Dampfschiffe verkehrten auf dem Versorgungsweg zur Hauptstadt und brachten den Stahl für den Bau von Schienen und Passagen aus den am Fluss gelegenen Fabriken nach Paris. Von Steinbrüchen in der Normandie wurde das Material für die Boulevards und die neuen Quartiere in der rasant wachsenden Metropole verschifft. Neben Getreide und Gemüse aus dem Pariser Umland brachten Lastkähne Muscheln, Textilien und andere Konsumgüter zum Verkauf in der Stadt. Daneben war die Seine auch Schauplatz des modernen Segelsports und Ausflugsziel erholungssuchender Städter, die mit der Eisenbahn in die Vororte gelangten – Aspekte des modernen Lebens, die die Impressionisten wie selbstverständlich in ihre Landschaftsbilder integrierten.
Paris und die Peripherie
Die Impressionisten beobachteten das Leben auf den Boulevards, in den Kaffeehäusern und Parks. Gewaltige Umbaumaßnahmen hatten die Hauptstadt seit den 1850-er Jahren verändert. Im Auftrag Kaiser Napoleons III. hatte Baron Haussmann die Stadt zu einer modernen Metropole umgestaltet: mit monumentalen Sichtachsen und Schneisen für den wachsenden Verkehr, mit neuen Grünanlagen, riesigen Markthallen, Bahnhöfen und Theatern. Gleichförmige Fassaden und Baumreihen, Gaslaternen, Litfaßsäulen, Cafés und Geschäfte säumten die Straßen. Paris war die Stadt mit den nach London meisten Einwohnern. Von 1850 bis 1870 verdoppelte sich deren Anzahl auf zwei Millionen. Neue Straßenzüge führten in die Peripherie. Die Vororte wuchsen durch den Zuzug von Handwerkern und Angestellten, die den steigenden Mieten im Zentrum entgehen wollten. Anders als in London, wo die Arbeiterschaft im Zentrum lebte, entstanden um Paris mit der Industrialisierung die Banlieues.
Seit den 1860er Jahren fuhren die erholungssuchenden Pariser mit der Eisenbahn in weniger als fünf Stunden an die Küste der Normandie. In Étretat und Trouville waren Seebäder nach englischem Vorbild entstanden. Anders als im 18. Jahrhundert, als sich der Adel in Kurorten mit Heilquellen, Thermalbädern und Parks erholte, zogen die zum offenen Meer ausgerichteten Badeorte zahllose Touristen an – unter ihnen die Künstler und ihre Sammler.
Ein neuer Realismus
Die Motive der Impressionisten sind betont unspektakulär: Kornfelder, Pappelreihen, Feldwege und Wiesen. In den Feldern an ihren Wohnorten fingen sie für ihr Pariser Publikum Aspekte französischer Landschaft ein, die weder nostalgischen noch nationalen Klischees entsprachen. Lebendig werden ihre neuartigen Naturausschnitte durch die bewegte Pinselführung. So offen die Malweise auch ist, so exakt ist doch die Topographie wieder gegeben. Wege versinnbildlichen nicht mehr den Lauf des Lebens wie in der klassischen Landschaftsmalerei, sondern laden die Betrachter ein, Licht und Luft, Tages- und Jahreszeiten mit allen Sinnen zu empfinden. Als Städter nahmen die Impressionisten das agrarisch geprägte Frankreich mit anderen Augen wahr als die Bauern ihr Ackerland. Während Camille Pissarro und Alfred Sisley sich in ihren Bildern mit der Landbevölkerung in Beziehung setzten, inszenierte Claude Monet sich und seine Familie als Außenstehende. Seine Bilder zeigen das landschaftliche Umfeld Givernys ohne die Arbeit der ansässigen Bauern in den Blick zu nehmen.
Mit wechselnden Licht- und Wetterbedingungen erfassten die Maler atmosphärische Erscheinungen, wie sie die Wissenschaft im 19. Jahrhundert erforschte. Auch die Künstler setzten auf genaue Beobachtung der Phänomene. Dabei entstand keine willkürliche Stimmungsmalerei, sondern ein Protokoll unmittelbaren Erlebens: jeder Pinselstrich eine Information. Moderne am Meer Frankreich war keine Seefahrernation. Doch gewannen die Küsten der Bretagne und der Normandie im Lauf des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Le Havre, wo Eugène Boudin und Claude Monet ihre ersten Malkampagnen starteten, war nach Marseille der zweitgrößte französische Hafen.
Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren hier die Baumwollschiffe aus der Neuen Welt angekommen. Der oft archaisch anmutende Charakter der Hafenstädte mit ihren Segelschiffen täuscht, denn sie hatten ihre Wirtschaft bereits von der vorindustriellen Produktion auf moderne Dienstleistungen umgestellt. Um dem expandierenden Handel gerecht zu werden, wurden französische Häfen nach dem Vorbild der Londoner Docks umgebaut.
Auch Le Havre rüstete sich für immer größere Dampfschiffe: 1872 wurde damit begonnen, den von Boudin und Monet dargestellten Außenhafen mit einer neuen Kaimauer aus zubauen. Impressionistische Hafendarstellungen dienten nicht wie die Marinemalerei Englands und der Niederlande dazu, dem Nationalstolz auf die Flotte Ausdruck zu verleihen. Die Künstler ließen sich von Vorbildern der Alten Meister anregen und arbeiteten die Modernität der Hafenstädte heraus. Künstliche Beleuchtung zeigt den neuen Takt des Warenumschlags an.
Intensivierung und Verdichtung zeigt auch Monets Malerei. In London hatte er, wie wenig später auch Berthe Morisot – die einzige Frau, die von Beginn an mit den Impressionisten ausstellte –, nicht nur die englischen Docks, sondern auch die dynamische Malerei William Turners kennengelernt.
Gartenbilder
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Gartenkultur, ausgehend von England, zur Leiden schaft gebildeter Schichten. Auch das Interesse an importierten exotischen Pflanzen nahm zu. Die Impressionisten pflegten ihre Vorliebe für das Wandelbare auch im eigenen Garten und brachten mit diesem neuen Thema den Wechsel von Tages- und Jahreszeiten zur Anschauung. Claude Monets Schaffen ist untrennbar mit dem Wassergarten verbunden, den er in den 1890er Jahren anlegte und dessen Seerosenteich zum bestimmenden Motiv seines Spätwerks wurde. Doch bereits seit den 1870er Jahren setzte sich der begeisterte Hobbygärtner intensiv mit dem Thema der Hortikultur auseinander.
Das Interesse an Hortikultur teilte Monet mit Freunden wie Gustave Caillebotte, dem Schriftsteller Octave Mirbeau und dem Politiker Georges Clemenceau. Bei japanischen Händlern in Paris erwarben sie Blumenzwiebeln und -samen, aus denen sich die Farbenpracht ihrer Gärten entwickeln sollte. Mit Chrysanthemen züchteten sie eine Pflanze, die in Japan die Sonne symbolisiert. Caillebotte regte der Austausch mit Monet zu Stillleben mit Blumen des eigenen Gartens an. Künstlergärten wurden um die Jahrhundertwende aber auch ein wichtiges Thema, weil sie die Möglichkeit boten, Naturbilder mit Innenraumdarstellungen zu verbinden.
Die Farbe Weiß
Die Winter der 1860-er bis 1890-er Jahre waren schneereich. Auch in Gegenden Frankreichs, in denen es selten schneit, fielen bis zu 30 Zentimeter. Am Ende der Kleinen Eiszeit, die im 17. Jahrhundert begonnen hatte, kam es zu einer Erwärmung, die zu einer zirkulierenden Feuchtigkeit in den unteren Schichten der Atmosphäre und zu ungewöhnlich hohen Niederschlägen führte. Schon der Landschaftsmaler Gustave Courbet hatte diese Ausnahmesituation, die die Landschaft verfremdete, zu Winterbildern inspiriert. Wie dieser waren die Impressionisten nicht mehr daran interessiert, das Heroische zu thematisieren, das dem Schnee im kollektiven Gedächtnis nach den Winterkriegen Napoleons eingeschrieben war.
Die Verwandlung der Landschaft durch den Schnee gab den Malern die Freiheit, sich auf Licht und Farbe zu fokussieren. Die Künstler arbeiteten bei Minusgraden unter erschwerten Bedingungen. Sie setzten sich der eisigen Kälte aus, um dem Schnee die optischen Phänomene der Lichtbrechung auf den Kristallen abzugewinnen. Wie bei ihren Darstellungen von Wasserflächen ging es den Malern um die visuelle Verschränkung von Himmel und Erde. Sie beobachteten das Schauspiel des Widerscheins vom Himmelblau und glühender Sonnenuntergänge. Die Reflexionen auf dem Schnee setzten sie in teils abstrakt anmutende Malerei um.
Die Küsten Europas
Nur die Venedig-Ansichten Claude Monets erinnern noch an die Grand Tour der Künstler voriger Jahrhunderte. Die Stadt hatte schon den Romantikern eine atmosphärische Lichtmalerei entlockt. Die Malerei des Nordens und die Beobachtung der heimischen Natur hatten in Monets Generation das Vorbild der Antike und der an der italienischen Campagna geschulten klassizistischen Landschaftsmalerei abgelöst. Wenn Eugène Boudin, Berthe Morisot und später Paul Signac Italien besuchten, dann nicht auf den traditionellen Wegen. Vielmehr reisten sie mit der Eisenbahn entlang der Küsten wie andere Touristen.
Die Küsten Nord- wie Südeuropas wurden im späten 19. Jahrhundert mit Postkarten touristisch vermarktet. Die Maler stellten sich dieser Konkurrenz, indem sie mit den Ausschnitt-Techniken der Photographie arbeiteten. Ihre pastose Malerei stand im Gegensatz zu den glatten Oberflächen des neuen Mediums. Die Côte d’Azur wurde touristisch zur gleichen Zeit erschlossen, als sich Cross und Signac dort in den 1890-er Jahren niederließen. Das Sonnenlicht, das die Maler in den Süden zog, war für sie eine Energie, die künstlerische Neuerungen mit gesellschaftlichen Utopien speiste. Die drei Generationen der Impressionisten, Pointillisten und Fauvisten – Zeitgenossen eines sich rasant entwickelnden modernen Frankreichs – verband das gleiche Ideal: Natur mit Licht und Farbe sinnlich erfahrbar zu machen.
Monets Serien
Nachdem Monet Ende der 1870er Jahre Paris den Rücken gekehrt hatte, widmete er sich zunächst in Vétheuil und später in Giverny der Natur im Wechsel von Tages- und Jahreszeiten. Hier verfolgte er die Idee, durch Wiederholungen des Motivs der Erfassung des Augenblicks näherzukommen. Von 1891 an nutzte Monet Einzelausstellungen in seiner Pariser Galerie Durand-Ruel zur Präsentation groß angelegter Werkreihen, bei denen er ein einziges Motiv in zahlreichen Variationen durchspielte: Auf seine Getreideschober folgten die Kathedralen von Rouen, später die Serie des britischen Parlaments in London und schließlich die des Seerosenteichs in seinem Wassergarten in Giverny.
Drei dieser Werkgruppen sind in der Sammlung Hasso Plattner beispielhaft vertreten. Mit den Getreideschobern stellte Monet sein Konzept des enveloppe vor – jener das Motiv umgebenden Hülle aus Licht und Luft, das er zum eigentlichen Gegenstand seiner Malerei erhob. Die im Smog gegen den Sonnenuntergang aufscheinende Silhouette von Westminster Palace beschäftigte ihn bei drei London-Aufenthalten zwischen 1899 und 1901. Der Seerosenteich in Giverny gab Monet über zwei Jahrzehnte lang Stoff zu sehen und zu malen: Spiegelnde Wasserflächen hatten sein Werk von Anfang an geprägt. Das neben seinem Seerosenteich gelegene Atelier erlaubte es ihm, nun auf bisher ungeahnt großen Leinwänden zu arbeiten. Indem sie auf den Horizont verzichten und den Himmel spiegeln, entgrenzen die Bilder den Landschaftsraum und bieten den Betrachtern ein immersives Erlebnis.
Landschaften der Fauvisten
1905 kam eine radikal neue Kunstrichtung auf, die die Konturen betonte und die Farbe expressiv einsetzte. Als „Les Fauves“ (die Wilden) bezeichnete ein Kunstkritiker diese Maler anlässlich ihrer ersten Ausstellung im Pariser Herbstsalon.
Während André Derain mit seinem Freund Henri Matisse auf den Spuren von Cross und Signac in Südfrankreich gemalt hatte, war Maurice de Vlaminck in Nordfrankreich an den Ufern der Seine geblieben. Die Fauvisten lösten sich vom impressionistischen und pointillistischen Stil und entwickelten eine flächige, farbstarke Malerei. Anders als die Impressionisten ging es ihnen nicht um die Darstellung von Naturphänomenen, sondern – darin den Malern der „Brücke“ verwandt – um den Ausdruckswert der Farbe.
Auch begannen sie in der Nachfolge Cézannes mit einer Zergliederung der Form zu experimentieren, wie sie der Kubismus später weiterführte. Ihr expressiver Malstil hielt sie jedoch nicht davon ab, Impressionismus und Pointillismus in der Wahl der Orte und Motive zu folgen. So reiste Derain 1907 nach Cassis, wo bereits Signac gemalt hatte. Vlaminck malte mit dem Bootshaus von Rueil ein Motiv Pierre-Auguste Renoirs. Obwohl ihre Landschaften aufgewühlt, oft düster sind, bezogen sich die Fauvisten auf die Ikonographie des Impressionismus.
Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de