„was vererben wir und was behalten wir für uns“

Was bedeutet es, wenn Herkunft, Sprache und Zugehörigkeit in ihrer Komplexität unsichtbar bleiben? Die Ausstellung „Was vererben wir und was behalten wir für uns“ im Kunstraum hase29 in Osnabrück, die dort noch bis zum 29. November zu sehen ist, präsentiert vier künstlerische Perspektiven, die sich mit russlanddeutscher Herkunft, Erinnerung und Identitätsbildung auseinandersetzen. Gezeigt werden Malerei, Skulptur und installative Arbeiten, die sich im Spannungsfeld zwischen Bewahren und Loslassen bewegen.

Während rund 2,5 Millionen Russlanddeutsche in Deutschland leben, ist ihr kollektives Erbe kaum sichtbar. Ihre Geschichten werden selten erzählt, oft missverstanden und medial verzerrt dargestellt. Das Schicksal vieler russlanddeutscher Familien ist geprägt von Vertreibung, dem Verlust von Heimat, Sprache und Anerkennung – Erfahrungen, die bis heute nachwirken und sich auch in den Werken der Ausstellung widerspiegeln.

Der Ausstellungstitel „Was vererben wir und was behalten wir für uns“ ist ein Zitat aus dem Gedichtband „Lustdorf“ von Alisha Gamisch.

Zu den Künstlern:

Alexej Eisner (*1990 Dusty-Kurgan-Tjube/Tadschikistan, lebt und arbeitet in Osnabrück) verbindet in seiner künstlerischen Arbeit nostalgische, (post-)sowjetische Erzählungen mit biografischen Elementen des Alltags. Dabei verweben sich persönliche mit kollektiven Erinnerungen an die Traumata der russlanddeutschen Geschichte. Eisner zeigt figurative Elemente, die mit expressiven Gesten, abgeschabten Oberflächen und ausdrucksstarker Farbgebung innerhalb einer einzigen Komposition zu abwechselnden Momenten der Klarheit, des Verfalls kommen und vermitteln das Gefühl von Authentizität und rohen Emotionen.

Ernstina Eitner (*1992, Rendsburg, lebt und arbeitet in Berlin) ist interdisziplinär arbeitende bildende Künstlerin, die sich in ihrer Praxis kritisch mit gesellschaftlichen und kulturellen Phänomenen auseinandersetzt. Als Tochter schwarzmeerdeutscher Eltern aus Kasachstan spielen ihre Herkunft und (kollektive) Erinnerungen eine zentrale Rolle in ihrer oft recherchebasierten Arbeit, die sich verschiedener Techniken und Materialien bedient und vor allem Objekte, Installationen und Zeichnungen umfasst.

Katharina Reich (*1987 in Tjumen/Russland, lebt und arbeitet in Berlin) formt aus Alltagsgegenständen Skulpturen, die gesellschaftliche Fragen ästhetisch wie auch materiell verhandeln. Als Spätaussiedlerin sind ihre Werke eng mit autobiografischen und politischen Themen verbunden. Herkunft, Migration, kulturelles Gedächtnis sowie das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Marginalisierung prägen ihren konzeptuellen Raum. Das Sammeln und Tauschen von Fundstücken ist Teil ihres künstlerischen Prozesses, der den ephemeren Charakter ihrer Arbeiten bestimmt.

Nicole Widner (*1995 in Melle, lebt und arbeitet in Münster) entwickelt unter anderem aus ihrer russlanddeutschen Familiengeschichte eine künstlerische Sprache, die Fundstücke und räumliche Situationen neu gestaltet. In Ihren Werken wird Ursprüngliches aus dem Bedeutungszusammenhang gelöst und in neue erzählerische Zusammenhänge eingefügt. Auf diese Weise eröffnet sie Räume für Assoziation, Erinnerung und Interpretation – zwischen Vertrautem und Fremdem, Fragment und Ganzem – stille Erzählungen über Identität, Verlust, Wandel und die Magie der Dinge.

Nähere Informationen: Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück e.V. Kunstraum hase29, Hasestraße 29/30, 49074 Osnabrück, Telefon: 0541 – 58051396 und E-Mail: mail@hase29.de

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