„Burgunder in Limburg“

Trifft der Name der Ausstellung „Burgunder in Limburg“ im Limburger Museum in Venlo, die dort noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, tatsächlich den Kern? Ja und nein. Es ist sicherlich eine Augenweide, aber es fehlt eine klare Fokussierung auf das „Limburg“ im Titel.

Mit seltenen Leihgaben wie einer großen Goldstickerei des burgundischen Wappens, der juwelenbesetzten Krone einer burgundischen Braut aus dem Aachener Domschatz oder einer Halskette der exklusiven Ritterschaft des Goldenen Vlieses können sich die Besucher am burgundischen Hof in Venlo aus dem 15. Jahrhundert im sprichwörtlich reichen Leben suhlen.

Es gibt aber auch eine einfachere Seite des Lebens in der Blütezeit des ursprünglich französischen Herzogtums; Zum Beispiel die billigen Pilgersouvenirs, die einst zu Hunderten hergestellt wurden. Wenn man sich die Mühe macht, sich die einfach gemachten Heiligen und biblischen Szenen dieser Abzeichen genau anzusehen, findet man auch eine Vulva, die von fliegenden Penissen umgeben ist.

Fromme Ritterlichkeit und politischer Ehrgeiz

Es ist eine Errungenschaft, dass das Limburger Museum ein Meisterwerk wie den Lütticher Reliquienschrein des letzten Herzogs Karl des Kühnen (*1433- + 1477) gewonnen hat. Dieser goldene Reliquiar wurde zwischen 1467 und 1471 für die Kathedrale St. Lambert in Lüttich angefertigt. Hinter dem knienden, gepanzerten Charles mit dem eigentlichen Reliquiar im Arm steht sein Vorbild: George, der Drachentöter.Oberflächlich betrachtet scheint es Ausdruck frommer Ritterlichkeit zu sein, aber das Kunstwerk ist auch ein Manifest politischer Ambitionen. Als eine der Parteien, die an den sogenannten „Lütticher Kriegen“ beteiligt waren, versuchten die Burgunder seit Jahren, Lüttich und andere mosanische Städte in ihr Reich einzugliedern. Trotz des reichen Geschenks ließ Karl die Stadt ein Jahr nach seiner Beauftragung bis auf die Grundmauern zerstören.Mit seinen Bannern, „Millefleurs“-Tapeten und „Tableaus“ – vor allem denen des berühmten burgundischen Festes, das als „Bankett des Fasans“ in die Geschichte eingegangen ist – hat das Design eine schöne und eindrucksvolle Wirkung. Ist das ein Mediävistischer, der sich mehr auf die Atmosphäre als auf die historische Wahrhaftigkeit konzentriert? Sicher! Aber Besucher, die wie ich in ihrer Kindheit einmal Ritter waren, genießen es sicherlich noch mehr.

Als Hauptfiguren der Ausstellung stellen die Macher die Herzöge Philipp den Guten (*1396 – +1467) und Karl den Kühnen sowie die letzte burgundische Erbin Maria (*1457 – +1482) vor, die treffend „die Reiche“ genannt wird. Sie werden mit Porträts eingeleitet, die in kleinen, abgetrennten Räumen aufgehängt sind. Diese Räume erinnern an die typischen mittelalterlichen Pavillons – runde, bunte Zelte, die von Rittern und Adeligen genutzt wurden, wie das Gemälde von Karl dem Kühnen zeigt, das ein Armeelager darstellt.

Alternative Fakten

Die Tatsache, dass „Burgunder in Limburg“ in der Werbung mit einem Hinweis auf die burgundische Lebensart der Limburger vermarktet wird, ist an sich schon verständlich; So ein modernes Klischee eignet sich einfach gut als Einstieg. Aber die Provinz Limburg als Teil der Nation der Niederlande existiert erst seit dem neunzehnten Jahrhundert. Davor wechselte die Dominanz, die Aufteilung des Gebiets und sogar die Lage dessen, was „Limburg“ genannt wurde, ziemlich oft.Kann man Holzskulpturen wie die des Meisters von Elsloo (zirka 1500) oder Jan van Steffeswert (ca. 1460-nach 1538) gleichzeitig als burgundisch und limburgisch einordnen? Vielmehr gehören sie zu einer mosanischen Kunst, die nicht spezifisch in Limburg verwurzelt war – die es damals noch nicht gab – und die nicht ausschließlich zur burgundischen Kultur gezählt werden kann.

Auch die Präsenz des berühmten „Les Très Riches Heures“als Faksimile (das Original wird nie ausgeliehen und selten ausgestellt) und in Form von riesigen Bildern an den Wänden ist schlampig. Dieses Buch wurde nicht für einen burgundischen Herzog geschrieben, sondern für ihren größten Rivalen und ihr größtes Familienmitglied, den Herzog von Berry. Und was ist mit den Brüdern Van Lymborch, die die berühmtesten Miniaturen des Manuskripts malten? Nun, sie kamen nicht aus Limburg, dem heutigen oder dem damaligen, sondern aus Nimwegen und arbeiteten hauptsächlich in Frankreich. Die Besucher fragen sich vielleicht, wie schlimm es ist, dass solche Details nur indirekt gestreift werden. Für den, der kein (kunst-)historischer Scharfschütze ist, kann es durchaus vorstellbar sein, dass er die Ausstellung mit dem Eindruck verlässt, dass „burgundisch“ eigentlich ein Sammelbegriff für alles Spätmittelalterliche und auch mehr oder weniger ein Synonym für „Limburgisch“ ist. Und das ist in dieser Zeit der grassierenden „alternativen Fakten“ fragwürdig. (Artikel von Dorlen Tamis aus der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Limburgs Museum, Keulsepoort 5 (gegenüber dem Bahnhof), 5911 BX Venlo, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Telefon +31 777352212.

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