Jahresvorschau 2026 der Kunsthalle Bielefeld

„Mit der Kunst die Welt befragen – dieser Mission verschreiben wir uns auch im kommenden Jahr. Wir laden Sie herzlich ein, die Kunsthalle Bielefeld als einen Ort zu erleben, der neue Perspektiven auf unsere Gesellschaft eröffnet und inspirierende Impulse setzt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kunsthalle Bielefeld zum Jahresprogramm 2026. Den Auftakt bildet die Ausstellung „Alles Licht. Light and Space gestern und heute“, die noch bis zum 1. März 2026 zu sehen ist. Hier ein Einblick in die kommenden Highlights:

Duane Linklater – Cache

21. März bis 14. Juni 2026

Wenn wir Dinge sammeln, entsteht eine eigene Welt: Wir verbinden, bewahren, ordnen Bedeutung zu. Das gilt im persönlichen Familienarchiv ebenso wie im Museum, das seine Sammlungen nutzt, um Geschichten über Herkunft und Identität zu erzählen.

Welche Verbindungen stiften unsere Dinge? Was bewahren wir – und warum? Welche Geschichten entstehen aus dem, was wir sammeln? Für seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland entwickelt der kanadische Künstler Duane Linklater (*1976) ortsspezifische Installationen. Ausgangspunkt ist der Begriff „cache“, ein Hort, der sowohl „Sammlung“ als auch „Struktur“ oder „Rahmen“ bedeuten kann. In Indigenen Kulturen Kanadas diente ein Cache der Aufbewahrung und Weitergabe von Gegenständen, Erinnerungen und Wissen – ein Prinzip, das Linklater in die Gegenwart überträgt.
Linklater, Omaskêko Ininiwak (Moose Cree First Nation), hat für die Ausstellung modulare, skulpturale Gerüstkonstruktionen – „caches“ – entwickelt. Diese Strukturen tragen Gemälde, gefundene Objekte, Möbel und persönliche Dinge seiner Familie. Sie bilden eine Art aufgeschichteten Hort: ein Speicher, in dem Gegenstände in eine mögliche Zukunft hinein verwahrt werden und sich zugleich der direkten Aneignung entziehen. Linklater knüpft damit an familiäre und kulturelle Formen des Sammelns an und verbindet sie mit Erzählungen über Zirkulation, Bewahrung und Bedeutungswandel — von Alltagsobjekten bis zu archäologischen Funden, wie jenen tausende Jahre alten Indigenen Werkzeugen, die in jüngster Zeit rund um Ottawa entdeckt wurden.

Im Zusammenspiel mit unserer Sammlungspräsentation entsteht ein Resonanzraum zwischen unterschiedlichen Zeiten und Kulturräumen. Die Ausstellung macht erfahrbar, wie Dinge Geschichten tragen, Verbindungen schaffen und kulturelle Kontinuitäten wie Brüche sichtbar machen — und wie sich in diesen Zusammenstellungen persönliche und kollektive Perspektiven überlagern.

So wird die Kunsthalle zu einem vielschichtigen Speicher, in dem Linklaters Gerüste zu materiellen Metaphern für Behutsamkeit, Wiederherstellung und das Weitertragen von Bedeutungen werden.
Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Künstler, der Wiener Secession und der Galerie Rudolfinum, Prag, konzipiert.

Geteilte Ansichten. Kunsthalle Bielefeld x Sammlung KiCo – Teil I: Vom Teilen und Geteiltsein

4. Juli bis 1. November 2026

Was passiert, wenn wir teilen – Ideen, Räume, Verantwortung? Mit „Geteilte Ansichten“ eröffnet die Kunsthalle Bielefeld ein umfassendes, zweiteiliges Ausstellungsprojekt, das das Teilen als ästhetisches, soziales und politisches Prinzip ins Zentrum rückt. Die Schau verbindet Werke aus der Sammlung KiCo mit Positionen aus der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld. Die Sammlung KiCo wurde 2009 von Doris Keller-Riemer und Hans-Gerd Riemer ins Leben gerufen – mit der Zielsetzung, nicht nur in einer privaten Sammlung zu münden, sondern sich in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen zu entwickeln. In engem Dialog mit dem Kunstmuseum Bonn und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, die bei der Auswahl und den Entscheidungen für den Ankauf von Kunstwerken partnerschaftlich mitwirken, fließen Überlegungen zu einer sinnvollen und denkbaren Erweiterung der jeweiligen Kunstsammlungen ein.

Ab 2026 ist die Kunsthalle Bielefeld neues Partnermuseum und freut sich darauf, in zwei Ausstellungstakten das neue Zusammenspiel in unterschiedlichen Zugangsformen vorzustellen. „Vom Teilen und Geteiltsein“ untersucht, wie tief das Teilen in unsere Lebenswirklichkeit eingeschrieben ist: als Gestaltung von Raum, als Trennung und Grenzziehung, als Austausch von Material und Information, als Verteilung, Konfrontation und Kommunikation. Die gezeigten Kunstwerke greifen Spuren, Oberflächen, Bildwelten und persönliche Handschriften auf und verweben sie zu neuen gemeinsamen Erzählungen. Aus Fragmenten entsteht ein größeres Ganzes; aus individuellen Perspektiven ein Resonanzraum kollektiver Erfahrung.

Die Ausstellung stellt damit eine zentrale Frage unseres Zusammenlebens: Wie prägt das Teilen unsere Gesellschaft – und welche Rolle können Museen als öffentliche Orte im Aushandeln dieser geteilten Wirklichkeiten spielen? In diesem Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen entsteht ein offener Raum, in dem Kunst nicht nur betrachtet wird, sondern Verantwortung, Gemeinschaft und Austausch sichtbar macht.

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind vertreten: Monica Bonvicini, Andrea Büttner, Sandro Chia, George Condo, Thomas Demand, Lucio Fontana, Andreas Gefeller, Isa Genzken, Erik van Lieshout, Daniel Knorr, Michel Majerus, Marcel Odenbach, Ulrich Rückriem, Tomás Saraceno, Corinne Wasmuht, Clemens von Wedemeyer und andere.

Teil II: Willst du mit mir gehen? – Sammlungen im Dialog

21. November 2026 bis 21. Februar 2027

„Man muss einsteigen in die Malerei mit beiden Füßen“, so beschrieb die Künstlerin Maria Lassnig ihren künstlerischen Prozess in einem Interview. Ihr Werk „Füsse“ (1987/89) aus der Sammlung KiCo steht zeichenhaft für den zweiten Teil der Ausstellung, in der neue mögliche Gangarten mit der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld eingeschlagen werden und sich zugleich neue Standpunkte eröffnen. „Miteinander gehen“ bedeutet, dass Werke aus zwei Sammlungen zusammenfinden und miteinander ins Gespräch kommen, sich gegenseitig ergänzen, erweitern, hinterfragen und auch widersprechen.

Die Auseinandersetzung mit Malerei, Raum und Abstraktion von der Klassischen Moderne bis in die Gegenwart bildet den verbindenden kunsthistorischen Faden zwischen den Sammlungen. Während die Sammlung der Kunsthalle Schwerpunkte im deutschen Expressionismus und der US-amerikanischen Avantgarde der 1960er-Jahre beinhaltet, knüpft die Sammlung KiCo mit Werken der jüngeren Gegenwart an.

Im Zusammenspiel entstehen neue Sichtachsen; zugleich werden Perspektiven gestärkt, die zuvor weniger sichtbar waren. Werke, die in der Sammlung der Kunsthalle vorhanden sind u.a. Arbeiten von Monica Bonvicini, Herbert Brandl, Gerhard Hoehme, Günter Fruhtrunk, Shannon Bool, Michel Majerus oder Charline von Heyl können mit weiteren Werken aus der Sammlung KiCo ergänzt und so das Werk umfangreicher vorgestellt werden. Bisher gänzlich fehlende Werke von Künstlerinnen wie Marcia Hafif, Katharina Grosse, Sarah Morris oder Maria Lassnig führen die in unserer Sammlung angelegten Setzungen etwa von Agnes Martin, Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Georg Baselitz in die jüngere Geschichte fort.

Die ausgewählten Werke erweitern das bestehende Profil unserer Sammlung und zeigen, wie sich Perspektiven durch gemeinsames Sammeln öffnen und verschieben lassen. Historische und aktuelle Positionen treten in einen Dialog. Klassische Formen und Konzepte werden zeitgenössischen gegenübergestellt, skulpturale und raumbezogene Arbeiten verschränken sich, fotografische und mediale Arbeiten erweitern die narrative Dimension der Sammlungen.

„Willst du mit mir gehen?“ ist als sichtbarer Ausdruck einer Sammlungspraxis konzipiert, die auf Kooperation, Offenheit, Nachhaltigkeit und Bewegung setzt. Die Ausstellung wird so zu einem experimentellen Denkraum, in dem Zukunftsperspektiven musealer Arbeit erprobt und die Grundlagen eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses neu ausgelotet werden.
Folgende Künstlerinnen und Künstler sind vertreten: unter anderem Nevin Aladağ, Karla Black, Georg Baselitz, Monica Bonvicini, Shannon Bool, Louise Bourgeois, Herbert Brandl, Angela Bulloch, Matti Braun, Alexander Calder, Sonia Delaunay, Nicole Eisenman, Olafur Eliasson, Isa Genzken, Katharina Grosse, Cao Fei, Günter Fruhtrunk, Marcia Hafif, Charline von Heyl, Maria Lassnig, Annette Kelm, Agnes Martin, Michel Majerus, Henry Moore, Sigmar Polke, Germaine Richier, Gerhard Richter, Karin Sander, Adrian Schiess, Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans, Philipp Timischl und James Welling.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Telefon: 0521 32999500, Fax: 0521 329995050, E-Mail: info@kunsthalle-bielefeld.de. Die Kunsthalle ist am Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

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