In der neuen Sammlungspräsentation „It’s About Time“, die noch bis zum 10. Mai 2026 im Museum Groningen zu sehen ist, werden die Grenzen linearer Zeit durchbrochen. Normalerweise stellen wir uns Zeit und Geschichte als gerade Linie vor, aber was passiert, wenn wir kreuz und quer hindurchgehen? Oder in Kreisen? Sieben Säle voller Kunstwerke aus der eigenen Sammlung laden zu einer persönlichen Entdeckungsreise durch die verschiedenen Gesichter der Zeit ein.
Verschiedene Kuratoren des Groninger Museums haben die Freiheit erhalten, als Zeitreisende durch die Sammlung zu wandeln und ihre eigene Geschichte zu erzählen. Jeder Saal beleuchtet so die einzigartige Sammlung aus einer persönlichen Perspektive, wobei Themen wie Natur, Machtlosigkeit und Vergänglichkeit den Ton angeben – sowohl bei jahrhundertealten als auch bei zeitgenössische Kunstwerken.
„It’s About Time“kommt zu einem besonderen Moment: einer Übergangszeit, in der sich das Groninger Museum auf einen neuen künstlerischen Kurs unter der Leitung von Kunstdirektorin Roos Gortzak vorbereitet. Sie hat gemeinsam mit den Kuratoren hier und da Akzente verschoben und einen zusätzlichen Saal mit Werken von David Lamelas (siehe unten) und Bas Jan Ader (siehe anderen Artikel auf dieser Seite) hinzugefügt – Künstler, deren Werk perfekt sowohl zum Zeitkonzept als auch zur Museumssammlung passt.
Zeit gemeinsam erleben
Gemeinsam können die Besucherinnen und Besucher an David Lamelas‘ Performance „Time“ aus dem Jahr 1970 teilnehmen. Anhand der Anweisungen des Künstlers Lamelas erfahren sie, dass Zeit mehr ist als eine Uhr oder ein Kalender: Es ist etwas, was wir gemeinsam erleben, weitergeben und gestalten. „Was auch immer unser kultureller Hintergrund, unsere Hautfarbe, unser Geschlecht, unsere Religion oder andere Merkmale sein mögen, wir teilen die Gegenwart. In Zeiten zunehmender Polarisierung ist eine solche verbindende Erfahrung dringend nötig“, heißt es dazu vonseiten des Museums.
Zu David Lamela
David Lamelas(* 1946 in Buenos Aires, Argentinien) ist ein argentinischer Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf und experimenteller Filmemacher. Er gilt als einer der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre.
Leben und Werk
David Lamelas absolvierte in Argentinien eine Ausbildung als Bildhauer. Im Jahr 1968 erreichte er internationale Bekanntheit, als er Argentinien auf der Biennale von Venedig mit dem Werk „Office of Information about the Vietnam War on Three Levels: The Visual Image, Text and Audio“ vertrat. Über Antwerpen zog es Lamelas nach London. Er studierte dort, mit einem Stipendium für Skulptur ausgestattet, an der St. Martins School of Art. Er begann dort auch mit Fotografien und Textmaterial zu arbeiten, um für sich den Begriff der Skulptur auszuweiten. Gleichzeitig begann er Filme zu drehen. Das Hauptinteresse seines künstlerischen Schaffens wurde die Beschäftigung mit Zeit, Raum und Sprache. In den 1970-er Jahren lebte und arbeitete David Lamelas abwechselnd in Europa und Amerika.
David Lamelas wurde zu einem der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre. Er produzierte ein umfassendes Werk von Filmen und Videos. Er arbeitete häufig ohne Schnitte und Montage, um eine fortlaufende, erzählerische und ungeschnittene Dokumentation im Film zu erzeugen.
Im Jahr 1969 begann er eine experimentelle Filmreihe in Düsseldorf zu drehen. Bei dieser Filmreihe „Time as Acitivity“ filmte er an drei verschiedenen Orten in der Stadt das Alltagsgeschehen mit einer fixierten Kamera. Die Filme überließen gänzlich dem Zuschauer, was dieser mit dem gefilmten assoziierte. Das Filmprojekt führte Lamelas über mehr als vier Jahrzehnte fort, mit weiteren Drehorten neben Düsseldorf in Berlin, Los Angeles, Warschau und New York City.
Im Jahr 1972 war er mit dem 16-mm-Film „Cumulative Script“ Teilnehmer der „documenta 5“ in in Kassel in der Abteilung Individuelle Mythologien: Film.
David Lamelas Kunst beschäftigt sich mit dem Umgang mit Zeit und Raum. In seinen Projekten, die aus Filmen, Fotografien, Installationen und „Interventionen“ bestehen beschäftigt er sich mit der Frage nach den Grenzen der Zeitlichkeit von Kunst und ihren Möglichkeiten zur Erzeugung alternativer Kommunikations- und Erkenntnisprozesse. Er nimmt seit Ende der 1960-er Jahre an bedeutenden Ausstellungen und Projekten als Einzelkünstler oder an Gruppenausstellungen weltweit teil. 2017 nahm er an der „documenta 14“ teil.
Lamelas lebt und arbeitet in Buenos Aires, Paris und New York City.
Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.