In einem der Räume des Van-de-Velde-Flügels stehen noch bis zum 11. Januar 2026 zwei Werke von Joseph Beuys (1921–1986) aus der Sammlung des Kröller-Müller Museums in Otterlo im Mittelpunkt. Beuys gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten und politisch engagiertesten Künstlern der deutschen Nachkriegszeit.
„Jeder Mensch ist ein Künstler“
Für Joseph Beuys waren Kunst und Leben untrennbar miteinander verbunden. Sein Werk ist voll von persönlicher Symbolik, die sich auf wichtige Lebensereignisse bezieht, die er manchmal auch erfunden hatte. Er nutzte diesen persönlichen Aspekt, um Kunst mit einem sozialen Zweck zu schaffen: dem Streben nach einer Gesellschaft, in der es Raum für Wärme, Zärtlichkeit und Irrationalität gibt, in der jeder Mensch ein Künstler ist.
Gedächtnis
„Die Straßenbahnhaltestelle“ (1976) erinnert an eine Begebenheit aus Beuys‘ Kindheit in Kleve. Die Installation setzt sich aus einer Straßenbahnschiene und Abgüssen des „Eisernen Mannes“ (1653) zusammen. Es handelt sich dabei um ein Denkmal zum Gedenken an den 80-jährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden, das 1794 von Napoleons Truppen zerstört wurde. Wenn Beuys nach der Schule neben diesen Überresten saß und auf die Straßenbahn wartete, erlebte er deren geistige Durchschlagskraft. Er erkannte, dass „die ganze Welt von der Konstellation einiger weniger Klumpen Materie abhängt“. Dieser Gedanke legte den Grundstein für seine Auffassung, dass eine Skulptur ein sich ständig verändernder und sozialer Prozess ist.
Beuys schuf diese Installation für den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Die Überreste der Installation sind im Kröller-Müller-Museum „abgelegt“: wie begraben.
Isolation
„Filzanzug“ (1970) bezieht sich auf ein weiteres für Beuys lebensveränderndes Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg, das allerdings teilweise von ihm erfunden wurde. Nach dem Absturz seines Kampfflugzeugs auf der Krim im Jahr 1944 verdankte er angeblich sein Leben den Tataren, die ihn in Fett und Filz einwickelten, um seine Körperwärme wiederherzustellen. Mit dieser selbsterfundenen Legende erklärte er die häufige Verwendung von Materialien mit „warmen“ Eigenschaften wie Fett, Filz und Kupfer (Flexibilität, Isolierung, Leitung) in seiner Kunst. Der Filzanzug, der seinem eigenen Kostüm nachempfunden ist, bezieht sich auf die Isolierung oder den Schutz vor dem, was um uns herum passiert.
Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo/Niederlande, E-Mail: info@krollermuller.nl und Telefon: +31(0)318591241. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.