Als der Öffentlich Rechtliche Rundfunk mal überlegte, auch einer konservativen oder vielleicht auch mal einer rechter gesinnten Meinung Öffentlichkeit zu verleihen, gab es eine Julia Ruhs, die das mal machen sollte – die Debatten darüber und das Ende sind bekannt.
Am Dienstag sah ich nun den ehemaligen Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, den ich für einen streitbaren, aber intellektuell kompetenten Vertreter seines Faches gehalten habe, und der wie Julia Ruhs auch so was eher Konservatives oder Rechter Gesinntes liefern sollte. Und war enttäuscht. Vielleicht lag es an dem Medium und der Form, in der das gelaufen ist: einer kleinen auf ihn unpassend zugeschnittene Talkshow auf ZDF nach dem heute journal update mit dem Titel „Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“.
Sein Kontrapart war eine Katja Diehl, die sich wohl für eine andere Art von Mobilität im Bereich Verkehr einsetzt – mehr ÖPNV und so. Erster Eindruck: Die komisch-bunte Hose, die streng wirkende Brille, eine gewisse Freudlosigkeit und vielleicht ein Zahnproblem, das eine Hälfte ihres Gesichtes ein wenig unrund aussehen ließ. Sie war ja bemüht, dem vermeintlich komischen Format einer launigen Plauderei noch eine gewisse Lustigkeit beizufügen, was nicht so recht gelingen wollte. Humor will gelernt sein!
Die Studio-Atmosphäre: ein wenig Klaus Krömer, ein wenig klaustrophobisch, aber immerhin mit einem VW Cabrio aus früheren Zeiten geschmückt, ein paar Verkehrszeichen und anderem Gedöns – und mit einer Bushaltestelle von wegen ÖPNV. Und die beiden waren eingesperrt, was angesichts mancher Situation mit Mann und Frau in dieser Kombination – erinnert sei an Fritzl und Kampusch, vielleicht noch Marc Dutronc – von ebenfalls unfreiwilliger Komik in den Bereich des Schreckens gerät.
Sei es drum. Der schlecht gekleideten und eher mißmutigen Aktivistin Frau Diehl steht ein seriös gekleideter älterer, aber sehr nervös und unsicher wirkender und vor allem nicht telegener Herr Fleischhauer gegenüber, der sich einerseits in seiner Auto-Nostalgie suhlt und andererseits behauptet, die Verkehrswende in Richtung E-Mobilität als Ursache für den Stellenabbau in der Automobilbranche zu betrachten. Das mag so sein, obwohl ausgewiesene Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöfer der Branche eher attestieren, technologische Entwicklungen verpennt zu haben, richtig wissen tut er es nicht so, denn als studierter Literaturwissenschaftler ist er vielleicht nicht so im Thema, was er auch zugibt.
Das verbindet ihn wiederum mit Frau Diehl, die auch keine ausgewiesene Expertin für das Thema Mobilität ist, sondern auch Literaturwissenschaften studiert hat. Sie möchte eine Wende in Richtung des öffentlichen Personennahverkehrs, hat sicherlich dafür auch Argumente, aber keine substanziellen, die beweisbar zeigen, wie das auch praktisch umgesetzt werden kann – abgesehen von ein paar kleinen Projekten.
Irgendwann redeten sie nach ihrer ergebnislosen Plauderei unabhängig voneinander über den anderen und stellten fest, dass sie in unterschiedlichen Welten leben; und dann ist es vorbei.
Glücklicherweise dauert es nur eine halbe Stunde; und wenn ich nicht alleine mit meiner Meinung stehe, wird sich das Format auch schnell erledigt haben.