Einiges zum Museum und Park Kalkriese

Mehr als 2000 Jahre nach der Schlacht zwischen Römern und Germanen ist Kalkriese auch heute noch ein besonderer Ort. Seit über 30 Jahren finden hier wissenschaftliche Untersuchungen zur Varusschlacht statt, und Jahr für Jahr bietet die archäologische Forschung neue Einblicke in das tragische Kriegsgeschehen.

Kalkriese ist allerdings nicht nur ein spektakulärer Fundort, sondern zugleich ein Bodendenkmal, dessen Charakter und Ausdehnung Forschung und Denkmalpflege vor bisher ungekannte Herausforderungen stellt. Viele Universitäten und Forschungsinstitute unterschiedlicher Disziplinen sind aus diesem Grund in die Untersuchungen eingebunden.

Doch die Forschung allein steht hier nicht im Mittelpunkt, hinzu kommt als zentrale Aufgabe die Vermittlung an eine breite Öffentlichkeit.

Das Museum am Schauplatz des Geschehens versteht sich als Schaufenster aktueller Wissenschaft. Ausstellungen präsentieren neueste Ergebnisse, Führungen und Vorträge liefern Einblicke in die laufende Forschung und unsere Veranstaltungen finden immer neue Wege, die Geschichte in Worte, Bilder und Töne zu fassen.

Seit der Eröffnung im Jahr 2002 wurde das Museum mehrfach ausgezeichnet, darunter 2004 als erste archäologische Einrichtung in Deutschland mit dem Europa Nostra Award als europäisches Kulturerbe.

Archäologische Forschungen zur Varusschlacht

Die Wahrheit liegt im Boden. Mit archäologischen Methoden wird die Vergangenheit ans Tageslicht geholt und zum Sprechen gebracht.

Die Suche nach dem Ort der Varusschlacht drehte sich 500 Jahre lang im Kreis. Anhand der wenigen römischen Schriftquellen versuchte man das historische Ereignis zu lokalisieren. Doch was Heinrich Schliemann mit der Ilias in der Hand bei der Auffindung von Troja gelang, blieb bei der Suche nach dem Ort der Varusschlacht ohne Erfolg. Die Texte führten bislang an keinen Ort – oder an zu viele. Jeder Vorschlag blieb nur Mutmaßung. Helfen kann hier einzig die Archäologie, die anhand von Ausgrabungen zu dem Schlachtort führt. Auch Kalkriese wurde schon im 19. Jahrhundert von keinem geringeren als dem damals schon renommierten Historiker Theodor Mommsen vorgeschlagen. Seine These konnte jedoch erst über 100 Jahre später bestätigt werden.

Seit 1989 wird die Region Kalkriese systematisch archäologisch erforscht; seit 1998 erfolgt die Forschung in Kooperation mit der Universität Osnabrück. Auf 50 km² geht das Kalkrieser Archäologie-Team auf Spurensuche. Tausende von römischen Funden sprechen eine klare Sprache: Hier sind römische Truppen vernichtend geschlagen worden. Vieles spricht dafür, dass dies in der Varusschlacht geschah.

Nun gibt es erstmals einen konkreten Ort, an dem sich über die Varusschlacht diskutieren lässt. Die Situation ist für die Forschung einmalig. Wie passen moderne Archäologie und die Schriften antiker Autoren zusammen? Die Archäologie erlaubt Einblicke in die Geschehnisse vor Ort, zu denen sich die Texte ausschweigen. Es gibt kein ähnlich gut untersuchtes antikes oder historisches Schlachtfeld. Wie an keinem anderen Platz lassen sich hier vor allem die Geschehnisse untersuchen, die nach Ende der eigentlichen Kämpfe einsetzten: die Plünderungen und Siegesrituale. Das, was wahrscheinlich auf jedem Schlachtfeld der Welt passierte – und noch passiert –, kann hier mitunter detailliert in den Blick genommen werden. Und wir erhalten Einblicke in die Ausstattung eines römischen Expeditionsheers, die kaum ein anderer Fundplatz bieten kann. Hier sehen wir eine Truppe auf dem Marsch, mit ihrem Gepäck und persönlichen Habseligkeiten. Das meiste haben die Plünderer zwar mitgenommen, doch es blieb genug für die heutige Forschung zurück. Und jede weitere Ausgrabung kann neue Überraschungen bieten, wie der 2018 entdeckte römische Schienenpanzer eindrücklich belegt. Bislang wurde eine solche Körperrüstung noch nie vollständig gefunden.

Park und Architektur

Auf dem sogenannten Oberesch konnten seit 1990 die meisten Hinweise auf das Kampfgeschehen zwischen Römern und Germanen entdeckt werden. Im Jahr 2000 wurde hier der Park des Museums eröffnet. Er erstreckt sich über eine Fläche von über 10 Hektar. Architektur und Landschaftsgestaltung wurden von Mike Guyer und Annette Gigon zusammen mit dem Büro Zulauf Seippel Schweingruber, alle aus der Schweiz, entwickelt.

Der hier realisierte Ansatz erwies sich für viele Folgeprojekte im In- und Ausland als wegweisend. So wurde weder Ort noch Ereignis rekonstruiert und stattdessen inmitten der Landschaft am Kalkrieser Berg ein einzigartiger Reflexionsraum geschaffen. So bietet der Park dem Besucher eine spannende Kulisse für eigene Überlegungen zur Varusschlacht und ermuntert zu Erkundung durch Gehölz und Gestrüpp.

Kinder können mit dem Rätselspiel »Der Spurensucher« den Ort auf eigene Faust erkunden. Doch der Park hat noch mehr zu bieten: kleine Bäche, schmale Brücken, den Kletterwald oder den Themenrundgang »Undercover«, an dem sie Mister Reagan Wurmsky empfängt, um sie in die »Unterwelt« zu begleiten.

Auch eine Fülle von Veranstaltungen findet alljährlich im Park statt. Zu den bekanntesten gehören die Römer- und Germanentage und das Forum Kalkriese und überdies sorgt auch die Natur im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter für Abwechslung.

Schienenpanzer

Der Kalkrieser Schienenpanzer ist der älteste bekannte Schienenpanzer der römischen Welt. Er ist nahezu vollständig und außergewöhnlich gut erhalten. Diese aus mehreren Metallplatten zusammengesetzte Rüstung schützte über Jahrhunderte die Oberkörper der römischen Legionäre. Obwohl der Schienenpanzer zur festen Ausstattung der römischen Armee gehörte und in römischer Zeit vielfach abgebildet wurde, gibt es kaum Funde, die uns über das reale Erscheinungsbild und die technischen Details dieser Schutzrüstung in Kenntnis setzen.

Nach einer Stippvisite im Britischen Museum in London ist der Schienenpanzer ab dem 5. April 2025 wieder in Kalkriese zu sehen. Als einer der Highlightfunde der Sammlung erweitert der Schienenpanzer die Dauerausstellung zur Varusschlacht und ermöglicht den Besucherinnen und Besucher einzigartige Einblicke. Im Jahr 2018 bei Ausgrabungen im Museumspark entdeckt, hat dieser Fund nicht nur in Fachkreisen für Aufsehen gesorgt.

Zeichen des Friedens – Schulprojekt zum Thema 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs

Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa durch die vollständige Kapitulation der deutschen Wehrmacht. 2025 jährt sich dieser Tag, der wie kein anderer für die doppelte Befreiung von Krieg und Nationalsozialismus und einen Neuanfang steht, zum 80sten Male.

Das Museum und Park Kalkriese nimmt dieses wichtige Datum zum Anlass, um den Blick auf 54 aktuelle, internationale Konflikte in der Welt zu richten und zu verdeutlichen, dass Kriege keine abstrakte Vergangenheit, sondern bittere Realität sind.

Dazu präsentieren Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 11 der Schulen in Stadt und Landkreis Osnabrück das Projekt „Zeichen des Friedens“. Die Schülerinnen und Schüler haben sich intensiv mit den Konflikten auseinandergesetzt, ihre Ursachen, Auswirkungen und mögliche Lösungsansätze untersucht und aufgezeigt, wie diese Konflikte das Leben der betroffenen Menschen prägen.

Das Projekt „Zeichen des Friedens“ geht über eine rein theoretische Auseinandersetzung mit Geschichte und Politik hinaus – es ist ein kreatives Statement. Im Kunstunterricht sind eindrucksvolle Friedenszeichen entstanden, die mit kraftvollen Botschaften an das Publikum appellieren.

Noch bis zum 2. November werden die im Rahmen des Projektes gestalteten Friedenszeichen im Museumspark ausgestellt. Im Ausstellungszeitraum erhalten Besucher freien Eintritt zum Museumspark.

Nähere Informationen: Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH – Museum und Park Kalkriese, Dr. Stefan Burmeister, Geschäftsführer, Venner Straße 69, D – 49565 Bramsche-Kalkriese, Telefon: 0049 (0)54689204-0, Fax 0049 (0)54689204-45, E-Mail kontakt@kalkriese-varusschlacht.de

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