Der Maler Ulrich Klimmt – Rückkehr nach Engter

Eine weitere Entdeckung auf der Suche nach Orten der Kultur in der Region ist das „Café im Speicher“ in Bramsche-Engter.

Noch bis zum 2. November ist dort die Ausstellung „Der Maler Ulrich Klimmt – Rückkehr nach Engter“ zu sehen. Initiator ist der jüngere Bruder Reinhard Klimmt, der den meisten eher als Politiker bekannt ist. Er war vom 9. November 1998 bis zum 29. September 1999 Ministerpräsident des Saarlandes und vom 29. September 1999 bis zum 20. November 2000 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Darüber hinaus betätigt er sich als Buchautor, Kolumnist und Kunstsammler.

Zum Maler Ulrich Klimmt

1932 wurde Ulrich Klimmt in Berlin als Sohn von Elisabeth und Felix Klimmt geboren, beide Volksschullehrer. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges führte der Weg der Familie über Rügen ins Emsland nach Klein-Berßen und dann nach Bramsche-Engter.

Nach dem Abitur an der Oberschule für Jungen (Jetzt Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium) in Osnabrück besuchte er von 1952 bis 1954 die Werkkunstschule Hannover bei Prof. Erich Rhein und von 1954 bis 1958 die Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Prof. Heinrich Graf Luckner. Von 1960 bis 1994 war er als Kunsterzieher am Gymnasium Ernestinum in Celle tätig.

Erste Ausstellungen seiner Werke erfolgten in der Galerie Dr. Jochem in Celle. Im Rahmen seines künstlerischen Schaffens verarbeitete er seine ganz persönliche Sicht und Deutung seines Lebens und seiner Welt. Deswegen ist die Familie ein durchgehendes Motiv, sein langjähriger Wohnort Celle und die dortige Region, vor allem aber die gemeinsamen Urlaube im Norden und später vor allem in Portugal. 2022 ist Ulrich Klimmt gestorben.

In einem größeren Rahmen wurde das Werk von Ulrich Klimmt im Museum „Sammlung Zimmer“ an der Hollandstraße 10 im saarländischen Merzig-Hilbringen gewürdigt. Schwerpunkt der Sammlung des ehemaligen Arztes und Kunstenthusiasten Martin Zimmer ist die Künstlergruppe „Junge Wilde“, zu der so bekannte Namen wie Jörg Immendorf, Helmut Middendorf, Salomé und vor allem Rainer Fetting gehören.

Begeistert hat ihn auch das Schaffen von Ulrich Klimmt, wie er 2024 zur Eröffnung einer Ausstellung mit dessen Werken sagte: „Als ich zum ersten Mal die Bilder von Ulrich Klimmt sah, war ich tief beeindruckt; Bewunderung kam in mir auf, spontan beschloss ich, ihn hier auszustellen. Das breit angelegte Werk von Ulrich Klimmt spricht die Sprache der Malerei. Die Sprache der Malerei sind die Bilder. Es handelt sich hierbei um eine wortlose Sprache. Die im Entscheidungsbereich der Seele liegende Kunst ist universell. Sie kommuniziert mit uns in einer Art und Weise, die wir Menschen auf der ganzen Welt verstehen, was zeigt, dass wir alle im Grunde gleich sind. Kraft und Ehre Mensch zu sein, sich zu respektieren, sind Werte, die wir leben sollten. Damit so schlimme Dinge wie Kriege nicht mehr stattfinden.“

Bekanntester Gast der Ausstellung war die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD), die sich in ihrer Rede den Worten Martin Zimmers anschloss. Sie bezeichnete die Ausstellung als „Begegnung von Künstlern, die die Urelemente der bildenden Kunst: Form und Farbe mit dem Gegenständlichen verbinden. Da alles ein Etikett braucht, zählt man sie zu den Neoexpressionisten, die in Hamburg und in der Berliner Hochschule für Bildende Kunst ihre ersten Impulse erfuhren. Zu den Höhepunkten dieser künstlerischen Bewegung gehören neben Karl Horst Hödicke, A. R. Penck, Jörg Immendorf die „Neuen Wilden“, die Maler vom Berliner Moritzplatz um Rainer Fetting, die in den 8oer Jahren von sich reden machten. Die Skulptur Willi Brandts in der Berliner SPD-Zentrale prägt mein Bild von Willy. Fetting, Penck, Middendorf, Salome – alle sind hier zu finden und geben auch mir Einblicke in das Lebensgefühl der 80er Jahre, als ich noch ein Kind war. Von Martin Zimmer eingeladen, gesellt sich jetzt Ulrich Klimmt zu diesem illustren Kreis. Er studierte ebenfalls an der Berliner HfBK, von 1954 bis 1958. Grass und Baselitz und Schönebeck waren seine Kommilitonen. Der Porträtexperte Graf Luckner war sein Mentor – was in der Ausstellung unschwer zu erkennen ist. Mehr in sich gekehrt, ganz das Gegenteil zu seinem extrovertierten 10 Jahre jüngeren Bruder Reinhard, entschloss er sich Kunsterzieher zu werden, nicht aus Risikoscheu, sondern eher aus dem Wunsch nach Unabhängigkeit, die ihn von den Zwängen des Kunstmarkts bewahrte. Seine frühen Bilder aus den 50er und 60er Jahren, die den Löwenanteil der hier ausgestellten Bilder darstellen, enthalten bereits viele Elemente der späteren Kollegen. Ort des Geschehens ist die grandiose Sammlung von Gemälden der Neoexpressionisten, die Dr. Martin Zimmer zusammengetragen hat. Es ist sein Lebenswerk, das neben seiner Tätigkeit als Arzt alle Kräfte in Anspruch nahm und nimmt … Um mit ihnen zu leben, hat er sein Haus um großzügige Räume erweitert, die ein veritables Museum haben entstehen lassen und quasi als Außenstelle der Modernen Galerie in Saarbrücken, die vor allem in der klassischen Moderne und dem Informel ihre Glanzpunkte hat, gelten kann … Als Sammler seelenverwandt, haben Zimmer und Klimmt zusammengefunden … So, wie Zimmers Sammlung quasi im Verborgenen geblüht hat, so hat sich Ulrich Klimmt seiner Passion malen, zeichnen und collagieren viele Jahrzehnte gewidmet. Er war ein Maler der auch unterrichtet hat. Abseits vom Kunstbetrieb hat er sein Leben mit Zeichenstift und Farben beschrieben und interpretiert. An erster Stelle die Familie, die Landschaften der Heide um seinen Wohnort Celle und die der Urlaubsländer, literarische Personen, Menschen, Tiere, und später – fasziniert vom Wasser – immer wieder Badeszenen, Wasserwesen, Strandgut, Fische und immer wieder Fische … Wir sind heute bei zwei Sammlern zu Gast, die ihre Schätze bereitwillig teilen.“

Nähere Informationen: Café im Speicher, Engter Bach 12, 49565 Bramsche, Telefon: 05468 939777, E-Mail:wilyholtkamp@osnanet.de und Internet: www.cafe-im-speicher.de

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