Über Ordnung, Ausgleich und die stille Wirkung von Bildern
Der Schmetterling gehört zu den Bildmotiven, die fast jeder sofort versteht – und die dennoch nie banal werden. Er ist leicht und zugleich präzise, farbig und dennoch geordnet. Seine besondere Wirkung verdankt er nicht nur seiner Schönheit oder Symbolik, sondern einer formalen Eigenschaft, die tief in unserer Wahrnehmung verankert ist: der Symmetrie.
Symmetrie ist kein dekoratives Beiwerk. Sie ist ein Ordnungsprinzip – in der Natur ebenso wie in der Kunst. Schmetterling Symmetrie Kunst gehören oft zusammen.
Symmetrie als Grundlage des Sehens
Symmetrie begleitet die Kunstgeschichte von Anfang an. Lange bevor sie theoretisch beschrieben wurde, war sie Teil des Sehens selbst. Das menschliche Auge erkennt symmetrische Formen schneller und mit weniger Anstrengung. Sie geben Orientierung, sie schaffen Halt.
In der Kunst wurde Symmetrie deshalb immer dort eingesetzt, wo Ruhe, Stabilität und Dauer vermittelt werden sollten. Zentrale Bildachsen, ausgewogene Proportionen, spiegelnde Strukturen sammeln den Blick. Sie lenken ihn nicht ab, sondern führen ihn zur Mitte. Ein symmetrisch aufgebautes Bild sagt nicht: Schau weiter. Es sagt: Hier kannst du bleiben.
Der Schmetterling als ideales Bildmotiv
Der Körperbau des Schmetterlings ist für diese Wirkung nahezu ideal. Seine Flügel bilden eine klare Mittelachse, eine natürliche Ordnung. Zugleich ist diese Symmetrie nie vollkommen. Kleine Abweichungen in Zeichnung, Farbe oder Form machen jedes Tier einzigartig.
Gerade dieses Zusammenspiel aus Ordnung und Abweichung verleiht dem Schmetterling seine bildnerische Kraft. Er wirkt ruhig, ohne starr zu sein. Ausgeglichen, ohne leblos zu wirken. Als Bildmotiv ist er damit prädestiniert für Darstellungen, die nicht laut auftreten, sondern dauerhaft wirken sollen.
Kunstgeschichtliche Bezüge
Die Kunstgeschichte kennt Symmetrie nicht als starres Schema, sondern als tragende Struktur. In der Renaissance wird sie zum Ausdruck von Harmonie und Maß, im Barock stabilisiert sie komplexe Bildräume. Auch dort, wo Bewegtheit und Fülle dominieren, bleibt ein inneres Gleichgewicht spürbar- Schmetterling Symmetrie Kunst.
Die Moderne bricht diese Ordnung bewusst – doch selbst im Bruch bleibt Symmetrie als Referenz erhalten. Oft wird sie nicht mehr gezeigt, sondern unterlaufen. Gerade dadurch wird ihre Bedeutung sichtbar.
Der Schmetterling fügt sich in diese Linien ein, ohne historisch zu wirken. Er ist zugleich Naturform und konstruiertes Bildzeichen. Ein Motiv, das Ordnung sichtbar macht, ohne sie zu behaupten.
Erzählen und Ordnung – zwei Seiten derselben Medaille
Zeitgenössische Schmetterlingsdarstellungen zeigen, dass Symmetrie und Erzählen kein Widerspruch sind. In manchen Arbeiten steht der Falter frei und konzentriert im Raum, in anderen tritt er in Beziehung zu weiteren Naturelementen und entwickelt eine leise erzählerische Dimension.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Schlankjungfer:
Mehrere Insekten begegnen sich auf einem historischen Kontenblatt, ergänzt durch scheinbar beiläufige Motive wie eine Erdbeere oder eine Raupe. Trotz dieser erzählerischen Erweiterung bleibt das Bild im Gleichgewicht. Die Ordnung führt den Blick, die Geschichte entfaltet sich nicht durch Bewegung, sondern durch Beziehungen. Symmetrie wird hier nicht aufgehoben, sondern erweitert. Sie trägt das Erzählerische, statt ihm im Weg zu stehen. Schmetterling Symmetrie Kunst sind oft eine Einheit.
Die Serie Falter-Porträt: Symmetrie als monumentales Prinzip
Besonders konsequent tritt dieses Ordnungsprinzip in der Serie Falter-Porträt hervor. Hier wird Symmetrie selbst zum beherrschenden Thema des Bildes. Die Falter erscheinen frontal, entlang einer klaren Mittelachse organisiert, von erzählerischen Ablenkungen befreit.
Gerade durch diese Strenge entfalten die Arbeiten ihre monumentale Wirkung. Sie entsteht nicht aus Größe allein, sondern aus der Konsequenz der Ordnung und der außerordentlich filigranen, handwerklich komplexen Ausführung. In feinsten Details der Flügelzeichnung, in minimalen Verschiebungen von Farbe, Linie und Struktur verdichtet sich das Bild zu einer konzentrierten Präsenz. Die Symmetrie wirkt hier kraftvoll und standhaft – als visuelles Fundament, das Räume prägt, sammelt und dauerhaft trägt.
Ein stiller Gegenentwurf zur visuellen Unruhe – Schmetterling Symmetrie Kunst
Unsere visuelle Gegenwart ist laut. Bilder wechseln, fordern Aufmerksamkeit, konkurrieren. In diesem Umfeld gewinnen Motive an Bedeutung, die nichts verlangen.
Schmetterlinge, klar komponiert und ausgewogen dargestellt, wirken wie ein Gegenpol. Sie drängen sich nicht auf. Sie sind da. Und genau dadurch entfalten sie ihre Kraft.
Auch in den Arbeiten von Thomas Gatzemeier steht diese Wirkung im Mittelpunkt. Ob einzeln gesetzt oder in erzählerischen Konstellationen – die Ordnung bleibt spürbar. Symmetrie wird hier nicht zur Formel, sondern zum Werkzeug der Konzentration.
Über den Autor:
Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.
Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.
Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.
Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.
Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 6102535, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de