Zu den bekanntesten und prägendsten historischen Bauwerken und Wahrzeichen Nordhorns gehört die Alte Kirche am Markt. Entstanden ist sie im 15. Jahrhundert. Die feierliche Einweihung – damals noch ohne Turm – erfolgte am 6. Juli 1445 im Beisein des Münsteraner Bischofs Johannes Fabri.
Seit ein paar Tagen liegt jetzt der neue Bildband „Alte Kirche am Markt in Nordhorn – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -“ vor. Initiator Georg H. Pauling, langjähriger Kirchenältester und Mitglied der reformierten Gemeinde, will mit dieser Veröffentlichung nach seinen eigenen Worten „seine persönliche Wertschätzung für diesen besonderen Ort teilen und sichtbar machen, wie viel Leben, Geschichte und Glauben in diesen alten Mauern steckt.“
Unterstützung bei der Umsetzung seines Vorhabens hat er zum einen von seinem Freund Arno Frey erhalten, mit dem er das Interesse für Kunst, Kirchengeschichte, Architektur und Fotografie teilt, zum anderen von Werner Bergfried, dem früheren Pastor an der Alten Kirche am Markt, der sich während dieser Tätigkeit immer intensiver mit der Geschichte dieses Gebäudes beschäftigt hatte. Während Pauling und Frey vor allem für den Bereich Fotografie zuständig waren, oblag Bergfried die redaktionelle Tätigkeit, die auch die Bildtexte umfasste.
Dem Autor ist es dabei gelungen, auf sechs Seiten sowohl die über 550-jährige Geschichte der Kirche, ihre mittelalterlichen Ursprünge, den Einfluss des Klosters Frenswegen als Ausgangspunkt der religiösen Erneuerungsbewegung „devotia moderna“, die Finanzierung und Bauweise, die durch die Reformation ausgelösten Veränderungen für die Kirche und das rege Gemeindeleben anschaulich und verständlich darzustellen, was angesichts der Fülle und Komplexität des Materials keine leichte Aufgabe war.
Einen Schwerpunkt seiner Ausführungen legt Bergfried auf die „eindrucksvollsten und zugleich geheimnisvollsten Ausstattungen der Alten Kirche Nordhorn.“ Es sind die Wandmalereien. Die Fresken im Chorraum, die aus dem 15. Jahrhundert stammen, zeigten die 12 Apostel. Im Zuge der Reformation, in der Heiligenverehrung und bildliche Darstellungen abgelehnt wurden, weil „sie den Glauben zu sehr auf äußere Zeichen“ fokussierten, wurden diese Malereien zu Beginn des „Dreißigjährigen Krieges“ übertüncht und überklebt.
Wiederentdeckt wurden sie erst im 20. Jahrhundert im Rahmen restauratorischer Arbeiten. Hierzu merkt der Autor ergänzend an, dass von den Aposteln Petrus und Paulus nur noch das Podest übriggeblieben sei, und von dem Apostel Andreas nur das Andreaskreuz. Wie Bergfried weiter schreibt, sind die Wandmalereien „erst seit 1998 … nach und nach wieder freigelegt worden, wobei der fragmentarische Zustand als Teil ihrer Geschichte verstanden wird.“ Darüber hinaus geht Bergfried in seinem Beitrag auf die kunsthistorische Bedeutung der Wandmalereien, den Wandel des Denkens über den Umgang mit Kunst in den Kirchen, restauratorische Arbeiten und manches mehr ein.
Schwerpunkt des Buches sind aber die von Georg Pauling und Arno Frey in diesem Jahr angefertigten Fotos, die durch ihre hohe Qualität bestechen. In mehr als 50 Detailaufnahmen werden viele architektonische und gestalterische Elemente sichtbar gemacht, die den Besucherinnen und Besuchern aufgrund ihrer Fülle bei der ersten Betrachtung zumeist entgehen.
Auch hier liegt der Fokus auf den Wandmalereien. Dank der knappen, aber sehr informativen Bildtexte können die abgebildeten Apostel trotz der „Spuren der Geschichte“ namentlich zugeordnet werden. Wie ein sich auf zwei Seiten erstreckendes Foto deutlich macht, hat insbesondere das Motiv vom heiligen Georg, der den Drachen besiegt hat, erheblich deutlichere Schäden erlitten. Trotzdem konnte es auf ein ähnliches Motiv des Künstlers Israhel von Meckensen (Meckenheim) zurückgeführt werden, das vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden ist.
Weitere Details, die von den beiden Fotografen festgehalten wurden, sind unter anderem die Orgel, die Glocke, das Dachgeschoss mit den Gewölbekuppeln, die Turmuhr, mehrere Schriftplatten und der Opferstock, der früher ein katholisches Weihwasserbecken war. Perspektivische Blicke runden den Bereich Fotografie ab.
Dank der gelungenen Mischung aus Text und Foto ist es allen drei Beteiligten gelungen, ein Buch zu erstellen, das dem Leser einen guten Einstieg in die spannende Geschichte der Alten Kirche am Markt ermöglicht.
Nachtrag:
Über eine große Resonanz konnten sich Georg Pauling, Werner Bergfried und Arno Frey anlässlich der offiziellen Vorstellung des Buches in der Alten Kirche am Markt freuen. Einen besonderen Dank erhielten sie für die umfangreiche Arbeit an dem Buch von Pastor Simon Plenter. Er nahm in seiner Begrüßungsrede insbesondere Bezug auf das im Buchtitel enthaltene Wort Zeitzeugnis, dem er zwei Bedeutungen zuschrieb: Zum einen die Zeit, in der das Buch entstanden sei und in der Pauling, Bergfried und Frey einen neuen Blick auf die historienträchtige Kirche gerichtet, zum anderen das Zeugnis, dass die drei als Ort des Glaubens mit dem Buch abgelegt hätten.
Im zweiten Redebeitrag betonte Initiator Georg Pauling zunächst seinen besonderen Bezug zur Alten Kirche, die 1964 mit seiner Taufe begonnen hatte und 2017 nach seinem Umzug von Bad Bentheim nach Nordhorn mit einem Neuanfang verbunden war. Er wurde Kirchenältester, Turmführer, Kassenwart und Mitglied des Bauvereins „Alte Kirche“. Durch die Begegnung mit dem ehemaligen Pastor der Alten Kirche, Werner Bergfried, wurde, wie Pauling weiter berichtete, sein Interesse für die Geschichte, die sich an den Mauern des Gebäudes zum Teil zeigt, zum Teil aber auch verbirgt, geweckt – insbesondere für die Fresken. Das war dann auch die Inspiration, das vorliegende Buch herauszubringen.
Detailliert auf das Motiv des Heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen ging Arno Frey ein. Wie er ausführte, ist Georg ein legendärer christlicher Heiliger, welcher der Überlieferung zufolge zu Beginn der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (284–305) gefoltert und getötet und nach dem Sieg des Christentums in vielen Kirchen als Groß- beziehungsweise Erzmärtyrer verehrt wurde.
Frey machte aber auch deutlich, dass die Titulierung Georgs als Märtyrer nicht immer unumstritten war. Aufgrund fehlender historische Angaben zu seiner Person wurde er in der römisch-katholischen Kirche 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen, jedoch 1975 wieder eingefügt. Die Legende vom Drachentöter Georg, der das Land von einem tyrannischen Drachen befreite, wenn sich das Volk dafür taufen ließe, kam im 12. Jahrhundert auf und ist in der mittelalterlichen Textsammlung „Legenda aurea“ überliefert. Georg zählt im christlichen Glauben zu den 14 Nothelfern und ist der Schutzpatron verschiedener Länder, Adelsfamilien, Städte und Ritterorden sowie der Pfadfinder. Trotz der Verortung der Herkunft Georgs im Bereich Kleinasien und Syrien wird er auch in Europa verehrt. In Großbritannien ist ihm sogar ein Feiertag gewidmet.
Sein Symbol in der Heraldik ist das Georgskreuz. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist in vielen Wappen und Flaggen enthalten. Heiligenattribute, die neben dem Georgskreuz als Erkennungszeichen des Heiligen dienen, sind der Drache sowie seine Darstellung als Ritter mit Lanze auf einem Pferd, wie sie sich auch auf einem Motiv der Fresken in der Alten Kirche finden. Lange Recherchen führten laut Frey, wie schon angemerkt, zu der Erkenntnis, dass dieses Motiv, eine Kopie, dem Künstler Israhel von Meckensen (Meckenheim) zuzuordnen und vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden sei. Eine Vielzahl seiner Werke befindet sich in Bocholt, wo er zirka 1440 geboren wurde und 1503 starb.
Das Buch ist im Gemeindehaus am Markt, bei Von Poll Immobilien am Europaplatz, beim Tabakwarenhandel Strohm (Inh.: Dietmar Brookmann) an der Bahnhofstraße, bei der Rechtsanwaltskanzlei Weßling, Kambach und Bitzer an der Ecke Sandstiege/Büchereiplatz, beim VVV Stadt & Citymarketing an der Firnhaberstraße, bei Firnhabers Neuland an der Firnhaberstraße und im Buchhandel erhältlich. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro. 10 Euro davon fließen in den Erhalt der Alten Kirche am Markt.
Georg H. Pauling, Alte Kirche am Markt – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -, Edition Virgines, ISBN 978-3-910246-46-1.