Das Rijksmuseum Twenthe präsentiert ab dem 20. März 2026 die erste große Überblicksausstellung des finnischen Malers Pekka Halonen (1865–1933) in den Niederlanden.
Halonen gehört zu den beliebtesten Künstlern Finnlands, ist jedoch außerhalb seines Heimatlandes beim breiten Publikum weniger bekannt. Nach früheren erfolgreichen Ausstellungen mit Werken skandinavischer Künstler möchte das Rijksmuseum Twenthe dies ändern, indem es in Zusammenarbeit mit dem Ateneum Art Museum (Helsinki), dem Petit Palais (Paris) und dem Ordrupgaard Museum (Charlottenlund, Dänemark) Halonens erste große Retrospektive außerhalb Finnlands präsentiert.
Die Ausstellung
Die Präsentation umfasst 94 Werke, größtenteils Gemälde von Halonen, ergänzt durch einige persönliche Malutensilien aus Halosenniemi, Halonens selbst entworfenem Atelierhaus am Ufer des Tuusula-Sees. Der Großteil der Leihgaben stammt aus der Sammlung des Ateneum Art Museum in Helsinki. Ergänzt werden diese durch Leihgaben aus verschiedenen anderen finnischen Museen sowie aus Privatsammlungen. Die Ausstellung zeigt die künstlerische Entwicklung Halonens – von seinen Studienjahren in Paris über seine Teilnahme an der Weltausstellung von 1900 bis zu seiner Rückkehr nach Finnland, wo er sich am Tuusula-See niederließ. Den Abschluss bilden Halonens Winterlandschaften – ein Thema, das ihn dauerhaft faszinierte. Dank seiner scharfen Beobachtungsgabe verstand er es wie kaum ein anderer, das finnische Licht, die Kälte und die Stille darzustellen. Diese Werke gehören zu seinen bekanntesten und brachten ihm den Beinamen „Schneemaler“ ein.
Halonen zwischen Paris und Finnland
Als talentierter Sohn einer Bauernfamilie zog Halonen nach Paris, wo er zwischen 1890 und 1893 an der renommierten Académie Julian studierte – gemeinsam mit Eero Järnefelt und Akseli Gallen-Kallela. Seine künstlerische Entwicklung wurde besonders durch seine Lehrzeit bei Paul Gauguin geprägt, dessen Kunst eine wichtige Inspirationsquelle für ihn war.
Halonens Beitrag zum finnischen Pavillon auf der Weltausstellung von 1900 – darunter „Der Luchsjäger“ und „Die Wäsche auf dem Eis“ – markierte einen Wendepunkt: Zum ersten Mal präsentierte sich Finnland international als eigenständige Nation, unabhängig von Russland. In diesen monumentalen Werken zeigt Halonen, wie er die finnische Identität in Alltagsszenen und in der engen Verbundenheit von Mensch und Natur einzufangen wusste.
Nach seiner Rückkehr nach Finnland entwickelte er eine neue Sichtweise auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Von seinem Atelierhaus Halosenniemi aus zog er mit Staffelei in die Winterkälte, um die Landschaft aus nächster Nähe zu studieren. Anders als viele Zeitgenossen, die ihre Landschaften oft aus der Vogelperspektive konstruierten, entschied sich Halonen für intime, beinahe greifbare Nahaufnahmen der Natur.
Halosenniemi war zudem ein lebendiger Treffpunkt: Halonen lebte dort mit seiner Frau und acht Kindern und empfing zahlreiche Gäste. Wohnen, Arbeiten und Naturerleben verschmolzen dort zu einem organischen Ganzen. Nicht nur Halonens Kunst, sondern auch sein Lebensstil spiegelte sein Streben nach Harmonie zwischen Mensch und Natur wider.
Aktualität von Halonens Werk
Obwohl Halonen vor mehr als einem Jahrhundert arbeitete, bleibt seine Thematik hochaktuell. Er hielt die Schönheit der finnischen Landschaft und ihrer Jahreszeiten in einer Zeit fest, in der durch zunehmende Industrialisierung großflächig Bäume in den finnischen Wäldern gefällt wurden. Seine Gemälde fungierten daher als subtile Warnung vor der Zerstörung der Natur. In unserer heutigen Zeit, in der der Wechsel der Jahreszeiten durch den Klimawandel immer stärker unter Druck gerät, ist seine Mahnung, sorgsam mit der Natur umzugehen, aktueller denn je.
Halonen erkannte, wie ein Künstler seine Vorstellungskraft einsetzen konnte und wie die Darstellung der Landschaft zur Bildung einer nationalen Identität beitragen konnte. Seine finnischen Landschaften können daher auch als Versuch gesehen werden, die finnische Nation zu fassen – in einer Zeit, in der die finnische Identität durch russische Propaganda unter Druck stand und das Land nach Unabhängigkeit strebte.
Diese Themen von Identität und unserem Umgang mit der Natur knüpfen eng an die Programmlinien Het Groene Lab und Identiteit des Rijksmuseum Twenthe an. Innerhalb dieser beiden Linien stehen gesellschaftliche Fragestellungen im Mittelpunkt: Sie erkunden sowohl das Verhältnis des Menschen zur Natur als auch unsere Beziehung zu uns selbst und zu anderen.
Publikation und Begleitprogramm
Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog, herausgegeben von Waanders Uitgevers, mit Beiträgen von Anna-Maria von Bonsdorff (Ateneum), Anne-Charlotte Cathelineau (Petit Palais) und Valentijn As (Rijksmuseum Twenthe). Darüber hinaus entwickelt das Museum ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Workshops und einem großen Mitsommernachtsfest.
Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.