Draiflessen Collection stellt Programm für das Jahr 2026 vor

Das Ausstellungsjahr 2026 der Draiflessen Collection steht unter dem Motto „Collecting Ourselves“: Für ein Museum ist das Sammeln – neben dem Bewahren, Forschen und Vermitteln – eine maßgebliche Aufgabe. Sammeln ist aber auch eine zutiefst menschliche und damit eine individuelle ebenso wie kollektive Handlung. Unbewusst lässt uns diese Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden, indem wir Erinnerungen bewahren, Erfahrungen teilen und damit Spuren hinterlassen.

2026 möchten die Verantwortlichen der Draiflessen Collection in Mettingen den Impuls ihres Jahresmottos nutzen, um in ihren Ausstellungen und Veranstaltungen der Idee des Sammelns und des Ordnens zu folgen sowie Verbindungen erkennbar zu machen.

So greift die Ausstellung „Mix & Match“ tief in die Sammlungen aus Kunst, Familien- und Unternehmensgeschichte ein, um sie in völlig neue Zusammenhänge zu bringen, und regt die Besucher dazu an, eigene Assoziationen und Erinnerungen mit den gezeigten Objekten in Beziehung zu setzen.

„Spitze!“ offenbart neben dem sorgfältig kuratierten Thema auch den Blick auf die jeweilige Sammlerpersönlichkeit selbst: Diese prägt ihre Sammlung durch ihre Auswahl und Perspektive – und erzählt damit immer auch eine Geschichte über sich selbst.

Die Ausstellung „Erinnerungen aufschlagen“ schließlich zeigt, dass Erinnerungen, wie wir sie zum Beispiel in Fotoalben manifestiert finden, immer auch subjektive Geschichten sind, die durch die Auswahl der Fotos und ihre Zusammenstellung erzählt werden. „Collecting Ourselves“ verbindet die Ausstellungen in der Frage, was Sammeln über uns selbst verrät – als Institution, als Gesellschaft und als Einzelne.

Die Ausstellungen im Einzelnen

Bereits im letzten Jahr angelaufen sind die Ausstellungen „Magische Frauen“, „Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium“ und „Verortet – Auf den Spuren von C & A in Sneek“. Sie sind aber auch noch im kommenden Jahr zu sehen.

Magische Frauen

Magie durchdringt Sprache und Alltag: Wir sprechen von der Magie bestimm ter Augenblicke oder davon, dass Dingen etwas Magisches innewohnt. Auch im popkulturellen Mainstream feiern okkulte Motive, Astrologie oder esoterische Praktiken ein Comeback. Dies hat eine lange Tradition: Obwohl lange Zeit als Aberglaube und mit wissenschaftlichen Werten der Moderne unvereinbar heruntergespielt, haben mystische, spirituelle sowie esoterische Aspekte auch in der Kunst und Kultur eine lange Tradition. Die Ausstellung widmet sich künstlerischen Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich mit Magie, Okkultem und spirituellen Praktiken auseinandersetzen – oft aus einer feministischen Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie Künstler diese Themen nutzen, um gesellschaftliche Strukturen, Identitäten und Geschlechterrollen zu hinter fragen, aufzubrechen, umzudeuten und neu zu erzählen.

Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium

Keine andere Gestalt hat im Christentum gleichermaßen Schrecken und Faszination ausgelöst wie der Teufel. Über Jahrhunderte fürchteten die Gläubigen, er und seine Dämonen würden als Gegenspieler Gottes jederzeit versuchen, Unordnung in die Welt zu bringen. Naturkatastrophen, Erdbeben und Seuchen galten als Werke des Teufels – ebenso wie persönliche Versuchungen, mit denen er die Menschen vom rechten Weg abzubringen versuchte. Diese Vorstellung nährte die Angst vor den Qualen der Hölle und prägte den christlichen Glauben tief bis in die Alltagskultur. Die Kabinettausstellung im Studiensaal beleuchtet die Veränderungen und Vielfalt des Teufelsbildes – von biblischen Vorstellungen bis hin zur Darstellung in der Populärkultur.

Verortet – Auf den Spuren von C&A in Sneek

Gründungsorte haben etwas beinahe Mystisches. Sie sind mehr als nur geogra f ische Punkte – sie stehen für Identität und Tradition. Bisweilen jedoch geraten sie in Vergessenheit – wie etwa bei C&A: Wo genau wurde das heute international agierende Modeunternehmen C&A im Jahr 1841 gegründet? Diese scheinbar einfache Frage hat sich zu einer komplexen Spurensuche entwickelt, der sich die Ausstellung widmet. Im Zentrum steht das sogenannte Stammhaus in Sneek (NL), das jahrzehntelang als Ursprungsort des Unternehmens galt – und es ganz sicher nicht ist. Anhand historischer Dokumente, Fotografien und Recherchen wird der tatsächlichen Geschichte vom Gründungsort von C&A nachgespürt. Die Ausstellung dokumentiert diesen Prozess und macht zudem deutlich: Der Gründungsmythos ist nicht nur ein Ort – er ist auch ein Konstrukt.

Mix & Match – Einblicke in einen Sammlungskosmos

In „Mix & Match“ begegnen sich Archiv und Sammlung in vier epochen- und medienübergreifenden Themenräumen und geben einen Einblick in den Sammlungskosmos der Draiflessen Collection. Die Ausstellung lädt dazu ein, neue, teils unerwartete Verbindungen zwischen den Objekten und Epochen zu knüpfen. Sie präsentiert die vielfältigen Bestände des Museums in einer assoziativen Ordnung. Dafür dienen die vier Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft – schon seit der Antike Deutungsmuster für die Welt – als narratives Leitmotiv. Gezeigt werden Highlights aus Druckgrafik und Buchkunst neben Fotografien, Film- und Werbematerial aus der Geschichte von C&A. Mode gesellt sich zu zeitgenössischer Kunst und Archivdokumenten. Spielerisch setzen die Exponate Assoziationen zu den Elementen frei, die nicht nur museale Sehgewohnheiten, sondern auch die alltägliche Wahrnehmung neu ordnen können.

Erinnerungen aufschlagen

Was sehen wir, wenn wir uns Fotoalben anderer Personen anschauen? Blättern wir durch solche Alben, folgen wir dem Rhythmus der Erinnerung selbst: fragmentiert, repetitiv, voller Assoziationen und Lücken. Auch wenn uns die Menschen oder Orte unbekannt sind, wirken die Fotografien oft vertraut. Die Ausstellung spürt dieser Resonanz zwischen vertraut und fremd, Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Fotografie nach. Sie bringt historische Fotoalben aus dem eigenen Archivbestand mit Werken zeitgenössischer Künstler und Fotografen zusammen und verbindet so verschiedene zeitliche Ebenen sowie konzeptuelle Ansätze miteinander. Die Kunstwerke spiegeln da bei nicht nur die in den Fotoalben sichtbaren Prozesse, sondern machen auch deutlich, dass das Erzählen selbst ein kreativer Akt ist, der ebenso sehr vom Vergessen wie vom Erinnern geprägt wird.

Spitze!

Spitze war im 16. und 17. Jahrhundert weit mehr als reine Zierde: Sie galt als Ausdruck von Luxus, Modebewusstsein und gesellschaftlichem Rang – und kam be sonders eindrucksvoll am Kragen zur Geltung. Die Ausstellung beleuchtet die „Kragenmode“ anhand zweier bedeutender Porträtsammlungen: der in der Liberna Collection bewahrten Iconographie Anton van Dycks (*1591 +1641) sowie der Gemälde- und Miniatursammlung des Verlegerpaares Frieda und Franz von Lipperheide, die sich heute in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, Sammlung Modebild, befindet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den sehr selten erhaltenen Kragen und Spitzen, deren Bedeutung, Schönheit und Kunstfertigkeit zusätzlich durch Einblicke in die Techniken der Nadel- und Klöppelspitze erfahrbar gemacht werden. Anschauungsmodelle, Videos und historische Handarbeitsutensilien stehen dabei im Dialog mit aktuellen Spitzenarbeiten und Gertrud Riethmüllers Klang-Installation „Ein Kragen – im Tanz der Verflechtungen“ (2022/23).

Musik, die verbindet by Draiflessen

Seit über zehn Jahren steht Draiflessen mit der Konzertreihe „meetMUSIC“ für besondere Musikerlebnisse. Hier treffen sich Musikliebhaber aller Generationen, um Bekanntes zu erleben und neue Klänge zu entdecken. In der besonderen Atmosphäre entsteht eine direkte Verbindung zwischen Künstler und Publikum – Musik wird hier persönlich und unmittelbar spürbar. Das Programm bietet für jeden Musikgeschmack etwas: von Klas sik über Jazz bis zu Singer-Songwritern sowie Familienkonzerte. Jeden August verwandelt sich der Park von Draiflessen in eine Open-Air Bühne für das dreitägige meetMUSIC-Festival. Es gibt aufstrebenden Musiker aus aller Welt eine Bühne und macht die Vielfalt der Musik in all ihren Facetten erlebbar – inspirierend, lebendig und nah. Auch der Nach wuchs wird gefördert: meetMUSIC verleiht in jedem Jahr Sonderpreise an Gewinner des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert.

Mehr Info unter http://www.meetmusic.de

Führungen und Kunstvermittlung

Die Draiflessen Collection bietet neben öffentlichen und individuellen Führungen auch inklusive Führungen und kreative Formate an, die einen individuellen Zugang zur Kunst fördern, speziell auch für Kinder und Jugendliche, wie etwa den MuseumsSpaß in den Ferien. Für Erwachsene und Familien ergänzen Workshops, Exkursionen, Vorträge und Podiumsdiskussionen das vielfältige Programm.

Weitere Informationen unter http://www.draiflessen.com

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