Im Museum „Het Schip“ in Amsterdam glänzen noch bis zum 28. Juni 2026 die Werke der weiblichen Macherinnen der Amsterdamer Schule – von Hausplänen bis zu Skulpturen. Die Ausstellung trägt den Titel „Beispielloses Talent – Die Frauen der Amsterdamer Schule“.
Ein Brief an die Designerin Margaret Kropholler (1891–1966) beginnt mit dem Gruß „Dear Gentleman“. So war es damals: Ihr männlicher Kunde konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine Frau seine Lampen entworfen hatte. Sie ist beispielhaft für den Widerstand, mit dem die Frauen der Amsterdamer Schule zu kämpfen hatten.
Die Amsterdamer Schule war zwischen 1910 und 1930 eine expressive Architektur- und Designbewegung, in der Ästhetik ebenso wichtig war wie Funktionalität. Die Ausstellung zeigt dies deutlich: wellenförmige Fassaden, braune Ziegel, reich dekorierte Innenräume und ausdrucksstarke geometrische Formen in Druckerzeugnissen und Typografie. In diesem Zusammenhang war es für Frauen nicht einfach, eine Karriere zu machen. Vor allem in der Architektur, wo Männer Anerkennung und Kunden forderten. Die Ausstellung zeigt überzeugend, wie groß der Beitrag der Frauen war, auch wenn ihre Namen nicht genannt wurden. Ein blinder Fleck, der hier korrigiert wird. Und das zu Recht, denn was für ein beispielloses Talent.
Bild der Welt hinter den Entwürfen
Das Museum „Het Schip“, selbst im Stil der Amsterdamer Schule erbaut, erweckt die Arbeiten der Künstlerinnen und Designerinnen in farbenfrohen Räumen voller Textilien, Druckerzeugnisse, Fotografien und Skulpturen zum Leben. Bilder von Workshops und Schulungen vermitteln ein lebendiges Bild der Welt hinter den Entwürfen. Die vielen Galerietexte bieten viel Tiefe, vielleicht nur ein wenig zu viel. Zu Beginn der Ausstellung können die Besucherinnen und Besucher in die Rolle einer Frau von 1920 mit einem Karrierespiel schlüpfen. Die erste Frage: „Sie sind als Grafikdesigner angestellt und möchten heiraten. Dein Arbeitgeber hält sich an das Gesetz und entlässt dich. Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihre Karriere als verheiratete Frau fortsetzen können.“ Schon beim ersten Würfeln muss ich fünf Schritte zurückgehen. Noch bevor ich anfangen kann, bin ich fertig.
Appell für das Frauenwahlrecht
Dennoch erzielten die Frauen der Amsterdamer Schule Erfolge. So wird beispielsweise „Die Frau 1813–1913“ (1913) beleuchtet, eine von führenden Feministinnen, Künstlerinnen und Schriftstellerinnen organisierte Ausstellung, Aufmerksamkeit geschenkt. Die Ausstellung hob den Erfolg der Frauen in den letzten hundert Jahren hervor und war ein wichtiger Appell für das Frauenwahlrecht, für das sie ebenfalls kämpften. In dieser Zeit machten die Frauen der Amsterdamer Schule ihre ersten Schritte in diesem Beruf. Wilhelmina Drupsteen fertigte das Gewinnerplakat an: eine dreifarbige Lithografie. Sie zeigt eine Frau mit ausgestreckten Armen über zwei Handwerkerinnen vor einer Stadtsilhouette, die die neuen Möglichkeiten für die moderne Arbeiterin symbolisiert.
Aufbauend auf der Amsterdamer Schule
Heute kämpfen Frauen immer noch für Gleichbehandlung und Chancen. Deshalb zeigt die Ausstellung auch fünf Videoporträts von Frauen, die heute in Architektur, Kunst und Feminismus aktiv sind. Eine von ihnen ist Talisa Harjono, Künstlerin und Inhaberin des queeren Cafés Saarein im Jordaan. Sie erklärt die Bedeutung des intersektionalen Feminismus, der untersucht, wie verschiedene Formen von Ungleichheit – wie Geschlecht, Rasse und Klasse – gemeinsam bestimmen, wie jemand Diskriminierung erlebt. Eine Perspektive, die zur Zeit der ersten feministischen Welle noch fehlte.
Die aktuelle Perspektive zeigt, dass die heutigen Frauen auf dem aufbauen, was die Frauen der Amsterdamer Schule begonnen haben. Vom hart erkämpften Frauenwahlrecht in der ersten feministischen Welle bis hin zur Rekordzahl von Frauen im aktuellen niederländischen Abgeordnetenhaus. Die Ausstellung macht deutlich, wie reich und vielseitig die Arbeit der Frauen innerhalb dieser Bewegung war und wie sie es schafften, ihre Spuren in der Geschichte zu hinterlassen. (Text Museumstijdschrift)
Nähere Informationen: Museum Het Schip, Oostzaanstraat 45, 1013 WG Amsterdam, Telefon +31 20 6868595, E-Mail: info@hetschip.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.