Ausstellung über den Bentheimer Grenzlandausschuss im Stadtmuseum Nordhorn

Als Reparationsforderungen für die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden und Verluste forderten die Niederlande 1946 die Abtretung von Gebieten entlang der westdeutschen Grenze. Betroffen waren 18 Landkreise in einer Linie von Borkum bis nach Aachen. Eines der größten Gebiete stellte dabei die Niedergrafschaft dar. Diese Pläne waren auch der Anschub für den Emslandplan, der am 5. Mai 1950 vom Bundestag beschlossen wurde.

Vor diesem historischen Hintergrund wurde am 12. Februar 1947 der Bentheimer Grenzlandausschuß gegründet, als sich in Bentheim die Regierungspräsidenten und die sechzehn Landräte der von den niederländischen Gebietsansprüchen betroffenen Kreise im deutsch-niederländischen Grenzgebiet versammelten und Protest gegen jegliche Abtretung deutschen Territoriums an die Niederlande erhoben. Den Vorsitz führte der Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim, Dr. Rudolf Beckmann.
Der Ausschuß nahm in Form eines Gutachtens Stellung zu Gebietsansprüchen und zu wirtschaftlichen und wasserwirtschaftlichen Forderungen der Niederlande, unter anderem die Forderung von Kohle-, Kali- und Ölkonzessionen sowie nach Beschränkung der Ein- und Ausfuhr in deutschen Seehäfen. Ein Aufgabenschwerpunkt war die Beratung und rechtliche Vertretung von deutschen Landwirten, deren Grundstücke (sogenannte Traktatgrundstücke) auf niederländischem Territorium aufgrund des Pariser Reparationsabkommens vom 14. Januar 1946 in den Niederlanden beschlagnahmt worden waren. Seit 1952 verhandelten die Bundesrepublik Deutschland und die Niederlande über die Rückgabe der Traktatgebiete. Zu diesem Zweck wurde eine deutsch-niederländische Studienkommission eingesetzt, der auch Vertreter des Bentheimer Grenzlandausschusses angehörten. Die Verhandlungen endeten mit dem deutsch-niederländischen Ausgleichsvertrag vom 8. April 1960, der die Rückgabe der 1949 unter niederländische Verwaltung gestellten Grundstücke an die Bundesrepublik Deutschland und den Verlauf der gemeinsamen Grenze regelte. Die offizielle Auflösung des Bentheimer Grenzlandausschusses erfolgte am 12. Februar 1964.

Die Tätigkeiten, Organisation und Wirkung dieses Gremiums, das sich als „Demokratie von der Basis aus“ verstand, stehen im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum Nordhorn im NINO-Hochbau an der NINO-Allee. Die offizielle Eröffnung erfolgt am Sonntag, 28. September, 11.30 Uhr. Die Begrüßung der Gäste wird von Dr. Werner Rohr, Vorsitzender des Grafschafter Museumsvereins, vorgenommen. Das Grußwort wird von Uwe Fietzek, Landrat der Grafschaft Bentheim, gehalten, die Eröffnungsrede von Nadine Höppner, Museumsleiterin. Die Ausstellung ist bis zum 8. März 2026 zu sehen.

Zum Stadtmuseum Nordhorn

Das Stadtmuseum Nordhorn zeigt im 1. Obergeschoss im NINO-Hochbau auf einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmetern die große Textil- und Modegeschichte Nordhorns. Über 100 Jahre lang galt der Satz „Nordhorn hängt am Baumwollfaden“. Zu Beginn der 1960-er Jahre zählten die großen Textilbetriebe der Stadt – NINO, Povel und Rawe – noch fast 12.000 Mitarbeiter, die Jahr für Jahr Millionen Meter Stoff produzierten. Eine Zeit, in der insbesondere das Unternehmen NINO in die „Champions League“ der europäischen Textilindustrie aufstieg. Wie viele andere in Westeuropa ansässige Textilfabriken mussten auch NINO, Povel und Rawe den Verwerfungen der in den 1970-er Jahren einsetzenden Globalisierung Tribut zollen. Im Sommer 2001 stellte mit Rawe die letzte der einst „Großen Drei“ Nordhorner Textilfabriken die Produktion ein. Die Grafschafter Textil- und Bekleidungsindustrie stellte sich neu auf – von Stoff- und Zutatenhändlern über die Mode- und Arbeitskleidung bis hin zur Qualitätssicherung zeigt das Stadtmuseum auch die Textilwelt in der Grafschaft Bentheim heute.

In der Dauerausstellung im NINO-Hochbau präsentiert das Museum zahlreiche Fotografien, Film- und Fernsehreportagen, Betriebszeitschriften, Gemälde, Arbeitsurkunden und Objekte rund um die Grafschafter Textilindustrie. Die Exponate verbinden sich zu einem umfassenden Einblick in die Arbeitswelt der Industriegeschichte Nordhorns. Einzigartiger Bestandteil der Ausstellung sind dabei die Einblicke in die bundesweit einzigartige Sammlung von Industrie- und Modefotografien, unter anderem mit Aufnahmen der Fotografen Rudolf Bulla, Charles Compére, Otto Steinert, Ferdinand Tesch, Alfred Tritschler oder Dr. Paul Wolff.

Stichwort: Textilkultur


Die Dauerausstellung des Stadtmuseums ist eine Hommage an die Mode- und Werbewelt der Nordhorner Textilindustrie. Eine ständig wechselnde Auswahl aus den mehr als 100.000 Fotografien der Museumssammlung, Modezeitschriften, Original-Kleidungsstücken aus NINO-, Povel- und Rawe-Stoffen, Hunderte von Musterbüchern und Mustercoupons, Kollektionskataloge und Werbeartikeln aus der NINO-, Povel- und Rawe-Historie vereinen sich zu einer Zeitreise durch die von den Nordhorner Textilern inspirierte Modewelt der Nachkriegsjahrzehnte.

Ein großer Teil der ausgestellten Modefotografien entstand im Zuge der zwischen 1950 und 1990 mit Millionenaufwand in Szene gesetzten Markenwerbung für Kleidung aus NINO-Stoffen wie der berühmten „NINO-Flex-Mantel“. Modereportagen illustrierten weltweit in Zeitschriften wie „Vogue“, „Stern“, „Brigitte“, „Petra“, „Film und Frau“ oder auch der 60er-Kultzeitschrift „TWEN“. Zu entdecken gibt es Bilder von Fotografen-Legenden wie Helmut Newton, F.C. Gundlach, Guy Bourdin, Frank Horvat, Hans-Günther Kaufmann, Charlotte March, Christa Peters, Rico Puhlmann oder Regina Relang. Themeninseln erzählen zudem die Geschichte der Zusammenarbeit von NINO mit berühmten Desigern wie Karl Lagerfeld, Daniel Hechter oder Heinz Oestergaard.

Zur Abrundung der Zeitreise durch die Textil- und Modewelt lädt das Stadtmuseum jeden ein, im „Dressing Room“ historische Kleidung selbst auszuprobieren.

Nähere Informationen: Stadtmuseum im NINO-Hochbau, NINO-Allee 11, 1. Obergeschoss links, 48529 Nordhorn, Telefon: 05921 721500, E-Mail: kontakt@stadtmuseum-nordhorn.de, Internet: www.stadtmuseum-nordhorn.de. Das Museum ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 uhr geöffnet.

Quellen: Deutsche Digitale Bibliothek / Bundesarchiv, Internetseite des Stadtmuseums Nordhorn

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