100 Jahre Bauhaus in Dessau – eine Programmübersicht

Die Stadt Dessau-Roßlau und die Stiftung Bauhaus Dessau begehen gemeinsam das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses in Dessau. In verschiedenen Veranstaltungsformaten wird in diesem Jahr und im kommenden Jahr 2026 sich der Geschichte des Bauhauses in der Stadt selbst sowie der materiellen Kultur der Moderne und deren Relevanz für die Gegenwart gewidmet. In Ausstellungen, künstlerischen Interventionen, Konferenzen und Festakten wird die Bauhaus-Tradition aus neuen Perspektiven beleuchtet. Die Feierlichkeiten erstrecken sich dabei über die einstigen und neuen Wirkungsstätten der Bauhäusler – vom historischen Werkstattflügel bis zum Bauhaus Museum und zahlreichen weiteren Orten in der Stadt – ein vielschichtiger Dialog zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Das Programm im Überblick

Unsichtbares Bauhaus – die digitalen Führungen

Das Projekt „Unsichtbares Bauhaus Dessau“ eröffnet im Rahmen der Triennale der Moderne neue digitale Führungsangebote. Ein Videowalk führt zu sechs Orten in der Dessauer Innenstadt, an denen sich ab 1925 das Bauhaus etablierte und zugleich auf Widerstände stieß. Über QR-Codes können Besucher Videos abrufen und in die Bauhausgeschichte eintauchen. Ergänzend dazu bietet der Audiowalk „Auf den Spuren von Paul Klee“ einen Rundgang durch den Landschaftspark Georgium. Er zeigt, wie Klees Spaziergänge in der Natur seine Kunst prägten, und bindet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über interaktive Sequenzen aktiv ein.

Das Bauhaus kommt nach Dessau

1925 kam das Bauhaus nach Dessau. Jetzt wird auf dieses Jahr zurückgeschaut – Monat für Monat, anhand der alltäglichen wie der ungewöhnlichen Meldungen aus historischen Tageszeitungen und weiteren Quellen. Dabei werden ästhetische wie politische Strömungen der Zeit in den Blick genommen, das Bauhaus erscheint als utopische Gemeinschaft und als Streitfall. Der Zyklus startete am 28. Januar im Bauhaus Museum Dessau und kehrt immer wieder an diesen zentralen Ort zurück, im Wechsel werden andere Schauplätze der Geschichte als Lese-Orte erschlossen. Flankierend zur Reihe „1925 – Das Bauhaus kommt nach Dessau“ zeigt das Museum für Stadtgeschichte eine Ausstellung mit historischen Fotografien.

Unsichtbares Bauhaus – Rundgang im Stadtraum Dessau

1925 zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau. Doch wo lebten, arbeiteten und feierten Lehrer und Studenten in den ersten Monaten? Welchen Einfluss hatte die Stadt Dessau auf das Bauhaus und sein Wirken? Und wo ging Paul Klee spazieren, um sich für seine Malerei zu inspirieren? Der digitale Rundgang „Unsichtbares Bauhaus Dessau“ erkundet heute überwiegend nicht mehr sichtbare Orte, die eng mit der Ankunftszeit der Bauhäusler 1925/26 in Dessau verbunden sind, als Bauhausgebäude und Meisterhäuser noch nicht existierten. Ein separater Spaziergang durch das Georgium folgt den Spuren von Paul Klee. Nutzer können die Videos an den entsprechenden Orten über QRCodes abrufen und auf ihrem Smartphone ansehen. Auf der Website der Stiftung Bauhaus Dessau und analog weist eine Faltkarte den Weg durch die Stadt zu den einzelnen Orten.

Nitro | Silber | Licht“ – Avantgardefilm im Bauhaus Museum

Nach neusten Forschungen haben 29 Bauhäuslerinnen zirka 150 Filme gedreht. Die noch bis zum 12. November zu sehende Filmreihe „Filmende Bauhäuslerinnen“ zeigt eine Auswahl mit dem Fokus „Does Gender Matter?“ und „Materialien der Moderne im Film“. Im Bauhaus Museum steht am 6. November die experimentelle Filmkunst unter dem Titel „Nitro Silber Licht“ im Mittelpunkt. Wichtig werden projiziertes Licht, Material-Körnigkeit, chemische Entwicklung und Einkratzungen in den Filmträger.

Bakelit | Glasur | Farbe“ – Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau

Im Bauhaus Museum Dessau, inmitten der Sammlungsausstellung, werden vom 4. Dezember bis zum 31. Januar 2026 wichtige Schenkungen aus dem Zeitraum 2019 bis 2025 an das Bauhaus Dessau gezeigt, etwa Werke von Christian Dell (Matthias Mynett), Friedrich Engemann (Christine Engemann) oder Gunta Stölzl (Ariel Aloni). In einer Gesprächsreihe mit den Schenkern häufig Kinder beziehungsweise Enkelkinder der Bauhäusler, werden biografische Hintergründe sichtbar und die Beweggründe erläutert, warum diese Werke an die Stiftung Bauhaus Dessau übergeben wurden.

Diskurs | Risse | Narrativ“ – Internationale Konferenz vom 29. bis 31. Januar 2026

Mit Blick auf die Materialien des Bauhauses will eine internationale digitale Konferenz im Bauhausgebäude einen Beitrag zur Neuperspektivierung der Erzählungen der Architekturmoderne leisten. Die Konferenz schlägt Neubetrachtungen des materialen Artefaktes Bauhaus vor, die nicht nur beispielhafte Lektionen für den zukünftigen Umgang mit diesem Gebäude sein können, sondern auch eine Einladung darstellen, im Dialog mit dem modernen baulichen Erbe des Bauhauses Ansätze für das Baugeschehen der Gegenwart zu verhandeln.

Soda | Linsen | Fluff“ – Ausstellung und Veranstaltungen

In diesem und im kommenden Jahr werden Antje Schiffers und Thomas Sprenger zu ausgewählten Abbauorten von Rohstoffen sowie Produktions- und Verkaufsstätten von Zement, Ziegel, Glas usw. in Sachsen-Anhalt sowie nach Kuba und in die Türkei reisen. Dabei besuchen sie ein weites Spektrum von Orten, Vereinen und Betrieben. Das Ende der Reisen bilden eine Ausstellung, die vom 12. Februar bis zum 12. Juli 2026 im Bauhaus Museum zu sehen ist, und verschiedene Präsentationen sowie Veranstaltungen an den jeweiligen Orten.

Die historischen Produktionsstätten sind dabei Anlass zur heutigen Betrachtung dessen, was übrig ist, was Menschen mit den Überresten machen, in welchen Formen sie sich erinnern, wie heute produziert wird, was an die Stelle des Vergangenen getreten ist. Die Arbeit von Schiffers/Sprenger handelt daher auch ganz wesentlich von strukturellen Transformationen und deren Effekten auf die Menschen vor Ort.

Glas | Beton | Metall“ – Ausstellung im Bauhausgebäude

In nur einem Jahr Planungs- und Bauphase konnte das Bauhausgebäude 1926 errichtet werden. Was heute als UNESCO-Welterbe jährlich hunderttausende Besucherinnen und Besucher nach Dessau lockt, war ein Experimentalbau, der die Zukunft einer von Industrie und Mechanisierung geprägten Gesellschaft vorwegnahm. Die Stoffe und Materialien, aus denen das Bauhaus gemacht ist und mit denen sich die Werkstattarbeit der Schule gestalterisch auseinandersetzte, sind sichtbarer Ausdruck dieses Bekenntnisses. Die aufstrebende Industrie in Mitteldeutschland bot dafür ideale Voraussetzungen.

Die engen Verflechtungen der Bauhausarbeit mit der Industriegeschichte des frühen 20. Jahrhunderts sind Gegenstand der dreiteiligen Ausstellung „Glas | Beton | Metall“, die vom 28. März 2026 bis zum 10. Januar 2027 im historischen Werkstattflügel zu sehen ist. Hier werden die in der Bauhausgeschichte und Rezeption bisher weniger beachteten materiellen, wirtschaftlichen und technologischen Grundlagen des ikonischen Baus und seiner Werkstattproduktion erkundet. Die Ausstellung fragt nach den Formatierungen dieser modernen Alltagsästhetik, nach den Herstellungsprozessen, Produktionsorten, Arbeitsbedingungen und der Rohstoffgewinnung, die sich hinter den glatten, sauberen Oberflächen von Stahlrohren oder Glasfassaden verbergen. Sie verfolgt Handelswege, Lieferketten und Ressourcenströme, die in zutiefst ungleiche koloniale und imperiale Wirtschaftsbeziehungen und Geopolitiken eingebunden sind und thematisiert die Irritationen, Verwerfungen, aber auch Aufbrüche, die mit den Materialinnovationen zu Beginn der 1920er Jahre verbunden waren. Zudem zeigt sie die schmutzigen Unterseiten dieser materiellen Höhenflüge. Sie geht ihnen buchstäblich an die Substanz.

Algen | Schutt | CO2“ – Ausstellung im ehemaligen Kaufhaus Zeeck

Die Ausstellung „Algen | Schutt | CO2“, die vom 28. März bis zum 27. September 2026 im ehemaligen Kaufhaus Zeeck zu sehen ist, fragt nach den Möglichkeiten von Gestaltung heute und plädiert für eine Zusammenschau von Rohstoffen und Materialien, von Disziplinen, von Praxen und Wissen, von Abbau, Anwendung und Verbrauch, von Nutzen und Nutzern als Akteuren. Gezeigt werden Alternativen im Beton-, Stahl- und Glassektor genauso wie nachwachsende Rohstoffe, Materialien aus anthropogenen Quellen, Konzepte und Praxen des Erhalts und der Pflege.

Die Ausstellung ist Teil des von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Programms Zero. Sie soll eine klimaneutrale Ausstellung sein, die jedoch nicht nur von den Alternativen des Bauens heute spricht, sondern dies auch am Beispiel der Ausstellung selbst umsetzt und anschaulich macht. Darüber hinaus werden Projekte auf ihre Übertragbarkeit auf die Stadt Dessau-Roßlau untersucht. Das Gebäude – das ehemalige Kaufhaus Zeeck – stand zwei Jahrzehnte leer. 1908 inmitten der Stadt eröffnet, in den 1920-er Jahren erweitert, wurde es 1945 ein HO-Warenhaus und später zum Magnet-Kaufhaus. Zurzeit wird über eine künftige Neunutzung nachgedacht. Die Eigentümer stehen dazu mit der Stiftung Bauhaus Dessau in engem Austausch.

Ziegel | Shed | Strom“ – Ausstellung im Historischen Arbeitsamt

Ohne Backstein ist die zukunftsweisende Bauhausarchitektur nicht denkbar. Einer der prominentesten Bauhausbauten mit unverputztem Sichtziegel ist das historische Arbeitsamt in Dessau nach einem Entwurf von Walter Gropius. Ebenso wie bei diesen Materialien stellt sich auch beim Backstein die Frage nach seinem künftigen Einsatz. Der Backstein ist, in der uns geläufigen Form, ein energie- und ressourcenaufwändig gefertigtes und die Umwelt nachhaltig veränderndes Massenprodukt des Industriezeitalters.
Rundgänge, Workshops und künstlerisch-kulturelle Interventionen begeben sich im Gebäude, das bis 2027 leer steht, im Rahmen der Ausstellung „Ziegel | Shed | Strom“ auf eine forensische Spurensuche. Die Kopenhagener Künstlergruppe „Superflex“ sucht etwa nach Antworten auf die drastischen Eingriffe, die der Mensch mit dem Industriezeitalter und seinen Infrastrukturen im Ökosystem hinterlassen hat und fortwährend produziert.

Blech | Membran | Bullauge“ – Ausstellung im Stahlhaus

Parallel zum Stahlhaus von Georg Muche und Richard Paulick werden in der Ausstellung „Blech | Membran | Bullauge“, die vom 28. März 2026 bis 28. Februar 2027 zu sehen ist, Hugo Junkers‘ Überlegungen zum Bauen mit Stahlblech vorgestellt. Im Fokus stehen seine zeitgleichen Aktivitäten zur Entwicklung eines standardisierten und modular angelegten Metallhaus-Bausystems. Diese Grundlagenforschung mündete in zahlreiche Entwürfe für Metallhaustypen und Patente wie zum Beispiel für eine Panelbauweise. Umgesetzt wurden allerdings nur wenige Prototypen. Bei ihrer Entwicklung ging es neben Fragen zur seriellen Produktion von Bauelementen vor allem um den Ansatz, die allgemeinen und strukturellen Bedingungen für den Hausbau (Wetterschutz, Wärmeisolierung, Schallsicherheit, Abdichtung, Auswechselbarkeit) integral zu denken. Das Haus wurde als technische Apparatur, als „Wohnmaschine“ verstanden. Einen wichtigen theoretischen Impuls setzte dabei die 1926 veröffentlichte Schrift „Der Raum als Membran“ von Siegfried Ebeling, einem Mitarbeiter der Junkers´schen Hausbauforschung. Hier formuliert er eine Zukunftsvision, in der das Haus wie ein Organismus, unter anderem „als seine eigene Energiequelle“ aufgefasst und angelegt wird. Dies denkt eine autarke Architektur vor.

Lamellen | Pfette | Knoten“ – Ausstellung in der Lamellenhalle

Die bis heute als Hangar für Segelflugzeuge genutzte Stahl-Lamellenhalle wurde 1929 errichtet. Sie ist eine von drei noch in Dessau erhaltenen historischen Hallen nach dem System, das Hugo Junkers 1924 und 1925 patentieren ließ. Ihr gebogenes Stahldach besteht aus einem Baukastensystem, das sich wegen seines hohen Vorfertigungsgrades, seiner Transportfähigkeit, einfachen Montage und Robustheit weltweit vermarkten ließ. Bis zu 40 Meter weit spannende Hallen und Hangars wurden nach dem Junkers-System gebaut.
Die Open Air-Ausstellung „Lamellen | Pfette | Knoten“, die vom 28. März 2026 bis zum 28. Februar 2027 zu sehen ist, beleuchtet die Geschichte des Gebäudes und die Arbeit des Fliegerclubs seit seiner Gründung. Darüber hinaus wird der weltweite Verkaufserfolg der Junkers-Lamellenhalle am Beispiel eines Großauftrags der Firma Junkers präsentiert: 1926 wurde eine komplette Flugzeugfabrik, bestehend aus 13 Lamellenhallen mitsamt Maschinen, Ausstattung und Know-How, von Dessau nach Kayseri in die Zentraltürkei exportiert. Der abenteuerliche Transport der Bauteile per Schiff, Eisenbahn, Wagen und Kamel ins anatolische Hochland wurde fotografisch und in Texten dokumentiert.

Salto | Takt | Form“ – Bauhausfest

Das Bauhausfest am 6. September 2026 stellt die Verbindungen der Bauhäusler zu Zirkus, Tanz, Performance und Bildender Kunst in den Mittelpunkt. Ein großer Umzug durch die Stadt ist in Planung. Zentrale Orte sind das Bauhausgebäude, das Bauhaus Museum Dessau und der Stadtraum.

Gong | Schlag | Pfiff“ – Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau

Zum Bauhausfest 2026 eröffnet die Ausstellung „Gong | Schlag | Pfiff“, die vom 4. September 2026 bis 29. März 2027 im Bauhaus Museum Dessau zu sehen ist, mit einer Rauminszenierung und neuen filmischen Arbeiten des Künstlerinnenduos „Astrup & Bordorff“. Für die Raumbühne des Bauhaus Museums Dessau entwickeln sie eine Arbeit, die die damals revolutionäre Verschränkung verschiedener künstlerischer Disziplinen am historischen Bauhaus feiert und aktualisiert. Sie fordern in ihrer Arbeit sich selbst und das Publikum heraus, neu nachzudenken: über Biografien von Bauhäuslern, über Arbeits-, Rollen und Geschlechtervorstellungen, über die wunderbar mutig-freien Aufführungen der historischen Bauhausbühne und das soziale Darstellen, Miteinandersein und Feiern an diesem besonderen Ort.

Projektionen | Versprechen | Echo“ – Ausstellung im Bauhaus Museum Dessau

Die Eröffnung des Bauhausgebäudes in Dessau am 4.12.1926 war ein akribisch geplantes mediales Großereignis. Die Verpflichtung gegenüber einer demokratischen Öffentlichkeit, die von Transparenz und Offenheit getragen war – diesen Geist teilte auch die Avantgardeschule. Neue Medien und Informationskanäle spielten eine entscheidende Rolle. Die Eröffnung mit über 1.500 Gästen, einer Festwoche, Ausstellungen, Filmvorführungen und Publikationen war ein Ereignis, das ähnlich der populären Ausstellungskultur der 1920er Jahre didaktisch und unterhaltsam die sozial-, wohn- und bildungspolitischen Errungenschaften in die breite Bevölkerung vermitteln wollte. Das öffentliche Echo war gewaltig.
1976 wurde das Bauhaus wieder sichtbar und das Bauhauserbe erhielt im Kontext der veränderten Wirtschafts-und Sozialpolitik in der DDR neue Relevanz. Thematisiert werden diese Aspekte in der Ausstellung „Projektionen | Versprechen | Echo“, die vom 4. Dezember 2026 bis zum 29. März 2027 im Bauhaus-Museum zu sehen ist.

Nähere Informationen: Stiftung Bauhaus Dessau, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau, E-Mail: service@bauhaus-dessau.de, Telefon: + 49 340 6508 – 250, Fax: + 40 340 6508 – 226.

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