Vom rauschenden Leben der Großstadt über die Intimität des Ateliers bis hin zur Stille der Berge: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso Zeitzeugen einer neuen Epoche und erzählen in ihren Werken von Aufbruch, Krisen und Leidenschaft.
Die Ausstellung „Kirchner. Picasso“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster widmet sich erstmals umfassend diesen zwei einzigartigen Künstlern und ihren überraschenden Parallelen. Obwohl sie sich nie persönlich begegneten, näherten sie sich in ihren Bildwelten und Stilen an. 100 Werke aus bedeutenden europäischen Museen zeigen Gemeinsamkeiten und Gegensätze von zwei der wichtigsten Künstler der Moderne.
Zwei Künstlerbiografien
Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso wurden im Abstand von nur einem Jahr im deutschen Kaiserreich und in Spanien geboren. Unterschiedliche Wege führten sie an die Kunst heran. Gemein ist ihnen die Freude an Innovation, mit der sie ihren künstlerischen Ausdruck stetig neu erfanden. Die Ausstellung öffnet mit den Biografien Kirchners und Picassos, die das Leben der beiden Künstler nicht nur miteinander, sondern auch mit Geschehnissen der Zeitgeschichte verflechten. Zugleich werden Kirchner und Picasso in den größeren Kontext des deutsch-französischen Künstleraustauschs gestellt.
Das Leben in der Großstadt
Beide Künstler zeigen in ihren Bildern Menschen beim Tanzen, Musizieren oder im Varieté. Es geht um Glanz, Tempo und Ekstase – aber auch um das harte Leben hinter den Kulissen, die Einsamkeit und Armut. Die Ausstellung erzählt von beidem – von der Faszination der Bühne und von dem, was dem Publikum verborgen bleibt.
Porträt & Akt
Zu den bekanntesten Werken der beiden Künstler gehören ihre ausdrucksstarken Porträts. Im Fokus stehen die Bildnisse ihrer jeweiligen Lebenspartnerinnen. Anhand der Porträts lassen sich zudem die Stilentwicklungen Kirchners und Picassos besonders deutlich illustrieren. Auch das Motiv der Badenden, Symbol der Unbeschwertheit und des Lebensgenusses, bildet eine Konstante in den Werken der Künstler. Ob im Atelier oder in der Natur – der Akt durchzieht das Werk sowohl Kirchners als auch Picassos. Der Anblick nackter Frauenkörper im Kontrast zu teils bekleideten Männern wirft Fragen nach dem Verhältnis zwischen Maler und Modell auf. Auch das Atelier selbst spielt eine wichtige Rolle: Es ist mehr als nur ein Arbeitsraum – hier entstanden berühmte Werke, hier wurde nachgedacht, gelebt und manchmal auch einfach gemeinsam Zeit verbracht.
Selbstinszenierung
Nicht zuletzt beleuchtet die Ausstellung die Selbstinszenierung der beiden Künstler. Insbesondere Kirchner verewigte sich regelmäßig in Selbstporträts, die Auskunft über seine Lebenssituation zu verschiedenen Zeitpunkten geben. Das Leben als Künstler, ab er auch sein persönliches Ringen mit der eigenen physischen und psychischen Gesundheit offenbaren sich in diesen Werken. Picasso hingegen nutzte die mythologische Figur des Minotaurus, sich zu inszenieren und verstand es, sich in fotografischen Selbstporträts zu präsentieren.
Die Ausstellung ist vom 26. September bis zum 18. Januar 2026 zu sehen.
Nähere Informationen: LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster, Telefon: 0251 5907201, E-Mail: museumkunstkultur@wl.org. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr sowie jeden zweiten Freitag von 10 bis 24 Uhr geöffnet.