Mit ‚Hotspot Leipzig‘ präsentiert das Drents Museum seine Sammlung neuer Gemälde aus Leipzig. Dennoch ist die Ausstellung enttäuschend. Die Frage bleibt sogar: Gibt es überhaupt eine Neue Leipziger Schule?
„Hotspot Leipzig“ ist ein passender Name für eine Ausstellung im Drents Museum über aktuelle Kunst aus Leipzig. Denn die Stadt im Osten Deutschlands war und ist ein Zentrum der Malerei, besonders rund um die Leipziger Baumwollspinnerei, die seit 2005 als „Die Spinnerei“bekannt ist.Nach der Schließung nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Fabrik von Künstlern und anderen Kreativen übernommen, die oft an der Leipziger Kunstakademie studiert hatten. Ein Kurs, in dem Künstler wie Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer in der DDR-Zeit realistische Malerei unterrichteten. Neo Rauch und Rosa Loy, das Künstlerpaar, das weltweit das Visitenzeichen der sogenannten Neuen Leipziger Schule ist, haben seit 1994 ein Atelier in der Spinnerei.
Seit 2009 zeigt das Drents Museum regelmäßig Werke eines oder mehrerer Leipziger Künstler. Im vergangenen Jahr konnte das Museum schließlich ein Werk von Neo Rauch erwerben, das Gemälde „Das Dreibein“ von 2024. Heute sind etwa 50 Gemälde aus der Sammlung bis zum 5. April 2026 in der Abteihalle und der Kreuzgangshalle ausgestellt.
Meterhohe Leinwände
Direkt neben dem einleitenden Text hängt das Werk von Neo Rauch. Obwohl dies ein markanter Ort ist, ertrinkt das 50 mal 40 Zentimeter große Gemälde im Raum neben der großen Texttafel. Gerade für diejenigen, die Rauchs metergroße Leinwände gewohnt sind, wirkt dies eher wie eine Vorstudie. Außerdem gibt die Ausstellung keine Erklärung zu diesem Gemälde oder zu den anderen Werken. Dank eines Videos, in dem der Leiter des Drents Museums, Harry Tupan, über seine Leidenschaft für die Leipziger Malerei spricht, können Besucher etwas über die Hintergrundgeschichte der Spinnerei erfahren. So erklärt er beispielsweise, dass es so etwas wie eine ‚Neue Leipziger Schule-Stijl‘ nicht gibt: Obwohl die Künstler an derselben Akademie studierten, wählten sie jeweils ihre eigene Richtung. Details dazu sind im Katalog zu lesen – der auch alle 80 Werke des Museums zeigt.
Theatralische Menschenfiguren
Im Museum erhielten die Gemälde nur eine Namensplakette, und es gibt keine weiteren Erklärungen zu den Künstlern. Dies ist daher eher eine Auswahl aus der Sammlung als eine eigenständige Ausstellung, die die Neuwe Lepiziger Schule interpretiert und erkundet. Das ist schade, denn so bleiben der ‚Hotspot‘ und die größere Perspektive etwas im Hintergrund.Allerdings kann der Besucher durch genaue Betrachtung selbst Kreuzverbindungen entdecken. Christoph Ruckhäberle (1972) schafft beispielsweise eine vielfarbige Inszenierung mit theatralischen Menschenfiguren, die entfernt an die surrealistischen Situationen von Rauch (1960) und Loy (1958) erinnern. David Schnell (1971) hat sich wie Dorothee Liebscher (1987) für eine viel fragmentiertere Darstellung der Realität entschieden: Es sind Landschaften, die aus gemalten Linien bestehen. Ob es sich um die Andeutung einer tatsächlichen Landschaft oder ein flaches Gemälde handelt, die Künstler überlassen es dem Betrachter. Es gibt ein faszinierendes, pop-art-ähnliches Gemälde von Frauen, die Pfeifen rauchen, gemalt von Malte Masemann (1979), einer ehemaligen Schülerin von Rauch, der Frauen in historischen Kontexten oft eine prominente Rolle zuschreibt.Unterdessen betrachten die Künstler von einer kleinen Wand aus die Besucher in fünf Selbstporträts. Ihre stillschweigende Botschaft: Wenn du sie wirklich kennenlernen willst, ist es am besten, nach Leipzig zu gehen. (Von Joke de Wolf aus der Museumstijdschrift)
Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.