„Genossin Sonne“ – essayistische Gruppenausstellung im HMKV

Bevor der Begriff „Revolution“ im 18. Jahrhundert – unter dem Eindruck der Französischen Revolution – einen „gewaltsamen Umsturz der bestehenden politischen oder sozialen Ordnung“ bezeichnete, wurde er in der Astronomie zur Bezeichnung der Umdrehung der Himmelskörper verwendet.

Die essayistische Gruppenausstellung „Genossin Sonne“ des „Hartware MedienKunstVereins“ in Dortmund, die noch bis zum 18. Januar 2026 zu sehen ist, widmet sich künstlerischen Arbeiten und Theorien, die den Kosmos und insbesondere die Sonne, der Energielieferant für Leben auf der Erde, mit sozialen und politischen Bewegungen in Verbindung bringen. Vor dem Hintergrund der Dezentrierung des Menschen als historisches Subjekt fragen wir, inwieweit nicht nur die Umwelt auf der Erde, sondern darüber hinaus auch der Kosmos an historischen Prozessen Anteil hat. Gibt es etwa, wie die sowjetischen Kosmisten behaupteten, einen Zusammenhang zwischen erhöhter solarer Aktivität (einer Zunahme der Sonnenflecken und -winde) und irdischen Revolutionen? Und welche spekulativen, lustvollen Überlegungen finden sich dazu in der zeitgenössischen Kunst und Poesie?

Bei den Werken internationaler Künstlerinnen und Künstler liegt ein Schwerpunkt auf dem Bewegtbild – auf Kino, Film und Video als Medien des Lichts. Aber auch in anderen Medien strahlen die Arbeiten hypnotische, fiebrige, glühende, drohende Affekte aus. Die Sonne fungiert insgesamt einerseits als Lebens- und Energiespenderin für politische Kämpfe und andererseits als mahnende Figur, deren schiere Masse und Lebensdauer die Kürze menschlichen Lebens auf dem Planeten Erde deutlich macht. Und auch: Was, wenn sie nie unter- oder wieder aufgeht und die Zeit noch stärker aus den Angeln gehoben wird, als dies bereits der Fall ist?

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.

Die Ausstellung der HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U erfolgt in Kooperation mit der Kunsthalle Wien und den Wiener Festwochen | Freie Republik Wien.

Über den HMKV Hartware MedienKunstVerein

Der HMKV Hartware MedienKunstVerein hat seit seiner Gründung im Jahr 1996 zahlreiche Ausstellungen, Film-, Musik- und Performanceprogramme, Workshops, Vorträge und Konferenzen in diversen Städten im In- und Ausland sowie in Dortmund realisiert.

Er bildet eine Plattform für die Produktion, Präsentation und Vermittlung von zeitgenössischer beziehungsweise experimenteller (Medien-)Kunst. Medienkunst wird dabei nicht als technisch determiniertes Genre verstanden, sondern als zeitgenössische Kunst, die sich inhaltlich und konzeptuell mit unserer in starkem Maße medial und technologisch geprägten Gegenwart auseinandersetzt. Zu den wesentlichen Zielen gehören die Verhandlung von zeitgenössischen Themen und Fragestellungen, die Ansprache einer breiten Öffentlichkeit in der Vermittlungsarbeit sowie ein interdisziplinärer künstlerischer Ansatz.

Zugänge zur aktuellen Kunst werden geschaffen, um zu zeigen, dass Künstlerinnen und Künstler nicht in Elfenbeintürmen sitzen, sondern sich mit Themen beschäftigen, die alle etwas angehen. In seiner Vermittlungsarbeit macht sich der Verein die Werkzeuge des digitalen Zeitalters zunutze, um auf spielerische und partizipative Weise ein neues Verständnis für unsere mediale Welt, ihre Wahrnehmungs- und Handlungsmuster zu schaffen.

Gemeinsames Anliegen der Projekte des HMKV ist der Versuch, mit den Mitteln der Kunst ein Verständnis für vielschichtige gesellschaftliche, politische, ökonomische oder ökologische Zusammenhänge herzustellen. In einer globalisierten und durch Technologie beschleunigten Welt, die auf der Interaktion dieser Systeme basiert, ermöglicht dieser Ansatz einen neuen Blick auf unsere Gegenwart, der die Wahrnehmung jedes Einzelnen bereichert. So wird eine singuläre Position in NRW – und in Deutschland – besetzt . Aus der Vielzahl von Kooperationen ist ein breit gefächertes, internationales Netzwerk entstanden.

Über das Dortmunder U

Das Dortmunder U ist ein Haus der Kunst und Kultur, Bildung, Wissenschaft und künstlerischen Forschung. Wir stellen auf vielfältige Weise ein Verständnis für gesellschaftliche, politische, ökonomische und ökologische Zusammenhänge her. Wir haben eine Kunstsammlung, sind Ausstellungsort und Treffpunkt. Wir verstehen uns als Experimentierraum und Ort des gemeinsamen Lernens, in dem Kunst, Wissenschaft und das eigene kreative Schaffen erlebt, vertieft und erprobt werden können. Hier finden Menschen Inspiration die Vergangenheit und Gegenwart zu befragen und die Zukunft mitzugestalten.

Die Partner im Dortmunder U zeigen Kunst, fördern Kreativität und entwickeln zeitgemäße Formate, um Menschen in Dortmund und der Region zu inspirieren und zu befähigen, unsere Gegenwart mitzugestalten.

Die unterschiedlichen Partnerinstitutionen im Dortmunder U bilden sowohl eine Schnittstelle für Kunst, Bildung, Forschung und Unterhaltung als auch für analoge und digitale Kreativität. Die sieben Etagen bilden einen weitläufigen und für alle offenen Raum zur Verdichtung und Förderung von Ideen sowie der Reflexion von Gegenwartsphänomenen.

Die Besucher*innen sind ausgehend von den Ausstellungen, Projekten, Workshops und Veranstaltungen in und um das Haus auch eingeladen, sich mit eigenen kreativen Aktivitäten einzubringen. Sie reflektieren die gesellschaftliche Realität nicht nur, sondern können sie auch aktiv mitgestalten.

Durch Kooperation der Partner im Haus sowie die Einbindung in ein lokales und internationales Netzwerks entwickelt das Dortmunder U neue Ausstellungs- und Vermittlungsformate. Aus interdisziplinären Kooperationen und der vorhandenen Vielfalt von Ansätzen und Perspektiven entstehen Impulse für Innovation und Kommunikation in Richtung der vielfältigen Stadtgesellschaft.

Das Dortmunder U schafft größtmögliche Teilhabe und Zugänglichkeit unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialem oder kulturellem Hintergrund der Besucherinnen und Besucher.

Das Dortmunder U ist ein Ort für die zeitgemäße Beschäftigung mit aktuellen gesellschaftlichen Themen. Dazu gehören unter anderem Künstliche Intelligenz, Körper(kult), Klimawandel, Mode, Jugendkultur, Bildsprache, Geschlechterrollen, Musikszenen, Migration und besonders die Aspekte der Digitalisierung.

Nähere Informationen: Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund, Telefon +49 (0) 231 50-24723, E-Mail: info@dortmunder-u.de

Hinterlasse einen Kommentar